Digitalisierung und Teilhabe älterer Menschen in Deutschland
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Digitalisierung und Teilhabe älterer Menschen in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4147
21. Wahlperiode 16.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mandy Eißing, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Jorrit
Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates
Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf,
Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Zada
Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Digitalisierung und Teilhabe älterer Menschen in Deutschland
Die Digitalisierung durchdringt zunehmend alle Bereiche des gesellschaftlichen
Lebens – von der öffentlichen Verwaltung über Gesundheitsversorgung und
Mobilität bis hin zu sozialer Teilhabe, politischer Information und
Alltagskommunikation. Für viele ältere Menschen eröffnet dies neue Möglichkeiten der
Teilhabe, der Selbstständigkeit und der sozialen Vernetzung. Gleichzeitig
zeigen zahlreiche Studien, dass ein erheblicher Teil der älteren Bevölkerung von
dieser Entwicklung nur eingeschränkt oder gar nicht profitiert. Eine aktuelle
Studie des Branchenverbands Bitkom kommt zu dem Ergebnis, dass etwa die
Hälfte der Menschen über 80 nie das Internet nutzt (www.bmbfsfj.bund.de/reso
urce/blob/279162/f8cd5d6a0bbe8c5cbbb3521043b0764a/bitkom-studie-digitali
sierung-senioren-data.pdf).
Der D21-Digital-Index 2024/2025 (https://initiatived21.de/uploads/03_Studien-
Publikationen/D21-Digital-Index/2024-25/D21DigitalIndex_2024-2025.pdf)
weist darauf hin, dass insbesondere Menschen ab etwa 70 Jahren weiterhin
deutlich unterdurchschnittlich an der digitalen Gesellschaft teilhaben. Ein
erheblicher Anteil dieser Altersgruppe nutzt digitale Anwendungen nur sehr
eingeschränkt oder gar nicht. Die Studie zeigt zudem ausgeprägte Unterschiede
nach Bildungsgrad, Einkommen und Geschlecht. Digitale Exklusion ist
demnach eng mit sozialen Ungleichheiten verknüpft und betrifft
überdurchschnittlich häufig Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen, geringen
Einkommen sowie Frauen im höheren Lebensalter.
Auch die SIM-Studie 2024 (SIM = Senior*innen, Information, Medien; https://
mpfs.de/app/uploads/2025/05/SIM_2024_PDF_barrierearm.pdf) verdeutlicht,
dass fehlende digitale Teilhabe älterer Menschen häufig nicht auf mangelndes
Interesse zurückzuführen ist. Vielmehr werden strukturelle Barrieren benannt,
darunter hohe Anforderungen an Vorkenntnisse, mangelnde Verständlichkeit
digitaler Angebote, Sicherheitsbedenken, Kosten für Endgeräte und
Internetzugang sowie fehlende niedrigschwellige Unterstützungsangebote.
Die Studie „Leben ohne Internet – geht’s noch?“ der
Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO; www.bagso.de/fileadmin/user_upl
oad/bagso/06_Veroeffentlichungen/2022/Ergebnisbericht_Leben_ohne_Interne
t_gehts_noch.pdf) kommt zu dem Ergebnis, dass der Verzicht auf
Internetnutzung im höheren Lebensalter vielfach nicht freiwillig erfolgt. Vielmehr
berichten die Betroffenen von Ausschlusserfahrungen, etwa beim Zugang zu
Informationen, Dienstleistungen oder sozialen Kontakten. Mit der
fortschreitenden Digitalisierung öffentlicher und privater Dienstleistungen besteht die
Gefahr, dass sich diese Ausschlüsse weiter verstärken.
Vor diesem Hintergrund kommt der Bundesregierung eine besondere
Verantwortung zu. Sie gestaltet mit ihrer Digitalstrategie, ihrer Engagementstrategie,
ihren Gleichstellungszielen sowie über Förderprogramme, Forschungsaufträge
und Modellprojekte die Rahmenbedingungen digitaler Teilhabe maßgeblich
mit. Dazu gehört auch die Aufgabe, soziale Ungleichheiten im Zugang zu
digitalen Technologien zu erkennen, abzubauen und eine altersgerechte,
barrierefreie und niedrigschwellige Ausgestaltung digitaler Angebote sicherzustellen.
Von zentraler Bedeutung ist dabei auch die Frage, inwieweit ältere Menschen
selbst systematisch in die Entwicklung, Erprobung und Bewertung digitaler
Anwendungen und Strategien einbezogen werden. Die Fragestellenden erbitten
die Darstellung der erfragten Daten möglichst direkt, ohne Verlinkungen und
Querverweise.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur digitalen Nutzung
älterer Menschen vor (bitte nach Altersgruppen ab 60 Jahren, Geschlecht,
Bildungsabschluss und Einkommensgruppen differenzieren, soweit
möglich)?
2. Auf welche regelmäßig erhobenen Datensätze, Studien oder Erhebungen
stützt sich die Bundesregierung bei der Bewertung der digitalen Teilhabe
älterer Menschen?
3. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zum Anteil älterer
Menschen vor, die digitale Angebote nicht nutzen, obwohl sie dies
grundsätzlich möchten?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu
geschlechterspezifischen Unterschieden bei der digitalen Nutzung im höheren Lebensalter
vor?
5. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung Bildungsgrad,
frühere Erwerbsbiografien und Einkommenslagen für die digitale Teilhabe
im Alter?
6. Welche Zusammenhänge sieht die Bundesregierung zwischen Altersarmut
beziehungsweise niedrigen Einkommen und eingeschränktem digitalen
Zugang?
7. Welche zentralen Barrieren für die digitale Teilhabe älterer Menschen
identifiziert die Bundesregierung (z. B. Kosten, fehlende Endgeräte,
mangelnde Barrierefreiheit, Komplexität digitaler Anwendungen,
Sicherheitsbedenken oder fehlende Unterstützungsangebote)?
8. Welche Anforderungen an die Niedrigschwelligkeit legt die
Bundesregierung bei von ihr geförderten Programmen und Projekten zur digitalen
Teilhabe älterer Menschen zugrunde?
9. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass digitale Angebote und
Anwendungen, die im Rahmen von Bundesprogrammen gefördert werden,
barrierefrei ausgestaltet sind, und wie wird dies überprüft?
10. Welche aktuellen Programme, Modellprojekte oder Fördermaßnahmen des
Bundes zielen explizit auf die Förderung digitaler Teilhabe älterer
Menschen ab?
11. Welche finanziellen Mittel wurden seit 2020 für diese Programme
bereitgestellt (bitte nach Programmen und Jahren aufschlüsseln)?
12. Welche Evaluierungen oder wissenschaftlichen Begleitungen liegen zu
diesen Programmen vor, und mit welchen zentralen Ergebnissen?
13. In welcher Form werden ältere Menschen selbst in die Konzeption,
Weiterentwicklung oder Evaluation digitaler Programme und Anwendungen
des Bundes einbezogen?
14. In welcher Form unterstützt die Bundesregierung Kommunen bei der
Förderung digitaler Teilhabe älterer Menschen, etwa durch
Förderprogramme, Beratungsangebote oder Vernetzungsstrukturen?
15. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung
Mehrgenerationenhäuser, Seniorenorganisationen, Wohlfahrtsverbände und
zivilgesellschaftliche Träger bei der Umsetzung bundesgeförderter Maßnahmen zur
digitalen Teilhabe älterer Menschen?
16. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur regionalen
Verfügbarkeit niedrigschwelliger digitaler Unterstützungsangebote für ältere
Menschen vor?
17. Plant die Bundesregierung, die Datenlage sowie bestehende Förder- und
Unterstützungsstrukturen zur digitalen Teilhabe älterer Menschen
weiterzuentwickeln, und wenn ja, in welcher Form?
18. Wie viele „Erfahrungsorte“ wurden bislang im Rahmen des DigitalPakts
Alter gefördert, und mit welchen Förderbeträgen und Förderleistungen
(z. B. Schulungen, Materialien, Vernetzungsleistungen) pro
Erfahrungsort?
19. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den DigitalPakt Alter
über Ende 2025 hinaus fortzuführen und weiterzuentwickeln?
20. Wie bewertet die Bundesregierung die Kooperation zwischen Bund,
Ländern, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Kommunen im Rahmen des
DigitalPakts Alter, und welche Herausforderungen sieht sie dabei?
21. Welche Veränderungen in den Nutzungsquoten, Kompetenzniveaus oder
Unterstützungsbedarfen älterer Menschen lassen sich nach Kenntnis der
Bundesregierung seit Einführung des DigitalPakts Alter empirisch
nachweisen?
22. Welche Empfehlungen aus der wissenschaftlichen Evaluation der ersten
150 „Erfahrungsorte“ im Rahmen des DigitalPakts Alter (Institut für
Informationsmanagement Bremen [ifib] 2022) wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung bislang umgesetzt, und welche nicht (bitte jeweils
begründen und nach Maßnahmen aufschlüsseln)?
23. Welchen Umsetzungsstand hat die im Koalitionsvertrag zwischen CDU,
CSU und SPD angekündigte altersübergreifende digitale
Kompetenzoffensive, insbesondere im Hinblick auf Angebote für ältere Menschen
(bitte Zeitplan, beteiligte Ressorts und bereitgestellte Haushaltsmittel
angeben)?
24. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass Menschen ohne Zugang zu
Internet oder internetfähigen Endgeräten, insbesondere ältere Menschen,
auch künftig gleichberechtigt Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen des
Bundes oder Leistungen, die von der öffentlichen Hand in Erfüllung
öffentlicher Aufgaben oder im öffentlichen Auftrag erbracht werden (z. B.
durch Vor-Ort-Angebote, telefonische Verfahren, schriftliche
Antragstellung), erhalten?
Berlin, den 28. Januar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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