Zum möglichen Aufbau einer KI-Gigafabrik in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/1013)
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Zum möglichen Aufbau einer KI-Gigafabrik in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/1013)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1179
21. Wahlperiode 11.08.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander
Arpaschi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/1013 –
Zum möglichen Aufbau einer KI-Gigafabrik in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Um auf dem emergenten Markt für Entwicklung und Anwendung von
Lösungen künstlicher Intelligenz (KI) wissenschaftlich wie wirtschaftlich
erfolgreich zu sein, sind nicht nur skalierbare Geschäftsmodelle, gepaart mit gut
ausgebildeten Fachkräften, vonnöten; es braucht ebenso eine leistungsfähige
Recheninfrastruktur, um die immensen Datenmengen, die für das Entwickeln
und Trainieren von KI-Lösungen notwendig sind, abzuarbeiten. Ein wichtiger
Grund der Dominanz US-amerikanischer Unternehmen auf dem globalen KI-
Markt ist deren Zugriff auf KI-taugliche Datenzentren, die die
Leistungsfähigkeit jener des Militärs ebenso übertreffen wie jener der Universitäten (vgl. hai.
stanford.edu/assets/files/hai_ai_index_report_2025.pdf, hier S. 221, 332).
Die EU-Kommission hat einen „Aktionsplan für den KI-Kontinent“ vorgelegt,
auch um die infrastrukturellen Abhängigkeiten von US-amerikanischen
Anbietern zu verringern (vgl. digital-strategy.ec.europa.eu/de/factpages/ai-contin
ent-action-plan). Dieser sieht unter anderem den Bau von mindestens 13
operativen KI-Fabriken bis 2026 vor, die primär dem Training sowie der
Feinabstimmung der KI-Modelle dienen und aus dem EU-Haushalt mit 10 Mrd. Euro
gefördert werden sollen (ebd.). Des Weiteren sollen bis zu fünf sogenannte
KI-Gigafactories errichtet werden, die der Ausbildung und Entwicklung
komplexer KI-Modelle dienen; hierfür sieht die EU eine Fördersumme von
20 Mrd. Euro vor (ebd.).
Die Bundesregierung tritt mit dem Ziel an, Deutschland als Standort für
Rechenzentren zu etablieren. Die die Bundesregierung tragenden Parteien CDU,
CSU und SPD vereinbarten dazu in ihrem Koalitionsvertrag: „Wir stärken den
Rechenzentrumsstandort Deutschland als Leuchtturm Europas, indem wir
Cluster und regionale wie dezentrale Ansiedlungen unterstützen. Wir holen
mindestens eine der europäischen ‚AI-Gigafactories‘ nach Deutschland und
treiben Edge-Computing voran“ (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.k
oalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, hier S. 68).
Presseberichten zufolge liegen bei der EU-Kommission aus Deutschland
mehrere konkurrierende Bewerbungen um die Errichtung einer dieser AI-
Gigafactories vor (vgl. „Diese Konsortien wollen AI Gigafactories bauen“, in:
Handelsblatt, 30. Juni 2025, S. 22). Insgesamt sollen nach Auskunft der EU-
Kommission aus 16 Mitgliedstaaten von 76 Firmen, teils als Konsortien, bis zu
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie
und Raumfahrt vom 8. August 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
230 Mrd. Euro privates Kapital mobilisiert werden (vgl. www.heise.de/news/
Milliardeninvestitionen-76-Interessenten-wollen-KI-Gigafabriken-in-der-EU-
bauen-10465243.html). Die genauen Auswahlkriterien sollen bis Ende des
Jahres festgelegt werden (ebd.).
1. Hat die Bundesregierung bereits sondierende Gespräche mit deutschen
Unternehmen, Forschungseinrichtungen und privaten Kapitalgebern über
die mögliche Errichtung einer KI-Gigafactory geführt, und wenn ja, mit
wem, und mit welchen Ergebnissen (siehe Vorbemerkung der
Fragesteller, bitte ausführen)?
Die Bundesregierung hat bereits sondierende Gespräche zu einer möglichen
Errichtung einer KI-Gigafactory geführt. Sie befindet sich aktuell im Prozess der
internen Willensbildung. Sie hat in diesem Zusammenhang allen Unternehmen,
die sich an die Bundesregierung gewandt haben, entsprechende
Gesprächsangebote gemacht und ist diesen bei Nachfrage nachgekommen. Alle Gespräche
wurden zur Wahrung der Interessen der Interessenten als vertraulich geführt.
Da es noch nicht zu abschließenden Entscheidungen zu einer möglichen
Errichtung einer KI-Gigafactory gekommen ist, werden die Daten der deutschen
Interessenten nicht veröffentlicht.
