Protokoll der 159. Sitzung des 10. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 159. Sitzung des 10. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 10/159
Deutscher Bundestag
Stenographischer Bericht
159. Sitzung
Bonn, Donnerstag, den 26. September 1985
Inhalt:
Wahl des Abg. Dr. Abelein zum
stellvertretenden Mitglied der Parlamentarischen
Versammlung des Europarates an Stelle
des ausgeschiedenen Abg. Dr.
Stavenhagen 11847A
Erweiterung der Tagesordnung 11847 A
Begrüßung des Vorsitzenden der
Volksversammlung der Volksrepublik Bulgarien,
Herrn Stanko Todorov, seiner Gattin und
der Mitglieder seiner Delegation . . . . 11856 D
Begrüßung einer Delegation des
Landwirtschaftsausschusses der
Nationalversammlung der ungarischen Volksrepublik . 11861 B
Abwicklung der Tagesordnung 11894A
Aktuelle Stunde betr. Haltung der
Bundesregierung zu den französischen
Atomwaffentestversuchen im Südpazifik und zu
dem Vorgehen der französischen
Regierung gegen die Umweltschutzorganisation
Greenpeace
Suhr GRÜNE 11847 B
Berger CDU/CSU 11848 B
Voigt (Frankfurt) SPD 11849A
Ronneburger FDP 11850A
Dr. Klejdzinski SPD 11850D
Möllemann, Staatsminister AA 11851 C
Dr. Scheer SPD 11853A
Dr. Hornhues CDU/CSU 11853 D
Jungmann SPD 11854 C
Petersen CDU/CSU 11855B
Beratung des Antrags der Fraktion der
SPD
Kündigung des Kulturabkommens mit
Südafrika
— Drucksache 10/3868 —
in Verbindung mit
Beratung des Antrags der Fraktion DIE
GRÜNEN
Kündigung des Kulturabkommens mit
Südafrika
— Drucksache 10/3870 —
in Verbindung mit
Beratung des Antrags der Fraktionen der
CDU/CSU und der FDP
Kulturabkommen mit Südafrika
— Drucksache 10/3878 —
Frau Borgmann GRÜNE . . . . 11856B, 11859 B
Verheugen SPD 11857A
Klein (München) CDU/CSU 11858B
Bangemann, Bundesminister BMWi . . 11860B
Namentliche Abstimmungen . . 11861 D, 11863 C
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Dritten Gesetzes zur Änderung des
Hochschulrahmengesetzes
— Drucksache 10/2883 —
Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Bildung und Wissenschaft
— Drucksache 10/3751 —
in Verbindung mit
Beratung der Unterrichtung durch die
Bundesregierung Bericht der
Bundesregierung „Hochschulpolitische Zielsetzungen
der Bundesregierung und Förderung der
Drittmittelforschung"
— Drucksache 10/3782 —
Frau Dr. Hamm-Brücher FDP . 11865B, 11893 B
Seiters CDU/CSU 11865 D
Porzner SPD 11866 C
Beckmann FDP 11867A
Mann GRÜNE (zur GO) 11867 C
Frau Dr. Wisniewski CDU/CSU 11869A
Kuhlwein SPD 11871A
Neuhausen FDP 11873 D
Frau Zeitler GRÜNE 11875D
Frau Dr. Wilms, Bundesminister BMBW 11878 A
Frau Brunn, Minister des Landes
Nordrhein-Westfalen 11881 A
Frau Männle CDU/CSU 11883 C
Frau Odendahl SPD 11885C
Dr.-Ing. Laermann FDP 11886 B
Kastning SPD 11890 A
Daweke CDU/CSU 11891 D
Frau Dr. Hamm-Brücher FDP (Erklärung
nach § 32 GO) 11914 C
Eidesleistung des Bundesministers für
Jugend, Familie und Gesundheit
Frau Dr. Süssmuth, Bundesminister
BMJFG 11894 A
Zweite und dritte Beratung des vom
Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Änderung des Bürgerlichen
Gesetzbuches
— Drucksache 10/307 —
Beschlußempfehlung und Bericht des
Rechtsausschusses
— Drucksache 10/3781 —
Dr. Schroeder (Freiburg) CDU/CSU . . . 11894D
Dr. de With SPD 11895 D
Kleinert (Hannover) FDP 11896C
Mann GRÜNE 11897 C
Erhard, Parl. Staatssekretär BMJ . . . 11898 D
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes über eine Volks-, Berufs-,
Gebäude-, Wohnungs- und
Arbeitsstättenzählung (Volkszählungsgesetz 1986)
— Drucksache 10/2814 —
Beschlußempfehlung und Bericht des
Innenausschusses
— Drucksache 10/3843 —
Bericht des Haushaltsausschusses gemäß
§ 96 der Geschäftsordnung
— Drucksache 10/3889 —
Senfft GRÜNE (zur GO) 11915 C
Broll CDU/CSU (zur GO) 11915D
Ströbele GRÜNE 11916B, 11922 D
Broll CDU/CSU 11917 A
Dr. Wernitz SPD 11919A
Dr. Hirsch FDP 11920 C
Mann GRÜNE (Erklärung nach § 30 GO) 11867 C
Dr. Waffenschmidt, Parl. Staatssekretär
BMI 11924 C
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Finanzausschusses
zu dem Entschließungsantrag der
Fraktionen der CDU/CSU und FDP zur Erklärung
der Bundesregierung über die
Jahresversammlung 1984 des Internationalen
Währungsfonds in Washington
zu dem Antrag der Fraktion DIE GRÜ-
NEN
Vorlage eines jährlichen Berichts über die
Kreditpolitik des Internationalen
Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe
durch die Bundesregierung
— Drucksachen 10/2063, 10/2818, 10/3473 —
Stommel CDU/CSU 11926 D
Frau Matthäus-Maier SPD 11928 B
Dr. Solms FDP 11930 B
Volmer GRÜNE 11932A
Dr. Warnke, Bundesminister BMZ . . 11933A
Dr. Hauchler SPD 11934 D
Dr. Lammert CDU/CSU 11936 C
Beratung der Großen Anfrage der
Abgeordneten Schwenninger, Dr. Ehmke
(Ettlingen) und der Fraktion DIE GRÜNEN
Weiterverbreitung von Atomwaffen durch
bundesdeutsche Nuklearexporte in Länder
der Dritten Welt
— Drucksachen 10/2729, 10/3685, 10/3721 —
in Verbindung mit
Beratung der Großen Anfrage der
Abgeordneten Schwenninger, Dr. Ehmke
(Ettlingen) und der Fraktion DIE GRÜNEN
Nukleare Zusammenarbeit zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und
Südafrika
— Drucksachen 10/2730, 10/3686 —
in Verbindung mit
Beratung der Großen Anfrage der
Abgeordneten Schwenninger, Dr. Ehmke
(Ettlingen) und der Fraktion DIE GRÜNEN
Weiterverbreitung von Atomwaffen durch
bundesdeutsche Nuklearexporte nach
Brasilien und Argentinien
— Drucksachen 10/2731, 10/3687 —
Frau Borgmann GRÜNE 11938B
Lamers CDU/CSU 11940A
Verheugen SPD 11941 C
Schäfer (Mainz) FDP 11943 B
Möllemann, Staatsminister AA 11945B
Namentliche Abstimmung 11946 D
Ergebnis 11948C
Beratung der Sammelübersicht 88 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3587 —
in Verbindung mit
Beratung der Sammelübersicht 89 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3588 —
in Verbindung mit
Beratung der Sammelübersicht 90 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3589 —
in Verbindung mit
Beratung der Sammelübersicht 95 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3787 —
in Verbindung mit
Beratung der Sammelübersicht 91 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3807 —
in Verbindung mit
Beratung der Sammelübersicht 93 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3808 —
in Verbindung mit
Beratung der Sammelübersicht 96 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3814 —
in Verbindung mit
Beratung .der Sammelübersicht 97 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3815 —
in Verbindung mit
Beratung der Sammelübersicht 98 des
Petitionsausschusses über Anträge zu
Petitionen
— Drucksache 10/3816 —
Hansen (Hamburg) SPD 11947 D
Jagoda CDU/CSU 11950 A
Tischer GRÜNE 11951 A
Neuhausen FDP 11952B, 11961 A
Kirschner SPD 11953 A
Haungs CDU/CSU 11954 D
Mann GRÜNE 11955C, 11965 B
Dr. Rumpf FDP 11956B, 11964 D
Schulte (Menden) GRÜNE 11957 B
Schlottmann CDU/CSU 11958 B
von der Wiesche SPD 11959 D
Frau Hönes GRÜNE 11961 D
Dr. Becker (Frankfurt) CDU/CSU . . . 11962 C
Reuter SPD 11963 B
Beratung des Berichts des Auswärtigen
Ausschusses gemäß § 62 Abs. 2 der
Geschäftsordnung zu dem von der Fraktion
DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zum Zusatzprotokoll zu den
Genfer Abkommen vom 12. August 1949
über den Schutz der Opfer internationaler
bewaffneter Konflikte (Protokoll I)
— Drucksachen 10/406, 10/3872 —
Dr. Todenhöfer CDU/CSU 11966 C
Verheugen SPD 11967 A
Dr. Schierholz GRÜNE 11968 B
Möllemann, Staatsminister AA 11969 A
Beratung des Antrags der Abgeordneten
Frau Dr. Bard und der Fraktion DIE GRÜ-
NEN
Notprogramm zur Schutzwaldsanierung
der Alpenregion
— Drucksache 10/2866 (neu) —
Schulte (Menden) GRÜNE 11971 B
Dr. Rumpf FDP 11972A
Pfuhl SPD 11973A
Brunner CDU/CSU 11973 D
Werner (Dierstorf) GRÜNE 11974 D
Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Vierten Gesetzes zur Änderung
besoldungsrechtlicher Vorschriften
— Drucksache 10/3789 —
Spranger, Parl. Staatssekretär BMI . . 11976A
Bernrath SPD 11977A
Regenspurger CDU/CSU 11978 A
Ströbele GRÜNE 11979 A
Dr. Hirsch FDP 11980 B
Vizepräsident Frau Renger 11981 A
Fragestunde
— Drucksache 10/3857 vom 20. September
1985 —
Priorität und Finanzierung des
Verkehrsprojektes „Alleentunnel" in Frankfurt/
Main
MdlAnfr 01, 02 20.09.85 Drs 10/3857
Zander SPD
Antw PStSekr Dr. Schulte BMV . . . 11900C
ZusFr Zander SPD 11900 C
Abgrenzung von Gemeinnützigkeit bei
Vereinsfesten und Vereinsgaststätten
gegenüber der kommerziellen Gastronomie
MdlAnfr 03 20.09.85 Drs 10/3857
Dr. Weng (Gerlingen) FDP
Antw PStSekr Dr. Voss BMF 11901 B
ZusFr Dr. Weng (Gerlingen) FDP . . . 11901 B
ZusFr Tillmann CDU/CSU 11901 D
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 11901 D
Selbstmorde im Auswärtigen Amt
MdlAnfr 22, 23 20.09.85 Drs 10/3857
Dr. Rose CDU/CSU
Antw StMin Möllemann AA 11902 B
ZusFr Dr. Rose CDU/CSU 11902 D
ZusFr Graf Huyn CDU/CSU 11903 D
Ausbau der A 52 Hostert/Waldniel bis zur
niederländischen Grenze bei Elmpt
MdlAnfr 35, 36 20.09.85 Drs 10/3857
Stahl (Kempen) SPD
Antw PStSekr Dr. Schulte BMV . . . 11904C
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 11904 D
ZusFr Menzel SPD 11905 D
ZusFr Dr. Sperling SPD 11906A
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 11906A
ZusFr Frau Steinhauer SPD 11906B
Vergleich der
Straßenverkehrsunfallstatistiken der Vereinigten Staaten von
Amerika und der Bundesrepublik Deutschland
für das Jahr 1984 angesichts einer
größeren Zahl von Verkehrstoten trotz
Geschwindigkeitsbegrenzung
MdlAnfr 37, 38 20.09.85 Drs 10/3857
Tillmann CDU/CSU
Antw PStSekr Dr. Schulte BMV . . . 11906 C
ZusFr Tillmann CDU/CSU 11906 D
ZusFr Dr. Sperling SPD 11907A
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 11907 C
Ausrüstung des Rundfunksatelliten TV-
SAT entsprechend der Fernsehnorm D-2
MAC
MdlAnfr 56, 57 20.09.85 Drs 10/3857
Dr. Klejdzinski SPD
Antw PStSekr Rawe BMP 11908A
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 11908 B
ZusFr Dr. Sperling SPD 11909 B
Nichtteilnahme des Bundesministers für
Bildung und Wissenschaft an der
Eröffnungsveranstaltung des Romanistentages
bei Durchführung in der Universität-
Gesamthochschule Siegen
MdlAnfr 59, 60 20.09.85 Drs 10/3857
Frau Steinhauer SPD
Antw PStSekr Pfeifer BMBW 11909 D
ZusFr Frau Steinhauer SPD 11909 D
ZusFr Kuhlwein SPD 11910 D
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 11911A
Beschleunigung der Asylverfahren sowie
Erweiterung des Personalbestandes im
Bundesamt für die Anerkennung
ausländischer Flüchtlinge
MdlAnfr 63, 64 20.09.85 Drs 10/3857
Fellner CDU/CSU
Antw PStSekr Spranger BMI 11911 D
ZusFr Lambinus SPD 11911C
ZusFr Fellner CDU/CSU 11911 D
Zahl der in die Bundesrepublik
Deutschland eingereisten Polen sowie der
beantragten und der abgelehnten Asylanträge;
Registrierung bei den
Einwohnermeldeämtern
MdlAnfr 65, 66 20.09.85 Drs 10/3857
Dr. Hupka CDU/CSU
Antw PStSekr Spranger BMI 11912A
ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU 11912 B
Anteil der ausreisewilligen Deutschen an
den in Ost- und Südosteuropa lebenden
Deutschen
MdlAnfr 69 20.09.85 Drs 10/3857
Kalisch CDU/CSU
Antw PStSekr Spranger BMI 11913A
Umsetzung des Bodenschutzkonzeptes der
Bundesregierung, insbesondere
Verbesserung der Grundwasserneubildung
MdlAnfr 75 20.09.85 Drs 10/3857
Dr. Sperling SPD
Antw PStSekr Spranger BMI 11913 B
ZusFr Dr. Sperling SPD 11913C
Ergebnisse der „Bulling-Kommission" zur
Modernisierung und Flexibilisierung der
Landesverwaltung in Baden-Württemberg
MdlAnfr 80, 81 20.09.85 Drs 10/3857
von Hammerstein CDU/CSU
Antw PStSekr Spranger BMI 11914A
ZusFr von Hammerstein CDU/CSU . . 11914B
Nächste Sitzung 11981 C
Anlage
Liste der entschuldigten Abgeordneten 11982*A
159. Sitzung
Bonn, den 26. September 1985
Beginn: 8.00 Uhr
Präsident Dr. Jenninger: Die Sitzung ist eröffnet.
Meine Damen und Herren, der Abgeordnete Dr.
Stavenhagen scheidet als stellvertretendes Mitglied
der Parlamentarischen Versammlung des
Europarates aus. Die Fraktion der CDU/CSU hat
Abgeordneten Dr. Abelein als seinen Nachfolger benannt.
Sind Sie damit einverstanden? — Ich höre keinen
Widerspruch. Damit ist Abgeordneter Dr. Abelein
als stellvertretendes Mitglied in die
Parlamentarische Versammlung des Europarates gewählt.
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung soll
die verbundene Tagesordnung um die Beratung der
Anträge der Fraktion der SPD und der Fraktion
DIE GRÜNEN zur Kündigung des
Kulturabkommens mit Südafrika — Drucksachen 10/3868,
10/3870 — sowie um den Antrag der Fraktionen der
CDU/CSU und der FDP zum Kulturabkommen mit
Südafrika — Drucksache 10/3878 — erweitert
werden. Es ist vorgesehen, die drei Anträge als
Zusatzpunkt 3 a bis c nach der Aktuellen Stunde
aufzurufen. Sind Sie damit einverstanden? — Ich höre
keinen Widerspruch. Dann ist so beschlossen.
Ich rufe den Zusatz-Tagesordnungspunkt 2 auf:
Aktuelle Stunde
Haltung der Bundesregierung zu den
französischen Atomwaffentestversuchen im
Südpazifik und zu dem Vorgehen der
französischen Regierung gegen die
Umweltschutzorganisation Greenpeace
Meine Damen und Herren, die Fraktion DIE
GRÜNEN hat gemäß Nr. 1 c der Anlage 5 unserer
Geschäftsordnung eine Aktuelle Stunde zu dem
genannten Thema verlangt.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der
Abgeordnete Suhr.
Suhr (GRÜNE): Guten Morgen, Herr Präsident!
Meine Damen und Herren! Monsieur le Président!
Liebe Freunde im Südpazifik! Frankreich hat unter
seinem sozialistischen Staatspräsidenten François
Mitterrand unseren Freunden von Greenpeace den
Krieg erklärt. Greenpeace kämpft seit vielen
Jahren mit großem Mut gegen den Wahnsinn der
atomaren Testversuche: seitens der Franzosen, seitens
der Amerikaner, seitens der Sowjetunion, seitens
der Briten und der Chinesen. Es ist der Kampf
eines David gegen Goliath. Er wird von der
internationalen Friedensbewegung und von einer
unglaublichen Welle der Sympathie über die ganze Welt
getragen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Auch wenn sich Frankreich gestern zu
Schadensersatzzahlungen wegen des Attentats bereit erklärt
hat, der Skandal ist noch nicht vom Tisch.
Seit 1972, als ein Greenpeace-Schiff bei dem
Versuch, die Atomwaffentests auf Mururoa zu stören,
zum erstenmal von einem französischen
Minensuchboot gerammt wurde, ereignete sich eine Reihe
gewalttätiger Angriffe der Franzosen gegen
Greenpeace. 1973 wurde David McTaggart von
französischen Marinesoldaten halb blind geschlagen. 1980
rammten französische Kriegsschiffe die „Rainbow
Warrior" im Hafen von Cherbourg
manövrierunfähig. 1983 wurde das Schiff „Sirius" mit
Tränengasgewehren beschossen. Der französische
Geheimdienst — offensichtlich mit Wissen höchster
Regierungskreise — schreckt nicht vor Mord und
Totschlag, vor Bombenterrorismus zurück. Diese
grausame Wahrheit, wie Premierminister Fabius jüngst
erklärte, zeigt, daß die Atommächte im Ernstfall
keine Gnade kennen, wenn sie ihre
Sicherheitsinteressen berührt sehen. Spione in Frankreich, aber
wohl überall auf der Welt, visieren gewaltfreie
Aufklärer schon als Leiche an, über die sie gehen
werden, als treue Diener ihres Staates zu allem
entschlossen.
Seit dem 10. Juli 1985, seit dem Mord an Fern -
ando Pereira, hatten wir die seltene Gelegenheit, zu
beobachten, daß viele Wochen lang ein staatlich
organisiertes Lügengespinst aufgezogen wurde, das
sich nun nach und nach langsam in seine einzelnen
Bestandteile auflöst. Tag für Tag kommen neue
Erkenntnisse. Die französische Regierung muß Stück
für Stück ihre Verantwortung für den Mord und das
Attentat zugeben.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Und es wird
immer noch vernebelt!)
Was sagt die Bundesregierung dazu? Die
Bundesregierung schweigt. Die Bundesregierung schweigt
wie ein Grab. Sie schweigt zum Attentat. Sie
schweigt zu den Atomversuchen im Südpazifik, wo
seit über 20 Jahren Atomversuche an lebenden
Menschen vorgenommen werden.
(Zuruf von der CDU/CSU: Quatsch!)
Sozusagen Dr. Kohls gesammeltes Schweigen. Auf
all unsere Anfragen — von meiner Kollegin Petra
Kelly und anderen — wollte sich die
Bundesregierung nicht äußern.
(Zurufe von der CDU/CSU: Wo ist die
denn? Die hat sich anketten lassen für
Mururoa!)
Das ganze Attentat paßt messerscharf zur
Geschichte der französischen Atomwaffentests im
Südpazifik, diesem einstigen Paradies in der
Südsee. Viele Inseln sind heute nur noch atomare
Wüsten, ohne Bäume, ohne Häuser. Das Erdreich
mußte abgetragen werden, weil es radioaktiv
verseucht ist. Viele Fischgründe können nicht mehr
genutzt werden, weil sich die Fische nicht mehr
zum Verzehr eignen. Die Bevölkerung auf den
Inseln muß mit Konserven ernährt werden.
In den Überseeterritorien Frankreichs hat der
dritte Weltkrieg — wie in den Testgebieten der
anderen Nuklearmächte — schon begonnen. Über 120
Atomexplosionen, davon bis 1974 47 oberirdische
Tests, rund 80 unterirdische Tests, hat die
französische Armee in Mururoa ausgelöst. Bei jedem Test
sinkt das Mururoa-Atoll um mehrere Zentimeter.
Es wird von vielen Wissenschaftlern befürchtet, daß
das ganze Atoll auseinanderbricht und das gesamte
radioaktive Inventar freigesetzt wird und zu einer
ökologischen Katastrophe führt.
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter, Ihre
Redezeit ist abgelaufen.
Suhr (GRÜNE): Ich komme zum Ende.
Wir fordern mit allem Nachdruck den
französischen Präsidenten auf: Beenden Sie die
Atomwaffenversuche im Südpazifik! Wenden Sie nicht
länger Gewalt gegen Greenpeace an! Wir fordern alle
Atommächte auf: Beenden Sie die
Atombombentests! Unterstützen Sie ein Atomtestmoratorium als
ersten Schritt hin zu einer faktischen Abrüstung!
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Berger.
