Protokoll der 74. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
196 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
- Rede von Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Enrico Komning (AfD) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Armand Zorn (SPD) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Janine Wissler (DIE LINKE) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Wilhelm Gebhard (CDU/CSU) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Mathias Weiser (AfD) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Sebastian Roloff (SPD) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Günter Baumgartner (CDU/CSU) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Bernd Schattner (AfD) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) – Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
- Rede von Marc Bernhard (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Detlef Seif (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Detlef Seif (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Marc Bernhard (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Detlef Seif (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Hakan Demir (SPD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Caren Lay (DIE LINKE) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Caren Lay (DIE LINKE) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Siegfried Walch (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Dr. Paul Schmidt (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Dr. Paul Schmidt (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Dr. Paul Schmidt (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Siegfried Walch (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Tobias Matthias Peterka (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Hendrik Bollmann (SPD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Clara Bünger (DIE LINKE) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Tobias Matthias Peterka (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Bastian Treuheit (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Mayra Vriesema (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Ulrich von Zons (AfD) – Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
- Rede von Vanessa Zobel (CDU/CSU) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Leif-Erik Holm (AfD) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Dunja Kreiser (SPD) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Jörg Cezanne (DIE LINKE) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Dr. Christoph Ploß (CDU/CSU) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Enrico Komning (AfD) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Johann Saathoff (SPD) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Johann Saathoff (SPD) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Alexis L. Giersch (AfD) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Anne Janssen (CDU/CSU) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Bastian Ernst (CDU/CSU) – Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
- Rede von Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Susanne Hierl (CDU/CSU) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Knuth Meyer-Soltau (AfD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Dr. Johannes Fechner (SPD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Dr. Johannes Fechner (SPD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Dr. Johannes Fechner (SPD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Kathrin Gebel (DIE LINKE) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Axel Müller (CDU/CSU) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Axel Müller (CDU/CSU) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Axel Müller (CDU/CSU) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Rainer Galla (AfD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Jasmina Hostert (SPD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Luke Hoß (DIE LINKE) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Tijen Ataoğlu (CDU/CSU) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Fabian Jacobi (AfD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Carmen Wegge (SPD) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Johannes Wiegelmann (CDU/CSU) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Johannes Wiegelmann (CDU/CSU) – … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung …
- Rede von Tino Chrupalla (AfD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Michael Hose (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Michael Hose (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Martin Reichardt (AfD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Martin Reichardt (AfD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Michael Hose (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Felix Döring (SPD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Maik Brückner (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Oliver Pöpsel (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Dr. Götz Frömming (AfD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Martin Reichardt (AfD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Nyke Slawik (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Florian Oest (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Sebastian Maack (AfD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Sebastian Maack (AfD) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
- Rede von Fabian Gramling (CDU/CSU) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Mathias Weiser (AfD) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Daniel Bettermann (SPD) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Katalin Gennburg (DIE LINKE) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Michael Kießling (CDU/CSU) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Erhard Brucker (AfD) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Erhard Brucker (AfD) – Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von …
- Rede von Christian Douglas (AfD) – Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
- Rede von Olav Gutting (CDU/CSU) – Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
- Rede von Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
- Rede von Nadine Heselhaus (SPD) – Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
- Rede von Christian Görke (DIE LINKE) – Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
- Rede von Dr. Florian Dorn (CDU/CSU) – Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
- Rede von Diana Zimmer (AfD) – Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
- Rede von Daniel Rinkert (SPD) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Manuel Krauthausen (AfD) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Benedikt Büdenbender (CDU/CSU) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Dr. Jan-Niclas Gesenhues (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Violetta Bock (DIE LINKE) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Christian Moser (CDU/CSU) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Manuel Krauthausen (AfD) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Manuel Krauthausen (AfD) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Thomas Korell (AfD) – Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
- Rede von Ates Gürpinar (DIE LINKE) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Nora Seitz (CDU/CSU) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Nora Seitz (CDU/CSU) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Ates Gürpinar (DIE LINKE) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Nora Seitz (CDU/CSU) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Martin Sichert (AfD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Tanja Machalet (SPD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Martin Sichert (AfD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Martin Sichert (AfD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Tanja Machalet (SPD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Tanja Machalet (SPD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Ates Gürpinar (DIE LINKE) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Tanja Machalet (SPD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Tanja Machalet (SPD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Martin Sichert (AfD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Tanja Machalet (SPD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Thomas Pauls (CDU/CSU) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Nicole Hess (AfD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Emmi Zeulner (CDU/CSU) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Martin Sichert (AfD) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Emmi Zeulner (CDU/CSU) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Emmi Zeulner (CDU/CSU) – Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
- Rede von Dr. Saskia Ludwig (CDU/CSU) – Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und …
- Rede von Steffen Kotré (AfD) – Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und …
- Rede von Dr. Nina Scheer (SPD) – Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und …
- Rede von Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und …
- Rede von Jörg Cezanne (DIE LINKE) – Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und …
- Rede von Nicklas Kappe (CDU/CSU) – Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und …
- Rede von Raimond Scheirich (AfD) – Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und …
- Rede von Dr. Götz Frömming (AfD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Awet Tesfaiesus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Holger Mann (SPD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Holger Mann (SPD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Clara Bünger (DIE LINKE) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Pascal Reddig (CDU/CSU) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Dr. Götz Frömming (AfD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Pascal Reddig (CDU/CSU) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Martin Erwin Renner (AfD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Martin Rabanus (SPD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Martin Rabanus (SPD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Dr. Götz Frömming (AfD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Martin Rabanus (SPD) – Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
- Rede von Anette Kramme (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz) – Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
- Rede von Thomas Fetsch (AfD) – Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
- Rede von Susanne Hierl (CDU/CSU) – Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
- Rede von Dr. Till Steffen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
- Rede von Aaron Valent (DIE LINKE) – Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
- Rede von Johannes Wiegelmann (CDU/CSU) – Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
- Rede von Dr. David Preisendanz (CDU/CSU) – Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
- Rede von Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Anna Aeikens (CDU/CSU) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Dr. Rainer Kraft (AfD) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Alexander Engelhard (CDU/CSU) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Marcel Queckemeyer (AfD) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Jakob Blankenburg (SPD) – 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
- Rede von Ruben Rupp (AfD) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Joachim Ebmeyer (CDU/CSU) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Rebecca Lenhard (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Parsa Marvi (SPD) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Parsa Marvi (SPD) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Alexander Arpaschi (AfD) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Parsa Marvi (SPD) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Anne-Mieke Bremer (DIE LINKE) – Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Gesetzes zur Änderung des Bundesrechnungshofgesetzes (BRH-Unabhängigkeitsgesetz)
- Rede von Georg Schroeter (AfD) – Gesetzes zur Änderung des Bundesrechnungshofgesetzes (BRH-Unabhängigkeitsgesetz)
- Rede von Jan Metzler (CDU/CSU) – Gesetzes zur Änderung des Bundesrechnungshofgesetzes (BRH-Unabhängigkeitsgesetz)
- Rede von Leon Eckert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Änderung des Bundesrechnungshofgesetzes (BRH-Unabhängigkeitsgesetz)
- Rede von Dr. Dietmar Bartsch (DIE LINKE) – Gesetzes zur Änderung des Bundesrechnungshofgesetzes (BRH-Unabhängigkeitsgesetz)
- Rede von Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) – Gesetzes zur Änderung des Bundesrechnungshofgesetzes (BRH-Unabhängigkeitsgesetz)
Text
Protokoll der 74. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 21/74
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
74. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 23. April 2026
Inhalt:
Wahl des Abgeordneten David Mandrella als Schriftführer
Erweiterung der Tagesordnung
Zusatzpunkt 3:
– Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
Drucksachen 21/1934, 21/5525
– Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 21/5526
Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU)
Enrico Komning (AfD)
Armand Zorn (SPD)
Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU)
Janine Wissler (Die Linke)
Wilhelm Gebhard (CDU/CSU)
Mathias Weiser (AfD)
Sebastian Roloff (SPD)
Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Günter Baumgartner (CDU/CSU)
Bernd Schattner (AfD)
Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD)
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU)
Zusatzpunkt 4:
Antrag der Abgeordneten Marc Bernhard, Carolin Bachmann, Sebastian Münzenmaier, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
Drucksache 21/5485
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 5:
Erste Beratung des von den Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Fabian Jacobi, Peter Bohnhof, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Asylgesetzes (Massenmigrationsbewältigungsgesetz)
Drucksache 21/5476
Marc Bernhard (AfD)
Detlef Seif (CDU/CSU)
Marc Bernhard (AfD)
Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Hakan Demir (SPD)
Caren Lay (Die Linke)
Siegfried Walch (CDU/CSU)
Dr. Paul Schmidt (AfD)
Tobias Matthias Peterka (AfD)
Hendrik Bollmann (SPD)
Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Clara Bünger (Die Linke)
Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU)
Tobias Matthias Peterka (AfD)
Bastian Treuheit (AfD)
Mayra Vriesema (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ulrich von Zons (AfD)
Tagesordnungspunkt 18:
a) Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Deutschlands maritime Wirtschaft stärken – Sicherheit, Resilienz und Innovation vom Hinterland über die Küste bis zur Hohen See
Drucksache 21/5478
b) Antrag der Abgeordneten Claudia Müller, Dr. Konstantin von Notz, Agnieszka Brugger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Bedeutung der maritimen Wirtschaft für ganz Deutschland anerkennen – Maritime Wirtschaft nachhaltig stärken und absichern
Drucksache 21/5491
Vanessa Zobel (CDU/CSU)
Leif-Erik Holm (AfD)
Dunja Kreiser (SPD)
Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jörg Cezanne (Die Linke)
Dr. Christoph Ploß (CDU/CSU)
Enrico Komning (AfD)
Johann Saathoff (SPD)
Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU)
Alexis L. Giersch (AfD)
Anne Janssen (CDU/CSU)
Bastian Ernst (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 8:
Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Lena Gumnior, Ulle Schauws, Helge Limburg, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines … Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Konsensbasiertes Sexualstrafrecht – Verbesserung des Schutzes vor sexueller Misshandlung und Vergewaltigung
Drucksache 21/5480
Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Susanne Hierl (CDU/CSU)
Knuth Meyer-Soltau (AfD)
Dr. Johannes Fechner (SPD)
Kathrin Gebel (Die Linke)
Axel Müller (CDU/CSU)
Rainer Galla (AfD)
Jasmina Hostert (SPD)
Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Luke Hoß (Die Linke)
Tijen Ataoğlu (CDU/CSU)
Fabian Jacobi (AfD)
Carmen Wegge (SPD)
Johannes Wiegelmann (CDU/CSU)
Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tagesordnungspunkt 23:
a) Erste Beratung des von den Abgeordneten Karl Bär, Dr. Zoe Mayer, Dr. Ophelia Nick, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Pflanzenschutzgesetzes
Drucksache 21/5481
b) Antrag der Abgeordneten Jörn König, Thomas Korell, Lars Schieske, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Das Deutsche Sportabzeichen als besondere Auszeichnung im Schulzeugnis integrieren
Drucksache 21/5494
c) Antrag der Abgeordneten Jörn König, Thomas Korell, Lars Schieske, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Den Modernen Fünfkampf im Olympiastützpunkt Brandenburg, Bereich Potsdam, langfristig sichern und die finanzielle Förderung durch den Bund bis einschließlich der Olympischen Spiele 2028 sicherstellen
Drucksache 21/5495
d) Antrag der Abgeordneten Sören Pellmann, Vinzenz Glaser, Desiree Becker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Kuba – Völkerrecht verteidigen, humanitäre Hilfe ermöglichen
Drucksache 21/5496
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 6:
a) Erste Beratung des von den Abgeordneten Stephan Brandner, Alexander Arpaschi, Marc Bernhard, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Ermöglichung des Verzichts auf die Amtsbezüge durch Mitglieder der Bundesregierung und Parlamentarische Staatssekretäre
Drucksache 21/5477
b) Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Bäuerliche Eigentumsstrukturen sichern – Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen wirksam begrenzen
Drucksache 21/5497
c) Antrag der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Bernd Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Transparenz bei Ernährungsempfehlungen an die Verbraucher
Drucksache 21/5498
d) Antrag der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer, Michael Kellner, Dr. Alaa Alhamwi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ausverkauf der Energieinfrastruktur stoppen – Nationale Sicherheit durch ein Investitionsprüfungsgesetz schützen
Drucksache 21/5064
e) Antrag der Abgeordneten Cansu Özdemir, Lea Reisner, Desiree Becker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Frieden im Libanon nachhaltig sichern
Drucksache 21/5499
Tagesordnungspunkt 24:
a) Beratung der Fünften Beschlussempfehlung des Wahlprüfungsausschusses zu Einsprüchen anlässlich der Wahl zum 21. Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025
Drucksache 21/5300
b)–l) Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 223, 224, 225, 226, 227, 228, 229, 230, 231, 232 und 233 zu Petitionen
Drucksachen 21/5353, 21/5354, 21/5355, 21/5356, 21/5357, 21/5358, 21/5359, 21/5360, 21/5361, 21/5362, 21/5363
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 7:
a) Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zu dem Antrag der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Bernd Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Erhalt des Ackerstatus landwirtschaftlicher Flächen rechtssicher gewährleisten, unionsrechtliche Spielräume ausschöpfen und Fehlsteuerungen im Dauergrünlandschutz beseitigen
Drucksachen 21/4945, 21/5436
b) Antrag der Fraktion der AfD: Abberufung eines Mitglieds des Verwaltungsrates der Kreditanstalt für Wiederaufbau gemäß § 7 Absatz 2 Satz 3 des Gesetzes über die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Verbindung mit § 7 Absatz 7 Satz 2 der Satzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau
Drucksache 21/5305
Zusatzpunkt 8:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD: Vorfälle bei einem von der Amadeu Antonio Stiftung geförderten Schulprojekt
Tino Chrupalla (AfD)
Michael Hose (CDU/CSU)
Martin Reichardt (AfD)
Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Felix Döring (SPD)
Maik Brückner (Die Linke)
Oliver Pöpsel (CDU/CSU)
Dr. Götz Frömming (AfD)
Helge Lindh (SPD)
Martin Reichardt (AfD)
Nyke Slawik (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Florian Oest (CDU/CSU)
Sebastian Maack (AfD)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Sebastian Maack (AfD)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 9:
Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von Diskriminierungsverboten der Europäischen Union
Drucksachen 21/3484, 21/5527
Fabian Gramling (CDU/CSU)
Mathias Weiser (AfD)
Daniel Bettermann (SPD)
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Katalin Gennburg (Die Linke)
Michael Kießling (CDU/CSU)
Erhard Brucker (AfD)
Tagesordnungspunkt 10:
Antrag der Abgeordneten Christian Douglas, Diana Zimmer, Kay Gottschalk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Rechts- und Planungssicherheit herstellen – Vermögensteuer abschaffen
Drucksache 21/5486
Christian Douglas (AfD)
Olav Gutting (CDU/CSU)
Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Nadine Heselhaus (SPD)
Christian Görke (Die Linke)
Dr. Florian Dorn (CDU/CSU)
Diana Zimmer (AfD)
Zusatzpunkt 9:
Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote
Drucksachen 21/4083, 21/5530
Daniel Rinkert (SPD)
Manuel Krauthausen (AfD)
Benedikt Büdenbender (CDU/CSU)
Dr. Jan-Niclas Gesenhues (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Violetta Bock (Die Linke)
Christian Moser (CDU/CSU)
Manuel Krauthausen (AfD)
Christian Moser (CDU/CSU)
Thomas Korell (AfD)
Tagesordnungspunkt 12:
Antrag der Abgeordneten Ates Gürpinar, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Krankenversicherte entlasten, nicht belasten
Drucksache 21/5487
Ates Gürpinar (Die Linke)
Nora Seitz (CDU/CSU)
Ates Gürpinar (Die Linke)
Nora Seitz (CDU/CSU)
Martin Sichert (AfD)
Dr. Tanja Machalet (SPD)
Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Tanja Machalet (SPD)
Ates Gürpinar (Die Linke)
Martin Sichert (AfD)
Dr. Tanja Machalet (SPD)
Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Thomas Pauls (CDU/CSU)
Nicole Hess (AfD)
Emmi Zeulner (CDU/CSU)
Martin Sichert (AfD)
Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tagesordnungspunkt 11:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets
Drucksache 21/5440
Dr. Saskia Ludwig (CDU/CSU)
Steffen Kotré (AfD)
Dr. Nina Scheer (SPD)
Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jörg Cezanne (Die Linke)
Nicklas Kappe (CDU/CSU)
Raimond Scheirich (AfD)
Zusatzpunkt 10:
Antrag der Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Martin Erwin Renner, Ronald Gläser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zur Correctiv-Berichterstattung ziehen – Förderung einstellen und Falschbehauptungen entgegenwirken
Drucksache 21/5488
Dr. Götz Frömming (AfD)
Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU)
Awet Tesfaiesus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Holger Mann (SPD)
Clara Bünger (Die Linke)
Pascal Reddig (CDU/CSU)
Dr. Götz Frömming (AfD)
Martin Erwin Renner (AfD)
Martin Rabanus (SPD)
Dr. Götz Frömming (AfD)
Martin Rabanus (SPD)
Zusatzpunkt 16:
Beratung der Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Antrag auf Genehmigung zur Durchführung eines Strafverfahrens
Drucksache 21/5510
Zusatzpunkt 17:
Beratung der Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Antrag auf Genehmigung zur Durchführung eines gerichtlichen Disziplinarverfahrens
Drucksache 21/5511
Tagesordnungspunkt 13:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats
Drucksache 21/5441
Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV
Thomas Fetsch (AfD)
Susanne Hierl (CDU/CSU)
Dr. Till Steffen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Aaron Valent (Die Linke)
Johannes Wiegelmann (CDU/CSU)
Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD)
Dr. David Preisendanz (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 15:
Antrag der Abgeordneten Harald Ebner, Dr. Julia Verlinden, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 40 Jahre Tschernobyl – Atomkraft und ihre Folgen
Drucksache 21/5489
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Anna Aeikens (CDU/CSU)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN
Lorenz Gösta Beutin (Die Linke)
Alexander Engelhard (CDU/CSU)
Marcel Queckemeyer (AfD)
Jakob Blankenburg (SPD)
Tagesordnungspunkt 16:
Antrag der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Mobilfunklücken schließen – Nationale Netzabdeckung für alle Bürger
Drucksache 21/5490
Ruben Rupp (AfD)
Joachim Ebmeyer (CDU/CSU)
Rebecca Lenhard (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Parsa Marvi (SPD)
Alexander Arpaschi (AfD)
Parsa Marvi (SPD)
Anne-Mieke Bremer (Die Linke)
Tagesordnungspunkt 17:
Zweite und dritte Beratung des von den Abgeordneten Dr. Michael Espendiller, Ulrich von Zons, Georg Schroeter, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Bundesrechnungshofgesetzes (BRH-Unabhängigkeitsgesetz)
Drucksachen 21/4454, 21/5523
Helge Lindh (SPD)
Georg Schroeter (AfD)
Jan Metzler (CDU/CSU)
Leon Eckert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke)
Mechthilde Wittmann (CDU/CSU)
Nächste Sitzung
Anlage 1
Entschuldigte Abgeordnete
Anlage 2
Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Caren Lay (Die Linke) zu der Abstimmung über die Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses: Sammelübersicht 229 zu Petitionen, Beschlussempfehlung 2, lfd. Nr. 8 (Mietrecht)
(Tagesordnungspunkt 24h)
Präsidentin Julia Klöckner:
Guten Morgen zusammen! Hiermit eröffne ich die Sitzung.
Es ist die 74. Sitzung des Deutschen Bundestages, und bevor wir in die Tagesordnung eintreten, haben wir eine Wahl durchzuführen. Als Schriftführer soll auf Vorschlag der Fraktion der SPD der Abgeordnete David Mandrella als Nachfolger für die Abgeordnete Annika Klose gewählt werden. Sind Sie damit einverstanden? – Ich sehe, das ist der Fall. Das ist schön, dann ist der Kollege Mandrella gewählt.
Ich rufe jetzt auf den Zusatzpunkt 3:
– Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
Drucksache 21/1934
Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss)
Drucksache 21/5525
– Bericht des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 21/5526
Hierzu liegt ein Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor.
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart. Die Debatte eröffnet der Kollege Dr. Andreas Lenz; er hat heute Geburtstag. Alles Gute zu den jungen Lenzen!
