Rechenzentrumsstrategie
Text
Rechenzentrumsstrategie
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4910
21. Wahlperiode 19.03.2026
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Rechenzentrumsstrategie
Inhal tsverzeichnis
Seite
Einleitung ...................................................................................................... 3
Status Quo Rechenzentrumsstandort und Marktentwicklung ................ 4
Standortkennzahlen & Marktstruktur ............................................................. 4
Marktentwicklungen ...................................................................................... 5
Stärken und Schwächen des Rechenzentrumsstandorts Deutschland ............ 5
Ziele ............................................................................................................. 8
Handlungsfeld Energie und Nachhaltigkeit ................................................... 8
Handlungsfeld Standort und Fläche ............................................................... 8
Handlungsfeld Technologie und Souveränität ............................................... 8
Handlungsfeld Energie und Nachhaltigkeit ............................................... 10
1. Einleitung und strategischer Rahmen ............................................... 10
2. Strategische Ziele und Maßnahmen .................................................. 10
Ziel 1: Stromnetzanschlüsse von Rechenzentren sicherstellen und
beschleunigen. ................................................................................. 10
Ziel 2: Deutschland als einen Standort für nachhaltige
Rechenzentren, die vollständig mit erneuerbarem Strom
versorgt und energieeffizient sind, stärken. ..................................... 11
Ziel 3: Wettbewerbsfähige Strompreise für Rechenzentren anstreben. ....... 12
Handlungsfeld Standort und Fläche ........................................................... 14
1. Einleitung und strategischer Rahmen ............................................... 14
Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung vom 18. März 2026.
Seite
2. Strategische Ziele und Maßnahmen .................................................. 14
Ziel 1: Flächen identifizieren und attraktiv für Investoren und
Kommunen ausgestalten ................................................................... 14
Ziel 2: Planungs- und Genehmigungsverfahren für Rechenzentren
beschleunigen ................................................................................... 15
Handlungsfeld Technologie und Souveränität .......................................... 17
1. Einleitung und strategischer Rahmen ............................................... 17
2. Strategische Ziele und Maßnahmen .................................................. 17
Ziel 1: Souveräne und hochleistungsfähige Recheninfrastruktur für
KI, Cloud und andere bahnbrechende Technologien ausbauen ........ 17
Ziel 2: Entwicklung innovativer Technologien insb. für KI-, Cloud-
und Edge-Computing stärken ........................................................... 19
Ziel 3: Anwendung und Nutzung souveräner Rechenkapazitäten
stärken............................................................................................... 20
Nächste Schritte ........................................................................................... 21
Agiler und transparenter Strategie- und Arbeitsprozess................................. 21
Umsetzung der Maßnahmen .......................................................................... 21
Entwicklung weiterer Maßnahmen ................................................................ 21
Monitoring ..................................................................................................... 21
Finanzierung .................................................................................................. 21
Quellenverzeichnis ....................................................................................... 22
Einleitung
Eine umfassende Digitalisierung und ausreichende Rechenzentrumskapazitäten sind wichtige Faktoren für eine
zukunfts- und wettbewerbsfähige Wirtschaft und eine moderne öffentliche Verwaltung. Wir stehen weltweit und
auch in Deutschland am Beginn einer neuen Phase der digitalen Transformation. Rechenzentren („Data Centers“)
sind eine entscheidende physische Grundlage der digitalen Transformation einer Gesellschaft, sichern die
Leistungsfähigkeit moderner Volkswirtschaften, ermöglichen Innovation, stärken Wertschöpfung und bilden eine
wesentliche Voraussetzung für digitale Souveränität und Wirtschaftssicherheit in Deutschland und Europa. Für die
Entwicklung von Modellen der Künstlichen Intelligenz und deren Nutzung gewinnt die Rolle von Rechenzentren
als kritische Zukunftsinfrastruktur weltweit weiter an Bedeutung. Deutschland mit seiner starken Volkswirtschaft,
dem weltweit bedeutendsten Internetknoten, zahlreichen an der digitalen Transformation beteiligten
Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen darf dabei nicht Zuschauer sein, sondern muss und will die digitale
Zukunft gemeinsam mit den europäischen Partnern selbstbestimmt gestalten. Eine resiliente digitale Infrastruktur
und digitale Souveränität sind angesichts der geopolitischen Risiken, denen Deutschland und Europa
gegenüberstehen, zudem nicht nur ein wesentliches Element unserer digitalen Leistungsfähigkeit, sondern auch unserer
nationalen Sicherheit. Wir müssen eigene Fähigkeiten aufbauen, um zu verhindern, dass andere, nicht
wohlgesonnene Akteure die Kontrolle von kritischen Netzwerk-, Rechen- und Kommunikations- und
Finanztransaktionsstrukturen und deren technischen Komponenten als wirtschaftliches Druckmittel gegen Deutschland und Europa
einsetzen können. Digitale Souveränität bedeutet auch den Abbau von Abhängigkeiten von marktmächtigen
außereuropäischen Anbietern, von der Software bis zum Chip.
Unser Anspruch ist klar: Deutschland soll einer der führenden und attraktiven Standorte für
Rechenzentrumskapazitäten sein. Wir wollen die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppeln.
Rechenkapazitäten für High-Performance-Computing (HPC) und Künstliche Intelligenz (KI) wollen wir dabei
mindestens vervierfachen.
Dafür braucht es Rahmenbedingungen, die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit stärken, Investitionen fördern
und Planbarkeit sichern. Wir beschleunigen Planungs- und Genehmigungsverfahren unter Wahrung von
Umweltstandards, verbessern den Zugang zu Anschlüssen an die Stromnetze, streben wettbewerbsfähige Strompreise an
und richten unsere Standortpolitik strategisch aus. Hohe ökologische und soziale Nachhaltigkeitsstandards
verbinden wir mit wirtschaftlicher Stärke, Innovation und technologischer Exzellenz.
Diese Strategie ist Ausdruck eines klaren politischen Willens: Wir wollen die digitale Leistungsfähigkeit
Deutschlands und Europas auf ein neues Niveau heben. Rechenzentren spielen dabei eine Schlüsselrolle – als Orte
wirtschaftlicher Wertschöpfung, technologischer Innovation, europäischer Souveränität und Wirtschaftssicherheit.
Der Ausbau der Rechenzentrumskapazität in Deutschland liefert eine notwendige Grundlage für die erfolgreiche
Entwicklung und Implementierung beispielsweise KI-gestützter Lösungen und trägt zu mehr Wertschöpfung und
Wettbewerbsfähigkeit bei.
Diese Strategie unterstützt auch die Erreichung des Ziels der Hightech Agenda Deutschland (HTAD),
Innovationen in Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit umzusetzen. Insbesondere verbessert diese Strategie und der
Ausbau der Rechenkapazitäten in Deutschland die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von KI-Kapazitäten für
Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft und liefert einen wichtigen Baustein zur
Umsetzung der technologischen Führerschaft in den sechs prioritären Schlüsseltechnologien der HTAD1. Sie unterstützt
die Stärkung von Kompetenzen und die Entwicklung von Lösungen entlang des gesamten Technologie-Stacks in
Deutschland und Europa, legt die Grundlage für die Ausführung rechenintensiver Anwendungen und stützt so
den Transfer sowie die Kommerzialisierung innovativer Lösungen. Zudem unterstreicht sie unser neues
Ambitionsniveau in der Forschungs- und Technologiepolitik.
Diese Strategie zielt sowohl auf Betreiber, Investoren, Ausrüster und Gestalter der digitalen Zukunft als auch die
öffentliche Hand. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen in Deutschland so zu verändern, dass Investitionen in
Rechenkapazität genauso schnell umgesetzt werden können, wie der Bedarf an Digitalisierung von Wirtschaft (Start-
Ups, Mittelstand, Industrie), Wissenschaft und Forschung, öffentlicher Verwaltung sowie auch der Gesellschaft
insgesamt, einschließlich der organisierten Zivilgesellschaft wächst. Die Bundesregierung setzt auf einen
Austausch mit allen Stakeholdern. Im jährlichen Abstand sollen aktuelle Maßnahmenpläne veröffentlicht werden.
Gemeinsam sind wir unverzichtbare Partner auf diesem Weg. Wir laden alle Stakeholder ein, gemeinsam mit uns
die digitale Recheninfrastruktur der nächsten Generation zu entwickeln.
1 Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung,
Technologien für die klimaneutrale Mobilität.
Status Quo Rechenzentrumsstandort und Marktentwicklung
Weltweit gibt es eine außergewöhnliche Dynamik im Ausbau der Rechenzentrumslandschaft Insbesondere der
Hyperscale- und KI-getriebene Kapazitätsaufbau führt zugleich zu einer rasanten geografischen Ausweitung und
Verlagerung von Investitionsschwerpunkten. Global nimmt Europas Anteil am Rechenkapazitäts-Ausbau
insbesondere gegenüber den USA und China ab (Cushman & Wakefield, 2025). Die Rechenzentrumsmärkte sind in
den vergangenen Jahren weltweit deutlich gewachsen: in den USA um 24,4 Prozent, in der Asien-Pazifik-Region
um 22 Prozent und in Europa um 20 Prozent. Auch in den nächsten Jahren wird mit erheblichen Wachstumsraten
von jährlich 22 Prozent gerechnet (dena, 2025). Die Internationale Energieagentur (IEA) hat für 2030 eine
Verdopplung des weltweiten Energiebedarfs der Rechenzentren auf rund 945 Terawattstunden (TWh) prognostiziert
(IEA, 2025). Geographisch verschiebt sich der Ausbau von Rechenkapazitäten zunehmend in Regionen mit
günstigen Energiepreisen, hoher Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien und kurzen Genehmigungsverfahren, etwa
nach Skandinavien, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder Teile der USA (Cushman & Wakefield, 2025;
McKinsey, 2025).
Standortkennzahlen & Marktstruktur
Deutschland ist gemessen an Kapazitäten und Anzahl der Standorte der größte Rechenzentrumsmarkt in Europa.
