Auslandsförderung der Wasserstofftechnik durch die Bundesregierung - Projekte, Empfänger, Mittel und Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland
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Auslandsförderung der Wasserstofftechnik durch die Bundesregierung - Projekte, Empfänger, Mittel und Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3810
21. Wahlperiode 27.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Alexander Wolf, Rocco Kever, Matthias Rentzsch, Denis
Pauli, Johann Martel, Martina Uhr, Arne Raue, Dr. Malte Kaufmann und
der Fraktion der AfD
Auslandsförderung der Wasserstofftechnik durch die Bundesregierung –
Projekte, Empfänger, Mittel und Auswirkungen auf den Industriestandort
Deutschland
Die Bundesregierung fördert unter intensivem Mitteleinsatz den Ausbau von
Wasserstofftechnologien im Ausland, u. a. in Afrika und Kanada. In Namibia
unterstützt Deutschland über die Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH den Aufbau einer grünen Wasserstoffindustrie
(„GH2 Namibia Programm“, 2024 bis 2027) (vgl. www.giz.de/de/projekte/gh2-
namibia-programm-unterstuetzung-des-aufbaus-der-gruenen-wasserstoffindustr
ie-namibia). Mit Kanada besteht seit 2022 eine deutsch-kanadische
Wasserstoffallianz; In den Jahren 2024 und 2025 richteten beide Regierungen ein
gemeinsames Finanzierungsfenster für Export- bzw. Importprojekte ein (vgl.
www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/202
4/03/20240319-kanada-deutschland-wasserstoffexportprojekte.html).
Zugleich stehen energieintensive Unternehmen in Deutschland – beispielhaft
Aurubis (Hamburg) – vor der Frage, in welchem Umfang insbesondere grüner
Wasserstoff wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Aurubis investiert zwar in
H2-fähige Anodenöfen („H2-Ready“), betont aber selbst, dass derzeit nicht
genügend grüner Wasserstoff zu international wettbewerbsfähigen Preisen
verfügbar ist (vgl. www.gifa.com/en/Media_News/News/Aurubis_becomes_H2-Read
y_%E2 Prozent80 Prozent93_Investment_in_hydrogen-capable_anode_furn
aces). In der öffentlichen Debatte zum Hamburger „Klima-/Zukunftsentscheid“
warnte Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (Aufsichtsratsvorsitzender Aurubis) in
Interviews vor gravierenden Wettbewerbs- und Beschäftigungsrisiken für die
Industrie; u. a. sprach er von einem drohenden „Ende der Industrie“ und einer
Gefährdung hiesiger Arbeitsplätze (vgl. https://apollo-news.net/klima-entscheid-i
n-hamburg-das-ist-das-ende-fuer-die-industrie-prof-fritz-vahrenholt-im-inter
view).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welches Gesamtvolumen (Zusage und Mittelabfluss) hat die
Bundesregierung in den letzten fünf Jahren (bis einschließlich heute) für
Auslandsprojekte zur Förderung der Wasserstoff- bzw. PtX-Technologie bereitgestellt
(bitte nach Jahr, Land, Projektname, Empfänger, also Unternehmen bzw.
Institute, Förderinstrument, wie z. B. H2Global, „Internationale
Wasserstoffprojekte – Modul 1“, EZ-Instrumente sowie Förderbetrag pro Projekt
aufschlüsseln; bitte insbesondere auch sämtliche Namibia-Projekte mit
Projektbezeichnung, Laufzeit, Trägern, wie z. B. GIZ- bzw. BMFTR
(Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt)-
Programme, deutscher Beteiligung, Fördersumme und Zielindikatoren
aufführen; bitte insbesondere auch sämtliche Kanada-Maßnahmen –
Allianz, Finanzierungsfenster, Ausschreibungen, Budget, Design nach H2
Global, beihilferechtliche Absicherung mit Zeitplan und Beträgen darstellen)?
