Mehr Ernährungssouveränität für Deutschland - Agrarflächen sichern (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6931)
Text
Mehr Ernährungssouveränität für Deutschland - Agrarflächen sichern (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6931)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8343
21. Wahlperiode 05.10.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/6931 –
Mehr Ernährungssouveränität für Deutschland – Agrarflächen sichern
A. Problem
In Deutschland werden jährlich mehrere Tausend Hektar an
Landwirtschaftsfläche für in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Darüber hinaus werden
nach Auffassung der Antragsteller Flächen für Umwelt- und
Naturschutzmaßnahmen und den ideologisch begründeten Ausbau der Erneuerbaren Energien der
Nutzung als Anbauflächen entzogen. Schätzungen zufolge könnte die
Landwirtschaftsfläche bis 2030 um etwa 300.000 Hektar zurückgehen, wenn bestehende,
flächenrelevante politische Ziele weiterhin verfolgt würden.
Vor dem Hintergrund, dass globale Lieferketten bekanntermaßen durch
Migration, Konflikte beispielsweise in der Ukraine oder im Nahen Osten oder
Maßnahmen, wie sie während der Corona-Pandemie ergriffen worden seien, gestört
würden, sei die nationale Resilienz der Ernährungsversorgung besonders wichtig.
Dafür müssten die Landwirtschaftsflächen als solche erhalten bleiben. Im Gesetz
über die Ernährungsvorsorge und Versorgungssicherstellung seien keine
Regelungen zum Schutz von landwirtschaftlichen Flächen festgelegt. Da der Staat die
Aufgabe habe, die Versorgung seiner Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln
sicherzustellen, müsse der Schutz landwirtschaftlicher Produktionsflächen im
Grundgesetz verankert werden.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/6931 abzulehnen.
Berlin, den 23. September 2026
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender
Alexander Engelhard
Berichterstatter
Christian Reck
Berichterstatter
Svenja Stadler
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Marcel Bauer
Berichterstatter
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Bericht der Abgeordneten Alexander Engelhard, Christian Reck, Svenja Stadler,
Dr. Ophelia Nick und Marcel Bauer
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 89. Sitzung am 9. Juli 2026 den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/6931 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur
federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie, den Ausschuss für Umwelt,
Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, den Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen
Union und den Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Der Antrag der Fraktion der AfD zielt im Wesentlichen auf die Feststellung ab, dass in Deutschland
Landwirtschaftsflächen zunehmend durch die Nutzung für Siedlung und Verkehr sowie den für die Antragsteller nicht in
diesem Maße nötigen Ausbau der Erneuerbaren Energien wegfallen. Um die nationale Ernährungssouveränität zu
fördern, müssten die landwirtschaftlichen Flächen rechtlich geschützt werden. Dabei müssten die
Eigentumsrechte der Landwirte und ihre unternehmerische Freiheit gewahrt bleiben.
Aus diesem Grund soll die Bundesregierung mit dem vorliegenden Antrag aufgefordert werden, bis Ende 2026
einen Gesetzentwurf zur Änderung des Grundgesetzes vorzulegen, mit dem die Sicherstellung der Versorgung
der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln durch die heimische Landwirtschaft als Staatsziel festgelegt werde.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat in seiner 46. Sitzung am 23. September 2026 mit den Stimmen
der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/6931 empfohlen.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat in seiner 42. Sitzung am
23. September 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die
Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/6931 empfohlen.
Der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union hat in seiner 29. Sitzung am 23.
September 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen
die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/6931
empfohlen.
Der Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen hat in seiner 29. Sitzung am
23. September 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die
Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/6931 empfohlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Abschließende Beratung
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/6931 in seiner 31. Sitzung am 23. September 2026 abschließend beraten. Die Beratung erfolgte aufgrund des
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Sachzusammenhangs gemeinsam mit den Anträgen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Drucksachen
21/6662 und 21/6663.
Die Fraktion der AfD erklärte, Ernährungssicherheit sei keine Selbstverständlichkeit. Ein Staat könne seine
Bevölkerung nur dann dauerhaft versorgen, wenn er die Grundlagen wie Agrarflächen und eine leistungsfähige
Landwirtschaft erhalte. Um dem zunehmenden Verlust landwirtschaftlicher Flächen und der mangelnden
Zuverlässigkeit globaler Lieferketten entgegenzuwirken, müssten die landwirtschaftlichen Produktionsflächen
geschützt und die Ernährungssicherheit als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen werden. Die Anträge der
Fraktion BÜNDIS 90/DIE GRÜNEN enthielten einen richtigen Ansatz, wenn dort Krisenvorsorge, funktionierende
Lieferketten und regionale Strukturen als maßgeblich bezeichnet würden. Noch wichtiger sei allerdings,
verlässliche Rahmenbedingungen zu setzen und für die Produktion von Lebensmittel benötigte Flächen, Dünge- und
Futtermittel, Energie, Maschinen sowie Arbeitskräfte nicht zu verteuern oder immer stärker zu reglementieren.