Berger (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Wer mehr Sicherheit
schaffen will in dieser Welt, der darf die
Sicherheitsinteressen anderer nicht geringachten,
sondern er muß sie respektieren. Die Atomversuche
Frankreichs im Südpazifik sind gewiß ein heikles
Thema. Die Tatsache, daß Frankreich solche
Versuche überhaupt durchführt, ist schon schwierig zu
begründen. Die Tatsache, daß dies auch noch
außerhalb seines Kerngebietes geschieht, macht die
Sache natürlich nicht einfacher.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: So ist es!)
Ich sage: schwierig zu begründen, aber nicht
unmöglich. Solange es nämlich Atomwaffen gibt, wird
es auch den Versuch geben, die noch ungeklärten
Phänomene der Kernspaltung oder Kernfusion zu
klären.
Übrigens — und auch das ist ein Faktum —
tragen solche Versuche auch zur Minderung der den
Atomwaffen inhärenten Gefahren bei, ja sogar zur
Minderung der Atomwaffen selbst.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Wie bitte? —
Bueb [GRÜNE]: Rabulistik!)
Es gibt Dinge, die sind so vielschichtig und
kompliziert, daß sie sich nicht mit den Methoden eines
Marktschreiers lösen lassen, auch nicht durch
Legendenbildung. Die GRÜNEN machen es sich wie
immer zu leicht.
(Zurufe von den GRÜNEN)
Ohne Rücksicht auf die Erfordernisse der eigenen
Sicherheit, ohne Rücksicht auf die notwendige gute
Zusammenarbeit mit unserem nächsten Nachbarn
Frankreich, der zugleich auch unser nächster
Sicherheitspartner ist, und in Vorspiegelung der Fata
Morgana einer heilen, atomwaffenfreien Welt
fordern Sie: 1. Schluß mit den Versuchen und 2. Schluß
mit den Versuchen auf diesem Atoll!
(Sehr gut! bei den GRÜNEN)
Erreichen werden Sie nichts. Wer Frankreich
veranlassen will, die Atomwaffenversuche einzustellen
und darauf in Zukunft zu verzichten, der muß dafür
Sorge tragen, daß Frankreich seine Sicherheit ohne
Atomwaffen findet. Angesichts des
Kräfteverhältnisses der französischen Atomwaffen zum Potential
der Supermächte, besonders zum Potential der die
französische und unsere Sicherheit bedrohenden
Supermacht Sowjetunion, kann das nur heißen:
Substantielle Verminderung der Atomwaffen für
beide Supermächte; also: Erfolg bei START, Erfolg
bei INF, Erfolg bei den Verhandlungen in Genf.
Und dann erhebt sich die Frage: Wer hat diesen
Erfolg bei diesen Verhandlungen bisher
verhindert?
(Suhr [GRÜNE]: Sie!)
Frankreich nicht; die Bundesrepublik Deutschland
nicht; die Bundesregierungen — ich betone die
Mehrzahl: Bundesregierungen — nicht; die USA
nicht, sondern einzig und allein die Sowjetunion.
(Suhr [GRÜNE]: Das ist ja logisch! — Dr.
Schierholz [GRÜNE]: Die alte Platte!)
Es ist übrigens ein Irrtum, zu glauben, mit
papierenen Protesten gegen die französischen
Atomwaffenversuche die Welt heilen zu können.
(Bueb [GRÜNE]: Sagen Sie mal was zu
dem Mord!)
Die Bundesregierung hält sich hier aus guten
Gründen klug zurück. Was wir wollen, ist die
substantielle Verringerung der Atomwaffen unter Wahrung
unserer und anderer Länder Sicherheit, also bei
gesamtstrategischer Stabilität.
Sie, meine Damen und Herren, würden genau
dies gefährden und damit auch das Ziel der
Verringerung der Atomwaffen gefährden.
(Ströbele [GRÜNE]: Die werden aber im
-
mer mehr!)
Das wäre dann eine Voraussetzung für einen
umfassenden Teststopp, den wie, die Christlich
Demokratische Union, den diese Koalition und den
sämtliche Bundesregierungen bisher immer wieder zu
einer zentralen Forderung erhoben haben.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Sehr halbher
zig!)
Eine solche Politik, wie ich sie zu skizzieren
versucht habe, erfordert Augenmaß, Wirklichkeitssinn
und Geduld,
(Ströbele [GRÜNE]: Und Bomben!)
alles Eigenschaften, die den Antragstellern dieser
heutigen Aktuellen Stunde sehr fremd sind.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Voigt (Frankfurt).
Voigt (Frankfurt) (SPD): Herr Präsident! Meine
sehr verehrten Damen und Herren! In Frankreich
ist Verteidigungsminister Hernu zurückgetreten,
weil er für die Vorgänge und Entscheidungen, für
deren Bereich ihm die politische Zuständigkeit
übertragen worden war, auch die politische
Verantwortung übernommen hat.
(Zuruf des Abg. Lambinus [SPD])
In der Bundesrepublik bleibt Bundesinnenminister
Zimmermann im Amt,
(Beifall bei Abgeordneten der SPD — Zu
ruf des Abg. Klein [München] [CDU/CSU])
weil er politische Verantwortung von sich auf
Beamte abschiebt.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Zur Tagesord
nung! Das kommt später!)
Herr Zimmermann, nehmen Sie sich ein Beispiel!
Bekennen Sie sich zur politischen Verantwortung
und treten Sie endlich zurück!
(Lambinus [SPD]: Politische Kultur!)
Die Art der Vorwürfe ist nicht vergleichbar; aber
die politische Kultur der Regierungschefs leider
auch nicht. In der Bundesrepublik versucht der
Regierungschef Fehlverhalten zu verschleiern. In
Frankreich bekennt sich der Regierungschef dazu,
daß falsche Entscheidungen getroffen worden sind,
und zieht daraus personelle Konsequenzen.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Nach wochen
langer Täuschung der Öffentlichkeit!)
Für uns Sozialdemokraten ist die deutsch-
französische Freundschaft ein Wert, den zu hüten eine
gemeinsame Aufgabe der Regierungen und der
Oppositionen in Bonn und Paris ist.
(Suhr [GRÜNE]: Daher das Schweigen zu
den Atomtests!)
Wir verabscheuen die begangenen Verbrechen.
Aber wir bewundern auch die demokratische
Tradition unseres Nachbarlands, die darin zum Ausdruck
kommt, daß die dortige Regierung Verbrechen, die
durch ihren Geheimdienst begangen wurden, auch
öffentlich Verbrechen nennt. Es ist der
demokratischen Tradition der französischen Presse zu
danken, daß die grausamen Wahrheiten im Interesse
der politischen Moral zur öffentlichen
Anprangerung, aber auch zu Schritten der politischen
Selbstreinigung geführt haben. Ich kann der
französischen Regierung nur sagen: Je mehr sie den Mut
zur Selbstreinigung findet, desto größer wird ihr
internationales Ansehen werden.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Und jetzt kommt
es!)
Ich möchte hoffen und bitten, daß die
französische Regierung auch zu Gesten der politischen
Wiedergutmachung und der materiellen
Entschädigung gegenüber der Umweltorganisation
Greenpeace bereit ist.
(Suhr [GRÜNE]: Das reicht nicht!)
Wir haben im Rahmen unserer Parteibeziehungen
zu der neuseeländischen Labour Party und den
französischen Sozialisten in den letzten Tagen in
diesem Sinne zu wirken versucht. Wie es scheint,
mit Aussicht auf Erfolg, denn wir sind an guten
Beziehungen zwischen diesen beiden Demokratien
interessiert. Hierzu gehört auch, daß wir unseren
französischen Freunden offen sagen, daß wir nicht
nur für einen nuklearen Teststopp und ein
Teststoppmoratorium bei den beiden nuklearen
Weltmächten, sondern auch für einen nuklearen
Teststopp Frankreichs eintreten.
Wir begrüßen es, wenn Frankreich seine
nationalen sicherheitspolitischen Interessen noch mehr als
bisher im Sinne gemeinsamer deutsch-
französischer Interessen definiert, aber wir halten auch
daran fest, daß Sicherheit im Nuklearzeitalter
dauerhaft nur durch abrüstungspolitische Fortschritte
garantiert werden kann.
(Zustimmung des Abg. Westphal [SPD])
In diesem Sinne entspricht auch konzeptionell in
der Sicherheits- und Abrüstungspolitik eine
Verständigung zwischen dem neuseeländischen
Ministerpräsidenten Lange und dem französischen
Premierminister Fabius unseren eigenen
konzeptionellen Ansätzen und unseren politischen Zielen. In
diesem Sinne haben wir ein Interesse, auch in dieser
Debatte zu versuchen, den Schaden, der dort
entstanden ist, nicht zu vergrößern und die
Verbrechen, die begangen worden sind, nicht zu
verharmlosen,
(Suhr [GRÜNE]: Der Schaden und die
Atomtests gehen weiter!)
aber daraus Lehren zu ziehen. Die Konsequenz für
uns heißt, Wiedergutmachung für Greenpeace, aber
zu einer Verständigung zwischen Neuseeland und
Frankreich in einer Form beizutragen, die der
deutsch-französischen Freundschaft nicht schadet,
sondern nützt.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat Herr
Abgeordneter Ronneburger.
Ronneburger (FDP): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Es ist schon ein gespenstischer
Vorgang: Der Vertreter der SPD benutzt die
Gelegenheit dieser Aktuellen Stunde zu einem ganz
bestimmten Vorgang zu innenpolitischen Angriffen,
indem er nicht Vergleichbares — Herr Kollege
Voigt, nicht Vergleichbares — miteinander
vergleicht.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Dr. Scheer [SPD]: Sie waren früher so
sachlich! — Weitere Zurufe von der SPD
und den GRÜNEN)
Ich will dazu weiter gar nichts sagen. Der Vertreter
der GRÜNEN tritt hier auf, als habe die Politik der
Bundesregierung, der Bundesrepublik Deutschland
in bezug auf Atomwaffentests, auf Einschränkung
atomarer Rüstung erst mit dem Moment
begonnen, wo Sie hier in dieses Hohe Haus eingezogen
sind.
(Dr. Klejdzinski [SPD]: Und was sagt die
FDP? — Zurufe von den GRÜNEN)
Meine Damen und Herren, wer sich über die
Haltung der Bundesrepublik Deutschland und ihrer
Regierungen bis zum heutigen Tage informieren
wollte, der brauchte weiß Gott keine Aktuelle
Stunde zu beantragen, sondern er hätte sich
vielleicht einmal in den öffentlichen Medien
informieren sollen, bis in die jüngste Vergangenheit hinein.
Die Politik der Bundesregierung und ihrer
Vorgängerin hat von jeher darauf gezielt, eine Politik des
Vertrauens und der Zusammenarbeit als beste
Grundlage gegen die Verbreitung von Kernwaffen
zu betreiben,
(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)
und ein umfassender Atomteststopp hat von jeher
zu den Zielen aller Bundesregierungen gehört. Ich
verweise deswegen in dieser Aktuellen Stunde auch
auf das, was in der jüngsten
Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrages seitens der
Bundesregierung getan und vorgeschlagen worden
ist.
(Suhr [GRÜNE]: Sagen Sie noch etwas zu
dem Attentat!)
Die Bundesregierung — ich sage das an Ihre
Adresse, an die Mitglieder der GRÜNEN-Fraktion
hier im Bundestag — und ihre Vorgängerinnen
haben hier konsequent gehandelt, bis zum heutigen
Tage hin.
(Suhr [GRÜNE]: Konsequent nichts ge
-
tan!)
Schon 1954 hat die Bundesrepublik als erster Staat
der Welt, völkerrechtlich verbindlich, im Rahmen
des WEU-Vertrages auf die Herstellung von
Kernwaffen verzichtet,
(Bueb [GRÜNE]: Aber wir haben die mei
sten bei uns in der Bundesrepublik!)
1957 hat sie im Euratom-Vertrag die Annahme
supranationaler Kontrollen über ihr gesamtes
friedliches Kernenergiepotential akzeptiert,
(Zurufe von den GRÜNEN)
— hören Sie doch bitte mal zu, habe ich Sie
unterbrochen? — und 1975 trat für uns der
Nichtverbreitungsvertrag in Kraft.
(Zurufe von den GRÜNEN)
Damit verweise ich auf einen Vertrag, in dessen
Präambel ein allgemeiner Teststopp als Ziel der
Politik bezeichnet worden ist. Die Bundesregierung,
meine Damen und Herren, hat jetzt in Genf bei der
jüngsten Überprüfungskonferenz einen ernsthaften
Vorschlag für eine verifizierbare Lösung dieses
Problems gemacht. Wir gehen dabei gar nicht davon
aus, daß der Teststopp als solcher bereits ein Abbau
atomarer Rüstung ist. Aber wir gehen davon aus,
daß Teststopp ein erster notwendiger Schritt auf
dem Wege ist, die Geißel der Atomwaffen wieder
aus der Welt zu beseitigen.
(Beifall bei der FDP — Zurufe von den
GRÜNEN)
Dies ist unser politisches Ziel, und über dieses
politische Ziel hätten Sie sich informieren können,
wenn Sie nur einmal Ihren Radioapparat angestellt
und zugehört hätten, was von unserer Seite, was
von seiten dieser Koalition, was von seiten der
Bundesregierung in dieser Beziehung unternommen
und praktisch vorgeschlagen worden ist als einen
weiteren Schritt auf dem Wege, Atomwaffen zu
reduzieren, Atomwaffen, die wir nicht haben, nicht
haben wollen und nicht produzieren, und von denen
wir glauben, daß ihre Beseitigung, zumindest ihre
Reduzierung erst einmal und die Einführung eines
Teststopps wichtige Schritte sein könnten auf
einem Wege, auf dem wir eigentlich gemeinsam
vorangehen sollten und angesichts eines Ereignisses
wie des Vorganges in Neuseeland nicht versuchen
sollten, innenpolitisches Kapital zu schlagen —
Herr Voigt, das gilt auch für Sie, das gilt für die
GRÜNEN — aus einem Vorgang, der uns alle
veranlassen sollte, gemeinsam zu handeln im Sinne einer
Wahrung des Friedens und der Sicherung einer
Welt, in der sich auch in Zukunft zu leben lohnen
wird. Ihre Zwischenrufe werden an der
Notwendigkeit eines solchen gemeinsamen Handelns
überhaupt nichts ändern. Wenn Sie es denn nicht
mitmachen, wir — das kann ich Ihnen sagen — werden
auf diesem Wege weiter vorangehen.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Klejdzinski.
Dr. Klejdzinski (SPD): Herr Präsident! Meine sehr
geehrten Damen und Herren! Jeder halbwegs
politische mündige Bürger hat sich in den letzten Tagen
und Wochen zu den Vorgängen im Mururoa-Atoll
und der damit zusammenhängenden Versenkung
des Greenpeace-Schiffes „Rainbow Warrior" im
neuseeländischen Hafen Auckland eine Meinung
gemacht. Ich finde es eine schlimme Sache, die uns
alle angeht. Es geht nicht darum, hier große
politische Erklärungen zu allen Problemen heute
morgen abzugeben, sondern es geht darum, daß wir uns
bewußt machen, daß zwei Problemkreise heute
morgen hier behandelt werden müssen.
Die erste Frage, die uns hier wirklich angeht, ist
friedlicher Protest auf der einen Seite und
Beseitigung des friedlichen Protests durch einen
Gewaltakt auf der anderen Seite. Der zweite Punkt ist die
Haltung gegen Atomversuche generell. Wie war
doch der historische Ablauf?
Der neuseeländische Ministerpräsident David
Lange hat die Versenkung des Greenpeace-Schiffes
als einen „schmutzigen Akt eines staatlich
unterstützten internationalen Terrorismus" bezeichnet.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN —
Zuruf von der SPD: So ist es!)
Die anfängliche Reaktion der französischen
Regierung ist Sprachlosigkeit. Später reagiert sie und
verweist auf die negativ-bilateralen Folgen für das
Verhältnis der beiden Staaten. Greenpeace
protestiert erneut. Es ist ein friedlicher Protest. Es ist ein
Protest gleichzeitig auch gegen Atomversuche, und
alle, die gegen Atomversuche protestieren, haben
unserer Unterstützung als Sozialdemokraten.
(Beifall bei der SPD)
Ich bin allerdings der französischen Regierung
dankbar, daß sie heute selbst diese Versenkung des
Schiffes als einen kriminellen Akt bezeichnet.
(Zuruf von den GRÜNEN: Drei Monate hat
sie dazu gebraucht!)
Das wird auch so von uns gesehen. Wir haben
allerdings auch — und das ist eine entscheidende Frage
für uns — eine Bestätigung grundsätzlicher Art
darüber erhalten, daß die Kontrolle der
Geheimdiensté ein sehr schwieriges Geschäft ist. Dies soll
auch bei konservativen Regierungen vorgekommen
sein, und wie wir gegenwärtig feststellen, scheint es
sich auch weiterhin so abzuspielen.
(Berger [CDU/CSU]: In dieser Demokratie
gibt es sie wenigstens noch!)
— Ihre Bemerkung, Herr Berger, würde ich hier
nicht wiederholen, weil sie durchaus in dem Sinne,
wie Sie das interpretiert haben, Anlaß zu Zweifeln
darüber sein könnte, ob Sie es ehrlich mit dem
meinen, was Sie hier als Zwischenruf eingebracht
haben.
(Klein [München] [CDU/CSU]: Billig!)
Nach den Kriegsverbrecherprozessen in
Nürnberg habe ich persönlich starke Zweifel — es ist für
mich eigentlich unvorstellbar —, daß Mord auf
Befehl in dieser Welt ungeahndet bleibt.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Welche unerklärliche Verwirrung der Geister ließ
die Planer dieses Anschlags glauben, man könne
dem weltweiten Atomprotest mit der Versenkung
eines Kutters den Garaus machen!
Die Bundesregierung — dies möchte ich auch an
die Adresse meines sehr geschätzten Kollegen von
der FDP sagen — hüllt sich in dieser Frage
allerdings in Schweigen. Da hilft es auch nichts, daß die
FDP erneut versucht, ihre Position dazwischen im
einzelnen zu definieren.
Im übrigen teile ich die Meinung, wie sie die
Greenpeace-Zentrale in London kurz und treffend
formuliert hat, nämlich daß der internationalen
Atomrüstung eine grundlegende Unmoral zugrunde
liegt. Nach Einschätzung von uns Sozialdemokraten
äußert sich dies auch in menschenverachtenden
Atomversuchen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Ich erteile das Wort dem
Staatsminister im Auswärtigen Amt, Herrn
Möllemann.
Möllemann, Staatsminister im Auswärtigen Amt:
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die
heutige Aktuelle Stunde gibt mir Veranlassung, an die
denkwürdige Rede zu erinnern, die Staatspräsident
Mitterrand am 20. Januar 1983 vor diesem Hohen
Hause gehalten hat. Er sagte damals:
Unsere Völker hassen den Krieg. Sie haben
unter Kriegen zu lange leiden müssen. Das gilt
auch für die anderen europäischen Völker. Das
französische Denken wird von einem einfachen
Streben geleitet: Der Krieg muß weiterhin
unmöglich sein, und wer daran denkt, sollte von
seinen Absichten abgeschreckt werden.
Er sagte weiter:
Unsere Analyse und unsere Überzeugung, die
Überzeugung Frankreichs, gehen dahin, daß
Kernwaffen als Instrument der Abschreckung
die Garantie für den Frieden bleiben — ob man
das nun als wünschenswert oder bedauerlich
ansieht —, solange ein Gleichgewicht der
Kräfte besteht.
Ferner sagte der französische Staatspräsident:
Die französische Kernstreitmacht ist und bleibt
unabhängig. Diese Unabhängigkeit und alles,
was daraus folgt, ist nicht nur ein Grundprinzip
unserer Souveränität — die
Entscheidungsbefugnis liegt einzig und allein beim Präsidenten
der Französischen Republik —, sondern sie
erhöht auch — und das bitte ich Sie zu bedenken
— die Unsicherheit für einen eventuellen
Aggressor und nur für ihn. Damit macht sie
zugleich die Abschreckung wirksamer und sorgt
mithin dafür — ich wiederhole es —, daß der
Krieg unmöglich bleibt.
So weit die Äußerungen des französischen
Staatspräsidenten hier im Deutschen Bundestag.
Das Nordatlantische Bündnis, in dem die
Bundesrepublik Deutschland mit Frankreich und den
anderen Mitgliedstaaten verbündet ist, hat diesen
Beitrag der französischen Nuklearstreitkräfte zur
gemeinsamen Sicherheit ausdrücklich in einer von
den Staats- und Regierungschefs der NATO-
Staaten am 26. Juni 1974 in Brüssel unterzeichneten
Erklärung mit der Feststellung anerkannt, daß
Frankreich und Großbritannien Nuklearstreitkräfte
besitzen, die in der Lage sind, eine eigene
Abschrekkungsrolle zu übernehmen, die zur Stärkung der
gesamten Abschreckungskraft des Bündnisses
beiträgt.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Zur Sache bit
-
te!)
An diesem 26. Juni 1974 vertraten übrigens ein
sozialdemokratischer Bundeskanzler und ein
sozialdemokratischer Verteidigungsminister die
Bundesrepublik.
(Jungmann [SPD]: Das ist elf Jahre her!)
Nicht zuletzt die besondere Verbindung
deutscher Sicherheitsinteressen und französischer
Sicherheitsinteressen hat unsere beiden Länder in
dem Vertrag über die deutsch-französische
Zusammenarbeit vom 22. Januar 1963 zusammengeführt.
Wir verkennen dabei nicht, daß Frankreich als
Nuklearmacht eine besondere Stellung in Europa hat.
Aber seine Nuklearwaffe liegt auch im Interesse
seiner europäischen Partner.
(Berger [CDU/CSU]: Wohl wahr!)
