Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit Wasserstoffprojekten in Uruguay, Chile und Kolumbien (Antwort zu Drs. 21/197)
Text
Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit Wasserstoffprojekten in Uruguay, Chile und Kolumbien (Antwort zu Drs. 21/197)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/557
21. Wahlperiode 19.06.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jörg Cezanne, Gökay Akbulut, Lorenz
Gösta Beutin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/197 –
Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit Wasserstoffprojekten
in Uruguay, Chile und Kolumbien
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In der nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung wird davon
ausgegangen, dass 2030 mehr als die Hälfte des deutschen Wasserstoffbedarfs
importiert werden muss. Länder wie Uruguay, Chile und Kolumbien entwickeln
derzeit nationale Wasserstoffstrategien und forcieren konkrete Großprojekte
zur Erzeugung und zum Export auch nach Deutschland von grünem
Wasserstoff sowie dessen Derivaten wie E-Methanol oder Ammoniak. In diesem
Kontext hat die deutsche Bundesregierung bilaterale Energiepartnerschaften
aufgebaut, etwa mit Chile (2019), Kolumbien (2019) und kürzlich erst mit
Uruguay (2023). Auch auf europäischer Ebene bestehen strategische
Partnerschaften, etwa im Rahmen der Global Gateway-Initiative.
In Uruguay plant das deutsche Unternehmen Enertrag den Bau einer
Wasserstoffproduktionsanlage in Tambores, Tacuarembó. Das Ziel des Projekts ist
der Export synthetischer Kraftstoffe. Wie die uruguayische Tageszeitung „La
diaria“ aus Montevideo schreibt, stößt das Vorhaben jedoch auf Kritik,
insbesondere aufgrund mangelnder Transparenz und der fehlenden Beteiligung der
lokalen Bevölkerung (ladiaria.com.uy/ambiente/articulo/2023/7/el-norte-urug
uayo-defiende-su-agua-ante-el-avance-del-hidrogeno-verde/). Auch in Chile
im Projekt Haru Oni (Beteiligung u. a. von Siemens Energy und Porsche,
siehe newsroom.porsche.com/de_CH/2020/unternehmen/porsche-siemens-energ
y-pilotprojekt-chile-forschung-entwicklung-synthetische-kraftstoffe-efuels-23
020.html) und in Kolumbien im Projekt AkuaippaHy des deutschen
Unternehmens VIRIDI RE (ptx-hub.org/wp-content/uploads/2025/04/INTERNAL_04.2
025_GIZ_H2Uppp_Factsheet_AkuaippaHy_VIRIDI.pdf) engagieren sich
deutsche Akteure.
Diese Projekte profitieren von den Partnerschaften und Förderprogrammen
der Bundesregierung im Bereich Wasserstoff (ptx-hub.org/wp-content/upload
s/2025/04/INTERNAL_04.2025_GIZ_H2Uppp_Factsheet_AkuaippaHy_VIRI
DI.pdf). Dabei stellt sich grundsätzlich die Frage, unter welchen sozialen,
ökologischen und wirtschaftlichen Bedingungen solche Großprojekte realisiert
und gefördert werden. Die Fragestellenden befürchten, dass Projekte, die sich
einseitig an den Unternehmensinteressen orientieren und keine gerechte
Teilhabe der lokalen Bevölkerung sicherstellen, dem Anspruch nachhaltiger Ent-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
vom 19. Juni 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
wicklung zuwiderlaufen und Ungleichheiten und Armut verschärfen könnten.
Es besteht die Gefahr, dass mangelnde soziale und ökologische Nachhaltigkeit
langfristig sowohl das Vertrauen in deutsche Projekte untergraben als auch
bestehende globale Ungleichgewichte weiter verschärfen könnte.
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Die Bundesregierung hat seit 2008 bilaterale Energiepartnerschaften (EP) zur
Förderung der klimafreundlichen Transition der Volkswirtschaften sowohl in
Deutschland als auch in den jeweiligen Partnerländern abgeschlossen. Ein
Gegenstand der Energiepartnerschaften ist auch Förderung der Produktion von
Wasserstoff und Derivaten.