(Beifall)
Bitte sehr.
Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal vielen Dank für die Glückwünsche. Sie freuen mich natürlich sehr. Zunächst einmal ist ja ein Geburtstag immer etwas, was auch mit Zeit zu tun hat: die Zeit, die hinter einem liegt, die Zeit, die noch vor einem liegt. Was wurde erreicht? Was ist noch zu tun? Wie viel Zeit hat man überhaupt noch?
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Nicht viel! Fast gar keine mehr!)
„Begegnen wir der Zeit, –
(Heiterkeit bei der CDU/CSU)
– wie sie uns sucht“, heißt es ja nicht umsonst. Und um die Überleitung auch ins Gelingen zu bringen: Um Zeit geht es auch beim Vergabebeschleunigungsgesetz.
(Heiterkeit bei der CDU/CSU – Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Philosoph!)
Wir werden hier beschleunigen, und zwar im positiven Sinne, meine Damen und Herren.
Wir verabschieden heute das Vergabebeschleunigungsgesetz. Wir vereinfachen und beschleunigen die Vergabeverfahren im Land. Damit werden die Mittel aus dem Sondervermögen schneller abfließen, und zwar nicht nur einfach abfließen, sondern zweckgebunden in Investitionen gehen. Wir sorgen mit dem heutigen Gesetz dafür, dass die Mittel der Kreditaufnahmen auch in Investitionen fließen, dass die Mittel auch tatsächlich – im wahrsten Sinne des Wortes – auf die Straße kommen, in die Infrastruktur gehen, der Modernisierung des Landes zugutekommen.
Wir setzen heute einen Punkt aus dem Koalitionsvertrag um. Die Koalition zeigt Handlungsfähigkeit. Wir sprechen dabei über ein Auftragsvolumen der öffentlichen Hand im insgesamt dreistelligen Milliardenbereich mit einem enormen Hebel für Wachstum und Beschäftigung im Land. Wir stärken die Losbündelungen, wir ermöglichen diese auch aus zeitlichen Gründen. Wir achten aber gleichzeitig auf die Belange des Mittelstandes, des Handwerks. Wir bringen also auch an dieser Stelle die Dinge zusammen.
Wir wollen, dass die Kommunen die neuen Regelungen praktikabel anwenden können. Über die Hälfte der Investitionen der öffentlichen Hand findet eben in den Kommunen statt. Es war uns als Koalitionsfraktionen wichtig, dass diese Regelungen für die Kommunen praktikabel und handhabbar anzuwenden sind, deshalb haben wir das auch in der Entschließung betont.
Jährlich wird sich der Erfüllungsaufwand durch die Vereinfachungen um voraussichtlich 280 Millionen Euro im Jahr reduzieren. Also wohlgemerkt: Einsparungen bei der öffentlichen Hand durch die Vergabe in Höhe von 280 Millionen Euro im Jahr sind ein Erfolg, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir wollen die neuen Regeln kurzfristig evaluieren – schon zum 30.09.2027 –, um die Wirksamkeit auch hier aus dem Parlament heraus noch einmal zu untersuchen und gegebenenfalls nachzusteuern.
Präsidentin Julia Klöckner:
Entschuldigung, ich will ganz kurz unterbrechen. – Fotografen auf der Tribüne dürfen nicht direkt auf die Tische der Abgeordneten und deren Laptops zoomen und anschließend fotografieren; das ist hier untersagt. Ich bitte, das zu respektieren und die Bilder zu löschen! – Entschuldigung, bitte.
Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU):
Wir ermöglichen durch dieses Gesetz die Berücksichtigung von Aspekten der digitalen Souveränität bei Ausschreibungen. Auch das ist ein wichtiger Punkt zur Stärkung der Resilienz im Land. Wir haben hier auch sehr gut mit den Digitalpolitikern zusammengearbeitet. Herzlichen Dank auch hierfür noch einmal!
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, die Verwaltung im Land aufzufordern, die Möglichkeiten, die sich jetzt durch die Vereinfachungen bei den Ausschreibungen ergeben, auch tatsächlich für Beschleunigungen zu nutzen. Helfen Sie mit, das Land schneller zu modernisieren! Wir liefern als Koalition übrigens an einem Punkt, für den die Ampel drei Jahre keine Regelung fand. Wir wollen und wir brauchen die Beschleunigung der Vergaben, damit die Kreditaufnahmen des Bundes zu Investitionen werden, zur Modernisierung führen und damit eben auch Wachstum und Beschäftigung ermöglichen und beschleunigen, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Heute ist also ein guter Tag – nicht nur, weil ich Geburtstag habe, sondern auch für das Land insgesamt. In dem Sinne bitte ich um Zustimmung und bedanke mich ganz herzlich.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke schön auch für die geschenkte Minute. – Jetzt machen wir weiter und gehen über zur AfD-Fraktion: Herr Abgeordneter Enrico Komning.
(Beifall bei der AfD)
Enrico Komning (AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kollegen! Sehr geehrter Herr Kollege Lenz, von der AfD-Fraktion alles Gute zum Geburtstag! Ich hoffe, Sie verleben Ihren Tag heute im Glück und können ihn auch etwas feiern. Aber ich muss Ihnen leider sagen: Dieses Vergabebeschleunigungsgesetz ist kein gutes Geburtstagsgeschenk, was sie Ihnen dort machen wollen.
Aber zunächst das Positive – und das meine ich ausdrücklich so –: Die Beschleunigung und die Vereinfachung von Vergabeverfahren sind für den Wirtschaftsstandort elementar. Weniger Bürokratie, schnellere Entscheidungen, digitale Verfahren – all das ist überfällig. Hier haben Sie uns, die AfD, auch auf Ihrer Seite. Wenn Infrastrukturprojekte nicht mehr Jahre dauern würden, sondern endlich vorankämen, dann wäre das ein echter Fortschritt. Auch die Anhebung von Schwellenwerten und der Abbau von Nachweispflichten gehen in die richtige Richtung. Beschleunigung – ja. Vereinfachung – unbedingt. Das unterstützen wir.
Aber, meine Damen und Herren, Beschleunigungsabsichten dürfen nicht zum Einfallstor für Fehlentwicklungen werden; und genau das passiert hier: Formal halten Sie am Grundsatz der Losvergabe fest – so weit, so gut. In der Praxis aber öffnen Sie Tür und Tor für die Gesamtvergabe weit, sehr weit. „Wirtschaftliche Gründe“, „technische Gründe“ – alles geschenkt. Aber jetzt kommen auch noch „zeitliche Gründe“ als Ausnahme von der Losvergabe hinzu. Und da frage ich Sie: Welches Infrastrukturprojekt steht denn bitte nicht unter Zeitdruck?
Damit wird die Ausnahme zur Regel. Das ist ein Blankoscheck für die Gesamtvergaben. Die Folgen sind: Großaufträge gehen an Großkonzerne. Der Mittelstand, das Handwerk und kleine Unternehmen bleiben bei der Vergabe öffentlicher Aufträge außen vor oder werden eben zu Subunternehmern degradiert.
(Beifall bei der AfD)
Nicht der Handwerksbetrieb vor Ort profitiert, sondern große Anbieter, oft international aufgestellt. Das hat mit fairem Wettbewerb nichts mehr zu tun. Das ist mittelstandsfeindlich. So wird aus dem Rückgrat unserer Wirtschaft ein Subunternehmer am Katzentisch. Und das darf in Deutschland so nicht Gesetz werden.
(Beifall bei der AfD)
Aber kommen wir zum eigentlichen Kern dieses Gesetzes – hübsch verpackt –: die Möglichkeit, sogenannte grüne Leitmärkte zu schaffen. Ich sage es Ihnen ganz deutlich: Grüne Leitmärkte darf es nicht geben. Es ist nicht Aufgabe des Staates, Märkte zu definieren; es ist Aufgabe der Wirtschaft, Nachfrage zu erkennen und entsprechende Angebote zu entwickeln.
Wer das umdreht, wer politisch vorgibt, was nachgefragt werden soll, der verlässt den Weg der sozialen Marktwirtschaft und begibt sich auf den Weg der staatlichen Lenkung. Genau das passiert hier – versteckt hinter einer Verordnungsermächtigung, am Parlament vorbei, mit unklaren Kriterien und weitreichenden Folgen. Und weil wir das nicht mitmachen wollen, werden wir die Aufteilung der Abstimmung beantragen. Denn das öffnet Tür und Tor für politische Einflussnahme und für die Bevorzugung einzelner Branchen. Das ist keine Innovation, das ist die dirigistische Wirtschaftspolitik, Planwirtschaft.
(Beifall bei der AfD)
Mit einer solchen Planwirtschaft gehen Gesellschaften baden – quod erat demonstrandum.
Meine Damen und Herren, wir brauchen schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und mehr Tempo – da sind wir bei Ihnen. Aber wir brauchen keine Politik unter dem Deckmantel der Beschleunigung, die den Wettbewerb verzerrt, den Mittelstand schwächt und Märkte politisch vorgibt. Deshalb ist unsere Position klar: Beschleunigung, ja, aber ohne ideologische Umwege und ohne staatlich verordnete Märkte. Nur wer den Wettbewerb schützt, schützt den Wohlstand dieses Landes.
Dem Gesetzentwurf, so wie er jetzt im Ganzen zur Abstimmung steht, können wir nicht zustimmen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Armand Zorn das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Armand Zorn (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt Gesetze, die erst mal völlig unspektakulär klingen. Und vermutlich werden viele Bürgerinnen und Bürger vom Vergabewesen noch nie etwas gehört haben. Aber manchmal sind es genau langweilig klingende Gesetze, an denen es sich entscheidet, ob ein Land ins Handeln kommt. Und das Vergabebeschleunigungsgesetz ist so ein Gesetz. Denn die Wahrheit ist: Ein Sondervermögen baut noch keine Brücken; ein Haushaltsbeschluss saniert noch keine Schule, und eine politische Ankündigung verlegt noch kein Gleis. Genau darum geht es heute.
Öffentliche Beschaffung mag auf den ersten Blick unsexy sein, aber sie ist mit das wichtigste Werkzeug des Staates. Hier entscheidet sich, ob aus Plänen konkrete Projekte werden. Deswegen ist es gut, dass wir das Vergabebeschleunigungsgesetz heute beschließen werden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wir verkürzen die Fristen, wir reduzieren formale Hürden, wir erweitern Spielräume für vereinfachte Vergaben, und vor allem stärken wir die digitale Abwicklung. Kurz gesagt: Wir ölen endlich das Getriebe des Vergabewesens, damit öffentliche Investitionen nicht nur auf dem Papier kreisen, sondern auch auf der Straße, auf der Schiene und in den Kommunen ankommen,
(Zuruf der Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU])
also dort, wo sie gerade am meisten gebraucht werden. Gerade in Zeiten des abnehmenden Vertrauens in die Handlungsfähigkeit des Staates ist es entscheidend, dass wir Geschwindigkeit an den Tag legen. Demokratie wird auch daran gemessen, ob sie liefert, und vor allem, wie schnell sie liefert.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dabei gilt für uns als SPD ganz klar, dass Beschleunigung nicht heißt, dass wir beliebig werden und keine Prioritäten mehr setzen. Sekundärziele in der Beschaffung bleiben nach wie vor wichtig. Deswegen will ich drei Punkte erwähnen, die für uns wichtig sind.
Erstens. Wir schützen weiterhin den Mittelstand durch faire Zugänge und durch bewährte Prinzipien in der flexibilisierten Losvergabe.
Zweitens. Wir verankern Tariftreue als verbindlichen Standard. Öffentliche Aufträge dürfen kein Einfallstor für Lohndumping sein.
Drittens. Wir verankern weiterhin Klimakriterien in der Beschaffung. Denn der Staat ist nicht nur Einkäufer oder Nachfrager, sondern auch Marktgestalter. Deswegen gilt: Wer klug einkauft, der schafft Leitmärkte für emissionsarmen Stahl und Zement und stärkt unsere industrielle Zukunft.
(Beifall bei der SPD – Enrico Komning [AfD]: Und der schwächt die soziale Marktwirtschaft!)
– Überhaupt nicht.
Und ich sage auch klar: Öffentliche Beschaffung muss auch ein Instrument wirtschaftlicher Souveränität sein. Deshalb bleibt Local Content für uns ein klarer politischer Anspruch, der auf europäischer Ebene umgesetzt werden muss. Wenn der Staat mit Milliarden Euro einkauft, dann müssen diese auch die Wertschöpfung, die Innovation und die industriellen Arbeitsplätze in Deutschland und in Europa stärken. Dafür ist die Entschließung das richtige Signal, und diesen Weg werden wir weitergehen.
(Beifall bei der SPD)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Abschluss will ich sagen: Der Weg zu diesem Gesetz war weit. Und ja, ich sage auch selbstkritisch mit Blick auf die Regierungskoalition: Er war zu lang. Aber umso wichtiger ist es, dass wir heute einen Kompromiss haben, dass wir eine Einigung haben, die dafür sorgen wird, dass es eine Beschleunigung gibt, durch die wir schneller handeln können.
Vergabebeschleunigung ist kein Randthema, nein. Sie ist eine Grundbedingung dafür, dass der Staat ins Machen kommt. Sie ist eine Bedingung dafür, dass er nicht nur verspricht, sondern auch baut, dass er nicht nur plant, sondern auch umsetzt, dass er nicht nur Geld bereitstellt, sondern auch Zukunft ermöglicht.
Deshalb bitte ich um Zustimmung und wünsche dem Kollegen Lenz alles Gute zum Geburtstag.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Julian Joswig das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach über sechs Monaten im parlamentarischen Verfahren, nach einem halben Jahr Streit, legt Schwarz-Rot endlich das Vergabegesetz vor – man glaubt es kaum.
(Zuruf des Abg. Günter Baumgartner [CDU/CSU])
Ähnlich wie beim Herbst der Reformen, der dann zum Winter, zum Frühling, ja, vielleicht auch zum Sommer wird, brauchte es eine halbe Ewigkeit, bis auf die großen Ankündigungen endlich mal zumindest kleine Ergebnisse folgten. Die gute Nachricht ist also: Das Gesetz ist da. Die schlechte Nachricht ist der Inhalt: ein fauler Kompromiss mit wenig Ambitionen. Liebe Frau Reiche, Sie lassen mit diesem Gesetz enorme Chancen liegen, und das ist ein großer Fehler.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Meine Damen und Herren auf den Tribünen, lassen Sie mich einmal erklären, worum es hier eigentlich geht: Die öffentliche Hand vergibt im Jahr Aufträge im Wert von Hunderten Milliarden Euro. Das sind rund 15 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.
(Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]: Niemals!)
Es geht also um verdammt viel Geld, das ausgegeben wird – für neue Straßen, für Brücken, für Schienen. Und die Frage ist nun: Wie wird dieses Geld ausgegeben?
Union und SPD sorgen mit dem Gesetz dafür, dass es schneller ausgegeben wird. Und ja, wir brauchen schnellere Verfahren, wir brauchen digitale Prozesse. Die Vergabe muss unkomplizierter werden. Aber die Koalition sorgt nicht dafür, dass das viele Geld in irgendeiner Form klüger, besser oder gar nachhaltig ausgegeben wird. Und das ist die große Schwachstelle in diesem Gesetz.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dabei wäre es doch so einfach gewesen, Frau Reiche. Die Vorgängerregierung und das grün geführte Bundeswirtschaftsministerium hatten nach einem langen Beratungsprozess mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ein fertiges Vergabegesetz ausgearbeitet. Neben Beschleunigung und Digitalisierung gab es dort einen echten Vorschlag für nachhaltige Beschaffung durch verbindliche Vergabekriterien, zum Beispiel für grünen Stahl oder Zement. Aber all das haben Sie im Gesetz gestrichen und es in eine Verordnung ausgelagert, die vielleicht auch kommt, aber erst frühestens nächstes Jahr. Und das ist zu spät, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Denn die deutsche Industrie – ob bei Salzgitter oder bei Heidelberg Materials –, die wollen jetzt endlich das Signal, dass sich ihre Investitionen in Klimaneutralität auszahlen, dass der Staat als Ankerkunde auftritt und so zum Hochlauf grüner Produkte made in Europe beiträgt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Liebe Frau Reiche, Robert Habeck hat Ihnen den Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt, hat Ihnen eine Steilvorlage gegeben, und Sie verstolpern ihn kurz vorm Tor. Wieso nutzen Sie nicht das Sondervermögen? Wieso nutzen Sie nicht die 500 Milliarden Euro, um gezielt Schienen und Brücken mit grünem Stahl zu bauen? Ich habe das in meinem alten Job – vor dem Bundestag war ich für verschiedene Klima-Start-ups tätig – einmal durchgerechnet: Nehmen wir beispielsweise die Hochmoselbrücke, ein großes Bauprojekt in meiner Heimat Rheinland-Pfalz. Diese Brücke verbindet meinen Wahlkreis mit dem unseres Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder. Die Mehrkosten beim Brückenbau mit grünem Stahl und grünem Zement wären etwa 3 bis 4 Prozent gewesen.
(Zuruf von der AfD: Hahaha!)
Das ist viel Geld bei einem so großen Projekt, aber wenn ich mir anschaue, wie diese Bundesregierung mit dem Sondervermögen umgeht, wie sie Wahlgeschenke von Markus Söder finanziert und wie sie einen wirkungslosen Tankrabatt raushaut, wäre so etwas natürlich viel, viel klüger gewesen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Da hätte auch die deutsche Wirtschaft etwas davon. Das wäre auch gut für das Klima gewesen und finanziell nachhaltiger als Ihre schuldenfinanzierte Gießkannenpolitik, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich will ehrlich mit Ihnen sein. Es tut weh, diese Politik mitanzusehen. Aber als konstruktive Opposition möchten wir natürlich auch gerne helfen und der hilflosen Ministerin eine weitere Vorlage geben. Und deshalb bringen wir einen Entschließungsantrag ein, der Ihre Fehler korrigiert: durch klare Klimakriterien und verbindliche Standards, durch die Nutzung bestehender Labels aus der Industrie, durch Kreislaufwirtschaft, Resilienz und digitale Souveränität.
Wissen Sie, wir tun in Deutschland immer so, als wären wir die Vorreiter, aber Frankreich, Dänemark und andere sind schon viel weiter. Auch die EU will mit dem Industrial Accelerator Act und dem Public Procurement Act endlich die industriepolitischen Potenziale aus der Vergabe nutzen.
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der Unionsfraktion, von Dr. Klaus Wiener, zu?
Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Gerne.
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU):
Vielen Dank, Herr Joswig, dass Sie die Frage zulassen. – Sie haben gerade gesagt, dass Sie unsere Fehler korrigieren wollen, und gesagt, 100 Milliarden Euro seien 15 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Vielleicht darf ich Ihnen da einmal auf die Sprünge helfen: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt beträgt 4 500 Milliarden Euro. Wir reden hier also über etwas mehr als 2 Prozent. Wenn wir hier im Hohen Hause also schon Fehler korrigieren, darf ich das an der Stelle vielleicht auch einmal tun. – Vielen Dank.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Lieber Dr. Wiener, herzlichen Dank für die Zwischenfrage. Ich freue mich, dass ich das ein bisschen ausführen darf. – Die Studie, auf die ich mich beziehe, kommt von der OECD; das ist die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie ist aus dem Jahr 2009.
(Lachen bei Abgeordneten der AfD)
Da sind die Effekte und die großen Volumina des Sondervermögens noch nicht durchgerechnet. Und diese Zahl ergibt knapp 15 Prozent.
Mit dem Sondervermögen und all dem, was kommt – schauen Sie gerne nach –, haben wir weitaus höhere Volumina. Es geht um massive Bauprojekte auf Ebene des Bundes, der Länder und der Kommunen. Das sind unglaubliche Summen, die investiert werden. Anstatt das Geld zu verschachern, anstatt schuldenfinanzierte Wahlgeschenke für Markus Söder in Bayern rauszuhauen, anstatt das Geld für den Tankrabatt rauszuwerfen, nutzen Sie dieses Geld doch und investieren Sie es in die deutsche Wirtschaft und in kluge Bauprojekte! Aber das, was Sie hier machen, ist eine völlige Fehlanzeige.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]: Das ist Ihre Antwort? Na gut! – Gegenruf der Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]: Das ist eben aus dem Jahr 2009! Das steht da halt so!)
