Bürgerschaftliches Engagement von Seniorinnen und Senioren
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Bürgerschaftliches Engagement von Seniorinnen und Senioren
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2149
21. Wahlperiode 10.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mandy Eißing, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Anne-Mieke
Bremer, Maik Brückner, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates
Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella
Merendino, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Bürgerschaftliches Engagement von Seniorinnen und Senioren
Mit ihrer Engagementstrategie hat die vorherige Bundesregierung unter
anderem die Vielfalt des Alters und die Situation hochbetagter Menschen in den
Blick genommen, um es gerade benachteiligten und älteren Personen dauerhaft
leichter zu machen, sich freiwillig zu engagieren.
Der Neunte Altersbericht der Bundesregierung hebt überdies hervor, dass die
Förderung des Engagements „nicht allein das freiwillige Engagement
lebenslang Engagierter in den Blick nehmen, sondern auch die Gestaltung des
Neubeginns freiwilligen Engagements im (hohen) Alter“ berücksichtigen sollte
(Neunter Altersbericht, S. 93). Die rund 600 000 Organisationen der
Zivilgesellschaft seien gefordert, älteren Menschen mehr Gelegenheiten für
Engagement zu bieten, sich der Vielfalt des Alters zu öffnen und gegebenenfalls
Schutzmaßnahmen gegen Altersdiskriminierung zu ergreifen.
In den letzten Jahren haben sich zahlreiche neue Engagementmöglichkeiten für
Seniorinnen und Senioren entwickelt – von generationenübergreifenden
Projekten über ehrenamtliche Pflegetätigkeiten bis hin zu Austauschprogrammen mit
Au-pair-Charakter. Eine hohe Beteiligung älterer Menschen am freiwilligen
Engagement kann Einsamkeit vorbeugen und den gesellschaftlichen
Zusammenhalt stärken. Der Wunsch, sich einzubringen, bleibt bei vielen Menschen
bis ins hohe Alter erhalten. Freiwilliges Engagement sollte gleichzeitig jedoch
nicht reguläre Arbeitsplätze ersetzen oder als notwendige Einkommensquelle –
bzw. Aufstockquelle – dienen müssen.
Laut Neuntem Altersbericht (S. 92) bestehen überdies geschlechterspezifische
Ungleichheiten beim Engagement besonders verstärkt in der Altersgruppe der
Hochaltrigen, die die Hürden für den Zugang zum Ehrenamt insbesondere für
Frauen erschweren, weil sie statistisch gesehen deutlich häufiger Sorgearbeit
übernehmen.
Der sechste Freiwilligensurvey aus dem Jahr 2024 könnte zusätzliche
Informationen über das Engagement älterer Menschen liefern, ist bis dato jedoch
unveröffentlicht.
Vor diesem Hintergrund ist es nach Ansicht der Fragestellerinnen und
Fragesteller von großer Bedeutung, einen aktuellen Überblick über die Datenlage,
bestehende Fördermaßnahmen und geplante Initiativen der Bundesregierung zu
erhalten, die geeignet sind, die Bedingungen für bürgerschaftliches
Engagement älterer Menschen zu verbessern – insbesondere im Hinblick auf den
Zugang, den Schutz vor Diskriminierung und die Förderung von
intergenerationellen Projekten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In welchen Bereichen engagieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung
wie viele Seniorinnen und Senioren aktuell (bitte nach absoluten Zahlen,
nach Altersspanne von 55 bis 65 Jahren und ab 65 Jahren getrennt,
Geschlecht, Ort, Art der Tätigkeit, Name des Verbandes bzw. des Trägers etc.
aufschlüsseln)?
2. Wie viele Stunden engagieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung
Seniorinnen und Senioren seit 2015 ehrenamtlich (bitte nach Jahren,
Altersgruppen, Ort, Geschlecht, Art der Tätigkeit, insgesamt und im
Durchschnitt aufschlüsseln)?
