Tätigkeit des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge in Russland
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Tätigkeit des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge in Russland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2151
21. Wahlperiode 10.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Keuter, Udo Theodor Hemmelgarn, Gerold Otten, Jan
Wenzel Schmidt, Heinrich Koch, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD
Tätigkeit des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge in Russland
Die Tätigkeit des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge (im Folgenden:
Volksbund) wird durch das Auswärtige Amt finanziert (vgl. Haushaltsplan 05,
Haushaltstitel 05 02 685 01-249, „Erhaltung deutscher Kriegsgräber im
Ausland, Gräber von infolge NS-Verfolgung ausgewanderten und im Ausland
verstorbenen Personen sowie Maßnahmen der Jugendbegegnung und
Gedenkarbeit“, auf Bundestagsdrucksache 21/500). Der Volksbund „widmet sich im
Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, Kriegstote im Ausland zu suchen und
zu bergen, sie würdig zu bestatten und ihre Gräber zu pflegen“ (www.volksbun
d.de/ueber-uns/kurzdarstellung).
In dem 1991 ratifizierten Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und
Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR
sicherten beide Länder den Erhalt und die Pflege der Kriegsgräber der
Gegenseite zu (Artikel 18). Die Arbeit des Volksbunds ist nach Auffassung der
Fragesteller ein wichtiger Schritt zur Völkerversöhnung zwischen Deutschen und
Russen und anderen Völkern der ehemaligen Sowjetunion, gerade vor dem
Hintergrund der geopolitischen Spannungen seit 2014. Gleichwohl wies der
Büroleiter des Volksbunds in Moskau, Hermann Krause, darauf hin, dass die
Zusammenarbeit sich zunehmend schwierig gestalte. „Zurzeit gebe es kaum
Genehmigungen für die Exhumierung gefallener deutscher Soldaten“ (vgl.
www.deutschlandfunk.de/volksbund-deutsche-kriegsgraeberfuersorge-weist-au
f-schwierige-arbeit-in-russland-hin-100.html). Der deutsche Journalist Ulrich
Heyden hat eine Interviewanfrage an Hermann Krause gestellt, die dieser
jedoch „aufgrund der aktuellen schwierigen politischen Situation“ nicht
beantworten wollte (vgl. https://ulrich-heyden.de/article/unbeantwortete-fragen-an-d
en-volksbund-deutsche-kriegsgraberfursorge). Im Folgenden beziehen sich die
Fragen, soweit nicht anders angegeben, auf diesen Artikel von Ulrich Heyden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Kontakt des
Volksbunds zur russischen Regierung, zu russischen Medien und Veteranen-
Organisationen vor und nach 2014 gestaltet?
2. Wie viele deutsche Soldaten, die am Angriff auf die Sowjetunion von
1941 bis 1945 teilgenommen haben, liegen nach Kenntnis der
Bundesregierung in bekannten, öffentlich zugänglichen deutschen
Soldatenfriedhöfen auf dem Territorium der Russischen Föderation (bitte auch angeben,
wie viele noch als vermisst gelten)?
3. Wie viele Gebeine von vermissten deutschen Soldaten wurden in den
letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung gefunden (bitte nach
Jahr aufschlüsseln)?
4. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung erarbeitet zur Arbeit
des Volksbunds in Russland, und welche Erfolge und welche
Herausforderungen sieht sie ggf.?
5. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie oft Verwandte aus
Deutschland in den letzten fünf Jahren nach Russland eingereist sind, um
sich um die Bestattung von gefallenen deutschen Soldaten zu kümmern,
und ob es Schwierigkeiten bei der Einreise gegeben hat?
6. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Russland Kritik an der
Arbeit des Volksbunds, wenn ja, welcher Art, von welchen Institutionen oder
Organisation wurde diese nach Kenntnis der Bundesregierung
vorgetragen, und wie begegnet der Volksbund dieser?
