Rede von Jan Krampe (DIE LINKE) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 4: Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,.
Text
Rede von Jan Krampe (DIE LINKE) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Der Antrag der Grünen zur Bekämpfung der
Organisierten Kriminalität ist umfangreich, und er macht vor
allem eines deutlich: Dieses Thema verdient eine
intensive und ernsthafte parlamentarische Beratung.
Organisierte Kriminalität hat sich in den vergangenen
Jahren professionalisiert und neue Bereiche erschlossen.
Kryptowährungen, Cyberkriminalität und Crime-as-a-
Service stellen den Staat vor große Herausforderungen.
Neu sind diese Entwicklungen jedoch nicht, und
wirksame Antworten sind daher längst überfällig.
Wer den Rechtsstaat als politische Leitlinie hervorhebt,
muss auch dafür sorgen, dass Polizei, Justiz und andere
Behörden technisch, personell und strukturell mit
hochprofessionellen kriminellen Netzwerken Schritt halten
können. Besonders deutlich zeigt sich der
Handlungsbedarf bei der Organisierten Finanzkriminalität. Es stellt
sich die Frage, wie sich kriminelle Netzwerke über Jahre
etablieren konnten, obwohl viele Strukturen und
Geschäftsmodelle längst bekannt waren.
Und ich möchte hier eine Forderung im Antrag der
Grünen direkt positiv hervorheben: Organisierte
Kriminalität stärker durch unabhängige wissenschaftliche
Stellen erforschen zu lassen.
Denn wir brauchen eine belastbare Grundlage dafür,
welche Strukturen tatsächlich bestehen, wie sie sich
verändern und welche staatlichen Maßnahmen wirklich
wirksam sind. Eine unabhängige Forschung kann dazu
beitragen, dass Prioritäten in der
Kriminalitätsbekämpfung stärker auf Erkenntnissen und weniger auf
politischen Stimmungen oder gar auf rassistisch aufgeladenen
Debatten beruhen.
(Lachen des Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD] –
Dr. Bernd Baumann [AfD]: Darauf haben wir
gewartet, auf so etwas!)
Was dem Antrag aus unserer Sicht allerdings noch
fehlt, ist ein noch deutlicherer und noch stärkerer Blick
auf die Opfer Organisierter Kriminalität. Wir sprechen
zum einen über Menschen, die in der Gastronomie, im
Baugewerbe, in der Beautybranche oder in anderen
Wirtschaftsbereichen ausgebeutet werden. Wir müssen aber
auch darüber sprechen, dass Gewerbetreibende und
Familien durch Schutzgelderpressung, Einschüchterung
und Gewalt massiv unter Druck gesetzt werden.
Wer von Organisierter Kriminalität bedroht wird, muss
sich darauf verlassen können, dass der Staat schützt. Wo
dieses Vertrauen fehlt, entstehen Räume, in denen
kriminelle Strukturen wachsen können. Deshalb reicht
Polizeiarbeit allein nicht aus. Wir brauchen eine starke
Zivilgesellschaft und eine enge Zusammenarbeit mit lokalen
Akteuren – etwa Vereinen, Religionsgemeinschaften und
migrantischen Selbstorganisationen. Diese Menschen
dürfen nicht pauschal unter Verdacht gestellt werden.
Sie müssen einen Staat erleben, der zuhört, schützt und
Vertrauen schafft.
Meine Damen und Herren, ebenso wichtig ist der Blick
auf Schnittstellen zwischen Organisierter Kriminalität
und politisch motivierter Kriminalität. Wenn
extremistische Netzwerke, Waffenhandel und Gewaltbereitschaft
zusammenkommen, entsteht eine Gefahr, die weit über
die der klassischen Organisierten Kriminalität
hinausgeht. Behörden müssen deshalb Informationen
konsequent zusammenführen.
Wir begrüßen außerdem die Forderung nach einem
bundeseinheitlichen Gebäude- und Wohnungsregister.
Es kann helfen, Geldwäsche und intransparente
Eigentumsverhältnisse zu bekämpfen. Und es hat noch einen
weiteren Vorteil: Kommunen könnten endlich besser
nachvollziehen, wem Gebäude und Wohnungen wirklich
gehören. Das würde nicht nur die Bekämpfung von
Finanzkriminalität erleichtern, sondern auch die
Möglichkeiten beim Mieterschutz stärken.
Der Antrag enthält wichtige Ansätze. Und ich freue
mich auf die weitere parlamentarische Beratung.
Vielen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Organisierte Kriminalität systematisch zerschlagen
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