So unentbehrlich für die Sicherheit Europas der
nukleare Schutz der Vereinigten Staaten ist
(Zuruf des Abg. Suhr [GRÜNE])
— Präsident Mitterrand hat dies übrigens in seiner
Rede hier ebenfalls unterstrichen —, die
französische Nuklearmacht fügt ihm eine zusätzliche,
unabhängige Komponente hinzu.
Frankreich hat sich wiederholt zur gemeinsamen
Politik aller Partner im Atlantischen Bündnis und
auch dazu bekannt, daß die Bemühungen um
Rüstungskontrolle und Abrüstung integrale
Bestandteile der gemeinsamen Sicherheitspolitik sind
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Wir sind in einer
Aktuellen Stunde, nicht in einer Vorlesung
über Sicherheitspolitik!)
und daß wir ein stabiles Gleichgewicht der Kräfte
auf einem möglichst niedrigen Niveau der
Rüstungen anstreben.
Außenminister Dumas hat die französische
Position zur Frage des nuklearen Teststopps noch am
6. September dieses Jahres deutlich gemacht. Ich
zitiere ihn:
Für die französische Regierung sind es die
beiden Supermächte, die über die größten
Arsenale verfügen und bei weitem die größte
Anzahl von Versuchen unternehmen —
Frankreich hat bis heute nicht ein Zehntel der
Versuche unternommen, die die USA und die
Sowjetunion durchgeführt haben —,
(Zuruf von den GRÜNEN: Auf Kosten der
Polynesier!)
die Supermächte also, denen es in erster Linie
zukommt, eine schrittweise Abrüstung ihrer
offensiven Systeme einzuleiten. Erst wenn die
Erfüllung dieser Verpflichtungen die
angemessenen Bedingungen geschaffen haben wird,
wird Frankreich in der Lage sein, sich
seinerseits dem Prozeß der nuklearen Abrüstung
anzuschließen, wobei der Teststopp ein Teil davon
ist.
So weit der französische Außenminister.
Wir Deutschen sind keine Atommacht und wollen
es auch nicht werden, weder direkt noch indirekt.
(Dr. Schierholz [GRÜNE]: Na?)
Wir stehen zu unserem Verzicht auf Kernwaffen,
der gegenüber unseren Partnern in der
Westeuropäischen Union im Jahre 1954 erklärt wurde, wir
stehen zum Nichtverbreitungsvertrag und setzen
uns konsequent für ein umfassendes nukleares
Testverbot ein.
Das Verbot aller Kernsprengungen ist
Gegenstand der Verhandlungen der Genfer
Abrüstungskonferenz, an denen wir uns mit konstruktiven
Beiträgen aktiv beteiligen. Ich selbst hatte die
Gelegenheit, vor einigen Wochen bei der
Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag einen
umfassenden Vorschlag für die seismische Überwachung
von Kernsprengungen in Genf einzubringen. Damit
haben wir von seiten der Bundesregierung einen
konstruktiven Beitrag zur Lösung der ja sehr
schwierigen Verifikationsfrage geleistet.
Auf dem Weg zu einem umfassenden nuklearen
Teststopp messen wir auch den Bemühungen um
die Schaffung kernwaffenfreier Zonen prinzipielle
Bedeutung zu, wenn alle unmittelbar beteiligten
Länder daran mitarbeiten und die
sicherheitspolitische Stabilität in den betroffenen Regionen erhöht
wird.
Was nun das Attentat auf das Greenpeace-Schiff
„Rainbow Warrior" am 10. Juli 1985 im Hafen von
Auckland betrifft, möchte ich hier erneut die
französische Regierung zitieren. Nachdem Präsident
Mitterrand das Attentat als „kriminell und absurd"
bezeichnet hatte, erklärte der französische
Premierminister Laurent Fabius am 27. August 1985
wörtlich:
Zum Abschluß dieser Erklärung möchte ich auf
das Attentat gegen die „Rainbow Warrior"
zurückkommen, welches — das dürfen wir nicht
vergessen — ein Todesopfer gefordert hat ...
Unsere Verurteilung dieses Attentats ist nicht,
wie man gelegentlich gehört hat, die
Verurteilung der schlechten Ausführung eines
diskutablen Plans; es ist die absolute Verurteilung
einer verbrecherischen Tat. Die Schuldigen —
wer immer sie sein mögen — müssen sich für
diese Verbrechen verantworten.
Am 22. September erklärte Premierminister
Fabius weiter:
Der neue Verteidigungsminister hat mich
soeben über die ersten Untersuchungsergebnisse
in Sachen „Rainbow Warrior" unterrichtet. Ich
wollte sie Ihnen sofort mitteilen. An Hand
dieser Ergebnisse läßt sich die Wahrheit nunmehr
erkennen: Agenten der DGSE haben dieses
Schiff versenkt; sie haben auf Befehl
gehandelt; diese Wahrheit war Staatsrat Tricot
verschwiegen worden.
Ich habe dem Präsidenten der Republik über
diese schwerwiegenden Tatsachen berichtet,
und wir waren der Ansicht, daß unverzüglich
Maßnahmen zu treffen sind.
Er schloß diese Erklärung mit den Worten:
Die Wahrheit über diese Angelegenheit ist
furchtbar, aber sie muß eindeutig und
vollständig aufgedeckt werden; dazu habe ich mich
verpflichtet.
Diese klaren Feststellungen des französischen
Premierministers, also des Sprechers einer
befreundeten Regierung, bedürfen keiner
Kommentierung; sie sprechen für sich.
Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren, für
Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Scheer.
Dr. Scheer (SPD): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Die Frage der Atombewaffnung und —
im hier vorliegenden Fall — der Atomtests eignet
sich mit Sicherheit nicht für irgendeine Form von
Paukenschlagdebatte, weil das Problem — das
dürfte ja uns allen klar sein — viel zu ernst ist, als
daß es einfach mit dem üblichen Schlagabtausch
behandelt werden könnte.
Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist die: Wo
steht man, wenn man ein deutsch-französisches
Sicherheitsbündnis für notwendig hält, wo steht man
bei der Frage der französischen Atomtests, und
zwar auch als einzelner? Steht man in der Situation
des Anwalts der französischen Force-de-frappe-
Politik oder steht man in der Position des Anwalts von
Atomteststopps? Vor zehn Jahren waren die
Greenpeace-Aktionen im Südpazifik Aktionen, die dazu
beigetragen haben, daß seinerzeit die französische
Regierung die Atomwaffenversuche in der
Atmosphäre einstellt. Sie erinnern sich, daß 1963 ein
Atomwaffenteststopp-Abkommen beschlossen
worden ist, das die Versuche nur noch unter der Erde
erlaubte. Frankreich hat dieses Abkommen nie
unterzeichnet und hat Atombombenversuche in der
Atmosphäre im Südpazifik durchgeführt. Und
damals waren es Greenpeace-Aktionen, die dazu
beigetragen haben, und zwar mehr als jedes andere,
daß Frankreich sich faktisch bei seinen Atomtests
auf dem Vertragsstand der anderen bewegte, d. h.
nur noch Tests unter der Erde durchführte. Das
heißt, Greenpeace hat dazu beigetragen, daß
Frankreich faktisch, nicht vertragsmäßig, die Position
einnimmt, die auch die Bundesregierung
eingenommen hat. Das zeigt doch, welchen Stellenwert,
welche faire Bewertung und auch welche
Notwendigkeit solche Aktionen haben können. Deswegen
verdienen sie meines Erachtens großen Respekt, und
es ist sicherlich nicht nur bei uns, sondern auch in
der französischen Öffentlichkeit ungeheuer wichtig,
diese Greenpeace-Aktion von dem Engagement her,
das dahinter steht, so zu bewerten, wie es eine
solche Aktion verdient.
Nun ein weiterer Punkt: Wo steht in diesen
Fragen die Bundesregierung? Ist es ihre Aufgabe, sich
lediglich gewissermaßen zum Interpreten der
franzöischen Atomwaffenpolitik zu machen, oder ist
ihre Aufgabe eine weitergehende? Ich glaube, sie
muß weitergehend sein, gerade von unseren Posi
-
tionen her. Das haben wir in der ganzen Frage der
französischen Atomwaffenrollen in den letzten
Jahren vermißt. Wir haben vermißt — und das bezieht
sich auch auf die Zeit vor 1982 —, daß auf die
Franzosen zum Beispiel eingewirkt würde, eine aktive
Rüstungskontrollpolitik auch in bezug auf
Atomwaffen mit wahrzunehmen. Das hat uns doch alle
sehr, sehr stark berührt, die Frage etwa der
Beteiligung, der Einbeziehung, der Einberechnung, der
Berücksichtigung oder was auch immer
französischer Atomraketen — wie auch britischer — bei
Mittelstreckenraketenverhandlungen. Frankreich
ist von seiner bisherigen Position aus reserviert,
dieses einbeziehen zu lassen, berücksichtigen zu
lassen oder auch mitzuverhandeln. Wir müßten
aber doch auf Frankreich freundschaftlich
einzuwirken versuchen, damit es tatsächlich hier eine
aktive Rolle übernimmt. Denn wenn ein
gemeinsames Westeuropa in der Sicherheitspolitik
geschaffen werden soll, dann wird das nicht mit der
Sonderrolle der Force de frappe gehen, sondern nur mit
einer aktiven französischen Rolle in der
Rüstungskontrollpolitik, und zwar für nukleare
Rüstungskontrolle und andere Dinge auch. Das ist doch das,
was eigentlich an aktiver deutsch-französischer
Politik von unserer Seite aus erwartet werden müßte.
Denn ich glaube in der Tat, daß sich Frankreich in
der atomaren Rüstungskontrollpolitik stärker auf
eine gesamtwesteuropäische Verantwortung
zubewegen muß, als das bisher der Fall ist, und dabei die
eigene Betrachtungsweise überwinden muß.
Ein letzter Punkt; das geht genau zu dem
gleichen Thema. Staatsminister Möllemann hat das
angesprochen. Die Sowjetunion hat jetzt gerade
vorgeschlagen — und auch die Amerikaner — ,
Offensivwaffen um 40 % als eine Grundlage für ein
internationales Abkommen drastisch zu reduzieren.
Frankreich sagt seit Jahren, wenn die Supermächte
um 50 % reduzierten, dann seien sie selbst bereit, an
atomaren Abrüstungsverhandlungen teilzunehmen
und vielleicht auch einen vollständigen Teststopp
zu verfügen.
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter, Ihre
Redezeit ist abgelaufen.
Dr. Scheer (SPD): Ich komme zum Schluß. — Das
heißt doch: Es müßte doch erwartet werden, daß die
Bundesregierung auf solche Vorschläge wie die, die
jetzt von der Sowjetunion gemacht werden und
früher von Frankreich und anderen — auch von China
— gemacht worden sind, eingeht und sagt: Ja, wir
sind dafür, daß auch die Vereinigten Staaten auf
solch drastische Reduzierungen um 50 % eingehen,
damit wirklich — auch mit Hilfe Frankreichs —
atomare Abrüstungspolitik gemacht werden kann.
Und so etwas vermissen wir bei der
Bundesregierung.
(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten
der GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Dr. Hornhues.
Dr. Hornhues (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
sehr geehrten Damen und Herren! Wer kann schon
billigen — niemand tut dies —, was mit dem
Greenpeace-Schiff geschehen ist? Wer würde nicht
zutiefst bedauern, daß dabei ein Mensch zu Tode
kam? Und wer kann nicht die Erregung und die
Sorge verstehen, die in Neuseeland, in Australien,
in den Ländern des Südpazifik gegeben ist? Meine
sehr geehrten Damen und Herren, wer könnte dies
alles nicht verstehen? — Ich bin sicher: niemand in
diesem Hause.
Aber was ich wenig verstehen kann, ist die
Intention dessen, was hierzulande zu dieser Aktuellen
Stunde führt. Es ist im wesentlichen einmal mehr
der Versuch — das sehe ich an Ihrem schicken T-
Shirt —, mit einem bestimmten Appeal, mit einer
bestimmten Art und Weise mit Showelementen für
sich Punkte zu machen. Ich will Ihnen eines sagen:
Sie werden das wahrscheinlich noch lange tun, aber
wenn Sie glauben, Ihr Anliegen, Ihre vorgegebene
Ernsthaftigkeit auf diese Art und Weise wirklich
unterstreichen zu können, dann bezweifle ich, daß
Ihnen dies gelingen wird.
(Beifall bei der CDU/CSU — Zuruf von den
GRÜNEN: Machen Sie doch mal Urlaub
auf den Fidschi-Inseln!)
Lieber Kollege Voigt, ich habe Ihnen eines voraus
— sonst fast nichts —: Ich habe längere Jahre in
der Opposition zugebracht. Ich darf Ihnen
versichern: Eine der schlechtesten Methoden der
Oppositionspolitik ist, im passenden Augenblick den
falschen Antrag zu stellen. Das erleben wir gleich in
bezug auf das Thema Südafrika. Das war ein
Fehler; das hilft anderen und nicht denen, denen Sie
helfen wollen. Darüber hinaus ist es falsch, jede
Gelegenheit zu nutzen, um irgendein
innenpolitisches Süppchen zu kochen. Sie haben es vielleicht
an der Reaktion Ihrer eigenen Kollegen gemerkt;
auch die fanden es nicht besonders gut, daß Sie von
Mururoa blitzartig auf Zimmermann umgeschaltet
haben. Das mag zu Ihrem Repertoire gehören. Es
erhöht aber auch nicht die Glaubwürdigkeit Ihres
Anliegens, von anderem ganz zu schweigen.
(Sehr wahr! bei der CDU/CSU)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, mit
Blick auf das, was hier zu der Aktuellen Stunde
geführt hat, haben meine Kollegen und der
Staatsminister Möllemann meiner Auffassung nach das
in der Sache Notwendige gesagt. Ich möchte noch
einmal mit aller Deutlichkeit unterstreichen, daß
wir, der französischen Republik in besonderer
Weise freundschaftlich verbunden, auf dem
Hintergrund einer Geschichte, die über Jahrhunderte
anders geprägt war, alles andere als Anlaß haben, der
französischen Regierung, der Republik Frankreich
in einer problematischen Situation mit erhobenem
Zeigefinger besserwisserisch Vorhaltungen zu
machen, indem wir uns hier hinstellen und sagen:
Jawohl, wir, die Deutschen — grüner oder sonstiger
Prägung —, wissen genau, was Ihr hättet machen
sollen. Ich bin der festen Überzeugung, die
Franzosen, das demokratische Frankreich weiß selber am
besten, wie man mit Problemen fertig wird. Es
gehört zu unseren freundschaftlichen Beziehungen,
daß man dann, wenn ein Freund in die Bredouille
gekommen ist, nicht auch noch versucht, ihn hier
im Bundestag in die Pfanne zu hauen.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Jungmann.
Jungmann (SPD): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Man kann natürlich einen Teil der
Redezeit dafür verwenden, über den Sinn oder Unsinn
einer solchen Aktuellen Stunde zu lamentieren.
Aber, Herr Kollege Hornhues, wenn wir mit
Frankreich freundschaftlich verbunden sind — ich
bezweifle das auch nicht —,
(Berger [CDU/CSU]: Das soll auch so
bleiben!)
dann muß es im Deutschen Bundestag auch
möglich sein, einem guten Freund die Meinung zu
dessen Problemen zu sagen, also zu Problemen, die das
Land Frankreich hat. Wir können die Sache nicht
einfach mit der Äußerung abtun, daß Frankreich als
demokratischer Staat seine Probleme schon regeln
wird.
(Zurufe von der CDU/CSU)
Wir beklagen in der Bundesrepublik Deutschland
immer wieder den Glaubwürdigkeitsverlust der
Politik. Wenn schon der französische
Ministerpräsident von einem kriminellen Akt gesprochen hat,
dann muß es auch im Deutschen Bundestag
möglich sein, von einem kriminellen Akt zu sprechen.
Da kann man nicht auf innenpolitische
Nebenkriegsschauplätze ausweichen, sondern muß
deutlich sagen, welche Auffassung man dazu hat.
(Ronneburger [FDP]: Das sagen Sie mal
Herrn Voigt!)
— Herr Voigt hat hier unsere Position dargestellt.
Herr Ronneburger, Sie hätten lieber einmal ein
klares Wort zu dem kriminellen Akt sagen sollen,
anstatt in Ihrem Debattenbeitrag nur darüber zu
lamentieren, daß Sie morgens um 8 Uhr im
Bundestag erscheinen mußten.
(Sehr gut! bei den GRÜNEN — Zuruf des
Abg. Ronneburger [FDP])
Meine Damen und Herren, wenn der französische
Ministerpräsident in der Öffentlichkeit eine
Handlung einer staatlichen französischen Institution als
kriminellen Akt bezeichnet, kann er nicht
gleichzeitig verlangen, daß diejenigen, die den kriminellen
Akt auf Befehl ausgeführt haben, straffrei
ausgehen. Ansgar Skriver hat in einer Kommentierung
des Zitats von Fabius am 23. September im WDR
gesagt: Wir sind moralisch, wenn dies so sein sollte,
um Jahrzehnte zurückgeworfen.
Mein Kollege Klejdzinski hat das hier auch schon
angesprochen. Wir sind davon ausgegangen, daß
nach den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg
nach 1945 nicht Befehle ausgeführt werden, die
strafrechtliche, verfassungsrechtliche und
völkerrechtliche Gesichtspunkte außer acht lassen,
sondern daß Befehle von Soldaten auf die
völkerrechtliche Norm überprüft werden müssen und daß sie
nicht ausgeführt werden dürfen, wenn sie
Verbrechen und kriminelle Akte beinhalten.
Meine Damen und Herren, Herr Möllemann,
wenn Sie hier über den Nichtverbreitungsvertrag
und ein umfassendes Teststoppabkommen reden,
dann müssen Sie wissen, daß Frankreich diesem
Abkommen bisher noch nicht beigetreten ist. Es
wäre eine gute Sache, wenn die Bundesregierung
nicht nur in Genf, sondern auch mit unseren
französischen Freunden ernsthaft darüber reden würde,
daß sie dem Nichtverbreitungsvertrag und einem
umfassenden Teststoppabkommen beitreten
sollten; denn im Nichtverbreitungsvertrag steht auch
etwas von kernwaffenfreien Zonen. Bemerkenswert
fand ich Ihr Zitat, Herr Möllemann, daß die
Bundesregierung in Zukunft die Einrichtung
kernwaffenfreier Zonen unterstützen wird. Das werden wir
hier bei Diskussionen, die Europa betreffen, noch
näher beleuchten müssen.
Im Nichtverbreitungsvertrag ist also
festgehalten, daß dieser Vertrag nicht das Recht einer
Gruppe von Staaten beeinträchtigt, regionale
Verträge zu schließen, um sicherzustellen, daß ihre
Hoheitsgebiete völlig frei von Kernwaffen sind. Im
Pazifik wurde eine atomwaffenfreie Zone geschaffen.
Acht Staaten haben diesen Vertrag bisher
unterschrieben, andere werden ihm beitreten. Es wäre
gut, wenn die Bundesregierung unseren
französischen Freunden raten würde, diesem Vertrag
beizutreten und ihn einzuhalten, wenn sie ihnen raten
würde, einem umfassenden Teststoppabkommen
beizutreten, das auch unterirdische atomare Tests
verbietet.
(Zurufe von der CDU/CSU)
Das wäre die Aufgabe der Bundesregierung und
nicht, Reden zu zitieren, die Zweifel an der
Glaubwürdigkeit mancher Politik wecken.
Schönen Dank.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Petersen.
Petersen (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Wer Außenpolitik und nicht nur
Propaganda betreiben will, muß sich, glaube ich, die
Mühe machen, sich einmal in die Interessenlage
der anderen hineinzuversetzen. Ich bin ganz sicher,
daß keiner unserer Partner in der Welt ein
Interesse an deutschen Oberlehrern hat,
(Klein [München] [CDU/CSU]: Oder Volks
-
hochschuldirektoren!)
die mit erhobenem Zeigefinger in die
Weltgeschichte reisen und Zensuren verteilen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP —
Zuruf von den GRÜNEN: Das hört man
gern!)
— Eben. — Meine Damen und Herren, so kann man
keine Außenpolitik betreiben und ernstgenommen
werden.
Herr Jungmann und auch Herr Klejdzinski —
das zu sagen kann ich mir nicht ganz verkneifen —:
Wenn Sie auf Nürnberg eingehen, so spricht daraus
doch eine erstaunliche Einäugigkeit. Wer gibt denn
die Befehle in Afghanistan?
(Sehr richtig! bei der CDU/CSU — Zurufe
von der SPD und den GRÜNEN)
Wenn, dann bitte die gleichen Maßstäbe in
Richtung Ost und West und Nord und Süd.
(Zurufe von den GRÜNEN)
Aber ich möchte gern versuchen, in ein paar
Stichworten die vitalen Interessen der Betroffenen
und der in diese Tragödie Involvierten zu
skizzieren. Die Franzosen haben seit de Gaulle, seit
Anfang der 60er Jahre, aus Gründen, die in sich
schlüssig sind, gesagt: Da Allianzen wie in den früheren
Jahrhunderten nicht mehr funktionieren können,
weil nämlich ein Bündnispartner das biologische
Überleben seines Volkes und nicht nur einen
verlorenen Krieg riskiert, wenn er seinen
Verpflichtungen nachkommt, deshalb müssen wir — Frankreich
— unabhängig eine Atomstreitmacht aufbauen. Wir
mögen das begrüßen oder nicht; das ist völlig
irrelevant. Dazu gehört natürlich, daß die Franzosen in
der technischen Entwicklung ihrer Atomwaffen mit
denen Schritt halten, die sie bedrohen.
