Lebensräume des Rotwildes schützen - Rotwildgebiete auflösen und Hegegedanken auf Grundlage wildbiologischer Forschung weiterentwickeln (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3836)
Text
Lebensräume des Rotwildes schützen - Rotwildgebiete auflösen und Hegegedanken auf Grundlage wildbiologischer Forschung weiterentwickeln (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3836)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4425
21. Wahlperiode 03.03.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3836 –
Lebensräume des Rotwildes schützen – Rotwildgebiete auflösen und
Hegegedanken auf Grundlage wildbiologischer Forschung weiterentwickeln
A. Problem
Die Fraktion der AfD weist im vorliegenden Antrag darauf hin, dass die
Lebensräume von Wild in Deutschland durch den Ausbau von Verkehrswegen und die
Zersiedlung der Landschaft zunehmend eingeschränkt werden. Neuerdings führe
die Errichtung von Zäunen um Solarparks, zum Herdenschutz und zur
Vermeidung der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu einer zusätzlichen
Zerschneidung der Lebensräume. Im Falle der Rotwildpopulation gebe es darüber
hinaus begrenzte Rotwildbezirke im Süden und Westen Deutschlands, außerhalb
derer zur Vermeidung von Wildschäden ein Abschussgebot bestehe.
Dies führe dazu, dass beim Rotwild vermehrt genetische Degeneration auftrete,
die sich in Missbildungen wie verkürzten Unterkiefern äußerte. Die Antragsteller
legen dar, dass die derzeitigen Maßnahmen zum Schutz des Rotwilds und seiner
Lebensräume, z. B. Biotopverbundmaßnahmen oder wildökologische
Raumplanung, nicht ausreichend seien.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/3836 abzulehnen.
Berlin, den 25. Februar 2026
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender und Berichterstatter
Peter Felser
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Zoe Mayer
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Hermann Färber, Peter Felser, Dr. Franziska Kersten,
Dr. Zoe Mayer und Ina Latendorf
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 56. Sitzung am 29. Januar 2026 den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/3836 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur
federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, den
Verkehrsausschuss, den Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und den Ausschuss für
Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Mit dem vorliegenden Antrag soll festgestellt werden, dass die Lebensräume von Wild in Deutschland aus
verschiedenen Gründen stark eingeschränkt sind. Vor allem Rotwild sei davon betroffen, was zu Inzucht und
genetischer Degeneration führe. Die bisherigen Maßnahmen von Bund und Ländern zur Verbesserung der Situation
griffen zu kurz, daher soll die Bundesregierung u. a. aufgefordert werden, einen Umsetzungsbericht zum neuesten
Stand des Bundesprogramms Wiedervernetzung vorzulegen und zur Realisierung von Biotopverbundmaßnahmen
und wildökologischer Raumplanung ab 2027 einen eigenständigen Haushaltstitel vorzuschlagen. Außerdem soll
sie die Ergebnisse der bisherigen und laufenden Untersuchungen zur Populationsgenetik bei Rotwild
zusammenstellen sowie prüfen, ob diese als Basis eines bundesweit einheitlichen Monitorings dienen können.
Als weitere Forderungen an die Bundesregierung nennt der Antrag die Einrichtung eines eigenen
Fördertatbestands für die Finanzierung von Wiedervernetzungsmaßnahmen durch private Waldbesitzer im Rahmen der
Gemeinschaftaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ und die Einführung von
verpflichtenden Wildtierquerungshilfen beim Neubau von Autobahnen und Bundesstraßen. Darüber hinaus soll die
Bundesregierung auf die Länder einwirken, bestehende Rotwildbezirke aufzulösen.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz hat in seiner 24. Sitzung am 25. Februar 2026 mit den
Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der
Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/3836 empfohlen.
Der Verkehrsausschuss hat in seiner 22. Sitzung am 25. Februar 2026 mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die
Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/3836 empfohlen.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat in seiner 25. Sitzung am
25. Februar 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke
gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/3836 empfohlen.
Der Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung hat in seiner 15.
Sitzung am 25. Februar 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/3836 empfohlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Abschließende Beratung
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/3836 in seiner 17. Sitzung am 25. Februar 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion der CDU/CSU merkte an, dass die pauschale Auflösung aller Rotwildbezirke unweigerlich zu
größeren Verbissschäden im Wald führen würde, die im Zuge eines klimagerechten Waldumbaus zu vermeiden
seien. Besser sei, Lösungen mit allen Beteiligten zu finden. Querungshilfen, Grünbrücken und Wilddurchlässe
sollten nur dort gebaut werden, wo sie notwendig und sinnvoll seien. Im Übrigen liege die Zuständigkeit für die
meisten im Antrag geforderten Maßnahmen bei den Ländern.
Die Fraktion der AfD legte dar, der Rothirsch sei nicht nur das größte freilebende Wildtier in Deutschland,
sondern auch das Tier des Jahres 2026. Seine Nominierung solle auf die Zerschneidung seiner Lebensräume und
die Notwendigkeit von mehr Wanderkorridoren aufmerksam machen. Rotwild werde als Forstschädling
betrachtet und in manchen Ländern auf einer geringen Fläche quasi eingesperrt, damit könnten Wanderungen und
genetischer Austausch nicht mehr stattfinden. In ausgewiesenen rotwildfreien Gebieten dürfe Rotwild jederzeit
abgeschossen werden. Genetische Degeneration und Inzucht könnten als Folge einer verfehlten Raum- und Jagdpolitik
bereits nachgewiesen werden. Um den genetischen Austausch zu ermöglichen, schlage die Fraktion der AfD die
Auflösung rotwildfreier Gebiete sowie die Stärkung der wildökologischen Raumplanung durch gezielte Biotop-
Verbundmaßnahmen vor.
Die Fraktion der SPD hob hervor, dass sie Rotwild als größte heimische Wildtierart schützen wolle. Seit 1960
habe sich die Zerschneidung der Wildgebiete durch Infrastrukturmaßnahmen und dichte Besiedelung verdoppelt.
Das Rotwildmanagement und die Anpassung von Landschaftsrahmenplänen lägen in der Zuständigkeit der
Länder. Auf Bundesebene würden das Bundesprogramm Wiedervernetzung, die nationale Umsetzung der EU-
Verordnung zur Wiederherstellung der Natur und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz für eine bessere
Vernetzung der Lebensräume für Rotwild und die Förderung der Biodiversität sorgen.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wandte ein, dass der Rotwildbestand in Deutschland zu groß sei,
was zu Waldschäden führe. Insofern seien Anpassungen im Jagdrecht und im Bestandsmanagement erforderlich.
Den Antrag lehne die Fraktion daher ab.
Die Fraktion Die Linke kritisierte, dass mit dem vorliegenden Antrag der Artenschutz gegen klimafreundliche
Energieerzeugung ausgespielt werden solle, wenn darin die Einzäunung von Solarparks, ebenso wie der
Herdenschutz als belastende Maßnahme für Rotwild bezeichnet würden. Wildbrücken oder ähnliche Querungshilfen
seien bei Straßenneubaumaßnahmen aktuell schon üblich. Mit ihrer ablehnenden Haltung gegen das
Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz habe sich die Fraktion der AfD bisher nicht als Artenschützerin hervorgetan.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/3836 abzulehnen.
Berlin, den 25. Februar 2026
Hermann Färber
Berichterstatter
Peter Felser
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Zoe Mayer
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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