3. Welche Veränderungen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bei
den von Seniorinnen und Senioren geleisteten Engagementstunden seit
2015?
a) Wie erklärt sich die Bundesregierung die beobachteten
Entwicklungen, und welche Schlüsse zieht sie daraus?
b) Wie wird sich die Zahl der sich engagierenden
Bundesfreiwilligendienstleistenden ab 55 Jahren nach Annahme der Bundesregierung
weiterentwickeln?
c) Welche Entwicklung strebt die Bundesregierung an, und welche
Maßnahmen unternimmt sie diesbezüglich?
4. Wie viele Seniorinnen und Senioren absolvieren aktuell einen
Bundesfreiwilligendienst (bitte nach Alter, Geschlecht, Ort und Tätigkeitsbereich
aufschlüsseln)?
5. Wie viele Seniorinnen und Senioren absolvierten seit 2015 einen
Bundesfreiwilligendienst (bitte nach Jahren, Altersspanne von 55 bis 65 Jahren
und ab 65 Jahren getrennt, Geschlecht, Einsatzstelle, Bundesland und
Tätigkeitsbereich aufschlüsseln)?
6. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich der
Bildungsabschlüsse der Seniorinnen und Senioren, die sich aktuell im
Bundesfreiwilligendienst engagieren?
7. Aus welcher Erwerbssituation haben sich nach Kenntnis der
Bundesregierung die aktuellen bundesfreiwilligendienstleistenden Seniorinnen und
Senioren angemeldet?
a) Wie wird dies ermittelt?
b) Wenn nicht, weshalb erhebt die Bundesregierung diese Daten nicht?
8. Wie viele Seniorinnen und Senioren nehmen aktuell wo, über welchen
Zeitraum und an welchen Bildungsveranstaltungen im
Bundesfreiwilligendienst teil?
9. In welchen Bereichen sind die aktuellen
Bundesfreiwilligendienstleistenden eingesetzt (bitte nach Altersspanne von 55 bis 65 Jahren und ab
65 Jahren getrennt, Orten – in Städten über und unter 100 000
Einwohnern –, Geschlecht, Alter und Einsatzbereichen aufschlüsseln)?
10. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Motivation der
bundesfreiwilligendienstleistenden Seniorinnen und Senioren und
Rentnerinnen und Rentner, sich im Bundesfreiwilligendienst zu engagieren?
11. Wie beurteilt die Bundesregierung die indirekte Vermittlung von
Bundesfreiwilligendienststellen über die Bundesagentur für Arbeit oder
Jobcenter?
a) Wie reagiert die Bundesregierung auf an die Fragestellenden
herangetragene Schilderungen nach einem „sanften Druck“, dass Erwerbslose
und gerade Ältere einen solchen Dienst aufnehmen sollen?
b) In welcher Form sieht die Bundesregierung gegebenenfalls das
Freiwilligenprinzip verletzt (bitte begründen)?
12. Wie hoch ist nach Auffassung der Bundesregierung der wirtschaftliche
Wert der Kinderbetreuung durch die Großeltern?
13. Wie viele Stunden betreuen Großeltern ihre Enkel nach Kenntnis der
Bundesregierung im Durchschnitt, und wie viele Stunden sind es insgesamt?
14. Welche Strukturen wurden inzwischen als Unterstützungs- und
Begleitsystem für das Engagement der Großelterndienste geschaffen, und wie
werden diese angenommen (siehe Bundestagsdrucksache 17/11443)?
15. Welche Meinung vertritt die Bundesregierung zu den Au-pair-
Dienstleistern für ältere Au-pairs, z. B. „Granny Au-pair“?
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Umfang und die
Art der Arbeit der dort engagierten Seniorinnen und Senioren?
17. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie viele Stunden
in der Kinderbetreuung durch Leihomas und Leihopas eingespart werden?
a) Wie hoch ist der finanzielle Effekt dieser Einsparung?
b) Strebt die Bundesregierung eine Ausweitung an?
c) Wenn ja, in welchem Ausmaß, und mit welcher Begründung?
18. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, wie viele Seniorinnen und
Senioren sich in nachbarschaftlichen Vereinen engagieren und welche
Aufgaben diese übernehmen?
