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Vogelgrippe wirksam bekämpfen - Geflügelbestände durch Impfungen und gezielte Maßnahmen schützen

dip / drucksache 27.01.2026 · WP 21 · 21/3837 · Antrag · Original ↗

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Vogelgrippe wirksam bekämpfen - Geflügelbestände durch Impfungen und gezielte Maßnahmen schützen [Antrag der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian Reck, Bernd Schattner, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Stefan Schröder, Alexander Arpaschi, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Thomas Dietz, Hans-Jürgen Goßner, Karsten Hilse, Dr. Malte Kaufmann, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Edgar Naujok, Iris Nieland, Manfred Schiller, Jan Wenzel Schmidt, Thomas Stephan, Martina Uhr, Sven Wendorf, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD Vogelgrippe wirksam bekämpfen – Geflügelbestände durch Impfungen und gezielte Maßnahmen schützen Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: Die Vogelgrippe (Aviäre Influenza) hat sich in Deutschland dauerhaft etabliert und tritt nicht mehr nur saisonal, sondern ganzjährig auf. Nach Angaben des Friedrich- Löffler-Instituts (FLI) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird das Virus H5N1 regelmäßig in Wildvogelpopulationen nachgewiesen. Durch dieses ganzjährige Vorkommen werden immer wieder ganze Regionen von Seuchenzügen betroffen, wodurch erhebliche Schäden sowohl bei den Wildvögeln als auch bei den Hausgeflügelbeständen entstehen (www.fli.de/de/aktuelles/ tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/). Trotz umfangreicher Maßnahmen wie Stallpflichten, die Einrichtung von Schutz- und Überwachungszonen sowie die fachgerechte Entsorgung getöteter Tiere konnte das Virusgeschehen bislang nicht dauerhaft unter Kontrolle gebracht werden. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend und gehen in die Millionen (www.mdr.de/ nachrichten/deutschland/panorama/vogelgrippe-gefluegelpest-stallpflicht-keulen-huehner- kraniche-100.html). Allein dieses Jahr mussten bereits mehr als 500.000 Hühner, Enten, Gänse und Puten gekeult und anschließend entsorgt worden (www.tages- schau.de/wirtschaft/vogelgrippe-tierhalter-100.html). Hauptübertragungsvektoren bleiben wildlebende Wasser- und Zugvögel, darunter Nonnen-, Nil- und Graugänse, Enten und Möwen. Ihre Bestände haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und tragen entscheidend zur Verbreitung des Virus bei. In Regionen mit hohen Wildvogelbeständen wird die Geflügelhaltung dadurch zunehmend erschwert, teils sogar unmöglich (www.fli.de/de/aktuelles/ tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/). Neben den wirtschaftlichen Schäden bedroht die dauerhafte Präsenz des Virus auch die Versorgungssicherheit mit Eiern und Geflügelfleisch in Deutschland. Eine nach- Deutscher Bundestag Drucksache 21/3837 21. Wahlperiode 27.01.2026 haltige Reduzierung des Seuchendrucks erfordert daher ein kombiniertes Vorgehen aus aktivem Management der Wildvogelpopulationen, dem gezielten Einsatz wirksamer Impfstoffe in Hausgeflügelbeständen und der Förderung der Biosicherheit in den Betrieben. Nur durch diese Maßnahmen können sowohl die wirtschaftlichen Interessen der Geflügelhalter als auch der Tierschutz gewährleistet und die Ausbreitung der Aviären Influenza in Deutschland langfristig begrenzt werden. II. Der Deutsche Bundestag begrüßt 1. den gezielten Einsatz wirksamer Schutzimpfungen als Ergänzung zu bewährten Tiergesundheits- und Biosicherheitsmaßnahmen; die Entwicklung und Erprobung von Markerimpfstoffen (DIVA-Strategie), die geimpfte von infizierten Tieren unterscheiden können; 2. die Förderung von Forschung, Zulassung und internationaler Zusammenarbeit bei Impfstoffen in Kooperation mit europäischen Nachbarländern; 3. freiwillige Schutzkonzepte bei Zoovögeln zu entwickeln, um deren Zuchtprogramme nicht zu gefährden und die Verschleppung des H5N1-Virus durch Besuchergruppen zu vermeiden; 4. Maßnahmen zur Stärkung der Biosicherheit in besonders gefährdeten Geflügelhaltungen; 5. die Harmonisierung nationaler tiergesundheitlicher Schutzmaßnahmen auf europäischer Ebene, um Handelshemmnisse zu vermeiden. III. