Rüstungsexporte nach Israel
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Rüstungsexporte nach Israel
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/659
21. Wahlperiode 26.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lea Reisner, Nicole Gohlke, Doris Achelwilm, Gökay Akbulut,
Desiree Becker, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Janina Böttger, Anne-Mieke Bremer,
Maik Brückner, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze Edis, Dr. Fabian Fahl, Katrin
Fey, Vinzenz Glaser, Ates Gürpinar, Cem Ince, Maren Kaminski, Cansin Köktürk,
Jan Köstering, Ina Latendorf, Tamara Mazzi, Stella Merendino, Charlotte Antonia
Neuhäuser, Cansu Özdemir, Zada Salihović, Evelyn Schötz, Ulrich Thoden, Aaron
Valent, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath, Sascha Wagner, Christin Willnat,
Janine Wissler, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Rüstungsexporte nach Israel
Im ersten Quartal 2025 exportierte Deutschland Rüstungsgüter im Wert von
fast 28 Mio. Euro nach Israel (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie,
„Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung im 1. Quartal 2025“, 3. April
2025). Deutschland gilt traditionell als zweitgrößter Rüstungslieferant Israels
nach den USA und liefert zentrale Komponenten für die israelische Marine,
etwa Korvetten und U-Boote von Thyssenkrupp Marine Systems sowie
Getriebe für Merkava-Kampfpanzer (taz, „Eine lange Liste an Lieferungen“, 3. Juni
2025). Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 hat die Bundesregierung
Waffenexporte im Gesamtwert von 485,1 Mio. Euro genehmigt (ZEIT,
„Deutschland genehmigte Waffenexporte an Israel für 485 Millionen Euro“,
3. Juni 2025). Laut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute)
entfielen zwischen 2019 und 2023 rund 30 Prozent der israelischen
Großwaffenimporte auf Deutschland (ZEIT, „Deutschland genehmigte Waffenexporte
an Israel für 485 Millionen Euro“, 3. Juni 2025). Angesichts der mutmaßlichen
Völkerrechtsverletzungen und humanitären Not im Gazastreifen wächst die
Kritik: In einer ARD-Umfrage lehnt eine Mehrheit Israels Vorgehen ab; 43
Prozent fordern Einschränkungen, 30 Prozent sogar einen vollständigen Stopp
deutscher Waffenlieferungen (tagesschau.de, „Das Dilemma bleibt“, 5. Juni
2025).
Mit den Fragen 2 bis 5 werden neben der Ausfuhrlisten-Position bzw.
Kriegswaffenlisten-Nummer auch die in der jeweiligen Liste vorgegebenen
Beschreibungen von auszuführenden Gütern oder Güterteilen erfragt. Diese schließen
neben Waffen, Kriegswaffen bzw. Rüstungsgütern im engeren Sinne und
Bestandteilen davon etwa auch Schutzausrüstungen, Motoren und
Antriebssysteme, Ausrüstung zur Prüfung, Herstellung oder Instandhaltung und Bestandteile
davon, Software, Technologie und Bibliotheken sowie deren Bestandteile und
Zubehör ein.
Die Bundesregierung hat in der Vergangenheit geltend gemacht, dass eine
Auskunft auf eine Kleine Anfrage versagt werden könne, soweit diese konkrete
Einblicke in einen aktuell bestehenden Bedarf des Empfängerstaats
ermöglichen würde (so etwa Antwort zu Frage 6 auf Bundestagsdrucksache 21/284).
Es wird gebeten, eine Versagung der Auskunft im Einzelfall kenntlich zu
machen und zu begründen. Die Fragestellenden weisen darauf hin, dass dies nach
ihrer Ansicht nur dann der Fall sein kann, wenn der Bundesregierung positiv
bekannt ist, dass eine Genehmigung tatsächlich der Deckung eines aktuellen
Bedarfs dient. Langfristige Anschaffungsprojekte – wie etwa von
Kriegsschiffen oder noch zu errichtenden Anlagen zur Herstellung von Kriegswaffen oder
Rüstungsgütern –, die Erfüllung laufender längerfristiger Verpflichtungen oder
die Lieferung von Gütern, welche erst nach zeitaufwändiger Bearbeitung oder
Einbau Verwendung finden sollen, dienen nicht der Erfüllung eines aktuellen
Bedarfs. Sollte nach Auffassung der Bundesregierung im Einzelfall eine
zwischenstaatliche Vereinbarung einer Auskunft entgegenstehen, möge dies
ebenfalls kenntlich gemacht werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In Höhe welchen Gesamtwertes hat die Bundesregierung zwischen dem
18. Dezember 2024 und dem 31. Dezember 2024 Genehmigungen für die
Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel erteilt (bitte
Einzelgenehmigungswerte und Meldungen für Allgemeine Genehmigungen Nummer 33
kumuliert angeben)?
