Frei benennen, klar erkennen - Bezeichnungsverbote für Fleischalternativen verhindern
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Frei benennen, klar erkennen - Bezeichnungsverbote für Fleischalternativen verhindern
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2048
21. Wahlperiode 07.10.2025
Antrag
der Abgeordneten Dr. Zoe Mayer, Karl Bär, Dr. Ophelia Nick, Niklas Wagener,
Julian Joswig, Johannes Wagner, Swantje Henrike Michaelsen, Michael
Kellner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Frei benennen, klar erkennen – Bezeichnungsverbote für Fleischalternativen
verhindern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
In einem Omnibusverfahren zu Änderungen der Gemeinsamen Marktordnung (GMO)
(Annex 1 zu COM(2025)553 sowie Amendment 645 in COM(2024)0577 –
2024/0319(COD)) sollen Bezeichnungsverbote für pflanzliche Fleischalternativen und
Produkte aus alternativen Proteinquellen (in Anhang VII einen Teil über
Bezeichnungen für Fleisch und Fleischerzeugnisse) europaweit eingeführt werden. Alltägliche
Begriffe wie „Burger“, „Speck“ oder „Filet“ dürften dadurch nicht mehr für pflanzliche
Lebensmittelalternativen genutzt werden.
53 Prozent der Menschen in Deutschland haben schon mindestens einmal oder öfters
Alternativen zu tierischen Produkten gekauft. Tendenz steigend. 2020 waren es noch
49 Prozent. 64 Prozent machen dies, weil es schmeckt, 63 Prozent aus Gründen des
Tierschutzes oder weil es gut für das Klima bzw. die Umwelt ist (60 Prozent).1
Verbraucherinnen und Verbraucher werden durch alltägliche Begriffe wie „Burger“,
„Speck“ oder „Filet“ für pflanzliche Fleischalternativen nicht getäuscht. Sie wissen
sehr genau, dass pflanzliche Produkte kein Fleisch enthalten. Bezeichnungen wie
„vegane Schnitzel-Alternative“ geben eindeutige Orientierungshilfe und erleichtern die
Kaufentscheidung.2 Die Leitsätze der Deutschen Lebensmittelbuchkommission geben
Verbraucherinnen und Verbrauchern, der Lebensmittelüberwachung und der
Wirtschaft ausreichend Orientierung.
Statt Verbraucherschutz zu gewährleisten, würde mit den Verboten einer ganzen
Wirtschaftsbranche Steine in den Weg gelegt und Innovationen gebremst. Der Markt für
pflanzliche Alternativen in Deutschland ist der größte Europas und trotz Inflation und
Rezession seit 2020 um 21 Prozent gewachsen.3 Durch die richtigen politischen
Rahmenbedingungen könnte bis 2045 durch pflanzliche Lebensmittelalternativen bis zu
1 www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/ernaehrungsreport-2024.pdf?__blob=publication-
File&v=4#page=10, Seite 10f
2 www.verbraucherzentrale-berlin.de/sites/default/files/2022-04/marktcheck_vegane_vegetarische_ersatzpro-
dukte.pdf
3 https://gfieurope.org/wp-content/uploads/2023/05/GFI-Europe-Alternative-Proteine-in-Deutschland-Full-
Report.pdf#page=11, Seite 11
250.000 zukunftsfeste Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen und bis zu 65
Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung beigetragen werden.4 Die
vorgeschlagenen Verbote alltäglicher Begriffe wie „Burger“, „Speck“ oder „Filet“ für pflanzliche
Lebensmittelalternativen widersprechen daher den Zielen der Bundesregierung im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, die Markteinführung nachhaltiger
alternativer Proteine fördern (S. 43) sowie den selbstbestimmten Verbraucher schützen
zu wollen (S. 30).
Aufgrund der kombinierten Auswirkungen mehrerer globaler Megatrends, wie
Weltbevölkerungswachstum, Globalisierung, wirtschaftliche Entwicklung und Aufstieg
einer wohlhabenderen globalen Mittelschicht mit sich ändernden Essgewohnheiten,
wird erwartet, dass der Konsum tierischer Lebensmittel in den kommenden
Jahrzehnten weltweit zunehmen wird.5 Da die landwirtschaftliche Tierhaltung und mit ihr der
Fleischkonsum für einen erheblichen Teil der Umweltbelastungen und
Treibhausgasemissionen verantwortlich ist6, sind diese Prognosen besorgniserregend. Hinzu
kommt, dass eine globale Ernährungssicherung auf Grundlage begrenzt verfügbarer
natürlicher Ressourcen unter Berücksichtigung vermehrt auftretender Wetterextreme
und Dürren zunehmend eine Herausforderung ist. Vor diesem Hintergrund und der
besseren Umwelt- und Klimabilanz sowie geringeren Wasser- und Flächenbedarfe7
werden pflanzliche Lebensmittelalternativen und alternative Proteinquellen in den
nächsten Jahren bis Jahrzehnte für die Humanernährung eine zunehmend bedeutende
Rolle spielen.8 Pflanzliche Lebensmittelalternativen und alternative Proteinquellen
gehören daher politisch unterstützt statt gegängelt.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
sich auf EU-Ebene im Rat „Landwirtschaft und Fischerei“ und im Rahmen der Trilog-
Verhandlungen gegen Bezeichnungsverbote und für pflanzliche Fleischalternativen
einzusetzen, insbesondere im Rahmen der geplanten Änderungen der Gemeinsamen
Marktordnung (GMO) (Annex 1 zu COM(2025)553 sowie beim Amendment 645 in
COM(2024)0577 – 2024/0319(COD)).
Berlin, den 7. Oktober 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
4 www.systemiq.earth/wp-content/uploads/2025/02/A-Taste-of-Tomorrow-How-protein-diversification-
canstrengthen-Germanys-economy_Systemiq_English_Final_17.02.2025.pdf#page=6, Seite 6 & 25
5 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1195964/umfrage/prognose-zum-anstieg-des-globalen-fl
eischkonsums/
6 https://ourworldindata.org/environmental-impacts-of-food?insight=meat-and-dairy-foods-tend-to-have-
ahigher-carbon-footprint#key-insights
7 www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2020-06-25_trendana-
lyse_fleisch-der-zukunft_web_bf.pdf
8 https://green-alliance.org.uk/wp-content/uploads/2024/01/Eine-neue-Flachendividende.pdf
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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