Es ist eine große Enttäuschung, was die Bundesregierung hier macht; denn die Europäische Union und viele Mitgliedstaaten sind wesentlich weiter. Die EU legt jetzt große Pakete vor. Den Industrial Accelerator Act hatte ich genannt, aber auch den Public Procurement Act. Was die Bundesregierung jetzt macht, ist, dass sie zusätzlich zu diesem Gesetzentwurf eine Entschließung vorlegt, die quasi kein Gold-Plating mehr möchte. Das heißt, bevor die Standards aus der EU kommen, wollen Sie jetzt ein Gesetz durchmogeln, das erheblich geringere Standards erlaubt. Und das ist eine Katastrophe.
Präsidentin Julia Klöckner:
Die Zeit.
Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Nach Monaten hoher Erwartungen ist das eine herbe Enttäuschung. Sie verspielen jede einzelne Chance.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit!
Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Und die traurige Frage ist, wie viele Chancen Sie noch haben.
Herzlichen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Janine Wissler das Wort. Bitte.
(Beifall bei der Linken)
Janine Wissler (Die Linke):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung will die Vergabe öffentlicher Aufträge beschleunigen. Schneller vergeben, schneller bauen, schneller investieren – das klingt erst mal gut in einem Land, in dem vieles sehr, sehr lange dauert. Aber: Öffentliche Vergabeverfahren müssen transparent sein, und sie müssen klare Standards erfüllen. Das darf nicht unterlaufen werden unter dem Deckmantel, Dinge schneller zu machen und beschleunigen zu wollen.
(Beifall bei der Linken)
Es geht hier um viel; denn die öffentliche Vergabe in Deutschland macht rund 15 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, nämlich etwa 500 Milliarden Euro pro Jahr. Die öffentliche Vergabe hat einen ganz entscheidenden Anteil am Wirtschaftsleben. Bei solchen Summen geht es darum, genau hinzuschauen, welche Wirkung dieses Geld entfaltet. Öffentliches Geld darf nur an Unternehmen fließen, die tariftreu sind, die Tarifverträge einhalten und die Umweltstandards einhalten, und nicht an Unternehmen, die versuchen, sich mit Dumpinglöhnen gegen die Konkurrenz durchzusetzen.
(Tino Chrupalla [AfD]: Welche sind das denn?)
Wenn wir über Vergaberecht reden, reden wir eben über einen der größten wirtschaftspolitischen Hebel, die der Staat überhaupt in der Hand hat, gerade angesichts des Sondervermögens von 500 Milliarden Euro für überfällige Investitionen in die marode Infrastruktur. Ja, Investitionen sind dringend nötig. Wir haben in den Kommunen einen Investitionsrückstand in Höhe von geschätzt 216 Milliarden Euro; allein bei den Schulen sind es 68 Milliarden Euro. Wirklich niemand bestreitet also, dass schneller gebaut, saniert und modernisiert werden muss.
(Beifall bei der Linken)
Aber gerade weil es um so viel Geld geht, kann die Antwort nicht sein: Hauptsache schneller. – Darin liegt ja der Sinn von Vergabe- und Tariftreueregeln. Sie sollen sicherstellen, dass öffentliche Gelder nicht Lohndumping finanzieren, sondern gute Arbeit, dass nicht einfach der billigste Anbieter gewinnt, sondern dass bei Tarifbindung soziale Standards und Klimaschutz eine Rolle spielen. Das sind alles Dinge, die im Hause Reiche leider keine große Rolle spielen, und aus dem Haus kommt ja der Gesetzentwurf.
Sie setzen mit diesem Gesetzentwurf auf weniger Transparenz, auf weniger Nachweise und nennen das Ganze dann „Bürokratieabbau“. Der zentrale Punkt des Gesetzes ist die Anhebung der Wertgrenzen für Direktvergaben auf 50 000 Euro. Bisher lag die Schwelle bei 1 000 Euro und wurde befristet auf 15 000 Euro erhöht. Direktvergabe bedeutet: Aufträge werden ohne Ausschreibung und Bieterverfahren vergeben. Das ist eine politische Entscheidung mit einer großen Wirkung. Die Bundesregierung geht davon aus, dass künftig 125 000 Aufträge ohne Vergabeverfahren direkt vergeben werden. Das ist doch nicht einfach Beschleunigung. Das ist ein großangelegter Rückzug aus den Verfahren, in denen überhaupt noch nachvollziehbar überprüft werden kann, unter welchen Bedingungen vergeben wird. Und das ist ein Fehler.
(Beifall bei der Linken)
Zur Erinnerung: Das letzte Mal, als die Grenzwerte für die freihändige Vergabe so deutlich angehoben wurden, war in der Coronakrise. Das ermöglichte einem gewissen Jens Spahn, teuer, intransparent und ohne Ausschreibung Masken zu beschaffen und Milliarden an Steuergeld zu verbrennen – bei vielen Masken sogar wortwörtlich. Der Verzicht auf solche Ausschreibungen macht Behörden korruptionsanfällig. Statt aus den Maskendeals zu lernen, machen Sie jetzt die Ausnahme zur Regel und öffnen damit Vetternwirtschaft Tür und Tor. Es muss doch um das beste Angebot gehen und nicht um die Kumpel der Minister.
(Beifall bei der Linken)
Ich sage das gerade in Bezug auf das Beschaffungswesen der Bundeswehr, wo wir wissen: Das ist korruptionsanfällig. Es ist ein großes schwarzes Loch zur Freude der Rüstungskonzerne. Da sagt man jetzt: mehr davon, weniger Nachweispflicht, weniger Kontrolle, mehr Direktvergabe! – Das ist doch der vollkommen falsche Weg, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken – Zuruf des Abg. Günter Baumgartner [CDU/CSU])
Dann wird es jetzt als Fortschritt verkauft, dass künftig stärker auf Nachweispflichten verzichtet und auf Eigenerklärungen gesetzt wird. Das Prinzip: weniger prüfen, mehr Vertrauen in die Unternehmen. – Das ist ungefähr so, als wenn man jetzt alle Blitzer abbaut und sagt, die Leute sollen einfach selbst erklären, dass sie sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Das ist so, als wenn die Frau Präsidentin während meiner Rede nicht auf die Uhr achtet, weil ich ihr fest zusage, die Redezeit einzuhalten.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der Linken und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Das ist doch kein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern. Natürlich muss das kontrolliert werden, und dafür brauchen wir Kontrollen.
Der DGB weist vollkommen zu Recht darauf hin, dass bei einer Schwelle von 50 000 Euro – das gilt übrigens auch für das Bundestariftreuegesetz – ein Drittel der Aufträge überhaupt nicht mehr erfasst sind – 31 Prozent bei den Dienstleistungen, 23 Prozent bei den Bauaufträgen. Genau das ist der Punkt. Hohe Schwellenwerte bedeuten nicht nur weniger Verfahren, sie bedeuten weniger soziale Kriterien. Vergabegrundsätze und Nachweispflichten sollen unter dem Deckmantel „weniger Bürokratie“ abgeräumt werden. Das kritisieren die Gewerkschaften und auch die Umweltverbände. In der Anhörung haben sie das deutlich gemacht, und wir teilen diese Kritik.
(Beifall bei der Linken)
Wenn der Staat Milliarden in die Infrastruktur steckt, dann muss es heißen: ordentliche Löhne, tarifgebundene Beschäftigung, klimafreundliche Produktion. – Sonst zahlt doch am Ende die Allgemeinheit für die Folgen und Schäden, die dann entstehen. Wenn dieses öffentliche Geld eingesetzt wird, dann muss klar sein: Man muss auch die Rahmenbedingungen mitbestimmen. Es geht hier nicht um Verfahrensbeschleunigung, sondern es geht eben wirklich darum, hier Verfahren intransparent zu machen und die Beschaffung zu beschleunigen. Damit öffnen Sie Vetternwirtschaft und Korruption Tür und Tor.
Übrigens sollte man sich auch einmal anschauen, warum gewisse Dinge so lange dauern. Das liegt ja auch daran, dass diejenigen, die sich jahrelang beschwert, den schlanken Staat gefordert und über den aufgeblähten öffentlichen Dienst gesprochen haben, sich genau jetzt beschweren, dass alles ewig dauert, weil die Planungsämter unterbesetzt sind, der öffentliche Dienst ausgedünnt und das Personal überlastet ist. Ja, wir brauchen einen handlungsfähigen öffentlichen Dienst, sonst funktioniert das mit den Investitionen nicht.
(Beifall bei der Linken – Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]: Wir haben eine Staatsquote von 50 Prozent! Nennen Sie das einen schlanken Staat?)
All das ist dringend notwendig. Wir brauchen unbedingt schnellere Investitionen. Wir sind dafür, –
Präsidentin Julia Klöckner:
Die Redezeit ist abgelaufen.
Janine Wissler (Die Linke):
– dass investiert wird. Kontrollen sind wichtig. Aber Investitionen brauchen ökologische und soziale Wirkung.
Danke.
(Beifall bei der Linken)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Abgeordneter Wilhelm Gebhard das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wilhelm Gebhard (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Koalition liefert ein weiteres Mal bei einem wichtigen Gesetzesvorhaben. Dass das Vergabebeschleunigungsgesetz jetzt abgeschlossen werden kann, freut mich aus persönlicher Sicht sehr. Denn genau dieses war das erste, bei dem ich als Berichterstatter mitarbeiten durfte, neben meinem geschätzten Kollegen Günter Baumgartner. Ich sage es einmal so: Das erste Gesetz vergisst man wohl nicht.
Einen Satz habe ich bei den zahlreichen Gesprächen immer gehört: Da ist ordentlich Musik drin. – Daher verbinde ich hiermit auch eine persönliche musikalische Note. Wer auf dem Land mit Wolfgang Petry erwachsen wurde, ist ein Schlagerfan. Ich bin jedenfalls einer.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Keine Angst, ich werde Ihnen jetzt kein Lied zum Besten geben.
(Gitta Connemann [CDU/CSU]: Oh, wie schade!)
Frau Präsidentin, Sie müssen auch keinen Ordnungsruf vorbereiten. Ein Titel passt erstaunlich gut als Wegbeschreibung zu diesem Gesetzentwurf. Der Hit stammt von der begabten und allseits bekannten Helene Fischer: „Vergeben und vergessen und wieder vertrau’n“.
Lassen Sie sich kurz von mir mitnehmen. Das erste Wort des Refrains – vergeben – spielt im Vergabebeschleunigungsgesetz eine essenzielle Rolle. Mit diesem Gesetz wollten wir klarstellen, dass für uns vor allem der Prozess im Vordergrund steht. In den Monaten der Verhandlungen hatten wir immer den Leitsatz vor Augen: Das Vergabegesetz soll nicht klären, was vergeben wird, sondern, wie. Es ist eben ausdrücklich kein ideologisch motiviertes Instrument. Diese Kernthese, sehr verehrten Damen und Herren, ist uns in meinen Augen sehr gut gelungen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Die Erhöhung der Wertgrenze für Direktaufträge des Bundes auf 50 000 Euro, die Reduzierung von Nachweis- und Dokumentationspflichten und die Beschleunigung von Nachprüfungsverfahren, die Verankerung der digitalen Souveränität, um unabhängiger von großen ausländischen Techkonzernen zu werden, all dies führt zu weniger Klein-Klein und zu spürbarer Beschleunigung, speziell für die öffentliche Verwaltung, aber auch für die Gerichte. Davon profitieren wir am Ende alle. Das ist mir als ehemaliger Bürgermeister besonders wichtig gewesen.
Um wieder musikalisch zu werden: Das zweite Wort in dem Refrain war nach dem Vergeben das Vergessen. Hier muss man ehrlich sein: Das Gesetz war sehr lange im parlamentarischen Verfahren. Dass vielleicht der eine oder andere das Gefühl hatte, man hätte die Vergabe vergessen, lag also durchaus nahe. Dies war jedoch nicht der Fall. Seit Oktober letzten Jahres haben wir hieran gefeilt, und ja – das muss ich zugeben –, wir haben gut diskutiert und manchmal auch gestritten. Aber das ist doch eher der Beweis dafür, wie wichtig dieses Vorhaben ist und um wie viel es hier geht. Jährlich werden durch die öffentliche Vergabe Hunderte Milliarden Euro bewegt. Hier ist es entscheidend, Verantwortung zu zeigen und nicht zu schnell und oberflächlich zu agieren. Ich denke, meine sehr verehrten Damen und Herren, genau das haben wir getan.
Zum Schluss. Nach dem Vergeben und Vergessen kommen wir in meinen Augen nun zum wichtigsten Wort des Refrains, nämlich dem Vertrauen. Denn hierum geht es eigentlich: dass wir den Kommunen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Vergabestellen vertrauen, gleichzeitig aber auch unseren Mittelstand in den Blick nehmen. Beide bilden das Rückgrat unseres Landes, und daher gilt es, dieses in Einklang zu bringen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Auf der einen Seite ermöglichen wir, Investitionen schneller auf die Straße, in Schulen und in Brücken zu bringen, indem wir unter anderem den Einsatz von Generalunternehmen ermöglichen. Auf der anderen Seite bleibt der Mittelstandsschutz bestehen, wodurch wir die vielen Handwerkerinnen und Handwerker dieses Landes weiterhin mitnehmen. Aber das Ziel bleibt klar: Das Sondervermögen kommt nun endlich effizient und mit Augenmaß bei den richtigen Projekten an.
Besonders wichtig ist mir jedoch auch, dass wir eine schnelle Evaluierung des Gesetzes durchführen. Sollten wir merken, dass sich die Vergabe weiterhin zu kompliziert gestaltet und die Mittel nicht ordentlich abfließen, werden wir schnell nachjustieren, um im Sinne der Beschleunigung alles möglich zu machen, damit wieder mehr und schneller gebaut wird, frei nach dem Motto: mehr bauen statt nur absperren. Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist eine erwachsene und auch selbstkritische Politik.
Da ich nun am Ende angekommen bin und mit einem Schlager begonnen habe, bleibe ich dabei und schließe mit einem Hit meiner Jugend ab; denn nach gefühlt „1 000 und 1 Nacht“ hat es nun endlich auch bei der Vergabe Zoom gemacht.
Danke schön.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Wir hören Schlager in Zukunft mit ganz anderen Ohren. – Für die AfD-Fraktion Herr Mathias Weiser, bitte.
(Beifall bei der AfD)
Mathias Weiser (AfD):
Herr Gebhard, wie Ihre Partei: ein richtiger Evergreen. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die hier vorgeschlagenen Gesetzesänderungen sollen Vergaben beschleunigen sowie Behörden und Unternehmen gleichermaßen entlasten. Das Ziel ist absolut richtig, aber der Weg dahin darf nicht zulasten der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland gehen.
(Beifall bei der AfD)
Dieses Gesetz macht aber genau das. Es geht zulasten des Mittelstandes. Durch das Abweichen vom Grundsatz der losweisen Vergabe bei den Ausschreibungen für die Infrastrukturvorhaben aus dem 500-Milliarden-Euro-Sonderschulden erschweren Sie es kleinen und mittleren Unternehmen, sich an diesen Vorhaben zu beteiligen. Dass die kleinen und mittleren Unternehmen diese Schulden mittragen müssen, aber gleichzeitig Gefahr laufen, davon ausgeschlossen zu sein, sich an den Aufträgen direkt beteiligen zu können, ist eine Ungerechtigkeit.
(Beifall bei der AfD)
Mittelstandsfreundliche Politik würde genau den anderen Weg gehen und versuchen, den Mittelstand so weit wie möglich an der Vergabe dieser Projekte zu beteiligen.
Ihre Gegenargumente, dass umfangreiche Ausnahmen in dem Gesetz gemacht worden sind, um die losweise Vergabe doch zu unterstützen, treffen nicht zu und sind für mich faule Kompromisse. Sie führen zum Beispiel an, dass nur zeitliche Gründe vorliegen oder genannt werden müssen, um von der losweisen Vergabe abzuweichen. Die zeitlichen Gründe werden Sie immer finden. Sie sagen ja selbst, dass dieses Sondervermögen schnellstmöglich auf die Bahn gebracht werden muss. Da wird es jeder Vergabestelle sehr leichtfallen, die nötigen Gründe ins Feld zu führen. Der zweieinhalbfache Schwellenwert – da reden wir über einen Projektumfang in Höhe von 13 Millionen Euro – wird ganz schnell erreicht. Bei ganz vielen Projekten werden die Unternehmen aus dem Mittelstand ausgeschlossen werden. Das sollte auch Ihnen bekannt sein.
Sie haben auch mit reingenommen, dass die öffentliche Stelle den Auftragnehmer, in dem Fall den Generalunternehmer, dazu verpflichten kann, bei seiner Vergabe die Interessen kleiner und mittlerer Unternehmen zu berücksichtigen. Was ist das für eine schwammige Formulierung? Jeder kann diesen Paragrafen so interpretieren, wie er möchte. Am Ende muss das auch kontrolliert werden können.
Diese Abweichungen von den losweisen Vergaben sind nicht zielführend. Sie haben es so ins Gesetz gepackt, dass das größtmöglich umgesetzt werden kann. Die Regierungskoalition sollte darüber nachdenken, welchen Eindruck die Ausnahmen von der losweisen Vergabe beim Mittelstand hinterlassen. Sie unterstützen gezielt Konzernstrukturen zulasten der kleinen und mittleren Unternehmen. Ich sage „gezielt“, weil Sie dieselbe mittelstandsfeindliche Politik schon bei der Umsetzung des Bundestariftreuegesetzes gezeigt haben. Auch bei diesem Gesetz haben Sie Konzerne bessergestellt, weil diese bereits tarifgebunden sind. Der kleine und mittlere Handwerksbetrieb,
(Zuruf des Abg. Mahmut Özdemir [Duisburg] [SPD])
der noch keinen Tarif hat, muss ihn erst einführen. Das ist eine Ungerechtigkeit.
(Beifall bei der AfD)
Dieses ganze Schuldenpaket an sich ist schon eine Ungerechtigkeit. Dann noch die große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen nicht davon profitieren zu lassen, setzt dem Ganzen die Krone auf, und es zeigt, auf wessen Seite diese Regierung steht.
(Mahmut Özdemir [Duisburg] [SPD]: Sie haben doch keine Ahnung!)
Darüber hinaus ist dieser Gesetzentwurf abzulehnen, weil seine Umsetzung mit der Übernahme grün-linker Ideologie ins Vergaberecht verbunden ist. Dies betrifft an erster Stelle die Möglichkeit, verpflichtende Anforderungen an die Klimafreundlichkeit bei der Beschaffung von Leistungen zu stellen, insbesondere bei Stahl und Zement. Grüner Stahl und Zement sind wesentlich teurer als die konventionell hergestellten Produkte und damit nicht wettbewerbsfähig.
(Beifall bei der AfD)
Angesichts der bereits jetzt hohen Baupreise ist es unverständlich, dass die Regierung Gesetze erlässt, die die am meisten benötigten Materialien im Baubereich künstlich verteuern. Wenn wir über 3 bis 4 Prozent bei Stahl reden – dazu kommt noch der Beton –, bedeutet das, dass man am Ende vielleicht 10 Prozent weniger bauen kann.
Ihre grüne Politik ist so was von verfehlt. Deswegen gilt: Die Alternative für Deutschland ist die einzige Partei, die es verstanden hat, dass die Klimapolitik einer der maßgeblichen Treiber für den Niedergang der deutschen Wirtschaft ist. Dieser Politik, dieser gescheiterten Ideologie dürfen wir keinen Millimeter geben. Deswegen lehnen wir von ganzem Herzen jedes Gesetz ab, das diese Ideologie in sich trägt.
