Nutzung von Lebensmittelausgabestellen durch Seniorinnen und Senioren
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Nutzung von Lebensmittelausgabestellen durch Seniorinnen und Senioren
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1968
21. Wahlperiode 02.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mandy Eißing, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Anne-Mieke
Bremer, Maik Brückner, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates
Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella
Merendino, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Nutzung von Lebensmittelausgabestellen durch Seniorinnen und Senioren
In Deutschland steigt die Zahl älterer Menschen, die auf Unterstützung durch
Lebensmittelausgabestellen wie Tafeln angewiesen sind. Nach Angaben von
Tafel Deutschland e. V. liegt der Anteil der Rentnerinnen und Rentner unter den
Tafelkundinnen und Tafelkunden derzeit bei 18 Prozent – fast jeder fünfte
Tafelnutzende ist im Rentenalter (www.buergergeld.org/news/bitter-rentner-mach
en-18-der-tafelkunden-aus).
Parallel dazu verzeichnet Deutschland einen deutlichen Anstieg der
Altersarmut: Im März 2025 bezogen 742 410 Rentnerinnen und Rentner Leistungen
nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII). Insgesamt bedeutet dies
einen Zuwachs von rund 30 Prozent seit 2021 (https://www.zdfheute.de/wirtsch
aft/altersarmut-rente-grundsicherung-anstieg-100.html?).
Eine amtliche Statistik zur Nutzung von Lebensmittelausgabestellen nach
Altersgruppen existiert bislang nicht. Vorhandene Erkenntnisse stammen vor
allem aus Erhebungen zivilgesellschaftlicher Organisationen und
Wohlfahrtsverbände. Aus Sicht der Fragestellenden darf die Sicherstellung einer
ausreichenden und gesunden Ernährung nicht primär dem Ehrenamt,
Wohlfahrtsverbänden und privaten Spenden überlassen werden. Die Versorgung mit
Lebensmitteln ist Teil der staatlichen Daseinsvorsorge und muss insbesondere für
ältere Menschen verlässlich, bedarfsgerecht und unabhängig von freiwilligen
Hilfestrukturen gewährleistet sein.
Studien verschiedener Wohlfahrtsverbände und Forschungsinstitute weisen
darauf hin, dass die Inanspruchnahme von Lebensmittelausgabestellen durch
Seniorinnen und Senioren (Menschen ab 55 Jahren) eng mit Faktoren wie der
Höhe der Alterseinkommen und der Wohnkostenbelastung zusammenhängt.
Geringe Renten in Verbindung mit hohen Miet- und Energiekosten können die
finanziellen Spielräume älterer Menschen für Ernährung erheblich
einschränken (z. B. www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/img/
Paritaetischer_Armutsbericht_2024.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Zahl der
Seniorinnen und Senioren vor, die seit 2015 Leistungen von
Lebensmittelausgabestellen, Tafeln oder vergleichbaren Organisationen in Anspruch
genommen haben (bitte – soweit möglich – nach Jahren, Geschlecht,
Bundesländern und Altersgruppen aufschlüsseln)?
2. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Zahl der
Seniorinnen und Senioren vor, die seit 2015 Leistungen der Grundsicherung im
Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII in Anspruch
genommen haben (bitte nach Jahren, Geschlecht, Bundesländern und
Altersgruppen aufschlüsseln)?
3. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Zahl der
Seniorinnen und Senioren vor, die in den Jahren von 2015 bis 2024 Leistungen
nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II; „Bürgergeld“ bzw.
vormals Arbeitslosengeld II) bezogen haben (bitte – soweit möglich –
nach Jahren, Geschlecht, Bundesländern und Altersgruppen
aufschlüsseln)?
4. Auf welche externen Datenquellen, Studien oder Berichte stützt sich die
Bundesregierung bei ihrer Einschätzung der Nutzung solcher Angebote
durch Seniorinnen und Senioren?
5. Welche Entwicklungen bei der Inanspruchnahme dieser Angebote durch
Seniorinnen und Senioren seit 2015 sind der Bundesregierung bekannt?
6. Welche Gründe sieht die Bundesregierung für die verstärkte Nutzung von
Lebensmittelausgabestellen, Suppenküchen oder vergleichbaren
niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten durch Seniorinnen und Senioren,
und wie bewertet sie den Einfluss von Preissteigerungen bei
Lebensmitteln und Energie?
7. Welche regionalen Unterschiede in der Nutzung von
Lebensmittelausgabestellen durch Seniorinnen und Senioren (z. B. Ost-West oder Stadt-
Land) sind der Bundesregierung bekannt, und wie erklärt sie diese?
8. Plant die Bundesregierung, künftig eine systematische, bundesweite
Erhebung zur Nutzung von Lebensmittelausgabestellen nach Altersgruppen zu
fördern oder selbst durchzuführen?
9. In welchem Umfang unterstützt die Bundesregierung direkt oder indirekt
Lebensmittelausgabestellen finanziell oder logistisch, und wie hat sich
diese Unterstützung in den letzten zehn Jahren entwickelt?
10. Wie koordiniert die Bundesregierung ihre Maßnahmen mit Ländern und
Kommunen zur Sicherung der Ernährung von Seniorinnen und Senioren?
11. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu den gesundheitlichen
Folgen unzureichender Ernährung bei Seniorinnen und Senioren vor?
12. Welche Einschätzung hat die Bundesregierung zur künftigen Entwicklung
des Bedarfs an Lebensmittelausgabestellen für Seniorinnen und Senioren
bis 2030?
13. Welche alternativen staatlichen Unterstützungsformen (z. B. kostenfreie
Mahlzeitenprogramme) prüft die Bundesregierung zur Sicherung der
Ernährung älterer Menschen?
14. Welche aktuellen oder geplanten politischen Maßnahmen verfolgt die
Bundesregierung, um Altersarmut zu bekämpfen und die
Ernährungssicherheit von Seniorinnen und Senioren sicherzustellen, und wie bewertet
sie deren Wirksamkeit?
Berlin, den 1. Oktober 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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