Rede von Isabelle Vandre (DIE LINKE) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 38a bis 38c: Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris.
Text
Rede von Isabelle Vandre (DIE LINKE) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Zuhörende! Wussten Sie, dass Vergesellschaftung
nicht nur gut für Mieter/-innen ist, sondern auch der
Bekämpfung der Organisierten Kriminalität dient? Genau
diesen Zusammenhang hat die Universität Mailand
untersucht. Sie stellt fest, dass Vergesellschaftung der Mafia
nicht nur ihre Vermögenswerte entzieht, sondern dass sie
nachhaltig ihr Image der Unantastbarkeit und damit ihre
gesellschaftliche Wirkmächtigkeit zerstört. Beispiele
dafür gibt es in Italien, aber auch in Spanien, Belgien und
Schottland zur Genüge.
Da ist beispielsweise das ehemalige Betonwerk der
Cosa Nostra auf Sizilien, mit dem der regionale
Baumarkt kontrolliert wurde. Heute ist es als Genossenschaft
fest in der Hand der Arbeiter/-innen und beliefert
öffentliche Baustellen mit recyceltem Bauschutt.
Oder da ist die riesige Finca eines ehemaligen
spanischen Drogenbarons, der für das Medellín-Kartell
Kokain und Heroin nach Europa importierte, in der heute
unter anderem Menschen mit Behinderungen Urlaub
machen können.
Warum erzähle ich Ihnen das alles? Weil das
Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz nicht nur die Zollstruktur
reformiert, sondern sich zum Ziel gesetzt hat,
Vermögenswerte aus kriminellen Aktivitäten endlich konsequent
abzuschöpfen. Wir fordern: Aus kriminellen Geschäften
angeeignete Vermögenswerte müssen sozialisiert und der
Gesellschaft zurückgegeben werden.
(Beifall bei der Linken – Kay Gottschalk
[AfD]: Auch das SED-Vermögen?)
Das Vermögen muss zu denjenigen zurückfließen, bei
denen der Schaden entstanden ist: in die
Nachbarschaften, in die Kieze, zu den Menschen.
Doch genau zu der Frage, was mit den
beschlagnahmten Immobilien, Grundstücken und Geldern passieren
soll, verlieren Sie im Gesetzentwurf leider kein einziges
Wort. Genau deswegen haben wir Ihnen einen Antrag
zum Gesetzentwurf beigelegt, in dem wir eine gesetzliche
Regelung für eine soziale Wiederverwendung fordern.
Doch um zurückzugeben, was der Gesellschaft
genommen wurde, müssen wir erst einmal an die
Vermögenswerte herankommen und kriminelle Tätigkeiten
identifizieren. Auch da sehen wir deutlichen
Nachbesserungsbedarf. Warum enthält Ihr Gesetzentwurf
beispielsweise eine sogenannte Subsidiaritätsklausel, mit
der das administrative Verfahren zur
Vermögensabschöpfung ausgesetzt wird, wenn es zur Einleitung eines
Strafverfahrens kommt? Wie wollen Sie vermeiden, dass nur
bei denjenigen ermittelt wird, deren Vermögen
augenscheinlich nicht zum Einkommen passt? Wir müssen
doch endlich verhindern, dass Banken, Kanzleien und
Unternehmen, die mit Organisierter Finanzkriminalität
unserer Gesellschaft Milliarden klauen, immer wieder
davonkommen. 36 Milliarden Euro hat uns allein Cum-
Cum gekostet.
Dieses Gesetz sollte der große Wurf im Kampf gegen
diese Form der Finanzkriminalität sein. Aber die
tatsächliche Schlagkraft fehlt dem Gesetz. Wo ist denn das
gemeinsame Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität
geblieben, Herr Klingbeil, Herr Schrodi?
Ankündigungen dazu bringen nichts. Wir brauchen endlich Konzepte
und rechtliche Klärung. Genau deswegen haben wir
diesen Antrag beigelegt.
Meine Damen und Herren, Finanzkriminalität ist
Diebstahl an uns allen, und es ist unsere Verantwortung,
endlich wirkungsvoll gegen sie vorzugehen.
(Beifall bei der Linken sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte erhalten
- part_of_vorgang → Altersteilzeit weiterhin ab 55 Jahren und im Blockmodell ermöglichen
- part_of_vorgang → Keine weitere Erhöhung der Regelaltersgrenze
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