Mit Chile wurde eine Energiepartnerschaft im Jahr 2019 vereinbart, mit
Uruguay 2023. Mit Kolumbien arbeitet die Bundesregierung seit 2023 im Rahmen
der Partnerschaft für das Klima und eine gerechte Energiewende auch zur
Umsetzung der sozial gerechten Transition im Energiesektor zusammen. 2023
vereinbarten die kolumbianische Regierung und die Bundesregierung zudem die
Einrichtung einer hochrangigen Steuerungsgruppe zu grünem Wasserstoff, um
den Aufbau der Produktion von Wasserstoff und seiner Derivate in Kolumbien
mit Beteiligung von Unternehmen aus Deutschland zu erörtern.
Die Bundesregierung unterstützt die Produktion von Wasserstoff und Derivaten
mit wasserstoffspezifischen Förderinstrumenten wie H2Global, dem
International Hydrogen Ramp-up Program (H2Uppp), der Förderrichtlinie für
internationale Wasserstoffprojekte (FRL int. H2) und dem PtX-Entwicklungsfonds (PtX
Development Fund) der KfW. H2Global wird durch die in Leipzig ansässige
Hintco GmbH umgesetzt, H2Uppp im Auftrag des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie (BMWE) durch die im Eigentum des Bundes stehende
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die
FRL int. H2 im Auftrag des BMWE durch den Projektträger Jülich (PtJ). Ziel
der Förderung durch die wasserstoffspezifischen Förderinstrumente des
BMWE ist auch die Prüfung, ob die jeweils eingesetzten Technologien zur
Produktion von Wasserstoff und seiner Derivate technisch geeignet sind,
Wasserstoff und seine Derivate zu wettbewerbsfähigen Preisen für den lokalen Markt
oder für den Export herzustellen. Die Förderung verfolgt daher nicht
notwendigerweise das Ziel, die Lieferung der Produkte nach Deutschland oder in die EU
zu sichern.
Zudem können deutsche Lieferungen und Leistungen an derartige Projekte mit
dem Instrument der Exportkreditgarantien des Bundes und Beteiligungen und
beteiligungsähnliche Darlehn mit Investitionsgarantien des Bundes abgesichert
werden.
1. a) Fördert die Bundesregierung aktuell Projekte mit Bezug zu
Wasserstoff in Uruguay, Kolumbien oder Chile?
b) Wenn ja, welche konkreten Projekte werden gefördert, und wie ist
jeweils der aktuelle Projektstand (bitte das zuständige
Bundesministerium, die beteiligten Akteure, das Förderinstrument und den
finanziellen Umfang nennen)?
4. Werden deutschen Unternehmen für ihre geplante Beteiligung an
Wasserstoffprojekten in Uruguay, Kolumbien und Chile finanzielle Garantien,
Kredite oder sonstige Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln gewährt
(bitte nach Namen der Unternehmen, Art und Höhe der Unterstützung,
Zielland, Höhe der gesamten Investitionssumme sowie Gesamtlaufzeit
aufschlüsseln)?
Die Fragen 1a, 1b und 4 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung versteht die Fragen so, dass sie sich ausschließlich auf
konkrete Projekte bezieht, nicht aber auf allgemeine Maßnahmen der
wirtschaftlichen oder entwicklungspolitischen Zusammenarbeit, die ohne Bezug zu
einem konkreten Projekt dem Wasserstoffhochlauf zugutekommen können. Die
Bundesregierung fördert aktuell konkrete Projekte im Zuständigkeitsbereich
mit Bezug zu Wasserstoff wie folgt:
In Uruguay: Die Bundesregierung fördert über die Förderrichtlinie für
internationale Wasserstoffprojekte (FRL int. H2) seit März 2023 ein Projekt der Linde
GmbH in Uruguay mit 10 Mio. Euro. Fördergegenstand ist der Aufbau einer
Produktion von grünem Wasserstoff (Elektrolyseure mit einer Leistung von
insgesamt zwei Megawatt) für die Nutzung in Lkws. Da der
Zuwendungsempfänger das Projekt aufgrund einer Vielzahl von internen und externen
Herausforderungen mittelfristig nicht umsetzen können wird, wird das Fördervorhaben
Ende Juni 2025 auslaufen. Es sind keine Mittel ausgezahlt worden. Zudem
fördert die Bundesregierung aktuell ein Mobilitätsvorhaben (mit Laufzeit März
2024 bis Mai 2025). Beteiligter Akteur ist das FhG-Institut für
Energiewirtschaft und Energiesysteme, die Fördersumme beträgt 24 000 Euro.
