Wegfall der IC- bzw. ICE-Anbindung Lübecks durch Bauarbeiten zur Festen Fehmarnbeltquerung (Antwort zu Drs. 21/3893)
Text
Wegfall der IC- bzw. ICE-Anbindung Lübecks durch Bauarbeiten zur Festen Fehmarnbeltquerung (Antwort zu Drs. 21/3893)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4158
21. Wahlperiode 16.02.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Victoria Broßart,
Swantje Henrike, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/3893 –
Wegfall der IC- bzw. ICE-Anbindung Lübecks durch Bauarbeiten zur Festen
Fehmarnbeltquerung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Mit dem im Dezember 2025 stattgefundenen Fahrplanwechsel verlor die
Hansestadt Lübeck ihren Anschluss an den Fernverkehr (www.deutschebahn.com/
de/presse/presse-regional/pr-hamburg-de/aktuell/presseinformationen-regiona
l/Luebeck-und-Buechen-13692180). Lübeck wurde damit zu einer der größten
Städte in Deutschland ohne IC- oder ICE-Halt. Täglich nutzen über ca. 31 000
Menschen den Lübecker Hauptbahnhof (www.luebeck.de/de/stadtleben/touris
mus/luebeck/sehenswuerdigkeiten/luebecker-bahnhof.html). Schon heute sind
die Regionalzüge Richtung Hamburg, Büchen, Neustadt und Travemünde zu
vielen Zeiten überlastet. Der Wegfall des Fernverkehrs verschärft diese Lage
zusätzlich.
Die Deutsche Bahn AG verweist auf die Bauarbeiten zur Festen
Fehmarnbeltquerung und die damit verbundenen betrieblichen Einschränkungen. Während
ursprünglich von einer Fertigstellung der Querung einschließlich der
Schienenanbindung auf deutscher Seite im Jahr 2029 ausgegangen wurde, wird
inzwischen ein deutlich späterer Zeitpunkt genannt. Nach aktuellem
Kenntnisstand ist von einer Fertigstellung nicht vor dem Jahr 2032 auszugehen (https://
beteiligung.bund.de/DE/VorhabenFindenUndBeteiligen/Details/Vorhaben.htm
l?id=V-E100681). Sollte sich dieser Zeitplan bestätigen, wäre Lübeck über
mehrere Jahre hinweg ohne Fernverkehrsanbindung.
Für den Wirtschaftsstandort, den Tourismus und viele pendelnde Menschen
wäre das eine erhebliche Belastung. Andere norddeutsche Städte mit
geringeren oder vergleichbaren Fahrgastzahlen behalten ihren Fernverkehrsanschluss,
während Lübeck vollständig herausfällt.
Vor diesem Hintergrund besteht erheblicher Informationsbedarf zu den
tatsächlichen Planungen und Zeitschienen sowie zu Möglichkeiten, Lübeck in
der Übergangszeit besser zu bedienen.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 13. Februar 2026
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Wie lange wird Lübeck ohne regelmäßigen IC- bzw. ICE-Halt bleiben?
Nach Angabe der Deutschen Bahn AG (DB AG) wird eine
Fernverkehrsanbindung Lübecks wieder zur Inbetriebnahme der Schienenanbindung der Festen
Fehmarnbeltquerung (FBQ) möglich sein. Im Nahverkehr ist Lübeck weiterhin
alle dreißig Minuten an Hamburg angebunden, wo es zahlreiche
Umsteigemöglichkeiten zum Fernverkehr gibt. Noch bis 30. April 2026 wird Lübeck von drei
baubedingt umgeleiteten Intercity-Zügen Hamburg–Rostock pro Tag und
Richtung bedient.
2. Wann wird die Fertigstellung der Festen Fehmarnbeltquerung sowie der
Schienenanbindung auf deutscher Seite erwartet, und wie hoch sind die
aktuell geschätzten Kosten?
3. Sofern eine Fertigstellung nicht bis 2029 erfolgt, welche Gründe gibt es
für eine verzögerte Inbetriebnahme der Hinterlandanbindung?
