Schwimmfähigkeit der Bevölkerung und Bäderinfrastruktur
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Schwimmfähigkeit der Bevölkerung und Bäderinfrastruktur
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7625
21. Wahlperiode 17.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Görke, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Jorrit
Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Ates
Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf,
Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Zada
Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Schwimmfähigkeit der Bevölkerung und Bäderinfrastruktur
Im Jahr 2025 ereigneten sich laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft
(DLRG) 393 tödliche Unglücke in Gewässern (s. www.dlrg.de/informieren/
diedlrg/presse/statistik-ertrinken). Innerhalb der DLRG-Statistik verzeichnete sich
ein Anstieg um 22 Todesfälle innerhalb der 11- bis 30‑Jährigen im Vergleich
zum Vorjahr (s. ebd.). Diese tragischen Zahlen sind nach Auffassung der
Fragestellenden vor allem im Zusammenhang mit der sinkenden Schwimmfähigkeit
innerhalb der jüngeren Alterskohorten der Bevölkerung zu interpretieren.
60 Prozent der unter zehnjährigen Kinder können laut DLRG aktuell nicht
sicher schwimmen (s. www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/schwimmfaehi
gkeit). Ein Fünftel der Kinder kann überhaupt nicht schwimmen, mit einer
steigenden Tendenz (s. ebd.). Zudem ist ein starker Zusammenhang zwischen dem
Haushaltseinkommen der Eltern und der Schwimmfähigkeit ihrer Kinder zu
beobachten. Außerhalb dieser im Jahr 2022 vom DLRG in Auftrag gegebenen
FORSA-Umfragen gibt es jedoch nach Kenntnis der Fragestellenden keine
aktuelleren, öffentlich verfügbaren Statistiken zur Schwimmfähigkeit der
bundesweiten Bevölkerung.
Vor dem Hintergrund der steigenden Nichtschwimmerquote unter den
Grundschülerinnen und Grundschülern forderte der DLRG wiederholt eine
Verbesserung der Präventions- und Ausbildungsarbeit. Zur Realisierung dieser Ziele
braucht es nach Auffassung der Fragestellenden einen flächendeckenden
Grundschulschwimmunterricht für alle. Der Schwimmunterricht steht zwar in
allen 16 Bundesländern auf dem Lehrplan, entfällt aber dennoch oft gänzlich,
da die Bäderinfrastruktur über nicht ausreichend Kapazitäten verfügt. Deshalb
wird vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und von der DLRG
gemeinsam ein Mehr an der Schwimmausbildung befähigten Sportlehrkräften und
ein Mehr an Kapazitäten in der Schwimmbäderinfrastruktur gefordert. Die
Präsidentin der DLRG, Ute Vogt, bezeichnet die aktuelle Qualität der
Schwimmausbildung der Grundschüler als „unnötiges Lebensrisiko“ (s. www.dlrg.de/inf
ormieren/die-dlrg/presse/statistik-ertrinken/zwischenbilanz-2024/presseinf
o-1/).
Den aktuellen Sanierungsbedarf im Bereich Bäderinfrastruktur betitelt die
Bäderallianz auf bis zu 20 Mrd. Euro (s. www.sportschau.de/die-lage-unserer-bae
der-ist-desastroes,hintergrund-baederallianz-100.html). Das Bundesprogramm
„Sanierung Kommunale Sportstätten – Schwimmbäder“ (SKS-Schwimmbäder)
wird diesem Sanierungsbedarf nach Auffassung der Fragestellenden mit seinem
Fördervolumen von 250 Mio. Euro nicht gerecht. Auch der Anteil am
Fördervolumen des Bundesprogramms „Sanierung Kommunale Sportstätten“ (SKS)
in Höhe von 20 Mio. Euro ist nach Auffassung der Fragestellenden nicht den
Bedarfen angemessen. Es bedarf stattdessen nach Auffassung der
Fragestellenden eines Bäderplans, wie ihn die Bäderallianz fordert, in dem Bedarfe
ermittelt, dort wo nötig Förderung gewährleistet und so die Bedingungen für eine
flächendeckende Schwimmausbildung erfüllt werden (s. www.baederallianz.de/
fileadmin/user_upload/Downloads/Deutscher_Schwimmbadplan_062025.pdf).
Aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten muss nach Auffassung der
Fragestellenden die Schwimmbadplanung zukünftig in Zusammenarbeit
zwischen Bund, Ländern und Kommunen gehandhabt werden, um eine
flächendeckende Bäderinfrastruktur zu gewährleisten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Schwimmfähigkeit
der Bevölkerung in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren entwickelt
(bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder, Freizeitbäder, Schulbäder und Cabriobäder
seit dem Jahr 2018 in Deutschland entwickelt (bitte jeweils nach
Bundesländern und gesamt sowie Jahreszahlen mit Nennung der
Informationsquellen aufschlüsseln)?
3. Wie viele Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder, Cabriobäder und
Freizeitbäder werden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2026 aktuell
von öffentlichen Betreibern wie Kommunen oder kommunalen
Tochterunternehmen, von privaten Betreibern, Genossenschaften und von Vereinen
betrieben (bitte jeweils nach Bundesländern und Betreibertypen
aufschlüsseln)?
