Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit Wasserstoffprojekten in Uruguay, Chile und Kolumbien
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Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit Wasserstoffprojekten in Uruguay, Chile und Kolumbien
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/197
21. Wahlperiode 20.05.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jörg Cezanne, Gökay Akbulut, Lorenz Gösta Beutin, Clara
Bünger, Maik Brückner, Agnes Conrad, Mirze Edis, Katrin Fey, Vinzenz Glaser,
Cem Ince, Maren Kaminski, Sahra Mirow, Charlotte Antonia Neuhäuser, Lea
Reisner, Sascha Wagner, Janine Wissler und der Fraktion Die Linke
Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit Wasserstoffprojekten
in Uruguay, Chile und Kolumbien
In der nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung wird davon
ausgegangen, dass 2030 mehr als die Hälfte des deutschen Wasserstoffbedarfs
importiert werden muss. Länder wie Uruguay, Chile und Kolumbien entwickeln
derzeit nationale Wasserstoffstrategien und forcieren konkrete Großprojekte zur
Erzeugung und zum Export auch nach Deutschland von grünem Wasserstoff
sowie dessen Derivaten wie E-Methanol oder Ammoniak. In diesem Kontext
hat die deutsche Bundesregierung bilaterale Energiepartnerschaften aufgebaut,
etwa mit Chile (2019), Kolumbien (2019) und kürzlich erst mit Uruguay
(2023). Auch auf europäischer Ebene bestehen strategische Partnerschaften,
etwa im Rahmen der Global Gateway-Initiative.
In Uruguay plant das deutsche Unternehmen Enertrag den Bau einer
Wasserstoffproduktionsanlage in Tambores, Tacuarembó. Das Ziel des Projekts ist der
Export synthetischer Kraftstoffe. Wie die uruguayische Tageszeitung „La
diaria“ aus Montevideo schreibt, stößt das Vorhaben jedoch auf Kritik,
insbesondere aufgrund mangelnder Transparenz und der fehlenden Beteiligung der
lokalen Bevölkerung (ladiaria.com.uy/ambiente/articulo/2023/7/el-norte-
uruguayodefiende-su-agua-ante-el-avance-del-hidrogeno-verde/). Auch in Chile im
Projekt Haru Oni (Beteiligung u. a. von Siemens Energy und Porsche, siehe
newsroom.porsche.com/de_CH/2020/unternehmen/porsche-siemens-energy-pil
otprojekt-chile-forschung-entwicklung-synthetische-kraftstoffe-efuels-2302
0.html) und in Kolumbien im Projekt AkuaippaHy des deutschen
Unternehmens VIRIDI RE (ptx-hub.org/wp-content/uploads/2025/04/INTERNAL_04.2
025_GIZ_H2Uppp_Factsheet_AkuaippaHy_VIRIDI.pdf) engagieren sich
deutsche Akteure.
Diese Projekte profitieren von den Partnerschaften und Förderprogrammen der
Bundesregierung im Bereich Wasserstoff (ptx-hub.org/wp-content/uploads/202
5/04/INTERNAL_04.2025_GIZ_H2Uppp_Factsheet_AkuaippaHy_VIRIDI.
pdf). Dabei stellt sich grundsätzlich die Frage, unter welchen sozialen,
ökologischen und wirtschaftlichen Bedingungen solche Großprojekte realisiert und
gefördert werden. Die Fragestellenden befürchten, dass Projekte, die sich einseitig
an den Unternehmensinteressen orientieren und keine gerechte Teilhabe der
lokalen Bevölkerung sicherstellen, dem Anspruch nachhaltiger Entwicklung
zuwiderlaufen und Ungleichheiten und Armut verschärfen könnten. Es besteht die
Gefahr, dass mangelnde soziale und ökologische Nachhaltigkeit langfristig
sowohl das Vertrauen in deutsche Projekte untergraben als auch bestehende
globale Ungleichgewichte weiter verschärfen könnte.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. a) Fördert die Bundesregierung aktuell Projekte mit Bezug zu
Wasserstoff in Uruguay, Kolumbien oder Chile?
b) Wenn ja, welche konkreten Projekte werden gefördert, und wie ist
jeweils der aktuelle Projektstand (bitte das zuständige
Bundesministerium, die beteiligten Akteure, das Förderinstrument und den
finanziellen Umfang nennen)?
2. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung konkrete Absichtserklärungen
oder Vereinbarungen hinsichtlich Wasserstofflieferungen zwischen
deutschen und uruguayischen, kolumbianischen oder chilenischen
Unternehmen?
a) Wenn ja, bitte unter Nennung der beteiligten Unternehmen und des
voraussichtlichen Lieferumfangs sowie des Lieferstart-Datums auflisten?
b) Mit welchen Importmengen an Wasserstoff aus Uruguay, Kolumbien
und Chile rechnet die Bundesregierung bis 2030?
3. Welche deutschen Unternehmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung
an Wasserstoffprojekten in Uruguay, Kolumbien oder Chile beteiligt (bitte
nach Name des Unternehmens, des Projekts und nach Rolle des
Unternehmens in dem jeweiligen Projekt [z. B. Investor, Projektierer, Lieferant,
Abnehmer] aufschlüsseln)?
4. Werden deutschen Unternehmen für ihre geplante Beteiligung an
Wasserstoffprojekten in Uruguay, Kolumbien und Chile finanzielle Garantien,
Kredite oder sonstige Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln gewährt
(bitte nach Namen der Unternehmen, Art und Höhe der Unterstützung,
Zielland, Höhe der gesamten Investitionssumme sowie Gesamtlaufzeit
aufschlüsseln)?
5. Haben bereits Projekte in Uruguay, Kolumbien und Chile einen Zuschlag
von H2Global erhalten?
6. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung Uruguay, Kolumbien und
Chile im Rahmen ihrer Energiepartnerschaften und Wasserstoffstrategie
bei?
7. Welche langfristige Rolle misst die Bundesregierung dem jeweiligen Land
als Exporteur von grünem Wasserstoff bei?
8. Da an dem GIZ GmbH-Förderprogramm (GIZ = Deutsche Gesellschaft
für Internationale Zusammenarbeit) H2Uppp zahlreiche deutsche
Unternehmen beteiligt sind und es das „Netzwerk der Akteure – H2Uppp“ auch
in Uruguay gibt (uruguay.ahk.de/de/berufsbildung/translate-to-deutsch-en
ergia-medio-ambiente/translate-to-deutsch-hidrogeno), welche
Unternehmen, Organisationen und Plattformen in Uruguay erhalten Unterstützung
aus diesem Förderprogramm (bitte nach Namen, Art und finanziellem
Umfang der Unterstützung aufschlüsseln)?
9. Da das deutsche Unternehmen Enertrag eine
Wasserstoffproduktionsanlage in Tambores, Tacuarembó in Uruguay plant, welche Kenntnisse hat die
Bundesregierung über den Stand des Projekts und die von der
uruguayischen Tageszeitung „El Telégrafo“ aus Paysandú beschriebenen
Beteiligungen von Enertrag an einem geplanten Solarpark in Paysandú (www.elt
elegrafo.com/2025/02/movimientos-de-paysandu-y-colon-se-expresan-
encontra-de-la-ubicacion-del-proyecto-de-hidrogeno/)?
10. Hat das in der Frage 9 angesprochene geplante Solarparkprojekt in
Paysandú oder eine Vorstufe davon Unterstützung durch die Bundesregierung
oder durch eine von ihr beauftragte Institution erhalten, und wenn ja,
worin bestand diese Unterstützung?
11. Da für das in dem Raffinerieprojekt des Unternehmens HIF Global
produzierte E-Methanol als Abnehmer auch das deutsche Unternehmen Porsche
genannt wird, hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob und
inwieweit deutsche Unternehmen an dem HIF Global-Raffinerieprojekt in
Paysandú beteiligt sind?
12. Ist der Bundesregierung bekannt, ob dieses HIF Global-Raffinerieprojekt
in Paysandú Fördergelder aus Deutschland oder EU-Fördermittel erhält
oder erhalten hat, und wenn ja, bitte die konkrete Fördersumme, das
entsprechende Förderprogramm sowie die Projektlaufzeit benennen?
13. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob vorbereitende Studien der
geförderten Projekte gemäß Nachhaltigkeitsrichtlinien nach international
akzeptierten Umwelt- und Sozialstandards sowie im Einklang mit den
Leitlinien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) durchgeführt wurden?
a) Wenn derartige Studien erstellt wurden, welche möglichen sozialen,
ökologischen und menschenrechtlichen Zielkonflikte wurden bei den
Projekten in Uruguay festgestellt?
b) Welche Maßnahmen wurden vorgeschlagen, um diesen Zielkonflikten
zu begegnen?
