Rede von Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) – Drucksache 16/9482
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 3 a: Drucksache 16/9482 –.
Text
Rede von Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) – Drucksache 16/9482
Herr Kollege Schaaf, Sie haben – wie zuvor schon
Frau Kollegin Schewe-Gerigk – behauptet, die FDP
schlage eine Finanzierung aus Beitragsmitteln vor. Wir
schlagen in der Tat eine Finanzierung aus der
Rentenkasse vor. Ich will Sie aber daran erinnern, dass die
Rentenkasse aus Beitragsmitteln und aus Steuermitteln
gespeist wird. 80 Milliarden von 240 Milliarden Euro
kommen aus dem Bundeshaushalt. Das ist ein Drittel der
Einnahmen der Rentenkasse. Dies haben wir bei
unserem Vorschlag natürlich berücksichtigt.
(Iris Gleicke [SPD]: Was sollen wir denn dann
aus dem Bundeshaushalt streichen?
Rehabilitation? Anerkennung von
Kindererziehungszeiten?)Ich kann Ihre Verwunderung auch in der Sache nicht
nachvollziehen. Wenn wir alles so weiterlaufen lassen,
wie es jetzt ist – das wollen Sie offensichtlich –, würde
ein künftiges Anwachsen des Rentenwertes Ost, der
dann zu höheren Renten führt, natürlich auch aus der
Rentenkasse finanziert.
Wir schlagen vor, die Zahlungsreihe, die sich ergibt,
wenn man die künftig zu erwartenden
Rentensteigerungen zugrunde legt – nach unserem Vorschlag auf der
Basis der positiven Prognose des Sachverständigenrates –,
mit einem vernünftigen und korrekten Abzinsungsfaktor
in die Gegenwart vorzuholen.
Das ergibt eine Zahlung, die man natürlich nicht
pauschal berechnen kann. Diese Zahlung ist vielmehr
individuell. Das hängt von der Zahl der Entgeltpunkte Ost
ab, die man als Versicherter hat. Außerdem hängt dies
von der durchschnittlichen künftigen Lebenserwartung
der entsprechenden Kohorte ab; denn es stellt sich die
Frage, wie lange man an den künftigen weiteren
Rentensteigerungen teilhat.
Dann ergibt sich ein individueller Zahlungsbetrag.
Sie sind ohne Weiteres – wenn nicht Sie, dann die
Bundesregierung – in der Lage, das selbst einmal
durchzurechnen. Der Vorschlag ist fair, systematisch, und er
enthält keinen Bruch. Wenn man die Rentenerhöhungen
künftig aus der Rentenkasse finanziert, dann spricht
überhaupt nichts dagegen, die Einmalzahlung auch aus
der Rentenkasse zu finanzieren. Zieren Sie sich deshalb
nicht lange. Stimmen Sie dem Vorschlag der FDP zu,
weil er eine zeitnahe und finanzierbare Lösung
beinhaltet.
In einem Punkt stimme ich mit Ihnen überein. Man
sollte nicht versuchen, die Frage der Vereinheitlichung
des Rentenrechts und des Lückenschlusses damit zu
überfrachten, dass man bei Gelegenheit das Problem der
Altersarmut mit lösen will, wie es die Grünen
vorgeschlagen haben.
(Irmingard Schewe-Gerigk [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Nicht „bei Gelegenheit“! Das
steht im Zentrum!)
Die Aufgabe ist komplex genug. Wir wollen das eine
von dem anderen trennen. Wir sollten aber beides zügig
angehen.
Relationen
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