(Beifall bei der AfD – Enrico Komning [AfD]: Das Schlimme ist: Die Union weiß das auch, aber die können leider nicht anders!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der SPD hat nun Herr Abgeordneter Sebastian Roloff das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Sebastian Roloff (SPD):
Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben es schon mehrfach gehört: 130 Milliarden Euro geben Bund, Länder und Kommunen Jahr für Jahr für öffentliche Beschaffung aus; hinzu kommt jetzt noch das Sondervermögen. Man kann sich mehr oder weniger erfolgreich ausrechnen, wie viel Prozent des BIPs das ist. Das ist wahnsinnig viel Geld. Dieses Geld muss schnell abfließen und den Menschen vor Ort zugutekommen. Deswegen machen wir die Vergabebeschleunigung ab heute einfacher, schneller und flexibler. Drei Punkte sind aus meiner Sicht zentral:
Erstens entlasten wir die öffentliche Verwaltung, gerade die Kommunen. Vergabeverfahren – wir kennen das – sind oft langwierig und aufwendig, binden viele Ressourcen. In Zukunft können bis zu 50 000 Euro direkt vergeben werden. Das spart wertvolle Zeit. Da bei den Verfahren oft größere Summen im Spiel sind, flexibilisieren wir zudem den sogenannten Losgrundsatz, aber mit Augenmaß. Die Vergabestellen dürfen von diesem Grundsatz in Zukunft bei Projekten mit einem Gesamtwert von mehr als 11 Millionen Euro abweichen, wenn die Mittel dafür aus dem Sondervermögen kommen. Damit können Aufträge für Schulen, Straßen und Brücken schneller vergeben und diese damit auch schneller gebaut werden. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt dieses Gesetzes.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Dr. Andreas Lenz [CDU/CSU])
Gleichzeitig wahren wir die Interessen von kleinen Handwerksbetrieben und Ingenieurbüros, die befürchten, dass sie bei Gesamtvergaben benachteiligt werden. Wir haben auch vereinbart – und wenn wir das heute beschließen, wird es auch so kommen –, dass wir schon im Herbst nächsten Jahres gucken, wie sich die Regelungen auf den Abfluss ausgewirkt haben und ob wir nachjustieren müssen.
Zweitens sorgen wir mit diesem Gesetz dafür, dass die dringend benötigte Nachfrage nach grünem Stahl und Zement angeregt wird. Diese Grundstoffe werden überall gebraucht: beim Bauen von Wohnungen, Straßen und Brücken genauso wie beim Bau von Autos und Maschinen. Das wird auch in Zukunft noch so sein. Eine zukunftsfähige Zement- und Stahlindustrie ist relevant für Deutschland, ist das Rückgrat unseres Wirtschaftsstandorts, verursacht gleichzeitig aber auch immense CO2-Emissionen. Die Zukunft liegt also gerade in diesen Bereichen ganz offensichtlich im Umstieg auf eine grüne Produktion. Diesen Wandel dürfen wir in Deutschland nicht verschlafen. Ein sehr gutes Beispiel, wie der Umbau eines Werkes bei laufendem Betrieb und die Umstellung auf Klimaneutralität funktionieren kann, ist die Salzgitter AG, wo ich kürzlich vor Ort war. Klar ist aber auch: Die Stahlindustrie braucht Verlässlichkeit, damit sich Investitionen in neue Technologien lohnen.
Mit diesem Gesetz sorgen wir genau für diese Verlässlichkeit. Wir werden als Staat vorangehen und grüne Leitmärkte schaffen. Die entsprechende Verordnung muss das Ministerium bis Mitte nächsten Jahres vorlegen. Und es wird Sie nicht überraschen, dass wir schon jetzt in einem konstruktiven Austausch mit dem Haus sind, damit es schnell geht. Wir geben den Unternehmen damit die notwendige Planungssicherheit. Das sichert Arbeitsplätze, stärkt Innovationen, stärkt „Made in Germany“ und hält unsere Industrie international wettbewerbsfähig.
Drittens verbessern wir auch die Chancen von kleinen und jungen Unternehmen. Innovative Ideen werden eine größere Rolle im Vergabeprozess spielen. Sie hatten bisher schlechtere Karten, weil sie oft nicht in das etablierte Raster passen. Wir ermöglichen es den Vergabestellen, schneller und unbürokratischer innovative Unternehmen zu berücksichtigen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Leider lässt die europäische Rechtslage eine Local-Content-Regelung, die im nationalen Recht dezidiert greifen würde, nur sehr überschaubar zu. Deswegen werden wir uns auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass die Lücken im aktuellen Vorschlag der EU-Kommission geschlossen werden.
Ich bedanke mich bei den Kolleginnen und Kollegen der Union sowie bei Herrn Zillmann und Herrn Häusinger vom Ministerium für die gute Unterstützung und freue mich auf die weitere Beratung.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Felix Banaszak das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schönen guten Morgen! Der Kollege Joswig ist ein höflicher Mann. Er kommt aus Rheinland-Pfalz. Da begegnet man einander mit großem Wohlwollen. Ich komme aus dem Pott. Da wird eine deutlichere Sprache gesprochen.
(Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Jetzt ist Frau Reiche gerade weg, schade!
(Widerspruch bei der CDU/CSU)
Entschuldigung, Sie haben sich hinter Herrn Hartmann versteckt. Ich nehme das zurück; Sie sind da, Frau Reiche. Dieses Gesetz ist nicht nur eine verpasste Chance, sondern auch Inbegriff der Bräsigkeit dieser Koalition, eine neue, veränderte Weltlage endlich einmal zur Grundlage des politischen Handelns zu machen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sie sind weiter dabei, mit aller Kraft eine Welt zu konservieren, die es einfach nicht mehr gibt, nämlich eine Welt, in der man sich darauf verlassen kann, dass wir schon einen fairen und freien Handel weltweit haben. Aber die Realität ist doch eine vollkommen andere.
Ich will das an einem Beispiel festmachen, das für Duisburg, aber auch für viele andere Teile des Landes sehr relevant ist: In China entstehen mehr Überkapazitäten an Stahl, als in ganz Europa überhaupt Kapazitäten vorhanden sind. Das liegt nicht etwa daran, dass die Chinesen nicht richtig rechnen können, sondern daran, dass bewusst das Ziel verfolgt wird, die deutsche und europäische Industrie in die Knie zu zwingen,
(Zuruf des Abg. Mathias Weiser [AfD])
indem gedumpter, staatlich subventionierter chinesischer Stahl auf die Weltmärkte gebracht wird. Und indem Donald Trump sich dagegen wehrt, wird noch mehr Stahl in Richtung Deutschland und Europa umgelenkt. thyssenkrupp, die Salzgitter AG, ArcelorMittal mit den Werken hier und die saarländischen Werke stehen unter einem enormen Druck, auf den dieses Gesetz nicht den Hauch einer Antwort gibt – nicht den Hauch einer Antwort!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich stelle mir gerade vor, ich wäre Teil dieser Koalition und müsste dieses Gesetz nächste Woche den Stahlarbeitern im Ruhrgebiet, in Duisburg erklären. Der Kollege Özdemir ist gleich dran. Mahmut, ich bin echt gespannt, wie du das den Leuten erklären willst. Die Leute warten schon seit Ewigkeiten darauf, dass unsere Industrie auf europäischer Ebene, aber auch mit den Möglichkeiten, die wir hier in Deutschland haben, endlich vor diesem unfairen Wettbewerb geschützt wird; aber das macht ihr nicht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jetzt gibt es den Vorschlag, eine Verordnungsermächtigung zu erlassen, um dann in einem Jahr etwas umzusetzen. Kein Unternehmen, kein Beschäftigter hat die Zeit, noch ein Jahr zu warten. Die Welt dreht sich doch weiter, und die Dynamik geht immer weiter.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wie viele Industriearbeitsplätze sollen denn noch verloren gehen, bis endlich mal Bewegung in die Regierung kommt?
(Gitta Connemann [CDU/CSU]: Wissen Sie eigentlich, über welches Gesetz wir reden? Thema verfehlt!)
Das zeigt sich an diesem Gesetz. Das zeigt sich aber auch an der Uneinigkeit der Koalition in Brüssel. Lars Klingbeil wird nicht müde, einmal pro Woche die Unternehmen im Land zu mehr Standortpatriotismus aufzufordern.
(Gitta Connemann [CDU/CSU]: Thema verfehlt! Das war die Energiepolitik von Robert Habeck!)
Ich frage mich: Wo ist denn der europäische Standortpatriotismus, der europäische industrielle Patriotismus dieser Regierung, wenn jeder Ansatz aus der Europäischen Kommission kleingerechnet wird? Das wird so nicht funktionieren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jetzt hat der Kollege Roloff gerade richtig benannt, dass auch die Transformation zur klimaneutralen, zur grünen Produktion unterstützt werden muss und man da keine Zeit zu verschlafen hat. Ja, was macht ihr denn im nächsten Jahr? Es ist doch Autosuggestion, zu sagen: Wir tun jetzt etwas für Beschleunigung. – Warten wir mal ab, ob Frau Reiche und ihr Ministerium tatsächlich dazu beitragen, dass öffentliche Gelder klug und zukunftsgerichtet ausgegeben werden! Bei allem Verständnis für das Vertrauen in der Koalition: Nichts, was Frau Reiche in dieser Koalition macht, deutet doch darauf hin, dass sie verstanden hat, in welcher Welt wir leben,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
dass sie verstanden hat, dass in den Erneuerbaren, in der Produktion von grünem Stahl und grünem Zement die Zukunft liegt. Ihr vertraut da einem Ministerium, von dem ihr wisst, dass es euch nicht das geben wird, was ihr eigentlich wollt. Ich verstehe nicht, warum die SPD das mitmacht, wenn sie weiterhin Industriepartei in diesem Land sein will.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Abgeordneter Günter Baumgartner das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Günter Baumgartner (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Als ich bei der ersten Lesung dieses Gesetzes an dieser Stelle stand, habe ich gesagt: Die öffentliche Vergabe muss schneller, sie muss einfacher und sie muss flexibler werden. Vor allen Dingen aber muss sie mittelstandsfreundlich bleiben; denn der Mittelstand ist der Motor und das Herz unserer Volkswirtschaft.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und ich kann Ihnen sagen: Wir haben Wort gehalten.
Meine Damen und Herren, wir sprechen bei der öffentlichen Vergabe von Aufträgen – das ist schon öfter angeklungen – von einem nicht unerheblichen Teil unserer Volkswirtschaft, von einem dreistelligen Milliardenbereich jährlich. Für unzählige mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe ist dies ihr wichtigstes Geschäftsfeld, ihre Lebensader. Die öffentliche Anhörung und die manchmal auch emotionale öffentliche Debatte zu diesem Gesetz haben klar gezeigt, wie stark dieses Gesetz die Wirtschaft, das Handwerk und die Kommunen bewegt. Gerade deshalb war es wichtig und auch richtig, dass wir dieses Gesetz bis ins Detail mit Sorgfalt und vor allem auch mit gesundem Menschenverstand beraten haben. In intensiven, aber auch konstruktiven Verhandlungen mit unserem Koalitionspartner und – ja, das gehört auch dazu – im oft harten Ringen innerhalb unserer eigenen Fraktion haben wir eine große Zahl berechtigter Interessen zusammengeführt und damit jetzt das Vergabebeschleunigungsgesetz zum erfolgreichen Abschluss gebracht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Neben vielen Vereinfachungen und Erleichterungen im Gesetz will ich zwei Dinge besonders hervorheben, die mir als Berichterstatter persönlich wichtig waren.
Zum einen freue ich mich, dass wir uns neben der Erhöhung der Wertgrenze bei der Direktvergabe auf 50 000 Euro bei der freihändigen Vergabe – Frau Wissler, Sie brauchen da noch ein bisschen Unterricht, was Direktvergabe und was freihändige Vergabe ist – auf eine Erhöhung auf 100 000 Euro geeinigt haben. Dies werden wir über eine Verwaltungsverordnung regeln. Damit kann der Staat ohne großes Ausschreibungsverfahren Vergaben bis zu diesem Betrag schnell und unbürokratisch mit Einforderung von drei Angeboten durchführen. Wie gesagt: Das ist eine erhebliche Entlastung für unsere Behörden im dreistelligen Millionenbereich.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zum anderen stellen wir über eine Entschließung sicher, dass auch das Thema Mischfinanzierung, sprich: wenn Infrastrukturprojekte nicht nur exklusiv aus dem Sondervermögen finanziert werden, nochmals genauer unter die Lupe genommen wird.
Meine Damen und Herren, das Vergabebeschleunigungsgesetz ergänzt sich hervorragend mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz, welches sich aktuell im parlamentarischen Verfahren befindet. Diese beiden Gesetze in Kombination werden dann die Umsetzung von Infrastrukturprojekten – von der Planung über die Genehmigung bis hin zum Bau – erheblich beschleunigen. Das Geld aus dem Sondervermögen wird damit noch spürbarer abfließen und auch im Alltag der Bürgerinnen und Bürger ankommen: in Straßen und Brücken, in der Schiene, in Schulen, in Kindergärten und im Ausbau digitaler Infrastruktur.
Ein letzter Gedanke ist mir noch wichtig, damit hier keinerlei Missverständnisse aufkommen: Das Bekenntnis zu einer mittelstandsfreundlichen Vergabe und zum Losgrundsatz war und ist für uns unverhandelbar; denn der Losgrundsatz schützt die kleinen und mittleren Betriebe davor, dass allein die großen Konzerne die öffentliche Vergabe beherrschen. Als ehrenamtlicher Bürgermeister einer kleinen Kommune sehe ich täglich, wer bei uns vor Ort die Aufträge ausführt, und vor allem, wer vor Ort auch dann noch für Instandhaltung und für kurzfristige Reparaturen da ist, wenn der Kindergarten schon lange gebaut ist: Es sind die Kleinen, der Handwerksmeister vom Dorf, die familiengeführten Betriebe, die fest in unserer Heimat verwurzelt sind. Ihnen gilt unser besonderer Schutz und unsere tiefe Verpflichtung; das möchte ich an dieser Stelle klar betonen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist uns hier ein starkes, ein ausgewogenes Gesetz gelungen, welches uns alle voranbringt: Bürger, Staat, Kommunen und auch Betriebe. Ich bitte um Ihre Zustimmung für dieses Gesetz. Und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Andreas Lenz!
Danke schön.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Bernd Schattner das Wort.
(Beifall bei der AfD)
Bernd Schattner (AfD):
Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Meine Damen und Herren! Nachdem Herr Gebhard vorhin so schön durch diverse Schlager geführt hat, möchte auch ich gerne mit einem Schlager beginnen: Liebe Koalition – frei nach Wolfgang Petry –, warum schickt ihr uns in die Hölle?
(Beifall bei der AfD)
Ganz ehrlich: Sie verkaufen hier ein Gesetz als Fortschritt, in Wahrheit aber ist es ein planwirtschaftliches Täuschungsmanöver. Man erkennt zwar, dass Sie das Problem sehen. Aber Ihre Lösung ist Gift für den Standort; denn: Ja, schnellere Verfahren sind richtig, und das fordern wir als AfD schon seit Jahren. Aber was machen Sie daraus? Sie verstecken hinter einer Fassade von Entlastung Ihre nächste ideologische Großbaustelle. Der eigentliche Kern dieses Gesetzes ist doch klar: Sie wollen den Wettbewerb aushebeln. Sie wollen steuern, wer Aufträge bekommt – nicht nach Leistung, nicht nach dem besten Preis, sondern nach politischem Wohlverhalten. „Klimafreundliche Beschaffung“ nennen Sie das. Ich nenne das: Sozialismus durch die Hintertür.
(Beifall bei der AfD)
Der Handwerksbetrieb, der effizient arbeitet und den Steuerzahler entlastet, steht plötzlich hintenan, weil er nicht in Ihr politisches Raster passt, weil er nicht grün genug ist. Stattdessen bekommt derjenige den Zuschlag, der Ihre Schlagworte am besten nachplappert, auch wenn er teurer und schlechter ist. Das ist die Zerstörung des Leistungsprinzips. Und wer zahlt das Ganze? Natürlich der Steuerzahler. Die Staatsausgaben laufen völlig aus dem Ruder, weil der Staat sich als Oberkontrolleur aufspielt, anstatt den Markt arbeiten zu lassen. Aber die Menschen im Land lassen sich nicht länger für dumm verkaufen. Sie merken längst, dass die Staatsausgaben aus dem Ruder laufen. Überall dort, wo der Staat als Auftraggeber auftritt, wird es teurer und ineffizienter. Sie sprechen in dem Gesetzentwurf auch von Bürokratieentlastung; es sind aber gerade einmal rund 100 Millionen Euro weniger Bürokratiekosten bei circa 140 Milliarden Euro jährlicher Belastung für die Wirtschaft. Das ist kein Fortschritt, das ist eine pure Verhöhnung all jener, die dieses Land mit ihrer Hände Arbeit finanzieren.
(Beifall bei der AfD)
Oder anders gesagt: Dieses Gesetz ist genau wie Ihre Energiewende – viel sinnlos verbranntes Geld, große Worte, und am Ende zahlt der Bürger die Zeche.
(Beifall bei der AfD)
Mittlerweile dauern große Infrastrukturprojekte in Deutschland oft Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Schauen Sie sich das Elend doch an: Während die Welt an uns vorbeizieht, während andere Nationen bauen und wachsen, ersticken wir hier im Formulardschungel. BER, Stuttgart 21, das sind doch die Mahnmale Ihres Staatsversagens, die jeder in diesem Land sehen kann. Während andere Länder bauen, diskutiert Deutschland. Während andere Länder Projekte fertigstellen, prüft Deutschland noch Formulare. Genau deshalb brauchen wir endlich Bürokratieentlastung statt endloser Verfahren. Wer Verfahren verschleppt, wer Entscheidungen verzögert, der darf sich nicht hinter Zuständigkeiten verstecken. Dann müssen auch Entscheidungsbefugnisse neu geordnet werden.
Ein Staat, der Jahre braucht, nur um einen Auftrag zu vergeben, hat seine Daseinsberechtigung als Dienstleister verloren.
(Beifall bei der AfD)
Er blockiert die Zukunft, anstatt sie zu ermöglichen. Deutschland braucht keine lahmen Ausreden, Deutschland braucht Ergebnisse. Aber genau hier versagen Sie wieder einmal auf ganzer Linie. Deshalb ist unser Anspruch als AfD ganz klar formuliert: Ja, wir wollen Beschleunigung, aber echte Beschleunigung, nicht auf dem Papier, sondern auf der Baustelle – ohne grüne Scheuklappen, ohne politische Bevorzugung, ohne Hinterzimmerpolitik. Wir fordern Verfahren, die einfach funktionieren. Wir fordern Entscheidungen, die auf wirtschaftlicher Logik basieren. Wir wollen ein Vergaberecht, das Macher belohnt und nicht diejenigen, die das richtige Parteibuch oder die passenden politischen Schlagworte parat haben.
Dieses Gesetz ist wieder einmal ein Trojanisches Pferd: Außen lockt die Entlastung, im Inneren lauert die totale staatliche Kontrolle über unsere Wirtschaft. Wir lehnen diesen Irrweg ab. Deutschland braucht kein Reförmchen einer sterbenden sozialistischen Koalition, die uns gegen die Wand fährt. Deutschland braucht die grundsätzliche Wende zur wirtschaftlichen Vernunft. Den Takt für diesen Aufbruch werden wir im Herbst in Sachsen-Anhalt vorgeben: für unsere Heimat, für unsere Freiheit und für eine Zukunft, in der unsere Kinder stolz auf ein aufstrebendes Land sein können.
(Enrico Komning [AfD]: Und in Mecklenburg-Vorpommern!)
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Mahmut Özdemir das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gerade bin ich aufgefordert worden, das Ganze so zu erklären, dass es auch ein Stahlarbeiter in Duisburg auf der Straße versteht – was aber nicht heißt, dass der Stahlarbeiter weniger klug ist. Ich komme auch aus dem Pott, ich spreche auch eine klare Sprache; aber das hindert mich nicht daran, meinen Verstand zu benutzen.
(Heiterkeit und Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wesentliche Funktionen des Vergaberechtes sind zwei Punkte: erstens, die Chancengleichheit aller Anbieterinnen und Anbieter für das wirtschaftlichste Angebot zu gewährleisten, und zweitens, aus öffentlichen Mitteln und Zahlen im Haushalt Projekte zu machen: für Straßen, Schulen, Kindergärten und Dienstleistungen, die die Bürgerinnen und Bürger in Anspruch nehmen, für den Wohlstand unseres Landes, damit die Steuern, die sie zahlen, als Rendite und Komfort wieder zu ihnen zurückfließen. Das Leitbild ist ein funktionierender Staat; das Leitbild ist ein effektiver Staat. Umgesetzt wird das durch die Kommunen, durch die Länder und durch den Bund. Wir wollen, dass das schneller, zuverlässiger und rechtssicherer läuft.
