Vogelgrippe wirksam bekämpfen - Geflügelbestände durch Impfungen und gezielte Maßnahmen schützen
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Vogelgrippe wirksam bekämpfen - Geflügelbestände durch Impfungen und gezielte Maßnahmen schützen
[Antrag
der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Bernd Schattner, Bernd Schuhmann, Dr. Michael
Blos, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Stefan Schröder,
Alexander Arpaschi, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Thomas Dietz,
Hans-Jürgen Goßner, Karsten Hilse, Dr. Malte Kaufmann, Rocco Kever,
Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Edgar Naujok, Iris Nieland, Manfred
Schiller, Jan Wenzel Schmidt, Thomas Stephan, Martina Uhr, Sven Wendorf,
Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Vogelgrippe wirksam bekämpfen – Geflügelbestände durch Impfungen und
gezielte Maßnahmen schützen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Vogelgrippe (Aviäre Influenza) hat sich in Deutschland dauerhaft etabliert und
tritt nicht mehr nur saisonal, sondern ganzjährig auf. Nach Angaben des Friedrich-
Löffler-Instituts (FLI) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit
(EFSA) wird das Virus H5N1 regelmäßig in Wildvogelpopulationen nachgewiesen.
Durch dieses ganzjährige Vorkommen werden immer wieder ganze Regionen von
Seuchenzügen betroffen, wodurch erhebliche Schäden sowohl bei den Wildvögeln als
auch bei den Hausgeflügelbeständen entstehen (www.fli.de/de/aktuelles/
tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/).
Trotz umfangreicher Maßnahmen wie Stallpflichten, die Einrichtung von Schutz- und
Überwachungszonen sowie die fachgerechte Entsorgung getöteter Tiere konnte das
Virusgeschehen bislang nicht dauerhaft unter Kontrolle gebracht werden. Die
wirtschaftlichen Folgen sind gravierend und gehen in die Millionen (www.mdr.de/
nachrichten/deutschland/panorama/vogelgrippe-gefluegelpest-stallpflicht-keulen-huehner-
kraniche-100.html). Allein dieses Jahr mussten bereits mehr als 500.000 Hühner,
Enten, Gänse und Puten gekeult und anschließend entsorgt worden (www.tages-
schau.de/wirtschaft/vogelgrippe-tierhalter-100.html).
Hauptübertragungsvektoren bleiben wildlebende Wasser- und Zugvögel, darunter
Nonnen-, Nil- und Graugänse, Enten und Möwen. Ihre Bestände haben in den
vergangenen Jahren deutlich zugenommen und tragen entscheidend zur Verbreitung des
Virus bei. In Regionen mit hohen Wildvogelbeständen wird die Geflügelhaltung dadurch
zunehmend erschwert, teils sogar unmöglich (www.fli.de/de/aktuelles/
tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/).
Neben den wirtschaftlichen Schäden bedroht die dauerhafte Präsenz des Virus auch
die Versorgungssicherheit mit Eiern und Geflügelfleisch in Deutschland. Eine nach-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3837
21. Wahlperiode 27.01.2026
haltige Reduzierung des Seuchendrucks erfordert daher ein kombiniertes Vorgehen
aus aktivem Management der Wildvogelpopulationen, dem gezielten Einsatz
wirksamer Impfstoffe in Hausgeflügelbeständen und der Förderung der Biosicherheit in den
Betrieben. Nur durch diese Maßnahmen können sowohl die wirtschaftlichen Interessen
der Geflügelhalter als auch der Tierschutz gewährleistet und die Ausbreitung der
Aviären Influenza in Deutschland langfristig begrenzt werden.
II. Der Deutsche Bundestag begrüßt
1. den gezielten Einsatz wirksamer Schutzimpfungen als Ergänzung zu bewährten
Tiergesundheits- und Biosicherheitsmaßnahmen; die Entwicklung und
Erprobung von Markerimpfstoffen (DIVA-Strategie), die geimpfte von infizierten
Tieren unterscheiden können;
2. die Förderung von Forschung, Zulassung und internationaler Zusammenarbeit bei
Impfstoffen in Kooperation mit europäischen Nachbarländern;
3. freiwillige Schutzkonzepte bei Zoovögeln zu entwickeln, um deren
Zuchtprogramme nicht zu gefährden und die Verschleppung des H5N1-Virus durch
Besuchergruppen zu vermeiden;
4. Maßnahmen zur Stärkung der Biosicherheit in besonders gefährdeten
Geflügelhaltungen;
5. die Harmonisierung nationaler tiergesundheitlicher Schutzmaßnahmen auf
europäischer Ebene, um Handelshemmnisse zu vermeiden.
III. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
gemeinsam mit den Ländern darauf hinzuwirken,
1. die Impfstoffentwicklung gegen die Vogelgrippe, insbesondere am Friedrich-
Loeffler-Institut (FLI), deutlich zu verstärken und gezielt zu fördern;
2. die Entwicklung und Zulassung von Markerimpfstoffen (DIVA-Prinzip) zu
priorisieren, um Impfprogramme ohne Handelshemmnisse zu ermöglichen;
3. auf Grundlage der positiven Erfahrungen Frankreichs und anderer EU-
Mitgliedstaaten ein nationales Konzept für den veterinärmedizinischen Einsatz von
Schutzimpfungen gegen die Aviäre Influenza zu erarbeiten und dessen
Umsetzung in den am stärksten betroffenen Regionen vorzubereiten;
4. die finanziellen Entschädigungen bei Keulungen im Seuchenfall, insbesondere
für Zuchtgänse, auf ein dem tatsächlichen Tierwert entsprechendes Niveau
anzuheben und die bisherige Obergrenze von derzeit rund 50 Euro pro Tier auf
mindestens 110 Euro pro Tier zu erhöhen, um den gemeinen Wert der Tiere
realistisch abzubilden;
5. die Geflügelbetriebe mit Offen- und Freilandhaltung bei der Umstrukturierung zu
unterstützen, um Seuchenschutz und Tierwohl in Einklang zu bringen;
6. die Populationsdichte bestimmter Wildvogelarten, insbesondere Nil- und
Nonnengänse, unter naturschutzrechtlicher Aufsicht zu beobachten und
gegebenenfalls regulierend einzugreifen, um die Viruszirkulation zu verringern;
7. ein weiterentwickeltes nationales Monitoring- und Frühwarnsystem zu etablieren
beziehungsweise aufzubauen, das die Virusverbreitung, genetische Mutationen
und Infektionswege zwischen Wild- und Hausgeflügel in Deutschland
systematisch und zeitnah erfasst;
8. jährlich einen Lagebericht über die Entwicklung der Aviären Influenza, die
Wirksamkeit von freiwilligen Schutzkonzepten für Hausgeflügel sowie die
ökonomischen Auswirkungen zu veröffentlichen.
Berlin, den 27. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die Aviäre Influenza (Vogelgrippe) stellt in ihrer aktuellen epidemiologischen Lage eine dauerhaft relevante
Tiergesundheitsgefährdung in Deutschland dar. Das Virus H5N1 hat sich durch das beständige Vorkommen in
Wildvogelpopulationen endemisch etabliert. Diese Entwicklung führt zu wiederkehrenden Ausbrüchen in
Hausgeflügelbeständen, erheblichen wirtschaftlichen Schäden und zu hohen Verlusten bei Wildvogelarten, darunter
auch bei geschützten und seltenen Arten.
Reaktive Maßnahmen wie Stallpflichten, Keulungen und Restriktionszonen haben bislang offensichtlich keine
nachhaltige Eindämmung bewirken können. Eine langfristige Reduzierung des Infektionsdrucks kann nur durch
ein kombiniertes Vorgehen erreicht werden, das sowohl präventive Impfmaßnahmen als auch strukturelle
Verbesserungen in der Biosicherheit umfasst.
Der Einsatz markerbasierter Impfstoffe oder DIVA-kompatibler Impfprogramme ermöglicht eine präzise
Differenzierung zwischen geimpften und tatsächlich infizierten Tieren (DIVA: Differentiating Infected from
Vaccinated Animals). Diese Verfahren befinden sich derzeit in Entwicklung und bilden die Grundlage für EU-weit
harmonisierte tiergesundheitliche Schutzmaßnahmen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) verfügt über die
wissenschaftliche Kompetenz, die Entwicklung und Evaluierung solcher Impfstoffe national zu koordinieren und in
Kooperation mit der europäischen Forschungsgemeinschaft voranzutreiben.
Besonders hervorzuheben ist das Beispiel Frankreichs, das seit Herbst 2023 erfolgreich ein umfassendes
veterinärmedizinisches Schutzimpfungs-Programm eingeführt hat gegen HPAI H5N1 in Puten- und Entenbeständen
umgesetzt hat. Dort konnte die Zahl der Ausbrüche um mehr als 95 Prozent gesenkt werden (www.top-
agrar.com/gefluegel/impfung-wirkt-frankreich-stoppt-vogelgrippe-fast-vollstandig-20018963.html). Die
Erfahrungen zeigen, dass gezielte Schutzimpfungen, die mit strikten Biosicherheitsmaßnahmen kombiniert werden,
einen wirksamen Beitrag zur Stabilisierung der Geflügelwirtschaft leisten können, ohne dabei den Exporthandel
wesentlich zu beeinträchtigen.
Zudem muss das Wildvogelmanagement an die neue Seuchenrealität angepasst werden. Eine wissenschaftlich
fundierte Beobachtung und, wo erforderlich, gezielte Regulierung lokal überhöhter Bestände insbesondere
invasiver Arten wie Nil- und Nonnengänsen kann das Risiko einer Viruszirkulation verringern, ohne den Artenschutz
zu beeinträchtigen.
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ISSN 0722-8333]
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