Rede von Patrick Meinhardt (FDP) – Drucksache 16/12476 –Überweisungsvorschlag
Teil von Protokoll der 222. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 21: Drucksache 16/12476 –Überweisungsvorschlag:.
Text
Rede von Patrick Meinhardt (FDP) – Drucksache 16/12476 –Überweisungsvorschlag
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen
und Kollegen! Mit dem uns heute zur Beratung
vorliegenden Antrag zeigen die Grünen einmal mehr, welch
Geistes Kind sie sind. Sie glauben ganz offensichtlich,
durch Regulierung und Staatsbürokratie zum besten
Ergebnis zu kommen.
(Krista Sager [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Dann schauen Sie sich die Ergebnisse doch
jetzt mal an!)
Frau Sager, es wird Sie nicht verwundern, dass wir
Liberale dem ein anderes Modell entgegenhalten. Nicht
mehr bundeseinheitliche Regelungen, die Universitäten
und Studenten eigener Kompetenzen und eigener
Wahlfreiheiten berauben, sind der Schlüssel zum Erfolg,
sondern Freiheit, Eigenverantwortlichkeit und
Wahlmöglichkeiten.
Worüber reden wir eigentlich konkret? Es ist erst
wenige Wochen her – es war am 25. März –, dass den
Mitgliedern aller Fraktionen, auch den Mitgliedern der
Grünen, im Bildungsausschuss das neue Modell zur
Regelung des Hochschulzugangs vorgestellt wurde. Alle
anwesenden Sachverständigen von der
Hochschulrektorenkonferenz bis hin zur KMK waren zuversichtlich,
dass das neue Instrumentarium die derzeitigen Probleme
löst.
Das vorgestellte Verfahren scheint tatsächlich in der
Lage zu sein, alle Interessen zu vereinen.
Verantwortungsvoller Umgang mit Kapazitäten und finanziellen
Mitteln wird mit freier Wahlmöglichkeit und mit
Wettbewerb verbunden. Das ist ein sinnvoller Ansatz. Dieses
innovative Konzept hat drei Komponenten: Erstens. In einem ersten Schritt bewerben sich
Studenten um ein Studienfach ihrer Wahl an einer oder
mehreren Hochschulen. Dies betont die
Eigenverantwortlichkeit, und das ist auch gut so.
In einem zweiten Schritt findet, sobald ein Platz
gefunden ist und sich der Studierende immatrikuliert hat,
ein Abgleich im System statt. In einer Nachrückphase
werden für die unberücksichtigt gebliebenen
Bewerberinnen und Bewerber die jeweils optimale
Zulassungsmöglichkeit nach ihren eigenen Prioritäten ermittelt und
wiederum freie Plätze unterbreitet. Im zweiten Schritt
werden also alle Interessen berücksichtigt.
Dritter Schritt. Für diejenigen, die dann noch immer
nicht zum Zuge gekommen sind, bietet ein
abschließendes Clearingverfahren die Chance, nicht besetzte
Studienplätze zu besetzen. Dieser dritte Schritt
gewährleistet eine optimale Auslastung.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, natürlich
gefällt staatsgläubigen Fraktionen eine solche
untergesetzliche, pragmatische Lösung nur wenig.
Deren Bauchgefühl verlangt nach zentral gesteuerten
Strukturen und Planverfahren. Die im Jahre 1972 ins
Leben gerufene ZVS war eine solche Planbehörde, ganz
nach dem Geschmack der Grünen. Hier durften Beamte
noch über das Studienschicksal von jungen Menschen
entscheiden. Nicht umsonst hatte das ZVS-Verfahren
auch den Namen „Studentenlandverschickung“. Von
Bürokraten geliebt, von Studenten zutiefst gehasst – so
stellen wir uns eine studentennahe Bildungspolitik nicht
vor!
Nun wollen die Grünen Wahlmöglichkeiten
zugunsten von Bequemlichkeit und Fremdbestimmung
aufgeben. Wettbewerb und Hochschulautonomie sollen
Staatsdirigismus und Planwirtschaft weichen – und dies
ohne jedwede Notwendigkeit.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, stellen wir uns doch
einmal wirklich die Frage, welches Menschenbild hinter
solch einer Staatsgläubigkeit steht.
(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Etwas
kleiner!)
Trauen wir es jungen Menschen, angehenden
Akademikern, nicht zu, eigenverantwortlich nach ihren eigenen
Bedürfnissen, also selbstbestimmt, einen Studienplatz zu
finden? Wir Liberale trauen das unseren Abiturientinnen
und Abiturienten durchaus zu.
(Beifall bei der FDP – René Röspel [SPD]: Da
muss er selber lachen!)