In Kolumbien: Das International Hydrogen Ramp-up Program (H2Uppp) des
BMWE fördert aktuell zwei Öffentlich-Private Partnerschaften (Public Private
Partnerships, PPPs) in Kolumbien.
In Chile: Das BMWE fördert über H2Uppp aktuell zwei PPPs in Chile.
Daneben wird ein weiteres Vorhaben über die FRL int. H2 gefördert.
Einzelheiten finden sich in nachfolgender Übersicht.
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2. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung konkrete
Absichtserklärungen oder Vereinbarungen hinsichtlich Wasserstofflieferungen zwischen
deutschen und uruguayischen, kolumbianischen oder chilenischen
Unternehmen?
a) Wenn ja, bitte unter Nennung der beteiligten Unternehmen und des
voraussichtlichen Lieferumfangs sowie des Lieferstart-Datums
auflisten?
b) Mit welchen Importmengen an Wasserstoff aus Uruguay, Kolumbien
und Chile rechnet die Bundesregierung bis 2030?
Die Fragen 2 bis 2b werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung hat die unterschiedlichen Förderprogramme eingerichtet,
um einen Anreiz dafür zu schaffen, dass die Produktion von Wasserstoff
hochgefahren wird, und um bestehende Wettbewerbsnachteile für Wasserstoff zu
beseitigen. Der Bundesregierung sind aber derzeit keine Absichtserklärungen
zwischen Unternehmen zu konkreten Wasserstofflieferungen oder
Importmengen bis zum Jahr 2030 für den deutschen Markt bekannt.
3. Welche deutschen Unternehmen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung an Wasserstoffprojekten in Uruguay, Kolumbien oder Chile beteiligt
(bitte nach Name des Unternehmens, des Projekts und nach Rolle des
Unternehmens in dem jeweiligen Projekt [z. B. Investor, Projektierer,
Lieferant, Abnehmer] aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen. Der Bundesregierung sind
Beteiligungen deutscher Unternehmen an nachfolgend aufgezählten
Wasserstoffprojekten bekannt. Über eine vollständige Übersicht sämtlicher Projekte deutscher
Unternehmen in den drei Zielländern verfügt die Bundesregierung nicht.
Uruguay
Projekt Akteure Rolle des Unternehmens im Projekt
Mobilitätsvorhaben:
Entwicklung einer F&E-
Roadmap für grünen Wasserstoff
für Uruguay
FhG-Institut für Energiewirtschaft
und Energiesysteme
Forschungsvorhaben, kein Unternehmen
beteiligt (nur Forschungsinstitute)
Förderbescheid H2U
(FRL int. H2)
Linde GmbH Linde GmbH (Projektierer und Betreiber)
Kolumbien
Projekt Akteure Rolle des Unternehmens im Projekt
PPP mit Viridi RE
(H2Uppp)
Private Unternehmen, unterstützt
durch GIZ
Viridi RE (Projektentwickler)
PPP mit SAP in Brasilien
und Kolumbien (H2Uppp)
Private Unternehmen, unterstützt
durch GIZ
SAP (Technologieanbieter)
Chile
Projekt Akteure Rolle des Unternehmens im Projekt
PPP mit Soventix (H2Uppp) Private Unternehmen, unterstützt
durch GIZ
ARGE Soventix, Pabettin
(Projektentwickler und Investoren)
PPP mit INERATEC
(H2Uppp)
Private Unternehmen, unterstützt
durch GIZ
INERATEC (Projektentwickler und
Technologieanbieter)
PPP mit K-UTEC
(H2Uppp)
Private Unternehmen, unterstützt
durch GIZ
K-UTEC (Dienstleister)
Projekt Akteure Rolle des Unternehmens im Projekt
PPP mit ANGH (H2Uppp) Private Unternehmen, unterstützt
durch GIZ
NORDEX (Technologiepartner und
Windturbinen-Anbieter)