Für die Ernährungssicherung würden eigenverantwortliche Betriebe, Schutz des Eigentums und weniger
Bürokratie benötigt.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wies darauf hin, die drei vorliegenden Anträge zeigten, wie
unterschiedliche Fraktionen das Gleiche und zugleich das Gegenteil meinen könnten. Eine Verankerung der
Ernährungssicherheit im Grundgesetz könne zu einem Zielkonflikt führen. Im Zweifelsfall werde das
Bundesverfassungsgericht das Staatsziel des Schutzes der natürlichen Lebensgrundlagen höher gewichten als das Staatsziel der
Ernährungssicherheit und entscheiden, dass ein funktionierendes Agrarökosystem eine Grundvoraussetzung für
die Ernährungssouveränität sei. Ernährungssouveränität bedeute auch Unabhängigkeit von internationalen
Lieferketten. Der Biolandbau sei z. B. von der Düngemittelkrise durch den Konflikt in der Straße von Hormus nicht
so stark betroffen, weil er weniger Dünger brauche. Die deutsche Landwirtschaft werde resilienter, wenn sie mehr
auf Ökologie und vielfältige Fruchtfolgen setze. Außerdem brauche es für den Krisenfall Strukturen, in denen
ebenen- und ressortübergreifend zusammengearbeitet werden könne.
Die Fraktion der CDU/CSU* merkte an, die Bundesregierung habe bereits ein umfassendes Konzept zur
Ernährungssicherung vorgelegt, das auf der staatlichen Lagerhaltung, der geplanten Vorhaltung sofort verzehrfähiger
Lebensmittel, den Eingriffsinstrumenten und der Stärkung der privaten Vorsorge beruhe. In Deutschland gebe es
viele landwirtschaftliche Flächen und nach wie vor eine zunehmende Produktionssteigerung. Zudem würden
landwirtschaftliche Flächen für funktionierende Infrastruktur und Wirtschaft benötigt. Die Landwirte wünschten sich
weniger Bürokratie und weniger Auflagen, um mehr Zeit für die landwirtschaftliche Produktion zu haben. Eine
Regulierung wie der Mindestlohn oder Arbeitszeitvorgaben belasteten die Betriebe. Die Bundesregierung sei mit
ihren Vorhaben zum Bürokratieabbau auf dem richtigen Weg.
Die Fraktion Die Linke kritisierte, das Konzept der Ernährungssouveränität sei von der
Kleinbäuerinnenbewegung La Via Campesina als Kritik an nationaler Abschottung, Konzernmacht und neoliberaler Handelspolitik ins
Leben gerufen worden und dürfe nicht von der Fraktion der AfD vereinnahmt werden. Die wirtschaftspolitische
Position der Fraktion der AfD begünstige große Vermögen, Eigentumskonzentration sowie Deregulierung und
leiste damit dem Höfesterben Vorschub. Den Anträgen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN könne
zugestimmt werden, auch wenn sie einige wichtige Punkte nicht adressierten. Es fehlten beispielsweise die
Forderungen, Nahrungsmittelspekulation zu verhindern, Landwirte bei Ernteausfällen zu entschädigen und durch
Lebensmittelarmut gefährdete Menschen mit einem Notfallwarenkorb erschwingliche Nahrungsmittel zu garantieren.
Ebenso wenig werde die Marktmacht von Zwischenhändlern und Supermärkten bemängelt.
Die Fraktion der SPD hielt fest, Ernährungssicherheit sei eine staatliche Aufgabe. Alle vorliegenden Anträge
griffen zwar wichtige Herausforderungen auf, der Antrag der Fraktion der AfD beschränke sich aber nur auf den
Schutz landwirtschaftlicher Flächen und lasse eine Lösung des Zielkonflikts mit Siedlungs- und Verkehrsflächen,
dem Naturschutz oder dem Ausbau der erneuerbaren Energien offen. Ernährungssicherheit benötige vor allem
eine leistungsfähige und klimaresiliente Landwirtschaft sowie eine funktionierende Energie- und
Wasserversorgung. Die Forderungen in den Anträgen der Fraktion BÜNDNIS 90DIE GRÜNEN zielten auf mehr Bürokratie
ab, das sei nicht gewünscht. Zudem sollten keine parallelen Strukturen aufgebaut, sondern die bestehenden
gestärkt und verbessert werden. Die Bundesregierung habe bereits Förderprogramme für eine nachhaltige Produk-
* Der Berichterstatter der Fraktion der CDU/CSU, Abg. Alexander Engelhard, legte eine Interessenverknüpfung nach § 49
Abgeordnetengesetz als Inhaber einer Bio-Getreidemühle offen.
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orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
tivitätssteigerung der Landwirtschaft und Modellvorhaben im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung ins Leben
gerufen.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/6931 abzulehnen.
Berlin, den 23. September 2026
Alexander Engelhard
Berichterstatter
Christian Reck
Berichterstatter
Svenja Stadler
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Marcel Bauer
Berichterstatter
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orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Relationen
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