Es sind gerade schon einige wichtige Punkte angesprochen worden, die ich auch noch mal hervorheben möchte, so die öffentliche Beschaffung klimaneutralerer Produkte. Dieser Punkt, die grünen Leitmärkte, ist hier so ein bisschen belächelt worden. Wenn wir als öffentliche Hand unseren Unternehmen sagen: „Ihr müsst Transformationen machen, ihr müsst klimaneutraler werden“, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass für diese Produkte öffentliche Haushaltsmittel abgerufen werden und dass der Staat als größter Auftraggeber die Zielsetzung, die er verfolgt, dann auch auf dem Markt von den Unternehmen einfordert, wenn er selbst Geld in die Hand nimmt, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD)
Zum Thema „Local Content“. Man muss hier freimütig bekennen: Es ist zu wenig, es ist wenig mutig.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Und das ist vielleicht auch eine Rechtsauffassung, die ich selbst nicht vertrete, die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auch nicht. Meine Überzeugung ist: Wenn wir ein europäisches Vergaberecht haben und deutsche Aufträge europaweit vergeben wollen, dann müssen auch Grundstoffe aus der Europäischen Union bevorzugt behandelt werden können, sprich: Erst dann, wenn kein einziges Gramm Zement oder Stahl mehr in der Europäischen Union verfügbar ist, das fair und klimaneutral produziert worden ist und aus einem Unternehmen mit guter Mitbestimmung stammt, sollen unsere Unternehmen für öffentliche Aufträge auf die Suche gehen, ob sie außerhalb der Europäischen Union noch Kapazitäten finden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD – Zuruf des Abg. Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
In den Punkten, wo wir sachlich miteinander gerungen haben, ist das ein gutes Gesetz. Weniger sachlich wurde es an anderen Punkten – ich möchte das ganz kurz skizzieren –, so beim Losgrundsatz in § 97a. Hier wussten wir den Deutschen Städte- und Gemeindebund und die sozialdemokratische kommunale Familie an unserer Seite, als wir gesagt haben: Wir möchten ganz oder teilweise aus Sondervermögen finanzierte Projekte vom Losgrundsatz teilweise befreien; wir möchten mit geringeren Schwellenwerten arbeiten, und wir möchten, dass die zeitlichen Gründe eher rechtfertigen als erfordern sollen. Das kriegt man draußen auf der Straße nur wenigen Leuten vermittelt. Was man allerdings den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern vermittelt kriegt, ist: Wenn sie kein Personal auf den Amtsstuben haben, werden diese Aufträge in Teillosen länger dauern oder sind gehemmt, und wenn ein Teillos scheitert, hat das dann oft auch eine Folgewirkung.
Das sind alles Argumente, die die kommunale Familie vorgetragen hat. Ich kann das aufgrund der Redezeit hier nicht noch mal im Detail tun. Aber wenn man diese Argumente vom Tisch wischt mit der Befürchtung, dass man als Regierungsvertreter nicht beim nächsten Schampusempfang der Handwerkskammer eingeladen wird, dann sollte man sich noch mal deutlich vor Augen führen, wem man dient, nämlich der Wählerin und dem Wähler. Für uns war es wichtiger – deshalb hat das Gesetz auch so lange auf sich warten lassen müssen –, diesen Punkt zu verhandeln und starkzumachen.
Ich finde es relevant und wichtig, dass wir uns folgende Zahlen in Bezug auf öffentliche Aufträge noch mal vor Augen führen – die Quelle ist das Statistische Bundesamt –: Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern haben ein öffentliches Auftragsvolumen von 15 Prozent, Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern haben ein öffentliches Auftragsvolumen von 40 Prozent. Daran sollten wir uns messen lassen.
Wir werden dieses Vergaberecht tatsächlich auch daran messen, wie gut es wirkt. Wir haben einen Entschließungsantrag dazu vorgelegt.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit ist abgelaufen.
Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD):
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, und ich danke der Präsidentin für ihre Geduld –
Präsidentin Julia Klöckner:
Die lässt nach.
Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD):
– und für die 16 geschenkten Sekunden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke. – Abschließend in dieser Debatte hat Herr Dr. Klaus Wiener für die CDU/CSU-Fraktion das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine Vorredner aus den Regierungsfraktionen haben es ja bereits deutlich zum Ausdruck gebracht: Mit dem vorliegenden Gesetz hier und heute gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt, mit dem Gesetz verbessern wir die Rahmenbedingungen am Wirtschaftsstandort Deutschland.
Und wie wichtig gerade Investitionen in unsere Infrastruktur sind, das erleben wir ja gerade alle. Wer mit der Bahn fährt, kämpft mit zum Teil massiven Verspätungen. Ich selbst bin seit vielen Jahrzehnten Vielfahrer, und ich muss sagen: So schwierig war es noch nie. Und wer mit dem Auto unterwegs ist, steht allzu oft im Stau.
Hier müssen die Dinge einfach besser werden, weil – das betone ich auch ganz ausdrücklich – die volkswirtschaftlichen Kosten all der Verzögerungen, der Umwege und der Verspätungen weit höher sind als das Geld, das wir in den kommenden Jahren für die Behebung der Mängel ausgeben werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin mir absolut sicher: Die Investitionen in die Infrastruktur haben eine hohe gesamtwirtschaftliche Rendite, die uns allen zugutekommen wird.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Und mit diesem Gesetz sorgen wir dafür, dass die Ertüchtigung der Infrastruktur schneller vorangeht, weil wir damit die Vergabe öffentlicher Aufträge deutlich effizienter machen. Ich denke hier an die erweiterten Möglichkeiten der freihändigen Vergabe – das klang ja bei den Vorrednern auch schon an –, wo die Wertgrenze nun bei 100 000 Euro liegt – das erlaubt gerade den Kommunen eine schnellere Umsetzung von kleineren Vorhaben –, oder auch an die Möglichkeit, sehr große Projekte in einem Gesamtlos zu vergeben.
Aber, Herr Komning, das ist ja keine Erfindung dieses Gesetzes, wie Sie hier insinuiert haben, sondern die Möglichkeit, dass technische und wirtschaftliche Gründe eine Gesamtlosvergabe rechtfertigen; das hat es ja schon immer gegeben.
(Enrico Komning [AfD]: Das ist völlig richtig!)
Was neu ist, ist lediglich:
(Enrico Komning [AfD]: Die Zeit!)
Dass wenn größer zwei ist, also mehr als 11 Millionen Euro erreicht werden, dann können jetzt auch zeitliche Gründe eine Rolle spielen.
(Enrico Komning [AfD]: Eben!)
Und, Herr Weiser, wenn Sie hier die Frage stellen, auf welcher Seite wir stehen, meine ich: Wir stehen für den Mittelstand, wir stehen für das Handwerk.
(Enrico Komning [AfD]: Deswegen geht es denen auch so gut!)
Die Parlamentarische Staatssekretärin Connemann, die bis gerade noch hier war, kämpft wie eine Löwin für den Mittelstand.
(Enrico Komning [AfD]: Deswegen geht es denen auch so gut! – Weiterer Zuruf des Abg. Mathias Weiser [AfD])
Also uns vorzuwerfen, wir würden nicht die Interessen des Mittelstands berücksichtigen, ist nachgerade absurd.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal ausdrücklich betonen, dass wir mit dem vorliegenden Gesetz wirklich einen guten Ausgleich gefunden haben, der die Interessen des Handwerks und des Mittelstands wahrt.
Denn zum einen können Auftraggeber im Falle einer Gesamtvergabe die Auftragnehmer verpflichten, bei der Erteilung von Unteraufträgen die Interessen von kleineren und mittleren Unternehmen besonders, ich betone: besonders zu berücksichtigen. Hierzu möchte ich die öffentlichen Auftraggeber auch ausdrücklich ermutigen. Zum anderen ist mit den vereinbarten Schwellenwerten für die Teillos- und die Fachlosvergabe sichergestellt, dass Handwerk und Mittelstand hier auch zum Zuge kommen können. Insofern glaube ich wirklich: Wir haben hier einen sehr guten Kompromiss gefunden.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Sebastian Roloff [SPD])
Klar ist aber auch: Eine intakte Infrastruktur allein reicht nicht aus, um Deutschlands Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Man sieht das – ich habe selbst fünf Jahre in den USA gelebt – in den USA; da ist die Infrastruktur zum Teil nicht in dem Zustand, wie wir ihn in Deutschland haben, sondern zum Teil schlechter; aber die USA wachsen deutlich besser.
Deswegen: Wenn wir dauerhaft höheres Wachstum haben wollen, dann müssen weitere Bedingungen erfüllt sein. Zu nennen ist hier vor allem bezahlbare Energie. Wir müssen endlich wegkommen von Subventionen und Vergütungsgarantien. Und an der Stelle auch noch mal ein ausdrücklicher Dank an Frau Ministerin Katherina Reiche für die Neuaufstellung der Energiepolitik.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und, Herr Banaszak, wenn ich das an der Stelle hier auch noch mal sagen darf: Sie schwingen hier immer große Worte; dreieinhalb Jahre lang haben Sie den Industriestrompreis in Brüssel nicht auf den Weg gebracht. Wir haben’s jetzt geschafft, wir haben’s in kürzester Zeit geschafft. Also, hier müssen Sie auch mal gucken, wer hier wirklich mit Tempo vorangeht und wer in den dreieinhalb Jahren der Regierungszeit die Dinge massiv verschleppt hat.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir brauchen auch weniger Bürokratie. Wir reden auch gerade über das Lieferkettengesetz, das wir anpassen könnten an die Vorgaben der Europäischen Union. Ja, die sollen erst ab 2028 greifen; aber ich glaube, wir könnten hier auch heute schon Dinge vereinfachen.
Wir brauchen eine Reform der sozialen Sicherungssysteme. Mehr Effizienz und Eigenverantwortung sind hier die Stichworte. Anderenfalls können wir die Herausforderungen des demografischen Wandels, der ja jetzt mit Wucht durchschlägt, nicht stemmen.
Also: Nach der Reform ist vor der Reform. Heute machen wir einen wichtigen Schritt, und weitere werden folgen – insbesondere dann, wenn alle Beteiligten trotz Unterschieden in den Auffassungen, die wir manchmal haben, so konstruktiv zusammenarbeiten wie bei diesem Gesetz. Ich bedanke mich und bitte hier auch noch mal ausdrücklich um Zustimmung.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ich schließe hiermit die Aussprache.
Wir kommen zur Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge. Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie empfiehlt unter Buchstabe a seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/5525, den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Drucksache 21/1934 in der Ausschussfassung anzunehmen.
Die Fraktion der AfD beantragt, über Artikel 1 Ziffer 11 – dabei handelt es sich um die Ersetzung des § 113 GWB – einerseits und über den Gesetzentwurf im Übrigen dann getrennt abzustimmen. Darüber werden wir dann auch abstimmen. Da die Teilung der Abstimmung strittig ist und es sich um einen Gesetzentwurf der Bundesregierung handelt, müssen wir zunächst über die Frage abstimmen, ob wir über den Gesetzentwurf geteilt abstimmen. Wer stimmt für den Antrag auf Teilung der Abstimmung? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Das war sehr eindeutig. Dagegen sind alle Fraktionen außer der AfD-Fraktion, die den Antrag gestellt hat. Damit ist der Antrag auf Teilung der Abstimmung abgelehnt. Wir stimmen daher über den Gesetzentwurf in der Ausschussfassung im Ganzen ab.
Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter Beratung angenommen worden mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der anderen Fraktionen.
Dritte Beratung
und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Gesetzentwurf ist angenommen worden mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der Oppositionsfraktionen.
Unter Buchstabe b seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/5525 empfiehlt der Ausschuss, eine Entschließung anzunehmen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? – Ich stelle die Frage gern noch mal. Ich nehme auch gerne Rücksicht auf individuelle Gespräche. So, noch mal: Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Diese Beschlussempfehlung ist angenommen worden mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der Oppositionsfraktionen.
Wir kommen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 21/5528. Wer stimmt für diesen Entschließungsantrag? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Entschließungsantrag ist abgelehnt worden mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und AfD bei Enthaltung der Linken und Zustimmung des Antragstellers, der Grünen.
Ich rufe nun auf die Zusatzpunkte 4 und 5:
ZP 4 Beratung des Antrags der Abgeordneten Marc Bernhard, Carolin Bachmann, Sebastian Münzenmaier, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
Kommunales Vetorecht gegen Zwangszuweisungen von Flüchtlingen
Drucksache 21/5485
Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Arbeit und Soziales Federführung strittig
ZP 5 Erste Beratung des von den Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Fabian Jacobi, Peter Bohnhof, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Asylgesetzes (Massenmigrationsbewältigungsgesetz)
Drucksache 21/5476
Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (f) Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Federführung strittig
Für die Aussprache haben wir uns auf 60 Minuten geeinigt.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der Abgeordnete der AfD-Fraktion Herr Marc Bernhard. Bitte sehr.
(Beifall bei der AfD)
Marc Bernhard (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Lage der Städte und Gemeinden in Deutschland ist katastrophal: immer mehr Haushaltssperren, immer weniger Geld für die notwendigsten Pflichtaufgaben. Schwimmbäder, Turnhallen, Kitas und ganz Schulgebäude können nicht saniert werden. Straßen, Fußwege, Grünanlagen, der gesamte öffentliche Raum und die Infrastruktur verfallen zunehmend.
Aktuell beträgt das Defizit der Kommunen 60 Milliarden Euro, und es wird bis 2028 auf über 100 Milliarden ansteigen. Die Hauptursache für dieses Desaster ist laut den kommunalen Spitzenverbänden die Explosion der Sozialkosten.
In dieser dramatischen Situation verschärft sich die Wohnungsnot immer weiter. Viele Menschen finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr. Junge Menschen können keine Familie gründen; junge Familien müssen in ihren viel zu kleinen Wohnungen bleiben. In Großstädten stehen oft Hunderte von Wohnungssuchenden in der Warteschlange. Trotzdem verschärfen Sie die Wohnungskrise immer weiter.
Für normale Menschen gibt es keine Wohnungen mehr, schon gar nicht für Einkommensschwächere, die Ihnen angeblich so am Herzen liegen. Sie verlängern die Mietpreisbremse und ermächtigen Ihre Kollegen in den Ländern, massenhaft Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt auszuweisen. Sie bestätigen damit, dass in Deutschland massenhaft Wohnungsnot herrscht.
Und obwohl Sie das ganz genau wissen, führen Sie trotzdem weiterhin massenhaft Zwangszuweisungen von Flüchtlingen in Gebieten mit Wohnungsnot durch und verschärfen damit ganz bewusst die Wohnungsnot der Einheimischen immer weiter. Was Sie hier machen, nämlich das Ausspielen der einheimischen Bevölkerung gegen Flüchtlinge,
(Clara Bünger [Die Linke]: Das machen Sie! – Caren Lay [Die Linke]: Das machen Sie!)
ist nichts anderes als asozial.
(Beifall bei der AfD)
Bevor ich jemanden reinlasse, muss ich doch erst mal prüfen, ob ich auch genügend Platz habe.
(Ina Latendorf [Die Linke]: Mit der Verfassung haben Sie es ja noch nie gehabt!)
Und ob tatsächlich genügend Platz vorhanden ist, wissen die Menschen vor Ort am allerbesten.
(Zuruf des Abg. Siegfried Walch [CDU/CSU])
Deshalb muss es in Zukunft ein Vetorecht der Gemeinden gegen solche Zwangszuweisungen geben, wenn dort bereits Wohnungsnot herrscht, liebe Freunde.
(Ina Latendorf [Die Linke]: Sie wissen schon, dass die Zahlen da zurückgegangen sind, ne? – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Denn es macht keinen Sinn, immer noch mehr Menschen irgendwo reinzupressen, wo schon Tausende von Familien keine Wohnung mehr finden. Das ist asozial.
(Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Abschieben! Abschieben! Abschieben! – Clara Bünger [Die Linke]: Es gibt Kommunen, die freiwillig aufnehmen!)
Ihre Zwangszuweisungen von Flüchtlingen stürzen die eh schon kurz vor der Pleite stehenden Gemeinden vollends in den finanziellen Ruin und damit in die Handlungsunfähigkeit. Zwei Drittel, in manchen Bundesländern sogar drei Viertel der Bürgergeldempfänger haben Migrationshintergrund.
Die Wohnungen allein für diese Bürgergeldempfänger kosten die Gemeinden jedes Jahr 11 Milliarden Euro aus der eigenen Tasche. In Berlin kostet nur die Unterbringung von Flüchtlingen 1 Milliarde Euro – Geld, das bei den wichtigsten Aufgaben fehlt: Renovierung von Schulen und Kitas, Instandsetzung von Straßen, Brücken und städtischen Kliniken.
Die Sozialkosten der Kommunen sind seit 2015 von 54 Milliarden Euro auf über 85 Milliarden Euro gestiegen. An den explodierenden Sozialkosten in den Städten und Gemeinden wird für jeden greifbar: Man kann einen Sozialstaat haben. Man kann auch offene Grenzen haben. Aber beides zusammen führt unweigerlich zum Zusammenbruch des Sozialsystems.
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Genau das erleben wir gerade in Deutschland. Wer die Kommunen überfordert, gefährdet den sozialen Frieden. Kommen Sie zur Besinnung, und ziehen Sie endlich die Notbremse!
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Abgeordneter Detlef Seif das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Detlef Seif (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der AfD ist inhaltlich ihr wichtigstes Thema abhandengekommen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Enrico Komning [AfD]: Deswegen sind wir auch stärkste Kraft in Deutschland! Mindestens 4 Prozent vor Ihnen! – Zuruf des Abg. Marc Bernhard [AfD])
Und das sieht man Antrag und Gesetzentwurf deutlich an. Sie können nur als Verzweiflungstat gewertet werden. Sie sind nämlich mit heißer Nadel gestrickt – politisch überflüssig und auch handwerklich schlecht gemacht.
(Beifall bei der CDU/CSU – Marc Bernhard [AfD]: Ach, ja? – Zuruf von der AfD: Überflüssig ist nur die CDU!)
Vor allem blenden Antrag und Gesetzentwurf die aktuelle Entwicklung völlig aus, so, als ob Sie auf einem anderen Planeten unterwegs sind.
(Marc Bernhard [AfD]: Gibt es eine Wohnungsnot in Deutschland oder nicht? Verschärfen Sie sie oder nicht? – Zuruf von der AfD: Hallo? 20 Prozent in NRW! Alles klar!)
Die Koalition hat viele wirksame Maßnahmen auf den Weg gebracht. Zunächst kam was ganz Wichtiges: das klare Signal, dass wir irreguläre Migration nicht weiter hinnehmen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Marc Bernhard [AfD]: Das ist doch gar nicht richtig!)
Dann folgte die Zurückweisung auch von Asylantragstellern an der deutschen Grenze
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
und auch die Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten und viele weitere Maßnahmen.
(Marc Bernhard [AfD]: Nutzlose Maßnahmen, die nichts bringen! – Sonja Lemke [Die Linke]: Wenn Leute fliehen, ist das „irregulär“?)
Meine Damen und Herren, die AfD hat noch gar nicht bemerkt – wahrscheinlich hat sie gar nicht in den Koalitionsvertrag geguckt
(Marc Bernhard [AfD]: Oh, da steht so viel drin!)
und unsere aktuelle Politik bewertet –, dass die Bundesaufnahmeprogramme nach § 23 des Aufenthaltsgesetzes beendet sind.
(Marc Bernhard [AfD]: Deswegen fliegen Sie jeden Monat Tausende von Afghanen ein, oder? Frei Haus! – Weitere Zurufe von der AfD)
Denn anders ist es nicht zu erklären, dass die AfD jetzt beantragt, dass eine Zuweisung an die Länder nur erfolgen soll – –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ganz kurz: Ich unterbreche mal. – Herr Bernhard, Sie haben doch eben Redezeit gehabt.
(Marc Bernhard [AfD]: Aber wenn der so einen Quatsch erzählt!)
– Nein, das gehört zur Demokratie: Aushalten, dass andere eine andere Meinung haben. – Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Detlef Seif (CDU/CSU):
Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass Sie nun auch in Bezug auf Bundesaufnahmeprogramme beantragen, dass die betroffenen Länder zustimmen müssen. Es gibt überhaupt keine Zuwanderung aus diesem Bereich, außer die wenigen Hundert aus Afghanistan, die jetzt noch abgewickelt werden. Aber es gibt keine neuen Bundesaufnahmeprogramme, meine Damen und Herren.
(Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD] – Zuruf von der Linken)
Wir, das heißt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und weitere Innenpolitiker der Union, sind bei dem Thema „Asyl und Migration“ natürlich nach wie vor mit Nachdruck unterwegs. Wir sind nämlich der festen Überzeugung, dass national und europäisch weitere Maßnahmen erforderlich sind.
(Zuruf von der AfD: Ja, eben!)
Die neuen Regelungen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems wirken ab Juni 2026. Und was viele nicht sehen: Es gibt ein neues Ein- und Ausreiseregister, EES. Es gibt Ende des Jahres ein Europäisches Reiseinformations- und -genehmigungssystem, ETIAS. Das hilft uns, die innere Sicherheit deutlich zu erhöhen und die irreguläre Migration weiter zurückzudrängen, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD])
Dann kommt die neue Rückführungsverordnung der EU, die wahrscheinlich in zwei Monaten in Kraft treten wird. Und wir setzen uns ausdrücklich auch für Rückführungszentren in Drittstaaten ein. Dabei ist nicht nur die irreguläre Migration zu beenden, sondern auch die unkontrollierte, ungesteuerte Asylmigration. Diese ist nach oben nämlich völlig unbegrenzt.
(Sonja Lemke [Die Linke]: Was ist denn mit Menschen, die fliehen müssen?)
Deshalb müssen wir darüber nachdenken, das individuelle Asylrecht durch Aufnahmekontingente zu ersetzen, die auch die Belastungsfähigkeit unserer Gesellschaft, des Staates und auch der Europäischen Union tatsächlich berücksichtigen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: Grundgesetzwidrig!)
Meine Damen und Herren, die Zahlen sprechen doch für sich: Wir hatten 2023 rund 330 000 Erstasylanträge, 2024 230 000 und 2025 113 000. Und die Zahl ist nochmals deutlich gesunken, nämlich auf 22 500 in den ersten drei Monaten. Wir sind in der EU nicht mehr auf Platz eins der Länder, die die meisten Erstasylanträge zu verzeichnen haben,
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
sondern mittlerweile auf Platz vier. Das bedeutet ganz klar – nehmen Sie das doch wenigstens zur Kenntnis –: Die Koalitionspolitik wirkt an dieser Stelle.
(Beifall bei der CDU/CSU – Marc Bernhard [AfD]: Völliger Quatsch! Die Weltlage hat sich geändert!)
Der AfD-Antrag ist ein Angriff auf die Funktionsfähigkeit des Staates.
(Siegfried Walch [CDU/CSU]: Ganz genau! So ist es! – Marc Bernhard [AfD]: Bitte?)
Man muss sich das mal vorstellen: Sie wollen es zulassen, dass ein Gemeinderat sich ohne weitere Voraussetzungen durch Mehrheitsbeschluss der Zuweisung von Asylbewerbern entziehen kann.
(Marc Bernhard [AfD]: Das stimmt doch gar nicht! Nein, nein, nein! Da steht „Wohnungsnot“ drin!)
– Lesen Sie Ihren Gesetzentwurf und Ihren Antrag! Da steht das so drin.
(Marc Bernhard [AfD]: Das steht doch überhaupt so gar nicht drin!)
Der Rechtsstaat kann nur funktionieren, wenn sich alle Körperschaften zu gegenseitiger Rücksichtnahme,
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Ja, genau! „Gegenseitig“!)
Zusammenarbeit und Loyalität verpflichten.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion von Herrn Bernhard zu?
Detlef Seif (CDU/CSU):
Ja.
Marc Bernhard (AfD):
Danke, Herr Kollege, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Haben Sie den Antrag tatsächlich gelesen? Haben Sie den Gesetzentwurf tatsächlich gelesen? Da steht doch eindeutig drin, dass das Vetorecht der Gemeinden nur in Bereichen gelten soll, wo bereits Wohnungsnot herrscht, wo also bereits die einheimischen Familien keine Wohnungen mehr finden. Es ist natürlich ein totaler Wahnsinn, in Städte und Gemeinden weitere Menschen hineinzupressen, wo bereits die Einheimischen keine Wohnungen mehr finden. Oder halten Sie es für eine gute Idee, das in Zukunft weiter so zu tun?
(Beifall bei der AfD – Clara Bünger [Die Linke]: Mietendeckel! – Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Stella Merendino [Die Linke])
Detlef Seif (CDU/CSU):
Herr Kollege, ich bin überrascht: Sie sind der erste Redner Ihrer Fraktion und offensichtlich in völliger Unkenntnis der Antragslage.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Marc Bernhard [AfD]: Ich habe den Antrag selber geschrieben! – Weiterer Zuruf von der AfD: Was?)
Sie haben einen Antrag gestellt, in dem das steht, was Sie sagen, und Sie haben einen Gesetzentwurf zur Änderung des Asylgesetzes vorgelegt, in dem das drinsteht, was ich sage:
(Marc Bernhard [AfD]: Nein! Mietpreisbremse!)
Voraussetzungslos reicht ein Mehrheitsbeschluss einer Kommune aus.
(Marc Bernhard [AfD]: Nein!)
Dann machen Sie es demnächst besser!
(Marc Bernhard [AfD]: Nein! Das ist nicht richtig!)
Genau deshalb ist das ja handwerklich schlecht gemacht und in sich nicht stimmig – das habe ich ja eingangs gesagt –:
(Marc Bernhard [AfD]: Ja, natürlich! Meine Kollegen werden das sagen! – Enrico Komning [AfD]: Fake News!)
weil das nicht zueinanderpasst. Mit heißer Nadel gestrickt! Meine Beantwortung ist jedenfalls jetzt beendet.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Jetzt müssen Sie sich mal überlegen: Nach dem AfD-Antrag soll eine Zuweisung an Gemeinden nicht möglich sein, in denen ein angespannter Wohnungsmarkt im Sinne von § 556d Absatz 2 BGB festgestellt wurde.
(Enrico Komning [AfD]: Genau!)
Das haben Sie gesagt.
(Enrico Komning [AfD]: Ja!)
§ 556d BGB, allgemein auch bekannt als „Mietpreisbremse“,
(Marc Bernhard [AfD]: Ja!)
wird von Ihnen in allen Debatten abgelehnt. Sie sind ein völliger Gegner davon.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Marc Bernhard [AfD]: Darum geht’s doch gar nicht! Das hat damit doch überhaupt nichts zu tun! Das führt doch dazu, dass die Wohnungsnot herrscht, dass sie überhaupt keine Wohnung mehr finden, dass sie sie nicht bezahlen können! Ihr sagt selber, dass überall Wohnungsnot ist!)
Das ist ein inhaltlicher doppelter Rittberger, was Sie hier machen, wenn Sie jetzt genau den zur Basis Ihres Gesetzes und Ihres Antrags machen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Wir wollen Ihnen eine Brücke bauen!)
Überhaupt nicht nachvollziehbar!
Ich komme aus dem ländlichen Raum. Meine Damen und Herren, wo wirkt denn die Mietpreisbremse? Wo wirkt sie denn? In den Städten, im Ballungsbereich. Das heißt, wenn Sie im Ballungsbereich keine Zuweisung mehr zulassen, wandern alle Asylantragsteller in den ländlichen Raum. Das kann doch wohl nicht wahr sein.
(Siegfried Walch [CDU/CSU]: Ganz genau! – Carolin Bachmann [AfD]: Sie müssen abschieben und die Grenzen schließen, Mensch! – Gegenruf des Abg. Siegfried Walch [CDU/CSU]: Ja, das tun wir! – Gegenruf von der AfD: Gar nix tut ihr!)
Das hat doch mit Solidarität innerhalb unseres Landes nichts mehr zu tun.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Letztlich ist die Mietpreisbremse auch untauglich.
(Marc Bernhard [AfD]: Na, ihr macht ja die Mietpreisbremse!)
Denn die Vorschrift bezieht sich nur teilweise auf Fälle, bei denen Wohnraum nicht mehr verfügbar ist, überwiegend aber auf das Preisniveau von Wohnraum. Diese Vorschrift sagt überhaupt nichts dazu, ob die Gemeinde tatsächlich in der Lage ist, die ihr zugewiesenen Asylbewerber aufzunehmen und unterzubringen.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit ist vorbei. Danke schön.
Detlef Seif (CDU/CSU):
Alles in allem: Antrag und Gesetzentwurf sind unbrauchbar.
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke.
Detlef Seif (CDU/CSU):
Beides ist deshalb abzulehnen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke schön. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Karoline Otte das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! So viele Menschen halten täglich unser Land und unsere Gesellschaft am Laufen: der Jugendpfleger auf dem Dorf, die Politikerin im Stadtrat und die Sprachkurslehrerin in der Volkshochschule.
(Uwe Schulz [AfD]: Der Stahlarbeiter und der Bergarbeiter wären mir lieber!)
Diese Menschen müssen wir stärken; denn sie halten unsere Gesellschaft zusammen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ganz besonders unsere Kommunen sind unter Druck. Sie übernehmen wichtige Aufgaben; sie sind großartige Krisenmanagerinnen, und sie bewegen den Alltag der Menschen vor Ort. Doch damit das langfristig weitergehen kann, brauchen Kommunen jetzt unsere Unterstützung. Denn gute kommunale Politik ist nicht Improvisation unter Dauerdruck; das ist Gestalten mit Perspektive, und dafür braucht es Rückenwind aus Berlin. Das ist der Auftrag an diese Bundesregierung, und das fordern wir ein.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich werde nicht müde, es ganz klar zu sagen: Liebe Bundesregierung, handeln Sie! Treffen Sie sich mit den Ländern, und schnüren Sie endlich ein Notfallpaket! Die kommunale Finanzkrise ist jetzt, und die Kommunen brauchen Geld – Geld von Ländern und vom Bund. Das muss gemeinsam auf den Weg gebracht werden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ob Integration gelingen kann, entscheidet sich vor Ort. Dort kümmern sich Verwaltung, Bürgermeister/-innen und unzählige Ehrenamtliche darum, dass Unterkünfte organisiert, Kitaplätze gesucht und Sprachkurse koordiniert werden. Dieses Engagement ist Ausdruck gelebter Solidarität in unserem Land.
Der Antrag und der Gesetzentwurf der AfD hingegen sind das Gegenteil. Sie stellen sich gegen das Solidaritätsprinzip; sie versuchen, Verantwortung zu leugnen, statt sie zu tragen. In der Welt der AfD gibt es Menschen, die Glück und Privilegien haben, und es gibt die anderen, die, die nicht hier geboren sind, die vor schrecklichen Kriegen fliehen müssen.
(Lachen bei Abgeordneten der AfD)
In der Welt der AfD sollen diese Menschen so sehr gegängelt werden, dass sie nirgendwo mehr ankommen können.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Was? Die können nach Rumänien! Die können an die Adria! Warum müssen die zu uns?)
Doch das ist nicht die Welt, an der Menschen in unseren Kommunen, in unseren Städten und Gemeinden jeden Tag arbeiten. Da sind Kommunen solidarisch, und vor Ort sind wir nicht so dumm, die Arbeitskräfte, Nachbarn und Freunde von morgen zurückzuweisen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von der AfD: Welche Arbeitskräfte?)
Unsere Antwort darauf und unser Anspruch sind eindeutig: Wir stärken die Kommunen, und wir verteidigen auch das individuelle Recht auf Asyl. Ich finde es unfassbar, dass die Unionsfraktion sich hierhinstellt und eine wichtige, zentrale Lehre aus dem Nationalsozialismus vor den Bus wirft, indem sie das individuelle Recht auf Asyl derart infrage stellt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken)
Wir als Grüne wollen dafür sorgen, dass Kitas geöffnet bleiben, der Bus fährt und Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen im Rathaus loswerden können. Wir wollen gemeinsam – vom Bund bis in die Städte und Gemeinden -Verantwortung nicht hin- und herschieben, sondern Verantwortung gemeinsam tragen. Wir setzen uns für eine starke kommunale Ebene ein und damit für eine Gesellschaft, die zusammenhält.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der SPD hat nun Herr Abgeordneter Hakan Demir das Wort. Bitte.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)
Hakan Demir (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die AfD spricht immer über die einfachen Leute, heute über die Mieterinnen und Mieter, lehnt jedoch den Mindestlohn ab, will keine Mietpreisbremse und ist gegen eine Erbschaftsteuerreform, die die obersten 5 Prozent treffen würde.
(Uwe Schulz [AfD]: Wir sind aber für Abschiebungen! Für Massenabschiebungen!)
Die AfD ist nicht die Partei der einfachen Leute; Sie sind die Partei der Millionäre und Milliardäre und Überreichen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Linken und der Abg. Karoline Otte [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Sie sind nicht auf der Seite der Rentnerin. Sie sind nicht auf der Seite von Alleinerziehenden, nicht auf der Seite von denen, die gerade jetzt Unterstützung brauchen. Sie sind auf der Seite von Donald Trump und Elon Musk.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Roland Theis [CDU/CSU] – Enrico Komning [AfD]: Und Putin! Haben Sie vergessen! – Rainer Galla [AfD]: Und Putin nicht vergessen!)
– Gut, dass Sie „Putin“ noch reinrufen! Den habe ich tatsächlich vergessen.
(Lachen bei Abgeordneten der AfD)
Sie sind auch auf der Seite von Putin. Das ist auch ganz klar.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Danke für den Hinweis!
Sie wollen Unruhe in unsere Städte bringen. Die AfD ist die Partei, die nicht einen will. Heute will die AfD Mieterinnen und Mieter gegen Geflüchtete ausspielen.
(Marc Bernhard [AfD]: Nee! Das machen Sie den ganzen Tag!)
Wenn Schutzsuchende nach Deutschland kommen, dann gibt es ein etabliertes System: den Königsteiner Schlüssel. Abhängig von Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl werden Menschen zugeteilt.
(Marc Bernhard [AfD]: Aber nicht abhängig vom Platz!)
Das ist auch erst mal sinnvoll. Solidarität findet überall im Land statt, und je wirtschaftsstärker und bevölkerungsreicher eine Region ist, desto mehr Kapazitäten zur Aufnahme gibt es.
(Uwe Schulz [AfD]: In welcher Blase leben Sie?)
Das gilt insbesondere für den Arbeitsmarkt. Schutzsuchende sind ja nicht nur auf Dauer Bedürftige; sie wollen sich ein neues, selbstbestimmtes Leben aufbauen. Das geht am besten in Regionen mit hoher Wirtschaftskraft.
Klar ist natürlich: Mehr Menschen bedeutet mehr Bedarf an Schulen, an Kitaplätzen und auch an Wohnraum. Fest steht auch: Wir können ein solidarisches Land sein und gleichzeitig die Rechte der Mieterinnen und Mieter schützen. Deshalb müssen wir in dieses Land investieren und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es ausreichend Schul- und Kitaplätze und auch ausreichend Wohnraum gibt, und das machen wir bereits.
Wir haben die Mietpreisbremse und auch das Umwandlungsverbot verlängert, damit die Mieten nicht weiter explodieren. Wir haben den Bauturbo vorangebracht und kurbeln so den dringend benötigten Wohnungsbau wieder an. Und wir tun mehr, um Mieterinnen und Mieter in angespannten Wohnungsmärkten besser zu schützen: Wir schränken möbliertes Wohnen ein, regulieren Indexmietverträge und Wohnen auf Zeit. Dafür bin ich auch unserer Ministerin Stefanie Hubig sehr dankbar.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Jürgen Coße [SPD]: Zu Recht!)
Wir stoppen damit die Vermieter, die sich an der bestehenden Wohnungsknappheit durch überteuerte Mieten bereichern.
Das heißt, wir bauen, wir regulieren, und wir nehmen die Sorgen unserer Mitmenschen ernst. Deshalb bieten wir Lösungen für diese Sorgen, statt hier gegen Geflüchtete zu hetzen und unsere Gesellschaft zu spalten. Das ist die richtige Politik: Solidarität mit Mieterinnen und Mietern und Solidarität mit Geflüchteten, die vor Krieg und Gewalt in dieses Land geflohen sind.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es lohnt sich auch immer wieder, die menschenverachtende Sprache der AfD zu benennen. Sie sprechen im Antrag davon, Kommunen „wehrhaft“ zu machen – wehrhaft gegen die Aufnahme von Menschen. Aber klar ist: Menschen sind keine Naturkatastrophe, Menschen sind Menschen.
(Zuruf der Abg. Carolin Bachmann [AfD])
Zuletzt gab es das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan. Wir würden es immer noch brauchen; aber das ist eine andere Debatte. Es sind 30 000 Menschen in dieses Land, nach Deutschland, gekommen: Journalisten, Frauenrechtlerinnen, Beamtinnen und Beamte der demokratischen Regierung Afghanistans. Sie alle kamen, weil sie im Afghanistan der Taliban nicht mehr sicher waren. Sie kamen, weil Deutschland zu Recht gesagt hat: Wir übernehmen Verantwortung. Wir haben uns in Afghanistan über 20 Jahre für Demokratie und Freiheit engagiert.
(Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Wir stehen an der Seite der Afghaninnen und Afghanen, die das auch bei uns getan haben.
(Beifall des Abg. Hendrik Bollmann [SPD])
Und was sagt die AfD? Die Bundesländer wehrhaft machen gegen Menschen, die von Folter und Tod bedroht sind! – Wehrhafte Kommunen gegen die Opfer der Taliban? Das ist zynisch, das ist menschenverachtend.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Für die Sozialdemokratie heißt Wehrhaftigkeit etwas anderes. Wehrhaftigkeit heißt, dass Mieterinnen und Mieter beim Vorgehen gegen Wuchermieten unterstützt werden, und Wehrhaftigkeit heißt, dass unsere Demokratie wehrhaft ist gegen ihre Gegner, gegen die Gegner der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenwürde.
Wir lehnen Ihren Antrag ab.
Vielen Dank.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Ich war mir nicht sicher bis zuletzt!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Caren Lay das Wort. Bitte.
(Beifall bei der Linken)
Caren Lay (Die Linke):
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die AfD präsentiert heute ihre erste wohnungspolitische Initiative in dieser Legislaturperiode. Einen schönen guten Morgen, kann ich da nur sagen!
(Enrico Komning [AfD]: Guten Morgen, Frau Lay! – Zuruf des Abg. Siegfried Walch [CDU/CSU])
Und was ist die Antwort der AfD auf die Wohnungskrise? Wer hätte es gedacht: weniger Migration. Es ist immer die gleiche Leier: An jedem Problem in dieser Welt sind Ihrer Meinung nach Migrantinnen und Migranten schuld.
(Zuruf des Abg. Hans-Jürgen Goßner [AfD])
Und Ihre Lösung für alles – kurz gefasst –: Ausländer raus! – Also ich finde das ja rassistisch.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Enrico Komning [AfD]: Was ist denn das für ein populistischer Quatsch?)
Selbst an der Mietenkrise sollen Asylsuchende schuld sein. Es ist absurd! Also, wenn Zuwanderung der Grund für Wohnungsnot und steigende Mieten ist,
(Enrico Komning [AfD]: Das ist er sehr wohl!)
dann müsste sich die Situation bei weniger Zuwanderung ja entspannen.
(Enrico Komning [AfD]: Ja, müsste!)
Aber wir haben doch einen deutlichen Rückgang von Zuwanderung und der Zahl an Asylanträgen,
(Marc Bernhard [AfD]: Aber die Wohnungsnot ist doch schon da!)
und trotzdem explodieren die Mieten weiter!
(Zuruf von der Linken: Haben die noch nicht gemerkt!)
Sie machen Asylbewerber/-innen zu Sündenböcken. Sie spielen Wohnungssuchende gegeneinander aus – und niemand sonst.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Präsidentin Julia Klöckner:
Ganz kurz: Es hat sich zwar jemand zu einer Zwischenfrage gemeldet, aber wenn jemand noch Redner zu diesem Thema sein wird, dann lasse ich keine Zwischenfrage zu. – Bitte.