19. Ist der Bundesregierung bekannt, wie viele Seniorinnen und Senioren sich
in der Pflege engagieren, und warum sie sich dort engagieren?
20. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie groß der
Anteil der bürgerschaftlich engagierten Seniorinnen und Senioren mit
Migrationsgeschichte ist (bitte nach Jahren seit 2015 aufschlüsseln)?
21. In welchen Bereichen engagieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung
Seniorinnen und Senioren mit Migrationsgeschichte?
22. Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung in ihren
Engagementstrategien für Ältere die besonderen Bedarfe von Menschen mit
Migrationsgeschichte, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen in ländlichen
Räumen?
23. Hat die Bundesregierung vor, das Engagement von Seniorinnen und
Senioren mit Migrationsgeschichte weiterhin besonders zu fördern, und
wenn ja, wie und warum?
a) Welche Zielvorstellung hat die Bundesregierung diesbezüglich in fünf
Jahren?
b) Wenn nein, warum nicht?
24. Welche Einschätzung hat die Bundesregierung hinsichtlich der
Gesetzgebungskompetenz des Bundes für ein Seniorenmitwirkungsgesetz (unter
Bezugnahme auf einschlägige Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste
des Deutschen Bundestages)?
a) Plant die Bundesregierung, ein Seniorenmitwirkungsgesetz zu
verabschieden, z. B. ähnlich dem Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz
(BerlSenG)?
b) Wenn ja, mit welchen Inhalten?
c) Sieht die Bundesregierung ein solches Gesetz als sinnvoll an, um darin
neben der Mitwirkung von Seniorinnen und Senioren beim
bürgerschaftlichen Engagement auch konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten
z. B. im Gesetzgebungsprozess im Bund oder bei kommunalen und
länderspezifischen Entscheidungen festzuschreiben (bitte begründen)?
d) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über bestehende
Seniorenmitwirkungsgesetze oder vergleichbare Regelungen in den Ländern
sowie in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union?
e) Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, wie
viele Seniorinnen und Senioren aktuell politische Mandate in den
Kommunen, Ländern oder auf Bundesebene innehaben?
25. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Barrieren, die
Seniorinnen und Senioren von einem ehrenamtlichen Engagement abhalten,
z. B. digitale Hürden, fehlende Mobilität, gesundheitliche
Einschränkungen, und welche konkreten Maßnahmen werden dagegen ergriffen?
26. Welche Projekte oder Programme werden aus Sicht der Bundesregierung
als besonders erfolgreich bewertet, um Seniorinnen und Senioren ins
Ehrenamt einzubinden, und wie wird deren Wirkung gemessen?
27. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung
Mehrgenerationenhäuser und ähnliche Einrichtungen für die Einbindung von
Seniorinnen und Senioren ins Ehrenamt, und wie hoch ist aktuell deren Anteil an
den dort Tätigen (bitte nach Altersgruppen, Geschlecht und Tätigkeitsfeld
aufschlüsseln)?
28. Welche Kooperationen bestehen zwischen Bund, Ländern, Kommunen
und zivilgesellschaftlichen Organisationen, um gezielt Seniorinnen und
Senioren für das Ehrenamt zu gewinnen?
29. Inwiefern gedenkt die Bundesregierung, die in der Engagementstrategie
des Bundes veröffentlichten Maßnahmen für ältere engagierte Menschen
weiterzuverfolgen, wie z. B. die Ausstattung von Seniorenorganisationen
mit moderner Technik (S. 80)?
30. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um ehrenamtlich
engagierte Seniorinnen und Senioren besonders zu unterstützen und zu
schützen?
31. Inwiefern ist seitens der Bundesregierung geplant, die Datenlage zu
Seniorinnen und Senioren im Ehrenamt zu verbessern, z. B. durch spezifische
Module im Freiwilligensurvey oder in anderen bundesweiten
Erhebungen?
32. Wie gedenkt die Bundesregierung, mögliche geschlechterspezifische
Ungleichheiten beim Engagement in der Gruppe der Seniorinnen und
Senioren zu verringern?
Berlin, den 1. Oktober 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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