Rede von Birgit Homburger (FDP) – Unterrichtung durch den
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 12 a: Beratung der Unterrichtung durch den.
Text
Rede von Birgit Homburger (FDP) – Unterrichtung durch den
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Die Fraktion Die Linke hat wieder einmal den
Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan beantragt. Das
ist nichts Neues. Deswegen beschränke ich mich hier auf
die Tatsachen.
Die erste Tatsache ist, dass es ein Mandat gibt. In
diesem ISAF-Mandat ist der Einsatz von
Bundeswehrsoldaten außerhalb des Nordgebiets und Kabuls erlaubt, und
zwar in der ISAF-Region West sowie in anderen
Regionen für zeitlich und im Umfang begrenzte
Unterstützungsmaßnahmen, sofern diese zur Erfüllung des ISAF-
Gesamtauftrags unabweisbar sind. So steht es, Herr
Kollege Schäfer, im Mandat, und genau so wird es gemacht.
Die NATO – das hat der Kollege Beck gerade
ausgeführt – hat die Firma Thales beauftragt, ein
Kommunikationsnetz für ganz Afghanistan aufzubauen. Leider ist
dies bisher nicht fertiggestellt. Deswegen besteht das
Problem darin, dass die Fernmeldeverbindungen nicht
ausreichen, die aber dringend notwendig sind. Sie dienen
der Führungsunterstützung. Dabei geht es um
Informationsmanagement und die Versorgung mit
Informationen, aber auch um die Gewährleistung von
Informationssicherheit, die zwingend erforderlich ist.
Es geht auch um die Vernetzung von Feuerleitstellen
in Kandahar und Kabul. Damit komme ich zu dem
Argument, das Sie vorhin angeführt haben, Herr Kollege
Schäfer. Die Vernetzung stellt sicher, dass der Einsatz
präzise geplant werden kann. Das wiederum trägt dazu
bei, Kollateralschäden zu verhindern. Anders
ausgedrückt dient dieser Einsatz dazu, die Planungen so
präzise durchführen zu können, dass zivile Opfer vermieden
werden. Dieses Anliegen teilen wir alle in diesem Hause.
Im Übrigen hat nur die parlamentarische Kontrolle
dazu geführt, dass das Thema angesprochen wurde. Wir
haben uns im vergangenen Jahr in diesem Hause damit
befasst. Nicht zuletzt unsere Diskussionen haben dazu
geführt, dass dieses Thema auf NATO-Ebene
aufgegriffen wurde und dass die Zahl der zivilen Opfer seitdem
drastisch zurückgegangen ist. Ich glaube, dass man diese
Bemühungen fortsetzen sollte.
(Paul Schäfer [Köln] [DIE LINKE]: Haben Sie
genaue Zahlen?)
Die Linke ist gegen alles. Der Antrag dient als Mittel,
das Thema in den Vordergrund zu rücken und gegen den
Einsatz Stimmung zu machen. Das ist nicht nur
ungerechtfertigt, sondern auch unfair gegenüber den
eingesetzten Soldaten.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der SPD)Im Gegensatz zu den Linken hat die FDP
mehrheitlich für den Einsatz gestimmt. Voraussetzung dafür war,
dass er im Rahmen des Mandats erfolgt. Die FDP hat
kürzlich im Zusammenhang mit dem AWACS-Einsatz
über der Türkei vor dem Bundesverfassungsgericht eine
Stärkung der Parlamentsrechte erreicht. Wir werden
auch weiter peinlich genau darauf achten, dass das
Parlament nicht übergangen wird. Darum geht es nämlich in
diesem Fall.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der SPD – Paul Schäfer [Köln] [DIE LINKE]:
Dann müssen Sie unserem Antrag
zustimmen!)
Konkret bedeutet das, Herr Kollege Schäfer: Erstens
sind die Einsätze bekannt. Sie bekommen Informationen
über die wöchentliche Unterrichtung des Parlaments. Sie
haben im Februar eine ausführliche schriftliche
Information erhalten, und wir sind mehrfach bei den Obleuten
unterrichtet worden.
(Maik Reichel [SPD]: Man kann auch mal
hinfahren!)
Zweitens ist der Einsatz zeitlich begrenzt. Das hat
mein Vorredner eben sehr ausführlich erläutert. Ich will
noch einmal deutlich machen, dass es sich hier um zwei
NATO-Fernmeldebataillone handelt, die multinational
aufgestellt sind und in deren Rahmen auch deutsche
Soldaten zum Einsatz kommen. Sie schreiben in Ihrem
Antrag korrekterweise, dass die Bundeswehrsoldaten in
Kandahar fast durchgängig stationiert sind, Herr Kollege
Schäfer. Das heißt, nicht ganz durchgängig, und genau
das ist der Fall: Es ist ein zeitlich befristeter Einsatz.
Drittens ist der Umfang des Einsatzes begrenzt. Auch
das ist schon erläutert worden. Er ist für den gesamten
Auftrag unverzichtbar, da Telekommunikationssysteme
für ganz Afghanistan von zentraler Bedeutung sind.
Deshalb ist es nicht richtig, dass die Bundeswehrsoldaten
stationiert sind, um Führungsunterstützungsaufgaben für
die anderen NATO-Staaten im Süden Afghanistans zu
leisten, wie Sie in Ihrem Antrag schreiben. Das ist nur
die halbe Wahrheit. Es geht um die Führungsfähigkeit in
ganz Afghanistan, also auch in der Nordregion. Insofern
liegt dieses Thema auch im Interesse der deutschen
Soldaten im Norden.
(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Rainer
Arnold [SPD])
Für meine Fraktion sage ich in aller Deutlichkeit: Der
vorliegende Antrag gibt uns Anlass, beim
Bundesminister der Verteidigung nachzuhaken, wann die Firma
Thales endlich den ausgeschriebenen Aufgaben
nachkommt, die von dieser privaten Firma übernommen
wurden.
Zurzeit gibt es keine Alternative zu dieser tragfähigen
Zwischenlösung. Sie ist im Rahmen des Mandats für alle
wichtig, auch für unsere Kräfte in der Nordregion.
Die FDP-Bundestagsfraktion wird weiter darauf
achten, dass alles, was in Afghanistan geschieht, im
Rahmen des Mandats stattfindet und dass die Rechte des
Deutschen Bundestags gewahrt werden. Die Bundes-
Birgit Homburgerwehr ist eine Parlamentsarmee. Dafür werden wir uns
weiter einsetzen. Deshalb lehnen wir Ihren Antrag ab.
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU)
Relationen
- part_of → Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
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