Aktueller Planungsstand der Westbahn Freiburg
Text
Aktueller Planungsstand der Westbahn Freiburg
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7410
21. Wahlperiode 29.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Matthias Gastel, Chantal Kopf, Tarek Al-Wazir, Victoria Broßart,
Swantje Henrike Michaelsen und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Aktueller Planungsstand der Westbahn Freiburg
Die Schieneninfrastruktur ist ein wesentlicher Bestandteil einer
leistungsfähigen und klimafreundlichen Mobilität in der Region Freiburg. Mit der
Umsetzung der neuen Güterumfahrung Freiburg werden auf der bisherigen
innerstädtischen Güterumgehungsbahn Freiburg (Strecke 4312) Kapazitäten frei. Durch
die Nutzung der Strecke im Schienenpersonennahverkehr ergeben sich
Chancen zur Verbesserung des Nahverkehrs. Die Strecke liegt zentral im dicht
besiedelten westlichen Stadtgebiet Freiburgs. Im direkten räumlichen Umfeld der
Strecke befinden sich neben zahlreichen Wohngebieten, wo mit Dietenbach
eines der deutschlandweit größten Wohnbauprojekte entsteht (Wohnraum für
16 000 Menschen), mit der Freiburger Messe, dem Industriegebiet Nord
(15 000 Arbeitsplätze), der Universität, dem Universitätsklinikum als größtem
Arbeitgeber der Region und weiteren öffentlichen Einrichtungen auch
zahlreiche pendleraufkommensstarke Zielorte, weshalb die bestehende
Güterumgehungsbahn einen wichtigen Beitrag zur Erschließung des Freiburger Westens
sowie zur Entlastung bestehender Verkehrsachsen leisten würde.
Für eine Nachnutzung dieser Strecke, beispielsweise mit einem vom
Verkehrsclub Deutschland (VCD) entwickelten Betriebskonzept (https://westbahn.jetzt/
downloads/westbahn-flyer.pdf), ist eine Anpassung der geplanten
Abzweigstellen erforderlich. Die nördliche Abzweigstelle im Bereich Gundelfingen
erfordert eine höhenfreie Anbindung der Strecke 4312 (Güterumgehungsbahn bzw.
Westbahn) an die Bestandsstrecke der Rheintalbahn (Strecke 4000).
Andernfalls würde ein Angebot des Schienenpersonennahverkehrs mit mehreren
Fahrten pro Stunde und Richtung auf der Strecke 4312 bei der Ein- und
Ausfädelung auf die Strecke 4000 großes betriebliches Konfliktpotenzial mit den
Verkehren der Strecke 4000 auslösen, welche im Mischbetrieb von schnellen
Zügen des Personenfern- und Personennahverkehrs befahren wird sowie gemäß
Zukunftsfahrplan des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg mittelfristig
8,5 Fahrten pro Stunde und Richtung aufweisen soll. Diese höhenfreie
Anbindung muss frühzeitig berücksichtigt werden.
Außerdem müssten auch die Planungen der neuen Abzweigstelle Leutersberg
südlich von Freiburg angepasst werden. Den aktuell vorliegenden Planungen
zufolge ist der Verkehr zwischen der Westbahn (Strecke 4312) und der
Bestandsstrecke zum Haltepunkt Schallstadt nur eingleisig möglich, zudem
müssten Personenzüge zwischen den beiden Strecken in beide Fahrtrichtungen das
Richtungsgleis Freiburg-Basel der Strecke 4000 befahren, was zu erheblichen
betrieblichen Konflikten führen würde.
Wird das Projekt der Westbahn nicht rechtzeitig in die Planungen integriert,
besteht das Risiko, dass notwendige Trassen, Verknüpfungspunkte und
Infrastrukturmaßnahmen nicht berücksichtigt werden. Spätere Anpassungen wären mit
erheblichen Mehrkosten verbunden oder könnten nur noch eingeschränkt
umgesetzt werden. Dadurch würden langfristig wichtige Potenziale für den
öffentlichen Verkehr in der Region und den Ausbau der Breisgau-S‑Bahn verloren
gehen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Deutsche Bahn AG (DB AG) bezüglich der Strecke 4312 derzeit
einen laufenden oder kürzlich vereinbarten Planungsauftrag von
kommunaler Seite zu betrieblichen oder infrastrukturellen Untersuchungen erhalten,
und wenn ja, was sind dessen Zielstellungen?
2. Bis wann ist derzeit die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen der
Planfeststellungsabschnitte 8.5 bis 8.9 geplant (bitte jeweils gesondert
aufzählen), und in welchem Jahr rechnet die DB InfraGO AG mit dem
Vorliegen der entsprechenden Planfeststellungsbescheide?
3. Ist eine integrierte Planung der höhenfreien Abzweigstellen der
Güterumgehungsbahn (Strecke 4312) an die Rheintalbahn (Strecke 4000) gemeinsam
mit den Planungen der Generalsanierung der Rheintalbahn (Strecke 4000)
möglich, und wenn ja, bis zu welchem Zeitpunkt muss diese Integration
spätestens erfolgen?
4. Welche Synergieeffekte werden bei einer integrierten Planung (vgl.
Frage 3) bei Planungszeitraum und Kosten sowie Bauumfang und Dauer
erwartet?
5. Sieht die DB AG zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit, Planungen
für höhenfreie Abzweigstellen zu integrieren?
6. Welches Risiko für die Realisierung des S-Bahn-Verkehrs auf der
Güterumgehungsbahn (Westbahn) besteht, wenn die Planungen dafür noch über
längere Zeit getrennt zu den Planungen der Generalsanierung Freiburger Bucht
(Strecke 4000) ablaufen?
Berlin, den 6. Juli 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Chantal Kopf (Kleine Anfrage)
- asked ← Matthias Gastel (Kleine Anfrage)
- asked ← Swantje Henrike Michaelsen (Kleine Anfrage)
- asked ← Tarek Al-Wazir (Kleine Anfrage)
- asked ← Victoria Broßart (Kleine Anfrage)
- authored ← Chantal Kopf
- authored ← Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- authored ← Matthias Gastel
- part_of_vorgang → Aktueller Planungsstand der Westbahn Freiburg (Kleine Anfrage)