Zustand und Modernisierung von (öffentlichen) Hallen- und Schwimmbädern
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Zustand und Modernisierung von (öffentlichen) Hallen- und Schwimmbädern
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/713
21. Wahlperiode 30.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Karoline Otte, Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Timon
Dzienus, Sylvia Rietenberg, Hanna Steinmüller, Kassem Taher Saleh, Julian
Joswig, Lisa Paus, Stefan Schmidt, Julia Schneider und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zustand und Modernisierung von (öffentlichen) Hallen- und Schwimmbädern
Hallen- und Freibäder sind ein essenzieller Bestandteil der öffentlichen
Daseinsvorsorge. In Deutschland stehen nach Angaben der Deutschen
Gesellschaft für das Badewesen etwa 6 000 Hallen-, Frei- und Kombibäder der
allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung. Hallen- und Freibäder sind ein
essenzieller Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie dienen nicht nur der
Erholung und Gesundheitsförderung, sondern leisten durch die Schwimmausbildung
auch einen wichtigen Beitrag zur Unfallprävention. Besonders Kinder,
Jugendliche sowie Menschen mit geringem Einkommen sind auf wohnortnahe und
bezahlbare Schwimmmöglichkeiten angewiesen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-
Gesellschaft (DLRG) warnt seit Jahren vor einer wachsenden Zahl an
Nichtschwimmerinnen und Nichtschwimmern. Laut DLRG 2022 ist die
Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland deutlich rückläufig, was
insbesondere nach der Corona-Pandemie zu einem besorgniserregenden Trend
geworden ist (www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/schwimmfaehigkeit/).
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD sieht zur Verbesserung
der Sportinfrastruktur, insbesondere zur Förderung der Schwimmfähigkeit,
Investitionen in Höhe von „mindestens einer Milliarde Euro“ vor (Zeile 3734).
Der Großteil der Bäder ist in kommunaler Trägerschaft und hat in der Regel
einen öffentlichen Zuschussbedarf (www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konze
rnthemen/Research/PDF-Dokumente-Volkswirtschaft-Kompakt/One-Pager-20
17/VK-Nr.-138-Juli-2017-Schwimmb%C3%A4der.pdf). Gleichzeitig hat die
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Jahr 2025 festgestellt, dass sich in
etwa der Hälfte aller Freibäder sowie rund 62 Prozent der Hallenbäder ein teils
gravierender Sanierungsbedarf angesammelt hat (www.kfw.de/PDF/Download-
Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fok
us-2025/Fokus-Nr.-482-Januar-2025-Sportstaetten.pdf). Falls dieser Zustand
nicht aufgelöst wird, müssten bis zu 800 öffentliche Schwimmbäder schließen
(Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) 2025, www.zfk.de/wasser-abwasser/
800-schwimmbaeder-vor-dem-aus). Eine Umfrage des Verbandes der
Kommunalen Unternehmen (VKU) unter 113 Betreibern kommt außerdem zum
Ergebnis, dass 72 Prozent der Frei- und Hallenbäder in den kommenden fünf Jahren
mit einer schlechteren Finanzlage rechnen. In 35 Prozent dieser Bäder wurden
die Eintrittspreise bereits erhöht (http://vku.de/presse/pressemitteilungen/umfra
ge-freibaeder-eintrittspreise-mehrheitlich-stabil-ausblick-verhalten/).
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung den Zustand und die wirtschaftliche
Situation der öffentlichen Hallen- und Freibäder?
a) Wie viele öffentliche Hallen- und Freibäder sind nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit aufgrund von Sanierungsbedarf geschlossen
(bitte nach Landkreisen sowie bitte nach städtischem, halbstädtischem
und ländlichem Raum mit Angabe des geschätzten Investitionsbedarfs,
des möglichen Zeitplans für eine Sanierung und der jeweiligen
Trägerschaft des Schwimmbads aufschlüsseln)?
