Rede von Ulla Jelpke (DIE LINKE) – Drucksache 16/9039
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 26: Drucksache 16/9039 –.
Text
Rede von Ulla Jelpke (DIE LINKE) – Drucksache 16/9039
Bei dem, was die Bundesregierung unter der
Bekämpfung des Terrorismus versteht, wird leider in aller Regel
der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Das gilt auch
für die Vereinigten Arabischen Emirate, die uns von der
Bundesregierung hier als glaubwürdiger Akteur in
Sachen Menschenrechte verkauft werden. Doch das ist der
reine Hohn. Ich fordere Sie auf, meine Damen und
Herren: Lesen Sie den Länderbericht von Amnesty
International, und dann denken Sie noch einmal darüber nach, mit
wem Sie hier in aller Freundschaft Abkommen über
polizeiliche Zusammenarbeit schließen wollen.
Denn die Menschenrechte werden dort regelrecht mit
Füßen getreten. Der dortige Inlandsgeheimdienst ist
berüchtigt dafür, Menschen in Haft zu nehmen, weil sie
angeblich Islamisten sein sollen, oder auch nur, weil sie es
wagen, politische Reformen zu fordern. Eine
Anklageerhebung hält man für unnötig. Die Betroffenen bleiben
monatelang in sogenannter incomunicado-Haft, das heißt
ohne dass ihnen irgendein Kontakt zur Außenwelt
gewährt wird. Manche Menschen „verschwinden“ einfach.
Die Todesstrafe wird verhängt, und grausame und
erniedrigende Körperstrafen wie Auspeitschungen sind dort
keine Seltenheit. Wir wissen außerdem, dass in diesem
Land Homosexualität als sogenannte unzüchtige
Handlung verboten und unter Strafe gestellt ist.
Mit einem Wort: Die Vereinigten Arabischen Emirate
gehören mit zu den Staaten, die man nur als
Menschenrechtsverletzer beschreiben kann. Und mit dessen
Behörden sollen jetzt nach dem Willen der Bundesregierung po-lizeiliche Erkenntnisse ausgetauscht werden. Beruhigend
heißt es in dem Dokument, dass beide Seiten strikt auf
Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit zu achten hätten.
Doch von solchen Zusicherungen lässt sich Die Linke
nicht einlullen.
Denn wer kann garantieren, was mit diesen Daten
passiert? Wer von Ihnen legt seine Hand dafür ins Feuer,
dass die Behörden der Arabischen Emirate tatsächlich
„verhältnismäßig“ vorgehen?
Jeder, der in den Emiraten, sei es zu Recht oder auch
zu Unrecht, schwerer oder auch minder schwerer
Straftaten beschuldigt wird, muss damit rechnen, eingesperrt
und geschlagen zu werden oder zu verschwinden. Die
Vorstellung, dass das mit Hilfe deutscher Behörden
passiert, die ihren arabischen Kollegen erst die notwendigen
Informationen liefern, ist doch reiner Horror.
Wir wissen ja, dass die Bundesregierung eine emsige
Zusammenarbeit mit Folterregimen praktiziert, auch im
Militär- und Polizeibereich. Um Menschenrechte, um
Frieden und die Eindämmung illegitimer Gewalt geht es
dabei kaum, vielmehr geht es um machtpolitische
Interessen. Das fängt an bei den wichtigsten NATO-
Verbündeten, die mit ihrer Politik der weltweiten Angriffskriege
und Folterlager oftmals Gegengewalt erst hervorrufen.
Doch daran mag bis auf die Fraktion Die Linke ja keine
Fraktion in diesem Haus erinnert werden.
Abkommen mit menschenrechtsfeindlichen Staaten
begründet die Bundesregierung gerne damit, sie könnten
dabei helfen, eine grund- und menschenrechtsorientierte
Sicherheitspolitik zu etablieren. Ein Beispiel hierfür hat
sie allerdings bisher nicht vorgelegt. Würde sie ihre
eigene Begründung wenigstens selbst ernst nehmen, hätte
sie ja versuchen können, für das Gesetzgebungswerk
Menschenrechtsorganisationen zu Rate zu ziehen. Das ist
nicht geschehen.
Noch ein letzter Hinweis: Wie so oft vermischt die
Bundesregierung auch hier Terrorismus und illegalisierte
Migration. Sie will Menschen daran hindern, ohne
staatliche Erlaubnis nach Europa zu kommen, ohne sich für
Fluchtgründe und Situation dieser Menschen zu
interessieren. Statt dessen wirft sie sie einfach in einen Topf mit
angeblichen Terroristen. Das ist inhuman, das ist
unsachlich.
Die Fraktion Die Linke fordert eine an
Menschenrechten orientierte Außenpolitik. Davon kann im
Zusammenhang mit diesem Abkommen keine Rede sein. Wir lehnen
den Gesetzentwurf daher ab.
Relationen
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