Wasserrückhalt und Resilienz stärken - Einkommensperspektiven für Landwirte schaffen und Moorschutzverfahren beschleunigen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6658)
Text
Wasserrückhalt und Resilienz stärken - Einkommensperspektiven für Landwirte schaffen und Moorschutzverfahren beschleunigen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6658)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8443
21. Wahlperiode 07.10.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Niklas Wagener, Dr. Zoe Mayer, Karl Bär,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/6658 –
Wasserrückhalt und Resilienz stärken – Einkommensperspektiven für
Landwirte schaffen und Moorschutzverfahren beschleunigen
A. Problem
Intakte Moore können große Mengen an CO2 speichern. Über 90 Prozent der
Moorflächen in Deutschland befinden sich nach Aussage der Antragsteller aber
in einem entwässerten Zustand und setzen eine Menge an Treibhausgasen frei, die
ungefähr sieben Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen
entspricht. Eine Wiedervernässung könne zum Wasserrückhalt beitragen, der für die
Wasserversorgung von Landwirtschaft und verarbeitender Wirtschaft sowie die
Trinkwasserversorgung nötig sei. Um das Ziel von 50.000 Hektar jährlich an
wiedervernässter Bodenfläche bis 2045 erreichen zu können, müssten wirtschaftliche
Anreize zur Wiedervernässung für Land- und Forstwirte gesetzt werden.
Da wiedervernässte Böden nicht mehr für den Anbau von Kartoffeln oder
Getreide oder als Grünland genutzt werden könnten, müssten sogenannte
Paludikulturen wie Schilf oder Torfmoos als Alternativen gefördert, die
Wertschöpfungsketten für Biomasseprodukte, z. B. Verpackungsmaterialen oder Dämmstoffe, mit
Marktanreizprogrammen gestärkt und die Einkommensverluste der Landwirte mit
einer Wiedervernässungsprämie kompensiert werden. Die bisherigen
Förderprogramme in diesem Bereich seien nicht ausreichend. Daneben seien Änderungen
des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und weiterer rechtlicher Regelungen
erforderlich.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD,
SPD und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/6658 abzulehnen.
Berlin, den 7. Oktober 2026
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender
Alexander Engelhard
Berichterstatter
Julian Schmidt
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Niklas Wagener
Berichterstatter
Heidi Reichinnek
Berichterstatterin
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Bericht der Abgeordneten Alexander Engelhard, Julian Schmidt, Dr. Franziska
Kersten, Niklas Wagener und Heidi Reichinnek
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 89. Sitzung am 9. Juli 2026 den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN auf Drucksache 21/6658 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und
Heimat zur federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Haushaltsausschuss, den Ausschuss für
Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, den Ausschuss für die Angelegenheiten der
Europäischen Union und den Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Mit dem vorliegenden Antrag soll im Wesentlichen festgestellt werden, dass die Wiedervernässung von Mooren
ein Beitrag zur Speicherung von CO2 und zum Wasserrückhalt ist. Um die wirtschaftlichen Folgen einer
Wiedervernässung für Land- und Forstwirte auszugleichen, seien Marktanreize für die Bewirtschaftung wiedervernässter
Flächen und weitere finanzielle Unterstützung nötig.
Die Bundesregierung soll daher unter anderem aufgefordert werden, in das WHG das Ziel einer
Wiedervernässung in Höhe von 50.000 Hektar pro Jahr sowie weitere Änderungen aufzunehmen, die Gemeinsame Agrarpolitik
der EU auf die Vermeidung der Entwässerung sowie die Förderung von Wiedervernässung auszurichten und eine
degressiv ausgestaltete Wiedervernässungsprämie einzuführen. Darüber hinaus solle sie neue Absatzmärkte für
Produkte aus Paludikulturen erschließen sowie die dazu gehörigen Wertschöpfungsketten stärken und die
entsprechenden Maßnahmen im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz verstetigen und weiterentwickeln.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Haushaltsausschuss hat in seiner 47. Sitzung am 7. Oktober 2026 mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, AfD, SPD und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die
Ablehnung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Drucksache 21/6658 empfohlen.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat in seiner 44. Sitzung am
7. Oktober 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD, SPD und Die Linke gegen die Stimmen der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Ablehnung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
auf Drucksache 21/6658 empfohlen.