Förderbescheid Haru Oni Siemens, HIF Global und Porsche Siemens (Projektierer und
Technologielieferant), HIF Global (Eigentümer),
Porsche (Abnehmer)
Verbundvorhaben Power-to-
MEMDE-FuE:
Begleitforschung zum großskaligen
Aufbau der Produktion von
grünem Methanol und DME
Fraunhofer-Institut für
Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik
(IEE), Fraunhofer-Institut für
Keramische Technologien und
Systeme (IKTS), FiBS RILLL
Research Institute on Lifelong
Learning gGmbH, Fraunhofer-Institut
für Mikrotechnik und
Mikrosysteme (IMM), Rheinisch-Westfälische
Technische Hochschule Aachen,
Fraunhofer-Institut für Solare
Energiesysteme (ISE), Fraunhofer-
Institut für Silicatforschung (ISC),
Fraunhofer-Institut für Angewandte
Polymerforschung (IAP)
Siehe Akteure – Beteiligte
Forschungsinstitute
5. Haben bereits Projekte in Uruguay, Kolumbien und Chile einen Zuschlag
von H2Global erhalten?
Bisher haben Projekte in Uruguay, Kolumbien und Chile keinen Zuschlag von
H2Global erhalten.
6. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung Uruguay, Kolumbien und
Chile im Rahmen ihrer Energiepartnerschaften und Wasserstoffstrategie
bei?
7. Welche langfristige Rolle misst die Bundesregierung dem jeweiligen
Land als Exporteur von grünem Wasserstoff bei?
Die Fragen 6 und 7 werden gemeinsam beantwortet.
Als Lieferanten von Wasserstoff und seinen Derivaten kommen grundsätzlich
eine Vielzahl an Ländern mit gutem Erzeugungspotenzial (z. B. zuverlässige
Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energien) in Frage. Dies erleichtert
den Aufbau eines diversifizierten Importportfolios. Für Exporteure fossiler
Energieträger bieten sich zudem Chancen, durch eine Umstellung der
Lieferbeziehungen den Zukunftsmarkt Wasserstoff zu erschließen. Bestehende wie neue
Klima- und Energiepartnerschaften können Wasserstoffimportvorhaben stärken
und die Handelsbeziehungen zu beiderseitigem Nutzen vertiefen. Darüber
hinaus kann die Zusammenarbeit beim Zukunftsthema Wasserstoff einen
Mehrwert für die bilateralen Beziehungen zu vielen Ländern bringen.
8. Da an dem GIZ GmbH-Förderprogramm (GIZ = Deutsche Gesellschaft
für Internationale Zusammenarbeit) H2Uppp zahlreiche deutsche
Unternehmen beteiligt sind und es das „Netzwerk der Akteure – H2Uppp“
auch in Uruguay gibt (uruguay.ahk.de/de/berufsbildung/translate-to-deut
sch-energia-medio-ambiente/translate-to-deutsch-hidrogeno), welche
Unternehmen, Organisationen und Plattformen in Uruguay erhalten
Unterstützung aus diesem Förderprogramm (bitte nach Namen, Art und
finanziellem Umfang der Unterstützung aufschlüsseln)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und auf die Antwort zu
Frage 1 verwiesen. In Uruguay werden bisher keine direkten
Kooperationsprojekte (PPP-Projekte) mit Unternehmen umgesetzt. Im Rahmen des vom BMWE
beauftragten Programms H2Uppp wurde die Deutsch-Uruguayische Industrie-
und Handelskammer in Montevideo (AHK) beauftragt, mögliche Projekte zu
identifizieren und Unternehmen zu Opportunitäten im Wasserstoffbereich in
Uruguay, in Lateinamerika insgesamt sowie in Deutschland und Europa zu
informieren. Hierzu wurden der AHK in Phase 1 von H2Uppp bis zu 98 000 Euro
als Förderung, und in Phase 2 bis zu 70 000 Euro als Auftrag zur Verfügung
gestellt.