Tabel le 1 Kernzahlen (Überblick) Deutschland
IT-Anschlussleistung: 2.980 MW und davon ~ 500 MW für KI (Borderstep, 2025);
Struktur: ~ 2.000 RZ (>100 kW); ~ 100 Groß-RZ (>5 MW); Anteil >5 MW-RZ:
48 Prozent (Borderstep, 2024)
Stromverbrauch: ~ 21 TWh (2025) ≈ 4 Prozent des Bruttostromverbrauchs (Borderstep, 2025)
Marktsegmente: > 50 Prozent Colocation-Anteil; Cloud nutzt 49 Prozent der Kapazitäten
(Borderstep, 2025)
Borderstep (2025) beziffert die IT-Anschlussleistung von Rechenzentren in Deutschland auf 2.980 MW2. Diese
hat sich damit im Vergleich zum Jahr 2010 mehr als verdoppelt. Das Wachstum wird vor allem von großen
Rechenzentren mit mehr als 5 MW Anschlussleistung verursacht, deren Kapazität sich seit 2010 nahezu verfünffacht
hat. Relativ zur Wirtschaftsstärke (BIP) liegt Deutschland innerhalb Europas im Mittelfeld und hinter EU-
Mitgliedstaaten wie z. B. den Niederlanden, Schweden oder Irland (Borderstep, 2024).
Der Anteil von Rechenzentren, die in Deutschland für High-Performance-Computing (HPC) oder KI-
Anwendungen genutzt werden, liegt laut Borderstep (2025) bei 15 Prozent und damit knapp 500 MW Anschlussleistung3.
Anders als in den USA oder China gibt es in Deutschland bislang aber noch keine großskaligen kommerziellen
Rechenzentren, die nur für KI genutzt werden (Borderstep, 2025). Verschiedene im Jahr 2025 angekündigte
Investitionen in Rechenzentren werden allerdings dazu beitragen, dass die hiesigen Rechenkapazitäten für KI
steigen werden.
Der Stromverbrauch für Rechenzentren steigt und beträgt ungefähr 21 TWh (2025). Ihr Anteil am
Bruttostromverbrauch liegt bei rund 4 Prozent. Effizienzgewinne (Verbesserung der sogenannte Power Usage Effectiveness
(PUE) von durchschnittlich 1,8 auf 1,43 seit 2010) reduzieren den Stromverbrauch je Recheneinheit, werden aber
durch den Nachfragezuwachs (Cloud, KI, HPC) übertroffen (Borderstep, 2025). Zur Höhe der
Treibhausgasemissionen durch Rechenzentren kommen Studien je nach Untersuchungsgegenstand zu unterschiedlichen
Ergebnissen (Borderstep, 2024; Fraunhofer IZM, 2025). Zu sinkenden Emissionen pro Rechenleistung dürften aber
insbesondere der verpflichtende bilanzielle Bezug von EE-Strom und der zugleich weiterhin dynamische Ausbau
erneuerbarer Energien beitragen. Treibhausgasemissionen bei der Herstellung der Informationstechnik (IT) sind
hierbei unberücksichtigt.
2 Die Schätzung der Anschlussleistung hängt von den zugrunde gelegten Daten ab. Nach Einschätzung der Bundesregierung stellt aktuell
die Schätzung von Borderstep (2025) die umfassendste und damit verlässlichste Berechnung dar.
3 Deloitte (2025) schätzt die Anschlussleistung der grundsätzlich KI-fähigen Rechenzentren in Deutschland und berechnet für 2025 einen
Wert von 1,6 GW.
Räumlich sind im Gebiet Frankfurt/Rhein-Main die größten Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland verortet
(mehr als ein Drittel der nationalen Gesamtkapazität; Borderstep, 2025), wobei dieses historisch zunächst wegen
der Nähe zum DE-CIX sowie dem dortigen Bankenstandort entstandene und in der EU bedeutendste Cluster bei
Stromnetzanschlusskapazitäten (ähnlich wie die anderen etablierten großen europäischen Rechenzentren-Cluster
London, Amsterdam) zunehmend an Flächen- und Netzgrenzen stößt. Berlin-Brandenburg sowie aus
Stromnetzsicht günstige Lagen (z. B. Rheinisches Revier) gewinnen an Dynamik. Mittelgroße und große Rechenzentren
sind aktuell in strukturstarken Großstädten und Ballungsräumen in Deutschland überrepräsentiert. In der
Gesamtschau sind 20,1 Prozent der Rechenzentren in ländlichen Räumen verortet, während sich nur 1,4 Prozent der
Rechenzentren in strukturschwachen sehr ländlichen Räumen befinden.
Marktentwicklungen
Globale Wachstumsraten für Cloud- und Colocation-Kapazitäten werden für die nächsten Jahre jeweils im
zweistelligen Prozentbereich prognostiziert (Borderstep, 2025). Zugleich werden vor allem in den USA und China
zunehmend großskaligere, energieintensive KI-Infrastrukturen geplant bzw. angekündigt. Zu erwarten ist
außerdem, dass Hyperscaler in ihren Rechenzentren auch KI-Systeme aufbauen werden. Zudem wachsen auch
Neocloud-Anbieter (Bertelsmann-Stiftung/Interface, 2025).
Für Deutschland erwartet Borderstep (2025) einen Anstieg der Anschlussleistung von Rechenzentren bis 2030
auf insgesamt 5.000 MW. Der Anteil von Rechenzentren, die für HPC und KI genutzt werden können, soll bis
2030 auf 40 Prozent und damit rund 2 GW steigen. KIRA (2025) erwartet je nach Ambitionsniveau einen Anstieg
der Anschlussleistung für KI-Rechenzentren auf 0,8 GW - 5,9 GW bis 2028). Selbst wenn solche
Ausbauprognosen sich im Detail unterscheiden, belegen sie, dass der Ausbaubedarf groß ist.
Auch auf der Nachfrageseite wird der Markt vor allem durch den rasanten Anstieg von KI- und HPC-Workloads
geprägt. Studien prognostizieren, wenn auch ohne detaillierte Angaben zu Annahmen und Berechnungsmodellen,
dass sich der Bedarf an Rechenleistung für KI in Deutschland zwischen 2025 und 2030 verdreifachen könnte (von
1,6 GW auf 4,8 GW; Deloitte, 2025; KIRA schätzt den Bedarf an KI-Rechenkapazität sogar auf 4,2 GW bis 2028;
KIRA, 2025). Andere verweisen darauf, dass die Marktentwicklung mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit
erfolge und sich die Nachfrage in den Bereichen Pre-training, Post-training und Inferenz in den kommenden Jahren
auch sehr verändern könne (Bertelsmann-Stiftung/Interface, 2025). Zugleich entsteht neben u. a. KI-
Rechenleistung neue Nachfrage nach auch Edge- bzw. verteiltem Rechnen, um in Ergänzung zu Cloud Latenzzeiten zu
reduzieren und industrielle Anwendungen, IoT und autonome Systeme zu unterstützen.
Laut IEA (2025) wird sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 weltweit verdoppeln. Für Europa
prognostiziert die IEA bis 2030 einen Anstieg um 70 Prozent gegenüber dem Niveau von 2024. Rechenzentren
seien damit global für knapp 10 Prozent des zusätzlichen Strombedarfs zwischen 2024 und 2030 verantwortlich.
Parallel nimmt die sogenannte Kopplung von Rechenzentren mit anderen Infrastrukturen – etwa Wärme- oder
Energieinfrastruktur – stark zu. Der Markt für solche Kopplungslösungen wuchs zwischen 2024 und 2025 von
14,7 Mrd. US-Dollar auf 16,5 Mrd. US-Dollar und gilt als zentraler Hebel für Nachhaltigkeit und
Systemintegration. Außerdem verändern sich auch Investorenstrategien. Neben Colocation-Anbietern und Immobilienfonds
treten verstärkt Infrastruktur- und Private-Equity-Investoren auf, die sich auch mit Blick auf mögliche
Rechenzentren Land- und Energiekapazitäten frühzeitig sichern, um langfristige Wettbewerbsvorteile zu schaffen (Datacen-
ters.com, 2025).
Bis zum Jahr 2029 wird es laut Mittelfristprognose des Fachkräftemonitorings zu einer Verdopplung der Zahl der
Fokusberufe mit Engpässen kommen, u. a. bei IT-Berufen sowie in Produktions- und Bauberufen (Zika et al.,
2025).
Stärken und Schwächen des Rechenzentrumsstandorts Deutschland
Eine Analyse der Stärken und Schwächen des Rechenzentrumsstandortes Deutschland bietet die Grundlage, um
insoweit Chancen und Herausforderungen einordnen zu können. Energie und Nachhaltigkeit sind entscheidend
für die ökologische und ökonomische Tragfähigkeit der Entwicklung des Rechenzentrumsstandortes Deutschland.
Ein zweites Themenfeld betrifft insgesamt die Verfügbarkeit, Erschließung und Wirtschaftlichkeit geeigneter
Standorte und Flächen. Und drittens geht es um Technologie und Souveränität, welche Innovationskraft,
Abhängigkeiten und strategische Eigenständigkeit des Rechenzentrumsstandortes prägen.
Tabelle 2 Tabellarische Gegenüberstellung der Stärken und Schwächen des
Rechenzentrumsstandorts Deutschland
Stärken Schwächen
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Deutschland verfügt generell über eine sehr
hohe Versorgungssicherheit und gut ausgebaute
Energieversorgung ebenso wie speziell auch
Netzinfrastruktur. Aufgrund des hohen Anteils
erneuerbarer Energien im Strommix, dem
Zugang zu sog. Power Purchase Agreements
(PPAs) und Herkunftsnachweisen verbunden
mit vergleichsweise hoher Energieeffizienz,
entsprechenden Regularien und vielen
verfügbaren innovativen Technologien bietet
Deutschland hervorragende Voraussetzungen
für nachhaltige Rechenzentren. Bereits heute
können viele Betreiber ihren Strom bilanziell
klimaneutral beziehen.
Anschlusskapazitäten im Stromnetz sind knapp,
v. a. in bestehenden Hotspots; lange
Anschlusszeiten und eine fehlende Verzahnung
von Energie- und Standortplanung behindern
den Ausbau. Die Strompreise einschließlich
Netzentgelte liegen international im oberen
Drittel und belasten die Wettbewerbsfähigkeit;
(separate) hohe Netzentgelte und Abgaben
tragen zu diesem Effekt bei. Die systemische
Integration in Strom- und Wärmenetze steht
noch am Anfang, einheitliche technische
Anforderungen für den Netzanschluss sind zu
definieren (EU-weit).
