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Nachtzugverbindungen retten - Ein starkes europäisches Nachtzugnetz etablieren

dip / drucksache 24.11.2025 · WP 21 · 21/2901 · Antrag · Original ↗

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Nachtzugverbindungen retten - Ein starkes europäisches Nachtzugnetz etablieren [Deutscher Bundestag Drucksache 21/2901 21. Wahlperiode 24.11.2025 Antrag der Abgeordneten Matthias Gastel, Victoria Broßart, Tarek Al-Wazir, Swantje Henrike Michaelsen, Stefan Schmidt, Dr. Julia Verlinden, Dr. Paula Piechotta, Chantal Kopf, Dr. Anna Lührmann und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Nachtzugverbindungen retten – Ein starkes europäisches Nachtzugnetz etablieren Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: Deutschland und Europa stehen vor der Herausforderung, in den nächsten beiden Jahrzehnten ein klimafreundliches Mobilitätssystem zu etablieren. Dazu gehört die Energie- und Antriebswende im Straßenverkehr mit einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Dazu gehört aber genauso ein Kontinent, dessen Metropolen durch ein leistungsfähiges Nachtzugnetz verbunden sind. Grenzüberschreitende effiziente Verbindungen auf der Schiene ermöglichen nicht nur eine komfortable und zeitsparende Reise während der Nacht, sondern schonen auch Umwelt und Klima. Reisende können sich nachts entspannen und am nächsten Morgen erholt und pünktlich an ihrem Ziel ankommen – ohne Stress, Fluglärm und CO2-Emissionen. Europa besitzt bereits viele grenzüberschreitende Schienenverbindungen. Sie gezielt zu einem attraktiven europäisches Nachtzugnetz auszubauen, das nachhaltige Mobilität ermöglicht und unsere unterschiedlichen Länder und Kulturen verbindet, würde die europäische Zusammengehörigkeit enorm verstärken. Deutschland besitzt nicht zuletzt wegen seiner geografischen Lage für ein künftiges europäisches Schienenverkehrsnetz zentrale Bedeutung. Die Geltung, die Deutschland der Bahnpolitik zumisst, strahlt auf Europa aus. Deswegen müssen Europa und das Thema Nachtzüge zwingend Teil jeder „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ sein. Mit seinem Bundesministerium für Verkehr denkt Deutschland Schienenverkehr nicht über nationale Grenzen hinaus. Während andere Länder Nachtzugangebote finanziell unterstützen, beteiligt sich Deutschland bis heute nicht an solchen Konzepten. Trotz wachsender öffentlicher Unterstützung und steigender Nachfrage kämpfen daher etablierte und hoch ausgelastete Linien wie Wien–Hamburg oder Zürich–Amsterdam um eine ausreichende Wirtschaftlichkeit. Europäische Nachtzugverbindungen bleiben bislang auf wenige Strecken begrenzt. Bestehende Angebote wie der Nachtzug Paris–Berlin sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 sogar wieder eingestellt werden – trotz guter Nachfrage. Ebenso hat der Nachtzug von Berlin nach Stockholm eine ungewisse Zukunft. Nachtzüge werden aufgrund hoher Investitions- und Betriebskosten für Wagenmaterial, Personal und Infrastruktur tatsächlich immer wirtschaftlich wenig rentabel sein. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: Schlaf- und Liegewagen sind europaweit knapp und Investitionen in neues Rollmaterial werden durch aufwendige und teure Zulassungsverfahren in mehreren Ländern erschwert. Buchungssysteme sind europaweit häufig nicht miteinander kompatibel, was internationale Verbindungen schwer auffindbar und Zugtickets nur sehr eingeschränkt buchbar machen. Auch ist die Betriebszuverlässigkeit oft nicht zufriedenstellend und die Fahrgastrechte bei Umsteigeverbindungen nicht gut abgesichert. Um ein starkes europäisches Bahn- und Nachtzugnetz aufzubauen, ist gezieltes politisches Handeln notwendig. Deutschland muss hierbei seiner strategischen Rolle im europäischen Bahnnetz gerecht werden und eine enge europäische Zusammenarbeit bei Finanzierung, Fahrzeugbereitstellung, Infrastruktur und Vertriebssystemen etablieren. Dann kann Europa das volle Potenzial des Nachtzugverkehrs auszuschöpfen. II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, 1. Nachtzugverkehr in die Bahnstrategie aufzunehmen mit dem Ziel, ein stabiles Angebot insbesondere auf stark nachgefragten Strecken zu ermöglichen; 2. grenzüberschreitende Schienenstrecken zu ertüchtigen und so auszubauen, dass europäische Zugverbindungen sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr gestärkt und vermehrt werden; 3. das Trassenpreissystem zu reformieren und Trassenpreise auf dem Schienennetz in Deutschland abzusenken und insbesondere Nachtzugverbindungen auf diese Weise wirtschaftlich zu unterstützen; 4. Nachtzugverbindungen in Kooperation mit anderen Ländern auszuschreiben und einen Aufgabenträger auf Bundesebene zu etablieren, damit die Verbindungen wirtschaftlich abgesichert werden. 