Caren Lay (Die Linke):
Mit internationalem Kapital hingegen hat die AfD weniger Probleme. Die Spekulation internationaler Fonds und Wohnungskonzerne auf dem Wohnungsmarkt ist für Sie gar kein Thema. Dabei hat sich zum Beispiel der Anteil internationaler Investoren in Berlin seit 2024 verdoppelt. Das sind Fonds und Konzerne, die Immobilien gewerbsmäßig aufkaufen. Sie treiben die Mieten in die Höhe, schmeißen die Leute raus und verkaufen dann wieder, ohne dass der Fiskus zuschlägt. – Übrigens – das will ich auch sagen – gibt es die gleichen Beschwerden über deutsche Rentenfonds im Ausland. – Spekulation ist die Mutter aller Probleme auf dem Wohnungsmarkt, und dieser Spekulation muss endlich ein Ende gesetzt werden!
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Doch dazu schweigt die AfD – vielleicht, weil sie davon profitiert. Dem Immobilienmilliardär Conle werden ja sehr gute Kontakte in die AfD nachgesagt. Presserecherchen lassen vermuten, dass er eine Werbekampagne zugunsten der AfD im Wert von über 2 Millionen Euro über Strohmänner finanziert hat. Woher kommt das Geld? Möglicherweise von den über 1 200 Immobilien, die er in Zürich besitzt. Sagen Sie sich los von Ihren Kontakten und Ihren Großspenden aus der Immobilienlobby!
(Beifall bei der Linken)
Wenn Sie den Kommunen wirklich helfen wollen, dann müssen Sie das kommunale Vorkaufsrecht stärken, damit die Kommunen die Häuser kaufen können, bevor es Fonds und Konzerne tun können. Aber das haben Sie in der letzten Sitzungswoche, als Die Linke einen Antrag dazu eingebracht hat, ja noch als sozialistische Planwirtschaft abgetan.
Wirklich interessant ist, dass die AfD heute im Grunde die Mietpreisbremse ändern will. Ich lach mich tot! Sie lehnen die Mietpreisbremse doch ab, genau wie jede Verbesserung des Mieterschutzes. Sie sind gegen die Mietpreisbremse, Sie sind gegen den Mietendeckel.
(Dr. Christoph Birghan [AfD]: Schauen Sie sich an, was in der DDR gelaufen ist! Das ist Ihre Politik!)
Selbst den sozialen Wohnungsbau wollen Sie begraben genau mit diesem populistischen Argument, dass das wie in der DDR ist.
(Dr. Christoph Birghan [AfD]: Das ist Ihre Politik! So sieht linke Wohnungspolitik aus!)
Der soziale Wohnungsbau in der Bundesrepublik hat hier jahrzehntelang dafür gesorgt, dass Menschen bezahlbar leben können. Wenn eine Partei die Interessen der Mieter/-innen nicht vertritt, dann ist es die AfD.
Wir lehnen Ihren Antrag und Ihren Gesetzentwurf ab.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Siegfried Walch das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Jürgen Coße [SPD])
Siegfried Walch (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Kolleginnen und Kollegen! Wer die Debatte heute verfolgt hat, konnte in den Genuss kommen, die Konzepte von AfD und Linken nebeneinander zu erleben. Ich hoffe, dass die Bevölkerung draußen diese Diskussion wahrnimmt und endlich erkennt – ganz ehrlich –:
(Enrico Komning [AfD]: Genau! 2 Prozent mehr bei uns! 2 Prozent weniger bei euch!)
Weder die einen noch die anderen haben die Lösung.
(Caren Lay [Die Linke]: Das ist genau das Problem der Union!)
Eines muss ich zu Ihnen von der Linken mal sagen: Die Lösung für wohnungspolitische Probleme liegt natürlich im Schaffen von mehr Wohnraum. Lassen Sie endlich die Firmen bauen! Dann schaffen wir mehr Angebot,
(Beifall bei der CDU/CSU – Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schwachsinn! Viel zu einfach!)
dann sinkt auch der Preis. Das ist das Ziel, und so muss es funktionieren.
Eines muss ich schon zu diesem Antrag sagen, liebe Kollegen von der AfD – man merkt es in der Diskussion und in der Nervosität, die Sie in dieser Debatte ja ausstrahlen –:
(Enrico Komning [AfD]: Wir sind überhaupt nicht nervös! Wir sind ganz entspannt! Nervös solltet ihr sein!)
Seit ich politisch engagiert bin, bin ich Vertreter einer restriktiven Einwanderungs- und Zuwanderungspolitik. Ich glaube, es gibt Belastungsgrenzen – wirtschaftliche, soziale, kulturelle Grenzen.
(Enrico Komning [AfD]: Ja! Die habt ihr aber nicht erkannt!)
Jeder Staat ist nur begrenzt aufnahmefähig. Aber ich möchte auch, dass wir Menschen helfen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung sind. Und ich möchte eines klarmachen: Auch wenn ich für ein restriktives System bin, bin ich trotzdem immer gegen jede Art von Feindseligkeit gegen den Einzelnen. Bei Ihnen spürt man eine emotionale Feindseligkeit. Nicht das systemische Arbeiten steht im Mittelpunkt, sondern Sie verunglimpfen die Menschen.
(Marc Bernhard [AfD]: Quatsch! Nein!)
Sie spalten dieses Land, und deswegen sind Sie niemals geeignet, Verantwortung in diesem Land zu übernehmen, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Das merkt man auch an diesem Antrag. Sie behandeln nicht das System und wollen nicht das System stärken, sondern Sie versuchen, das System ad absurdum zu führen. Am Ende haben wir Kommunen alles, was damals passiert ist, als ungerecht empfunden, aber nicht aufgrund des Verteilungsschlüssels – der Königsteiner Schlüssel verteilt nach Wirtschaftskraft, Einwohnerzahl etc. –, sondern wir haben die Dimension als ungerecht empfunden.
(Dr. Christoph Birghan [AfD]: Wer war denn damals Kanzlerin?)
Schlicht und ergreifend sind und waren Gemeinden und Kommunen längst über ihrer Belastungsgrenze, und das sind sie nach wie vor. Das anzuerkennen, ist auch ganz, ganz wichtig in dieser heutigen Debatte, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Gereon Bollmann [AfD] – Marc Bernhard [AfD]: Und was ist mit den Konsequenzen daraus? – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Da hat Ihr Kollege was anderes gesagt!)
Sie zitieren Bürgermeisterin Sissi Koch in Ihrem Antrag. Sissi Koch hat nicht gegen die Verteilung protestiert, sondern sie hat dafür gekämpft, dass endlich jeder zu der Erkenntnis kommt, dass jede Kommune eine Belastungsgrenze hat.
Der Effekt Ihres Antrags – Kollege Seif hat es ganz richtig erklärt – ist: Entweder macht keine Kommune mehr mit, womit ein System an den Kollaps geführt wird, oder es machen nur noch die Kommunen mit, die Wohnraum frei haben. Das heißt, diejenigen, die in den teuersten Lagen leben, denen es am besten geht, müssen nicht befürchten, dass sie auch noch die Last der Migration tragen müssen, sondern genau derjenige, der im ländlichen Raum lebt, der jetzt schon wenig Geld für seine Miete, fürs Wohnen ausgibt, soll diese zusätzliche Last tragen. Sie sind in diesem Land der Feind des deutschen Arbeiters, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Die Kommunen leisten Übermenschliches; wir haben das selbst erlebt. Wenn pro Woche plötzlich 100 Personen zugewiesen werden, dann ist das nicht nur eine abstrakte Zahl;
(Zuruf des Abg. Reinhard Mixl [AfD])
das müssen auch Linke und Grüne verstehen. Die Zahl wird ganz konkret, wenn man Wohnraum beschaffen muss, für die Sicherheitsregistrierung sorgen muss, Medizinchecks, Kindergärten, Verpflegung etc. organisieren muss.
(Zuruf von der AfD: Müssen wir nicht!)
All das hat unsere Kommunen natürlich an den Rand ihrer Belastung geführt.
(Zurufe der Abg. Reinhard Mixl [AfD] und Sven Wendorf [AfD])
Aber die Lösung ist doch nicht, jetzt zu sagen: „Diejenigen, die sich gern aus der Verantwortung stehlen, lassen wir raus“,
(Dr. Christoph Birghan [AfD]: Wer war denn damals Bundeskanzlerin?)
sondern die Lösung muss die Reduktion der Zugänge und natürlich die Rückführung derer sein, die illegal im Land sind, meine Damen und Herren, und genau das tut diese Bundesregierung.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU sowie des Abg. Hendrik Bollmann [SPD])
Wir hatten als Höchstzahl 2017 über 745 000 Erstanträge. Jetzt sind es noch 116 000 – allein in diesem Jahr wieder ein Minus von 23 Prozent.
(Marc Bernhard [AfD]: Wie viel Familiennachzug?)
Seit diese Regierung im Amt ist, sind die Asylzahlen um über 50 Prozent zurückgegangen. So macht man nachhaltige Politik, die begrenzt und die nicht versucht, das System zu stürzen und in den Ruin zu treiben, meine Damen und Herren.
(Ulrich von Zons [AfD]: Das zeigen doch die Umfragen!)
Ihr Antrag löst nicht das Problem, Ihr Antrag verschärft das Problem. Völlig klar! Ich habe es selber erlebt und darf das an einem Beispiel erklären: 35 Gemeinden gehören zu meinem Landkreis Traunstein. Wenn die Zuweisung kommt, ist der Landrat darauf angewiesen, dass er diese Personen ganz schnell verteilen kann. Und dann gibt es die Gemeinden, die sich engagiert zeigen und solidarisch erklären, und die Gemeinden, die sich da eben eher rausziehen wollen. Aber klar ist doch eins: Wenn sich die Last auf weniger Schultern verteilt, wird die Last für den Einzelnen größer. Das ist das Ende des Solidarprinzips.
(Marc Bernhard [AfD]: Dann müssen Sie die Last verringern!)
– Stellen Sie eine Zwischenfrage, dann können wir darauf eingehen, wer da logisch argumentiert und wer nicht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wenn die gleiche Last auf weniger Schultern verteilt ist, dann wird die Last für den Einzelnen größer.
(Marc Bernhard [AfD]: Sie müssen die Last verringern!)
Das ist nicht anständig, das ist nicht in Ordnung.
(Abg. Dr. Paul Schmidt [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage)
– Es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage, Frau Präsidentin.
Präsidentin Julia Klöckner:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine gewisse Gelassenheit ist auch was Feines. – Bitte, stellen Sie gerne Ihre Zwischenfrage, und hören Sie ansonsten auch ein bisschen den Kollegen zu.
Dr. Paul Schmidt (AfD):
Ich glaube, Sie haben da einen Logikfehler in Ihrer Argumentation. Sie haben vorhin gesagt, dass durch unseren Antrag die Asylbewerber dort untergebracht werden, wo noch Platz ist, wo Gebäude leer stehen, und dass wir dadurch Politik gegen Arbeiter machen, die nach Ihrer Ansicht in den Wohngebieten wohnen, wo die Reichen wohnen. So haben Sie vorhin argumentiert.
Siegfried Walch (CDU/CSU):
Nein.
Dr. Paul Schmidt (AfD):
Doch!
Siegfried Walch (CDU/CSU):
Nein; aber ich stelle das für Sie gerne noch mal klar.
Dr. Paul Schmidt (AfD):
Sie haben gesagt, dadurch werden in die Wohngebiete, wo die Reichen wohnen, keine Asylbewerber hinkommen, dafür aber in den ländlichen Raum, wo eben noch Wohnungen frei sind. Deswegen wäre unsere Politik gegen die Arbeiter.
Siegfried Walch (CDU/CSU):
Okay.
Dr. Paul Schmidt (AfD):
Das habe ich rein logisch überhaupt nicht nachvollziehen können.
Siegfried Walch (CDU/CSU):
Ich helfe noch mal.
Dr. Paul Schmidt (AfD):
Können Sie mir mal erklären, wenn keine Asylbewerber in den Gebieten untergebracht werden, wo die Mieten besonders hoch sind, wo die Reichen wohnen, wie Sie gesagt haben, wieso das dann Politik gegen Arbeiter ist? Das habe ich nicht verstanden. – Danke.
Siegfried Walch (CDU/CSU):
Ich helfe gerne noch mal nach und bin darüber auch sehr froh, weil sieben Minuten Redezeit zu diesem Thema wirklich wenig ist.
(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Ich bin deswegen froh, dass ich noch mal darauf eingehen kann.
Sie sind ja die Partei – oder Sie versuchen immer, das für sich zu reklamieren – der Marktlogik. Ich glaube, das sind Sie nicht wirklich. Aber Sie sagen das ja immer. Die Marktlogik besagt doch, dass der Preis dort steigt, wo die Nachfrage hoch ist und das Angebot niedrig. Das heißt, wir haben dort besonders hohe Preise, besonders hohe Mieten, besonders hohe Wohnkosten, wo eben die Nachfrage enorm hoch ist. Das bedeutet, hier in Berlin-Mitte haben wir viel höhere Preise als in vielleicht weniger nachgefragten Gebieten. Warum ist das so? Weil in diesen Gebieten mehr Angebot im Verhältnis zur Nachfrage zur Verfügung steht.
Ihr Antrag würde bedeuten, dass immer genau die Regionen mehr belastet würden, die jetzt schon quasi nicht zu den nachgefragtesten Gegenden gehören. Ich weiß nicht, ob das das soziale Problem, das Sie immer beschreiben, und die Probleme, die Sie immer mit Migration in Verbindung bringen, lösen würde. Es würde sie noch verschärfen. Es würde nämlich dazu führen, dass viel mehr Ghettoisierung, viel mehr Ballung stattfindet. Sie machen hier einen deutlichen Fehler und gehen somit gegen Ihre eigene Klientel vor. Das sollten alle draußen hören!
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Jürgen Coße [SPD]: Gut erklärt! – Dr. Christoph Birghan [AfD]: Danke, dass Sie erkennen, dass das unsere Klientel ist!)
Meine Damen und Herren, der Antrag löst eben nicht das Problem, sondern, wie ich es gesagt habe, er verschärft es. Und Ihr Antrag zeigt deswegen noch eins – die Beantwortung hat mir die Möglichkeit gegeben, es hier abzukürzen –: Er zeigt, dass Sie nicht darauf setzen, dass ein System funktioniert. – Die Idee ist ja, wir müssen die Zugänge reduzieren, nicht das Verteilungssystem verändern. Sie wollen das Verteilungssystem so verändern, dass das Solidarprinzip ad absurdum geführt wird und dass das System kollabiert. Das Ergebnis ist: Wir sehen damit deutlich, was die AfD tatsächlich ist. Sie ist nämlich keine staatstragende, konservative Partei, die versucht, den Staat handlungsfähig zu machen. Die AfD ist eine Partei des Chaos. Wir setzen auf die Ordnung, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat jetzt das Wort der Abgeordnete Tobias Matthias Peterka. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Tobias Matthias Peterka (AfD):
Frau Präsidentin! Liebe Bürger! Herr Walch, der Einzige, der sich hier aus der Verantwortung stiehlt, sind Sie als langjähriger CSU-Landrat, der sich jetzt in Berlin versteckt hat.
(Beifall bei der AfD)
Es ist einfach eine besondere Leistungsdisziplin in diesem Land geworden – und das sieht man auch an anderen Reden –, Missstände lauthals isoliert zu beklagen, gleichzeitig aber ganz fest die Augen vor den Zusammenhängen zu verschließen; die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik sei hier nur allgemein kurz genannt, wie diese Gewalt-gegen-Frauen-Debatte im Besonderen als jeweils „Hochreck der Halbwahrheiten“.
Und genau so gehen Sie eben auch hier beim Thema Wohnungsknappheit vor. Millionen an Neubürgern werden als Bedarfseskalation ignoriert, ganz wegdiskutiert, als gottgegebenes Hintergrundrauschen verharmlost oder im linken Endstadium als eine geradezu masochistische Buße zelebriert.
Und ja, wir brauchen bezahlbaren Wohnraum; wir müssen mehr bauen. Aber hätten Sie alle nicht seit 2015 Millionen von Menschen hier hereingewunken, stünden wir ganz anders da. Diese Wahrheit nicht sehen zu wollen, ist schon feige; sie anderen verbieten zu wollen, ist Verrat an unserer Zukunft.
(Beifall bei der AfD)
Und – Kollege Bernhard hat vollkommen recht – als Serviceopposition legen wir hier bereits einen fertigen Gesetzentwurf vor. Die Mietpreisbremse war ja zumindest der linken Seite hier immer extrem wichtig. Also sollten wir diese vielleicht mal zum Wohl der Bürger zu Ende denken. Was passiert denn bisher? Die Begründungen für die Ausrufung der angespannten Lage nach § 556d BGB waren inhaltsleere Floskeln und Absichtserklärungen – Hauptsache, man hatte die Verordnung dann als vermeintlichen Arbeitsnachweis wieder mal auf weitere Kommunen ausgedehnt. Wir fordern nun, dass zumindest auch einmal dargelegt wird, wie der Landesgesetzgeber die Hauptursache des knappen Wohnraums, nämlich die Zuweisung von Asylzuwanderern, abzustellen gedenkt – und ja, Herr Seif, auch bezüglich der dort bereits Untergebrachten; denn der Rückgang bei den Neuzuweisungen ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das soziale Sprengstoffgemisch ist bereits von Ihnen angerührt, und die alteingesessenen Parteien schulden den Bürgermeistern und Bürgern vor Ort Rechenschaft sowie endlich Linderung.
(Beifall bei der AfD)
Es wurde ja schon behauptet, wir wären inkonsequent. Natürlich wissen wir, dass Sie bzw. die Landesregierungen dann eh wieder nur Floskeln in diese neue Kategorie reinschreiben werden. Aber erstens ist es trotzdem spannend, mal zu sehen, wie Sie gezwungen sind, sich die Konsequenzen Ihres eigenen Handelns vor Augen führen zu müssen, und zweitens geht der Gesetzentwurf ja noch weiter. Es muss stringent in § 45 Asylgesetz ein Vetorecht der Kommunen eingeführt werden, mit dem sich diese gegen Zuweisungen wehren können. Da können dann die Verordnungsbegründungen meinetwegen als Orientierung mit reingelesen werden. Aber da diese eh nicht umgesetzt werden, können endlich Bürgermeister vor Ort bzw. Gemeinderäte ihre vollmundigen Versprechungen, dass sie alles gegen eine Überbelastung oder sogar ein konkretes Asylheim tun werden, in die Tat umsetzen. Denn man wusste ja bisher von Grün bis Union ganz genau, dass man in Wahrheit gar nichts tun konnte, wenn die Zuteilung ins Rathaus hereinflatterte.
Schluss mit dieser Bauernlegerei! Man muss endlich einhalten, was man versprochen hat. Zeigen Sie vor Ort, was Sie für die Bürger tun können!
(Beifall bei der AfD)
Auch die Überörtlichkeit der Zuweisung werden Sie als Gegenargument anführen. Aber verfassungsrechtlich kann kein Verfahren in Stein gemeißelt sein, das zu galoppierendem Verlust von Wohlstand, Sicherheit, Heimat und auch zunehmend Menschenleben führt. Über die Verzahnung mit der Mietpreisbremse können wir im Detail ja noch diskutieren; es ist die erste Beratung.
(Caren Lay [Die Linke]: Sie lehnen die Mietpreisbremse doch ab! Sie wollen doch überhaupt keine Mietpreisbremse!)
Wir haben Ihnen eine Brücke gebaut. Gehen Sie endlich auch mal über diese Brücke zum Wohl unserer Bürger!
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Hendrik Bollmann das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Jürgen Coße [SPD]: Guter Mann!)
Hendrik Bollmann (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn wir heute über die Zuweisung von Geflüchteten an unsere Kommunen sprechen, dann sprechen wir über eine der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben der letzten Jahre – eine Aufgabe, die uns allen viel abverlangt hat, zuallererst den Geflüchteten, die oft unter dramatischen Umständen ihre Heimat verlassen mussten,
(Zuruf von der AfD: Mit dem Flugzeug!)
den Kommunen, die Unterbringung, Versorgung und Integration organisiert haben, und den Bürgerinnen und Bürgern, die Veränderungen erleben und häufig aber auch konstruktiv mitgestalten.
Das letzte Jahrzehnt war eine Herausforderung; das muss man klar sagen. Und ja, nicht alles ist gut gelaufen. Es gab Engpässe und Entscheidungen, die man heute vielleicht anders treffen würde.
(Reinhard Mixl [AfD]: Freilich!)