(Zuruf von der SPD: Aber keinen
Gewaltakt! — Weitere Zurufe von der SPD)
Wenn ich von unseren Interessen ausgehe — und
das werde ich in diesem Lande wohl tun dürfen —,
dann ist für uns natürlich angesichts der
Weltmacht, die uns bedroht, die französische Force de
frappe eine zusätzliche Sicherheitsgarantie, ob sie
vertraglich ausgesprochen worden ist oder nicht.
Australien und Neuseeland und auch die
Bewohner dieser südpazifischen Inseln empfinden diese
Bedrohung nicht so aktuell; die haben Angst — das
kann ich verstehen — vor Fallout, vor den Folgen
dieser Tests.
Die Sowjetunion hat eine ganz andere
Interessenlage. Da muß nämlich die Regierung aufpassen,
daß der Traum nach Freiheit in ihrem eigenen
Imperium nicht wächst. Davor haben die doch viel
mehr Angst als vor der Pershing II, die Machthaber
da drüben.
(Zurufe von der SPD)
Solange wir frei sind, meine Damen und Herren, so
lange wird dieser Traum im sowjetischen Imperium
leben. Also müssen die russischen Machthaber aus
ihrem vitalen Interesse alles tun, um zu beweisen,
daß die Freiheit nicht funktioniert. Und das tun sie
ja; dafür gibt es eine Menge Beispiele. Ich kann es
hier nur andeuten. Ich würde nur empfehlen, daß
wir einmal die Interessen anderer etwas ernster
nehmen.
Ich habe den Eindruck, daß der Kollege
Ronneburger und der Kollege Möllemann sehr klar und
sehr nüchtern und sehr vernünftig unsere und die
Haltung der Bundesregierung dargelegt haben.
(Zurufe von der SPD)
Deshalb unterstützen wir diese Haltung und ver
kneifen es uns, als Schulmeister und Oberlehrer
moralische Zensuren in anderen Teilen der Welt zu
erteilen.
Danke schön.
(Beifall bei der CDU/CSU und des Abg.
Ronneburger [FDP])
Präsident Dr. Jenninger: Meine Damen und
Herren, weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Die
Aktuelle Stunde ist beendet.
Ich rufe die Zusatztagesordnungspunkte 3 a bis
3 c auf:
a) Beratung des Antrags der Fraktion der SPD
betr. Kündigung des Kulturabkommens mit
Südafrika
— Drucksache 10/3868 —
b) Beratung des Antrags der Fraktion DIE
GRÜNEN betr. Kündigung des
Kulturabkommens mit Südafrika
— Drucksache 10/3870 —
c) Beratung des Antrags der Fraktionen der
CDU/CSU und der FDP betr.
Kulturabkommen mit Südafrika
— Drucksache 10/3878 —
Meine Damen und Herren, interfraktionell sind
eine gemeinsame Beratung der
Tagesordnungspunkte 3 a bis 3 c und ist ein Beitrag bis zu fünf
Minuten für jede Fraktion vereinbart worden. —
Ich sehe keinen Widerspruch; dann ist so
beschlossen.
Wird das Wort zur Begründung gewünscht?
(Zurufe: Natürlich!)
— Herr Kollege, ist das im Rahmen der
Aussprache?
(Zuruf: Nein, Antragsbegründung und
dann Aussprache!)
Zur Antragsbegründung? — Wer wünscht das Wort?
— Das Wort hat die Abgeordnete Frau Borgmann.
Frau Borgmann (GRÜNE): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Der Gegenstand unseres
Antrages ist folgender: Wir begrüßen ausdrücklich die
längst überfällige Kündigung des
Kulturabkommens mit Südafrika. Die GRÜNEN haben im April
dieses Jahres bereits einen Antrag eingebracht, der
eben dies zum Ziele hatte. Wir möchten dem
Bundesaußenminister gratulieren, daß er uns endlich
auf diesem Wege gefolgt ist.
(Heiterkeit bei der CDU/CSU)
An diesem Punkt verdient er unsere
Unterstützung gegenüber den Angriffen, wie sie von seiten
seines Koalitionspartners von Herrn Todenhöfer
und von Kollegen der CSU erfolgen.
Richtiger müßte ich aber sagen: Er verdiente
diese Unterstützung, als er nach der EG-
Außenministerkonferenz die Kündigung des
Kulturabkommens versprach. Am nächsten Tag schon, nach der
Kabinettsitzung, war nur noch von einer
Änderungskündigung die Rede. Dieser Vorschlag ist an
sich schon widersinnig. Der Bundesaußenminister
sollte uns einmal erklären, warum eine
Änderungskündigung überhaupt notwendig ist. Hat das
Abkommen denn die Schwarzen bisher diskriminiert
und die Apartheid unterstützt? Wir haben das seit
langem behauptet und Belege dafür vorgelegt, die
aber von konservativer Seite stets bestritten
wurden. Hatten die GRÜNEN doch recht? Warum sonst
wollen Sie, Herr Genscher, das Abkommen
kündigen? Falls das Abkommen aber der Apartheid
genützt hat, warum wurde es dann trotz unseres
Drängens so lange aufrechterhalten? Noch wenige
Tage vor der EG-Sitzung haben Sie die Kündigung
abgelehnt.
Nun wäre es ja zu begrüßen, wenn Sie endlich
eingesehen hätten, daß es heute darum gehen muß,
Südafrika durch Isolierung unter Druck zu setzen.
(Beifall bei Abgeordneten der GRÜNEN —
Zuruf von der CDU/CSU: Ist das Ihr
Konzept?)
Was Sie aber jetzt tun wollen, ist das genaue
Gegenteil.
(Zuruf von der CDU/CSU: Richtig!)
Während fast alle Länder der Welt
Boykottmaßnahmen ergreifen und sich auf die Seite der
Unterdrückten stellen, wollen Sie mit dem
Apartheidregime über bessere Kulturkontakte verhandeln. Das
Grausen kann einem kommen bei der Lektüre des
Koalitionsantrages: Der Sportverkehr soll
einbezogen werden; also Schluß mit dem bisherigen
Sportboykott. Das Goethe-Institut in Johannesburg soll
vielleicht doch kommen;
(Zuruf von der CDU/CSU: Richtig!)
der Haushaltsplan weist auf jeden Fall schon mal
eine Planstelle dafür aus. Die südafrikanische
Bevölkerung wird im Antragstext aufgeteilt nach
Schwarz, Weiß, Farbig und Asiatisch, also genau
nach dem Kastensystem, das die Rassisten des
Apartheidsystems erfunden haben.
(Beifall bei Abgeordneten der GRÜNEN)
Wir meinen: An dem Kulturabkommen gibt es
nichts zu ändern. Es muß ersatzlos gekündigt
werden, und dies darf nur der erste Schritt sein als ein
demonstrativer Beginn.
Danke schön.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Meine Damen und
Herren, bevor ich das Wort dem nächsten Redner
erteile, möchte ich einer ehrenvollen Aufgabe
nachkommen: Auf der Ehrentribüne haben der Vorsitzende
der Volksversammlung der Volksrepublik
Bulgarien, Herr Stanko Todorov, seine Gattin und die
Mitglieder seiner Delegation Platz genommen.
Ich habe die Ehre und Freude, Sie, Herr
Präsident, im Deutschen Bundestag herzlich
willkommen zu heißen.
(Beifall)
Ihr Besuch in der Bundesrepublik Deutschland un
-
terstreicht die langjährigen guten Beziehungen
zwischen unseren Ländern und unseren Parlamen-
Deutscher Bundestag — 10.Wahlperiode — 159. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 26. September 1985 11857
Präsident Dr. Jenninger
ten. Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen und
angenehmen Aufenthalt in der Bundesrepublik
Deutschland.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der
Abgeordnete Verheugen.
Verheugen (SPD): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Diese zweite Südafrika-Debatte
innerhalb ganz kurzer Zeit ist notwendig, weil die
Bundesregierung und die Koalitionsparteien mit ihrem
Streit über die Südafrikapolitik ein so heilloses
Durcheinander angerichtet haben, daß Ansehen
und Gewicht der deutschen Außenpolitik auf dem
Spiele stehen. Der Zustand dieser Regierung ist mit
Worten, die parlamentsfähig wären, überhaupt
nicht mehr zu beschreiben.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Der Bundeskanzler ist nicht in der Lage,
Kabinettdisziplin herzustellen. Er läßt zu, daß
nachträglich und von außen in die Entscheidungen seines
Kabinetts hineingeredet wird. Bis heute weiß
niemand, ob die Bundesregierung den Luxemburger
Südafrika-Sanktionen der EG-Außenminister
zugestimmt hat oder nicht. Bis heute steht nicht fest, ob
das gesamte Kabinett die Kündigung des
Kulturabkommens mit Südafrika trägt oder nicht, ob die
Koalition in dieser Frage hinter dem Kanzler steht
oder nicht.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Das ist Ihr Pro
-
blem, Herr Verheugen! Sie sind viel zu neu
gierig!)
Diese Bundesregierung hat den Eindruck entstehen
lassen, daß unser Land von Amateuren regiert
wird,
(Ströbele [GRÜNE]: Aber von gut bezahl
ten Amateuren!)
für die das Wort gilt: Sie wissen nicht, was sie tun.
(Beifall bei der SPD)
Tatsache ist, daß die Bundesregierung auf einem
wichtigen außenpolitischen Gebiet
handlungsunfähig ist und herumstümpert, weil sie es nicht wagen
kann, ihre Gegensätze auszutragen.
(Frau Dr. Timm [SPD]: Sehr richtig!)
Tatsache ist, daß eine Koalitionspartei, die CSU,
ausgestiegen ist,
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Schön, daß Sie
Herrn Genscher unterstützen wollen!)
indem sie die Afrikapolitik der Bundesregierung als
Privatangelegenheit des Außenministers
bezeichnet.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Also, lieber
Herr Kollege Verheugen!)
Tatsache ist, daß ein außenpolitischer Sprecher der
CDU, Herr Todenhöfer, die Außenpolitik der
eigenen Regierung falsch und schädlich nennt.
Tatsache ist, daß sich zwei von drei Koalitionsparteien
gegenseitig Unverschämtheit, pubertäres
Verhalten, Inkompetenz und Flegelhaftigkeit vorwerfen.
Tatsache ist, daß der Bundeskanzler den
verderblichen und chaotischen Einfluß des Franz Josef
Strauß nicht kontrollieren kann. Tatsache ist, daß
der bayerische Ministerpräsident für einen Teil des
Kabinetts die Richtlinienkompetenz des
Bundeskanzlers für sich beansprucht und auch ungeniert
ausübt.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Ach, Herr
Kollege Verheugen!)
Tatsache ist,
(Dr. Bötsch [CDU/CSU]: Tatsache ist, daß
Sie keine Ahnung haben!)
daß die der CSU angehörenden Bundesminister
erst nach Belehrung durch ihren
Parteivorsitzenden entschieden haben, daß sie nichts entschieden
hatten, d. h. alle bis auf einen, das gebe ich zu. Denn
Herr Zimmermann war ja schon weg. Er fällt ja
ohnehin dadurch auf, daß er entweder nichts
gewußt oder nichts getan hat oder überhaupt nicht da
war.
(Lachen und Beifall bei der SPD)
Tatsache ist, daß die Südafrikapolitik der
Bundesregierung in Südafrika niemanden beeindruckt: die
dortige Regierung nicht und auch die
Apartheidgegner nicht, die am allerwenigsten.
(Klein [München] [CDU/CSU]: Aber Sie
offenbar!)
Tatsache ist, daß der Bundeskanzler die ihm von
der CSU-Landesleitung zugeschriebene Äußerung,
er halte das gleiche, freie und allgemeine Wahlrecht
in Südafrika für undurchführbar und
unverantwortlich, bis heute nicht dementiert hat und sich damit
dem Vorwurf aussetzt, als einziger Regierungschef
der Welt den südafrikanischen Rassismus zu
unterstützen.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: So ein Quatsch,
Herr Verheugen! Das hat er überhaupt
nicht gesagt, das ist Ihre Interpretation! —
Dr. Bötsch [CDU/CSU]: Stuß!)
In der Sache selbst nur Widersprüche. Der
Bundeskanzler lehnt Wirtschaftssanktionen gegen
Südafrika ab, aber gleichzeitig billigt er ein
Rüstungsembargo, ein Nuklearembargo und ein Ölembargo
gegen Südafrika. Sind das keine Sanktionen?
Das Kulturabkommen ist nur der Punkt, an dem
der Richtungsstreit sichtbar geworden ist, weil hier
spezieller Handlungsbedarf besteht. Es ist ein
Trick, einen Begriff aus dem deutschen
Arbeitsrecht, die Änderungskündigung, auf die
Beziehungen zwischen Staaten anzuwenden; das verfängt
nicht.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Das ist kein
Trick, sondern eine vernünftige
Angelegenheit! Das paßt Ihnen nur nicht!)
Im Kulturabkommen von 1962 ist nur von
Kündigung die Rede; das Wort „Änderungskündigung"
kommt nicht vor. Dieses Wort soll ja gegenüber
Ihnen, den Koalitionspartnern, nur den
tatsächlichen Vorgang der Kündigung vertuschen. Das
Kulturabkommen ist gekündigt — mit dem
gleichzeitigen Angebot, ein neues auszuhandeln.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Na und? Sind
Sie dagegen?)
Und wenn diese Verhandlungen innerhalb von
sechs Monaten nicht erfolgreich abgeschlossen
sind, dann wird es nach sechs Monaten eben kein
Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und Südafrika mehr geben.
(Zuruf von der CDU/CSU: Wir machen ein
neues!)
Wir möchten wissen, ob die Koalition die
Entscheidung der Bundesregierung, das
Kulturabkommen zu kündigen mit dem Ziel, es zu ändern — das
ist die Formulierung der Regierung selbst —,
unterstützt oder nicht. Wenn der vorliegende Antrag der
Koalitionsparteien die Antwort sein sollte, dann
weichen Sie genau an der entscheidenden Stelle
aus.
(Beifall bei der SPD — Dr. Hornhues
[CDU/CSU]: Man müßte lesen können!)
Sie unterstützen nämlich nicht, was die Regierung
entschieden hat, sondern Sie unterstützen nur das,
was sie jetzt tun will —
(Hornhues [CDU/CSU]: Na und, Herr Ver
-
heugen?)
ein Formelkompromiß, der nicht weiterhelfen wird.
Diese Regierung hat schon bitter wenig für die
Menschen in Südafrika getan, und dem Wenigen
verweigern Sie auch noch die Unterstützung.
(Beifall bei der SPD — Dr. Hornhues
[CDU/CSU]: Lieber Herr Verheugen, das
müssen Sie gerade sagen! Das ist beleidi
gend! — Weiß [CDU/CSU]: Wie können Sie
so etwas sagen! — Weitere Zurufe von der
CDU/CSU)
Den schlichten Satz, daß Sie die von der
Bundesregierung getroffenen Entscheidungen begrüßen,
bringen Sie nicht über sich. Alles bleibt unklar und
verschwommen in der Südafrika-Politik. Nur eins
steht fest: Der Satz des Bundeskanzlers im
Interview mit der „Welt" von der vorigen Woche: „Der
Kurs ist klar", war die Übertreibung des Jahres.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Ha, ha, ha!)
Um ein Stück Klarheit zu bekommen, beantrage
ich namens meiner Fraktion namentliche
Abstimmung über den von uns vorgelegten Antrag.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Klein.
Klein (München) (CDU/CSU): Herr Präsident!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Sprichst du jetzt
als CDU oder als CSU?)
Herr Kollege Verheugen, das war eine ziemlich
schwache Vorstellung, die Sie hier gegeben haben.
(Beifall bei der CDU/CSU — Lachen bei
der SPD)
Ich kann Ihnen nur sagen: Mir wäre im
umgekehrten Fall mehr eingefallen.
(Heiterkeit bei der CDU/CSU — Zurufe
von der SPD)
Die Fraktionen der Regierungskoalition haben
folgenden Antrag eingebracht:
Der Deutsche Bundestag unterstützt die
Absicht der Bundesregierung, die
Zusammenarbeit mit allen Bevölkerungsgruppen der
Republik Südafrika im kulturellen Bereich zu
verstärken. Er unterstützt das Vorhaben der
Bundesregierung, nach der Änderungskündigung
des Kulturabkommens von 1962 zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Republik
Südafrika sofort Verhandlungen über ein neues
Kulturabkommen aufzunehmen.
(Sehr gut! bei der CDU/CSU)
Das kulturelle Engagement der
Bundesrepublik Deutschland hat auch bisher schon die
nichtweiße Bevölkerung Südafrikas
einbezogen. Das neue Kulturabkommen soll dieses
Engagement künftig auch rechtlich unzweideutig
absichern.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Sehr gut!)
Dabei sollen auch Bereiche wie der
Sportverkehr, die Überlegungen zur Errichtung eines
Goethe-Instituts und die Ausweitung des
„Sonderprogramms südliches Afrika" einbezogen
werden.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Sehr gut!)
Der Deutsche Bundestag betrachtet solche
erweiterten Kulturbeziehungen als einen
wichtigen Beitrag zur Überwindung der Apartheid
und zur Unterstützung einer friedlichen
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen
Entwicklung in Südafrika.
Meine Damen und Herren, nach Art. 10 Satz 3
tritt das Abkommen sechs Monate nach Kündigung
außer Kraft. Genug Zeit also, um das neue
Kulturabkommen auszuhandeln und eine Unterbrechung
der in der gegenwärtigen Situation besonders
wichtigen Kulturbeziehungen zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Republik Südafrika zu
vermeiden.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: Sehr gut!)
Die angestrebte Intensivierung der kulturellen
Zusammenarbeit mit allen Bevölkerungsgruppen,
wofür auch bei den laufenden Haushaltsberatungen
noch entsprechende finanzielle Voraussetzungen
geschaffen werden sollen, ist mithin das Gegenteil
einer Sanktion.
(Dr. Hornhues [CDU/CSU]: So ist es!)
Sie geht über die vom EPZ-Ministerrat geforderte
und von ihm als „positiv" gekennzeichnete
Maßnahme hinaus, die Kontakte nur mit der
nichtweißen Bevölkerung etwa in den kulturellen,
wissenschaftlichen oder sportlichen Bereichen zu
verstärken; denn nach unserem Willen darf es auch keine
Rassentrennung aus der anderen Richtung geben.
Das kulturelle Engagement der Bundesrepublik
Deutschland soll den Menschen in Südafrika gelten
— allen Menschen, den Schwarzen, den Farbigen,
den Asiaten und den Weißen. Vor allem aber soll es
dem friedlichen Zusammenleben und
Zusammenwirken der unterschiedlichen Rassen und
Völkerschaften dienen.
Mit dieser Zielsetzung steht die CDU/CSU-
Fraktion in der Kontinuität ihrer Afrikapolitik: für
Evolution und gegen Revolution,
(Beifall bei der CDU/CSU)
für Frieden und gegen Gewalt, für Reform und
gegen Verteufelung der Reformer,
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
für Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung,
für Demokratie und gegen totalitäre
Machtansprüche, für wirtschaftlichen Fortschritt und gegen
Hungerdiktatur.
Wer die Entwicklung eines geistig-politischen
Klimas in Südafrika fördern will, in dem die
Erreichung dieser Ziele eine Chance hat, den bitte ich
um Zustimmung zu unserem Antrag.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat die
Abgeordnete Frau Borgmann.
(Unruhe)
Bevor ich das Wort weitergebe, bitte ich die
Damen und Herren, die im Saale stehen, Platz zu
nehmen. — Darf ich Sie noch einmal bitten, Platz zu
nehmen.
Sie haben das Wort, Frau Kollegin Borgmann.
Frau Borgmann (GRÜNE): Wenn wir über die
sogenannte Kündigung des Kulturabkommens mit
Südafrika sprechen, dann geht es nicht primär um
Kulturpolitik. Es geht vielmehr um die Frage, welchen
Beitrag die Bundesrepublik zur Überwindung des
Apartheidregimes leisten kann und welchen
Beitrag sie zu leisten bereit ist.
Hinter dem Thema Südafrika und hinter der
Frage eines Kulturabkommens mit diesem Land
steht für uns die Frage des Rassismus, steht die
Frage, wie wir uns zu Rassenwahn und staatlichem
Terror verhalten.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Auch der Bundeskanzler und selbst die CSU-
Minister in seinem Kabinett dürften bemerkt haben,
daß das Fortdauern des Apartheidregimes eine
Welle internationaler Empörung ausgelöst hat und
daß diese Empörung nicht folgenlos bleibt. In
zahlreichen Ländern sind inzwischen Sanktionen
verhängt worden, und beileibe nicht nur von linken
Regierungen. Die ergriffenen Maßnahmen reichen
von symbolischen Gesten bis zu ernsthaften
Wirtschaftssanktionen. Und sie beginnen in Südafrika
bereits Wirkung zu zeigen. Die Privatwirtschaft
sieht sich zunehmend gezwungen, auf Distanz zur
Regierung und deren Apartheidsystem zu gehen,
um dem internationalen Druck auszuweichen. Die
Sanktionen wirken. Und Sanktionen sind die
einzige Möglichkeit, die Dinge im Land in Bewegung
zu bringen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Die überwältigende Mehrheit der Schwarzen
stimmt dem zu und ist bereit, dafür auch selber
Opfer zu bringen.
Wir sind gefordert und können uns nicht länger
herausreden. Wir können nicht länger sagen: Nur
durch positives Engagement helfen wir, die
Apartheid zu überwinden, indem wir das Regime
überzeugen, daß es besser etwas weniger grausam,
etwas weniger unmenschlich, etwas weniger
rassistisch sein soll. Diese Politik des guten Zuredens
verfolgt die Bundesrepublik ja angeblich schon seit
Jahrzehnten. Mit welchem Erfolg, frage ich.
Von der Bundesrepublik bezieht das
Apartheidregime sein 01. Von hier bekommt es seine Kredite.