9. Da das deutsche Unternehmen Enertrag eine
Wasserstoffproduktionsanlage in Tambores, Tacuarembó in Uruguay plant, welche Kenntnisse hat
die Bundesregierung über den Stand des Projekts und die von der
uruguayischen Tageszeitung „El Telégrafo“ aus Paysandú beschriebenen
Beteiligungen von Enertrag an einem geplanten Solarpark in Paysandú (www.
eltelegrafo.com/2025/02/movimientos-de-paysandu-y-colon-se-expresa
n-en-contra-de-la-ubicacion-del-proyecto-de-hidrogeno/)?
Enertrag ist nicht an dem Projekt beteiligt und plant auch nicht, einen Solarpark
dort zu errichten. Das Unternehmen hatte lediglich an der ersten
Ausschreibungsrunde in Paysandú teilgenommen. Der Bundesregierung liegen im
Übrigen keine über den zitierten Artikel hinausgehenden Informationen vor.
10. Hat das in der Frage 9 angesprochene geplante Solarparkprojekt in
Paysandú oder eine Vorstufe davon Unterstützung durch die
Bundesregierung oder durch eine von ihr beauftragte Institution erhalten, und wenn
ja, worin bestand diese Unterstützung?
Nein. Das Projekt hat keine Unterstützung durch die Bundesregierung oder von
ihr beauftragte Institutionen erhalten.
11. Da für das in dem Raffinerieprojekt des Unternehmens HIF Global
produzierte E-Methanol als Abnehmer auch das deutsche Unternehmen
Porsche genannt wird, hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob und
inwieweit deutsche Unternehmen an dem HIF Global-Raffinerieprojekt in
Paysandú beteiligt sind?
Der Bundesregierung liegen folgende Informationen über Beteiligungen
weiterer deutscher Unternehmen als HIF Global an dem Raffinerieprojekt in
Paysandú vor:
Die Porsche AG, Partner von HIF Global, unterstützt das Projekt im Rahmen
seiner Investition von 75 Mio. US-Dollar in HIF Global: Nach eigenen
Angaben hat HIF Global 2023 die staatliche Ausschreibung von biogenem CO2
gewonnen. Uruguay sei das erste Land weltweit, dass biogenes CO2 für die
Produktion von E-Fuels ausgeschrieben hat, die in DEU dringend benötigt
werden. Dazu hat HIF mit Alcoholes del Uruguay („ALUR“), einem Unternehmen
der staatlichen ANCAP-Gruppe, eine Umsetzungsvereinbarung unterzeichnet,
die die Zusammenarbeit zwischen der künftigen E-Fuels-Anlage von HIF und
der nahe gelegenen Biokraftstoffanlage von ALUR festlegt.
Das Projekt soll jährlich 700 000 Tonnen strombasiertes e-Methanol
produzieren. Dafür sollen 900 000 Tonnen biogenes CO2 pro Jahr genutzt werden, von
denen etwa 150 000 t von ALUR stammen werden. Investitionsvolumen für
Entwicklung und Bau der Anlage sind ca. 6 Mrd. US-Dollar.
12. Ist der Bundesregierung bekannt, ob dieses HIF Global-Raffinerieprojekt
in Paysandú Fördergelder aus Deutschland oder EU-Fördermittel erhält
oder erhalten hat, und wenn ja, bitte die konkrete Fördersumme, das
entsprechende Förderprogramm sowie die Projektlaufzeit benennen?
Das Projekt in Paysandú hat keine Förderung aus Deutschland erhalten. Es
wird hinsichtlich Fördergeldern aus Deutschland auf die Antwort zu Frage 1
verwiesen. Der Bundesregierung liegen keine Informationen über eine
Förderung des Projekts durch die EU vor.
13. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob vorbereitende Studien der
geförderten Projekte gemäß Nachhaltigkeitsrichtlinien nach international
akzeptierten Umwelt- und Sozialstandards sowie im Einklang mit den
Leitlinien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) durchgeführt wurden?
a) Wenn derartige Studien erstellt wurden, welche möglichen sozialen,
ökologischen und menschenrechtlichen Zielkonflikte wurden bei den
Projekten in Uruguay festgestellt?
b) Welche Maßnahmen wurden vorgeschlagen, um diesen
Zielkonflikten zu begegnen?
Die Fragen 13 bis 13b werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung versteht die Frage dahingehend, dass die Fragesteller um
Auskunft bitten, ob eine Förderung von Projekten durch die Bundesregierung
eine Prüfung von Umwelt- und Sozialstandards nach international anerkannten
Umwelt- und Sozialstandards durchgeführt wird.
Für alle Förderinstrumente der Bundesregierung für Wasserstoffprojekte gilt:
Ein positive Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung (USVP) ist
Voraussetzung für die Auszahlung der Zuwendung.
Bei Projekten der FRL int. H2 ist die USVP-Prüfung gemäß dem
Zuwendungsbescheid Voraussetzung für die Auszahlung der Zuwendung. Für das Projekt
H2U wird beispielsweise aktuell eine Umweltverträglichkeitsprüfung
durchgeführt. Diese ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Etwaige (Zwischen-)
Ergebnisse sind dem BMWE nicht bekannt.
Im Rahmen von H2Uppp müssen alle PPP-Projekte mit dem eingereichten
Vollantrag auch die Nachhaltigkeits-Checkliste (vom PtX-Hub erarbeitet)
einreichen, die systematisch mögliche negative Auswirkungen abfragt und hierfür
sensibilisiert.
Zu den Ländern im Einzelnen:
Uruguay:
Es sind keine Studien in Bezug auf geförderte Projekte bekannt.
Chile:
Für das geförderte Projekt Haru Oni in Chile hat der Zuwendungsempfänger
bestätigt, dass alle gesetzlich erforderlichen Umwelt- und
Sozialverträglichkeitsprüfverfahren (inklusive der Konsultationsphasen) vorschriftsgemäß
durchgeführt und mit einer entsprechenden Genehmigung abgeschlossen
wurden.
Für die übrigen geförderten Projekte in Chile sind der Bundesregierung (bisher)
keine spezifischen Studien zu den Nachhaltigkeitsaspekten bekannt.
Kolumbien:
Es sind keine Studien zu Nachhaltigkeitsaspekten in Bezug auf das geförderte
Projekt von Viridi bekannt.
14. Hat die Bundesregierung Kenntnis über bestehende oder potenzielle
Konflikte mit der lokalen Bevölkerung im Zusammenhang mit den
geförderten Projekten in Uruguay?
a) Wenn ja, welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen,
dass die Interessen der betroffenen Gemeinschaften gewahrt bleiben?
b) Wenn ja, hat die Bundesregierung Auflagen für die Förderung
verfügt, um möglichen Problemen wie den Umweltauswirkungen auf
Grundwasser und der mangelnden Verfügbarkeit von Fachkräften bei
der grünen Wasserstoffproduktion in Uruguay entgegenzuwirken?
Die Fragen 14 bis 14b werden gemeinsam beantwortet.
Bei dem Pilotprojekt von H2U in Uruguay sind der Bundesregierung keine
Konflikte mit der lokalen Bevölkerung bekannt. Die Förderung wird Ende Juni
2025 auslaufen, da das Projekt mittelfristig nicht weiter umgesetzt werden
kann. Vergleiche im Übrigen die Antwort zu Frage 13.
15. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, dass, wie die in London
ansässige gemeinnützige Umweltorganisation Dialogue Earth schreibt,
mehrere Einwohnerinnen und Einwohner von Tambores eine Klage beim
uruguayischen Verfassungsgericht gegen das Projekt Tambores aufgrund
unzureichender und verspäteter Kommunikation der Projektleitung
eingereicht haben (dialogue.earth/es/agua/374197-el-norte-uruguayo-defien
de-su-agua-ante-el-auge-del-hidrogeno-verde/)?
