Weiteres Verfahren der Bundesregierung mit der Initiative Green Card
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Weiteres Verfahren der Bundesregierung mit der Initiative Green Card
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2801
21. Wahlperiode 13.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt, Danny
Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Bernd Schattner, Stefan Schröder,
Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer und der Fraktion der AfD
Weiteres Verfahren der Bundesregierung mit der Initiative Green Card
Die sogenannte Green-Card-Initiative (Green Card: An EU Action Plan for
Plant-Based Foods) zielt auf eine Umgestaltung des EU-Lebensmittelsystems
durch pflanzliche Alternativen ab. Die Initiative wurde im Januar 2025 durch
einen offenen Brief von über 130 Organisationen an EU-Kommissar Christophe
Hansen gestartet und fordert die EU-Kommission auf, bis 2026 einen
umfassenden EU-Aktionsplan für pflanzliche Lebensmittel zu entwickeln (https://ee
b.org/wp-content/uploads/2025/01/Joint_call_EU_Action_Plan_for_Plant-Base
d_Foods_Jan2025.pdf). Sie basiert auf Berichten wie dem „Vision for
agriculture and food“ der EU-Kommission (https://agriculture.ec.europa.eu/overview-
vision-agriculture-food/vision-agriculture-and-food_en) und dem Draghi-
Report zur Wettbewerbsfähigkeit (https://commission.europa.eu/topics/eu-com
petitiveness/draghi-report_en). Es heißt, dass der Aktionsplan für
Pflanzennahrung zahlreiche Vorteile hätte, darunter die Reduzierung von
Importabhängigkeiten, die Förderung gesunder pflanzlicher Ernährungsweisen, Innovationen in
der Landwirtschaft und Integration in den EU Green Deal. Er baut auf früheren
Maßnahmen wie Dänemarks nationalem Aktionsplan für pflanzliche
Lebensmittel (2023) auf, der als Vorbild dient (www.deutsche-molkerei-zeitung.de/pol
itik-wirtschaft/aktionsplan-fuer-pflanzliche-lebensmittel-vorgestellt/).
Fleischverbände kritisierten bereits im Vorfeld eine erstarkte politische
Förderung pflanzlicher Alternativen zu tierischen Proteinen auf europäischer Ebene
oder die Lockerung bei der Benennung dieser Produkte in Anlehnung an ihre
tierischen Originale – Kernelemente der Green-Card-Initiative. Sie stellen den
pauschalen Klimanutzen eines Ernährungswandels hin zu mehr Pflanzenkost
infrage („Does shifting to plant‑based diets really reduce emissions?“) und
verweisen auf mögliche unerwünschte Effekte. Darunter negative Auswirkungen
auf die Speicherung von organischem Kohlenstoff in den Böden oder eine
Erhöhung der Lachgasemissionen (https://meatthefacts.eu/home/activity/beyond-t
he-headlines/does-shifting-to-plant-based-diets-really-reduce-emissions/?utm_s
ource=openai). Farm Europe veröffentlichte am 26. März 2025 einen von 125
Organisationen der europäischen Tierhaltungslieferketten unterzeichneten
Appell („Nourishing Europe: The Importance of Animal Proteins“). Er fordert
eine EU‑Lebensmittelstrategie, die Tierprotein ausdrücklich aufwertet, vor
einseitigen Bewertungen warnt und ökonomische Risiken einer Politik zulasten
der Tierhaltung betont – damit ein klarer Kontrapunkt zur Idee eines
EU‑Aktionsplans ausschließlich für pflanzliche Lebensmittel (www.farm-europ
e.eu/our-works/resilience-en/125-organisations-call-for-a-new-impetus-in-the-e
u-food-policy-valorising-livestock-farming/).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Position nimmt die Bundesregierung zur sogenannten Green Card
ein, die einen EU-Aktionsplan für pflanzliche Lebensmittel fordert, und
plant sie, diese Initiative beispielsweise im EU-Rat aktiv zu unterstützen?
2. Hat die Bundesregierung bereits Kontakte zu den Initiatoren der Green-
Card-Aktion aufgenommen, und wenn ja, welche Ergebnisse gibt es zu
berichten?
3. Wird die Bundesregierung die Green Card in die anstehende Reform der
Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027 einfließen lassen,
insbesondere bezüglich der Förderung pflanzlicher Lebensmittel, und wenn ja,
inwiefern?
