Probleme bei der deutschen Brotweizenproduktion
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Probleme bei der deutschen Brotweizenproduktion
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/368
21. Wahlperiode 04.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian
Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder und der Fraktion der AfD
Probleme bei der deutschen Brotweizenproduktion
Die Verschärfung der Düngeverordnung in Deutschland hat nach Ansicht von
Experten entgegen der Auffassung der Bundesregierung (siehe Antwort der
Bundesregierung zu Frage 7 der Kleinen Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 20/13455) erhebliche Auswirkungen auf die Produktion von
Qualitätsweizen, insbesondere in Bezug auf den Proteingehalt, der für die Backfähigkeit
entscheidend ist. Hauptursache ist die Einschränkung der Stickstoffdüngung,
die vor allem in Regionen mit ohnehin niedrigen Stickstoffvorräten im Boden
problematisch ist (www.wochenblatt-dlv.de/maerkte/qualitaetsweizen-experte
n-warnen-engpaessen-duengeverordnung-577680).
Seit 2018 ist die Stickstoffnachlieferung aus dem Boden (N_mob) im Vergleich
zu den Jahren von 2000 bis 2017 um durchschnittlich 27 Kilogramm pro
Hektar gesunken (www.topagrar.com/acker/news/dungeverordnung-qualitatsgetreid
e-ade-20008456.html?utm_source=chatgpt.com). In einer fünfjährigen
Versuchsreihe der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) führte eine
Reduktion der Stickstoffdüngung um 30 Kilogramm pro Hektar zu einem
durchschnittlichen Rückgang des Rohproteingehalts im Weizen von 13,6 auf
12,4 Prozent. Damit wird häufig die Mindestanforderung für Qualitätsweizen
nicht mehr erreicht (www.lfl.bayern.de/ipz/getreide/270547/index.php?utm_so
urce=chatgpt.com).
In mehreren Bundesländern, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-
Anhalt und Brandenburg, erfüllte im Erntejahr 2023 ein erheblicher Teil der
Weizenernte die geforderten Qualitätskriterien für die Brot- und
Backverarbeitung nicht (www.tagesschau.de/wirtschaft/weizen-ernte-landwirtschaft-klima-1
00.html). In Nordrhein-Westfalen etwa lagen zwischen 2020 und 2024 nur rund
35 Prozent der Proben innerhalb aller Qualitätsanforderungen, meist wegen zu
niedriger Proteingehalte (www.agrarheute.com/politik/bmel-duengeverordnun
g-schuld-schlechter-weizenqualitaet-628029?utm_source=chatgpt.com). Auch
das Max Rubner-Institut stellte fest, dass in einigen Regionen weder
Proteingehalt noch Hektolitergewicht ausreichen, um eine gute Backfähigkeit zu
gewährleisten (ebd.).
Die sinkende Qualität des Weizens hat zur Folge, dass ein größerer Teil der
Ernte nicht zur Mehlproduktion genutzt werden kann und stattdessen als
Futtermittel verkauft wird. Dies schmälert die wirtschaftliche Rentabilität für die
Landwirte und erschwert die Versorgung der Mühlen mit hochwertigem
Weizen. Fachleute warnen daher davor, dass eine anhaltende Begrenzung der
Stickstoffdüngung langfristig zu einem Rückgang der heimischen
Qualitätsweizenproduktion führen könnte, was die Versorgung mit backfähigem Getreide aus
deutscher Herkunft gefährden würde (www.topagrar.com/markt/news/wie-
diedungeverordnung-den-qualitatsgetreideanbau-in-deutschland-beeinflusst-a-200
01431.html?utm_source=chatgpt.com).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wird die Bundesregierung das im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU
und SPD vereinbarte Instrument schaffen, um zukünftig die besonders
wasserschonend wirtschaftenden Betriebe in roten Gebieten von Auflagen zu
befreien (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag202
5.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 43)?
a) Wenn ja, was verspricht sich die Bundesregierung davon konkret, und
bis wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
2. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU
und SPD vereinbarte Abschaffung der Stoffstrombilanzverordnung
umsetzen (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/fil
es/koalitionsvertrag.pdf, S. 43)?
a) Wenn ja, bis wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
3. Beabsichtigt die Bundesregierung, weitere Maßnahmen im Bereich
Düngerecht umzusetzen, wenn ja, bis wann, und welche?
4. Ist der Bundesregierung die Kritik bekannt, dass Deutschland Gefahr laufe,
am Markt vorbei zu produzieren und ein Importland für Brot- bzw.
Backweizen zu werden, und teilt die Bundesregierung die Einschätzung der
vorherigen Bundesregierung – so das Verständnis der Fragesteller hinsichtlich
der in Bezug genommenen Aussage der Bundesregierung –, dass die
Versorgung mit Qualitätsweizen aktuell gesichert sei und es gegenwärtig
keinen Handlungsbedarf gebe (www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/gefa
hr-real-bauernverband-legt-ernuechternde-erntebilanz-625173; Antwort zu
Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 20/13455)?
5. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der vorherigen
Bundesregierung, dass die dünge- und pflanzenschutzrechtlichen Auflagen keinen
Einfluss auf sinkende Qualitätsweizenanteile habe und sich daher kein
unmittelbarer Handlungsbedarf der Bundesregierung ableiten lasse (Antwort
zu Frage 6 auf Bundestagsdrucksache 20/13455)?
6. Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung zutreffend, dass andere Länder,
insbesondere die USA, durch Innovationen und den Einsatz neuer
Techniken in den vergangenen 20 Jahren Ertragssteigerungen bei Weizen
zwischen 40 und 60 Prozent erreichen konnten, während der Fortschritt in
Europa hingegen nur 4 Prozent betrug, und wenn ja, leitet die
Bundesregierung daraus Handlungsbedarf ab (www.agrarheute.com/markt/marktfruecht
e/wegen-duengeverordnung-deutschland-erzeugt-weniger-qualitaetsweizen-
626206)?
7. Ist der Bundesregierung bekannt, dass das sehr restriktive Düngerecht in
Dänemark vor einigen Jahren wieder gelockert wurde, weil es einen
stetigen Rückgang der durchschnittlichen Eiweißgehalte im Getreide gab, und
wenn ja, sieht die Bundesregierung hier Parallelen zur Situation und
Deutschland und entsprechenden Handlungsbedarf (www.agrarheute.com/p
flanze/getreide/weizen-84-prozent-protein-daenen-duerfen-mehr-duengen-5
17944#:~:text=Weizen%20bei%208%2C4%20Prozent%20Protein%3A%2
0D%C3%A4nen%20d%C3%BCrfen%20wieder%20mehr%20d%C3%BCn
gen,-Tei-len%20Twittern%20Pinnen&text=Kopenhagen%20%2D%20W%
C3%A4hrend%20in%20Deutschland%20die,bisher%20strikten%20Begren
zung%20der%20D%C3%BCngermenge)?
8. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob Getreideproduzenten die
Qualitätsanforderungen des Handels trotz der Düngeauflagen in den Roten
Gebieten in einem wirtschaftlichen Ausmaß erfüllen konnten, und wenn ja,
plant die Bundesregierung dahin gehend Maßnahmen (www.agrarheut
e.com/pflanze/getreide/alarmstufe-fuer-qualitaetsweizen-rote-gebiete-besse
r-differenzieren-563756)?
Berlin, den 21. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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