2. Wie genau unter Einbezug aller wirtschaftlichen Faktoren stellt sich die
Bundesregierung die Angebotsseite des aktuell nichtexistierenden Marktes
in Zukunft vor, und welche strategischen Überlegungen gibt es hierzu bei
der geplanten sukzessiven Umstellung auf grünen Wasserstoff, auch in
Hinblick auf die Absage zur Umstellung auf grünen Wasserstoff seitens
der Industrie (vgl. www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/gruener-wassers
toff-106.html)?
3. Hat die Bundesregierung vom Umweltbericht von Aurubis (www.aurubi
s.com/dam/jcr:68a024a9-2b6f-4d3a-9439-5d55e4158673/20250519_Um
weltbericht_2025_DE_interaktiv.pdf) Kenntnis erlangt, wonach derzeit
„nicht genug grüner Wasserstoff zu international wettbewerbsfähigen
Preisen“ verfügbar sei, und welche Schlussfolgerungen hat die
Bundesregierung hieraus ggf. für Timing und Skalierung der Auslandsförderung
gezogen?
4. Welche Sektor- bzw. Technologiestudien liegen der Bundesregierung zur
„vollständigen“ versus „teilweisen“ H2-Umstellung in
Grundstoffbranchen (insbesondere Metalle, Stahl, Chemie) ggf. vor (unter anderem zu
Kosten, Capital Expenditures (CapEx) bzw. Operating Expenses (OpEx),
Preis- und Importrisiken)?
5. Welche Gespräche und Arbeitsformate führte die Bundesregierung seit
2023 mit energieintensiven Unternehmen (u. a. Aurubis) zu Kosten- und
Beschäftigungseffekten einer H2-Umstellung (bitte Termine,
Teilnehmende, Kernergebnisse darlegen), und mit welchem Ergebnis?
6. Hat die Bundesregierung Kenntnis von den öffentlichen Warnungen von
Industrievertretern (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) im Lichte der
eigenen Förderstrategie, und wie reagiert sie ggf. darauf?
7. Welche Netto-Beschäftigungseffekte erwartet die Bundesregierung durch
Auslands-H2-Förderung für inländische Wertschöpfungsketten
(Engineering, Anlagenbau, Betrieb, Importlogistik)?
8. Welche Maßnahmen sind ggf. vorgesehen, um Standortnachteile für
deutsche Produzenten zu vermeiden (z. B. Carbon-Leakage-Schutz,
Transformationsstrompreis, Differenzverträge, Importpreis-Absicherung für H2-
Derivate)?
9. Welchen quantifizierten Nutzen erwartet die Bundesregierung von den
Auslandsprojekten (erwartete Importmengen nach DE, Euro/kg-
Zielkorridore, CO2-Minderung, Versorgungssicherheit), und bis wann?
10. Welche Key Performance Indicators (KPIs) und Veröffentlichungsformate
nutzt die Bundesregierung zur fortlaufenden Projektliste (Name, Land,
Empfänger, Betrag, Zielindikatoren) ihrer Auslands-H2-Förderung?
11. In welchen Regierungs- und Haushaltsberichten werden diese Daten
jährlich vorgelegt, und wo sind diese einsehbar?
12. Welche Menge an grünem Wasserstoff muss nach Ansicht der
Bundesregierung jährlich produziert werden, um die geplante Umstellung zu
realisieren, wie viele Produktionsanlagen sind dafür notwendig, und welche
strategischen Überlegungen hat die Bundesregierung dazu ausgearbeitet in
Bezug auf Standorte der Produktionsanlagen (sowohl hinsichtlich der
hiesigen Standorte als auch der im Ausland geförderten Standorte)?
13. Hat die Bundesregierung Kenntnis vom energiepolitischen Kurswechsel
der aktuellen Präsidentin Namibias, Dr. Netumbo Nandi-Ndaitwah
(Amtsantritt März 2025), welche im Vergleich zu ihrem Vorgänger Hage
Geingob, welcher den Fokus noch massiv auf grünen Wasserstoff legte,
deutlich stärker auf die wirtschaftliche Nutzung von Öl und Gas setzen will,
und welche Schlussforderungen hat die Bundesregierung für die
zukünftige Förderung der Wasserstofftechnik in Namibia daraus gezogen (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Berlin, den 26. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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