Zum möglichen Aufbau einer KI-Gigafabrik in Deutschland
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Zum möglichen Aufbau einer KI-Gigafabrik in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1013
21. Wahlperiode 25.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Stefan
Schröder, Dr. Christoph Birghan, Adam Balten und der Fraktion der AfD
Zum möglichen Aufbau einer KI-Gigafabrik in Deutschland
Um auf dem emergenten Markt für Entwicklung und Anwendung von
Lösungen künstlicher Intelligenz (KI) wissenschaftlich wie wirtschaftlich erfolgreich
zu sein, sind nicht nur skalierbare Geschäftsmodelle, gepaart mit gut
ausgebildeten Fachkräften, vonnöten; es braucht ebenso eine leistungsfähige
Recheninfrastruktur, um die immensen Datenmengen, die für das Entwickeln und
Trainieren von KI-Lösungen notwendig sind, abzuarbeiten. Ein wichtiger Grund
der Dominanz US-amerikanischer Unternehmen auf dem globalen KI-Markt ist
deren Zugriff auf KI-taugliche Datenzentren, die die Leistungsfähigkeit jener
des Militärs ebenso übertreffen wie jener der Universitäten (vgl. hai.stanford.ed
u/assets/files/hai_ai_index_report_2025.pdf, hier S. 221, 332).
Die EU-Kommission hat einen „Aktionsplan für den KI-Kontinent“ vorgelegt,
auch um die infrastrukturellen Abhängigkeiten von US-amerikanischen
Anbietern zu verringern (vgl. digital-strategy.ec.europa.eu/de/factpages/ai-continent-a
ction-plan). Dieser sieht unter anderem den Bau von mindestens 13 operativen
KI-Fabriken bis 2026 vor, die primär dem Training sowie der Feinabstimmung
der KI-Modelle dienen und aus dem EU-Haushalt mit 10 Mrd. Euro gefördert
werden sollen (ebd.). Des Weiteren sollen bis zu fünf sogenannte KI-
Gigafactories errichtet werden, die der Ausbildung und Entwicklung komplexer KI-
Modelle dienen; hierfür sieht die EU eine Fördersumme von 20 Mrd. Euro vor
(ebd.).
Die Bundesregierung tritt mit dem Ziel an, Deutschland als Standort für
Rechenzentren zu etablieren. Die die Bundesregierung tragenden Parteien CDU,
CSU und SPD vereinbarten dazu in ihrem Koalitionsvertrag: „Wir stärken den
Rechenzentrumsstandort Deutschland als Leuchtturm Europas, indem wir
Cluster und regionale wie dezentrale Ansiedlungen unterstützen. Wir holen
mindestens eine der europäischen ‚AI-Gigafactories‘ nach Deutschland und treiben
Edge-Computing voran“ (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitions
vertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, hier S. 68).
Presseberichten zufolge liegen bei der EU-Kommission aus Deutschland
mehrere konkurrierende Bewerbungen um die Errichtung einer dieser AI-
Gigafactories vor (vgl. Diese Konsortien wollen AI Gigafactories bauen, in:
Handelsblatt, 30. Juni 2025, S. 22). Insgesamt sollen nach Auskunft der EU-
Kommission aus 16 Mitgliedstaaten von 76 Firmen, teils als Konsortien, bis zu
230 Mrd. Euro privates Kapital mobilisiert werden (vgl. www.heise.de/news/M
illiardeninvestitionen-76-Interessenten-wollen-KI-Gigafabriken-in-der-EU-bau
en-10465243.html). Die genauen Auswahlkriterien sollen bis Ende des Jahres
festgelegt werden (ebd.).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung bereits sondierende Gespräche mit deutschen
Unternehmen, Forschungseinrichtungen und privaten Kapitalgebern über
die mögliche Errichtung einer KI-Gigafactory geführt, und wenn ja, mit
wem, und mit welchen Ergebnissen (siehe Vorbemerkung der Fragesteller,
bitte ausführen)?
2. War die Bundesregierung vorab informiert über die in der Presse
kolportierten konkurrierenden Bewerbungen deutscher Firmen respektive
Konsortien für die Errichtung einer KI-Gigafactory in Deutschland (siehe
Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
a) Wenn ja, hat die Bundesregierung versucht, die konkurrierenden
Marktteilnehmer zu einer Kooperation im Sinne eines gemeinsamen
Angebotes zu bewegen?
b) Wenn nein, warum nicht?