7. Aus welchen Gründen soll nach Kenntnis der Bundesregierung der
deutsche Soldatenfriedhof in Rschew erweitert werden, hat die
Bundesregierung Kenntnisse über die Reaktion der staatlichen russischen Stellen
hierauf (vgl. https://ulrich-heyden.de/article/unbeantwortete-fragen-an-den-vo
lksbund-deutsche-kriegsgraberfursorge), und wenn ja, wie gestaltete sich
diese?
8. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung weitere Bauvorhaben für
Friedhofserweiterungen oder neue deutsche Soldatenfriedhöfe in
Russland, wenn ja, wo, welche, und wie stellt sich die Reaktion der russischen
Behörden auf diese dar?
9. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob Vertreter des Volksbunds in
Russland zu öffentlichen Veranstaltungen oder von russischen
Journalisten zu Interviews eingeladen werden, und wenn ja, zu welchen bzw. in
welchen Medien (bitte seit 2014 nach Jahren angeben)?
10. Werden nach Kenntnis der Bundesregierung durch den Volksbund in
Russland selbst Veranstaltungen organisiert, wenn ja, welche, und wie
viele (bitte seit 2014 nach Jahren angeben)?
11. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Freiwillige in
Russland (u. a. auch aus Deutschland) nach den Gebeinen deutscher Soldaten
suchen und von wem ggf. die Sucharbeit bezahlt wird?
12. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob und wenn ja, wie viele
Suchanfragen von Angehörigen aus Deutschland es nach dem Sterbeort
von deutschen Soldaten in Russland gibt (wenn ja, bitte seit 2014 nach
Jahren aufschlüsseln)?
13. Gab oder gibt es noch Überführungen der Gebeine gefallener deutscher
Soldaten nach Deutschland, und wenn ja, wann (bitte seit 2014 nach
Jahren aufschlüsseln)?
14. Hat die Bundesregierung Kenntnis über die verschiedenen
Gräberkategorien (u. a. Soldatenfriedhöfe, die von Wehrmachtseinheiten, von der
Sowjetunion oder ab 1992 durch den Volksbund errichtet wurden), und
wenn ja, welche?
15. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl von 443 000 deutschen
Soldaten, die in der sowjetischen Kriegsgefangenschaft nach Auffassung
von russischen Historikern starben, korrekt (vgl. https://ulrich-heyden.de/a
rticle/unbeantwortete-fragen-an-den-volksbund-deutsche-kriegsgraberfurs
orge; wenn nein, bitte begründen)?
16. Ist der Bundesregierung bekannt, und wenn ja, hat sie sich eine
Auffassung darüber gebildet, warum die deutschen Soldatengräber in Russland
auf der Internetseite der Kriegsgräberfürsorge nicht gleich auf der
Startseite mit einem Menüpunkt ansteuerbar sind?
17. Wurden die 2018 vom Auswärtigen Amt bewilligten 500 000 Euro für die
Erweiterung eines Gedenkkomplexes zum ehemaligen Vernichtungslager
Maly Trostinez bei Minsk (weitere 500 000 Euro kamen von der
Deutschen Kriegsgräberfürsorge und weiteren Spendern, vgl. www.mdr.de/heu
te-im-osten/steinmeier-eroffnet-kz-gedenkstaette-100.html) bereits
verbaut (wenn nein, bitte angeben, wie der Baustand ist)?
18. Warum stellte nach Kenntnis der Bundesregierung der Volksbund Geld für
diesen Gedenkort zur Verfügung, und wurden dort auch deutsche Soldaten
beerdigt?
19. Kann die Bundesregierung den Umstand bestätigen, dass es derzeit kaum
Genehmigungen für die Exhumierung gefallener deutscher Soldaten in
Russland gibt, und wenn ja, worauf führt die Bundesregierung dies zurück
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
20. Liegen der Bundesregierung Zahlen zu den beantragten sowie
genehmigten Exhumierungen sowjetischer Soldaten in Deutschland vor, und wenn
ja, wie lauten diese (bitte seit 2014 nach Beantragungen durch die
entsprechenden Staaten und Genehmigungen aufschlüsseln)?
Berlin, den 29. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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