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den Ländern darauf hinzuwirken, 1. die Impfstoffentwicklung gegen die Vogelgrippe, insbesondere am Friedrich- Loeffler-Institut (FLI), deutlich zu verstärken und gezielt zu fördern; 2. die Entwicklung und Zulassung von Markerimpfstoffen (DIVA-Prinzip) zu priorisieren, um Impfprogramme ohne Handelshemmnisse zu ermöglichen; 3. auf Grundlage der positiven Erfahrungen Frankreichs und anderer EU- Mitgliedstaaten ein nationales Konzept für den veterinärmedizinischen Einsatz von Schutzimpfungen gegen die Aviäre Influenza zu erarbeiten und dessen Umsetzung in den am stärksten betroffenen Regionen vorzubereiten; 4. die finanziellen Entschädigungen bei Keulungen im Seuchenfall, insbesondere für Zuchtgänse, auf ein dem tatsächlichen Tierwert entsprechendes Niveau anzuheben und die bisherige Obergrenze von derzeit rund 50 Euro pro Tier auf mindestens 110 Euro pro Tier zu erhöhen, um den gemeinen Wert der Tiere realistisch abzubilden; 5. die Geflügelbetriebe mit Offen- und Freilandhaltung bei der Umstrukturierung zu unterstützen, um Seuchenschutz und Tierwohl in Einklang zu bringen; 6. die Populationsdichte bestimmter Wildvogelarten, insbesondere Nil- und Nonnengänse, unter naturschutzrechtlicher Aufsicht zu beobachten und gegebenenfalls regulierend einzugreifen, um die Viruszirkulation zu verringern; 7. ein weiterentwickeltes nationales Monitoring- und Frühwarnsystem zu etablieren beziehungsweise aufzubauen, das die Virusverbreitung, genetische Mutationen und Infektionswege zwischen Wild- und Hausgeflügel in Deutschland systematisch und zeitnah erfasst; 8. jährlich einen Lagebericht über die Entwicklung der Aviären Influenza, die Wirksamkeit von freiwilligen Schutzkonzepten für Hausgeflügel sowie die ökonomischen Auswirkungen zu veröffentlichen. Berlin, den 27. Januar 2026 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Begründung Die Aviäre Influenza (Vogelgrippe) stellt in ihrer aktuellen epidemiologischen Lage eine dauerhaft relevante Tiergesundheitsgefährdung in Deutschland dar. Das Virus H5N1 hat sich durch das beständige Vorkommen in Wildvogelpopulationen endemisch etabliert. Diese Entwicklung führt zu wiederkehrenden Ausbrüchen in Hausgeflügelbeständen, erheblichen wirtschaftlichen Schäden und zu hohen Verlusten bei Wildvogelarten, darunter auch bei geschützten und seltenen Arten. Reaktive Maßnahmen wie Stallpflichten, Keulungen und Restriktionszonen haben bislang offensichtlich keine nachhaltige Eindämmung bewirken können. Eine langfristige Reduzierung des Infektionsdrucks kann nur durch ein kombiniertes Vorgehen erreicht werden, das sowohl präventive Impfmaßnahmen als auch strukturelle Verbesserungen in der Biosicherheit umfasst. Der Einsatz markerbasierter Impfstoffe oder DIVA-kompatibler Impfprogramme ermöglicht eine präzise Differenzierung zwischen geimpften und tatsächlich infizierten Tieren (DIVA: Differentiating Infected from Vaccinated Animals). Diese Verfahren befinden sich derzeit in Entwicklung und bilden die Grundlage für EU-weit harmonisierte tiergesundheitliche Schutzmaßnahmen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) verfügt über die wissenschaftliche Kompetenz, die Entwicklung und Evaluierung solcher Impfstoffe national zu koordinieren und in Kooperation mit der europäischen Forschungsgemeinschaft voranzutreiben. Besonders hervorzuheben ist das Beispiel Frankreichs, das seit Herbst 2023 erfolgreich ein umfassendes veterinärmedizinisches Schutzimpfungs-Programm eingeführt hat gegen HPAI H5N1 in Puten- und Entenbeständen umgesetzt hat. Dort konnte die Zahl der Ausbrüche um mehr als 95 Prozent gesenkt werden (www.top- agrar.com/gefluegel/impfung-wirkt-frankreich-stoppt-vogelgrippe-fast-vollstandig-20018963.html). Die Erfahrungen zeigen, dass gezielte Schutzimpfungen, die mit strikten Biosicherheitsmaßnahmen kombiniert werden, einen wirksamen Beitrag zur Stabilisierung der Geflügelwirtschaft leisten können, ohne dabei den Exporthandel wesentlich zu beeinträchtigen. Zudem muss das Wildvogelmanagement an die neue Seuchenrealität angepasst werden. Eine wissenschaftlich fundierte Beobachtung und, wo erforderlich, gezielte Regulierung lokal überhöhter Bestände insbesondere invasiver Arten wie Nil- und Nonnengänsen kann das Risiko einer Viruszirkulation verringern, ohne den Artenschutz zu beeinträchtigen. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

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