3. Wird die Bundesregierung bei ihren Bemühungen, eine der europäischen
KI-Gigafabriken nach Deutschland zu holen, auch Fördergelder
bereitstellen?
a) Wenn ja, in welcher Höhe, und über welchen Zeitraum?
b) Wenn ja, in welchem Einzelplan welches Bundesministeriums werden
diese Fördergelder abgebildet sein?
c) Wenn ja, geschieht dies in Absprache und Kooperation mit dem
Bundesland, in dem die KI-Gigafactory angesiedelt werden soll?
d) Wenn ja, werden diese Fördergelder mit jenen der EU verrechnet
werden können?
e) Wenn ja, handelt es sich bei diesen Fördergeldern um
Steuererleichterungen und Abschreibungsmöglichkeiten für die beteiligten
Unternehmen?
f) Wenn ja, handelt es sich bei diesen Fördergeldern um Subventionen
für die beteiligten Unternehmen?
g) Wenn nein, warum nicht?
4. Wie hoch wird nach Einschätzung der Bundesregierung die Summe
privaten Kapitals sein, das zur möglichen Errichtung einer KI-Gigafactory in
Deutschland mobilisiert werden muss, und ist die Bundesregierung nach
ihrem derzeitigen Kenntnisstand der Ansicht, dass eine ausreichende
Summe für das genannte Vorhaben zur Verfügung stehen wird (bitte
ausführen)?
5. Welcher Art über eine mögliche finanzielle Förderung hinaus werden die
Bemühungen der Bundesregierung sein, um, wie im Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD angekündigt, mindestens eine der
europäischen KI-Gigafabriken nach Deutschland zu holen, werden dabei
gegebenenfalls auch die Dienste Dritter in Anspruch genommen, und wenn ja,
welcher?
6. Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung die Entscheidung der EU-
Kommission über die Standorte der angestrebten KI-Gigafactories fallen
(siehe Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
7. Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung mit dem Baubeginn einer
deutschen KI-Gigafactory zu rechnen sein, unterstellt, dass ein deutsches
Unternehmen respektive Konsortium den Zuschlag erhält (bitte
ausführen)?
8. Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung mit der Fertigstellung und
Inbetriebnahme einer deutschen KI-Gigafactory zu rechnen sein,
unterstellt, dass ein deutsches Unternehmen respektive Konsortium den
Zuschlag erhält (bitte ausführen)?
9. Befindet sich die Bundesregierung mit Bundesländern, die als mögliche
Standorte einer KI-Gigafactory infrage kommen, im Austausch?
a) Wenn ja, mit welchen Zielen?
b) Wenn ja, mit welchen bisherigen Ergebnissen?
c) Wenn nein, warum nicht (bitte ausführen)?
10. Wie lang wird nach Einschätzung der Bundesregierung der
Genehmigungsprozess zum Bau einer KI-Gigafactory in Abstimmung zwischen
Bund, Land und Kommune dauern (die positive Entscheidung der EU-
Kommission vorausgesetzt), hat die Bundesregierung die Absicht, einen
solchen Genehmigungsprozess zu beschleunigen, und wenn ja, mit
welchen Maßnahmen könnte sie dies tun (bitte ausführen)?
11. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die zu errichtenden KI-
Gigafactories in der EU die infrastrukturelle Abhängigkeit deutscher und
europäischer Daten-, Digital- und KI-Unternehmen von den Diensten
großer US-Konzerne verringern helfen werden in Richtung einer digitalen
Souveränität (siehe Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
12. Welche Standorte kommen nach Einschätzung der Bundesregierung rein
infrastrukturell – entsprechende Geländegröße, Anschluss an die
Energieversorgung, Nähe zu großen Internetknoten, Fachkräfte – potenziell
infrage (bitte auflisten und begründen)?
13. Sollen sich nach Auffassung der Bundesregierung auch vertrauenswürdige
nichtdeutsche und nichteuropäische Anbieter an der Errichtung und
Ausrüstung sowie dem Betrieb einer deutschen KI-Gigafactory beteiligen
können, etwa als Lieferant spezieller Chips oder geeigneter Software?
a) Wenn ja, wie würde die Vertrauenswürdigkeit dieser Unternehmen
definiert und geprüft?
b) Wenn ja, nach welchen weiteren Kriterien würden diese Unternehmen
ausgesucht?
c) Wenn nein, warum nicht?
14. Sollte es nach Auffassung der Bundesregierung bei der Errichtung und
Ausrüstung sowie dem Betrieb einer deutschen KI-Gigafactory Ausrüster
und Zulieferer geben, die keinesfalls beteiligt werden sollten?
a) Wenn ja, anhand welcher Kriterien würden solche Anbieter vom wem
definiert werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 23. Juli 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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