Waldbrandprävention und -bekämpfung in Deutschland stärken - Nationale Koordination verbessern und europäische Zusammenarbeit ausbauen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6033)
Text
Waldbrandprävention und -bekämpfung in Deutschland stärken - Nationale Koordination verbessern und europäische Zusammenarbeit ausbauen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6033)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6742
21. Wahlperiode 26.06.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Danny Meiners, Stephan Protschka, Bernd
Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/6033 –
Waldbrandprävention und -bekämpfung in Deutschland stärken – Nationale
Koordination verbessern und europäische Zusammenarbeit ausbauen
A. Problem
Im vorliegenden Antrag stellt die Fraktion der AfD dar, dass die Waldbrandgefahr
in Deutschland in den vergangenen Jahren angestiegen sei und auch in Zukunft
sehr hoch bleiben werde. Waldbrände verursachten große Schäden für
Bevölkerung, Infrastruktur und Ökosysteme. Somit sei der Bevölkerungsschutz in ganz
Europa vor neue Probleme gestellt. Neben nationalen Anstrengungen müsse auch
die europäische Zusammenarbeit im Bereich Waldbrandprävention und -
bekämpfung intensiviert werden. Die EU-Kommission habe bereits reagiert und im
Rahmen ihres Katastrophenschutzverfahrens Vorsorgemaßnahmen in Form von
Fachpersonal sowie Löschflugzeugen und Hubschraubern verstärkt.
Nach Ansicht der Antragsteller müsse die Bundesregierung die bereits
existierenden Strukturen auf kommunaler und Länderebene besser koordinieren und
ergänzen, Forschung und Ausbildung auf diesem Gebiet verstärken und die europäische
sowie internationale Zusammenarbeit zur Waldbrandprävention und -
bekämpfung weiterentwickeln.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/6033 abzulehnen.
Berlin, den 24. Juni 2026
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender und Berichterstatter
Danny Meiners
Berichterstatter
Isabel Mackensen-Geis
Berichterstatterin
Niklas Wagener
Berichterstatter
Marcel Bauer
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Hermann Färber, Danny Meiners, Isabel Mackensen-Geis,
Niklas Wagener und Marcel Bauer
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 80. Sitzung am 21. Mai 2026 den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/6033 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur
federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Innenausschuss und den Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz,
Naturschutz und nukleare Sicherheit überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Fraktion der AfD zielt mit dem vorliegenden Antrag vor allem auf die Feststellung ab, dass der zunehmenden
Waldbrandgefahr in Deutschland mit verschiedenen Maßnahmen wie einer stärkeren Koordinierung und
strategischer Planung auf Bundesebene, Förderung von Forschung und Ausbildung sowie intensiver Zusammenarbeit auf
Ebene der EU begegnet werden müsse. Die Bundesregierung soll daher unter anderem aufgefordert werden, eine
nationale Waldbrandstrategie zu erarbeiten, ein Förderprogramm für Waldbrandvorbeugung ins Leben zu rufen
und die Kapazitäten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bei der
Koordinierung der Bekämpfung von großflächigen Waldbränden stärker zu nutzen.
Außerdem wird im vorliegenden Antrag die Vorlage einer regelmäßigen bundesweiten Risikoanalyse zur
Waldbrandgefahr gefordert. Darüber hinaus soll die Forschung zu Waldbrandprävention unterstützt, der
Wissenstransfer in diesem Bereich gesichert sowie in der forstlichen Aus- und Weiterbildung ein Schwerpunkt auf
Waldbrandbekämpfung gelegt werden. Zudem wird an die Bundesregierung appelliert, die Zusammenarbeit mit den anderen
Mitgliedstaaten im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens zu verstärken.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Innenausschuss hat in seiner 37. Sitzung am 24. Juni 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU,
SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des
Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/6033 empfohlen.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat in seiner 39. Sitzung am
24. Juni 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke
gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/6033 empfohlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Abschließende Beratung
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/6033 in seiner 27. Sitzung am 24. Juni 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion der AfD erklärte, Waldbrände seien längst kein Randphänomen mehr in Deutschland. Aufgrund
längerer Trockenperioden, hohen Temperaturen und ausgedörrter Vegetation breiteten sich Brände schneller aus
und stellten alle Beteiligten vor wachsende Herausforderungen. Die zersplittere föderale Struktur bei
Waldbrandprävention und -bekämpfung sei unzureichend. Es bedürfe einer nationalen Waldbrandstrategie für Deutschland,
mit der die bundesweite Koordination verbessert und der Bevölkerungsschutz gestärkt werden könne. Diese
Strategie solle sich vor allem auf Vorbereitung konzentrieren, nicht nur auf die Reaktion im Ernstfall. Darüber hinaus
müsse Forschung, Ausbildung und Wissenstransfer von Brandprävention und -bekämpfung ausgebaut werden.
Zudem müsse der Einsatz von modernen Technologien wie satellitengestützten Frühwarnsystemen gefördert
werden. Die Fraktion der AfD fordere im vorliegenden Antrag eine bessere Unterstützung durch die Bundeswehr und
eine engere europäische Zusammenarbeit. Daneben müssten Lösungen für munitionsbelastete Gebiete gefunden
werden. Waldbrandprävention und -bekämpfung seien Aufgaben von wachsender Bedeutung für die Sicherheit
in Deutschland.
