Rede von Dr. David Preisendanz (CDU/CSU) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 36: Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,.
Text
Rede von Dr. David Preisendanz (CDU/CSU) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die AfD erinnert mich immer ein bisschen an diesen
äußerst unangenehmen, unsympathischen Onkel auf den
Familienfeiern – Sie kennen ihn vielleicht –:
(Heiterkeit der Abg. Carmen Wegge [SPD] –
Zuruf des Abg. Maximilian Kneller [AfD])
Er weiß immer alles besser, er hat zu allem eine gewisse
zynische Meinung, er unterbricht ständig, er bringt diese
besondere Mischung aus gefährlichem Halbwissen und
beleidigter Selbstüberschätzung mit. Und das besonders
Anstrengende: Er sagt nicht: Die Erde ist eine Scheibe. –
Aber er verdreht, überspitzt, übertreibt derart, dass das
Gesamtbild am Ende natürlich trotzdem schlicht falsch
ist – eine Karikatur der Wirklichkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD – Lamya Kaddor [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Welche Rolle spielen
Sie denn in dem Bild?)
Wie hier: Schon im Titel dieses Tagesordnungspunktes
wird von einer „simulierten Migrationswende“
gesprochen. Aus der Sicht Ihrer Partei kann ich das natürlich
verstehen: Sie brauchen ja diese Erzählung. Ihr gesamtes
politisches Geschäftsmodell funktioniert nur, wenn
möglichst viele Menschen glauben: Es funktioniert nichts,
alles ist schlecht, niemand handelt.
(Steffen Janich [AfD]: Gut abgelesen! –
Weiterer Zuruf von der AfD)
Ich frage mich manchmal: Wie viel Freude kann es
eigentlich machen, Politik zu betreiben, wenn der eigene
politische Erfolg ausschließlich davon abhängt, dass
möglichst viele Menschen unzufrieden und wütend sind?
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: Warum sind die
wohl unzufrieden? Weil sich bei ihnen nichts
geändert hat! – Weiterer Zuruf von der AfD)
Denn Lichtblicke sind ja gefährlich für Sie, Erfolge sind
gefährlich für Sie,
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: Ja, wenn es die nur
mal gäbe!)
Geduld mit dem politischen Prozess ist gefährlich für Sie.
Und vor allem ist es für Sie gefährlich, wenn sich zeigt,
dass Probleme tatsächlich Schritt für Schritt gelöst
werden.
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: Weil wir wieder
100 000 mehr Asylanten haben! Das ist eine
tolle Lösung!
Deshalb ist es für Sie so unangenehm, wenn die Realität
ins Spiel kommt.
Im letzten Monat, im September, sind in Deutschland
circa 3 300 Asylanträge gestellt worden: der niedrigste
Stand seit 2012, also seit 14 Jahren. Im September
vergangenen Jahres waren es 9 000, im Jahr davor waren es
18 000.
(Dr. Götz Frömming [AfD]: Das ist doch nicht
Ihr Verdienst!)
Das ist keine politische Meinung; das sind jetzt einfach
mal Fakten.
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: Es werden also
immer noch mehr statt weniger in
Deutschland! – Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Das hat ja nichts mit Ihrer Politik
zu tun, sondern mit den Weltereignissen, mit
dem Krieg in Syrien!)
Natürlich bedeuten diese Zahlen nicht: Alles super! Das
war’s, Problem gelöst. – Es gibt natürlich noch viel zu
tun. Aber diese Zahlen bedeuten eben:
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: …, dass es immer
noch mehr werden!)
Wer behauptet: „Hier passiert nichts im Bereich der
Migrationssteuerung“, der will sich einfach nicht mit der
Realität befassen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Gottfried
Curio [AfD]: Das liegt doch nicht an Ihnen! –
Dr. Götz Frömming [AfD]: Wir brauchen ein
anderes Asylrecht! Das wissen Sie selbst!)
Seit dem ersten Tag dieser Bundesregierung haben wir
im Bereich der Migrationspolitik schnell und klar
gehandelt: mit Grenzkontrollen, mit Zurückweisungen an den
Grenzen, mit neuen Regelungen für sichere
Herkunftsstaaten – das regeln wir jetzt per Rechtsverordnung durch
das Innenministerium –,
(Dr. Götz Frömming [AfD]: Kosmetik! – Filiz
Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Verfassungswidrig! 100 Prozent! Wir haben geklagt!)
mit der Umsetzung des neuen europäischen Asylsystems
GEAS usw.
Sie brauchen den Eindruck des Stillstands,
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: Das ist schlimmer
als Stillstand!)
wir benötigen echte Veränderungen. Sie machen
Wolkenkuckucksheime, wir konzentrieren uns auf die echte Welt.
Damit bin ich bei dem Punkt, an dem unsere
Unterschiede auch wieder besonders deutlich werden.
Natürlich kann ein Nationalstaat eine ganze Menge tun; ich
habe ja einen kleinen Ausschnitt der gesetzlichen
Änderungen genannt. Aber wenn es um die langfristige,
nachhaltige Kontrolle von Migration geht, wenn es
insbesondere um das Thema „Rückführungen von Menschen ohne
Bleibeperspektive“ geht, dann liegt der entscheidende
Hebel in Europa. Es war ein Fehler, dass frühere
Bundesregierungen den Menschen gesagt haben: Nationale
Grenzen kann man nicht schützen. –
Das ist falsch. Ein Staat muss sogar seine Grenzen
schützen können.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der AfD – Dr. Gottfried Curio [AfD]:
Gleich noch ein Preis für Merkel! – Beatrix
von Storch [AfD]: Ach nee!)
Mit dem Verweis auf Europa ist auch nicht gemeint:
Wir sind jetzt nicht mehr zuständig. Innenminister
Dobrindt zeigt ja, wie groß der Gestaltungsspielraum
ist, wenn sich Deutschland mit seinen Partnern in Europa
abgestimmt für Veränderung einsetzt.
(Beifall bei der CDU/CSU – Daniela Ludwig
[CDU/CSU]: So ist es!)
Aber auch hier wieder: Der Unterschied zwischen uns
ist: Sie hier auf der rechten Seite stänkern rum;
Innenminister Dobrindt kümmert sich in der Zwischenzeit um
die Lösung.
(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Das ist der Unterschied? Ist das der
Unterschied zwischen AfD und CDU in der
Migrationspolitik, dass die nicht regieren?)
Wir verhandeln jetzt Return Hubs, also Rückkehrzentren
in Drittstaaten, um Menschen ohne Bleiberecht schneller
aus der Europäischen Union abschieben zu können. Ich
bin mir ziemlich sicher: Allein die Existenz dieser
Zentren wird zu einer Steigerung der Zahl freiwilliger
Rückkehren ausreisepflichtiger Personen führen.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das ist ja ein Überbietungswettbewerb
hier!)
Und um Sie jetzt noch völlig auf die Palme zu bringen:
Ich bin auch bereit dazu, dass wir freiwillige Ausreisen
auch finanziell unterstützen. Da werden Sie dann mit
populistischem Furor wieder dagegen agitieren, völlig
ignorierend, dass das ein großer Hebel ist, um schneller
zu werden.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Gottfried
Curio [AfD]: Der ist völlig okay, der Hebel! –
Zuruf des Abg. Martin Hess [AfD])
Wie gesagt: Sie blöken herum; wir lösen die Probleme.
Das ist der Unterschied.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg.
Hakan Demir [SPD])
Relationen
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- part_of_vorgang → Maßnahmen für eine wirkliche Migrationswende
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