Der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union hat in seiner 30. Sitzung am 7. Oktober 2026
mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD, SPD und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN die Ablehnung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Drucksache
21/6658 empfohlen.
Der Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen hat in seiner 31. Sitzung am 7.
Oktober 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD, SPD und Die Linke gegen die Stimmen der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Ablehnung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
auf Drucksache 21/6658 empfohlen.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Abschließende Beratung
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN auf Drucksache 21/6658 in seiner 32. Sitzung am 7. Oktober 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betonte, mit dem Antrag solle Wasserrückhalt und Resilienz in
Deutschland gestärkt werden. Es sei sehr zu begrüßen, dass mit dem Förderprogramm Palu im Rahmen des
Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz nun 1,75 Milliarden Euro für dieses wichtige Ziel zur Verfügung gestellt
würden. Damit könnten Wertschöpfungsketten aufgebaut und eine wirtschaftlich tragbare Nutzung
wiedervernässter Flächen ermöglicht werden. Um mit der Wiedervernässung von Mooren einen Beitrag zum
Klimaschutz leisten zu können, müsse die konkrete Ausgestaltung bürokratiearm erfolgen und die zuständigen Behörden
dem Thema den entsprechenden Stellenwert beimessen. Außerdem seien rechtliche Änderungen zur
Beschleunigung von Wiedervernässungsmaßnahmen erforderlich. Die bereitgestellten Mittel sollten in voller Höhe
abfließen, denn die Landwirtinnen und Landwirte entdeckten darin eine Einkommensperspektive für sich.
Die Fraktion Die Linke kritisierte, der vorliegende Antrag setze vor allem auf freiwillige Beteiligung der
Landwirtinnen und Landwirte sowie auf wirtschaftliche Anreize. Wenn öffentliche Interessen wie Klimaschutz,
Wasserrückhalt oder Artenschutz auf privates Eigentum träfen, reichten Appelle und Prämien häufig nicht aus. In
einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke habe die Bundesregierung bestätigt, dass keine ordnungspolitischen
Instrumente zur Durchsetzung geplant seien. Die Fraktion halte es für falsch, auf Marktdynamiken zu setzen oder
öffentliche Flächen für eine höhere Effizienz bei der Wiedervernässung zu privatisieren. Ein von der Fraktion in
Auftrag gegebenes Gutachten komme zum Schluss, dass eine Vergesellschaftung von Mooren möglich sei. Nur
mit Flächen in öffentlicher Hand könnten Klimaschutz, Wasserrückhalt und soziale Gerechtigkeit
zusammengebracht werden.
Die Fraktion der SPD wies darauf hin, der vergangene Sommer habe gezeigt, wie wichtig Wasserrückhalt sei.
Die Fraktion habe sich seit langem für eine Moorstrategie eingesetzt, im Rahmen des Aktionsprogramms
Natürlicher Klimaschutz Moorschutz und nachhaltige Moornutzung mittels Paludikulturen etabliert sowie die
Moorforschung gestärkt. In der aktuellen Wahlperiode habe sie im Koalitionsvertrag die Prüfung einer
Gemeinschaftsaufgabe für Naturschutz und Klimaanpassung verankert. Die Wiedervernässung sei komplex, da der gesamte
Grundwasserkörper betrachtet werden müsse. Zudem hätten beispielsweise Milchviehhalter Bedenken, weiterhin
gut wirtschaften zu können. Daher würden freiwillige Maßnahmen eher akzeptiert, das zeige sich in diversen
Pilotprojekten. Die Wiedervernässung über Öko-Regelungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der
Europäischen Union zu honorieren, funktioniere schlecht, da der Eigentümer über den Zustand der Flächen
entscheiden solle, während die Prämie dem Bewirtschafter gezahlt werde.