Die Fragen 2 und 3 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Nach Auskunft der DB InfraGO AG wird sich die Umsetzung der FBQ über
2029 hinaus verzögern. Als Gründe für eine Anpassung des Zeitplans wurden
Schwierigkeiten beim Abschluss der Planungen und der Baurechtserlangung
angeführt. Im September 2025 gab auch die dänische Seite bekannt, dass das
Ziel, den Fehmarnbelt-Tunnel im Jahr 2029 zu eröffnen, gefährdet ist. Das
Bundesministerium für Verkehr (BMV) stimmt mit dem dänischen
Verkehrsministerium ab, wie der aktuelle Stand der Arbeiten auf beiden Seiten
eingeschätzt wird und was ein neuer, belastbarer Zieltermin für die Eröffnung der
FBQ und ihrer Hinterlandanbindung sein kann.
Die Gesamtkosten für die deutsche Hinterlandanbindung auf der Schiene
(Projekt: ABS/NBS Hamburg – Lübeck – Puttgarden) belaufen sich auf 5,9 Mrd.
Euro inklusive des Straßenanteils am Fehmarnsundtunnel.
4. Wie viele Menschen pendelten in den Jahren von 2019 bis 2024
regelmäßig zwischen Lübeck und den Städten bzw. Kreisen Hamburg,
Ostholstein und Bad Oldesloe (bitte jeweils in absoluten Zahlen sowie getrennt
nach Einpendlern und Auspendlern angeben)?
5. Welche Auswirkungen auf Pendlerströme zwischen Lübeck und
Hamburg werden aufgrund der Streichung des Fernverkehrs erwartet
(insbesondere auf die Auslastung der Linien RE 8, RE 80 und RB 81)?
Die Fragen 4 und 5 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung liegen hierzu keine eigenen Informationen vor.
Erhebungen von Fahrgastzahlen erfolgen bei den jeweiligen
Eisenbahnverkehrsunternehmen bzw. beim Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV).
6. Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für geeignet, um die Zeit
ohne Fernverkehr abzufedern, insbesondere im Hinblick auf zusätzliche
Kapazitäten, dichtere Takte und ergänzende Angebote in touristischen
Spitzenzeiten?
Die DB Fernverkehr AG bietet ab dem 11. Juli 2026 zusätzliche
Umsteigeverbindungen in Richtung München in Lüneburg an. Weitere Maßnahmen sind
nach Einschätzung der DB Fernverkehr AG mit Blick auf die lediglich zwei
entfallenden Zugpaare und das halbstündliche Angebot im Nahverkehr nicht
erforderlich.
7. Wie bewertet die Bundesregierung das Verhältnis zwischen den hohen
Fahrgastzahlen am Lübecker Hauptbahnhof und dem vollständigen
Verlust des Fernverkehrs?
Der vorübergehende Entfall der Fernverkehrsanbindung Lübecks steht nicht im
Zusammenhang mit den Fahrgastzahlen. Der überwiegende Anteil der
Fahrgäste am Lübecker Hauptbahnhof nutzt die Angebote des SPNV.
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen des Wegfalls des
Fernverkehrs für Personen mit eingeschränkter Mobilität, für die
Umstiege in Hamburg eine erhebliche Erschwernis darstellen können?
Mit zusätzlichen Umstiegen am Hamburger Hauptbahnhof ist nach aktueller
Einschätzung der DB AG nicht zu rechnen.
9. Welche Abstimmungen haben zwischen der Bundesregierung, der
Landesregierung Schleswig-Holstein und der Deutschen Bahn über die
Aufrechterhaltung eines Grundangebots im Fernverkehr stattgefunden, und
mit welchen Ergebnissen?
Nach Angaben der DB AG hat die DB Fernverkehr AG im Zuge der regulären
Abläufe bei der Fahrplanerstellung Abstimmungen mit den für den SPNV
zuständigen Stellen durchgeführt. Wegen der eigenwirtschaftlichen Erbringung
der Fernverkehrsleistungen durch die DB Fernverkehr AG und weiterer
Eisenbahnverkehrsunternehmen ist die Bundesregierung in diesen Prozess nicht
involviert.
10. Welche Auswirkungen auf den touristischen Reiseverkehr in den
Regionen Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Travemünde und Neustadt in
Holstein werden durch den Wegfall des Fernverkehrs erwartet?
Nach Angaben der DB AG werden die Auswirkungen als gering eingeschätzt.
Maßgeblich sind die vergleichsweise geringe Anzahl temporär wegfallender
Fernverkehrszüge und das umfangreiche vorhandene Angebot im SPNV.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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