2. War die Bundesregierung vorab informiert über die in der Presse
kolportierten konkurrierenden Bewerbungen deutscher Firmen respektive
Konsortien für die Errichtung einer KI-Gigafactory in Deutschland (siehe
Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
a) Wenn ja, hat die Bundesregierung versucht, die konkurrierenden
Marktteilnehmer zu einer Kooperation im Sinne eines gemeinsamen
Angebotes zu bewegen?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 2 bis 2b werden gemeinsam beantwortet.
Bei einer AI Gigafactory geht es im Kern um ein kommerzielles Angebot, für
das Betreiber und Investoren gesucht werden. Das Verfahren für die AI
Gigafactory befindet sich derzeit im Stadium der Interessenbekundung. Ein
konkretes verbindliches Bewerbungsverfahren für eine AI Gigafactory soll durch die
EU-Kommission Ende des Jahres starten. Eine steuernde Einflussnahme auf
Entscheidungen zur Teilnahme an diesem Interessenbekundungsverfahren hat
die Bundesregierung vor diesem Hintergrund nicht vorgenommen. Diese wäre
auch nicht sachgerecht.
3. Wird die Bundesregierung bei ihren Bemühungen, eine der europäischen
KI-Gigafabriken nach Deutschland zu holen, auch Fördergelder
bereitstellen?
a) Wenn ja, in welcher Höhe, und über welchen Zeitraum?
b) Wenn ja, in welchem Einzelplan welches Bundesministeriums
werden diese Fördergelder abgebildet sein?
c) Wenn ja, geschieht dies in Absprache und Kooperation mit dem
Bundesland, in dem die KI-Gigafactory angesiedelt werden soll?
d) Wenn ja, werden diese Fördergelder mit jenen der EU verrechnet
werden können?
e) Wenn ja, handelt es sich bei diesen Fördergeldern um
Steuererleichterungen und Abschreibungsmöglichkeiten für die beteiligten
Unternehmen?
f) Wenn ja, handelt es sich bei diesen Fördergeldern um Subventionen
für die beteiligten Unternehmen?
g) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 3 bis 3g werden gemeinsam beantwortet.
Die genauen finanziellen Rahmenbedingungen für die Bewerbung um die AI
Gigafactory befinden sich auf EU-Ebene derzeit noch in Verhandlung. Die
Bundesregierung eruiert derzeit, welche Möglichkeiten der finanziellen
Beteiligung bestehen.
4. Wie hoch wird nach Einschätzung der Bundesregierung die Summe
privaten Kapitals sein, das zur möglichen Errichtung einer KI-Gigafactory
in Deutschland mobilisiert werden muss, und ist die Bundesregierung
nach ihrem derzeitigen Kenntnisstand der Ansicht, dass eine
ausreichende Summe für das genannte Vorhaben zur Verfügung stehen wird
(bitte ausführen)?
Die Kosten für den Aufbau einer AI Gigafactory werden von der Europäischen
Kommission aktuell auf 3 bis 5 Mrd. Euro geschätzt. Von dieser Summe
werden Investoren bzw. das Konsortium nach derzeitigem Informationsstand rund
zwei Drittel tragen müssen. Die Bundesregierung begrüßt, dass im Rahmen des
Interessenbekundungsverfahrens aus Deutschland mehrere substanzielle
Interessenbekundungen für den Aufbau einer AI Gigafactory eingereicht wurden.
Die hohe Resonanz bei diesem ersten Verfahrensschritt zeigt, dass konkrete
auch privatwirtschaftliche Investitionsbereitschaft zum Aufbau eines für das
Training großer KI-Modelle geeigneten überwiegend kommerziellen
Rechenzentrums in Deutschland besteht.
5. Welcher Art über eine mögliche finanzielle Förderung hinaus werden die
Bemühungen der Bundesregierung sein, um, wie im Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD angekündigt, mindestens eine der
europäischen KI-Gigafabriken nach Deutschland zu holen, werden dabei
gegebenenfalls auch die Dienste Dritter in Anspruch genommen, und wenn
ja, welcher?
Die Bundesregierung setzt sich in Gesprächen mit Akteuren dafür ein, dass
diese in eine im Vergleich zum Wettbewerb stärker souveräne und
vertrauenswürdige KI-Recheninfrastruktur in Deutschland investieren. Dies beinhaltet,
auf EU-Ebene für angemessene Bedingungen einzutreten, zu denen sich die
EU-Kommission als Ko-Investor einer AI Gigafactory in Deutschland beteiligt.
Dienste Dritter werden dabei nicht in Anspruch genommen.
6. Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung die Entscheidung der
EU-Kommission über die Standorte der angestrebten KI-Gigafactories
fallen (siehe Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
Nach Information der Bundesregierung sieht die aktuelle Planung vor, dass die
finale Auswahlentscheidung bis Ende des zweiten Quartals 2026 getroffen
wird.
7. Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung mit dem Baubeginn einer
deutschen KI-Gigafactory zu rechnen sein, unterstellt, dass ein deutsches
Unternehmen respektive Konsortium den Zuschlag erhält (bitte
ausführen)?
8. Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung mit der Fertigstellung
und Inbetriebnahme einer deutschen KI-Gigafactory zu rechnen sein,
unterstellt, dass ein deutsches Unternehmen respektive Konsortium den
Zuschlag erhält (bitte ausführen)?
Die Fragen 7 und 8 werden gemeinsam beantwortet.
Es liegt in der Verantwortung der beteiligten Unternehmen respektive
Konsortien, die Beschaffungs- und Errichtungsplanung für eine AI Gigafactory
vorzunehmen.
9. Befindet sich die Bundesregierung mit Bundesländern, die als mögliche
Standorte einer KI-Gigafactory infrage kommen, im Austausch?
a) Wenn ja, mit welchen Zielen?
b) Wenn ja, mit welchen bisherigen Ergebnissen?
c) Wenn nein, warum nicht (bitte ausführen)?
Die Fragen 9 bis 9c werden gemeinsam beantwortet.
Standortentscheidungen zur Umsetzung des geplanten Geschäftsmodells
obliegen dem potentiellen Betreiber. Hierbei können die Länder einzelne Angebote
mit entsprechenden Standorten unterstützen.
10. Wie lang wird nach Einschätzung der Bundesregierung der
Genehmigungsprozess zum Bau einer KI-Gigafactory in Abstimmung zwischen
Bund, Land und Kommune dauern (die positive Entscheidung der EU-
Kommission vorausgesetzt), hat die Bundesregierung die Absicht, einen
solchen Genehmigungsprozess zu beschleunigen, und wenn ja, mit
welchen Maßnahmen könnte sie dies tun (bitte ausführen)?
Diese Frage kann aufgrund der verschiedenen in Betracht kommenden
Standorte mit unterschiedlichen Voraussetzungen zum derzeitigen Zeitpunkt nicht
beantwortet werden. Die Möglichkeit einer zeitnahen Realisierbarkeit des
Vorhabens wird voraussichtlich ein wichtiges Kriterium der Bewerber bei der
Standortauswahl sein.
11. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die zu errichtenden KI-
Gigafactories in der EU die infrastrukturelle Abhängigkeit deutscher und
europäischer Daten-, Digital- und KI-Unternehmen von den Diensten
großer US-Konzerne verringern helfen werden in Richtung einer
digitalen Souveränität (siehe Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
Aus Sicht der Bundesregierung können die AI Gigafactories ein zusätzliches
Angebot an KI-Rechenservices schaffen, das eine Nachfrage von europäischen
Kunden bedient, die im Vergleich zum Wettbewerb ein erhöhtes Maß an
Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit suchen. Dies trägt zu einem Mehr an
europäischer digitaler Souveränität bei.
12. Welche Standorte kommen nach Einschätzung der Bundesregierung rein
infrastrukturell – entsprechende Geländegröße, Anschluss an die
Energieversorgung, Nähe zu großen Internetknoten, Fachkräfte – potenziell
infrage (bitte auflisten und begründen)?
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 9 und 10 verwiesen.
13. Sollen sich nach Auffassung der Bundesregierung auch
vertrauenswürdige nichtdeutsche und nichteuropäische Anbieter an der Errichtung und
Ausrüstung sowie dem Betrieb einer deutschen KI-Gigafactory
beteiligen können, etwa als Lieferant spezieller Chips oder geeigneter
Software?
a) Wenn ja, wie würde die Vertrauenswürdigkeit dieser Unternehmen
definiert und geprüft?
b) Wenn ja, nach welchen weiteren Kriterien würden diese
Unternehmen ausgesucht?
c) Wenn nein, warum nicht?
14. Sollte es nach Auffassung der Bundesregierung bei der Errichtung und
Ausrüstung sowie dem Betrieb einer deutschen KI-Gigafactory Ausrüster
und Zulieferer geben, die keinesfalls beteiligt werden sollten?
a) Wenn ja, anhand welcher Kriterien würden solche Anbieter vom
wem definiert werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 13 bis 14b werden gemeinsam beantwortet.
Als Betreiber einer AI Gigafactory werden nach den derzeit bekannten
Rahmenbedingungen nur Rechtspersonen mit Sitz in der Europäischen Union
zugelassen sein. Die Bundesregierung begrüßt es, wenn sich deutsche und
europäische Technologielieferanten in die AI Gigafactories einbringen bzw. für die
Anforderungen qualifizieren. Eine vollständige Unabhängigkeit von
Technologielieferanten von außerhalb der EU wird vermutlich nicht sinnvoll erreichbar
sein. Im Übrigen wird auf die Antworten zu den Fragen 2 und 11 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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