Die Fraktion der AfD machte deutlich, die Regulierung der Wasserstände auf den Moorflächen müsse weiterhin
unter der fachlichen Kontrolle der Landkreise stehen, auch wenn ein verbesserter Wasserrückhalt in der
Landschaft für den Wasserhaushalt von enormer Bedeutung sei. Der vorliegende Antrag betone nur formal die
Freiwilligkeit. In Wahrheit setze er auf Ordnungsrecht, Genehmigungsfiktion und ein Verschlechterungsverbot, was
faktisch einer Enteignung gleichkomme. Außerdem beantworte der Antrag nicht die Frage, wo das Wasser
herkommen solle, das bereits jetzt in vielen Regionen Mangelware sei. Er sei ein Lehrbuchbeispiel für ideologische
Politik und habe mit der Lebenswirklichkeit der Menschen nichts zu tun. Die Fraktion der AfD stehe für eine
Landwirtschaftspolitik, die auf Freiwilligkeit, Eigentumsschutz und wirtschaftliche Tragfähigkeit setze.
Die Fraktion der CDU/CSU* erklärte, die Bundesregierung sei bereits aktiv, um die Wiedervernässung von
Mooren zu fördern. Mit der nationalen Moorschutzstrategie, dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz und
dem Klimaschutzprogramm 2026 sei ein umfassender politischer Rahmen geschaffen worden. Einen zusätzlichen
Schwerpunkt setze das Förderprogramm Palu, in dem bis 2029 1,75 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt
würden. Zudem entwickle das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat derzeit ein
Marktanreizprogramm, damit sich Wiedervernässung für Landwirte wirtschaftlich lohne. Darüber hinaus sollten Moor-
* Der Berichterstatter der Fraktion der CDU/CSU, Abg. Alexander Engelhard, legte eine Interessenverknüpfung nach § 49
Abgeordnetengesetz offen, da er Betreiber einer Getreidemühle und einer Forstwirtschaft sei sowie einen landwirtschaftlichen Betrieb verpachtet habe.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Photovoltaikanlagen in Solarausschreibungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert werden. Ein
pauschales Flächenziel der Wiedervernässung werde den unterschiedlichen Voraussetzungen bei
Eigentumsverhältnissen, Wasserhaushalt und Bewirtschaftungsstruktur nicht gerecht und widerspreche dem Grundprinzip der
Freiwilligkeit, das für die Akzeptanz bei den Betrieben vor Ort entscheidend sei.
Die Bundesregierung unterstrich, sie setze auf Freiwilligkeit und Anreizprogramme und nicht auf
ordnungsrechtliche Maßnahmen. Die Moorschutzstrategie im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz
werde mit dem Förderprogramm Palu umgesetzt. Außerdem werde derzeit ein Marktanreizprogramm für die
Wertschöpfungsketten entwickelt, um eine sinnvolle Nutzung von wiedervernässten Flächen zu erreichen.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, AfD, SPD und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/6658 abzulehnen.
Berlin, den 7. Oktober 2026
Alexander Engelhard
Berichterstatter
Julian Schmidt
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Niklas Wagener
Berichterstatter
Heidi Reichinnek
Berichterstatterin
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Relationen
- authored ← Alexander Engelhard (Berichterstattung)
- authored ← Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
- authored ← Franziska Kersten (Berichterstattung)
- authored ← Heidi Reichinnek (Berichterstattung)
- authored ← Julian Schmidt (Berichterstattung)
- authored ← Niklas Wagener (Berichterstattung)
- part_of_vorgang → Wasserrückhalt und Resilienz stärken - Einkommensperspektiven für Landwirte schaffen und Moorschutzverfahren beschleunigen (Beschlussempfehlung und Bericht)