14. Hat die Bundesregierung Kenntnis über bestehende oder potenzielle
Konflikte mit der lokalen Bevölkerung im Zusammenhang mit den
geförderten Projekten in Uruguay?
a) Wenn ja, welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen,
dass die Interessen der betroffenen Gemeinschaften gewahrt bleiben?
b) Wenn ja, hat die Bundesregierung Auflagen für die Förderung verfügt,
um möglichen Problemen wie den Umweltauswirkungen auf
Grundwasser und der mangelnden Verfügbarkeit von Fachkräften bei der
grünen Wasserstoffproduktion in Uruguay entgegenzuwirken?
15. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, dass, wie die in London
ansässige gemeinnützige Umweltorganisation Dialogue Earth schreibt,
mehrere Einwohnerinnen und Einwohner von Tambores eine Klage beim
uruguayischen Verfassungsgericht gegen das Projekt Tambores aufgrund
unzureichender und verspäteter Kommunikation der Projektleitung
eingereicht haben (dialogue.earth/es/agua/374197-el-norte-uruguayo-defiende-s
u-agua-ante-el-auge-del-hidrogeno-verde/)?
16. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass die
Interessen der betroffenen Gemeinschaften bei dem angesprochenen Projekt
Tambores gewahrt bleiben?
17. Wurden im Rahmen der deutsch-kolumbianischen Energiepartnerschaft
Fördermittel für grüne Wasserstoffprojekte bewilligt, und wenn ja, bitte
Umfang, Art der Förderung (z. B. Studien, Pilotprojekte), Begünstigte
sowie Projektlaufzeit benennen?
18. Welche Machbarkeitsstudien zu grünem Wasserstoff wurden in
Kolumbien im Rahmen der bilateralen Energiepartnerschaft mit Deutschland
durchgeführt (bitte konkrete Projekte, Projektpartner, Fördersummen,
entsprechendes Förderprogramm sowie Projektlaufzeit nennen)?
19. Wie gestaltet sich die Unterstützung des H2Uppp-Programms für das
AkuaippaHy-Projekt in La Guajira in Kolumbien (ptx-hub.org/wp-conten
t/uploads/2025/04/INTERNAL_04.2025_GIZ_H2Uppp_Factsheet_Akuai
ppaHy_VIRIDI.pdf; bitte nach der Art der Unterstützung, dem
finanziellen Umfang sowie dem Zeitrahmen der Fördermaßnahmen
aufschlüsseln)?
20. Welche Studien zu sozialen und ökologischen Risiken, insbesondere im
Hinblick auf indigene Gemeinschaften und die Wasserverfügbarkeit in La
Guajira, sind der Bundesregierung bekannt?
21. Da Ecopetrol unter anderem Kooperationen mit deutschen Unternehmen
wie Siemens eingegangen ist und die Region um Cartagena im
deutschkolumbianischen Wasserstoff-Memorandum als strategisch bedeutsam
hervorgehoben wird, welche konkreten Kooperationen,
Absichtserklärungen oder Investitionen deutscher Unternehmen oder Organisationen
bestehen derzeit im Zusammenhang mit dem Wasserstoffprojekt Ecopetrols
in Cartagena (www.minenergia.gov.co/es/sala-de-prensa/noticias-index/ec
opetrol-acelera-su-transici%C3%B3n-energ%C3%A9tica-con-una-
nuevaplanta-de-hidr%C3%B3geno-a-partir-de-electr%C3%B3lisis-en-cartag
ena/)?
22. Erhalten Projekte für grünen Wasserstoff in Chile Fördermittel aus
deutschen oder EU-Programmen wie H2Global oder dem Internationalen
Klimaschutzfonds, und wenn ja, bitte Projektnamen, beteiligte Firmen,
Fördersumme und das entsprechende Förderprogramm sowie den Zeitrahmen
nennen?
a) Liegen der Bundesregierung Informationen über Konflikte mit lokalen
Gemeinden oder Umweltbedenken bei den geförderten Projekten in
Chile vor?
b) Wenn ja, welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen,
dass die Interessen der betroffenen Gemeinschaften gewahrt bleiben?
Berlin, den 15. Mai 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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