Die Fraktion der SPD merkte an, der wirksamste Waldbrandschutz sei ein klimaresilienter, strukturreicher
Mischwald. Trockenes Nadelholz, Harze und ätherische Öle wirkten bei Hitze und Dürre wie Brandbeschleuniger,
daher sei ein Umbau hin zu vielfältigen, strukturreichen Mischwäldern erforderlich. Im Rahmen der
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) würden ebenso wie mit dem
Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ Mittel für Wald und Waldschutz bereitgestellt. Beim
geplanten Pakt für Bevölkerungsschutz werde der Bund bis 2029 10 Mrd. Euro in Ausstattung, Warnsysteme,
digitale Lagebilder und bessere Koordination investieren. Das BBK sowie das Technische Hilfswerk oder die
Bundespolizei sowie die Bundeswehr unterstützten bei Bedarf die Kräfte vor Ort und zeigten, wie leistungsfähig
das föderale System sein könne, wenn Bund, Länder und Kommunen eng zusammenarbeiteten. Die im Antrag
angesprochenen Herausforderungen seien real, ihnen werde aber bereits an vielen Stellen mit zahlreichen
Maßnahmen begegnet.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN entgegnete, die Bundeswehr sei für die Landes- und
Bündnisverteidigung zuständig und habe gerade in diesen Zeiten wichtigere Aufgaben als Waldbrände zu löschen. Umso
dringlicher sei es, dafür zu sorgen, dass der zivile Bereich seiner Verantwortung nachkommen könne, auch wenn die
Bundeswehr, wie zuletzt in Südbayern, Amtshilfe leiste. In der letzten Wahlperiode seien für die Bundespolizei
ca. 45 neue Hubschrauber beschafft worden, die auch für die Löschung von Waldbränden eingesetzt werden
könnten. Außerdem werde der Umbau zu einem resilienten Wald mit verschiedenen Förderprogrammen
unterstützt. Ein strukturreicher Wald sei resistenter gegenüber Waldbränden, weil er Wasser besser halte, und damit
eine sehr gute Prävention. Das Problem der Munitionsaltlasten, die als Brandbeschleuniger wirkten, könne die
Bundesregierung. mit der Verstetigung und dem Ausbau des Haushaltstitels „Nationaler Bodenschutz“ lösen.
Die Fraktion Die Linke hielt fest, laut Umweltbundesamt werde das Waldbrandrisiko in den nächsten Jahren
steigen. Um Waldbrandprävention ernsthaft zu betreiben, müssten endlich Klimaschutzregelungen durchgesetzt
werden. Die Klimapolitik der Fraktion der AfD, deren Mitglieder den menschengemachten Klimawandel
leugneten, sei eine Bedrohung für die gesamte Menschheit. Der vorliegende Antrag fordere nur eine reine
Symptombehandlung und könne nicht ernst genommen werden. Eine bessere Forschung und Infrastruktur für die
Waldbrandbekämpfung sei nötig, gleichzeitig bedürfe es aber ernsthafter Prävention. Der Waldumbau der Staatswälder
stocke seit Jahren. Außerdem sei das Jagdmanagement in Deutschland verfehlt und werde weder von der
Bundesregierung noch im Ausschuss thematisiert. Eine verantwortungsvolle Klimapolitik finde sich im vorliegenden
Antrag nicht und müsse auch bei der Bundesregierung eingefordert werden.
Die Fraktion der CDU/CSU* erklärte, der Bund fördere gemeinsame Maßnahmen zur Prävention und
Bekämpfung von Waldbränden im Wesentlichen über die GAK. Der Waldumbau sei eine sehr gute
Präventionsmaßnahme, denn Mischwälder hätten eine nachweislich geringere Waldbrandgefahr. Einige der Forderungen des
Antrags seien bereits umgesetzt. Es gebe eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe Nationaler Waldbrandschutz und den
Waldbrandgefahrenindex auf Bundesebene. Außerdem habe die EU schon eine Expertengruppe Waldbrandschutz
eingerichtet und ein europäisches Waldbrandinformationssystem installiert. Wie in Artikel 30 in Verbindung mit
Artikel 70 des Grundgesetzes geregelt, seien die Länder für das Thema zuständig, was sinnvoll sei, da sich die
Behörden vor Ort mit den Gegebenheiten auskennen würden und schneller eingreifen könnten. Nicht
nachvollziehbar im vorliegenden Antrag sei die Forderung unter Nummer 12, effiziente Düngetechnologien,
Präzisionslandwirtschaft und Nährstoffrecycling ausbauen, das habe mit Waldbrandprävention und -bekämpfung nichts zu
tun.
* Der Berichterstatter der Fraktion der CDU/CSU, Abg. Hermann Färber, legte nach § 49 AbgG eine Interessenverknüpfung als Kleinwaldbesitzer
offen.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/6033 abzulehnen.
Berlin, den 24. Juni 2026
Hermann Färber
Berichterstatter
Danny Meiners
Berichterstatter
Isabel Mackensen-Geis
Berichterstatterin
Niklas Wagener
Berichterstatter
Marcel Bauer
Berichterstatter
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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