Von hier bezieht es sein Geld durch den Verkauf
von Krüger-Rand-Goldmünzen, durch den Verkauf
von Kohle und durch den Verkauf von Uran, das
das Regime seinerseits aus Namibia stiehlt. Erst
vor diesem Hintergrund hat es Sinn, über die
bundesdeutsche Kulturpolitik gegenüber Südafrika zu
sprechen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Um es klar zu sagen: Die Bundesrepublik ist einer
der treuesten Freunde Südafrikas in der Welt. Die
Bundesregierung unterstützt den Rassismus in
Südafrika. Diese Bundesregierung unterstützt das
Apartheidregime so gut, wie sie nur kann. Das ist
die traurige Wahrheit.
Es tut mir leid, Herr Schäfer von der FDP: Der
gemeinsame Antrag von CDU/CSU und FDP zu
dieser Sitzung beweist, daß weder Sie noch Frau
Hamm-Brücher daran etwas ändern konnten.
(Beifall des Abg. Voigt [Frankfurt] [SPD])
Ändern können das nur die aktive Solidarität der
Bevölkerung, die außerparlamentarische
Opposition und letzten Endes die Wähler.
Kurzfristig können wir keine Verbesserung in
der Politik der Bundesregierung erwarten. Die
Bundesregierung wird ihren Freunden im
südafrikanischen Apartheidregime weiterhin die Stange
halten, sie mit Geld und Waffen versorgen, von ihnen
Orden annehmen und glänzende Geschäfte mit
ihnen machen.
(Ströbele [GRÜNE]: Unerhört!)
Eine Änderung wäre aber rasch möglich — und
da wende ich mich an die Kollegen und Kolleginnen
von der SPD — bei den Bundesländern, bei den
Städten und Gemeinden, in denen die SPD das
Sagen hat. Dort könnte zur Unterstützung des
Befreiungskampfs viel getan werden.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Richtig!)
Wir sind gespannt, wann z. B. die Stadtsparkassen
aufhören werden, den Krüger-Rand zu verkaufen,
die Landesbanken ihre Südafrikageschäfte
einstellen und Gemeinden keine Geschäfte mehr mit
Firmen machen, die die Apartheid unterstützen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Solche praktischen Maßnahmen würden dem
Widerstand helfen.
Hier im Bundestag sind auch Sie von der SPD ja
nicht einmal mehr für die Kündigung des
Kulturabkommens — bedauerlicherweise —, sondern wollen
genauso wie die Regierung das Abkommen neu
verhandeln. Wozu eigentlich, liebe SPD-Genossen? Zu
Ihrer Regierungszeit war es doch auch ausgewogen
genug. Warum ist es das denn jetzt nicht mehr? Ist
es denn nicht wenigstens Ihnen peinlich, daß die
Bundesrepublik eines der beiden Länder auf der
Welt, die Kulturabkommen mit dem
Apartheidregime unterhalten? Das andere Land ist
bezeichnenderweise Paraguay, eine der finstersten Diktaturen
Lateinamerikas.
(Ströbele [GRÜNE]: Sehr richtig!)
Deshalb bitte ich Sie: Stimmen Sie unserem
Antrag zu! Das Kulturabkommen muß weg. Und
weitere praktische Schritte auf allen Ebenen müssen
folgen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Ich erteile das Wort dem
Herrn Bundesminister für Wirtschaft, Herrn
Bangemann.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Was versteht der
denn von Afrika?)
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft:
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Ich möchte zunächst mit dem beginnen,
was, glaube ich, in diesem Hause nicht bestritten
wird, was unsere gemeinsame Überzeugung ist.
(Unruhe)
Präsident Dr. Jenninger: Meine Damen und
Herren, ich bitte um Aufmerksamkeit für den Redner,
und ich bitte noch einmal die Kolleginnen und
Kollegen, die hier im Saal stehen, entweder Platz zu
nehmen oder hinauszugehen.
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft:
Eine Politik, die auf rassischen Unterschieden
aufbaut, die die Gewährung politischer, sozialer und
gesellschaftlicher Rechte davon abhängig macht,
welche Hautfarbe ein Mensch hat, ist zutiefst
unmenschlich und wird von uns allen verdammt.
(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU und bei
Abgeordneten der SPD)
In diesem Punkt gibt es, glaube ich, niemanden hier
in diesem Saal, der eine andere Meinung vertritt.
Der Streit hat über die Frage begonnen, mit
welchen Mitteln man eine andere Regierung dazu
bringen kann, eine solche unmenschliche Politik
aufzugeben,
(Schmidt [Hamburg-Neustadt] [GRÜNE]:
Mit Hermes-Krediten!)
Und das ist ein ernsthafter Gegenstand der Ausein
-
andersetzung. Diese Auseinandersetzung kann
man nicht dadurch führen, daß man zu PR-
Aktionen neigt, die auf dem Rücken der schwarzen
Bevölkerung hier in der Bundesrepublik einem einen
billigen Vorteil verschaffen sollen.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Voigt [Frankfurt] [SPD]: Das ist das
Problem von Strauß! — Weitere Zurufe von der
SPD und den GRÜNEN)
Das müssen Sie erstmal mit sich selber
ausmachen.
Zweitens. Die Frage, ob Wirtschaftssanktionen
ein geeignetes Mittel sind, die Regierung von
Südafrika dazu zu bringen, ihre Apartheidpolitik
aufzugeben, die natürlich auch die Ursache der sozialen
Spannungen ist, muß man sehr ernsthaft
diskutieren. Auch da gibt es keine doppelten Standpunkte.
Es kann nicht so sein, daß Wirtschaftssanktionen
gegen ein Land, dessen Politik einem generell nicht
paßt, richtig sind, dagegen Wirtschaftssanktionen
gegen ein Land, mit dessen Politik man
sympathisiert, falsch sind. Das geht auch nicht. Entweder
sind Wirtschaftssanktionen richtig, oder sie sind
falsch.
(Beifall bei der FDP — Zurufe von den
GRÜNEN)
Diese Art von Heuchelei, meine verehrten Damen
und Herren, die einmal Wirtschaftssanktionen für
richtig und dann wieder für falsch hält,
(Schmidt [Hamburg-Neustadt] [GRÜNE]:
Falls sie wirksam sind, Herr Bangemann!
— Ströbele [GRÜNE]: Ob die Betroffenen
es wollen, darauf kommt es an!)
ist ein politisches Problem in sich.
Ich will Ihnen und auch Herrn Verheugen, der
sich beklagt hat und geradezu darum sorgt, daß die
Bundesregierung geschlossen ist, was natürlich
seinem ernsthaften Interesse an dem Erfolg dieser
Bundesregierung entspricht, folgendes sagen: Die
Bundesregierung und die sie tragenden Parteien
sind geschlossen gegen Wirtschaftssanktionen, und
zwar aus zwei Gründen.
(Beifall bei der FDP und bei Abgeordneten
der CDU/CSU — Bueb [GRÜNE]:
Geschäfte gehen vor! Geschäfte vor
Menschenleben! — Voigt [Frankfurt] [SPD]: Sie
sind geschlossen gegen etwas, nicht für
etwas; Sie sind nicht handlungsfähig!)
Einmal wissen wir, daß Wirtschaftssanktionen
generell ohne große Wirkungen sind und noch nie in
der Geschichte eine Regierung dazu gebracht
haben, ihre Politik zu ändern, und zweitens — meine
Damen und Herren, darüber sollten Sie sich auch
mal Rechenschaft geben — würden
Wirtschaftssanktionen gegenüber Südafrika in diesem
Augenblick nicht nur die schwarze Bevölkerung, die
Bevölkerungsgruppen, die dort sowieso wirtschaftlich
benachteiligt sind, zusätzlich benachteiligen,
sondern Wirtschaftssanktionen würden zudem noch
den Konflikt verschärfen. In einer solchen Situation
etwas zu tun, was den Konflikt verschärft, heißt,
Menschenleben zu gefährden.
(Beifall bei der FDP und Abgeordneten der
CDU/CSU — Zurufe von den GRÜNEN)
Deswegen bleibt uns nur der mühevolle Weg,
über eine ständige Einflußnahme diejenigen in
Südafrika zu stärken, die Gott sei Dank immer
mehr aus dem Lande selbst heraus Kräfte
entwikkeln, um diese Politik zu ändern.
(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)
Das geht natürlich auch über den Weg kultureller
Beziehungen. Da kann ich nun überhaupt nicht
begreifen, warum man diesen wirklich
wirkungsvollen Weg, auch den Schwarzen und den anderen
Bevölkerungsgruppen in ihrer Situation zu helfen,
nicht uneingeschränkt mitgeht.
(Zurufe von der SPD)
— Wenn das so ist, dann gehen Sie doch über Ihren
Antrag hinaus! Der Antrag, den die
Regierungsfraktionen hier vorgelegt haben,
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Ist ein Eiertanz!)
geht wesentlich weiter, als nur zu begrüßen.
Begrüßen reicht nicht. Unterstützen Sie doch die Politik
der Regierung!
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Wir haben überhaupt keinen Anlaß, Ihren Antrag
noch zu behandeln; denn dieser Antrag reicht uns
nicht aus. Wir haben hier in diesem Antrag gesagt:
Die Politik der Bundesregierung wird unterstützt.
(Ströbele [GRÜNE]: Daß Sie sich selber un
-
terstützen, davon gehen wir aus!)
Wir setzen das fort, was die Kollegin Hamm-
Brücher, die Sie angesprochen haben, schon in den 70er
Jahren begonnen hat. Das Sonderprogramm
„Südliches Afrika", mit dem damals unter schwierigen
Bedingungen die Situation der schwarzen
Bevölkerungsgruppe erleichtert werden sollte, stammt aus
dieser Zeit, war von ihr initiiert. Das sollten Sie
jetzt unterstützen. Wenn Sie das ernsthaft wollen,
müssen Sie unserem Antrag zustimmen.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Meine Damen und
Herren, weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Ich
schließe die Aussprache.
Bevor wir zur Abstimmung kommen, darf ich
eine Begrüßung vornehmen. Auf der Ehrentribüne
hat eine Delegation des
Landwirtschaftsausschusses der Nationalversammlung der ungarischen
Volksrepublik Platz genommen.
(Lebhafter Beifall)
Ich habe die Ehre, Sie im Deutschen Bundestag zu
begrüßen. Ihre Anwesenheit hier unterstreicht die
guten Beziehungen zwischen unseren Parlamenten.
Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen und
angenehmen Aufenthalt in der Bundesrepublik
Deutschland.
(Erneuter Beifall)
Wir kommen nun zur Abstimmung. Ich
beabsichtige, die Anträge in folgender Reihenfolge zur
Abstimmung aufzurufen: als ersten den Antrag der
Fraktion DIE GRÜNEN, dann den Antrag der
Fraktionen der CDU/CSU und der FDP, danach den
Antrag der Fraktion der SPD.
Wir kommen zuerst zur Abstimmung über den
Antrag der Fraktion DIE GRÜNEN auf Drucksache
10/3870. Die Fraktion der GRÜNEN verlangt gemäß
§ 52 unserer Geschäftsordnung namentliche
Abstimmung.
Wer dem Antrag auf Drucksache 10/3870
zuzustimmen wünscht, den bitte ich, die
Abstimmungskarte mit Ja, wer dagegen stimmen oder sich der
Stimme enthalten will, den bitte ich, die
entsprechende Abstimmungskarte in die hier vorn
aufgestellten Urnen zu legen.
Ich eröffne die namentliche Abstimmung. —
Meine Damen und Herren, ich mache darauf
aufmerksam, daß noch eine namentliche Abstimmung
zu erwarten ist.
Meine Damen und Herren, ist noch ein Mitglied
des Hauses anwesend, das seine Stimme nicht
abgegeben hat? — Ich schließe die Abstimmung. Ich
bitte die Schriftführer, mit der Auszählung zu
beginnen. —
Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, Platz zu
nehmen. Ich gebe das von den Schriftführern
ermittelte Ergebnis der Abstimmung über den Antrag
auf Drucksache 10/3870 bekannt. Es wurden 404
Stimmen abgegeben. Keine Stimme war ungültig.
Mit Ja haben gestimmt 27, mit Nein haben
gestimmt 375, Enthaltungen 2.
Endgültiges Ergebnis
Abgegebene Stimmen 423 Abgeordnete; davon
ja: 27 Abgeordnete
nein: 394 Abgeordnete
enthalten: 2 Abgeordnete
Ja
SPD
Duve
Sielaff
Waltemathe
DIE GRÜNEN
Auhagen
Frau Borgmann
Bueb
Frau Dann
Frau Eid
Frau Hönes
Lange
Mann
Dr. Müller (Bremen)
Dr. Schierholz
Schily
Schmidt (Hamburg-
Neustadt)
Schulte (Menden)
Senfft
Ströbele
Suhr
Tatge
Vogel (München)
Volmer
Frau Wagner
Werner (Dierstorf)
Werner (Westerland)
Frau Zeitler
fraktionslos
Bastian
Nein
CDU/CSU
Frau Augustin
Austermann
Dr. Barzel
Dr. Becker (Frankfurt)
Berger
Frau Berger (Berlin)
Biehle
Dr. Blank
Dr. Blens
Dr. Blüm
Dr. Bötsch
Bohl
Bohlsen
Borchert
Boroffka
Braun
Broll
Brunner
Bühler (Bruchsal)
Dr. Bugl
Buschbom
Carstens (Emstek)
Carstensen (Nordstrand)
Dr. Czaja
Dr. Daniels
Daweke
Deres
Dörflinger
Dolata
Doss
Dr. Dregger
Echternach
Ehrbar
Eigen
Erhard
(Bad Schwalbach)
Eylmann
Dr. Faltlhauser
Feilcke
Fellner
Fischer (Hamburg)
Francke (Hamburg)
Dr. Friedmann
Ganz (St. Wendel)
Frau Geiger
Dr. Geißler
Dr. von Geldern
Dr. George
Gerlach (Obernau)
Gerstein
Gerster (Mainz)
Glos
Dr. Göhner
Günther
Dr. Hackel
Dr. Häfele
Hanz (Dahlen)
Haungs
Hauser (Esslingen)
Hedrich
Freiherr Heereman
von Zuydtwyck
Frau Dr. Hellwig
Helmrich
Dr. Hennig
Herkenrath
Hinrichs
Hinsken
Höffkes
Höpfinger
Dr. Hoffacker
Frau Hoffmann (Soltau)
Dr. Hornhues
Hornung
Frau Hürland
Dr. Hupka
Graf Huyn
Jagoda
Dr. Jahn (Münster)
Dr. Jenninger
Dr. Jobst
Jung (Lörrach)
Kalisch
Dr.-Ing. Kansy
Frau Karwatzki
Keller
Kiechle
Klein (München)
Dr. Köhler (Wolfsburg)
Kolb
Kraus
Dr. Kreile
Krey
Kroll-Schlüter
Dr. Kronenberg
Dr. Kunz (Weiden)
Lamers
Landré
Dr. Langner
Lattmann
Dr. Laufs
Link (Diepholz)
Link (Frankfurt)
Linsmeier
Dr. Lippold
Löher
Lohmann (Lüdenscheid)
Dr. h. c. Lorenz
Lowack
Maaß
Frau Männle
Magin
Marschewski
Metz
Dr. Meyer zu Bentrup
Michels
Dr. Mikat
Milz
Dr. Möller
Müller (Wadern)
Nelle
Frau Dr. Neumeister
Niegel
Dr.-Ing. Oldenstädt
Dr. Olderog
Petersen
Pfeffermann
Pfeifer
Pöppl
Pohlmann
Dr. Pohlmeier
Dr. Probst
Rawe
Repnik
Dr. Riedl (München)
Dr. Riesenhuber
Rode (Wietzen)
Frau Rönsch
Frau Roitzsch
(Quickborn)
Dr. Rose
Rossmanith
Roth (Gießen)
Rühe
Ruf
Sauer (Salzgitter)
Sauer (Stuttgart)
Saurin
Sauter (Epfendorf)
Sauter (Ichenhausen)
Scharrenbroich
Dr. Schäuble
Schartz (Trier)
Schemken
Scheu
Schlottmann
Schmidbauer
Schmitz (Baesweiler)
Schneider
(Idar-Oberstein)
Freiherr von Schorlemer
Schreiber
Dr. Schroeder (Freiburg)
Schulhoff
Dr. Schulte
(Schwäbisch Gmünd)
Schulze (Wörrstadt)
Dr. Schwarz-Schilling
Dr. Schwörer
Seehofer
Seesing
Seiters
Spilker
Spranger
Dr. Sprung
Dr. Stark (Nürtingen)
Dr. Stavenhagen
Dr. Stercken
Stockhausen
Straßmeir
Strube
Stücklen
Stutzer
Susset
Tillmann
Dr. Todenhöfer
Uldall
Frau Verhülsdonk
Vogel (Ennepetal)
Vogt (Düren)
Dr. Voigt (Northeim)
Dr. Voss
Dr. Waffenschmidt
Dr. Waigel
Graf von Waldburg-Zeil
Dr. Warnke
Dr. Warrikoff
Dr. von Wartenberg
Weirich
Weiß
Werner (Ulm)
Frau Will-Feld
Frau Dr. Wilms
Wilz
Wimmer (Neuss)
Windelen
Frau Dr. Wisniewski
Wissmann
Dr. Wittmann
Wittmann (Tännesberg)
Dr. Wörner
Würzbach
Dr. Zimmermann
Zink
SPD
Amling
Dr. Apel
Bachmaier
Bahr
Bernrath
Frau Blunck
Brandt
Brück
Buckpesch
Büchler (Hof)
Buschfort
Catenhusen
Collet
Dr. Corterier
Curdt
Frau Dr. Däubler-Gmelin
Daubertshäuser
Delorme
Dr. Diederich (Berlin)
Dreßler
Egert
Dr. Ehrenberg
Eickmeyer
Dr. Emmerlich
Esters
Ewen
Fischer (Homburg)
Fischer (Osthofen)
Franke (Hannover)
Frau Fuchs (Köln)
Frau Fuchs (Verl)
Gansel
Gilges
Glombig
Grunenberg
Haar
Hansen (Hamburg)
Frau Dr. Hartenstein
Dr. Hauchler
Hauck
Dr. Hauff
Heimann
Heistermann
Herterich
Hettling
Heyenn
Hiller (Lübeck)
Horn
Frau Huber
Huonker
Ibrügger
Jahn (Marburg)
Jansen
Jaunich
Dr. Jens
Junghans
Jungmann
Kastning
Kirschner
Kisslinger
Klein (Dieburg)
Dr. Klejdzinski
Klose
Kolbow
Kretkowski
Dr. Kübler
Kühbacher
Kuhlwein
Lambinus
Lennartz
Leonhart
Frau Dr. Lepsius
Liedtke
Löffler
Lohmann (Witten)
Lutz
Frau Luuk
Frau Matthäus-Maier
Meininghaus
Menzel
Dr. Mertens (Bottrop)
Dr. Mitzscherling
Müller (Düsseldorf)
Müller (Schweinfurt)
Dr. Müller-Emmert
Nagel
Nehm
Dr. Nöbel
Frau Odendahl
Oostergetelo
Pauli
Dr. Penner
Peter (Kassel)
Pfuhl
Porzner
Poß
Purps
Ranker
Rappe (Hildesheim)
Reimann
Reschke
Reuschenbach
Reuter
Rohde (Hannover)
Roth
Sander
Schäfer (Offenburg)
Schanz
Schlaga
Schlatter
Frau Schmedt
(Lengerich)
Dr. Schmidt (Gellersen)
Schmidt (München)
Frau Schmidt (Nürnberg)
Schmitt (Wiesbaden)
Dr. Schmude
Dr. Schöfberger
Schreiner
Dr. Schwenk (Stade)
Sieler
Frau Simonis
Dr. Sperling
Dr. Spöri
Stahl (Kempen)
Steiner
Frau Steinhauer
Stiegler
Stobbe
Stockleben
Dr. Struck
Frau Terborg
Tietjen
Frau Dr. Timm
Toetemeyer
Frau Traupe
Urbaniak
Vahlberg
Verheugen
Vogelsang
Voigt (Frankfurt)
Vosen
Walther
Wartenberg (Berlin)
Weinhofer
Weisskirchen (Wiesloch)
Dr. Wernitz
Westphal
Frau Weyel
Dr. Wieczorek
Wieczorek (Duisburg)
Wiefel
Wimmer (Neuötting)
Wischnewski
Dr. de With
Wolfram
(Recklinghausen)
Würtz
Zander
Zeitler
Frau Zutt
FDP
Frau Dr. Adam
-
Schwaetzer
Baum
Beckmann
Cronenberg (Arnsberg)
Eimer (Fürth)
Dr. Feldmann
Gallus
Grüner
Frau Dr. Hamm-Brücher
Dr. Haussmann
Dr. Hirsch
Hoffie
Hoppe
Kleinert (Hannover)
Kohn
Dr.-Ing. Laermann
Möllemann
Neuhausen
Paintner
Ronneburger
Schäfer (Mainz)
Frau Dr. Segall
Frau Seiler-Albring
Dr. Solms
Dr. Weng (Gerlingen)
fraktionslos
Voigt (Sonthofen)
Enthalten
SPD
Bindig
Conradi
Der Antrag ist abgelehnt.
Wir fahren mit unseren Beratungen fort. Meine
Damen und Herren, ich bitte Sie, Platz zu nehmen. Wir
kommen jetzt zur Abstimmung über den Antrag der
Fraktionen der CDU/CSU und der FDP auf
Drucksache 10/3878. Wer diesem Antrag zuzustimmen
wünscht, den bitte ich um ein Handzeichen. — Wer
stimmt dagegen? — Enthaltungen? — Der Antrag
ist angenommen.
Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag
der Fraktion der SPD auf Drucksache 10/3868.
Meine Damen und Herren, die Fraktion der SPD
verlangt gemäß § 52 unserer Geschäftsordnung
namentliche Abstimmung. Wer dem Antrag auf
Drucksache 10/3868 zuzustimmen wünscht, den
bitte ich, die Abstimmungskarte mit Ja, wer
dagegen stimmen oder sich der Stimme enthalten will,
den bitte ich, die entsprechende Abstimmungskarte
in die Urnen zu legen. Ich eröffne die namentliche
Abstimmung. —
Haben alle Mitglieder des Hauses ihre Stimmen
abgegeben? — Das scheint der Fall zu sein. Ich
schließe die Abstimmung. Ich bitte die
Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen.
Meine Damen und Herren, ich gebe das von den
Schriftführern ermittelte Ergebnis der
Abstimmung über den Antrag auf Drucksache 10/3868
bekannt. Abgegebene Stimmen: 436, davon keine
ungültige Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 167
Abgeordnete, mit Nein 264; Enthaltungen 5.
Endgültiges Ergebnis:
Abgegebene Stimmen: 435 Abgeordnete; davon
ja: 167 Abgeordnete
nein: 263 Abgeordnete
enthalten: 5 Abgeordnete
Ja
SPD
Amling
Dr. Apel
Bachmaier
Bahr
Bamberg
Bernrath
Bindig
Frau Blunck
Brandt
Brück
Buckpesch
Büchler (Hof)
Buschfort
Catenhusen
Collet
Conradi
Dr. Corterier
Curdt
Frau Dr. Däubler-Gmelin
Daubertshäuser
Delorme
Dr. Diederich (Berlin)
Dreßler
Duve
Egert
Dr. Ehrenberg
Eickmeyer
Dr. Emmerlich
Esters
Ewen
Fischer (Homburg)
Fischer (Osthofen)
Franke (Hannover)
Frau Fuchs (Köln)
Frau Fuchs (Verl)
Gansel
Gilges
Glombig
Grunenberg
Haar
Hansen (Hamburg)
Frau Dr. Hartenstein
Dr. Hauchler
Hauck
Dr. Hauff
Heimann
Heistermann
Herterich
Hettling
Heyenn
Hiller (Lübeck)
Horn
Frau Huber
Huonker
Ibrügger
Jahn (Marburg)
Jansen
Jaunich
Dr. Jens
Jung (Düsseldorf)
Junghans
Jungmann
Kastning
Kirschner
Kisslinger
Klein (Dieburg)
Dr. Klejdzinski
Klose
Kolbow
Kretkowski
Dr. Kübler
Kühbacher
Kuhlwein
Lambinus
Lennartz
Leonhart
Frau Dr. Lepsius
Liedtke
Löffler
Lohmann (Witten)
Lutz
Frau Luuk
Frau Matthäus-Maier
Meininghaus
Menzel
Dr. Mertens (Bottrop)
Dr. Mitzscherling
Müller (Düsseldorf)
Müller (Schweinfurt)
Dr. Müller-Emmert
Nagel
Nehm
Dr. Nöbel
Frau Odendahl
Oostergetelo
Pauli
Dr. Penner
Peter (Kassel)
Pfuhl
Porzner
Poß
Purps
Ranker
Rappe (Hildesheim)
Reimann
Reschke
Reuschenbach
Reuter
Rohde (Hannover)
Roth
Sander
Schäfer (Offenburg)
Schanz
Schlaga
Schlatter
Frau Schmedt
(Lengerich)
Dr. Schmidt (Gellersen)
Schmidt (München)
Frau Schmidt (Nürnberg)
Schmitt (Wiesbaden)
Dr. Schmude
Dr. Schöfberger
Schreiner
Dr. Schwenk (Stade)
Sielaff
Sieler
Frau Simonis
Dr. Sperling
Dr. Spöri
Stahl (Kempen)
Steiner
Frau Steinhauer
Stiegler
Stobbe
Stockleben
Dr. Struck
Frau Terborg
Tietjen
Frau Dr. Timm
Toetemeyer
Frau Traupe
Urbaniak
Vahlberg
Verheugen
Vogelsang
Voigt (Frankfurt)
Vosen
Waltemathe
Walther
Wartenberg (Berlin)
Weinhofer
Weisskirchen (Wiesloch)
Dr. Wernitz
Westphal
Frau Weyel
Dr. Wieczorek
Wieczorek (Duisburg)
Wiefel
Wimmer (Neuötting)
Wischnewski
Witek
Dr. de With
Wolfram
(Recklinghausen)
Würtz
Zander
Zeitler
Frau Zutt
Nein
CDU/CSU
Dr. Abelein
Frau Augustin
Austermann
Dr. Barzel
Dr. Becker (Frankfurt)
Berger
Frau Berger (Berlin)
Biehle
Dr. Blank
Dr. Blens
Dr. Blüm
Dr. Bötsch
Bohl
Bohlsen
Boroffka
Braun
Breuer
Broll
Brunner
Bühler (Bruchsal)
Dr. Bugl
Buschbom
Carstens (Emstek)
Carstensen (Nordstrand)
Dr. Czaja
Dr. Daniels
Daweke
Deres
Dörflinger
Dolata
Doss
Dr. Dregger
Echternach
Ehrbar
Eigen
Engelsberger
Erhard
(Bad Schwalbach)
Eylmann
Dr. Faltlhauser
Feilcke
Fellner
Fischer (Hamburg)
Francke (Hamburg)
Dr. Friedmann
Ganz (St. Wendel)
Frau Geiger
Dr. Geißler
Dr. von Geldern
Dr. George
Gerlach (Obernau)
Gerstein
Gerster (Mainz)
Glos
Dr. Göhner
Günther
Dr. Hackel
Dr. Häfele
Hanz (Dahlen)
Haungs
Hauser (Esslingen)
Hauser (Krefeld)
Hedrich
Freiherr Heereman
von Zuydtwyck
Frau Dr. Hellwig
Helmrich
Dr. Hennig
Herkenrath
Hinrichs
Hinsken
Höffkes
Höpfinger
Dr. Hoffacker
Frau Hoffmann (Soltau)
Dr. Hornhues
Hornung
Frau Hürland
Dr. Hupka
Graf Huyn
Jagoda
Dr. Jahn (Münster)
Dr. Jenninger
Dr. Jobst
Jung (Lörrach)
Kalisch
Dr.-Ing. Kansy
Frau Karwatzki
Keller
Kiechle
Klein (München)
Dr. Köhler (Duisburg)
Dr. Köhler (Wolfsburg)
Kolb
Kraus
Dr. Kreile
Krey
Kroll-Schlüter
Dr. Kronenberg
Dr. Kunz (Weiden)
Lamers
Landré
Dr. Langner
Lattmann
Dr. Laufs
Link (Diepholz)
Link (Frankfurt)
Linsmeier
Dr. Lippold
Löher
Lohmann (Lüdenscheid)
Dr. h. c. Lorenz
Louven
Lowack
Maaß
Frau Männle
Magin
Marschewski
Metz
Dr. Meyer zu Bentrup
Michels
Dr. Mikat
Dr. Miltner
Milz
Dr. Möller
Müller (Wadern)
Nelle
Frau Dr. Neumeister
Niegel
Dr.-Ing. Oldenstädt
Dr. Olderog
Petersen
Pfeffermann
Pfeifer
Pöppl
Pohlmann
Dr. Pohlmeier
Dr. Probst
Rawe
Repnik
Dr. Riedl (München)
Dr. Riesenhuber
Rode (Wietzen)
Frau Rönsch
Frau Roitzsch
(Quickborn)
Dr. Rose
Rossmanith
Roth (Gießen)
Rühe
Ruf
Sauer (Salzgitter)
Sauer (Stuttgart)
Saurin
Sauter (Epfendorf)
Sauter (Ichenhausen)
Dr. Schäuble
Scharrenbroich
Schartz (Trier)
Schemken
Scheu
Schlottmann
Schmidbauer
Schmitz (Baesweiler)
Schneider
(Idar-Oberstein)
Freiherr von Schorlemer
Schreiber
Dr. Schroeder (Freiburg)
Schulhoff
Dr. Schulte
(Schwäbisch Gmünd)
Schultz (Wörrstadt)
Dr. Schwarz-Schilling
Dr. Schwörer
Seehofer
Seesing
Seiters
Spilker
Spranger
Dr. Sprung
Dr. Stark (Nürtingen)
Dr. Stavenhagen
Dr. Stercken
Stockhausen
Straßmeir
Strube
Stücklen
Stutzer
Susset
Tillmann
Dr. Todenhöfer
Uldall
Frau Verhülsdonk
Vogel (Ennepetal)
Vogt (Duren)
Dr. Voigt (Northeim)
Dr. Voss
Dr. Waffenschmidt
Dr. Waigel
Graf von Waldburg-Zeil
Dr. Warnke
Dr. Warrikoff
Dr. von Wartenberg
Weirich
Weiß
Werner (Ulm)
Frau Will-Feld
Frau Dr. Wilms
Wilz
Wimmer (Neuss)
Windelen
Frau Dr. Wisniewski
Wissmann
Dr. Wittmann
Wittmann (Tännesberg)
Dr. Wörner
Würzbach
Dr. Zimmermann
Zink
FDP
Frau Dr. Adam-
Schwaetzer
Baum
Beckmann
Cronenberg (Arnsberg)
Eimer (Fürth)
Ertl
Dr. Feldmann
Gallus
Grüner
Dr. Haussmann
Dr. Hirsch
Hoffie
Hoppe
Kleinert (Hannover)
Kohn
Dr.-Ing. Laermann
Möllemann
Neuhausen
Paintner
Ronneburger
Dr. Rumpf
Frau Dr. Segall
Frau Seiler-Albring
Dr. Solms
Dr. Weng
DIE GRÜNEN
Auhagen
Frau Borgmann
Bueb
Frau Dann
Frau Eid
Frau Hönes
Lange
Mann
Dr. Müller (Bremen)
Dr. Schierholz
Schmidt (Hamburg-
Neustadt)
Schulte (Menden)
Senfft
Ströbele
Suhr
Tatge
Vogel (München)
Volmer
Frau Wagner
Werner (Dierstorf)
Werner (Westerland)
Frau Zeitler
fraktionslos
Voigt (Sonthofen)
Enthalten
FDP
Frau Dr. Hamm-Brücher
Schäfer (Mainz)
DIE GRÜNEN
Kleinert (Marburg)
Schily
fraktionslos
Bastian
Der Antrag ist damit abgelehnt.
Ich rufe die Tagesordnungspunkte 3 a und 3 b
auf:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Dritten Gesetzes zur Änderung des
Hochschulrahmengesetzes
— Drucksache 10/2883 —
Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Bildung und Wissenschaft
(19. Ausschuß)
— Drucksache 10/3751 —
Berichterstatter:
Abgeordnete Frau Dr. Wisniewski
Kuhlwein
Neuhausen
Frau Zeitler
(Erste Beratung 123. Sitzung)
b) Beratung der Unterrichtung durch die
Bundesregierung Bericht der Bundesregierung
„Hochschulpolitische Zielsetzungen der
Bundesregierung und Förderung der
Drittmittelforschung"
— Drucksachel0/3782 —
Überweisungsvorschlag des Ältestenrates:
Ausschuß für Bildung und Wissenschaft (federführend)
Auswärtiger Ausschuß
Innenausschuß
Ausschuß für Wirtschaft
Ausschuß für Arbeit und Sozialordnung
Ausschuß für Jugend, Familie und Gesundheit
Ausschuß für Forschung und Technologie
Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit
Haushaltsausschuß
Zu Tagesordnungspunkt 3 a liegen
Entschließungsanträge der Fraktion der GRÜNEN auf
Drucksache 10/3869, der Fraktion der SPD auf
Drucksache 10/3884 und den Fraktionen der CDU/
CSU und der FDP auf Drucksache 10/3891 vor.
Außerdem liegen ein Änderungsantrag der Fraktion
der SPD auf Drucksache 10/3883 und ein
Änderungsantrag der Frau Abgeordneten Dr. Hamm-
Brücher auf Drucksache 10/3886 vor.
Meine Damen und Herren, nach einer
Vereinbarung im Ältestenrat sind eine gemeinsame
Beratung der Tagesordnungspunkte 3 a und 3 b und eine
Aussprache von zweieinhalb Stunden vorgesehen.
Hierzu liegt eine Wortmeldung der Abgeordneten
Frau Dr. Hamm-Brücher vor. Ich erteile Ihnen das
Wort zur Geschäftsordnung, Frau Dr. Hamm-
Brücher.
Frau Dr. Hamm-Brücher (FDP): Herr Präsident!
Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte zur
Geschäftsordnung beantragen, die für die
Fraktionsredner bereits verplante Redezeit von zweieinhalb
Stunden um eine halbe Stunde für mögliche und
freie Wortmeldungen zu verlängern, so wie das im
Bericht der Ad-hoc-Kommission Parlamentsreform
zur Belebung der Debatten und zur Gewährleistung
des Rederechts des Abgeordneten empfohlen wird.
In der Begründung dieser Empfehlung heißt es —
ich darf zitieren —:
Das Rederecht ist ein Grundrecht des
Abgeordneten gemäß Artikel 38 Abs. 1 GG. Die
Redeordnung soll diesem Recht Rechnung tragen.
Deshalb empfiehlt die Kommission,
Möglichkeiten zu schaffen, innerhalb der insgesamt
knappen Debattendauer möglichst vielen
Abgeordneten Redechancen einzuräumen und so
auch zu einer Verlebendigung der Aussprachen
beizutragen.
Später heißt es:
Durch die feste Verplanung der Redezeit ist es
nicht immer möglich, spontane Wortmeldungen
und entsprechende kurze Rede- und
Gegenredebeiträge zu berücksichtigen. Eine Folge
dieser Praxis im Bundestag ist, daß das
verfassungsrechtlich gewährleistete Rederecht des
einzelnen Abgeordneten — das durch
Redevereinbarungen zwischen den Fraktionen im Kern
nicht angetastet werden darf — sich
weitgehend auf geplante, schriftlich vorbereitete
Beiträge der jeweiligen Sprecher der Fraktionen
konzentriert hat. Nicht zuletzt darin wird ein
Grund für mangelndes Interesse der
Öffentlichkeit und nicht selten geringe Präsenz der
Abgeordneten im Plenarsaal gesehen.
Meine sehr geehrten lieben Kolleginnen und
Kollegen, ich möchte Sie bitten, daß wir von dieser
einsichtigen Empfehlung anläßlich der verbundenen
Debatte, die vorgeschlagen wurde, erstmalig Gebrauch
machen. Ich nenne Ihnen hierfür neben den bereits
erwähnten grundsätzlichen Erwägungen, auf den
Verhandlungsgegenstand bezogen, folgende Gründe.
Der Bundestag debattiert vergleichsweise selten
über hochschulpolitische Grundsatzfragen. Das heißt,
er nützt seine ohnehin wenigen Kompetenzen und die
ihm im Laufe der Jahre zugewachsene
Sachkompetenz selten und macht seine gesamtstaatliche
Verantwortung selten geltend. Das gilt insbesondere auch im
Hinblick auf die Probleme, die der europäischen und
internationalen hochschulpolitischen
Zusammenarbeit gelten, die zweifelsfrei in die ureigenste
Bundeszuständigkeit fallen.
Nun haben wir hier und heute die Gelegenheit,
beides miteinander zu verbinden: eine freie Aussprache
und eine erweiterte Redezeit, um unserer Kompetenz
im Hochschulbereich Ausdruck zu verleihen. Ich
meine, wir sollten sie nützen, meine lieben Kolleginnen
und Kollegen, und, falls dies überhaupt nötig ist, auch
über den Schatten unserer Fraktionsgeschäftsführer
hinwegspringen. Denn es geht einfach darum, meine
Damen und Herren, ob wir als Abgeordnete nicht
auch das Recht haben, in Debatten den Beitrag zu
leisten, den wir für nötig halten.
Vielen Dank.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Zur Geschäftsordnung
hat das Wort Herr Abgeordneter Seiters.
Seiters (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Wir haben im Ältestenrat eine
Vereinbarung getroffen, in der wir die Debattenzeit
auf zweieinhalb Stunden festgelegt haben. Es ist
immer schwierig, für die zur Verfügung stehende
Zeit die Plenarsitzungen zu gestalten und dabei alle
Redewünsche aller politischen Gruppierungen im
Bundestag zu berücksichtigen. Es ist immer ein
Kompromiß. Es liegt im Interesse aller Kollegen
des Hauses, daß sie sich auf die im Ältestenrat
vereinbarten Zeiten verlassen können.
Ich möchte mich, Frau Kollegin Dr. Hamm-
Brücher, auch im Namen aller, wie ich glaube, im
Ältestenrat mitwirkenden Kollegen gegen den bei
Ihnen anklingenden Vorwurf wehren, daß wir
angeblich die Rechte der einzelnen Abgeordneten nicht
genügend berücksichtigten oder den
Reformüberlegungen zur Gestaltung der Plenardebatte nicht
offen gegenüberstünden.
(Mann [GRÜNE]: An Ihren Taten werden
wir Sie messen!)
Der Ältestenrat hat eine Reihe der Vorschläge der
Adhoc-Kommission Parlamentsreform bereits
übernommen und begonnen, sie in die Praxis umzusetzen.
Wenn Sie sich jetzt auf die Ergebnisse der Ad-hoc-
Kommission berufen, dann sollten Sie klarstellen, daß
Ihr heutiger Antrag eben nur einer von zahlreichen
Vorschlägen ist, der ausdrücklich noch nicht in die
Praxis umgesetzt werden sollte, weil wir uns mit ihm
im Ältestenrat und auch im Plenum, und zwar in
diesen kommenden Wochen, auseinandersetzen wollen.
Wir sollten jetzt nicht an Hand von
Geschäftsordnungsanträgen diese Debatte vorwegnehmen.
Lassen Sie mich, Frau Kollegin Dr. Hamm-
Brücher, Ihnen in aller Ruhe auch folgendes zu
bedenken geben. Eine Reform unseres parlamentarischen
Verfahrens kann nur gelingen, wenn sie von der
Zustimmung aller oder doch der meisten Kollegen
bejaht und getragen wird. Reformüberlegungen
können nicht von einzelnen Mitgliedern des Hauses
den anderen Kollegen gewissermaßen ohne
vorherige Debatte aufgezwungen werden.
Verehrte Frau Kollegin, Sie schaden Ihren
Überlegungen mehr als Sie ihnen nützen, wenn Sie es
unternehmen, die Mehrzahl Ihrer Kollegen damit
zum unpassenden Zeitpunkt zu strapazieren.
(Dr.-Ing. Kansy [CDU/CSU]: Sie profiliert
sich zu Lasten der Truppe! — Mann [GRÜ
-
NE]: Oberlehrer! — Ströbele [GRÜNE]:
Lassen wir alles beim alten!)
Ich sage dies aus einem ganz bestimmen Grunde,
den ich auch nennen will: Frau Kollegin Hamm-
Brücher, ich möchte nicht verschweigen, daß Sie
Gefahr laufen, dies bereits jetzt schon zu tun. Bei
mir haben sich Kollegen des Deutschen
Bundestages darüber beklagt — ich höre diese Stimmen
auch aus anderen Fraktionen —, daß sie sich, ohne
es zu wissen, überraschend in einer
Bundestagsdrucksache namentlich als Initiatoren eines
Reformvorschlages aufgeführt wiederfanden, von
Ihnen eingebracht beim Parlamentspräsidenten,
obgleich die Kollegen vorher nicht über diese
Benutzung ihrer Unterschrift informiert worden waren.
(Sehr richtig! bei der CDU/CSU)
Wie ich höre, hat Sie der Bundestagspräsident auch
auf diesen Vorgang, der im Ältestenrat zur Sprache
gekommen ist, angesprochen.
(Zuruf von der CDU/CSU: Das ist die
Wahrheit!)
Deswegen sage ich: Die Reformüberlegungen in der
Parlamentsarbeit gehen uns alle an. Niemand sollte
versuchen, sich in Einzelaktionen zu profilieren.
(Zuruf von den GRÜNEN: Ein bißchen
Profil tut halt gut!)
Wir sind zu einer sachlichen Diskussion aller
Vorschläge im Ältestenrat und im Plenum bereit. Es
gibt keinen Grund, jetzt in Hektik und Eile,
unüberlegt und mit Krampf ein Teilstück der Diskussion,
die wir noch zu führen haben, vorwegzunehmen.
Deswegen lehnen wir heute Ihren Antrag ab.
(Beifall bei der CDU/CSU und bei
Abgeordneten der FDP — Zuruf von der SPD: Sehr
gut! Die redet von „uns" und denkt an
sich!)
Präsident Dr. Jenninger: Zur Geschäftsordnung
hat das Wort Herr Abgeordneter Porzner.
Porzner (SPD): Herr Präsident! Meine verehrten
Damen und Herren! Verehrte Frau Kollegin Dr.
Hamm-Brücher, ich habe Sie schon als Schüler
anfangs der 50er Jahre als streitbare Abgeordnete im
Bayerischen Landtag bewundert. Deswegen fällt es
mir schwer, Ihnen zu widersprechen.
Ich brauche die Argumente nicht zu wiederholen,
die Herr Seiters vorgetragen hat, weil ich ihm
zustimme und weil Herr Seiters in aller Ruhe
dargelegt hat, wie wir uns im Ältestenrat darüber
verständigt haben, daß wir und wann wir über die
Dinge reden werden, von denen Sie einen Punkt
hier vorziehen wollen.
Jetzt aber noch zum Tagesordnungspunkt selbst.
Die Redner meiner Fraktion, die sich vorbereitet
haben und heute sprechen werden — es steht mir
nicht an, jemanden zu qualifizieren oder zu
disqualifizieren, weil er sich auch im Auftrag meiner
Fraktion vielleicht sorgfältig auf eine Debatte
vorbereitet — sind freie Abgeordnete.