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Deutschland bietet durch seine zentrale Lage in
Europa, die exzellente Konnektivität (u. a. DE-
CIX), aber auch die gut ausgebaute Verkehrs-
und Versorgungsinfrastruktur attraktive
Standortbedingungen. Lange etablierte
Clusterregionen wie Frankfurt/Rhein-Main als
Teil der sogenannten FLAP-D-Märkte (FLAP-D
= Frankfurt, Loon, Amsterdam, Paris und
Dublin), mittlerweile auch zunehmend Berlin-
Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen
verfügen über gewachsene
Planungskompetenzen und ein gut
funktionierendes Immobilien- und
Finanzierungsumfeld. Zudem bieten auch
ländliche Räume geeignete, dezentrale
Standorte, unter Anderem weil dort ein Großteil
der Erneuerbaren Energien erzeugt wird. Für
Investoren gilt Deutschland als stabiler Markt
mit hoher Nachfragesicherheit.
Geeignete Flächen sind aus Sicht von
Investoren relativ knapp, insbesondere in
aktuellen Hotspots. Vorausschauende Standort-
und Raumordnungsplanung fehlt häufig noch
(u. a. Berücksichtigung von Um- und
Mehrfachnutzungen vorhandener Flächen
anstelle von Flächenneuausweisung), wodurch
Clusterentwicklung derzeit nicht immer
strategisch mit Energie-/Netzinfrastruktur,
Abwärme oder auch Wasserversorgung
abgestimmt ist. Eine Herausforderung stellen
zudem die aus Sicht der Branche als zu lang,
komplex, heterogen wahrgenommenen
Verfahren zur Genehmigung geplanter
Vorhaben dar; Verfahren sind häufig auch nicht
auf große Campus-Projekte ausgelegt und
insgesamt stark kommunal geprägt.
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Deutschland verfügt, wie auch der
internationale Vergleich zeigt, über exzellente,
staatlich finanzierte Rechenzentren zu
Forschungszwecken. Hierzu zählt z. B. das
Gauss Centre für Supercomputing (GCS) –
bestehend aus HLRS, JSC, LRZ. Hinzu
kommen das Nationale Hochleistungsrechnen
(NHR) und die Nationale
Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Auch
gibt es eine herausragende und forschungsstarke
Fachcommunity mit Expertise entlang des
gesamten Technologie-Stacks. Im
kommerziellen Bereich bieten eine dichte
Colocation-Infrastruktur und die hohe
Netzkonnektivität zudem eine gute technische
Deutschland verfügt bislang kaum über
kommerzielle KI-Kapazitäten. In den Bereichen
Cloud Computing, KI-Computing und
Plattformen besteht eine starke Abhängigkeit
von außereuropäischen Hyperscalern. Diese
unterliegen neben dem EU-Recht auch Gesetzen
von EU-Drittstaaten mit extraterritorialer
Wirkung. Europäische Alternativen können
insb. in Bezug auf Leistungsumfang und
Skalierbarkeit teilweise noch nicht mit
marktstarken Hyperscalern konkurrieren.
Zudem erschweren Lock-In-Effekte den
Umstieg auf und die Nutzung europäischer
Lösungen. Skalierung von technologischen
Innovationen in Rechenzentren erfolgt eher
langsam oder nur schrittweise, z. B. Umsetzung
Stärken Schwächen
Ausgangsbasis für den Aufbau souveräner
Infrastrukturen. Rechenzentren in Deutschland
zeichnen sich durch einen hohen
technologischen Standard aus Deutschland
verfügt außerdem über innovative und
leistungsfähige Unternehmen, die Technologien
für Bau und Betrieb von Rechenzentren
anbieten. Zudem gestaltet Deutschland aktiv
europäische Programme und Governance-
Strukturen wie EuroHPC, IPCEI Cloud, Gaia-X
und die europäischen Datenräume mit, die
gemeinsame Grundlagen für souveräne digitale
Infrastrukturen entwickeln.
Heißwasserdirektkühlung oder modularer RZ-
Architekturen.
Bestehende und geplante Rechenzentren in
Deutschland setzen im KI-Bereich auf
außereuropäische Hardware, energiesparende
und vertrauenswürdige europäische Halbleiter
und Systeme können sich gegen Quasi-
Monopole kaum durchsetzen.
Ziele
Wir wollen die Rechenkapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppeln, die Rechenkapazitäten für KI
mindestens vervierfachen. Dabei werden wir nachhaltige Aspekte berücksichtigen, eine resiliente regionale
Aufstellung fördern und den Souveränitätsgedanken von Deutschland und der EU stärker in den Blick nehmen.
Wir wollen ermöglichen, dass Deutschland, gemessen an der Anschlussleistung, dauerhaft zu den bedeutendsten
Rechenzentrumsstandorten weltweit zählt und sich dabei zugleich durch ein hohes Maß an Nachhaltigkeit
auszeichnet. Wir stärken den Rechenzentrumsstandort Deutschland als Leuchtturm Europas, indem wir Cluster und
regionale sowie dezentrale Ansiedlungen unterstützen.
Denn wir wissen: Eine zukunftsfähige Gesellschaft und eine wettbewerbsstarke Wirtschaft sind ohne umfassende
digitale Transformation nicht denk- und gestaltbar. Leistungsfähige Rechenkapazitäten sind der Ausgangspunkt
für die Entwicklung innovativer und wettbewerbsfähiger KI-Anwendungen, mit denen Produktivitätspotentiale
für Wirtschaft und Arbeitswelt nachhaltig realisiert werden können. Für die Entwicklung innovativer
Geschäftsmodelle, die Nutzung bahnbrechender Technologien, die Schaffung innovativer Arbeitsplätze und die
Modernisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft braucht es leistungsfähige Rechenkapazitäten, um
Verfügbarkeit, Sicherheit und Souveränität zu gewährleisten. Die Stärkung des Rechenzentrumsstandorts Deutschland
ist daher ein zentrales strategisches Ziel.
Wir wollen IT-Anschlussleistung von Rechenzentren bis 2030 gegenüber 2025 verdoppeln. Die
Anschlussleistung von KI-Rechenzentren wollen wir bis 2030 gegenüber 2025 sogar mindestens vervierfachen. Dafür wollen
wir die Rahmenbedingungen in den Handlungsfeldern Energie und Nachhaltigkeit, Standort und Fläche,
Technologie und Souveränität so gestalten, dass Investitionen in Rechenkapazitäten genauso schnell umgesetzt werden
können, wie der Bedarf an Rechenkapazitäten wächst. Rechenkapazitäten in Deutschland sollen gemeinsam mit
dem Markt und der Nachfrage wachsen und zum Fundament einer leistungsfähigen, souveränen und nachhaltigen
digitalen Infrastruktur werden. Dafür müssen Maßnahmen in allen genannten Handlungsfeldern erfolgen und
dabei ineinandergreifen.
Handlungsfeld Energie und Nachhaltigkeit
Wir wollen, dass Rechenzentren zuverlässig, bezahlbar und umweltverträglich mit Energie versorgt werden.
Voraussetzung für einen zukunftsfähigen Rechenzentrumstandort ist daher ein leistungsfähiges und flexibles
Energiesystem. Der Leistungsbedarf von Rechenzentren sollte daher möglichst frühzeitig in die Planung von
Netzinfrastrukturen integriert werden. Netzanschlussprozesse sowie die Nutzung vorhandener Kapazitäten sollten
Anforderungen von Rechenzentren bestmöglich Rechnung tragen. Energieeffizienz, Erneuerbare Energien,
Abwärmenutzung und wassersparende Kühlsysteme sind zentrale Hebel für Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit
und alle auch bei der Standortwahl relevant.
Handlungsfeld Standort und Fläche
Ohne geeignete Standorte bzw. Fläche gibt es keine Investitionen in Rechenzentren. Flächen müssen frühzeitig
identifiziert, planerisch gesichert und infrastrukturell erschlossen werden. Ein Ansatz mit starken zentralen wie
auch dezentralen Standorten ist entscheidend für eine resiliente Aufstellung. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte
dabei vorrangig auf die Nach-, Um- und Doppelnutzung von Flächen geachtet werden, um den Flächenverbrauch
nicht weiter zu steigern. Wichtig ist deswegen eine vorausschauende Standort- und Raumordnungsplanung.
Einschlägige Planungs- und Genehmigungsprozesse sind, unter Wahrung von Umweltstandards, zu beschleunigen,
damit Deutschland angesichts auch der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit im Digitalbereich international
attraktiv bleibt.
Handlungsfeld Technologie und Souveränität
Digitale Souveränität erfordert nationale und europäische Kompetenzen, IT-Infrastruktur, technologische
Fähigkeiten und Kapazitäten über den gesamten Technologie-Stack. Zugleich stellen speziell Rechenzentren wichtige
Vorhaben dar, um europäische Technologien über den gesamten Technologie-Stack zu kommerzialisieren und
skalieren.
Unsere Souveränität wollen wir insbesondere im Schulterschluss mit unseren europäischen Partnern stärken.
Daher wollen wir europäische Initiativen weiter aktiv mitgestalten, offene Standards fördern und technologische
Handlungsfähigkeit sichern, um Daten- und Technologiehoheit sowie Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies
stärkt die Wirtschaftssicherheit Deutschlands und der EU.
Rechenzentren bzw. ihre Betreiber müssen technologisch führend sein, um wettbewerbs- und zukunftsfähig im
Sinne auch der Wirtschaftssicherheit und Nachhaltigkeit zu bleiben. Gleiches gilt für die Anbieter von
Rechenzentrumstechnologien. Innovationen im gesamten Technologie-Stack schaffen Standortvorteile. Nicht zuletzt gilt
dies auch für die praktische Umsetzung von Innovationen im Rechenzentrum selbst, beispielsweise im Bereich
Kühltechnik, Energieeffizienz und Vermarktungsmöglichkeiten.
Dies betrifft Innovationen bei Hochleistungsrechnern (HPC) ebenso wie Recheninfrastruktur für KI, Cloud und
Edge bis zu Quantentechnologien. Gleiches gilt für Anbieter von Hard- oder Software, sei es bei
hardwarebezogenen Ausgaben für IT-Infrastruktur (Server, Speicherlösungen sowie Netzwerkinfrastruktur wie Router und
Switches auf der Systemebene, aber auch für die Komponenten bis hin zu den zugrundeliegenden
Halbleiterchips), Software für Rechenzentren oder sekundär durch Nutzung von Technologien wie lokale Abwärmenutzung.
Investitionen aus Drittstaaten sind uns willkommen. Gleichwohl zielen wir vor allem darauf ab, Unternehmen aus
Deutschland und Europa, gerade auch KMU und Start-ups, zu stärken. Wir wollen darauf achten, dass bei Bau
und Betrieb von Rechenzentren europäische und lokale Wertschöpfung gestärkt wird. Dazu können auch die
Nutzung erneuerbarer Energien und die Verwertung von Abwärme beitragen.
