Stand der Planungen für eine Modernisierung der Arbeitslosenversicherung
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Stand der Planungen für eine Modernisierung der Arbeitslosenversicherung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6411
21. Wahlperiode 11.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sylvia Rietenberg, Timon Dzienus, Dr. Armin Grau, Lisa Paus,
Corinna Rüffer, Ricarda Lang und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Stand der Planungen für eine Modernisierung der Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitswelt befindet sich weiterhin in einem tiefgreifenden Wandel.
Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografische Entwicklung und
Fachkräftemangel verändern Qualifikationsanforderungen, Erwerbsverläufe und
Beschäftigungsformen grundlegend. In der vergangenen Legislaturperiode hatte die
Bundesregierung mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung der
Arbeitslosenversicherung und Arbeitsförderung (SGB-III-Modernisierungsgesetz)
auf Bundestagsdrucksache 20/12779 einen Reformprozess eingeleitet, der
infolge des Endes der damaligen Koalition aus SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN und FDP nicht abgeschlossen wurde.
Der damalige Gesetzentwurf enthielt unter anderem Ansätze zur stärkeren
Unterstützung junger Menschen beim Übergang von Schule in Ausbildung und
Arbeit, zur Verstetigung der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung, zur
Digitalisierung der Arbeitsförderung, zur Weiterentwicklung der
Eingliederungsvereinbarung zu einem Kooperationsplan sowie zur Verbesserung des
Zugangs Selbstständiger zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung.
Darüber hinaus wurden im parlamentarischen Verfahren weitere Reformbedarfe
benannt. Dazu gehörten insbesondere eine inklusive Arbeitsförderung,
Verbesserungen beim Transferkurzarbeitergeld, die Modernisierung des
Erreichbarkeitsrechts, bessere Fördermöglichkeiten für berufsbegleitende Sprachkurse,
Reformen bei der Absicherung unständig Beschäftigter sowie zusätzliche
Maßnahmen zur Weiterbildungsförderung.
Bereits in der vorletzten Wahlperiode hatte die Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN vorgeschlagen, die Arbeitslosenversicherung schrittweise zu
einer „Arbeitsversicherung“ weiterzuentwickeln, die nicht nur auf
Arbeitslosigkeit reagiert, sondern Erwerbstätige präventiv bei Weiterbildung,
Transformation und Übergängen im Erwerbsleben unterstützt. Es stehen noch viele
wichtige Schritte aus, um die Arbeitslosenversicherung für die moderne Arbeitswelt
mit ihren vielfältigen Arbeitsformen zukunftsfest und gerecht aufzustellen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten gesetzgeberischen Vorhaben verfolgt die
Bundesregierung derzeit zur Modernisierung des Dritten Buches Sozialgesetzbuch
(SGB III) in der laufenden Legislaturperiode?
2. Welche Regelungen aus dem Entwurf eines SGB-III-
Modernisierungsgesetzes der 20. Wahlperiode werden durch die Bundesregierung
erneut aufgegriffen, und welche wurden aus welchen Gründen verworfen?
3. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den bisherigen
Erfahrungen mit dem Qualifizierungsgeld nach §§ 82a ff. SGB III
hinsichtlich Inanspruchnahme, Zugangshürden, Bearbeitungsdauer und
Wirkung auf Beschäftigungssicherung und Weiterbildung?
4. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die
Weiterbildungsförderung Beschäftigter, beispielsweise durch die Verstetigung der
Berufsberatung im Erwerbsleben (BBiE) zu verbessern?
5. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um das
Qualifizierungsgeld insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und das Handwerk
unbürokratischer und leichter zugänglich zu gestalten?
6. Wie hoch ist der Anteil der Selbstständigen, die aktuell
arbeitslosenversichert sind, und welche Änderungen plant die Bundesregierung bei der
freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige, insbesondere
hinsichtlich Vorversicherungszeiten, Beitragssystematik oder
Zugangsfristen?
7. Wie hoch war im vergangenen Berichtszeitraum der Anteil der Menschen,
die aus sozialversicherter Beschäftigung ohne Arbeitslosengeldanspruch
abgehen, und welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zur besseren
sozialen Absicherung unständig Beschäftigter?
8. Wie hoch war im vergangenen Berichtszeitraum der Anteil der
Kurzarbeitergeldbeziehenden, die sich nach Kenntnis der Bundesregierung während
der Kurzarbeit beruflich (weiter-)qualifizieren, und welche Schritte plant
die Bundesregierung zur Weiterentwicklung des
Transferkurzarbeitergeldes, insbesondere mit Blick auf Weiterbildung und den Übergang in neue
Beschäftigung?
9. Wie viele Unternehmen welcher Größenklasse haben im letzten
Berichtszeitraum Transfergesellschaften mit Kofinanzierung der Bundesagentur
gegründet, und wie gedenkt die Bundesregierung, diese Option für kleine
und mittlere Unternehmen leichter zu ermöglichen?
10. Welche Schritte plant die Bundesregierung zur Entwicklung einer
inklusiven Arbeitsförderung, bei der individuelle Unterstützungsbedarfe stärker
berücksichtigt werden, insbesondere für junge Menschen mit
Behinderungen oder komplexen Problemlagen, vor allem in der Berufsorientierung
und des Übergangs von der Schule in den Ausbildungsmarkt?
11. Wie viele junge Menschen haben seit der Einführung von der
Ausbildungsgarantie profitiert, und wie bewertet die Bundesregierung die
Zahlen?
12. Sieht die Bundesregierung weiteren Reformbedarf bei der
Ausbildungsgarantie, insbesondere im Hinblick auf Umlagefinanzierung,
Voraussetzungen und Zielgruppe?
13. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die bestehenden
Zuständigkeitsstreitigkeiten und Barrieren im Übergangssystem zwischen
der Agentur für Arbeit, den Jobcentern, der Jugendhilfe und den Trägern
der Eingliederungshilfe im Sinne „integrierter Hilfen“ aus einer Hand
abzubauen?
14. Wie steht die Bundesregierung zur Forderung, einen einklagbaren,
individuellen Rechtsanspruch auf eine der UN-Behindertenrechtskonvention
entsprechenden Ausbildung einzuführen?
15. Wie beurteilt die Bundesregierung das Problem zeitlich befristeter oder
vorzeitig wegbrechender Unterstützungsleistungen während der
Ausbildung, und wie will sie eine verlässliche, bedarfsgerechte
Anschlussförderung sicherstellen?
16. Welche Mechanismen plant die Bundesregierung, um ein kontinuierliches
Monitoring der Ausbildungsgarantie unter direkter und institutionalisierter
Beteiligung von Menschen mit Behinderungen und deren
Selbstvertretungen umzusetzen?
17. Plant die Bundesregierung die Einführung eines Arbeitgeberzuschusses
für berufsbegleitende Berufssprachkurse, insbesondere bei Ausbildungen,
und wenn nein, warum nicht?
18. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Verstetigung des
vernetzt-hybriden Beratungsmodells?
19. Welche Schritte plant die Bundesregierung für einen gesetzlichen Rahmen
zum neuen Instrument Arbeitsmarktdrehscheibe?
20. Wie beurteilt die Bundesregierung die Möglichkeiten, den Wechsel von
alten Industrien in klimafreundliche Zukunftsbranchen finanziell
anzureizen, z. B. mit befristeten Wechselboni oder einer zielgenaueren
Besteuerung von Abfindungen?
Berlin, den 8. Juni 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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