5. exemplarische grenzüberschreitende Nachtzugverbindungen wie Berlin–Paris, Frankfurt–Barcelona und Basel–Malmö als prioritäre Linien zu benennen und deren dauerhaften beziehungsweise neuen Betrieb aktiv zu unterstützen; 6. die Zulassungsverfahren in Deutschland für neue Nachtzüge zu vereinfachen und auf eine europaweite Harmonisierung zu drängen; 7. die Bemühungen der Europäischen Kommission zur Verbesserung der durchgehenden Buchbarkeit von Tickets mit dem Ziel zu unterstützen, dass alle Zugverbindungen und damit auch Nachtzüge aus jeder Ticket-App buchbar sind; 8. sicherzustellen, das Baustellenmanagement der Deutschen Bahn zu verbessern, indem die DB InfraGO ihre Baustellen fristgerecht anmeldet und dabei die Belange der Nachtzüge stärker berücksichtigt; 9. Wettbewerbsnachteile des Schienenpersonenverkehrs gegenüber dem Luftverkehr abzubauen und steuerliche Benachteiligungen des internationalen Bahnverkehrs zu beenden; 10. den Stellenwert von Nachtzugverbindungen – insbesondere auf europäischer Ebene – auch in der neuen Nationalen Tourismusstrategie zu berücksichtigen. Berlin, den 24. November 2025 Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion Begründung Nachtzugverbindungen sind zentraler Bestandteil einer klimafreundlichen grenzüberschreitenden Mobilität in Europa. Sie bieten eine umweltverträgliche Alternative zum Flugverkehr, ermöglichen komfortables Reisen über Nacht und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung nationaler und europäischer Klimaziele und für einen insgesamt nachhaltigen Tourismus. Studien zeigen, dass Reisen mit dem Zug im Vergleich zum Flugzeug je nach Strecke bis zu 90 Prozent weniger CO₂-Emissionen verursachen (www.umweltbundesamt.de/themen/ verkehr/emissionsdaten#verkehrsmittelvergleich). Nachdem die Deutsche Bahn AG 2016 aus dem Nachtzugverkehr ausgestiegen ist und ihre Schlafwagen veräußert hatte, wollte der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Jahr 2020 in Anlehnung an den berühmten Vorläufer ein gemeinsames Projekt „Trans-Europ-Express 2.0“ anstoßen und in diesem Rahmen auch EU-Förderprogramme für Nachtzugangebote einführen. Es ist derzeit unklar, ob diese Initiative weiterverfolgt und in konkrete bahnpolitische Maßnahmen übersetzt wird. Im Jahr 2023 hat die rot-grün-gelbe Bundesregierung ein Gutachten zur Betrachtung der ökologischen und gesamtgesellschaftlichen Bilanz von Nachtzugverkehren auf der Schiene im inter- und intramodalen Vergleich ist Auftrag gegeben. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Nachtzüge ökologisch vorteilhaft sind und insbesondere auf mittleren Distanzen ein hohes Potenzial zur Verlagerung von Flugreisen auf die Schiene bieten. Nach europäischem Recht können SPFV-Verbindungen auf gemeinwirtschaftlicher Grundlage als sog. PSO- Verkehre („public service obligation“, öffentliche Dienstleistungsaufträge) ausgestaltet werden. Eigenwirtschaftliche und PSO-Verkehre werden als gleichwertig angesehen, was auch die Einrichtung sog. Hybriddienste ermöglicht, bei denen bestimmte Teilstrecken grenzüberschreitender Verbindungen auch dann eigenwirtschaftlich betrieben werden, wenn andere Teilstrecken als PSO-Verkehr durchgeführt werden. Dies ist für grenzüberschreitende Verbindungen und insbesondere für Nachtzüge relevant. Dazu muss die Bundesregierung den rechtlichen Rahmen schaffen. Nachtzüge legen lange Distanzen zurück und sind dadurch oft anfällig für Verspätungen, die sich schwer ausgleichen lassen. Fehlende Koordination bei Bau- und Fahrplanmaßnahmen beeinträchtigt zusätzlich die Stabilität des Betriebs. Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht es eine vermehrte europäische Zusammenarbeit und verbesserte Fahrgastrechte. Die Bundesregierung soll die Verordnung zur Harmonisierung von Fahrplänen auf europäischer Ebene unterstützen und dabei darauf achten, dass Baustellen international besser koordiniert werden. Um die Zugzulassung zu vereinfachen, entwickelt das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung bereits einen ersten Prototypen. Nach ihrer Zulassung ist eine europäische Förderung erforderlich, um eine kosteneffiziente Beschaffung neuer Schlaf- und Liegewagen in ausreichender Stückzahl zu ermöglichen. Um intermodale Wettbewerbsnachteile zu beenden, müssen für grenzüberschreitende Bahnreisen mindestens dieselben Mehrwertsteuerregelungen gelten wie für internationale Flüge. Flugbenzin muss wie andere Treibstoffe und Strom fair besteuert werden. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

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