(Beifall bei der SPD)
Weil Sie von freien Wortmeldungen reden: Es
handelt sich auch um freie Wortmeldungen. Es handelt
sich um Wünsche von Kollegen, die sprechen
wollen, die von den Dingen etwas verstehen, über die
sie reden. Wenn Sie von freien Wortmeldungen
reden, entsteht für mich der Eindruck, als ob Sie von
nicht ganz freien Wortmeldungen sprechen, weil sie
im Namen und auch mit der Zustimmung der SPD-
Fraktion erfolgen. Das ist das eine.
Ein Zweites: Wir haben für die heutige Debatte vier
Redner vorgesehen. Es ist eine relativ kurze Debatte.
Das sind viele Redner. Da andere Fraktionen auch
mehrere Redner zu Wort kommen lassen und
beauftragt haben, wird es eine sehr bunte Debatte sein im
Sinne der Wünsche des Ältestenrates und des ganzen
Parlamentes, wie wir es damals im Herbst
vergangenen Jahres im Bundestag besprochen haben.
Ein Drittes: Sie sprechen von der gesamtstaatlichen
Verantwortung. Weil wir diese gesamtstaatliche
Verantwortung genauso ernst nehmen wie Sie, haben wir
unsere Kollegen gebeten, sich auf das Thema
sorgfältig vorzubereiten. Das haben sie getan. Die Kollegen
nehmen damit ihre gesamtstaatliche Verantwortung,
wie Sie es ausdrücken, wahr. Ich verwahre mich
gegen den Vorwurf, daß die Kollegen dies vielleicht in
einem geringeren Maße täten als jene, die in einer
sogenannten freien Runde sprechen sollen.
(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten
der CDU/CSU und der FDP — Zuruf von
der CDU/CSU: Frau Hamm-Brücher hört
j a gar nicht zu!)
Ich bitte also darum, heute so zu verfahren, wie der
Ältestenrat es einvernehmlich vorgeschlagen hat —
denn dort gibt es, was den Ablauf der Plenarsitzungen
betrifft, nur einvernehmliche Regelungen —, und alles
das, was wir miteinander diskutieren wollen, in Kürze
zu diskutieren und dann, falls wir uns dazu
entschließen sollten, Konsequenzen für die Geschäftsordnung
des Deutschen Bundestages zu ziehen.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und bei
Abgeordneten der FDP)
Präsident Dr. Jenninger: Zur Geschäftsordnung
erteile ich das Wort dem Abgeordneten Beckmann.
Beckmann (FDP): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Die FDP-Fraktion hat für
den Antrag der Frau Kollegin Dr. Hamm-Brücher
wenig Verständnis. Wir respektieren und achten ihren
unermüdlichen Einsatz in den letzten Monaten, zu
einer Parlamentsreform zu kommen, die uns allen
bessere Gestaltungs- und Arbeitsmöglichkeiten gibt.
Hierzu haben auch viele andere Kollegen dieses
Hauses beigetragen. Wir sind hinsichtlich der Debatte
über diese Vorschläge, die wir Ende Oktober/Anfang
November im Deutschen Bundestag zu führen
gedenken, froh und erwartungsvoll.
All unser Sinnen und Trachten in dieser Hinsicht
richtet sich auf diese Auseinandersetzung, auf die
Beratung all der Vorschläge, die so viele Kollegen von
uns mit sehr viel Einsatz erarbeitet haben. Das
umfaßt insbesondere auch den Bericht der Ad-hoc-
Kommission, der einen Vorschlag enthält, den die Frau
Kollegin Hamm-Brücher hier heute zum Antrag
erhoben hat. Das bedeutet das Vorziehen eines Punktes
aus einem Gesamtpaket. Dies halten wir nicht für
sinnvoll. Mit dem gleichen Recht könnten viele
andere Kollegen ankommen und ihre Lieblingsideen zu
jedem anderen Tagesordnungspunkt hier vortragen.
Das halten wir im Sinne eines vernünftig
abzuwikkelnden Parlamentarismus nicht für richtig.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Meine Damen und Herren, wir bitten auch die
Frau Kollegin Hamm-Brücher um Verständnis, daß
die Geschäftsordnung ein Instrument ist, das uns
allen die Freiheit unseres parlamentarischen
Lebens regelt, aber so regelt, daß niemand zu kurz
kommt. Im übrigen ist dazu in dem Buch von
Friedrich Schäfer über den Deutschen Bundestag sehr
viel nachzulesen, in dem er sich mit der Rolle des
einzelnen als mehrheitsbildendes Element in der
Demokratie auseinandersetzt.
Ich will es kurz machen; die meisten Argumente
sind von meinen Kollegen Vorrednern hier schon
eindrucksvoll dargebracht worden. Ich darf
feststellen: Die Geschäftsordnung des Deutschen
Bundestages, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen
und Kollegen, ist kein Hühnerhof, auf dem alle wild
durcheinanderlaufen können.
(Dr. Möller [CDU/CSU]: Das paßt genau
auf Frau Hamm-Brücher! — Weitere
Zurufe von der CDU/CSU)
Deshalb hat sich das Parlament diese
Geschäftsordnung gegeben, an die wir uns bis zu ihrer Änderung
auch halten wollen. Auch der Parlamentarismus
braucht seine Ordnung.
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Frau Hönes [GRÜNE:]: Das ist eine
Hackordnung!)
Präsident Dr. Jenninger: Zur Geschäftsordnung
hat das Wort der Abgeordnete Mann.
(Daweke [CDU/CSU]: Heute mit
gebügelten Hosen!)
Mann (GRÜNE): Verehrte Kolleginnen und
Kollegen! Vor allen Dingen: Verehrte Frau Kollegin
Hamm-Brücher! Ich bewundere Sie in der Tat
auch
(Zuruf von der CDU/CSU: Wir bewundern Sie!)
— anders als der Kollege Porzner —, ich der ich Sie
im Bayerischen Landtag nicht erleben konnte, daß
Sie nach so langer Zeit in diesem Parlament auch
heute noch den Mut
(Seiters [CDU/CSU]: Mut?)
und die Zivilcourage, die Liberale, Herr Beckmann,
insgesamt auszeichnen sollte, aufbringen,
(Seiters [CDU/CSU]: Nennen Sie das Mut?)
in diesem erstarrten Parlament für Reformen
hinsichtlich unserer Arbeitsweise einzutreten.
(Beifall bei den GRÜNEN — Zurufe von
der CDU/CSU: Gehen Sie doch raus!
Erstarrt sind Sie! — Dr.-Ing. Kansy [CDU/
CSU]: Als sie Staatsministerin war, hat sie
nicht so geredet!)
Ich möchte Sie aus der Sicht unserer Fraktion als
der jüngsten Fraktion hier im Hause fragen, Herr
Seiters, Herr Porzner und Frau Dr. Timm: Warum
denn diese Aufgeregtheit im Hühner- oder auch
Hähnehof? Parlamentsreform ist eine ständige
Aufgabe, und deswegen kann man die Einhaltung von
notwendigen Spielregeln sehr wohl mit der
Notwendigkeit verbinden, auch einmal initiativ zu werden
und Dinge zu erproben, die Sie hier disqualifizieren,
indem Sie sagen, da werde ein Teil aus einem
Gesamtpaket herausgenommen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Warum haben Sie denn, meine Herren, vor allen
Dingen von den Fraktionsgeschäftsführungen,
diese Angst vor dem einzelnen Abgeordneten, der
— wie ich hier — spontan, nicht als
Parlamentarischer Geschäftsführer
(Zuruf des Abg. Bohl [CDU/CSU])
— Herr Bohl, Sie können j a auch noch reden —, zur
Sache redet? Warum haben Sie denn diese Angst?
Wir nehmen unsere gesamtstaatliche
Verantwortung, bitte schön, genauso wahr wie Fraktionen, die
mit dem Mittel des Fraktionszwangs oder —
vornehm formuliert — der Fraktionsdisziplin ständig
versuchen, abweichende Meinungen zu gängeln
und zu unterdrücken.
(Beifall bei den GRÜNEN — Bohl [CDU/
CSU]: Warum denn so aufgeregt?)
Zur Sache unterstützen deswegen, soweit ich das
sehe, die hier anwesenden GRÜNEN-Abgeordneten
alle — —
(Daweke [CDU/CSU]: Alle fünf?)
— Wie viele sind Sie denn im Verhältnis? Wir
werden noch mehr, Herr Seiters, warten Sie nur ab!
Wir unterstützen den Antrag der Kollegin Hamm-
Brücher, und zwar auch aus sachlichen Gründen.
Ich glaube, das Problem der Hochschulen ist so
wichtig, daß nicht nur diejenigen Redner und
Rednerinnen, die vorher von der Fraktion benannt
worden sind, sondern auch einzelne, die meinen, nach
Ende der Debatte noch etwas sagen zu sollen — das
kann in aller Kürze und Prägnanz geschehen —,
hier ihre Meinung kundtun sollten. Wenn Sie
wirklich für parlamentarische Meinungsfreiheit sind,
müßten Sie hier einmal anders abstimmen. Aber
Sie werden mit dem geheimen Fraktionszwang, mit
der Schere im Kopf, mit der Angst vor Ihren
Büroterminen und ähnlichem abstimmen und diesen
Antrag ablehnen. Und da sehen wir heute schon,
wie ernst Ihnen Parlamentsreform ist.
(Seiters [CDU/CSU]: Ein bißchen tiefer hängen!)
Ich möchte noch ein letztes sagen. Bezeichnend
in dem Zusammenhang ist auch, daß draußen vor
diesem Hohen Hause — —
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter, das
gehört nicht zur Sache.
Mann (GRÜNE): Das gehört sehr wohl zur Sache.
Präsident Dr. Jenninger: Nein, das hat mit der
Sache nichts zu tun. Ich mache Sie darauf
aufmerksam: Ich muß Ihnen das Wort entziehen, wenn Sie
hier nicht zur Sache sprechen.
Mann (GRÜNE): Ist mir jetzt das Wort entzogen?
Präsident Dr. Jenninger: Nein. Ich habe Sie aber
zum zweitenmal ermahnt, zur Sache zu sprechen.
Mann (GRÜNE): Ich sehe das anders,
(Zurufe von der CDU/CSU: Ungeheuerlich!
Wo sind wir denn? — Weitere Zurufe von
der CDU/CSU)
aber natürlich, Herr Präsident — —
Präsident Dr. Jenninger: Bitte fahren Sie fort, Herr
Abgeordneter.
(Bohl [CDU/CSU]: Er weiß nichts mehr zur
Sache! — Zuruf von der CDU/CSU: Trinken
Sie mal einen Schluck Wasser!)
Mann (GRÜNE): Vielen Dank für den Tip!
Ich bin jetzt am Ende.
(Heiterkeit und Zustimmung bei der CDU/
CSU)
Herr Beckmann, mir kommen die Tränen: „all
unser Trachten". Wer hat Ihnen das eigentlich
aufgeschrieben?
(Dr. Beckmann [FDP]: Ich habe frei
gesprochen — im Gegensatz zu Ihnen!)
So etwas müssen Sie sich noch aufschreiben: „all
unser Sinnen und Trachten
(Dr.-Ing. Kansy [CDU/CSU]: Verlesen Sie
sich nicht, Herr Kollege!)
zur gesamtstaatlichen Gesamtverantwortung"!
(Zurufe von der CDU/CSU: Sie sind ein
Ableser! — Lesen Sie doch weiter!)
Mir kommen die Tränen.
Diesem Parlament, meine Damen und Herren,
(Anhaltende Zurufe von der CDU/CSU)
würde es gut anstehen, einmal offen, wie Frau
Kollegin Hamm-Brücher das heute versucht hat und
wie auch ich es versuche,
(Dr.-Ing. Kansy [CDU/CSU]: Die hat den
Hinterbänkler erst entdeckt, als sie nicht
mehr Ministerin war!)
über das Spannungsverhältnis des einzelnen
Abgeordneten nach Art. 38 und der Einbindung in
Fraktions- und Parteizwänge zu diskutieren.
(Anhaltende Zurufe von der CDU/CSU)
Aber dazu sind Sie nicht bereit. Sie sind nur dazu in
der Lage, hier laut zu werden, weil Sie nicht mehr
in der Lage sind, die Argumente, die Sie selber oft
am eigenen Leibe gespürt haben, zu artikulieren.
Vielen Dank.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter Mann,
Gegenstand der Beratung war der Antrag der
Kollegin Frau Dr. Hamm-Brücher. Nach unserer
Geschäftsordnung ist es nicht zulässig, daß andere
Fragen in diese Debatte eingeführt werden.
Vorgänge, die sich außerhalb des Hauses vollziehen,
können Sie oder Ihre Fraktion heute beispielsweise in
der Sitzung des Ältestenrates zur Sprache bringen,
nicht aber im Rahmen dieser
Geschäftsordnungsdebatte.
(Mann [GRÜNE]: Aber, Herr Präsident, die
wollen auch in das Haus!)
— Entschuldigung, wenn Sie selbst schon für Ein
-
haltung der Geschäftsordnung appelliert haben,
dann erwarte ich, daß Sie selbst sie auch
einhalten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Meine Damen und Herren, wir kommen zur
Abstimmung. Wer dem Antrag der Abgeordneten Frau
Dr. Hamm-Brücher auf Erweiterung der Redezeit
zuzustimmen wünscht, den bitte ich um ein
Handzeichen. — Enthaltungen? — Gegenprobe! — Der
Antrag ist abgelehnt.
Sind Sie mit der genannten Vereinbarung im
Ältestenrat einverstanden? — Ich sehe keinen
Widerspruch. — Dann ist so beschlossen.
Wird das Wort zur Berichterstattung gewünscht?
— Das ist nicht der Fall.
Ich eröffne die allgemeine Aussprache. Das Wort
hat die Abgeordnete Frau Dr. Wisniewski.
(Vorsitz: Vizepräsident Stücklen)
Frau Dr. Wisniewski (CDU/CSU): Herr Präsident!
Meine Damen und Herren! Ich denke, die
Hochschulen haben es verdient, daß wir uns in Ruhe mit
der Sache auseinandersetzen.
Als Wilhelm von Humboldt im Jahr 1810 die
Berliner Universität gründete, gab es in ganz
Deutschland ungefähr 5 000 Studierende. 1950 waren es
allein im Gebiet der Bundesrepublik etwa 100 000,
und heute sind mehr als eine Million, nämlich
1,27 Millionen Studierende im Bundesgebiet zu
verzeichnen. Es hat sich so etwas wie eine „stille
Revolution" vollzogen. Immer mehr junge Menschen der
verschiedensten Bevölkerungsgruppen drängten in
die Einrichtungen des sekundären und tertiären
Bildungsbereichs.
Die Kardinalfrage war und ist, wie es möglich ist,
die akademische Ausbildung in Massenfächern so
zu gestalten, daß die Qualität von Forschung und
Lehre nicht leidet.
Die staatlichen Stellen in Bund und Ländern
antworteten — und dies muß man dankbar immer
wieder feststellen — auf die Zunahme der
Studentenzahlen mit dem quantitativen Ausbau des
Hochschulwesens. Sie antworteten aber auch durch neue
Rechtsvorschriften für Organisationsstrukturen,
die 1976 im Hochschulrahmengesetz ihren
signifikanten Ausdruck fanden.
Vielfach wurde damals geglaubt, daß
Hochschulen in einem demokratischen Staat und im
Zeitalter des Massenstudiums anders als in
vergangenen Zeiten strukturiert sein müßten. Heute kann
festgestellt werden, daß dies jedenfalls teilweise ein
Irrtum war. Die Leistungsfähigkeit der
Hochschulen wird auch bei einer großen Zahl von
Studenten, Professoren und wissenschaftlichen
Mitarbeitern am besten erhalten, wenn ihnen nicht eine
wissenschaftsfremde Struktur in Angleichung an
das Parteienwesen gegeben wird, sondern wenn sie
eine Organisationsstruktur aufweisen, die
Forschung und Lehre angemessen ist. Das heißt im
wesentlichen, daß in erster Linie diejenigen, die
durch Habilitation und durch Berufung auf eine
Professur qualifiziert sind, in allen
Angelegenheiten von Forschung und Lehre hauptsächliche oder
alleinige Entscheidungsträger sein müssen, ohne
daß dabei das Prinzip der Teilhabe aller Mitglieder
der Hochschule an der Willensbildung nach
Maßgabe ihrer Qualifikation aufgegeben wird.
Das heute zur abschließenden Beratung
anstehende Gesetz zur Änderung des
Hochschulrahmengesetzes geht von diesem Grundsatz aus. Er ist ja
inzwischen auch verfassungsgerichtlich
festgeschrieben worden.
Der Bericht „Hochschulpolitische Zielsetzungen
der Bundesregierung und Förderung der
Drittmittelforschung", der heute ebenfalls zur Beratung
steht, stellt das Gesetz in den
Gesamtzusammenhang der Hochschulpolitik dieser Regierung.
Der Ausschuß für Bildung und Wissenschaft hat
auf der Grundlage des Regierungsentwurfs die
Gesetzesvorlage beraten und in einigen Punkten
modifiziert.
Mit dieser Novellierung — das sei festgehalten —
sind keineswegs alle Probleme der Hochschulen
und besonders der sogenannten Massenfächer zu
lösen. Das kann ein Rahmengesetz nicht leisten.
Aber es sind die entscheidenden Weichen für eine
innere gute Weiterentwicklung der Hochschulen in
den nächsten Jahrzehnten gestellt.
Die Ziele der Novellierung sind bekannt. Einige
Punkte sollen erwähnt werden:
Erstens. Die Differenzierung des
Hochschulsystems soll die Profilierung und Entfaltung
eigenständiger Hochschulen und damit den Wettbewerb
untereinander fördern. Der Ausschuß hat deswegen
im Eingangsparagraphen ausdrücklich alle
Hochschularten genannt. Es ist mittlerweile bekannt,
daß die immer wiederholte Behauptung,
Gesamthochschulen seien nun nicht mehr möglich, ins
Reich der Polemik gehört. Man sollte sie nicht
wiederholen.
Zweitens. Die Verantwortung der Hochschulen
für die Gestaltung des Studiums wird gestärkt und
sozusagen zur Aufgabe der Basis gemacht, statt daß
eine Reglementierung von oben durch sogenannte
Studienreformkommissionen weitergeführt wird.
Dementsprechend sollen auch Studienordnungen
weitgehend Sache der Hochschulen sein.
Um der leider hochgespielten Befürchtung
entgegenzutreten, daß durch die Einrichtung von neuen
Studiengängen mit hochschuleigenem
Zulassungsverfahren eine „Eliteförderung", wie man sagt, auf
Kosten der „Breitenförderung" etabliert werden
solle, hat der Ausschuß darauf verzichtet, eine eigene
Kapazitätsregelung für solche Studiengänge im
Gesetz vorzuschreiben.
Drittens. Eine der schwierigsten Aufgaben für
den Gesetzgeber wie für den einzelnen
Verantwortlichen am Ort ist die Sorge für das
wissenschaftliche Niveau einer Hochschule. Das Gemeinwohl im
Auge zu haben und es nach bestem Wissen zu
wahren, erfordert bisweilen harte und im Einzelfall
bedrückende Entscheidungen. In dieser
Gesetzesnovelle kommt der Wille, zum Wohl aller zu wirken
und nicht in billigem Anbiedern bisweilen lautstark
vorgetragenen Forderungen nachzugeben, vor
allem in der Stärkung der Fachkompetenz und in der
Verpflichtung zur persönlichen Mitwirkung der
einzelnen Professoren zum Ausdruck, denen eine
wissenschaftliche Disziplin zur Pflege anvertraut
wurde.
In der Ausschußfassung ist dieses Anliegen
gegenüber dem Regierungsentwurf noch verstärkt
worden. Die Mitwirkung aller Professoren im
Fachbereichsrat von Amts wegen ist auch auf das
Habilitationsverfahren selbst ausgedehnt worden, und
dies ist für das Niveau einer Hochschule von
entscheidender Bedeutung. Das ist also keine
„Schwächung des Gruppenprinzips", wie man bisweilen
hört, oder gar eine „Entdemokratisierung der
Hochschulen durch Verschärfung der
Habilitationsanforderungen", sondern das ist eine notwendige
Klarstellung der Verantwortung des wissenschaftlich
ausgewiesenen Fachvertreters für die Qualität des
wissenschaftlichen Nachwuchses in dem ihm
anvertrauten Wissenschaftsbereich.
Außerdem ist es gemäß einer Erhebung des
Allensbacher Instituts eine geradezu
wissenschaftsfeindliche Begleiterscheinung des
Repräsentationsprinzips für Professoren, daß die unverzichtbar
notwendige Kommunikation der Wissenschaftler
untereinander ungemein erschwert, j a zerstört wird.
Schon Humboldt forderte: „Da aber auch das
geistige Wirken in der Menschheit nur als
Zusammenwirken gedeiht, ... muß die innere Organisation
dieser Anstalten ein ununterbrochenes, sich immer
wieder selbst belebendes, aber ungezwungenes und
absichtsloses Zusammenwirken hervorbringen und
unterhalten."
(Zustimmung des Abg. Kroll-Schlüter
[CDU/CSU])
Die Länderparlamente sind dringend gebeten, in
den Landesgesetzen diesem
wissenschaftsförderlichen Prinzip dadurch mehr Geltung zu verschaffen,
daß sie die Fachbereiche wieder als große,
interdisziplinäre Gremien gestalten, die im Alltag der
Wissenschaftsverwaltung die selbstverständliche
Kommunikation von Professoren der
unterschiedlichsten Fächer ermöglichen. Diesem Anliegen konnte
in dem Rahmengesetz nicht Raum gegeben
werden.