Ich weiß, wovon ich spreche. Meine Zeit im Herner Stadtrat fing 2015 mit der Arbeit im interfraktionellen Arbeitskreis zur Unterbringung neu Zugewanderter an. Ich habe an einer Hauptschule im nördlichen Ruhrgebiet in Integrationsklassen unterrichtet und später am Berufskolleg auch junge neu zugewanderte Menschen begleitet. War es herausfordernd? Ja, natürlich! Haben sich die Anstrengungen gelohnt? Unter allen Umständen! Kann man vom Scheitern sprechen, so wie Sie es tun? Nein, natürlich nicht! Im Gegenteil: Aus Vielfalt eine Gemeinschaft zu formen, ist anstrengend – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen –; aber es lohnt sich.
Unsere Kommunen haben viel geleistet, auch wenn Bund und Länder nicht immer hilfreich waren. Ehrenamtliche haben sich engagiert, Verwaltungen haben sich weiterentwickelt. Viele Menschen in unserem Land tragen dazu bei, diese Herausforderungen zu bewältigen: im Verein, in der Schule oder im Betrieb. Zugleich zeigt sich: Deutschland bleibt zwar ein wichtiges Zielland für Hilfesuchende, die Zahl der Asylanträge ist 2026 jedoch deutlich zurückgegangen. Es kann dabei jedoch – und das muss man auch noch mal klar hervorheben – nicht um Abschottung gehen, sondern um Planbarkeit, um den Prozess der Integration und darum, das Zusammenleben gemeinsam mit den Kommunen vor Ort erfolgreich gelingen zu lassen.
Denn was zur Realität gehört: Deutschland ist längst ein Einwanderungsland. Rund 22 Millionen Menschen haben eine Einwanderungsgeschichte – mehr als ein Viertel unserer Bevölkerung. Dieses Viertel können und wollen wir nicht wegdiskutieren wie Sie in Ihrem Antrag. Das wäre unmenschlich, respektlos, realitätsfern und – wenn Ihnen das schon nicht reicht – politisch kurzsichtig.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Diese Menschen sind Teil unseres Landes. Sie arbeiten, zahlen Steuern, gründen Unternehmen, bilden unsere Kinder mit aus und tragen zu unserem Wohlstand bei. Allein im vorletzten Jahr haben ausländische Beschäftigte über 700 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaft beigetragen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Und sie sind – das ist mir wichtig; denn das geht über den Wert der wirtschaftlichen Gebräuchlichkeit hinaus – Nachbarn, Freunde und/oder auch meine früheren Schülerinnen und Schüler. Das zeigt: Migration ist unbestreitbar eine Herausforderung, aber auch eine Stärke unseres Landes – wirtschaftlich und persönlich.
Auch bei der Integration gibt es Fortschritte. Die Beschäftigungsquote der seit 2015 zugewanderten Geflüchteten liegt inzwischen bei rund 64 Prozent. Studien zeigen klar, dass erfolgreiche Integration langfristig positive wirtschaftliche Effekte hat.
(Reinhard Mixl [AfD]: Wenn man das Bürgergeld anschaut!)
Sie sprechen in Ihrem Antrag von der schwierigen Situation am Wohnungsmarkt, zu deren Bewältigung wir auch viel bauen müssen. Frau Verena Hubertz, unsere Ministerin, schiebt dort gemeinsam mit uns ein umfangreiches Reformpaket an. Und schauen Sie doch mal in die Azubiklassen des Baugewerbes rein! Wer sitzt denn da? Viele Wohnungen, die wir brauchen, werden am Ende gerade auch durch Geflüchtete mitgebaut werden. Nach Türken, Italienern, Griechen und Polen vorheriger Jahrzehnte ist das nun die nächste Zuwanderergeneration, die ihre Arbeitskraft in den Dienst unseres Landes stellt. Wer Migration pauschal als Belastung darstellt, greift also zu kurz und ignoriert diese Leistung.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Hinzu kommt: Der vorliegende Antrag zeigt teilweise auch Unkenntnis über unsere föderalen Strukturen. Die Zuweisung von Geflüchteten an Kommunen ist Aufgabe der Länder. Der Bund verteilt nach dem Königsteiner Schlüssel, wie gerade ausgeführt. Alles Weitere entscheiden die Länder. Wer das anders darstellt, führt die Öffentlichkeit – und das muss man bei Ihnen annehmen – bewusst in die Irre.
(Marc Bernhard [AfD]: Das steht im Antrag ganz genau so auch drin!)
Kommunen brauchen starke Instrumente, um insbesondere in den Vierteln, in denen die Aufgaben „Migration“ und „Integration“ schwerpunktmäßig bearbeitet werden und wo diese in der Tat eine besondere Herausforderung darstellen, für ein gutes Leben und Aufstiegschancen zu sorgen. Die dafür notwendigen Instrumente reichen von Sozialarbeitern bis zum kommunalen Ordnungsdienst, von besten Schulen bis zu gut ausgestatteten Ausländerbehörden.
Meine Damen und Herren, wir stehen heute nicht mehr am Anfang. Wir haben Erfahrungen gesammelt, Strukturen aufgebaut und aus Fehlern gelernt. Natürlich gibt es weiterhin Handlungsbedarf. Es liegt noch eine Wegstrecke vor uns. Wir müssen aber die Kommunen unterstützen und Integration stärken. Und dafür – das müssen wir innerhalb der Bundesregierung auch klarstellen – brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen und keine Diskussionen darum.
Aber wir sollten diese Aufgaben mit Zuversicht angehen, nicht mit Angst, mit Realismus und nicht mit Panik. Denn genau darin liegt der Unterschied: Für die AfD ist Populismus der Markenkern, für uns ist es die Verantwortung für dieses Land und für die Menschen, die hier leben, ganz gleich, woher sie kommen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Glück auf!
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Hanna Steinmüller das Wort.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Der politische Horizont der AfD endet genau dort, wo ihr Lieblingsthema beginnt. Egal welches gesellschaftliche Problem wir hier diskutieren, am Ende reagieren Sie immer gleich: mit Spaltung und mit Menschenfeindlichkeit.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken)
Die AfD behauptet, es gäbe eine Wohnungskrise und der Auslöser wären Geflüchtete. Ich kann Ihnen sagen: Wir haben eine Wohnungskrise; aber der Auslöser sind nicht Geflüchtete,
(Marc Bernhard [AfD]: Sondern?)
sondern sie wurde ganz anders ausgelöst. Es gab in der Vergangenheit schon immer Wohnungskrisen, und deswegen nehme ich Sie mit auf eine kleine Zeitreise durch die letzten 150 Jahre:
Ende des 19. Jahrhunderts hatten wir eine Wohnungskrise. Der Auslöser war, dass Arbeiterinnen und Arbeiter in die Ballungszentren kamen, dass sie Wohnungen brauchten und dass diese dort fehlten.
(Marc Bernhard [AfD]: Binnenmigranten! Binnenmigration nennt man das!)
Nach dem Ersten Weltkrieg hatten wir eine Wohnungskrise, weil die Menschen, statt Wohnungen zu bauen, im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in Schutt und Asche gebombt, weil Menschen, die Ihnen von der AfD nahestehen, den Zweiten Weltkrieg angefangen und die ganze Welt ins Unheil gestürzt haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Clara Bünger [Die Linke] – Marc Bernhard [AfD]: Nach dem Zweiten Weltkrieg war auch Binnenmigration! 13 Millionen Flüchtlinge! – Weitere Zurufe von der AfD)
In den 70ern und 80ern hatten wir eine Wohnungskrise vor allen Dingen in den Ballungsräumen. – Um jetzt mal etwas Positives zu sagen: In den 90ern hatten wir zumindest in Ostdeutschland viel Leerstand, weil es Migration innerhalb Deutschlands gab. – In den 2010er-Jahren – und das ist das Problem, das bis heute nachwirkt – hatten wir eine Knappheit in den Ballungsräumen, weil im Zuge der Finanzkrise immer mehr Menschen ihr Geld im sogenannten Betongold geparkt haben und die Mieten explodiert sind.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Marc Bernhard [AfD]: Wenn das so gewesen wäre, müsste es ja mehr Angebot geben! Dann müssten ja Mieten sinken! Das ist ja Unsinn!)
Die Gründe für die Krisen sind also Industrialisierung, Urbanisierung, Wirtschaftskrisen und Deregulierung. Das alles thematisieren Sie nicht. Sie gehen auch nicht auf die Lösungen ein. Wir müssen uns nämlich kümmern um Mietenwucher, um Möblierung, um Kurzzeitvermietung, um explodierende Baukosten und Grundstückspreise.
(Marc Bernhard [AfD]: Ja, um Symptome! Die nichts am Problem ändern!)
Das tun Sie nicht; da sind Sie komplett blank.
Wir wissen aus der Geschichte, liebe Kolleginnen und Kollegen: Das alles war schon früher ein Problem. – Und das hier heute ist auch keine Lösung.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Clara Bünger das Wort.
(Beifall bei der Linken)
Clara Bünger (Die Linke):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Millionen Menschen in diesem Land leiden unter zu hohen Mieten. Besonders hart trifft es Menschen mit kleinem Einkommen. Dafür braucht es endlich politische Lösungen in diesem Land.
(Beifall bei der Linken)
Die AfD schlägt diese Lösungen aber nicht vor. Stattdessen macht die AfD, was sie immer macht: Sie sucht Sündenböcke. Egal um welche Frage es geht, die Antwort der AfD lautet immer: Die Ausländer sind schuld.
(Marc Bernhard [AfD]: Die Regierung ist schuld! Falsche Politik!)
Die AfD will Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gegeneinander ausspielen, um von den wirklichen Ursachen und Profiteuren der Wohnungskrise abzulenken. Das ist ekelhafter Rassismus, den Sie hier betreiben.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich sage ganz klar: Abschiebungen schaffen keine einzige bezahlbare Wohnung in diesem Land.
(Beifall bei der Linken sowie der Abg. Nyke Slawik [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]: Genau wie Enteignungen und Mietendeckel!)
Eine wesentliche Ursache der Wohnungskrise ist neben politischen Fehlentscheidungen auch die politisch verursachte Finanzkrise von 2008 und 2009. Hören Sie jetzt gut zu! Damals waren Aktien von Unternehmen mit zu hohem Risiko verbunden. Also kauften Investoren lieber Immobilien. Die Folge: Immobilienpreise schossen in die Höhe, und parallel stieg der Druck, die Immobilien gewinnbringend zu nutzen. Die Mieten wurden erhöht, und wer sich das nicht leisten konnte – genau –, der wurde verdrängt. Das ist die Realität in diesem Land. Und die Politik hat nichts gegen diese Fehlentwicklungen getan.
Wer die Wohnungskrise bekämpfen will, muss an ihre Ursachen ran:
(Josef Oster [CDU/CSU]: Bauen! Bauen, bauen, bauen!)
an Spekulation und die Macht der Immobilienkonzerne. Genau das will die AfD aber nicht.
(Beifall bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Karoline Otte [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Stattdessen setzt sie auf ein rassistisches Spaltungsprogramm. Das ist die Lösung der AfD.
(Beifall bei Abgeordneten der Linken)
Zur Wahrheit gehört auch: Die AfD stimmt im Bundestag konsequent gegen die Interessen der Mieterinnen und Mieter. Sie ist gegen die Mietpreisbremse, den Mietendeckel und den sozialen Wohnungsbau. Die Partei steht fest an der Seite des Kapitals. Zum Dank hat sie über 420 000 Euro von der Immobilienwirtschaft bekommen.
(Zuruf von der Linken: Hört! Hört!)
Gleichzeitig hat die AfD etwa den Abgeordneten Herrn Maack in ihren Reihen, der neben seinen Bundestagsdiäten noch 400 000 Euro im Jahr von seinen Mieterinnen und Mietern auf sein Konto bekommt.
(Zuruf von der Linken: Hört! Hört!)
Was Sie machen, ist heuchlerisch. Sie erzählen den Mieterinnen und Mietern ernsthaft, die Miete sei so hoch, weil es zu wenige gibt und die Geflüchteten eine Wohnung haben, und gleichzeitig verdienen Sie an den viel zu hohen Mieten. Und wenn man nachschaut: Herr Maack ist ein Mensch, der aus Westdeutschland kommt, und die Mieteinnahmen erzielt er zum größten Teil in Ostdeutschland. Sie haben sich an dem Ausverkauf von Ostdeutschland beteiligt und bereichert. Das ist die Politik der AfD.
(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Jürgen Coße [SPD])
Abschließend wenige Worte zum Königsteiner Schlüssel. Auch wir haben Kritik an diesem starren Zuweisungssystem; das ist keine Frage. Vorschläge für ein gutes Matching-System für die kommunale Aufnahme –
Vizepräsident Omid Nouripour:
Sie müssen zum Ende kommen, Frau Bünger.
Clara Bünger (Die Linke):
– ich komme zum Schluss, – das die Bedürfnisse von Geflüchteten einbezieht –
Vizepräsident Omid Nouripour:
Genau.
Clara Bünger (Die Linke):
– und die Kapazitäten der Kommunen berücksichtigt, liegen schon lange auf dem Tisch.
Vizepräsident Omid Nouripour:
Vielen Dank.
Clara Bünger (Die Linke):
Die sollten wir hier beraten und nicht den rassistischen Müll der AfD.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken sowie der Abg. Jürgen Coße [SPD] und Karoline Otte [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Vizepräsident Omid Nouripour:
Vielen Dank, Frau Bünger. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede Dr. Jan-Marco Luczak von der CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Ich habe mir überlegt: Wie würde ich den Antrag der AfD in wenigen Worten zusammenfassen und bewerten? Wenn ich das machen müsste, dann würde ich sagen: Sie versuchen hier, mit unvollständigen Asylzahlen den Menschen Angst zu machen. Und Sie versuchen, zu verschleiern, dass die Bundesregierung längst konsequent handelt.
Es steht also am Ende erst mal eine falsche Analyse, und dann schlussfolgern Sie aus der falschen Analyse auch noch eine Scheinlösung, die die Ursachen für angespannte Wohnungsmärkte monokausal allein auf Migration zurückführt.
(Marc Bernhard [AfD]: Das ist nicht richtig! Das habe ich nicht gesagt! Sie wissen, dass es nicht monokausal ist!)
Sie bieten obendrein dafür als Lösung auch noch ein untaugliches Instrument an, das die Probleme nicht ursächlich löst, sondern an den Symptomen ansetzt und Folgeprobleme schafft. In der Schule würde man sagen: „Sechs, setzen“, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wenn man mal genau hinschaut, dann muss man doch sehen: Wir haben bei den Asylzahlen einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen.
(Marc Bernhard [AfD]: Haben wir jetzt eine Wohnungsnot, oder haben wir keine?)
Sie wollen die Leute hier für dumm verkaufen, weil Sie in Ihrem Antrag auf die Zahlen der Jahre 2023 und 2024 Bezug nehmen.
(Marc Bernhard [AfD]: Haben wir eine Wohnungsnot?)
Wir sind im Jahr 2026. Wieso nehmen Sie denn nicht die Zahlen von 2025, die bereits vollständig vorliegen? An ihnen wird man sehen: Die Zahl der Asylanträge sinkt, und zwar deutlich. Diese Bundesregierung hat längst umgesteuert. Die Migrationswende ist da, meine Damen und Herren.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Enrico Komning [AfD]: Ja, aber es kommen immer noch zu viele!)
Vizepräsident Omid Nouripour:
Herr Luczak, erlauben Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Peterka von der AfD?
Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU):
Selbstverständlich, gern.
Vizepräsident Omid Nouripour:
Herr Peterka, bitte.
Tobias Matthias Peterka (AfD):
Vielen Dank, dass Sie die Frage zulassen. – Sie haben gemeint, das Problem ist dadurch obsolet, dass nicht mehr oder kaum noch Zuwanderer nachkommen würden. Deswegen möchte ich Sie fragen: Wenn Sie im Keller einen Wasserrohbruch haben, das Wasser bereits im Keller steht und inzwischen ein bisschen weniger Wasser nachtröpfelt, gehen Sie dann wieder ins Wohnzimmer und setzen sich auf die Couch, oder kümmern Sie sich auch um das Wasser, das noch im Keller steht?
(Beifall bei der AfD)
Vizepräsident Omid Nouripour:
Herr Luczak, bitte.
Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU):
Lieber Herr Kollege Peterka, das Bild, das Sie beschreiben, ist natürlich ein bisschen schief.
(Enrico Komning [AfD]: Nee, nee, das ist genau das Bild! – Clara Bünger [Die Linke]: Sie würden das Wasser abschieben!)
Was ich gesagt habe, was Fakt ist und was Sie ausblenden, ist, dass die Asylzahlen deutlich zurückgehen
(Dr. Christoph Birghan [AfD]: Immer noch zu hoch!)
und dass Sie versuchen, den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Sie versuchen, den Menschen Angst zu machen, indem Sie zum Beispiel beim Titel Ihres Gesetzes von einem „Massenmigrationsbewältigungsgesetz“ sprechen.
Fakt ist, dass die Zahlen bei den Erstanträgen im Jahr 2025 gegenüber 2024 um über 50 Prozent zurückgegangen sind
(Uwe Schulz [AfD]: Das Wasser ist immer noch im Keller!)
und dieser Trend sich in 2026 fortsetzt; bei den Erstanträgen gibt es einen Rückgang um 37,8 Prozent im ersten Quartal. Und das ist etwas, was man auch mal zur Kenntnis nehmen muss, statt den Menschen weiter Angst zu machen und zu versuchen, an niedere Instinkte zu appellieren. Das ist populistisch und erbärmlich, liebe AfD.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Vizepräsident Omid Nouripour:
Ich lasse die Uhr jetzt weiterlaufen, Herr Kollege.
Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU):
Ich will auch sehr klar sagen, und zwar in doppelter Hinsicht: Menschen, die in ihrer Heimat an Leib und Leben bedroht sind, die verfolgt werden, finden in Deutschland Schutz. Und da gibt es ein ganz klares Bekenntnis dieser Koalition im Allgemeinen und meiner Fraktion im Besonderen, dass wir diesen Menschen helfen wollen.
Aber wir müssen in genauso großer Klarheit auch deutlich formulieren, dass Menschen, bei denen das nicht zutrifft, nicht dauerhaft in Deutschland bleiben können, weil unsere Gesellschaft auch Grenzen bei der Integrationskraft hat.
(Marc Bernhard [AfD]: Nicht nur sagen, sondern auch was machen!)
Das haben wir klar im Blick, weil wir für die Migration auch Akzeptanz brauchen.
(Marc Bernhard [AfD]: Dann müsst Ihr mal was machen!)
Wir brauchen die Akzeptanz. Ohne die kann Integration und ein gedeihliches Miteinander nicht gelingen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Deswegen haben wir als Bundesregierung auch klare Maßnahmen ergriffen:
(Marc Bernhard [AfD]: Na ja!)
die Kontrollen und die Zurückweisung an den Grenzen, die Aussetzung für Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte, die Abschiebung auch nach Afghanistan und nach Syrien,
(Zuruf der Abg. Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
die Ausweitung der Zahl sicherer Herkunftsstaaten mit vereinfachten Verfahren und auch die Abschaffung der Turboeinbürgerung. Deswegen kann und muss man mit Blick auf die dargestellten Zahlen sagen: Diese Koalition handelt, unsere Politik wirkt, und es sind nicht nur Worte wie bei Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Hendrik Bollmann [SPD])
Mir ist ganz wichtig, zu sagen, dass die Lösung für angespannte Wohnungsmärkte nicht im Bereich der Migration und nicht alleine im Bereich des Mietrechts liegt. Es geht hier doch um Angebot und Nachfrage, wenn wir über angespannte Wohnungsmärkte sprechen. Angespannte Wohnungsmärkte sind ein Phänomen, das ganz unabhängig von der Migration besteht.
Wir haben nicht nur in Deutschland, sondern weltweit einen Trend zur Urbanisierung. Die Menschen ziehen in die Städte. Die Metropolregionen wachsen, die Ballungsräume wachsen, weil dort Arbeitsplätze vorhanden sind, weil es vielfältige Betreuungsangebote für Familien gibt, weil es ein reiches kulturelles und gesellschaftliches Angebot gibt. Und deswegen muss doch auch unsere Frage sein: Wie können wir es
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