4. Wie viele Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder, Cabriobäder und
Freizeitbäder werden im Jahr 2026 aktuell vom Bund betrieben (bitte jeweils
entsprechend nach Bundesbehörden, Nutzungszweck – wie zum Beispiel
Spitzensport oder Dienstsport –, Bundesländern und Betreibertypen
aufschlüsseln)?
5. Wie viele Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder, Cabriobäder und
Freizeitbäder wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2018
dauerhaft geschlossen und wie viele sind aktuell geschlossen aufgrund von
Sanierungsbedarf oder Sanierungsarbeiten (bitte jeweils nach Jahr,
Bundesländern und Art der Schließung aufschlüsseln)?
6. Wie hoch beziffert die Bundesregierung den aktuellen Sanierungsbedarf
für die Bäderinfrastruktur (bitte jeweils nach Bundesländern aufschlüsseln
und Gesamtsummen angeben)?
7. Plant die Bundesregierung, die Lücke zwischen Sanierungsbedarf und
dem Fördervolumen des SKS – Schwimmbäder zu schließen, wenn ja,
durch welche Maßnahmen, und wenn nein, mit welcher Begründung?
8. Wie viele Anträge auf das SKS – Schwimmbäder sind nach Kenntnis der
Bundesregierung eingegangen (bitte beantragtes zu förderndes Projekt,
Antragstellerin bzw. Antragsteller, beantrage Fördersumme sowie gesamte
beantragte Fördersumme einzeln aufschlüsseln)?
9. Wie viele Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder, Cabriobäder und
Freizeitbäder erhielten seit dem Jahr 2018 eine finanzielle Förderung vom Bund
für ihre Sanierung und ihren Erhalt (bitte nach Jahreszahlen,
Bundesländern und Höhe der jeweiligen Förderung aufschlüsseln)?
10. Wie viele Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder, Cabriobäder und
Freizeitbäder wurden seit dem Jahr 2018 nach Kenntnis der Bundesregierung neu
geschaffen, wie viele davon mit finanzieller Unterstützung durch den
Bund (bitte jeweils nach Jahr und Bundesländern aufschlüsseln)?
11. Welche Förderprogramme des Bundes gibt es für Vereine, die zumeist
keinen Eigenanteil mitbringen, um die Instandsetzung und Sanierung
vereinseigener Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder und Cabriobäder zu
finanzieren, insbesondere wenn diese keinen Eigenanteil leisten können?
12. Besitzt die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie viele Schulen nach
aktuellem Stand über kein erreichbares Schwimmbad in 30-minütiger
Entfernung mit dem Bus verfügen, und wenn ja, um wie viele Schulen
handelt es sich (bitte nach Schultyp aufschlüsseln)?
13. Sind der Bundesregierung kreisfreie Städte oder Landkreise bekannt, die
über keine Hallenbäder, Kombibäder, Freibäder, Cabriobäder und
Freizeitbäder verfügen, und wenn ja, um welche handelt es sich (bitte jeweils
nach Bundesländern aufschlüsseln)?
14. Ist der Bundesregierung die Forderung der Bäderallianz Deutschland, eine
Servicestelle Bädersanierung und Bäderentwicklung im Bundesinstitut für
Bau-, Stadt- und Raumforschung anzusiedeln, bekannt, und welche
Schlussfolgerungen zieht sie daraus (s. www.dgfdb.de/fileadmin/user_upl
oad/Baederallianz_Deutschland_Schwimmbadplan_2025.pdf)?
15. Ist der Bundesregierung die Forderung der Bäderallianz Deutschland, ein
Bäderförderprogramm auf der Bundesebene einzurichten, mit einem
Fördervolumen von 12 Mrd. Euro über zwölf Jahre gestreckt, bekannt, und
welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus (s. ebd.)?
16. Hat die Bundesregierung Schritte außerhalb des SKS – Schwimmbäder
Schritte eingeleitet, um zusammen mit Ländern und Kommunen
Schwimmbadbedarfe zu ermitteln, und wenn ja, fanden diesbezüglich
Termine unter Teilnahme von Regierungsmitgliedern oder
Regierungsvertretern statt (bitte Art des Termins und teilnehmende Regierungsmitglieder
oder Regierungsvertretern angeben)?
17. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung eingeleitet bzw. plant die
Bundesregierung, um langfristig die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung
sicherzustellen?
18. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele
Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer es im Jahr 2026 in Deutschland gibt und wie
groß der Bedarf ist, um flächendeckend einen Schwimmunterricht an allen
Schulen zu gewährleisten, und wenn nein, warum nicht?
19. Hat die Bundesregierung erwogen, die Länder bei der Ausbildung von
Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrern zu unterstützen und deren
Zahl zu erhöhen, wenn ja, durch welche Maßnahmen, und mit welchen
Partnern, und wenn nein, warum nicht?
20. Wie viele Grundschulen können nach Kenntnis der Bundesregierung
aktuell keinen Schwimmunterricht anbieten, da ihnen der Zugang zu
Schwimmbädern fehlt (bitte jeweils nach Bundesländern aufschlüsseln)?
21. Wie viele weiterführende Schulen können nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell keinen Schwimmunterricht anbieten, da ihnen der
Zugang zu Schwimmbädern fehlt (bitte jeweils nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
22. Wie viele Förderschulen können nach Kenntnis der Bundesregierung
aktuell keinen Schwimmunterricht anbieten, da ihnen der Zugang zu
Schwimmbädern fehlt (bitte jeweils nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Berlin, den 17. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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