Struktur, Kosten und gesellschaftspolitische Ausrichtung der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit
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Struktur, Kosten und gesellschaftspolitische Ausrichtung der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7769
21. Wahlperiode 31.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Gerrit Huy, Peter Bohnhof, Jan Feser, Achim Köhler, Lukas
Rehm, Bernd Schuhmann, Thomas Stephan und der Fraktion der AfD
Struktur, Kosten und gesellschaftspolitische Ausrichtung der Hochschule der
Bundesagentur für Arbeit
Die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) unterhält als „besondere
Dienststelle“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) Standorte in Mannheim und
Schwerin. Ihr Betrieb wird nahezu vollständig aus Beitragsmitteln der
Arbeitslosenversicherung finanziert. Zuletzt wurde das Budget der HdBA für das Jahr
2022 mit ca. 24,1 Mio. Euro beziffert. Vor diesem Hintergrund ist aus Sicht der
Fragesteller zur Sicherstellung einer lückenlosen Transparenz über die
Verwendung der Beitragsmittel eine detaillierte und aktuelle Aufschlüsselung der
Ausgaben für die Jahre ab 2023 geboten.
Die BA gewährt ihren Studenten eine im Vergleich zu anderen dualen
Studiengängen sowie zur allgemeinen Bundesverwaltung außergewöhnlich hohe
Vergütung: Laut aktuellen Informationen der BA (Stand: November 2025) beträgt
diese derzeit 1 925 Euro monatlich zuzüglich möglicher Zuschüsse für
Unterkunft und Verpflegung (vgl. www.arbeitsagentur.de/vor-ort/datei/november-20
25-duales-studium_ba253382.pdf#page=5). Zum Vergleich: Der
Anwärtergrundbetrag für den gehobenen Dienst des Bundes liegt (Stand: 2024/2025) bei
1 667,75 Euro (vgl. Bundesbesoldungsgesetz, Grundbetrag Anwärterbezüge).
Damit liegt die Vergütung an der HdBA um mehr als 15 Prozent über dem
Standardniveau der allgemeinen Bundesverwaltung, was angesichts der
Finanzierung aus Beitragsmitteln eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung darstellt.
Über die rein ökonomische Betrachtung hinaus weist das Curriculum
verpflichtende Module zu den Themenfeldern „Arbeitsmarktökonomie und Gender“
(Modul 17) sowie „Diversity Management“ (Modul 23) auf (vgl. Modulkatalog
HdBA 2023, www.hdba.de/fileadmin/media/downloads/informationen_zum_st
udium/Modulkatalog_Curriculum_2023.pdf).
Angesichts der angespannten Haushaltslage und der Notwendigkeit einer
effizienten Arbeitsmarktverwaltung ist die wirtschaftliche Notwendigkeit dieser
spezialisierten Hochschulstruktur sowie der direkte Bezug der genannten
Lehrinhalte zur Kernaufgabe der Arbeitsvermittlung aus Sicht der Fragesteller kritisch
zu hinterfragen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch waren die Gesamtausgaben für die HdBA in den Jahren 2021,
2022, 2023, 2024 sowie 2025 (bitte nach Personal-, Sach- und
Investitionskosten sowie Standorten aufschlüsseln; für das Jahr 2025 bitte die
vorläufigen Ist-Werte oder Planansätze angeben)?
2. Wie hoch beziffert die Bundesregierung die Gesamtkosten pro Absolvent
der HdBA (einschließlich Studienvergütung, Sozialversicherungsbeiträge
und Zuschüsse) über die gesamte Regelstudienzeit?
3. Warum erfolgt die Ausbildung nicht über die Hochschule des Bundes für
öffentliche Verwaltung (HS Bund), die bereits den Nachwuchs zahlreicher
anderer Bundesbehörden ausbildet (vgl. https://hsbund.de), um mögliche
Synergieeffekte bei Infrastruktur und Lehrbetrieb zu nutzen?
4. Wie viele Studenten haben ihr Studium an der HdBA in den letzten fünf
Jahren vorzeitig beendet, und welche Summe an bereits gezahlten
Vergütungen wurde hierbei durch die BA zurückgefordert beziehungsweise als
Verlust verbucht?
5. Welchen konkreten Nutzen für die Vermittlungsquote in den ersten
Arbeitsmarkt misst die Bundesregierung den Pflichtmodulen
„Arbeitsmarktökonomie und Gender“ (Modul 17) sowie „Diversity Management“
(Modul 23) bei (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Ist das Bestehen der in Frage 5 genannten Module zwingende
Voraussetzung für den Studienabschluss und die anschließende Übernahme in das
Beschäftigungsverhältnis bei der BA?
7. In welcher Höhe wurden seit dem Jahr 2020 externe Honorare für
Lehrbeauftragte, Trainer oder Berater gezahlt, die Inhalte zu den in Frage 5
genannten Themenfeldern vermittelt haben (bitte nach Empfängern und
Summen auflisten)?
8. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass an der HdBA das Gebot der
politischen Neutralität gewahrt bleibt, insbesondere bei der Vergabe von
Forschungsaufträgen und der Berufung von Lehrpersonal zu diesen
Themenfeldern?
9. Wie viele gemeinsame Forschungsprojekte wurden zwischen der HdBA
und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in den
letzten fünf Jahren durchgeführt, und wie wird hierbei eine kostenträchtige
Doppelstruktur in der Forschung vermieden?
10. Welcher Anteil der an der HdBA erarbeiteten Forschungsergebnisse fand
in den letzten drei Jahren direkten Eingang in die Fachlichen
Weisungen (FW) der BA für die operative Vermittlungsarbeit?
11. Verfügt die Bundesregierung über vergleichende Daten zur
Vermittlungseffektivität (beispielsweise Integrationsquote von Arbeitslosen) zwischen
Beratern mit einem HdBA-Abschluss und Beratern mit einem
fachfremden Hochschulabschluss (Quereinsteiger)?
12. Wie hoch ist die Fluktuationsquote von HdBA-Absolventen nach Ablauf
der gesetzlichen oder vertraglichen Bindungsfrist an die Bundesagentur
für Arbeit?
13. In welchem Umfang wurden seit dem Jahr 2021 externe
Unternehmensberatungen (beispielsweise McKinsey, Roland Berger) für Aufgaben der
Organisationsentwicklung, des Personalmanagements oder der
Strukturoptimierung der Bundesagentur für Arbeit (BA) beauftragt (bitte nach Projekt,
Auftragnehmer und Kosten aufschlüsseln), und wie begründet die
Bundesregierung diese externen Vergaben angesichts der Tatsache, dass die
BA mit der HdBA über einen eigenen Forschungs- und Lehrkörper mit
entsprechenden Fachschwerpunkten verfügt?
Berlin, den 15. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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