Handlungsfeld Energie und Nachhaltigkeit
1. Einleitung und strategischer Rahmen
Wie in Deutschland insgesamt soll speziell auch für Rechenzentren in Deutschland eine vollständig erneuerbare,
bezahlbare und sichere Energieversorgung gewährleistet werden. Ein zukunftsfähiger Rechenzentrumsstandort
erfordert deshalb ein leistungsfähiges, flexibles und auf Wachstum ausgerichtetes Energiesystem.
Energieeffizienz und Abwärmenutzung sind weitere zentrale Faktoren für die Planung und den Betrieb von Rechenzentren.
2. Strategische Ziele und Maßnahmen
Ziel 1: Stromnetzanschlüsse von Rechenzentren sicherstellen und beschleunigen.
Ein verlässlicher und schneller Netzanschluss ist eine zentrale Voraussetzung für die Erschließung neuer oder die
Erweiterung bestehender Rechenzentrumsstandorte. Aus Sicht der Stromnetze bündeln Rechenzentren hohe,
dauerhafte Leistungsaufnahmen allerdings auch mit teilweise sehr schnellen Änderungen des Leistungsbezugs, dies
gilt vor allem für kommerzielle Rechenzentren (nicht für wissenschaftliche Rechenzentren). Der Netzanschluss
erfolgt häufig auf der Hochspannungsebene, bei sehr großen Rechenzentren-Projekten teilweise auch auf der
Umspannebene zur Höchstspannung. Soweit es sich um Verbraucher mit einer hohen Anschlussleistung handelt, sind
auch immer Aspekte der Systemstabilität zu berücksichtigen. Um regional konzentriert und zügig eine hohe
Anzahl an Rechenzentren anschließen zu können, sind weiterentwickelte technische Anforderungen für den
Netzanschluss essentiell, um einen stabilen Netzbetrieb zu gewährleisten. Diese müssen unter Einbeziehung der Branche
schnell entwickelt und möglichst EU-weit harmonisiert werden.
Gleichzeitig bestehen Konkurrenzsituationen mit anderen Netzanschlusspetenten mit großem Leistungsbedarf.
Dazu zählen beispielsweise Unternehmen, die ihre Produktionsprozesse elektrifizieren oder Großwärmepumpen.
Der Leistungsbedarf von Rechenzentren sollte daher möglichst frühzeitig in der Planung von Netzinfrastrukturen
berücksichtigt werden. Das erfordert beidseitig, also von Netzbetreibern sowie von Rechenzentrumsbetreibern,
eine transparente Kommunikation zu ihren Planungen. Darüber hinaus sind Netzanschlussprozesse effizienter zu
gestalten und Prozesse bei Anschlussbegehren zu verbessern, damit Standortentscheidungen nach Möglichkeit
nicht an der Verfügbarkeit von Netzanschlusskapazität scheitern.
Maßnahme 1: Überarbeitetes Vergabeverfahren der Übertragungsnetzbetreiber ermöglichen.
Rechenzentren konkurrieren um das knapper werdende Gut der Netzanschlusskapazität mit anderen
Anschlusspetenten, derzeit insbesondere Großbatteriespeichern. Allein im Übertragungsnetz liegen den vier
Übertragungsnetzbetreibern Anschlussanfragen im dreistelligen Gigawattbereich für Batteriespeicherprojekte vor.
Netzanschlussverfahren müssen daher überdacht werden. Den Übertragungsnetzbetreibern sollte mehr
Handlungsspielraum eröffnet werden, Kapazitäten für Rechenzentren vorzuhalten.
Als erste kurzfristige Maßnahme um zu verhindern, dass vorhandene Stromnetzanschlüsse blockiert und damit
u. a. auch neue Rechenzentren möglicherweise über Jahre verhindert würden, hat die Bundesregierung Ende 2025
die KraftNAV insoweit geändert.
Um das Vergabeverfahren der Übertragungsnetzbetreiber zu Netzanschlusskapazitäten zu überarbeiten, wird die
Bundesregierung Vorschläge vorlegen.
Maßnahme 2: Verbessertes Vergabeverfahren der Verteilnetzbetreiber schaffen, u. a.
verbesserte Transparenz über freie Netzanschlusskapazität.
Auch im Verteilnetz bestehen spezifische Herausforderungen beim Netzanschluss von Rechenzentren. Die
Prozesse sollten verbessert und digitalisiert werden. Höhere Transparenz über vorhandene Anschlusskapazitäten und
belastbare Ausbaupläne für alle Interessenten wie auch Rechenzentren können helfen, Anfragen zu
Informationszwecken von ernsthaften Netzanschlussbegehren zu trennen. Es bedarf Reservierungsmechanismen für
Netzanschlusskapazität, die an den jeweiligen Projektfortschritt anknüpfen. So kann die beiderseitige Planungssicherheit
gestärkt werden. Vorhandene Kapazitäten müssen derweil effizient genutzt werden. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass Kapazitätssteuerung im Verteilnetz nur im Zusammenspiel mit einer abgestimmten Struktur‑ und
Standortpolitik wirksam umgesetzt werden kann. Die Herausforderungen sind regional sehr unterschiedlich, sodass es
weniger den einen Mechanismus gibt, sondern einen Instrumentenkasten braucht, der Vergabeverfahren,
Reservierungslogiken, Standortsteuerung und technische Anforderungen zusammenführt.
Um auch das Vergabeverfahren der Verteilnetzbetreiber zum Netzanschluss zu überarbeiten, wird die
Bundesregierung auch dazu Vorschläge vorlegen.
Maßnahme 3: Branchenstandard für flexible Netzanschlussvereinbarungen („FCA“) für
Rechenzentren erarbeiten.
Im sog. Stromspitzen-Paket hat der Gesetzgeber 2025 einen Rechtsrahmen für flexible
Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, „FCA“) geschaffen. Unter flexiblen Netzanschlussvereinbarungen
(FCA) verstehen sich vertragliche Regelungen, die einen Anschluss trotz begrenzter Netzkapazitäten
ermöglichen, indem die maximal zulässige Entnahme‑ oder Einspeiseleistung zeitlich oder dauerhaft eingeschränkt
werden kann. Hierüber können Rechenzentren auch dann angeschlossen werden, wenn die verfügbare
Netzanschlusskapazität noch nicht für die gesamte benötigte Netzanschlussleistung ausreicht. Ein Rechenzentrumsstandort kann
hierdurch mit der bereitgestellten Netzanschlusskapazität „mitwachsen“.
Da die Inhalte der vertraglichen Vereinbarungen gesetzlich nicht im Detail festgelegt sind, wird sich die
Bundesregierung dafür einsetzen, dass Mustervereinbarungen als Branchenstandard Rechenzentrumsbetreibern helfen,
das Instrument flexibler Netzanschlussvereinbarungen in die Praxis umzusetzen.
Maßnahme 4: Möglichst EU-weit harmonisierte technische Anforderungen für den
Netzanschluss festlegen.
Die Festlegung verbindlicher und einheitlicher technischer Anforderungen für den Netzanschluss ist
Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Anschluss einer hohen Anzahl an Rechenzentren ohne Gefährdung der Stabilität
des europäischen Stromnetzes. Nur so erhalten Betreiber von Rechenzentren schnell Klarheit über geltende
Anforderungen und wird ein Flickenteppich unterschiedlicher Anforderungen vermieden. Dies ist für eine effiziente
Projektierung und Planungssicherheit notwendig.
Die Stromnetzbetreiber der Hoch- und Höchstspannung werden daher dazu aufgefordert, möglichst schnell
gemeinsam mit der Branche technische Anforderungen für den Netzanschluss zu entwickeln. Ziel sollte sein, diese
Anforderungen in den national geltenden technischen Anschlussregeln (TAR) aber auch in den einschlägigen EU-
Netzkodizes zu verankern.
Ziel 2: Deutschland als einen Standort für nachhaltige Rechenzentren, die vollständig mit
erneuerbarem Strom versorgt und energieeffizient sind, stärken.
Nachhaltige Rechenzentren zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie vollständig mit erneuerbaren
Energien betrieben werden. Geringer Energieverbrauch durch mehr Energieeffizienz und die Integration von Abwärme
in die Wärmeversorgung tragen daneben zusätzlich zum Ziel der Klimaneutralität und Dekarbonisierung bei.
Auch trägt eine optimierte Auslastung von Rechenzentren zu deren Nachhaltigkeit bei. Für nachhaltige
Rechenzentren zu berücksichtigen sind auch relevante Aspekte der Wasserverfügbarkeit und des sparsamen
Wasserverbrauchs für die Kühlung sowie möglichst auch kreislauffähige Hardware. Wichtig für Deutschland als
Standort für nachhaltige, vollständig mit erneuerbarem Strom versorgte und energieeffiziente Rechenzentren sind
langfristige Investitions- und Versorgungsstrukturen, technologische Standards, Forschung, Kooperationen sowie
verlässliche Rahmenbedingungen.
Maßnahme 1: Dialogprozess zwischen Rechenzentrums- und Energiebranche über
Zusammenarbeitsmöglichkeiten beim Ausbau Erneuerbarer Energien und
Eigenversorgung aufsetzen.
Deutschland gehört bereits zu den Standorten mit einer relativ guten Nachhaltigkeitsbilanz seiner Rechenzentren.
Ein wesentlicher Faktor insoweit ist neben der Steigerung der Energieeffizienz die hohe Nutzung von
erneuerbaren Energien in Deutschland. Betreiber von Rechenzentren in Deutschland müssen nach § 11 Absatz 5 des
Energieeffizienzgesetzes ihren Strombedarf bilanziell ab dem 1. Januar 2024 zu 50 Prozent und ab dem 1. Januar 2027
bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Neben dem marktlichen Bezug von Strom aus dem
Netz ist Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien für Rechenzentrumsbetreiber eine Option, die wir stärken
wollen. In der Wirtschaft gibt es die Bestrebung bei begrenzten Netzanschlusskapazitäten teilweise auch eine
Energieversorgung auf fossiler Basis zu nutzen.
Vor diesem Hintergrund wird die Bundesregierung einen Dialogprozess aufsetzen zwischen
Rechenzentrumssowie Energiebranche. In diesem Dialogprozess sollten langfristige PPA-Modelle, regionale EE-Kopplung und
systemdienliche Eigenversorgung mit dem Ziel adressiert werden, einen investitionsfreundlichen, jedoch zugleich
wirksamen Nachhaltigkeitsrahmen zu entwickeln.