Die Projektbetreiber informieren die Bundesregierung hierzu regelmäßig. Die
Klage richtet sich nicht gegen das Projekt selbst, sondern gegen eine
Entscheidung der lokalen Regierung, die eine Änderung des Nutzungsplans und damit
den Bau in diesem Gebiet erlaubt. Dies steht nicht mit den zahlreichen anderen
Genehmigungen im Zusammenhang, die das Projekt benötigt.
16. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass die
Interessen der betroffenen Gemeinschaften bei dem angesprochenen Projekt
Tambores gewahrt bleiben?
Auf die Antworten zu den Fragen 1 und 13 wird verwiesen. Das Projekt wird
nicht über das BMWE durch die FRL int. H2, H2Uppp oder H2Global
gefördert. Dementsprechend stehen der Bundesregierung auch keine besonderen
Instrumente zur Durchsetzung von Interessen betroffener Gemeinschaften zur
Verfügung.
17. Wurden im Rahmen der deutsch-kolumbianischen Energiepartnerschaft
Fördermittel für grüne Wasserstoffprojekte bewilligt, und wenn ja, bitte
Umfang, Art der Förderung (z. B. Studien, Pilotprojekte), Begünstigte
sowie Projektlaufzeit benennen?
Nein, siehe die Vorbemerkung der Bundesregierung. Es wurden in Bezug auf
Kolumbien nur Mittel im Rahmen der genannten Förderinstrumente bewilligt.
18. Welche Machbarkeitsstudien zu grünem Wasserstoff wurden in
Kolumbien im Rahmen der bilateralen Energiepartnerschaft mit Deutschland
durchgeführt (bitte konkrete Projekte, Projektpartner, Fördersummen,
entsprechendes Förderprogramm sowie Projektlaufzeit nennen)?
Es wurden im Rahmen der bilateralen Energiepartnerschaften keine solchen
Studien durchgeführt.
19. Wie gestaltet sich die Unterstützung des H2Uppp-Programms für das
AkuaippaHy-Projekt in La Guajira in Kolumbien (ptx-hub.org/wp-conte
nt/uploads/2025/04/INTERNAL_04.2025_GIZ_H2Uppp_Factsheet_Aku
aippaHy_VIRIDI.pdf; bitte nach der Art der Unterstützung, dem
finanziellen Umfang sowie dem Zeitrahmen der Fördermaßnahmen
aufschlüsseln)?
Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt zwischen Viridi RE und der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im
Rahmen von H2Uppp (durch das BMWE beauftragt), in dem durch die Viridi RE
und die GIZ Maßnahmen zum lokalen Kapazitätsaufbau und
Vormachbarkeitsstudien einschließlich Analysen zu potenziellen Umwelt- und sozialen
Auswirkungen für die Produktion von e-Methanol in netzfernen Anlagen in La Guajira
erstellt werden. Das AkuaippaHy-Projekt wird dazu als Beispielprojekt genutzt.
Das Kooperationsprojekt hat ein Projektvolumen von 500 000 Euro, davon
erbringt ViridiRE als privater Partner Leistungen in Höhe von 60 Prozent (bis zu
300 000 Euro) und die GIZ im Rahmen von H2Uppp als öffentlichen Beitrag
Leistungen in Höhe von 40 Prozent (bis zu 200 000 Euro). Die Maßnahmen
sollen von November 2024 bis September 2026 umgesetzt werden.
20. Welche Studien zu sozialen und ökologischen Risiken, insbesondere im
Hinblick auf indigene Gemeinschaften und die Wasserverfügbarkeit in
La Guajira, sind der Bundesregierung bekannt?
Die Bundesregierung versteht die Frage dahingehend, dass sie auf die Kenntnis
von Studien zu sozialen und ökologischen Risiken von konkreten
Wasserstoffprojekten im Hinblick auf indigene Gemeinschaften und die
Wasserverfügbarkeit in La Guajira gerichtet ist.
