Hochleistungsrechnen als Schlüsseltechnologie - Konsequenzen aus Chinas Spitzenposition für die deutsche Forschungs- und Sicherheitsarchitektur
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Hochleistungsrechnen als Schlüsseltechnologie - Konsequenzen aus Chinas Spitzenposition für die deutsche Forschungs- und Sicherheitsarchitektur
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7851
21. Wahlperiode 07.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Dr. Michael
Kaufmann, Micha Fehre, Beatrix von Storch, Ronald Gläser, Peter Bohnhof,
Thomas Ladzinski, Tobias Teich, Uwe Schulz, Stefan Keuter, Dr. Anna Rathert,
Dr. Malte Kaufmann, Dr. Alexander Gauland, Udo Theodor Hemmelgarn,
Dr. Rainer Rothfuß und der Fraktion der AfD
Hochleistungsrechnen als Schlüsseltechnologie – Konsequenzen aus Chinas
Spitzenposition für die deutsche Forschungs- und Sicherheitsarchitektur
Hochleistungsrechnen (High-Performance Computing [HPC]) ist ein zentraler
Pfeiler für den wissenschaftlichen Fortschritt und die technologische
Innovationsfähigkeit eines modernen Staates. Die Leistungsfähigkeit nationaler
Supercomputing-Infrastrukturen entscheidet heute maßgeblich über die digitale
Souveränität sowie die Wettbewerbsfähigkeit in strategischen
Schlüsselbereichen wie der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Simulation komplexer
industrieller Prozesse. Zudem bildet HPC die technische Grundlage für die
Entwicklung hochsicherer kryptografischer Verfahren, die für den Schutz staatlicher
Kommunikation und kritischer Infrastrukturen vor künftigen technologischen
Bedrohungen, zum Beispiel durch Quantencomputer, unverzichtbar sind.
Die aktuelle Weltrangliste der Supercomputer dokumentiert seit der
Jahrtausendwende eine signifikante Verschiebung der technologischen
Kräfteverhältnisse. Nach den vorliegenden Erkenntnissen hat die Volksrepublik China mit
einem System, das eine Rechenleistung von 2,198 Exaflops erzielt, die
Spitzenposition übernommen und damit die Exascale-Grenze deutlich überschritten
(https://de.euronews.com/next/2026/06/24/schnellster-supercomputer-der-welt-
steht-in-china-und-ubertrifft-usa-und-deutschland). Dieser technologische
Vorsprung unterstreicht die globale Dynamik in einem Bereich, der als kritische
technologische Infrastruktur gilt und unter Gesichtspunkten wie Wirtschaft,
Innovation sowie nationale Sicherheit hoch relevant ist. Während Deutschland
mit dem Supercomputer JUPITER im Forschungszentrum Jülich derzeit den
fünften Platz der Weltrangliste belegt und die 1‑Exascale-Marke erreicht hat,
verfügt das führende chinesische System bereits über mehr als die doppelte
Rechenkapazität (https://de.euronews.com/next/2026/06/24/schnellster-supercomp
uter-der-welt-steht-in-china-und-ubertrifft-usa-und-deutschland; www.fz-juelic
h.de/de/jupiter).
Die Vormachtstellung Chinas in diesem Bereich wirft grundlegende Fragen zur
strategischen Autonomie Europas auf. Wenn die technologische Führerschaft
bei der Rechenkapazität massiv in Richtung autoritärer Akteure abwandert,
besteht das Risiko, dass Europa nicht nur bei der KI‑Entwicklung, sondern auch
bei der digitalen Sicherheit und der technologischen Gestaltung künftiger
Standards in Abhängigkeiten gerät. Dabei geht es nicht nur um die reine
Rechenleistung, sondern auch um den Zugriff auf Hardware-Architekturen,
Betriebssysteme und Software-Stacks, die den Kern der digitalen Wertschöpfung
bilden.