Maßnahme 2: Praxisnahe Anforderungen an effizienten Stromverbrauch von
Rechenzentren schaffen und Abwärmenutzungsprojekte erleichtern.
Rechenzentren werden häufig im sogenannten „Co-Location“ oder „Co-Hosting“ Geschäftsmodell betrieben. In
diesen Fällen haben die Betreiber oftmals nur eingeschränkten Einfluss darauf, ob und wie viel des vertraglich
zugesicherten Energiebedarfs von den Kunden genutzt wird. Dies kann zu Lasten niedriger, realer
Energieverbrauchseffektivitätswerte (PUE-Werte) gehen. Anforderungen an den PUE von Rechenzentren sollten daher
pragmatischer ausgestaltet werden.
Insbesondere die Ansiedlung neuer, großer Rechenzentren erfordert die Wahl eines Standortes, an dem ein
ausreichender Stromnetzanschluss vorhanden ist, was die Wahl möglicher Standorte stark limitiert. An den
entsprechenden Standorten fehlt es zudem teilweise an einem geeigneten Wärmenetz, in das die Abwärme eingespeist
werden kann. Die Vorgaben zur Abwärmeabgabe sollten diese Umstände berücksichtigen und eine praxisnahe
Umsetzung der Abwärmenutzung unterstützen. Die Bundesregierung hat bereits in der vergangenen
Legislaturperiode mit dem Wärmeplanungsgesetz die kommunale Wärmeplanung verpflichtend flächendeckend eingeführt;
dies kann zukünftig eine Einbindung der Abwärme von Rechenzentren in die lokale Wärmeversorgung
erleichtern.
Die Bundesregierung wird Vorschläge für eine Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) vorlegen, die für
2026 geplant ist.
Da die Abwärme zudem einen ungewollten Nebeneffekt des Betriebs eines Rechenzentrums darstellt, sind viele
Betreiber bereit, ihre Abwärme kostenlos oder zu den Selbstkosten an Wärmenetzbetreiber oder kommunale
Infrastrukturen abzugeben. Allerdings fallen auf die Abgabe Steuern an, auch wenn diese unentgeltlich erfolgen soll.
Dies stellt ein häufiges finanzielles Hemmnis für die Realisierung von Abwärmenutzungsprojekten dar. Die
Bundesregierung wird sich daher bei der Europäischen Kommission dafür einsetzen, gemeinsam nach Möglichkeiten
zu suchen, um die kostenlose Abgabe von Abwärme steuerfrei rechtlich zu ermöglichen.
Maßnahme 3: Rahmenbedingungen für nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb auf EU-Ebene
voranbringen.
Die Bundesregierung wird sich dafür einsetzen, dass im Rahmen des von der Europäischen Kommission für 2026
geplanten Data Center Energy Efficiency Package sowohl ein aussagekräftiges Kennzeichnungssystem (Common
Union Rating Scheme for Data Centres) eingeführt wird als auch sinnvolle Mindestanforderungen an die
Energieeffizienz von Rechenzentren, die nicht zuletzt insoweit auch für ein regulatorisches Level-Playing Field in
Europa sorgen. Dabei soll dann auch der Wasserbedarf der europäischen Rechenzentren, der beim Betrieb vor
allem vom Kühlsystem abhängig ist, mit zu berücksichtigten sein. Eine erste Orientierung hierfür bietet zum
Beispiel das Umweltzeichen Blauer Engel für Rechenzentren (DE-UZ 228).
Ziel 3: Wettbewerbsfähige Strompreise für Rechenzentren anstreben.
Stromkosten spielen als größter Betriebskostenfaktor eine zentrale Rolle für Rechenzentren. Rechenzentren für
das besonders energieintensive Training von Künstlicher Intelligenz, aber auch für den Betrieb von KI-
Anwendungen oder Cloud-Anwendungen werden aus betriebswirtschaftlicher Logik in Ländern oder Regionen gebaut,
wo Strom als Betriebsmittel nicht nur verlässlich und ausreichend, sondern auch günstig verfügbar ist. Planbare
wettbewerbsfähige Preise schaffen Investitionssicherheit und fördern die Transformation hin zu nachhaltigen
Rechenzenten. Gemeint ist die Summe aus Kosten für Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelte sowie Steuern und
Umlagen.
Maßnahme 1: Zugunsten auch von Rechenzentren wirkende Staatszuschüsse zu EEG und
Netzkosten fortführen.
Verschiedene auch die Rechenzentrumsbranche begünstigende Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten
wurden bereits ergriffen und werden fortgeführt. Dies betrifft zunächst die Finanzierung der EEG-Kosten über den
Bundeshaushalt. Auch in Zukunft übernimmt der Bund die Kosten für die EEG-Finanzierung. Damit entlastet die
Bundesregierung alle Stromverbraucher und somit auch die Betreiber von Rechenzentren. Gleiches gilt für die
Entlastung bei den Netzentgelten durch den die Netzentgelte mindernden Zuschuss zu den
Übertragungsnetzkosten. Diese Zuschüsse entlasten unmittelbar an das Übertragungsnetz angeschlossene energieintensive
Unternehmen und tragen mittelbar auch zur Senkung der Entgelte nachgelagerter Verteilernetzbetreiber bei. Sie kommen
also auch Betreibern von Rechenzentren zugute.
Maßnahme 2: Rechenzentren in die Strompreiskompensation einbeziehen.
Über das Instrument der Strompreiskompensation können besonders strom- und handelsintensive Unternehmen
von einem Teil der im Strompreis enthaltenen indirekten CO2-Kosten entlastet werden, um Abwanderung ins
Nicht-EU-Ausland zu verhindern. Die beihilferechtlichen Möglichkeiten richten sich nach den ETS-
Beihilfeleitlinien. Beihilfeberechtigt sind die Wirtschaftssektoren, die im Anhang I dieser Leitlinien genannt sind. Zudem
besteht die Möglichkeit, die Beihilfefähigkeit weiterer Sektoren durch die Europäische Kommission anerkennen
zu lassen, wenn die Sektoren Nachweise über das Überschreiten der einschlägigen Schwellenwerte beibringen.
Die Bundesregierung setzt sich wie im Koalitionsvertrag vereinbart gegenüber der Europäischen Kommission für
eine Einbeziehung von Rechenzentren in die Strompreiskompensation ein.
Maßnahme 3: Rechenzentren bei der Ausgestaltung der Netzentgeltsystematik im AgNES
Prozess der BNetzA berücksichtigen.
Da Rechenzentren bei nachgewiesener Lastflexibilität oder Abwärmenutzung zu Klimaschutz und Netzstabilität
beitragen, sollten sie bei der in Festlegungen der Bundesnetzagentur erfolgenden Ausgestaltung der
Netzentgeltsystematik im Rahmen des AgNES Prozesses (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) der Bundesnetzagentur
Berücksichtigung finden.
Handlungsfeld Standort und Fläche
1. Einleitung und strategischer Rahmen
Die ökonomischen Bedingungen für Investitionen am Standort Deutschland wurden mit dem Wachstumsbooster
bereits verbessert. Durch das Standortfördergesetz sollen zudem die Rahmenbedingungen für private
Investitionen, insbesondere in Infrastruktur und Erneuerbare Energien sowie in Wagnis- und Wachstumskapital, verbessert
werden. Mit dem Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts
Deutschland wurde eine degressive Absetzung für Abnutzung (AfA) für bewegliche Wirtschaftsgüter des
Anlagevermögens in Höhe von bis zu 30 Prozent eingeführt. Diese gilt für Investitionen, die nach dem 30. Juni 2025
und vor dem 1. Januar 2028 getätigt werden. Darüber hinaus wird die Senkung des Körperschaftsteuersatzes ab
dem Jahr 2028 um jährlich einen Prozentpunkt – von derzeit 15 Prozent auf 10 Prozent umgesetzt und reduziert.
Von diesen Maßnahmen können auch Rechenzentren profitieren.
Zugleich bleibt die Verfügbarkeit geeigneter und das heißt, auch für die jeweiligen Kommune attraktiver
Standorte ein zentraler Faktor für den Rechenzentrumsstandort Deutschland. Um Ansiedlungen zu ermöglichen und zu
beschleunigen, müssen Flächen frühzeitig identifiziert, planerisch gesichert und infrastrukturell erschlossen
werden. Aus diesem Grund sind aus Sicht der Bundesregierung auch eine bessere Koordination der Raumordnung
sowie auch allgemein schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse notwendig.
Wesentlicher Faktor für Standortentscheidungen und den Betrieb von Rechenzentren neben Energie sind zudem
hochperformante Gigabitnetze, beispielsweise für Datenübertragung, latenzkritische Anwendungen und
Fernwartung. Ohne diese Infrastruktur können Rechenzentren nicht effizient betrieben werden.
2. Strategische Ziele und Maßnahmen
Ziel 1: Flächen identifizieren und attraktiv für Investoren und Kommunen ausgestalten
Die Identifikation und Vorbereitung von Flächen reduziert Fehlallokationen, verkürzt Standortentscheidungen,
ermöglicht die frühe Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten und erleichtert interregionale Koordination.
Die Unterstützung der jeweiligen Kommune ist dabei einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren bei der
Ansiedelung aller neuen Industrieprojekte. Durch wirtschaftlich vorteilhafte Anreize müssen im Rahmen einer besseren
Ansiedlungspolitik Rechenzentrumsprojekte attraktiv für betroffene Kommunen, Bevölkerung und Wirtschaft vor
Ort werden.
Maßnahme 1: Konzept zur Ausweisung von Vorzugsflächen für Rechenzentren entwickeln.
Erfahrungen auch aus anderen Ländern legen nahe, dass es sinnvoll sein könnte, bestimmte Flächen in
Deutschland als besonders geeignete Flächen zu bestimmen und möglicherweise dann auch zu vermarkten, wenn im
Gegenzug dann auch bestimmte Vorzugsregeln gelten. Gemeinsam insbesondere mit Netzbetreibern, Ländern
(einschließlich Kommunen) und auch Wirtschaftsförderern wird die Bundesregierung ein entsprechendes Konzept
entwickeln. Beitragen kann hier die Identifikation von sog. Brownfield-Flächen, also bereits genutzten oder
bebauten Flächen wie zum Beispiel ehemaligen Kraft- und Bergwerken oder Industrieanlagen, die für
Rechenzentrumsansiedlungen nutzungsbereit wären (ready-to-use), und bei denen absehbar jeweils keine entgegenstehenden
Konkurrenzsituationen mit anderen Bedarfsträgern z. B. bei Netzanschlüssen bestehen. Einerseits ist dort in der
Regel bereits eine (Teil-)Erschließung vorhanden, andererseits kann damit aber ein nennenswerter Beitrag zur
Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme geleistet werden.