Der Bundesregierung sind zahlreiche Studien bekannt, die sich mit dem Thema
Wasserstoff in der Region La Guajira befassen. Die meisten davon beinhalten
Analysen zu sozialen und ökologischen Folgen. Neben den Studien
kolumbianischer Universitäten, Wirtschaftsverbände und zivilgesellschaftlicher Akteure
können exemplarisch auch die Studien des Fraunhofer-Instituts (www.ise.fraun
hofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/power-to-x-kolumbien.html) und
Studien der Heinrich-Böll Stiftung genannt werden, insbesondere die Studie
„Por el mar y la tierra guajiros, vuela el viento Wayuu“ von Joanna Barney,
Herausgeber Heinrich-Böll-Stiftung, November 2023 (https://co.boell.org/sites/
default/files/2023-02/hb-hidrogeno-digital-1.pdf). Eine umfassende Auflistung
aller Studien ist nicht möglich.
21. Da Ecopetrol unter anderem Kooperationen mit deutschen Unternehmen
wie Siemens eingegangen ist und die Region um Cartagena im
deutschkolumbianischen Wasserstoff-Memorandum als strategisch bedeutsam
hervorgehoben wird, welche konkreten Kooperationen,
Absichtserklärungen oder Investitionen deutscher Unternehmen oder Organisationen
bestehen derzeit im Zusammenhang mit dem Wasserstoffprojekt
Ecopetrols in Cartagena (www.minenergia.gov.co/es/sala-de-prensa/
noticiasindex/ecopetrol-acelera-su-transici%C3%B3n-energ%C3%A9tica-con-u
na-nueva-planta-de-hidr%C3%B3geno-a-partir-de-electr%C3%B3lisis-e
n-cartagena/)?
Der Bundesregierung sind derzeit keine konkreten Kooperationen,
Absichtserklärungen oder Investitionen deutscher Unternehmen oder Organisationen im
Zusammenhang mit dem von Ecopetrol verfolgten Wasserstoffprojekt in
Cartagena bekannt.
22. Erhalten Projekte für grünen Wasserstoff in Chile Fördermittel aus
deutschen oder EU-Programmen wie H2Global oder dem Internationalen
Klimaschutzfonds, und wenn ja, bitte Projektnamen, beteiligte Firmen,
Fördersumme und das entsprechende Förderprogramm sowie den
Zeitrahmen nennen?
a) Liegen der Bundesregierung Informationen über Konflikte mit
lokalen Gemeinden oder Umweltbedenken bei den geförderten Projekten
in Chile vor?
b) Wenn ja, welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen,
dass die Interessen der betroffenen Gemeinschaften gewahrt bleiben?
Die Fragen 22 bis 22b werden gemeinsam beantwortet.
Das BMWE fördert aktuell über die Fördermaßnahmen H2Global und die FRL
int. H2 kein Projekt in Chile. Eine Einzelförderung des BMWE (zu diesem
Zeitpunkt bestanden noch keine Förderprogramme) erhielt zwischen 2020 und
2023 Siemens Energy für das Projekt Haru Oni in Chile mit 8,2 Mio. Euro.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über eine Förderung von
Projekten durch die EU vor.
Der Bundesregierung sind keine Konflikte mit lokalen Gemeinden oder
Umweltbedenken bei dem bereits abgeschlossenen deutsch-US-chilenischen
Projekt Haru Oni oder den PPP-Projekten im Rahmen von H2Uppp bekannt.
In Chile gibt es vor jeder neuen Investition eine sehr strenge umfangreiche
Umweltverträglichkeitsprüfung, in die auch die lokalen Gemeinden einbezogen
werden. Dies gilt auch für das Projekt Haru Oni an der Magellan-Straße, eine
Pilotanlage zur Erzeugung von grünem Kraftstoff aus Wasserstoffbasis aus
Windenergie. Führend beteiligt ist Siemens Energy (über die Ausgründung
HIF) sowie Porsche. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie finanziell gefördert. Zusätzlich zur erfolgten
Umweltverträglichkeitsprüfung stehen die Betreiber von HIF nach eigenen Angaben in
konstantem engem Austausch mit der lokalen Bevölkerung, um transparent über das
Projekt aufzuklären.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
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