Rede von Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Unterrichtung durch den
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 12 a: Beratung der Unterrichtung durch den.
Text
Rede von Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Unterrichtung durch den
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir
beraten heute einen Antrag der Linksfraktion mit dem Titel
„Abzug der Bundeswehr aus Südafghanistan“. Ziel
dieses Antrags ist es, etwas zu skandalisieren, was kein
Skandal ist. Weil wir wissen, dass Sie diesen Antrag
auch stellen, um am Wochenende bei der
friedenspolitischen Konferenz in Hannover gut auszusehen,
(Wolfgang Gehrcke [DIE LINKE]: Da werden
wir gut aussehen! Ganz sicher!)
möchte ich Ihnen die Erkenntnis zurufen, die sich Grüne
und Friedensbewegung gemeinsam erarbeitet haben:
Friedenspolitik braucht Fachkompetenz. Leider
beweisen Sie diese mit Ihrem Antrag nicht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie, Herr Kollege
Schäfer, sich endlich einen Ruck geben würden und
einmal das Hauptproblem beim Namen nennen würden.
Wann kommt endlich der Antrag der Linksfraktion mit
dem Titel „Abzug der Taliban“? Darauf warte ich, seit
ich diesem Hause angehöre, aber dieser Antrag kommt
leider nicht.
(Heiterkeit und Beifall beim BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU – Paul Schäfer
[Köln] [DIE LINKE]: Ein sehr
fachkompetenter Vorschlag!)
Ich möchte zum Gegenstand Ihres Antrags
zurückkommen. Wir sind der Ansicht, dass der Einsatz der
38 Fernmelder auf dem ISAF-Stützpunkt in Kandahar
durch das vom Deutschen Bundestag vergebene Mandat
durchaus gedeckt ist; denn dieser Einsatz ist eine
Unterstützungsmaßnahme. Unterstützungsmaßnahmen sind Teil
des Mandats. Das schreiben Sie selbst in Ihrem Antrag.
Sie schreiben darin völlig zu Recht, dass die
Bundesregierung nur dann Soldaten außerhalb der Region Kabul
und des Zuständigkeitsbereichs des
Regionalkommandos Nord einsetzen dürfe, wenn – ich zitiere – „es um
eine Unterstützungsmaßnahme geht, die für die
Erfüllung des ISAF-Gesamtauftrags unabweisbar ist, und
diese Maßnahme sowohl zeitlich als auch im Umfang
begrenzt ist.“ Dass die Fernmelder in Kandahar
Unterstützungsaufgaben übernommen haben, schreiben Sie
drei Sätze später in Ihrem eigenen Antrag.
Dass Unterstützung zwischen den Bündnispartnern
jenseits von Kampfeinsätzen selbstverständlich sein
muss, ergibt sich einmal aus der Natur des Begriffs
„Bündnis“, zum anderen daraus, dass unsere Soldatinnen
und Soldaten im Zweifelsfall auch Unterstützung
brauchen, wenn es zum Beispiel um
Evakuierungsmaßnahmen geht. Also ist Ihr Antrag widersprüchlich. Ich
glaube, dass Sie das wissen. (Paul Schäfer [Köln] [DIE LINKE]: Zur
Befristung sagen Sie nichts!)
– Doch, dazu sage ich auch etwas. Das bringt mich leider
zu der Konsequenz, zu sagen: Die Ernsthaftigkeit, die
das Thema erfordert, haben Sie leider mit Ihrem Antrag
verfehlt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Der Umfang des Einsatzes hat sich in den letzten
Jahren nicht verändert. Wenn ein Bündnispartner oder ein
anderer Akteur aus technischen Gründen nicht in der
Lage ist, eine Aufgabe zu übernehmen, und deshalb die
Bundeswehr diese Aufgabe weiter übernimmt, dann ist
das bedauerlich, aber noch lange kein Rechtsbruch. Der
Einsatz ist keineswegs entfristet. Das ist nämlich der
zentrale Punkt. Es gibt immer wieder die Frage, was
nach drei Monaten passiert. Natürlich wünschen wir uns,
dass die Bundesregierung eine andere
Informationspolitik betreibt, und natürlich wollen wir mehr Transparenz
haben. Natürlich bricht sich die Bundesregierung keinen
Zacken aus der Krone, wenn das nächste Mal – das
fordern und erwarten wir auch – die Fernmelder in das
Mandat hineingeschrieben werden. Das ist die
transparenteste und sauberste Lösung.
Wie Sie wissen, haben auch wir Grüne viel Kritik an
der Afghanistan-Politik – „Afghanistan-Strategie“ ist in
diesem Fall vielleicht ein zu großes Wort – der
Bundesregierung. Natürlich wollen wir einen Strategiewechsel.
Natürlich wollen wir auch eine zivile Offensive.
Natürlich wollen wir, dass OEF und ISAF nicht mehr
unsinnigerweise nebeneinander bestehen. Natürlich wollen wir,
dass die US-Regierung auch Druck aus Berlin spürt,
einen Kurswechsel vorzunehmen.
Sie ersparen uns aber nicht, dass wir Ihre Position hier
kritisieren müssen. Sie wollen den sofortigen
Gesamtabzug aus Afghanistan, und zwar – das ist meine
Vermutung – nicht nur aus außenpolitischen Gründen. Das
finden meine Fraktion und ich persönlich unverantwortlich;
denn dadurch würden die Menschen in Afghanistan im
Stich gelassen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der
SPD und der FDP)
Da wir dieser Unverantwortlichkeit nicht beitreten
wollen, lehnen wir Ihren Antrag ab.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der
SPD und der FDP)
Relationen
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