Maßnahme 2: Standardisierten Kriterienkatalog und Handreichung für Kommunen zur
Bewertung und Priorisierung geeigneter Flächen für Rechenzentren erstellen.
Eine Ansiedlung von Rechenzentren sowohl in traditionell starken zentralen Clustern wie auch dezentral in vielen
weiteren Standorten ist nicht nur ein Beitrag für eine resiliente Aufstellung, sondern könnte darüber hinaus einen
Beitrag zur Netzentlastung und zur Nutzung regionaler Wertschöpfungspotenziale leisten. Dies gilt insbesondere,
wenn die Ansiedlung durch weitere regionalpolitische Maßnahmen flankiert wird, etwa zur Clusterbildung
entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Nicht alle Regionen und Länder in Deutschland haben gleichermaßen Erfahrungen mit Ansiedlungen von
Rechenzentren. Zugleich bestehen mancherorts bereits breite Erfahrungen, auf die aufgebaut werden könnte. Zu
möglichen Instrumenten hier gehören Raumplanung und Flächenentwicklungspläne sowie Bauleitplanung oder
auch Potentialflächenkataster. Auch interkommunale Wärmeplanung kann ergänzend als Dialog- und
Austauschplattform einen Beitrag zur vorrausschauenden Koordination leisten. Um hier voneinander zu lernen,
soll als erster Schritt eine gemeinsame Evaluierung von Vor-Ort-Standortpolitik mit den hier primär zuständigen
Ländern und Kommunen erfolgen. Verbunden werden soll dies mit der Erstellung eines Kriterienkatalogs zur
Bewertung und Priorisierung geeigneter Flächen für Rechenzentren. In Absprache mit den ebenfalls insoweit
primär zuständigen Ländern und Kommunen und aufbauend auch auf bereits vorliegenden Arbeiten (z. B. aus
Hessen) sollen im nächsten Schritt Handreichungen für Kommunen zur Unterstützung bei der Ansiedlung und
dem Bau von Rechenzentren einschließlich der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten erstellt werden.
Maßnahme 3: Ausbau der Telekommunikationsnetze und Konnektivität für Rechenzentren
Neben der Datenrate ist zunehmend die Signalumlaufzeit oder Latenz, das heißt die Laufzeit eines Datenpakets
vom Nutzenden zum Rechenzentrum und der entsprechenden Antwort zurück zum Nutzenden (englisch: Round
Trip Time; RTT), ein Qualitätsmerkmal für Rechenzentren. Dabei werden Laufzeiten und Übertragungsfehler
nicht nur durch die Länge der Übertragungsstrecke bestimmt, sondern auch durch die Anzahl der durchlaufenen
Netzknoten und die damit einhergehende Signalverarbeitung. Latenzkritische Anwendungen bedingen eine
physische Nähe der Rechenzentren zu den jeweiligen Nutzenden. Leistungsfähige Mobilfunknetze erlauben zudem
mobile Nutzungsszenarien für die Beschäftigten vor Ort. Daher ist auch der Ausbau einer funktionierenden und
verlässlich nutzbaren Glasfaser- und Mobilfunkinfrastruktur als Standortfaktor für die Ansiedlung von
Rechenzentren von entscheidender Bedeutung. Die Bundesregierung unterstützt den Ausbau durch die Verbesserung
marktlicher Anreizstrukturen und ergänzende Fördermaßnahmen.
Bereits zu Beginn der Legislatur wurde das überragende öffentliche Interesse für den Ausbau von
Telekommunikationsnetzen im Telekommunikationsgesetz (TKG) aufgenommen. Im Rahmen der nächsten TKG-Novelle
sollen weitere Vereinfachungen für ausbauende Unternehmen umgesetzt werden, die sich beschleunigend auf den
Glasfaserausbau auswirken werden.
Schon heute erlaubt es der Breitbandatlas des Bundes, die Glasfaser- und Mobilfunkversorgung vor Ort bis auf
100 m x 100 m genau zu ermitteln. Künftig soll die Versorgung auch adressgenau dargestellt werden können.
Mit der Gigabitförderung des Bundes, inklusive Lückenschlussprogramm, sowie den Unterstützungsleistungen
der Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft des Bundes wird der Ausbau auch in für Marktteilnehmer
unwirtschaftlichen Gebieten vorangebracht. Dieses Engagement des Bundes unterstützt einerseits die dezentrale Ansiedlung
von Rechenzentren und stärkt andererseits das wirtschaftliche Potenzial der derzeit in diesem Sinne noch
unterversorgten Gebiete. Darüber hinaus trägt es dazu bei, gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land
zu schaffen.
Maßnahme 4: Einführung eines besonderen Zerlegungsmaßstabes für den Gewerbesteuer-
Messbetrag bei Rechenzentren prüfen.
Bei der Zerlegung des Gewerbesteuer-Messbetrages gilt grundsätzlich das Verhältnis der in den einzelnen
Betriebstätten gezahlten Arbeitslöhne zur Summe der im gesamten Betrieb gezahlten Arbeitslöhne. Allerdings gibt
es hier bereits Spezialregelungen für Anlagen zur Erzeugung von Strom und anderen Energieträgern sowie Wärme
aus Windenergie und solarer Strahlungsenergie sowie für Energiespeicheranlagen im Sinne des § 3 Nummer 36
des Energiewirtschaftsgesetzes. Um Standortgemeinden beim ausschließlichen Betrieb von Rechenzentren
stärker und gleichmäßiger am Gewerbesteueraufkommen zu beteiligen und die notwendige Akzeptanz zur
Ansiedlung von Rechenzentren vor Ort zu steigern, werden wir die Schaffung eines besonderen Zerlegungsmaßstabs
prüfen.
Ziel 2: Planungs- und Genehmigungsverfahren für Rechenzentren beschleunigen
Unter Wahrung von Umweltstandards beschleunigte und auch digitale Verfahren verkürzen Vorlaufzeiten und
geben Behörden wie Investoren klare Leitplanken. Bund, Länder, Kommunen und Investoren sollten hier eng
zusammenarbeiten und gemeinsam herausarbeiten, ob und wie auf Basis des bestehenden oder möglicherweise
aber auch anzupassenden Rechtsrahmens der Bau und Betrieb von Rechenzentren beschleunigt werden kann.
Maßnahme 1: „Praxis-Check“ mit Betreibern durchführen, um eine beschleunigte
Durchführung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Rechenzentren im
bestehenden Rechtsrahmen zu erreichen und den Rechtsrahmen, wo sinnvoll
und notwendig, zu verbessern.
Das bestehende und im Wesentlichen von Länderbehörden und Kommunen anzuwendende Planungs- und
Genehmigungsrecht für Bau und Betrieb von Rechenzentren wird von der Bundesregierung im Rahmen eines
„Praxis-Checks“ auf Beschleunigungsmöglichkeiten untersucht. Dabei sollen sowohl Optimierungsmöglichkeiten in
der Umsetzung des bestehenden Rechtsrahmens als auch gegebenenfalls notwendige und sinnvolle
Verbesserungen des Rechtsrahmens unter Wahrung von Umweltstandards identifiziert werden. Betrachtet werden sollen
insbesondere das Bauplanungsrecht sowie baurechtliche Genehmigungsverfahren, aber auch
immissionsschutzrechtliche Verfahren mit Blick auf ersatzweise erfolgende Notstromversorgung. Besonderes Augenmerk wird dabei
auch auf eine möglichst weitgehende Digitalisierung der Verfahren gelegt werden.
Maßnahme 2: „Best Practices“ in Planungs- und Genehmigungsverfahren für
Rechenzentren identifizieren und Austausch dazu zwischen Bund und Ländern
(einschließlich Kommunen) etablieren.
In der Praxis gibt es vielfältige und teilweise auch unterschiedliche Erfahrungen in den Behörden, die auf Ebene
der Länder oder Kommunen zuständig sind, bei der Planung und Genehmigung von Rechenzentren. Ergänzend
zum „Praxis-Check“ gilt es daher, anhand praktischer Erfahrungen in Deutschland „Best Practices“ im Planungs-
und Genehmigungsverfahren zu identifizieren, aufzubereiten und sich dazu auch zwischen Bund und Ländern
(einschließlich Kommunen) auszutauschen. Die Bundesregierung wird daher im Rahmen eines regelmäßigen
Austauschs auch unter Nutzung bereits etablierter Formate zu Rechenzentren mit den Ländern (einschließlich
Kommunen) einen Dialog hierzu anstoßen.
Handlungsfeld Technologie und Souveränität
1. Einleitung und strategischer Rahmen
Ziel im Bereich digitaler Technologien ist es, die nationale und europäische Digitalwirtschaft zu stärken und zu
nutzen. Deutschland und Europa haben die Kompetenzen, die Kapazitäten und die Technologien, um eigene
Rechenzentren und Rechenkapazitäten zu schaffen. Diese Kompetenzen, Kapazitäten und technologischen
Fähigkeiten wollen wir ausbauen und stärker in die Umsetzung bringen. Unser Ziel ist es, nationale und europäische
Angebote auszuweiten, Datenhoheit und -souveränität zu stärken und die technologische Abhängigkeit
Deutschlands und Europas zu reduzieren. Dafür muss insbesondere die Entwicklung europäischer Lösungen entlang des
gesamten Technologie-Stacks von der Mikroelektronik über Rechenzentren bis zur Anwendersoftware
beschleunigt werden.
Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität Deutschlands zu sichern, müssen deutsche
Rechenzentren bzw. ihre Betreiber und Ausrüster darüber hinaus Technologie aktiv mitgestalten und
weiterentwickeln. Technologische Kompetenz stärkt die Innovationskraft und Souveränität, die Attraktivität für Investoren
und den Zugang zu Hochleistungsressourcen. Innovationen über den gesamten Technologie-Stack (d. h. von der
Mikroelektronik bis zur Anwendersoftware) in Bereichen wie HPC, Rechenkapazitäten für Anwendungen wie
KI, Cloud, Edge und Quantentechnologien, aber auch Innovationen bei energieeffizienter IT-, Kühl-,
Abwärmeoder Netzwerktechnologie sind Hebel, um Standortvorteile zu schaffen und die technologische Souveränität zu
stärken. Die Integration europäischer Hardware-Komponenten und europäischer Software in Cloud-Infrastruktur
wollen wir stärken.