Vor diesem Hintergrund besteht ein erhebliches parlamentarisches
Informationsbedürfnis darüber, wie die Bundesregierung die aktuelle Verschiebung in
der Weltrangliste bewertet, inwieweit sie das deutsche HPC-Modell für
zukunftsfähig hält und welche sicherheitspolitischen Konsequenzen sie aus der
chinesischen Führungsposition für die digitale Souveränität Deutschlands zieht.
Es ist zu prüfen, ob die bisherige Strategie der Bundesregierung ausreicht, um
im internationalen Wettbewerb der Supermächte technologisch Schritt zu halten
oder ob es einer Kurskorrektur bei der staatlichen Forschungsförderung und der
IT-Infrastrukturplanung bedarf.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass die Volksrepublik
China mit einem System, welches eine Rechenleistung von
2,198 Exaflops erzielt, derzeit den ersten Platz der Weltrangliste
einnimmt, während das deutsche Spitzenmodell JUPITER den fünften Platz
belegt?
2. Sieht die Bundesregierung in der massiven Überlegenheit der
chinesischen Rechenkapazitäten eine Gefährdung für die digitale Souveränität
Deutschlands sowie Europas, wenn ja, welche, und wenn nein, aus
welchen Gründen nicht?
3. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die beim chinesischen
Spitzen-System eingesetzte Hardware-Architektur, und inwieweit basieren
diese, nach Einschätzung der Bundesregierung, auf nationalen
chinesischen Eigenentwicklungen beziehungsweise in welchem Umfang auf
europäischer oder deutscher Technologie?
4. Sieht die Bundesregierung durch die chinesische Führungsposition im
Bereich der Exascale-Rechner eine Gefahr für die Sicherheit aktueller
deutscher Verschlüsselungsverfahren, insbesondere mit Blick auf die Fähigkeit
zur Entschlüsselung staatlicher Kommunikation oder auf den Schutz
kritischer Infrastrukturen?
5. Welche Risiken sieht die Bundesregierung für die deutsche Industrie,
wenn chinesische Wettbewerber durch überlegene HPC-Kapazitäten
deutlich schnellere Simulations- und Entwicklungszyklen realisieren können?
6. Ist die Bundesregierung angesichts der aktuellen Weltrangliste weiterhin
mit der Leistungsfähigkeit, dem Ausbautempo und der strategischen
Ausrichtung des deutschen Modells JUPITER zufrieden?
7. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die
technologische Lücke zwischen den deutschen Systemen und der chinesischen
Weltspitze in den kommenden drei Jahren signifikant zu verringern?
8. Wie hoch war die Gesamtförderung des Bundes für den Bereich
Hochleistungsrechnen in den Jahren 2023, 2024 und 2025, und welche
Steigerungen sind für die kommenden Haushaltsjahre geplant?
9. Inwieweit ist das deutsche Modell JUPITER nach Ansicht der
Bundesregierung ausreichend flexibel, um auf die rasanten technologischen
Sprünge im Bereich KI-optimierter Hardware zu reagieren?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die Abhängigkeit deutscher
Supercomputer von US-amerikanischer Hardware (z. B. Prozessoren und Graphics
Processing Units [GPUs] von NVIDIA, AMD oder Intel)?
11. Welche Bestrebungen verfolgt die Bundesregierung, um die Entwicklung
europäischer Hochleistungsprozessoren (z. B. im Rahmen der European
Processor Initiative [EPI]) zu beschleunigen und die Abhängigkeit von
außereuropäischen Lieferketten, insbesondere Taiwan und den USA, zu
reduzieren?
12. Inwieweit sieht die Bundesregierung die Gefahr, dass China durch
Exportbeschränkungen oder den gezielten Aufkauf von Schlüsseltechnologien
die europäische HPC-Entwicklung behindern könnte?
13. Welchen Stellenwert hat die HPC-Infrastruktur in der „Digitalstrategie
Deutschland“ für den Zeitraum bis 2030, und welche Etappenziele wurden
für den weiteren Ausbau definiert?
Berlin, den 25 August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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