2. Welche Einzelgenehmigungen hat die Bundesregierung in den Jahren 2024
und 2025 bis zum Stichtag der Beantwortung dieser Kleinen Anfrage für
die endgültige Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel erteilt (bitte nach
Monaten aufgeschlüsselt für jede Einzelgenehmigung den Wert und die
Ausfuhrlisten-Position sowie die jeweils zutreffende Beschreibung der
Güter oder Güterteile gemäß der Ausfuhrliste angeben; soweit eine endgültige
Auswertung noch nicht erfolgt ist, bitte die vorläufigen Zahlen angeben)?
3. Welche Genehmigungen hat die Bundesregierung in den Jahren 2024 und
2025 bis zur Beantwortung dieser Kleinen Anfrage für die Ausfuhr von
Kriegswaffen nach Israel erteilt (bitte nach Monaten aufgeschlüsselt für
jede Genehmigung den Wert und die Kriegswaffenlisten-Nummer sowie die
jeweils zutreffende Beschreibung der Güter oder Güterteile gemäß der
Kriegswaffenliste angeben; soweit eine endgültige Auswertung noch nicht
erfolgt ist, bitte die vorläufigen Zahlen angeben)?
4. Welche Sammelausfuhrgenehmigungen hat die Bundesregierung in den
Jahren 2024 und 2025 bis zur Beantwortung dieser Kleinen Anfrage für die
Ausfuhr von Rüstungsgütern oder Dual-Use-Gütern in andere Staaten
einschließlich Israel erteilt (bitte nach Monaten aufgeschlüsselt für jede
Sammelausfuhrgenehmigung den Wert, die Empfangsstaaten und die
Ausfuhrlisten-Position bzw. Position in der Gemeinsamen Liste der
Europäischen Union für Güter mit doppeltem Verwendungszweck [Anhang I der
Verordnung (EU) 2021/821] sowie die in der jeweiligen Liste enthaltene
Beschreibung der Güter oder Güterteile angeben; soweit eine endgültige
Auswertung noch nicht erfolgt ist, bitte die vorläufigen Zahlen angeben;
bitte ferner angeben, ob es sich um ein Gemeinschaftsprogramm oder eine
regierungsamtliche Kooperation handelt, und ggf. die Bezeichnung des
Programms)?
5. Welche Genehmigungen für Handels- und Vermittlungsgeschäfte (§§ 46, 47
AWV) hat die Bundesregierung in den Jahren 2024 und 2025 bis zum
Stichtag der Beantwortung dieser Kleinen Anfrage für die endgültige
Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel erteilt (bitte jeweils nach Monaten
aufgeschlüsselt für jede Einzelgenehmigung das Ursprungsland, den Wert und
die Ausfuhrlisten-Position sowie die Beschreibung der Güter oder
Güterteile gemäß der Ausfuhrliste angeben; soweit eine endgültige Auswertung
noch nicht erfolgt ist, bitte die vorläufigen Zahlen angeben)?
6. Wie viele Anträge für Genehmigungen für Handels- und
Vermittlungsgeschäfte (§§ 46, 47 der Außenwirtschaftsverordnung – AWV) für die
endgültige Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel hat die Bundesregierung in
diesem Zeitraum abgelehnt (bitte jeweils nach Monaten aufgeschlüsselt für
jede Einzelgenehmigung das Ursprungsland, den Wert und die
Ausfuhrlisten-Position sowie die Beschreibung der Güter oder Güterteile gemäß der
Ausfuhrliste angeben; soweit eine endgültige Auswertung noch nicht
erfolgt ist, bitte die vorläufigen Zahlen angeben)?
7. Werden nach Kenntnis der Bundesregierung aus Deutschland ausgeführte
Kriegswaffen oder Rüstungsgüter durch die israelischen Streitkräfte in
Gaza oder den übrigen palästinensischen Gebieten eingesetzt, und wenn ja,
welche (bitte die Art der Kriegswaffen und Rüstungsgüter nach deren
marktüblicher Bezeichnung und Ausfuhrlisten-Position bzw.
Kriegswaffenlisten-Nummer aufschlüsseln)?
8. Wenn keine Erkenntnisse laut Frage 7 vorliegen, kann die Bundesregierung
den Einsatz aus Deutschland ausgeführter Kriegswaffen oder Rüstungsgüter
in Gaza oder den übrigen palästinensischen Gebieten aufgrund möglicher
Aussagen Israels oder etwaiger Vereinbarungen ausschließen?
Berlin, den 18. Juni 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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