Wesentlicher Pfeiler digitaler Souveränität ist auch die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit der
Sicherheitsbehörden des Bundes. Dies betrifft Hochverfügbarkeit, Informationssicherheit, Georedundanz und die
Sicherstellung geheimschutzrelevanter Vorgaben und erfordert unter anderem eine physische Härtung der Standorte gegen
äußere Einwirkungen sowie autarke Energiekonzepte, die über Standard-Redundanzen hinausgehen.
Unternehmen benötigen dabei auch eine zugelassene Cloud-Lösung, die die Verarbeitung von Verschlusssachen
bei Wahrung des Geheimschutzes ermöglicht.
Für die Wirtschaftssicherheit Deutschlands und Europas ist auch eine europäische Cloudinfrastruktur für vernetzte
Komponenten entscheidend. Dazu gehört die Sicherheit etwa der Energieinfrastruktur und von vernetzten
Fahrzeugen. Durch die Nutzung europäischer Clouds für IT-/OT-Anwendungen wird der Zugriff auf Daten sowie die
Fernsteuerung von vernetzten Komponenten durch nichtvertrauenswürdige Hersteller aus Drittstaaten begrenzt.
Für den Aufbau einer sicheren und souveränen europäischen Cloudinfrastruktur sollten kritische Komponenten
ausschließlich von vertrauenswürdigen Herstellern verwendet werden.
Zur Skalierung und Kommerzialisierung innovativer Technologien ist entscheidend, das nationale
Innovationsökosystem weiter zu stärken, indem Start-Ups, Mittelstand, Industrieanwender, Forschung und
Rechenzentrumsbetreiber noch besser vernetzt und Pilotprojekte und Marktzugänge beschleunigt werden, damit
Entwicklungen aus der Forschung zügig marktfähig werden und in kommerzielle Rechenzentren Einzug halten. Dabei ist es
wichtig, die Auswirkungen auf Arbeitsproduktivität und Beschäftigung sowie die breite Anwendbarkeit für die
Entwicklung konkreter KI-Anwendungen in der betrieblichen Praxis beim Aufbau von Rechenkapazitäten so früh
und konkret wie möglich zu berücksichtigen.
2. Strategische Ziele und Maßnahmen
Ziel 1: Souveräne und hochleistungsfähige Recheninfrastruktur für KI, Cloud und andere
bahnbrechende Technologien ausbauen
Für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle ist der Aufbau hochleistungsfähiger KI-Rechenkapazitäten
entscheidend. Auch wenn weiterhin unklar ist, wie hoch der Bedarf zukünftig tatsächlich ausfallen wird.
Außerdem ist vor allem für industrielle KI-Anwendungen, aber z.B. auch für sicherheitsbehördliche KI-Anwendungen,
der Ausbau von Inferenz-Infrastruktur notwendig. Darüber hinaus ist insbesondere für latenzkritische und
hochverfügbare Anwendungen der Auf- und Ausbau breit verteilter KI-Rechenkapazitäten wichtig. Wir wollen
europäische Alternativen für wettbewerbsfähige und technologisch innovative Rechenzentren und Rechenkapazitäten
stärken und ausbauen. Dazu wollen wir eigene strategisch relevante Kapazitäten aufbauen, Interoperabilität,
offene Standards und föderierte Modelle voranbringen und eine aktive Rolle in europäischen Initiativen einnehmen.
HPC- und Forschungsnetzwerke im Bereich Rechenzentren, wie GCS und NHR, sowie aktuelle europäische
Initiativen wollen wir weiter stärken: Neben den in Deutschland angesiedelten KI-Fabriken (AI Factories) JAIF und
HammerHAI insbesondere gemeinsam mit der Industrie auch die Beteiligung an der europäischen Initiative der
KI-Gigafabriken (AI Gigafactories). Diese stellen ein Fundament dar, auf dem Innovationsökosysteme aus
Forschung und Industrie aufsetzen und neue Technologien, Modelle und Anwendungen entwickeln können.
Bei der IT-Konsolidierung Bund hat die Konzentration auf den Aufbau vollständig öffentlich bereitgestellter
Infrastrukturen einen wichtigen Beitrag zur Stärkung staatlicher Handlungsfähigkeit geleistet. Jedoch konnten diese
Infrastrukturen nicht immer den steigenden Bedarf an Flexibilität, Innovationsfähigkeit und Skalierbarkeit gerecht
werden. Neben der Bereitstellung von staatlichen Infrastrukturen zur krisenfesten Bereitstellung der
grundlegenden IT-Funktionalitäten müssen daher auch Mittel und Wege gefunden werden, IT-Angebote vom freien Markt
für die Bundesverwaltung zentral nutzbar zu machen.
Maßnahme 1: Die Ansiedlung mindestens einer KI-Gigafabrik in Deutschland unterstützen.
Die Bundesregierung wird den Aufbau und nachhaltigen Betrieb mindestens einer KI-Gigafabrik in Deutschland
im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft gemeinsam mit dem Gemeinsamen Unternehmen EuroHPC,
der Europäischen Kommission und einem schlagkräftigen Konsortium unter Führung eines deutschen
privatwirtschaftlichen Rechenzentrumsbetreibers unterstützen. Die KI-Gigafabrik stellt ein primär kommerzielles
Vorhaben dar und bedarf daher eines sich selbst tragenden Geschäftsmodells mit Ausrichtung auf die Bedarfe der
europäischen Wirtschaft. Daneben soll sie auch der Abdeckung öffentlicher Bedarfe, insbesondere seitens der
Forschung und öffentlichen Verwaltung einschließlich Sicherheitsbehörden des Bundes dienen. Voraussichtlich im
Sommer 2026 entscheidet EuroHPC nach einem Anfang 2026 europaweit erfolgenden Förderaufruf, welche
maximal fünf in der EU geplanten KI-Gigafabriken errichtet werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die KI-
Gigafabriken in signifikantem Umfang europäische Technologie integrieren, z. B. zumindest ein Teil der in den KI-
Gigafabriken verbauten Chips von einem europäischen Chip-Designer stammen.
Maßnahme 2: Rahmenbedingungen für den beschleunigten Ausbau souveräner
europäischer kommerzieller KI- und Cloud-Kapazitäten auf EU-Ebene schaffen.
Im Rahmen des geplanten EU Cloud and AI Development Act, zu dem die Europäische Kommission im Frühjahr
2026 einen Vorschlag vorlegen wird, werden wir uns aktiv dafür einsetzen, den Ausbau souveräner KI- und
Cloud-Rechenkapazitäten voranzubringen. Dazu werden wir uns insbesondere auch dafür engagieren,
transparente, gemeinsame europaweite Kriterien für souveräne Cloud-Dienstleistungen zu entwickeln. Interoperabilität,
die Nutzung offener Standards und offener Governance-Rahmenwerke wollen wir voranbringen.
Maßnahme 3: KI-Rechenkapazitäten und Datenökosysteme für Nationales
Hochleistungsrechnen ausweiten.
Im Dialog mit den Ländern strebt die Bundesregierung den schrittweisen Ausbau der Kapazitäten des Verbunds
für NHR an, insbesondere im Bereich der Rechenkapazitäten für KI-basierte Forschung. Zudem wird die
Bundesregierung Initiativen im Rahmen der NFDI fördern, um den Zugang zu sowie die Speicherung und das
Kuratieren von Forschungsdaten und wissenschaftlichen Ergebnissen zu erleichtern und die Daten besser nutzbar zu
machen.
Maßnahme 4: Kauf von Quantencomputern durch Forschungseinrichtungen und HPC-
Zentren unterstützen und Hochleistungsrechnen und Quantencomputing
vernetzen.
Die Bundesregierung wird den Kauf von Quantencomputern durch Forschungseinrichtungen und HPC-Zentren
weiter unterstützen. Ziel ist die Erforschung und Integration von Quantencomputern in die Umgebung eines
klassischen Hochleistungsrechners. Die besten Standorte und Nutzungskonzepte werden im Wettbewerb ausgewählt.
Dabei liegt ein Augenmerk auf der Vernetzung der HPC- und Quantencomputing Communities.
Maßnahme 5: Stärkung der ganzheitlichen Cloud-Nutzung durch die öffentliche Verwaltung.
Die Bundesregierung beschleunigt die „Cloudifizierung“ der Bundesverwaltung („Cloud-Smart“) und setzt
insbesondere bei der Einführung neuer Verwaltungsverfahren auf das Cloud-First-Prinzip. Künftig setzt die
öffentliche Verwaltung verstärkt auf hybride und föderierte Cloud-Modelle, die sowohl staatliche Infrastrukturen als
auch geprüfte kommerzielle möglichst europäische Cloud-Dienste einbeziehen. Dazu wird das BMDS eine
Umsetzungsskizze mit einer Roadmap für die Cloud-Migration der im Rahmen der IT-Betriebskonsolidierung Bund
identifizierten IT-Lösungen mit den von der IT-Konsolidierung umfassten Bundesbehörden abstimmen. Diese ist
eng mit der Netzstrategie 2030 und dem Deutschland-Stack verknüpft. Unter Berücksichtigung der besonderen
Herausforderungen der Ressorts kann sie so eine Blaupause für eine zukünftige ausdifferenzierte Cloud-Nutzung
werden.
Ziel 2: Entwicklung innovativer Technologien insb. für KI-, Cloud- und Edge-Computing
stärken
Innovative Rechenzentrumstechnologien senken Betriebskosten, stärken Leistungsfähigkeit, Sicherheit und
Resilienz, reduzieren Emissionen, tragen zu Nachhaltigkeit bei und verschaffen Vorteile im globalen Wettbewerb.
Deutsche und europäische Unternehmen bieten innovative Lösungen für den Aufbau und die Ausrüstung von
Rechenzentren über den gesamten Technologie-Stack an, von Hardware bis hin zum Software-Stack. Speziell
auch für den Betrieb von Rechenzentren liefern deutsche und europäische Unternehmen wichtige Lösungen, etwa
bei Nachhaltigkeit z. B. mittels Energieeffizienz und Abwärmenutzung oder aber im Bereich Cybersicherheit.
Allerdings fehlen in zentralen Komponenten wie beispielsweise Prozessorkernen oder Speichern
konkurrenzfähige deutsche und europäische Angebote (sowohl bezüglich Design als auch Produktion der Hardware). Die
hiesigen Fähigkeiten gilt es daher auszubauen, zu intensivieren und europäisch zu bündeln. Die nachfolgenden
Maßnahmen ergänzen daher die Maßnahmen für den Ausbau von Fähigkeiten im Chipdesign sowie für den Transfer
von Chipentwicklungen in die industrielle Anwendung, die die Bundesregierung mit ihrer
Mikroelektronikstrategie vereinbart hat.
