Getreideimporte aus der Ukraine
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Getreideimporte aus der Ukraine
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1972
21. Wahlperiode 02.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder und der Fraktion der AfD
Getreideimporte aus der Ukraine
Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und
Heimat (BMLEH) gibt es keinen Zusammenhang zwischen ukrainischen
Getreideimporten und niedrigen Preisen in Deutschland (www.br.de/nachrichten/b
ayern/niedrige-getreidepreise-sind-importe-aus-der-ukraine-schuld,UvFSaYf).
Bereits vor Beginn des Krieges war die EU der größte Importeur ukrainischer
Agrarwaren. Die Hauptabnehmer hätten sich, so der oben genannte Bericht, in
den letzten fünf Jahren nicht geändert und seien weiterhin Spanien, die
Niederlande, Polen und Italien. Die Ukraine exportiere zudem wieder vermehrt in
Drittstaaten. „In Deutschland macht ukrainischer Weizen nur einen Anteil von
1,8 Prozent an den Gesamtimporten aus. Von einer ‚Überschwemmung‛
unseres Marktes kann nicht die Rede sein“, so ein Bundesministeriumssprecher
(ebd.).
Dennoch sei das ganze Thema schwierig zu fassen, erklärt Petra Kubitza von
der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft im oben verlinkten Artikel.
Im Jahr 2024 wurden in Bayern 3,3 Millionen Tonnen Weizen geerntet, rund
10 000 Tonnen wurden direkt aus der Ukraine eingeführt. Es werde aber nicht
erfasst, wie viel ukrainisches Getreide aus anderen Bundesländern nach Bayern
käme oder in Importen beispielsweise aus Polen enthalten sei. Gegen eine
„Überflutung“ heimischer Märkte sprächen aber hohe Transportkosten,
fehlende Infrastruktur und oft ungewisse Qualitäten (ebd.).
Der Agrarsektor in Deutschland steht unter wachsendem ökonomischen Druck.
Insbesondere stark schwankende Erzeugerpreise für Getreide sorgen bei
landwirtschaftlichen Betrieben für erhebliche Verunsicherung. Im Zuge dessen
werden auch Getreideimporte aus der Ukraine zunehmend öffentlich diskutiert,
insbesondere hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf das Preisniveau und
die Marktstabilität in Deutschland (www.br.de/nachrichten/bayern/niedrige-get
reidepreise-sind-importe-aus-der-ukraine-schuld,UvFSaYf).
Nach Angaben des BMLEH ist der Anteil ukrainischen Weizens an den
Gesamtimporten nach Deutschland vergleichsweise gering und eine
marktbeherrschende Wirkung nicht erkennbar. Gleichwohl deuten aktuelle Einschätzungen
darauf hin, dass die tatsächlichen Warenströme nicht immer eindeutig
nachvollziehbar sind. So berichtet die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft,
dass im Jahr 2024 in Bayern rund 3,3 Millionen Tonnen Weizen geerntet
wurden, während etwa 10 000 Tonnen direkt aus der Ukraine eingeführt wurden.
Es werde jedoch nicht erfasst, in welchem Umfang ukrainisches Getreide über
andere Bundesländer oder als Bestandteil von Importen aus Drittstaaten, wie
etwa Polen, nach Bayern gelange. Auch qualitative Unterschiede,
Transportkosten und infrastrukturelle Engpässe erschweren eine klare Bewertung der
Importe und ihrer wirtschaftlichen Effekte (ebd.).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Informationen liegen der Bundesregierung zum Umfang und
Zweck des aus der EU exportierten Getreides aus Deutschland und aus
den anderen Staaten der EU vor, und wie hat sich nach Kenntnis der
Bundesregierung die Menge des aus der EU exportierten Getreides in den
letzten fünf Jahren entwickelt?
2. Welche Informationen liegen der Bundesregierung zum Umfang und
Zweck des in die EU importierten Getreides in Deutschland und in den
anderen Staaten der EU vor, und wie hat sich nach Kenntnis der
Bundesregierung die Menge des importierten Getreides demnach innerhalb der
EU in den letzten fünf Jahren entwickelt?
3. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anbaufläche von
Getreide in Deutschland sowie dessen Verwendungszweck in den letzten
fünf Jahren entwickelt, welche Gründe gibt es hierfür, zieht die
Bundesregierung hieraus Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln, und wenn
ja, welche?
4. Ist der Bundesregierung die Kritik bekannt, dass man Gefahr laufe, am
Markt vorbei zu produzieren und ein Importland für Brot- bzw.
Backweizen zu werden, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes
Handeln zieht die Bundesregierung hieraus (vgl. www.agrarheute.com/ma
rkt/marktfruechte/gefahr-real-bauernverband-legt-ernuechternde-erntebila
nz-625173)?
5. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung dem Erhalt des
Selbstversorgungsgrades Deutschlands mit Getreide zu, und welche
Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung für ihr eigenes Handeln hieraus
(Bundestagsdrucksache 20/13202)?
6. Haben nach Kenntnis der Bundesregierung die strengeren Regelungen bei
Düngung und Pflanzenschutz Einfluss auf die Selbstversorgung mit
Qualitätsweizen im Jahr 2024 gehabt, wenn ja, welchen, und welche
Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung hieraus
(vgl. www.wochenblatt-dlv.de/feld-stall/pflanzenbau/bayern-schlechtesteg
etreideernte-seit-sechs-jahren-577945)?
7. Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um den aktuellen
Herausforderungen im Getreideanbau zu begegnen und die Landwirte besser zu
unterstützen, und wenn ja, welche?
8. Plant die Bundesregierung, in naher Zukunft Regelungen im Bereich
Düngung und Pflanzenschutz zu überarbeiten, um den Landwirten beim
Getreideanbau mehr Unterstützungsmöglichkeiten zu bieten?
9. Plant die Bundesregierung, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte in
Anbetracht der niedrigeren Ernten und Getreidepreise zu sichern, und
wenn ja, wie?
10. Sind der Bundesregierung die Forderungen des Bayerischen
Bauernverbands, unter anderem nach einer wirtschaftlichen Risikoabsicherung durch
stärkere Förderung von Mehrgefahrenversicherungen und steuerlichen
Instrumenten, neuen Züchtungsmethoden in der Pflanzenzüchtung und einer
Neuausrichtung der Pflanzenschutzpolitik, um den effektiven
Pflanzenschutz sicherzustellen, bekannt, wenn ja, welche Schlussfolgerungen für
ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung hieraus (vgl. www.wochen
blatt-dlv.de/feld-stall/pflanzenbau/bayern-schlechteste-getreideernte-seit-s
echs-jahren-577945), plant die Bundesregierung in diesem
Zusammenhang Maßnahmen, und wenn ja, welche?
11. Ist der Bundesregierung die Forderung des Präsidenten des Deutschen
Bauernverbands e. V. Joachim Rukwied bekannt, dass, um Erträge und
Qualitäten auch in Zukunft sicherzustellen, praxisferne und
nichtpraktikable Vorgaben gestrichen werden müssen und dass das
Zukunftsprogramm Pflanzenschutz keine Lösungen für die Herausforderungen, vor
denen Landwirte im Ackerbau stehen, bietet (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller), und wenn ja, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes
Handeln zieht die Bundesregierung hieraus?
12. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Situation der
Getreidemühlen, insbesondere der kleinen und mittelständischen, in den letzten
fünf Jahren entwickelt, und sieht die Bundesregierung hier politischen
Handlungsbedarf?
13. Wie wirkt sich, nach Einschätzung der Bundesregierung, die Entwicklung
der Anzahl der Mühlen auf das regionale Lebensmittelhandwerk aus?
14. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung den Getreidemühlen im
Hinblick auf die regionale Nahversorgung mit Getreideprodukten
insgesamt zu, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung
hieraus für ihr eigenes Handeln?
15. Hat die Bundesregierung im Zeitraum von 2018 bis 2024 die Erforschung
von neuen Züchtungsmethoden in der Pflanzenzüchtung im Hinblick auf
Getreide gefördert, und wenn ja, mit welchen Beträgen (vgl.
Bundestagsdrucksache 20/13202; bitte nach Projekt, Projektträger, Forschungsgebiet
und Förderbetrag angeben)?
16. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob Getreideproduzenten die
Qualitätsanforderungen des Handels trotz der Düngeauflagen in den Roten
Gebieten in einem wirtschaftlichen Ausmaß erfüllen konnten, und wenn
ja, plant die Bundesregierung dahin gehend Maßnahmen (vgl. www.agrar
heute.com/pflanze/getreide/alarmstufe-fuer-qualitaetsweizen-rote-gebiete
besser-differenzieren-563756)?
17. Sind der Bundesregierung Getreideimporte auf den Routen der
sogenannten Solidaritätskorridore aus der Ukraine in die EU oder nach Deutschland
bekannt, die nicht alle gesetzlichen Auflagen erfüllen?
18. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Importmenge von
Futter- und Brotgetreide aus der Ukraine nach Deutschland in den letzten
fünf Jahren entwickelt?
19. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine Exportförderung für
ukrainisches Getreide nach Deutschland, und wenn ja, wie hoch ist diese
Förderung?
20. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine
Transportkostenförderung für ukrainisches Getreide nach Deutschland, und wenn ja, wie hoch
ist diese?
21. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Getreidepreis für
Futtergerste an der MATIF (Marché à Terme International de France), an
der Getreidebörse Kiew und auf dem deutschen Getreidemarkt?
Berlin, den 22. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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