b) Wie bewertet die Bundesregierung die in der KfW-Studie ermittelten
Investitionsrückstände in ca. 48 Prozent der Freibäder und ca. 62
Prozent der Hallenbäder, die in einigen Fällen den weiteren Betrieb der
Bäder erschweren oder langfristig verhindern (KfW 2025, www.kf
w.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokume
nte-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2025/Fokus-Nr.-482-Januar-2025-S
portstaetten.pdf)?
c) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den energetischen
Zustand der Bäder (z. B. energetischer Sanierungsbedarf, Heiztechnik,
CO2-Emissionen)?
d) Wie erklärt sich die Bundesregierung den Zustand und die
wirtschaftliche Situation der Hallen- und Freibäder in öffentlicher Trägerschaft,
und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus für die eigene
politische Handlungsstrategie im Bereich der Schwimmstätten und
Sportstättensanierung im Allgemeinen?
e) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Unterschiede im
baulichen und wirtschaftlichen Zustand von Schwimmbädern in
strukturschwachen vs. strukturstarken Kommunen?
f) Welche Rolle spielen interkommunale Kooperationen bei der
Trägerschaft oder dem Betrieb von Bädern, und welche Förderinstrumente
unterstützen diese Zusammenarbeit?
2. Wie viele öffentliche Schwimmbäder sind nach Kenntnis der
Bundesregierung bundesweit in einem schlechten Zustand oder von einer
Schließung bedroht?
3. Wie hoch ist der aktuelle Investitionsbedarf für eine dauerhafte
Instandhaltung und energetische Modernisierung der öffentlichen Schwimmbäder
(bitte differenziert nach Bauunterhalt, Investitionsbedarf, Sanierung,
energetischer Modernisierung, Trägerschaft und Dekarbonisierung auflisten)?
a) Hat die Bundesregierung weitere Kenntnisse über den energetischen
Zustand der Frei- und Hallenbäder in der Bundesrepublik
Deutschland, und wenn ja, ist dieser bereits im Investitionsbedarf enthalten
und in welcher Höhe, und wenn nein, warum nicht?
b) Wie bewertet die Bundesregierung den Investitionsbedarf auf Ebene
der Landkreise (bitte mit geschätztem Bedarf, Trägerschaft,
Bundesland tabellarisch auflisten)?
c) Wie plant die Bundesregierung, kleinere Kommunen bei der
Antragstellung, Planung und Umsetzung energetischer Sanierungen zu
unterstützen?
d) Welche Handlungsbedarfe für die Bundesebene ergeben sich hieraus
aus Sicht der Bundesregierung?
4. Wie viele Frei- und Hallenbäder wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten drei Jahren neu gebaut oder eröffnet (bitte nach Jahr,
Bundesland, Landkreis aufschlüsseln sowie bitte nach städtischem,
halbstädtischem und ländlichem Raum und Art des Bades und Trägerschaft
aufschlüsseln)?
a) Wie verteilen sich die Neueröffnungen zwischen den west- und
ostdeutschen Bundesländern und innerhalb der GRW
(Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“)-
Fördergebiete?
b) Welche regionalpolitischen Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung aus dieser Verteilung?
5. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zu Preissteigerungen bei
den Eintrittspreisen von öffentlichen Bädern seit 2020?
a) Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung mit welchem Zeitplan,
um die Kommunen dabei zu unterstützen, weitere Preissteigerungen
abzuwenden oder den Erhalt von sozialverträglichen Eintrittspreisen
zu verstetigen?
b) Wie viele Schwimmbäder mussten nach Kenntnis der
Bundesregierung im letzten Jahr 2024 ihre Preise deutlich (mehr als 10 Prozent)
anheben (bitte nach Landkreisen sowie nach städtischem,
halbstädtischem und ländlichem Raum aufschlüsseln)?
c) Welche Auswirkung hatte die Anhebung nach Einschätzung der
Bundesregierung für Nutzerinnen und Nutzer und Schülerinnen und
Schüler (insbesondere mit geringem Einkommen)?
d) Wie bewertet die Bundesregierung das Modell des Sozialtarifs bzw.
kommunal geförderter „Schwimmpässe“ für einkommensschwache
Haushalte?
6. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die
Schwimmfähigkeit der Bevölkerung, insbesondere junger Menschen, zu verbessern?
a) Inwiefern hängt nach Ansicht der Bundesregierung die Verbesserung
der Schwimmfähigkeit von der Sicherung und dem Ausbau der
Bäderinfrastruktur ab?
b) Welche Rolle spielen Bundesprogramme zur Bewegungsförderung im
Zusammenhang mit dem Zugang zu Schwimmunterricht?
7. Welche und wie viele Schwimmbäder wurden in den letzten zehn Jahren
seitens des Bundes aus verschiedenen Programmen des Bundeshaushalts
(insbesondere „Investitionspakt Sportstätten“, „Bundesförderung für
effiziente Gebäude“ und dem „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den
Bereichen Sport, Jugend und Kultur“) gefördert (bitte tabellarisch mit Ort,
Projekt, Förderhöhe, Jahr, Trägerschaft, Projektstatus abgeschlossen bzw.
in Planung, auflisten)?
a) Wie hoch fiel die jeweilige Förderung aus, und sind die damit
verbundenen Maßnahmen bereits abgeschlossen (bitte Projekte jeweils mit
bereits abgerufenen und veranschlagten Mitteln, Ort, Beschreibung
der Maßnahme und Trägerschaft des Schwimmbads (z. B. kommunale
Trägerschaft) auflisten)?
b) Wie hoch ist der Anteil der Förderung in den ostdeutschen
Bundesländern (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-
Anhalt, Thüringen und Sachsen) und innerhalb der GRW-
Fördergebiete jeweils ausgefallen?
c) Wie hoch ist dieser Anteil jeweils gemessen an den insgesamt
zugesagten Fördermitteln?
d) Wie verteilen sich die Fördermittel auf die städtischen, halbstätischen
und ländlichen Räume?
8. Welche zusätzlichen Förderungen zur Sanierung, Dekarbonisierung oder
zum Neubau von Hallen- und Freibädern plant die Bundesregierung?
a) In welcher Höhe und innerhalb welcher Haushaltstitel sind jeweils
Förderungen zu diesem Zweck vorgesehen, und wie hoch fallen diese
jeweils in den nächsten fünf Jahren aus (bitte nach geplanten neuen
Förderscheiben und der Fortführung bereits bewilligter Einzelposten
oder Projekte aufschlüsseln)?
b) Welche Rolle spielen klima- und energiebezogene Programme (z. B.
Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen) beim Umbau von
Schwimmbädern?
9. Plant die Bundesregierung, den Sanierungsstau bei Sportstätten
einschließlich Hallen- und Schwimmbädern spürbar mithilfe des
Sondervermögens Infrastruktur Bund/Länder/Kommunen zu lösen, wenn ja, in
welcher Höhe, und mit welchem Zeitplan, und wenn nein, warum nicht?
a) Welche Kriterien sind für die Mittelvergabe vorgesehen?
b) Wie will die Bundesregierung für Fairness und Transparenz bei der
Vergabe der Mittel sorgen, damit Kommunen und Landkreise
öffentlich erkennen können, wo welche Mittel warum wohin geflossen sind?
c) Inwiefern plant die Bundesregierung eine Priorisierung von
Investitionen in strukturschwachen Regionen oder für besonders
energieintensive Bäder?
10. Inwieweit kommt die Bundesregierung den verbindlichen
Klimaschutzzielen auch im Sport nach, wenn es um die Dekarbonisierung der rund
230 000 Sportstätten in Deutschland geht?
a) In welcher Höhe sind in welchen Haushaltstiteln Mittel für die
Jahre 2025 bis 2029 vorgesehen (bitte nach Titelgruppen auflisten)?
b) Welche Rolle spielen klima- und energiebezogene Programme (z. B.
Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen) beim Umbau von
Schwimmbädern?
c) Welche konkreten Vorhaben hat die Bundesregierung, um die
Treibhausgasemissionen von Hallen- und Schwimmbädern bis 2045 auf
Nettonull zu reduzieren?
11. Welche Schwierigkeiten sieht die Bundesregierung zur Finanzierung des
Bäderbetriebs durch die aktuelle Ausgestaltung des steuerlichen
Querverbunds?
a) Inwiefern plant die Bundesregierung, durch Anpassungen der
Regelungen zum steuerlichen Querverbund öffentliche Bäder zu fördern?
b) Wie hoch wäre die Entlastung, die hierfür insgesamt und für einen
durchschnittlichen Betrieb entstehen würde (bitte mit Zeitplan und
finanziellen Effekten angeben)?
12. Welche weiteren Maßnahmen plant die Bundesregierung zur nachhaltigen
Modernisierung der Bäderinfrastruktur in Deutschland (z. B.
Digitalisierung, Barrierefreiheit, Inklusion)?
a) Welche Rolle spielt die digitale Steuerung von Energie- und
Wasserverbrauch in der künftigen Förderpolitik?
b) Welche Maßnahmen werden ergriffen, um Schwimmbäder barrierefrei
und inklusiv für Menschen mit Behinderung auszugestalten?
13. a) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zur Altersstruktur der
bestehenden Hallen- und Freibäder in Deutschland?
b) Wie viele Bäder sind älter als 40 Jahre, und wie viele davon wurden
bislang nicht grundlegend saniert?
14. a) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um Kompetenz und
Fachkräfte im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung für
energieeffiziente Schwimmbäder auszubauen?
b) Gibt es Förderprogramme für kommunale Träger zur Aus- und
Weiterbildung technischer Fachkräfte im Bereich Bäderbetrieb und
Bädersanierung?
15. a) Welche Rolle spielt die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern
oder Nutzergruppen bei geplanten oder laufenden Sanierungsvorhaben
(z. B. über Beteiligungsverfahren oder Bürgerhaushalte)?
b) Gibt es seitens der Bundesregierung Hinweise auf Good-Practice-
Beispiele für bürgernahe Beteiligungsprozesse im Bereich öffentlicher
Sport- oder Badeeinrichtungen?
16. a) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Nutzung von
Bädern durch Schulen im Rahmen des Schwimmunterrichts?
b) In wie vielen Landkreisen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung
keinen wohnortnahen Zugang zu einem Schwimmbad für den
Schulunterricht?
17. Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung den Erhalt von
Schwimmbädern im Kontext der demografischen Entwicklung (z. B. alternde
Bevölkerung, Landflucht, Schrumpfregionen)?
18. a) Welche Förderprogramme stehen speziell für Freibäder zur Verfügung,
die im Sommer wesentliche soziale Treffpunkte für Kinder und
Jugendliche sind?
b) Werden diese in Förderpolitik und Klimaanpassungsstrategien
gesondert berücksichtigt, und wenn nein, warum nicht?
19. Welche Strategien verfolgt die Bundesregierung, um alternative
Energiekonzepte (z. B. Kalte Nahwärme, Nutzung von Abwasserwärme,
Kombination mit Sporthallen) systematisch in Bädersanierungen zu integrieren?
20. Gibt es Initiativen oder Überlegungen seitens der Bundesregierung,
digitale Tools oder Plattformen zur Erfassung des bundesweiten
Sanierungsbedarfs und zur Koordination von Förderprogrammen für Schwimmbäder
einzuführen?
21. a) Wie bewertet die Bundesregierung die Rolle öffentlich-privater
Partnerschaften (ÖPP) im Bereich Bau, Sanierung und Betrieb öffentlicher
Schwimmbäder?
b) Welche Erfahrungen liegen dazu aus den letzten zehn Jahren vor, und
welche Empfehlungen ergeben sich daraus?
Berlin, den 25. Juni 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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