Maßnahme 1: Knowhow zur Entwicklung modernster europäischer Cloud- und KI-
Technologien in paneuropäischen Projekten wie IPCEIs bündeln.
Um die Entwicklung europäischer Alternativen für modernste Cloud- und KI-Technologien zu schaffen, ist die
Bündelung von Knowhow in paneuropäischen Projekten notwendig. Die Bundesregierung wird daher ihr
Engagement im IPCEI („Important Project of Common European Interest“) zu Cloud-Technologien nicht nur
fortsetzen, sondern wird auch die IPCEIs zu Künstlicher Intelligenz (IPCEI-AI) und zu Edge Compute Infrastruktur
(IPCEI-CIC) national und europäisch vorantreiben und miteinander in einem übergreifenden systemischen Ansatz
verbinden. Mit dem IPCEI AI will die Bundesregierung z. B. im vorwettbewerblichen Bereich Forschung und
Entwicklung für Software-Grundlagen (gemeinsames großes KI-Modell, Grundlagentechnologien für KI-
Training), offene Standards sowie erste industrielle Anwendungen (Applikationssoftware) fördern. Der Schwerpunkt
soll auf Datenaufbereitung, Training, Anwendung und Nachtrainieren für sektorspezifische KI liegen. Im IPCEI
zu fortschrittlichen Halbleitertechnologien (IPCEI-AST) werden u. a. europäische KI-Chips und -Chiplets
entwickelt und Produkte u. a. für europäische Rechenzentrums-Bedarfe entlang der gesamten
Halbleiterwertschöpfungskette anwendungsreif gemacht.
Maßnahme 2: Innovative, nachhaltige Rechenzentrumstechnologien fördern.
Die Bundesregierung fördert die Erforschung nachhaltiger Rechenzentrumstechnologien mit einem
ganzheitlichen, sektorübergreifenden Ansatz. Dazu sollen Rechenzentren mit Blick auf ihren ökologischen Fußabdruck in
Gänze und unter ihren jeweiligen standortspezifischen Bedingungen betrachtet werden. Das Potenzial zur
Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit muss anhand geeigneter Demonstratoren aufgezeigt werden. Im Jahr
2026 wird dieser Ansatz vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit einem
Förderaufruf zu nachhaltigen Rechenzentren adressiert werden.
Maßnahme 3: Forschung und internationale Zusammenarbeit zu (Cyber-) Sicherheit und
(Cyber-) Resilienz von Rechenzentren erhöhen.
Die enge Verflechtung von Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft mit digital vernetzten
Produkten und Künstlicher Intelligenz macht Rechenzentren ein attraktives Ziel für Cyberattacken. Daher werden
größere Rechenzentren bereits als Teil der kritischen Infrastruktur betrachtet. Jedoch kann auch der Ausfall
kleinerer Rechenzentren die Infrastruktur empfindlich treffen, daher gilt es auch diese hinreichend resilient
auszulegen. Gleichzeitig können regional diversifizierte Rechenzentrumsstandorte auch einen aktiven Beitrag zum
Risikomanagement in operativer und technischer Hinsicht leisten (Ausfallsicherheit, Flexibilität, Synergien mit
energiepolitischen Zielen). Deutschland muss seine internationale Spitzenposition in der
Cybersicherheitsforschung nutzen, um sich im Bereich der Cyberresilienz als Vorreiter, speziell auch bei KI-Rechenzentren, zu
etablieren.
Die Bundesregierung wird im Rahmen ihrer Zuständigkeit Forschung und internationale Zusammenarbeit zu
(Cyber-) Sicherheit und (Cyber-) Resilienz von Rechenzentren erhöhen und begrüßt auch, wenn sich
Fachbehörden (BSI) und Forschungseinrichtungen auf internationaler Ebene aktiv an der Erarbeitung, Umsetzung
und Prüfung von Sicherheits- und Resilienzstandards beteiligen.
Ziel 3: Anwendung und Nutzung souveräner Rechenkapazitäten stärken
Die Nutzung deutscher oder europäischer Recheninfrastruktur einschließlich wo notwendig auch
Funktionsherrschaft sichert in bestimmten Fällen staatliche Leistungsfähigkeit, verringert Risiken geopolitischer
Verwundbarkeiten und trägt dazu bei, Innovation entlang europäischer Wertschöpfungsketten zu fördern.
Maßnahme 1: Rahmenbedingungen zur Nutzung souveräner KI- und Cloud-Kapazitäten auf
EU-Ebene verbessern.
Wir wollen die Nutzung und Anwendung europäischer KI- und Cloud-Kapazitäten voranbringen. Dazu wollen
wir uns insbesondere für Erleichterungen bei der öffentlichen Vergabe und bessere Sichtbarkeit für und leichtere
Beschaffung von europäischen Angeboten, z.B. im Rahmen eines europäischen Marktplatzes, einsetzen. Die
entsprechenden Regelungen können im geplanten EU Cloud and AI Development Act erfolgen, zu dem die
Europäische Kommission im Frühjahr 2026 einen Vorschlag vorlegen wird.
Maßnahme 2: Integration europäischer Technologien beim Bau und Betrieb von
Recheninfrastruktur stärken.
Wir wollen die Integration deutscher und europäischer Lösungen über den gesamten Technologie-Stack beim Bau
und Betrieb von Rechenzentren stärken. Dazu setzen wir uns für verbindliche Vorgaben und Anreize für einen
hohen Grad an europäischer und nationaler lokaler Wertschöpfung ein. Die entsprechenden Regelungen können
im geplanten EU Cloud and AI Development Act erfolgen.
Maßnahme 3: Souveräne Cloud-Plattform für KI-Anwendungen als Bestandteil des
Deutschland-Stacks einrichten.
Zur Bereitstellung einer leistungsfähigen Cloud-Plattform für KI-Anwendungen führt die Bundesregierung ein
Vergabeverfahren durch. Die Ausschreibung schafft die Grundlage für eine souveräne Cloud-Infrastruktur, die
den Einsatz von KI in der öffentlichen Hand einschließlich Sicherheitsbehörden des Bundes nachhaltig stärkt.
Hierdurch sollen Verwaltungsprozesse schneller und sicherer werden. Die Plattform wird als modularer
Bestandteil des Deutschland-Stacks konzipiert. Sie folgt den Prinzipien der digitalen Souveränität. Offene Standards,
Schnittstellen, Informationssicherheit und Open-Source-Komponenten sind dabei zentrale Bausteine. Im Zentrum
steht eine Multi-Cloud-Strategie mit offenen Technologien und föderaler Anschlussfähigkeit.
Maßnahme 4: Plattform „Digitale Souveränität“ nutzen, um die Skalierung und
Kommerzialisierung von souveränen Ansätzen in und für Rechenzentren voranzubringen.
Die Bundesregierung will die zur Stärkung der digitalen Souveränität als Querschnittsthema und für den
Austausch dazu von Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft geplante Plattform „Digitale
Souveränität“ auch nutzen, um Fragen und Themen der Rechenzentrumsinfrastruktur mit anderen Handlungsfeldern zur
Stärkung der digitalen Souveränität zu verzahnen. Dabei sollen unter anderem Start-Ups, Mittelstand,
Industrieanwender, Telekommunikationsunternehmen, Rechenzentrumsbetreiber und Forschung noch besser vernetzt
werden, um die Skalierung und Kommerzialisierung von souveränen Ansätzen auch in und für Rechenzentren
voranzubringen. Zudem wollen wir im Rahmen der Plattform „Digitale Souveränität“ Lösungen und Ansätze
voranbringen, um die Rolle der öffentlichen Hand als Ankerkunde für die Nutzung von innovativer, souveräner
Recheninfrastruktur zu stärken. Unser Ziel ist dabei auch die Skalierung digitaler Geschäftsmodelle in Deutschland
und Europa.
Nächste Schritte
Agiler und transparenter Strategie- und Arbeitsprozess
Mit dem vorliegenden Strategiedokument inklusive der hier genannten Maßnahmen erfolgt in den drei
Handlungsfeldern Energie und Nachhaltigkeit, Standort und Flächen sowie Technologie und Souveränität der Start in
verschiedene Teilprozesse. Die Bundesregierung setzt auf einen dauerhaften Austausch mit Stakeholdern.
Auf dieses Strategiedokument und die genannten Maßnahmen aufbauende, aktualisierte Maßnahmenpläne sollen
im jährlichen Abstand veröffentlicht werden. Diese werden sowohl den Umsetzungsstand der bereits genannten
Maßnahmen aufzeigen und konkretisieren als auch zielführende neue Maßnahmen umfassen.
Umsetzung der Maßnahmen
Die angekündigten Maßnahmen sollen innerhalb der nächsten 12 Monate gestartet und soweit möglich und
sachgerecht abgeschlossen werden. Entscheidend für den Erfolg ist die konsequente und nachhaltige Umsetzung in
enger Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern (einschließlich Kommunen), Wirtschaft, Wissenschaft und auch
Zivilgesellschaft. Ergebnisse und Erfahrung, die bei der Umsetzung gewonnen werden, fließen direkt in den
weiteren Arbeitsprozess ein.
Speziell mit den Bundesländern wollen wir uns regelmäßig eng abstimmen. Zudem wollen wir uns auch mit
Partnerstaaten eng zu Rechenzentrumsfragen austauschen
Entwicklung weiterer Maßnahmen
Parallel zur Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen arbeitet die Bundesregierung mit Stakeholdern an der
Entwicklung und Umsetzung weiterer Maßnahmen. Sobald eine Maßnahme eine gewisse Reife für eine
erfolgreiche Umsetzung innerhalb der nächsten 12 Monate erreicht hat, wird sie in die nächste Aktualisierung und den
nächsten Maßnahmenplan aufgenommen.
Monitoring
Alle Maßnahmen, deren aktueller Stand und Ergebnisse werden durch das Bundesministerium für Digitales und
Staatsmodernisierung in Form eines Monitorings nachgehalten.
Finanzierung
Die in der Strategie genannten Maßnahmen stehen, soweit sie zu zusätzlichen Ausgaben aus dem Bundeshaushalt
führen, nach den Grundsätzen des Haushaltsrechts unter Finanzierungsvorbehalt. Die Zuweisung von
Haushaltsmitteln erfolgt im Rahmen des Haushaltsaufstellungsverfahrens.
Quellenverzeichnis
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Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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