Regelmäßig und zeitnah Zahlen über Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden bereitstellen
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Regelmäßig und zeitnah Zahlen über Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden bereitstellen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1743
21. Wahlperiode 22.09.2025
Antrag
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia
Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis
L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann,
Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Regelmäßig und zeitnah Zahlen über Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden
bereitstellen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Im Jahr 2023 wurde über kritische hygienische Bedingungen und das Wiederauftreten
fast ausgerotteter Krankheiten in Deutschland, wie Skabies (Krätze), Tuberkulose,
Diphtherie und Masern berichtet. Diese Vorfälle betrafen insbesondere
Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünfte für Asylsuchende sowie Einrichtungen,
die ukrainische Flüchtlinge aufnahmen.1 Im November 2023 kam es in Thüringen zu
einem massiven Ausbruch von Skabies (Krätze) in einer Notfall-
Aufnahmeeinrichtung, was zu einem zeitweiligen Aufnahmestopp führte.
Ein anderer Bericht hebt hervor, dass die Anzahl der Tuberkulosefällen in Deutschland
im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent anstieg, was mit der Ankunft
von Flüchtlingen aus der Ukraine in Verbindung stehe.2 Seit Juli 2022 wurde eine
Häufung importierter Diphtheriefälle unter Asylbewerbern, besonders aus Afghanistan
und Syrien, beobachtet.3 Im September 2023 ereignete sich ein Masern-Ausbruch in
einem Ankunftszentrum in Berlin, der zur Quarantäne von 600 Personen führte.4
Das Berliner Landesamts für Gesundheit berichtetet, dass bis Februar 2024 bereits acht
Masernfälle gemeldet seien, während im Vorjahr 80 Fälle insgesamt verzeichnet
wurden.5 Es ist auch bekannt, dass Asylbewerber aus Syrien überdurchschnittlich häufig
an Hepatitis B erkranken.6
1 www.focus.de/panorama/thueringer-asylbewerberheim-kraetze-frust-aengste-zoff-um-asylheim-mit-680-al-
leinreisenden-maennern_id_244886048.html
2 www.tagesspiegel.de/gesundheit/folge-des-ukraine-kriegs-35-prozent-mehr-tuberkulosefalle-in-deutsch-
land-9517403.html
3 www.aerzteblatt.de/archiv/haeufung-von-diphtherie-faellen-bei-gefluechteten-die-in-deutschland-im-jahr-
2022-angekommen-sind-766644be-5c49-4b48-a53a-3df0a7b1e776
4 www.moz.de/nachrichten/brandenburg/fluechtlinge-in-berlin-masern-in-ankunftszentrum-_-600-menschen-
unter-quarantaene-71812405.html
5 www.bild.de/ratgeber/2024/ratgeber/masern-eu-behoerde-warnt-vor-steigende-infektionen-auch-in-
deutschland-87186930.bild.html
6 www.welt.de/gesundheit/article152964738/Viele-Fluechtlinge-aus-Syrien-leiden-an-Hepatitis-B.html
Der frühere Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu meldepflichtigen
Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden wurde im Jahr 2018 eingestellt.7
Gleichwohl berichtete die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage
aus dem Deutschen Bundestag hin im Jahre 2024 detailliert über die Entwicklung
verschiedener Infektionskrankheiten in Deutschland.8 Die analysierten Krankheiten
umfassen Tuberkulose, HIV, Hepatitis B, C und D, Diphtherie, Masern und Krätze
(Skabies).
Im Rahmen dieser Antwort wurden die Jahre 2014 bis 2023 vollständig abgedeckt. Für
die Jahre 2024 wurden die Daten bis zum Stichtag 22. März 2024 erfasst. Bei HIV
wurde besonders Augenmerk auf die Zahl der Meldungen gelegt, die einen Hinweis
auf die Herkunft Ukraine geben. Für Hepatitis B und C erfolgte ebenfalls eine
differenzierte Aufschlüsselung nach der Angabe „Geburtsland Ukraine“ oder „Nationalität
Ukraine“. In Bezug auf Hepatitis D wurden die Fälle insgesamt betrachtet.
Die Daten zu Tuberkulose, die ebenfalls die Jahre 2014 bis 2023 umfassen, wurden
von der Bundesregierung in insgesamt erfasste Fälle und solche Fälle, die durch ein
Screening nach § 36 IfSG entdeckt wurden, unterteilt. Des Weiteren wurde dabei
erfasst, wie viele dieser diagnostizierten Fälle das Geburtsland Ukraine als Ursprung
haben.
Für Diphtherie und Masern liegt eine vollständig dokumentierte Auflistung der
jährlichen Gesamtzahlen von 2014 bis 2023 vor. Diese Daten belegen die Auswirkungen
von Impfprogrammen und bieten eine Möglichkeit zur Bewertung der Effektivität der
Gesundheitsinterventionen in diesen Bereichen.
Bezüglich Krätze (Skabies) wurde die Gesamtzahlen für den Zeitraum 2014 bis 2018
jährlich ohne Aufgliederung aufgelistet.
In den berichteten Jahren zeigten sich für die Jahre 2021 bis 2024 teils erhebliche
Anstiege der Gesamtzahl (z. B. Diphterie) oder auch explizit in Hinblick auf das
Herkunftsland Ukraine (z. B. Hepatitis B).
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung vor diesem Hintergrund
und dem des anhaltenden Zustroms9, 10 von Asylsuchenden nach Deutschland
deshalb auf,
1. das Robert Koch-Institut (RKI) die eingestellten Berichte über meldepflichtige
Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland ab sofort wieder
aufnehmen zu lassen;
2. das Robert Koch-Institut (RKI) auch über nicht meldepflichtige
Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland ab sofort regelmäßig berichten zu
lassen.
Berlin, den 6. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
7 www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/Schriftliche%20
Anfragen/18_0003439.pdf
8 Drucksache 20/10910
9 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1294820/umfrage/kriegsfluechtlinge-aus-der-ukraine-i
ndeutschland/
10 www.bpb.de/themen/migration-integration/zahlen-zu-asyl/265708/asylantraege-in-deutschland/
Begründung
Die im Jahre 2024 von der Bundesregierung vorgelegten Zahlen zeigen ein deutliches Risikopotenzial bezüglich
Infektionskrankheiten durch den anhaltenden Flüchtlingszustrom.
Eine regelmäßige, detaillierte Berichterstattung über Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden mit dem Fokus
auf Sicherheit, Transparenz und öffentlichen Gesundheitsschutz ist ein wichtiges Mittel zur Kontrolle und
Prävention von Krankheitsausbrüchen.
Die regelmäßige Berichterstattung über Infektionskrankheiten stärkt die öffentliche Gesundheitssicherheit und
minimiert das Risiko von Krankheitsausbrüchen, indem frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden können.
Die Berichte erhöhen die Transparenz und stellen Daten bereit, die für eine fundierte öffentliche Diskussion
notwendig sind.
Durch die Bereitstellung von Informationen können die Behörden und auch die Bürger präventive Maßnahmen
besser planen und umsetzen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.
Dies kann auch dazu beitragen, die Gesundheitskosten durch gezielte Präventionsmaßnahmen zu senken.
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ISSN 0722-8333]
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