Rede von Johannes Singhammer (CDU/CSU) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 4 a bis 4 c: Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer.
Text
Rede von Johannes Singhammer (CDU/CSU) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Liebe Frau Kollegin Deligöz, Ihre Frage zeigt, dass
Sie sich im Irrtum über das befinden, was wir wollen
und welche Pläne wir haben.
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Woran liegt das wohl?)
Ich darf es Ihnen nochmals erklären:
Wir sind für Wahlfreiheit. Wahlfreiheit bedeutet, dass
diejenigen Eltern, diejenigen Mütter und Väter, die
verdienen müssen, die arbeiten und entsprechend ihrer
Ausbildung tätig sein wollen, dies können und dass
diejenigen Eltern, die sich anders entscheiden, weil ein
Elternteil für eine bestimmte Zeit oder dauerhaft zu Hause
bleiben will, im Rahmen des Betreuungsgeldes genauso
eine Förderung erhalten. Das ist Wahlfreiheit.
(Beifall bei der CDU/CSU – Ute Kumpf [SPD]:
„Dauerhaft zu Hause bleiben“?)
In den nächsten Wochen wird der
Existenzminimumsbericht des Bundesfinanzministers erscheinen. Weil in
den vergangenen sieben Jahren eine Vielzahl von
Dingen – von den Lebensmitteln bis hin zur Energie – teurer
geworden ist, würde es jeden wundern, wenn dabei keine
Steigerung herauskäme. Eine Erhöhung des
Existenzminimums bedingt aber – das stelle ich hier fest – eine
Erhöhung des Kindergelds. Alles andere wäre höchst
ungerecht. Deshalb sage ich an dieser Stelle: Wir wollen
eine Erhöhung des Kindergelds im kommenden Jahr.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD – Caren Marks [SPD]: Alle Kinder
sind gleich viel wert!)
Das ist auch eine Förderung der Mittelschicht,
derjenigen, die arbeiten, die etwas leisten und für die es immer
enger wird.
Es wäre ungerecht, es nicht zu tun. Warum? Weil
diejenigen, die über das Existenzminimum eine
Steuerrückzahlung bekommen, im Regelfall einen Gegenwert von
203 Euro im Monat erhalten. Diejenigen, die Hartz IV
erhalten, bekommen über das Sozialgeld im Regelfall
einen Gegenwert, der ebenfalls über 200 Euro liegt.
Diejenigen, die Kindergeld bekommen, erhalten bis zum
dritten Kind jetzt 154 Euro und ab dem vierten 179 Euro.
Um hier Symmetrie zu schaffen, ist eine
Kindergelderhöhung notwendig.
Welche Familien brauchen besonders nötig eine
solche Kindergelderhöhung? Es sind die Alleinerziehenden,
und es sind die Familien mit mehr Kindern. Es gibt
nämlich noch Mehrkinderfamilien.
Angesichts der Diskussion über Energiepreis- und
Spritpreiserhöhungen erinnere ich mich an ein Gespräch, das
Johannes Singhammerich vor kurzem mit einer Mutter geführt habe, die neun
Kinder hat.
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Haben Sie mit dem Vater auch
geredet?)
– Auch mit dem Vater, Frau Künast, keine Angst. – Als
die Frage aufkam: „Können Sie denn die Spritpreise
noch zahlen?“, hat die Mutter – in diesem Fall nicht der
Vater, sondern die Mutter, Frau Künast – geantwortet:
Für uns sind weniger die Spritpreise von Bedeutung
– wir haben gar kein Auto –, aber umso mehr die
Milchpreise. Denn ich brauche nicht 95 Liter Sprit im Monat,
sondern 95 Liter Milch für die Großfamilie. – Deshalb
beschweren mich, so hat sie erklärt, besonders die
Milchpreise.
(Caren Marks [SPD]: Alleinerziehende haben
so gut wie nie eine Großfamilie!)
In der Familienpolitik brauchen wir nicht nur einen
finanziellen Ausgleich, sondern auch die Anerkennung
einer solchen Leistung. Deshalb – das sage ich auch an
dieser Stelle – habe ich kein Verständnis dafür, wenn
Familien mit Misstrauen begegnet wird, so als seien sie
nicht in der Lage, eine Transferleistung des Staates
richtig und dem Wohl ihrer Kinder entsprechend
einzusetzen. Nein, die Familien wissen am besten, was ihre
Kinder brauchen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD – Abg. Miriam Gruß [FDP] meldet
sich zu einer Zwischenfrage)
Die meisten Mütter und Väter legen sich krumm, um
etwas für ihre Kinder zu tun. Diese Familien wollen wir
unterstützen.
Natürlich wollen wir auch – das ist ganz wichtig –,
dass Misshandlung und Verwahrlosung von Kindern mit
allen Möglichkeiten nicht nur geahndet, sondern vor
allem von vornherein vermieden werden.
Relationen
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