Ausbau strategischer Halbleitertechnologien durch chinesische Unternehmen in Dresden
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Ausbau strategischer Halbleitertechnologien durch chinesische Unternehmen in Dresden
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7873
21. Wahlperiode 07.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Dr. Michael
Kaufmann, Thomas Ladzinski und der Fraktion der AfD
Ausbau strategischer Halbleitertechnologien durch chinesische Unternehmen in
Dresden
Das chinesische Unternehmen Anker Innovations plant die Entwicklung und
Produktion des KI-Chips „Thus“ am Standort Dresden (www.n-tv.de/technik/A
nker-stellt-in-Dresden-neuartigen-KI-Chip-THUS-her-id30767262.html). Der
Chip ist nach bisherigen Angaben für den Einsatz in KI-gestützten Endgeräten
der Unterhaltungselektronik vorgesehen und soll insbesondere eine
energieeffiziente Verarbeitung von Anwendungen der KI direkt auf dem Endgerät
ermöglichen (www.n-tv.de/technik/Anker-stellt-in-Dresden-neuartigen-KI-Chip-THU
S-her-id30767262.html). Mit dem Standort Dresden betrifft das Vorhaben eines
der bedeutendsten Zentren der Halbleiterindustrie in Deutschland, welches über
umfangreiche industrielle, technologische und wissenschaftliche Kapazitäten
im Bereich der Mikroelektronik verfügt (https://silicon-saxony.de/kompetenze
n/halbleiter/).
Halbleiter- und KI-Anwendungen zählen weltweit zu den zentralen Zukunfts-
und Schlüsseltechnologien. Sie bilden die Grundlage zahlreicher industrieller
Wertschöpfungsketten und sind von zentraler Bedeutung für Digitalisierung,
industrielle Produktion, Kommunikationsinfrastruktur, Automatisierung sowie
zahlreicher weitere Zukunftstechnologien. Dadurch hat die Bedeutung
technologischer Souveränität und resilienter Liefer- und Produktionsstrukturen in den
vergangenen Jahren erheblich zugenommen, während sich gleichzeitig der
internationale Wettbewerb um technologische Führungspositionen sowie
industrielle Schlüsselkapazitäten deutlich verschärft hat.
Vor diesem Hintergrund betont die Bundesregierung im Rahmen ihrer China-
Strategie die Notwendigkeit, strategische Abhängigkeiten in kritischen
Technologien zu reduzieren, Risiken einseitiger wirtschaftlicher Verflechtungen zu
begrenzen sowie die technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit
Deutschlands zu stärken (www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/2608578/81
0fdade376b1467f20bdb697b2acd58/china-strategie-data.pdf). Gleichzeitig
entsteht ein erheblicher Widerspruch zwischen den strategischen Zielsetzungen
der Bundesregierung und der tatsächlichen Entwicklung im Bereich der
Halbleiter- und KI-Technologien. Während die Bundesregierung die
Verringerung von Abhängigkeiten sowie die Stärkung der deutschen
Wettbewerbsfähigkeit als zentrale Zielsetzung formuliert, stützt sich der Ausbau strategisch
relevanter Hochtechnologie- und Halbleiterkapazitäten in Deutschland zunehmend
auf Investitionen und Beteiligungen ausländischer Unternehmen.
Gleichzeitig stehen deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb
weiterhin vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Dies betrifft
insbesondere gegenwärtige Standortnachteile wie hohe Energie- und Produktionskosten,
langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Defizite bei
Finanzierung, Skalierung und dem Aufbau eigener technologischer
Produktionskapazitäten. Während andere Staaten ihre Halbleiter- und KI-Industrien gezielt
durch umfangreiche industriepolitische Maßnahmen sowie staatliche
Investitionsprogramme stärken, gelingt der wettbewerbsfähige Ausbau deutscher
Unternehmen im Bereich strategischer Schlüsseltechnologien bislang nur
eingeschränkt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die geplante Fertigung
des KI-Chips „Thus“ des Unternehmens Anker Innovations am Standort
Dresden, insbesondere hinsichtlich beteiligter Unternehmen, geplanter
Produktionskapazitäten, Investitionsvolumen sowie vorgesehener
Anwendungsbereiche?
2. Welche direkten oder indirekten Förderungen, steuerlichen
Vergünstigungen oder sonstige Unterstützungsleistungen des Bundes, der Europäischen
Union oder nach Kenntnis der Bundesregierung des Freistaates Sachsen
wurden oder werden im Zusammenhang mit dem Projekt gewährt, und
welche Bedingungen sind damit verbunden?
3. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Eigentümer- und
Beteiligungsstruktur von Anker Innovations sowie mögliche Verbindungen
des Unternehmens zu staatlichen Stellen der Volksrepublik China vor, und
welche sicherheits- beziehungsweise wirtschaftspolitischen Risiken sieht
die Bundesregierung im Zusammenhang mit der Ansiedlung und
Produktion chinesischer KI-Halbleitertechnologie in Deutschland?
4. Inwieweit wurde oder wird das Vorhaben durch Bundesbehörden
insbesondere im Hinblick auf Investitionskontrolle, Technologieabfluss,
Cybersicherheitsrisiken sowie mögliche Dual-Use-Eigenschaften der Technologie
geprüft, und welche Stellen waren beziehungsweise sind hierbei beteiligt?
5. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Ansiedlung des Projekts
für die Entwicklung des Halbleiterstandorts Dresden sowie für die deutsche
Halbleiterindustrie bei, insbesondere im Hinblick auf technologische
Souveränität, Versorgungssicherheit und die Verringerung strategischer
Abhängigkeiten?
6. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung in den vergangenen fünf
Jahren ergriffen, um gezielt deutsche Unternehmen bei der Entwicklung und
Produktion moderner KI- und Hochleistungshalbleiter zu unterstützen, und
wie bewertet die Bundesregierung die Wirksamkeit dieser Maßnahmen?
7. Inwieweit sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund ihrer
sogenannten „De-Risking“-Strategie (www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/2608
578/810fdade376b1467f20bdb697b2acd58/china-strategie-data.pdf)
gegenüber der Volksrepublik China einen Widerspruch zwischen dem Ziel der
Verringerung strategischer Abhängigkeiten und der Beteiligung
chinesischer Unternehmen an strategisch relevanten Halbleiter- und KI-Projekten
in Deutschland?
8. Welche weiteren Maßnahmen plant die Bundesregierung, um strategische
Abhängigkeiten im Bereich der Halbleiter- sowie KI-Technologien zu
reduzieren und die Entwicklung, Produktion sowie Wettbewerbsfähigkeit
deutscher Hersteller gezielt zu fördern?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Wettbewerbsbedingungen deutscher
Halbleiterunternehmen im Vergleich zu ausländischen Konzernen,
insbesondere im Hinblick auf Energiepreise, regulatorische Anforderungen,
staatliche Förderungen sowie Finanzierungsmöglichkeiten?
Berlin, den 3. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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