4. Plant die Bundesregierung finanzielle oder rechtliche Maßnahmen, um die
Beweggründe der Initiatoren (z. B. zur Proteinwende) umzusetzen?
a) Wenn ja, was soll umgesetzt werden, und wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
5. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Forderungen der
Green-Card-Initiatoren auf deutsche Verbraucher und die deutsche
Lebensmittelindustrie auswirken, und wenn ja, in welcher Form, und woher
hat sie die Kenntnis?
6. Ist der Bundesregierung bekannt, welche Auswirkungen die Vorhaben
beispielsweise auf die Zulassung gentechnisch veränderter pflanzlicher
Produkte in der EU hat, und wie positioniert sich die Bundesregierung dazu?
7. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, welche Finanzierungsquellen
die Initiatoren der Green-Card-Aktion nutzen, und gibt es öffentliche
Förderungen aus Deutschland oder der EU, und wenn ja, welche
Unterstützungsleistungen sind es?
8. Hat die Bundesregierung Pläne, die Initiatoren in Beratungsgremien
einzubinden, z. B. für zukünftige nationale Gesetzgebungsverfahren zu
pflanzlichen Lebensmitteln?
9. Welche Fortschritte auf EU-Ebene gibt es bei der Umsetzung der Green-
Card-Forderungen seit Januar 2025, und wie wird die Bundesregierung in
diesen Prozess involviert?
10. Gibt es Evaluierungen der Bundesregierung zu den potenziellen
wirtschaftlichen Auswirkungen der Initiative auf Deutschland?
11. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Abhängigkeit
Deutschlands von Düngemittelimporten aus Ländern wie Russland und
Belarus zu reduzieren, im Einklang mit der Green Card und dem Ziel
strategischer Autonomie durch pflanzliche Biosolutions?
12. Wie bewertet die Bundesregierung das Potenzial pflanzlicher
Lebensmittel, die EU-weite Lebensmittelsicherheit zu stärken, und welche
nationalen Strategien werden entwickelt, um geopolitische Risiken wie
extreme Wetterereignisse zu mindern?
13. Welche Initiativen plant die Bundesregierung ggf., um pflanzenreiche
Ernährungsweisen zu fördern, wie in der Green Card gefordert, z. B. durch
Anpassung der Ernährungspyramide oder Steuererleichterungen für
pflanzliche Produkte?
14. Wie wird die Bundesregierung die Wettbewerbsfähigkeit deutscher
Landwirte durch den Ausbau pflanzlicher Produktion ggf. unterstützen,
einschließlich neuer Geschäftsmöglichkeiten und Inspiration für junge
Landwirte?
15. Plant die Bundesregierung, kulinarische Ausbildungen mit Fokus auf
pflanzliche Küche zu fördern, und wie wird dies in nationale
Bildungsprogramme integriert?
16. Welche zusätzlichen Mittel wird die Bundesregierung ggf. für Forschung
und Entwicklung im Bereich pflanzlicher Lebensmittel und Biosolutions
bereitstellen, um die Ziele der Green Card zu erreichen?
17. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu EU-Vorschlägen wie dem
Verbot von Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“ (www.deutschlandfun
k.de/eu-parlament-stimmt-fuer-abschaffung-von-namen-wie-veggie-burge
r-und-veggie-wurst-100.html#:~:text=%22Veggie%2DWurst%22-,Bezeic
hnungen%20verboten,entsprechende%20Gesetzes%C3), und wie passt
dies zur Förderung pflanzlicher Lebensmittel in der Green Card?
18. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob das PlantEurope-Netzwerk
(www.ernaehrungswandel.org/vernetzen/planteurope/about) an der Green-
Card-Aktion beteiligt ist und wenn das Netzwerk beteiligt ist, welche
Rolle spielen einzelne, ausgewählte Mitglieder bei der Formulierung des
Aktionsplans (bitte Mitglieder und Organisationen benennen, die
maßgeblich an der Green Card-Initiative mitgewirkt haben)?
19. Gibt es eine Liste der über 130 Organisationen, die den offenen Brief an
EU-Kommissar Christophe Hansen im Januar 2025 unterstützt haben (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller), und welche deutschen Organisationen
sind darunter vertreten?
20. Ist der Bundesregierung bekannt, ob Verbindungen zwischen den
Initiatoren der Green-Card-Aktion und EU-Institutionen wie der Kommission
oder dem Parlament bestehen, und wenn ja, welche Verbindungen sind
bekannt, und auf was sind diese Nähen zu den Institutionen zurückzuführen
(beispielsweise frühere Initiativen oder Ähnliches)?
Berlin, den 11. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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