Die Sorge für das wissenschaftliche Niveau der
Hochschule ist auch Grundlage dafür, daß die
Leitung der Hochschule anders geregelt wird als
bisher. Mehrere Lösungen wären denkbar. Der
Ausschuß entschied sich schließlich dafür, daß im
zentralen Kollegialorgan, das die Hochschulleitung
wählt und das die Grundordnung der Hochschule
erläßt, die Professoren die absolute Mehrheit
haben, alle Gruppen aber vertreten sind.
(Ströbele [GRÜNE]: Alles wieder zurückge
-
dreht wird!)
Von einer darüber hinausgehenden Regelung, daß
im Stichentscheid die Mehrheit in der
Professorengruppe allein den Ausschlag gibt, wurde
abgesehen.
Viertens. Im Mittelpunkt der Novelle steht die
Änderung der Personalstruktur. Auch hier gilt das
Prinzip der Sorge für das Niveau der Hochschulen,
aber auch der Vorsorge für die Chancen der
kommenden Generationen. Für den wissenschaftlichen
Nachwuchs ist weitgehend am Prinzip der
Zeitstellen festgehalten worden; aber Leistungsanteil und
Risikobereitschaft der Nachwuchswissenschaftler
dürfen nicht überstrapaziert werden. Die
Einrichtung von Stellen für Habilitierte und besonders die
in Ausnahmefällen auf Lebenszeit vergebbare
Hochschuldozentur dienen diesem Ziel. Aber auch
die in der Ausschußfassung neu in das Gesetz
hineingekommenen Lockerungen der starren
Befristungen für Zeitbeamte und Zeitangestellte bei
Tätigkeit im Ausland, wegen Mutterschaft oder
Kinder- bzw. Altenpflege, für Zeiten des Grund-, Wehr-
und Zivildienstes sind in diesem Zusammenhang zu
sehen.
Fünftens. Die Neuordnung der Personalstruktur
und, wie ich meine, die verbesserten Möglichkeiten,
Stellen für wissenschaftliches Personal durch
Drittmittel zu schaffen, sind nach Ansicht der CDU/
CSU-Bundestagsfraktion ganz besonders dazu
angetan, das nun von keinem wohl mehr geleugnete
Phänomen der Unterrepräsentanz von Frauen
unter den Hochschullehrern allmählich zu beseitigen.
An herausragender Stelle, gleich zu Beginn in § 2,
erscheint als Vorschrift, liebe Frau Hamm-Brücher,
und als Handlungsmaxime — es steht extra so im
Bericht — folgender Text:
„Die Hochschulen wirken bei der
Wahrnehmung ihrer Aufgaben auf die Beseitigung der
für Wissenschaftlerinnen bestehenden
Nachteile hin."
Ich denke, hier ist ein gesetzgeberischer
Durchbruch erfolgt trotz vielfacher administrativer
Bedenken. Ich meine, daß wir unserer
Wissenschaftsministerin und unserem Ausschuß dankbar sein
müssen für das Durchsetzen dieser für die Frauen
ungemein wichtigen Gesetzespassage.
(Lachen bei der SPD)
Wie es einem Rahmengesetz entspricht, bleibt es
den Ländern überlassen, die Instrumente zur
Verwirklichung dieses Globalauftrags zu wählen. Von
der Einsetzung von Frauenbeauftragten über
Berichtspflicht der Rektoren bis zu Förderungsplänen
und — wenn gewünscht und vertretbar —
Regelungen für den Frauenanteil an Stellen des
öffentlichen Dienstes sind Maßnahmen denkbar und vom
Rahmengesetz her möglich.
Alles in allem: Die Novellierung des
Hochschulrahmengesetzes wird sich auf die Hochschulen
positiv auswirken. Sie ist von der Sache her
gerechtfertigt. Deshalb wird sie allen Ländern, auch den
SPD-geführten Ländern, die Möglichkeit geben,
ihre Hochschulen so zu gestalten, daß sie das in
Zukunft besser tun können, was ihre Aufgabe ist —
ich sage es ganz schlicht —: wissenschaftlich zu
arbeiten und dafür möglichst viel Zeit und Kraft zur
Verfügung zu haben.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird dem
Gesetzesvorhaben zustimmen, und sie wird die
Änderungsanträge der Opposition sowie — leider — den
Antrag von Frau Hamm-Brücher ablehnen. Ich
bitte um Zustimmung zum Antrag der
Regierungsfraktionen, der das Bestreben verdeutlicht, die
Hochschulforschung durch mehr Anreize für
Selbständigkeit zu stärken.
Zum Schluß danke ich allen, die zum Gelingen
dieses Gesetzes beigetragen haben. Ich glaube, das
darf ich auch im Namen vieler
Hochschulangehöriger sagen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Kuhlwein.
Kuhlwein (SPD): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Es ist schade, daß der
Kollege Mann nicht mehr im Saal ist. Ich hätte ihm
gern mal vorgeführt, wie ein freigewählter
Abgeordneter hier redet. Aber sein Interesse an
Hochschulpolitik reichte offensichtlich über die
Geschäftsordnungsdebatte heute morgen nicht
hinaus.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der
FDP)
Meine sehr verehrten Damen und Herren, die
Bundesregierung will mit der Verabschiedung der
Novelle zum Hochschulrahmengesetz die Wende
nun auch für die deutschen Hochschulen einläuten.
Statt daß sie aus den Erfahrungen in anderen
Bereichen der Gesellschaft gelernt hätte, wo blinder
Wendeeifer erheblichen Flurschaden angerichtet
hat,
(Daweke [CDU/CSU]: „Blinder
Wendeeifer", das ist ja so einfach!)
sollen jetzt auch noch die Hochschulen
neokonservativ auf Vordermann gebracht werden.
(Daweke [CDU/CSU]: Das glauben Sie
doch selber nicht!)
Offenbar bemessen sich die Erfolge dieser
Regierung nur noch nach der Zahl der beschlossenen
Vorhaben und nicht mehr nach deren Qualität.
Folglich wird dann jedes beschlossene Gesetz als
Sieg abgebucht, ganz gleich, welche
gesellschaftlichen Reibungsverluste und Konflikte damit
verursacht werden.
Der Feuereifer, mit dem die Koalition die
Totalrevision des HRG von 1976 betrieben hat, hat die
Ausschußberatungen im Frühsommer leider zur Farce
gemacht. Ganze sechs Sitzungen standen zur
Gesetzesberatung zur Verfügung. Wichtige Anhörungen
konnten nicht mehr ausgewertet werden. Eine
gründliche Prüfung von 41 Änderungsanträgen zum
Regierungsentwurf innerhalb einer Woche war
völlig ausgeschlossen. Was hier auch interessieren
wird, ein Antrag auf öffentliche Sitzung bei der
abschließenden Beratung, den wir gestellt haben,
nachdem der Präsident dieses Verfahren
empfohlen hatte, wurde von der Regierungsmehrheit
ebenfalls abgelehnt. Warum, Herr Kollege Daweke,
laden Sie eigentlich Sachverständige zur Anhörung
ein, wenn Sie nicht annähernd bereit sind, Ände
-
rungsvorschläge auch nur zur Kenntnis zu
nehmen?
(Daweke [CDU/CSU]: Das haben wir doch
alles umgesetzt!)
Sie haben Ihre Sorgfaltspflicht als Abgeordnete
vernachlässigt, und Sie haben uns das Recht der
Opposition beschnitten, alle vorliegenden
Vorschläge gründlich aufzuarbeiten.
(Zustimmung bei der SPD)
Sie werden die Folgen dieses Schnellverfahrens zu
spüren bekommen.
Die Anhörungen haben gezeigt, daß diese HRG-
Novelle nur von einer Gruppe im Hochschulbereich
uneingeschränkt begrüßt wird, und das sind
diejenigen, die noch immer glauben, der Professorentitel
sei der Nachweis für höhere Einsichten und
berechtige von daher zu Privilegien und Machtausübung.
(Zuruf von den GRÜNEN: Genau!)
Viele Professoren und alle anderen Gruppen, die an
den Hochschulen arbeiten und lernen, haben Ihre
Novelle kritisch auseinandergenommen und
abgelehnt. Die Gewerkschaften haben dies nicht nur im
Interesse ihrer Mitglieder an den Hochschulen
getan, sondern auch, weil sie verhängnisvolle
Entwicklungen für die Beziehungen zwischen
Hochschule und Gesellschaft voraussehen.
(Daweke [CDU/CSU]: Vor allem zwischen
Neuer Heimat und Hochschulen!)
In Bonn haben im Juni 40 000 Studenten gegen die
Novelle demonstriert.
(Zustimmung des Abg. Senfft [GRÜNE])
Kein Senat irgendeiner Hochschule in der
Bundesrepublik hat ein positives Votum zum Entwurf
abgegeben, aber es gab eine Fülle von negativen
Stellungnahmen.
Meine Damen und Herren, die Leitidee dieses
Gesetzes könnte man auf die Formel bringen:
Vorwärts, zurück in die 50er Jahre!
(Ströbele [GRÜNE]: Genau! — Lachen bei
der CDU/CSU)
Dieses Gesetz will mit vordemokratischen
Machtstrukturen und Hierarchien die Hochschulen zu
unkritischen Agenturen der deutschen Wirtschaft
machen und in den Dienst ihrer, d. h. einer
undifferenzierten Wachstumspolitik stellen.
(Daweke [CDU/CSU]: Wenn das
wenigstens gelingen würde!)
Sie stärken mit dieser Novelle — ich komme jetzt
mit den Belegen, Herr Kollege Daweke — die
Privilegien der Professoren. Sie verschieben die
Mehrheiten in den Gremien. Durch die neue
Personalstruktur stellen Sie alte Abhängigkeiten des
Mittelbaus wieder her. Sie höhlen die Mitwirkungsrechte
der anderen Gruppen an den Hochschulen und
damit die Gruppenuniversität aus. Sie sorgen dafür,
daß vor die Habilitation und die Berufung zum
Professor wieder die Anpassung an herrschende
Lehren gesetzt wird.
Mit dieser HRG-Novelle wird ein Stück
inneruniversitärer Demokratie zerschlagen. Den auf diese
Weise neu geordneten Hochschulen wollen Sie
dann ausgerechnet auch noch die Studienreform
als ständige Aufgabe übertragen; als ob die
Unfähigkeit der Professorenuniversität, sich selbst zu
reformieren, nicht inzwischen hinlänglich erwiesen
wäre.
Sie wollen mit diesem Hochschulrahmengesetz
Eliten fördern. Sie wollen die Hochbegabten durch
Sonderstudiengänge vom Rest der Studenten
separieren. Sie wollen gleichzeitig die Selektion
verschärfen, wie Herr Geißler das bereits für die
Medizinstudiengänge angekündigt hat.
Sie tun das im politischen Zusammenhang mit
der von Ihnen veranlaßten Umstellung der
Ausbildungsförderung für die Studenten auf Volldarlehen
und im Zusammenhang mit dem BAföG-Kahlschlag
— Maßnahmen, die Zehntausenden von jungen
Menschen, vor allem Arbeiterkindern und
Mädchen, die Ausbildungschancen bereits genommen
haben.
(Graf von Waldburg-Zeil [CDU/CSU]:
Quatsch!)
Dabei, Graf Waldburg, müßte doch jedem
einsichtig sein, daß die Höhe der Spitze einer Pyramide
immer auch davon abhängt, wie breit die
Fundamente sind. Im übrigen würde ich Ihnen empfehlen,
nicht die Contenance zu verlieren, Graf Waldburg.
(Daweke [CDU/CSU]: Sagen Sie doch
Baron zu ihm!)
Unser Problem liegt im übrigen nicht darin, daß
wir in Deutschland zu wenig schlaue Köpfe hätten.
Unser Problem liegt doch vielmehr darin, daß sich
diese Elite nur allzu gern von der Gesellschaft
abkapselt und daß sich diese Eliten eben gerade nicht
mit den Problemen der Mehrheit der Menschen
beschäftigen. Diese Tendenzen werden Sie mit Ihren
Sonderstudiengängen und der gesamten HRG-
Novelle zusätzlich fördern.
Sie wollen mit dem Hochschulrahmengesetz die
Hochschulen zu mehr Differenzierung und
Wettbewerb drängen. Sie haben in den Beratungen im
Ausschuß als Beispiel die Gleichwertigkeit, aber
auch die Andersartigkeit der Fachhochschulen
genannt. Im Gesetz selber verweigern Sie den
Fachhochschulen die volle Anerkennung. Sonst hätten
Sie nicht vom Bundesrat die Bestimmung
übernommen, daß künftig Fachhochschuldiplome
bundesweit den Zusatz FH tragen müssen. Sie können die
Fachhochschulen mit noch so vielen Sophistereien
vom angeblich besonderen Gütesiegel FH nicht
über die von Ihnen gewollte Diskriminierung
hinwegtäuschen.
Sie wollen eine Hochschullandschaft, in der sich
über zunehmende Differenzierung durch staatliche
und private Drittmittel Rangfolgen herausbilden
lassen, die letztlich bei rückläufigen
Studentenzahlen in den 90er Jahren zu einer Vernachlässigung
der kleinen und neuen Universitäten und der Fach
-
hochschulen außerhalb der Ballungsräume führen
werden.
Es besteht nämlich die Gefahr, daß die Großen
dann auch bei der Grundausstattung den Rahm
abschöpfen. Sie setzen damit einen der größten
Erfolge sozialliberaler Bildungspolitik aufs Spiel,
nämlich den Erfolg, daß wir überall in der
Bundesrepublik, auch in der Fläche, gut ausgestattete und
leistungsstarke Hochschulen haben und daß wir sie
heute auch dort haben, wo ursprünglich
bildungsferne Bevölkerung und eine schwachentwickelte
Wirtschaftsstruktur zusammenkamen.
Meine Damen und Herren, das bedeutet dann
nicht nur Abschied von der Chancengleichheit, z. B.
für das katholische Mädchen vom Lande, Graf
Waldburg, sondern das bedeutet auch eine
Konzentration von Einrichtungen und Wissenschaftlern
auf die Ballungszentren und eine entsprechende
Austrocknung in der Fläche.
Sie wollen die Hochschulen über erleichterte
Drittmittelforschung zu Forschungslabors für die
deutsche Industrie machen. Sie begründen dies mit
der Notwendigkeit der Verbindung von Forschung
und Lehre und beruflicher Praxis. Damit da keine
Unklarheit entsteht: Dafür sind wir auch. Aber wir
sehen auch die Gefahren einer unkontrollierten
Ausweitung der Drittmittelforschung. Die Folge der
zunehmenden Abhängigkeit von Drittmitteln aus
der Wirtschaft wird nämlich sein, daß in den
Hochschulen selbst nicht mehr darüber nachgedacht
werden kann, wie die Praxis und wie die
Gesellschaft denn auch verändert werden könnten und
müßten,
(Zuruf von der CDU/CSU: Das wollt ihr
j a!)
weil die Wirtschaft aus sich heraus eben gerade
nicht Forschungen mit Fragestellungen finanzieren
wird, wie etwa die Umweltbelastung gemindert
werden kann, wie die Arbeitsplätze humanisiert
werden könnten, wie die Menschen besser als bisher in
die Lage versetzt werden können, die
technologische Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen,
oder wie den Menschen in der Dritten Welt
wirksam geholfen werden kann. All dies wird über
Drittmittel aus der Wirtschaft nicht laufen! Geld aus der
Wirtschaft wird es doch nur dort geben, wo
wenigstens mittelfristig Gewinne zu erwarten sind. Meine
Damen und Herren, nichts wäre verheerender für
die Zukunft der deutschen Forschung, als wenn der
von Ihnen proklamierte Wettbewerb darin
bestünde, welche Hochschule die meisten Mittel aus
Reagans SDI-Topf an Land ziehen kann.
(Bohl [CDU/CSU]: Ach, legt doch einmal
eine andere Platte auf!)
Das Hochschulrahmengesetz von 1976 ist ein
gesellschaftlicher Kompromiß gewesen. Viele von uns
haben damals durchaus weitergehende
Vorstellungen gehabt. Aber wir hätten auch noch zehn Jahre
mit dem bestehenden HRG leben können, bis die
größten Probleme der Belastung durch die starken
Studentenjahrgänge gelöst sind. Sie, meine Damen
und Herren auf der Rechten, haben diesen Konsens
aufgekündigt. Sie suchen die hochschulpolitische
Auseinandersetzung,
(Zuruf von der SPD: So ist es!)
und Sie können sie gern von uns haben.
Wenn Korrekturen am HRG von 1976
erforderlich sind, dann in den drei Bereichen, zu denen wir
Ihnen heute Anträge vorgelegt haben:
Erstens. Die Benachteiligung von Frauen in
unserer Gesellschaft ist erst in den letzten Jahren
bewußt gemacht worden. Wir schlagen Ihnen vor, daß
Frauenbeauftragte und Frauenförderpläne als
erster Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung im
Hochschulbereich für alle Hochschulen verbindlich
gemacht werden.
(Beifall bei der SPD)
Frau Kollegin Wisniewski, die allgemeine
Formulierung dieser Generalklausel, die Sie
hineingeschrieben haben, reicht eben nicht aus, um das
umzusetzen.
Zweitens. Das HRG 1976 macht die Einführung
der verfaßten Studentenschaft nicht verbindlich.
Bayern und Baden-Württemberg haben darauf
verzichtet. Den Studenten dort wird eine starke
Interessenvertretung verwehrt. Wir beantragen deshalb
die obligatorische Einführung der verfaßten
Studentenschaft mit einem hochschulpolitischen
Mandat, das auch die politische Bildung der Studenten
umfaßt, und wir machen gleichzeitig darauf
aufmerksam, daß ein hochschulpolitisches Mandat bei
einer gewollten Öffnung der Hochschulen für
Drittmittel aus der Industrie auch die Beschäftigung mit
eben dieser Industrie umfassen können muß und
daß ein hochschulpolitisches Mandat etwa bei der
Anknüpfung internationaler Beziehungen von
Hochschule zu Hochschule auch dazu berechtigt,
sich mit den politischen und gesellschaftlichen
Verhältnissen in den Partnerländern zu befassen.
Drittens. Die besonderen Bedürfnisse
behinderter Studentinnen und Studenten sind durch die
Generalklausel des geltenden § 2 HRG nicht
ausreichend berücksichtigt. Wir wollen deshalb einer
Anregung des Deutschen Studentenwerks folgen und
einen Beauftragten für Behindertenfragen
vorsehen. Außerdem sollen die Probleme der
Behinderten auch bei allen Bauplanungen berücksichtigt
werden.
Meine Damen und Herren, mit der Novellierung
des HRG lenkt die Bundesregierung von den
wirklichen Problemen an den Hochschulen in der
Bundesrepublik ab.
(Sehr wahr! bei der SPD)
Das Gesetz trägt nicht dazu bei, daß die Überlast
-
mittel erhöht werden. Das Gesetz ist kein
Instrument zum Offenhalten der Hochschulen. Es macht
die teilweise Schließung der Hochschulen für junge
Menschen aus sozial schwächeren Familien nicht
rückgängig. Das Gesetz leistet keinen Beitrag zu
einer Reform der Studiengänge, die sich an
beruflichen Tätigkeitsfeldern orientiert. Es verbessert
weder die Berufsperspektiven von
Nachwuchswissenschaftlern, weil es keine einzige zusätzliche Stelle
bringen wird, noch die Aussichten von
Akademikern auf dem Arbeitsmarkt. Das Gesetz gibt auch
keine Antwort darauf, welche Chance Geistes- und
Sozialwissenschaften gegenüber einer forcierten
Förderung der Hochtechnologien haben werden.
Schließlich verkürzt das Gesetz die Forderung nach
gesellschaftlicher Öffnung der Hochschulen auf die
Frage der Auftragsforschung für die einseitig am
betriebswirtschaftlichen Gewinn orientierte
Industrie.
(Zuruf von der CDU/CSU: Wo steht das?)
Meine Damen und Herren, die Beratungen des
Regierungsentwurfs im Ausschuß haben in einigen
Bereichen geringfügige Verbesserungen erbracht.
Einige der Änderungen, die Sie durchgesetzt haben,
bedeuten aber Verschlimmerungen. Sie haben
etwas Wasser in den Wein gegossen, um ihn
genießbarer zu machen, das Glykol, das darin enthalten
war, haben Sie nicht abgebaut.
(Heiterkeit bei der SPD)
Ihre Nachbesserungen haben nichts genützt. Dieses
Gesetz, dieses Zeug bleibt insgesamt ungenießbar.
Die SPD-Fraktion wird deshalb diesen
Gesetzentwurf ablehnen.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Neuhausen.
Neuhausen (FDP): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Essig im Wein ist auch nicht so
besonders schmackhaft. Das möchte ich zu dem sagen,
was der Kollege Kuhlwein als sinnigen Begriff da
zum Schluß gebracht hat.
Meine verehrten Damen und Herren, ein
Hochschulsystem — ich zitiere —, „in dem Universitäten
ihre Studenten und Studenten ihre Universitäten
von einem zentralen Verteilungssystem zugeteilt
erhalten, hat es schwer, zu einer lebendigen,
kritischen und differenzierten Bildungslandschaft zu
gedeihen".
(Zuruf von den GRÜNEN: Das stimmt!)
— Es stammt von Hans-Dietrich Genscher. —
Dieses Zitat macht es deutlich genug, wie weit wir
unter dem Druck zahlreicher sattsam bekannter
Probleme von dem Ziel entfernt sind, das für eine
liberale Hochschulpolitik bestimmend ist.
(Zuruf des Abg. Kuhlwein [SPD])
— Herr Kuhlwein, ich habe Sie auch reden lassen.
Ich setze dieses Zitat ganz bewußt an den Anfang
meines Beitrages, um einem Irrtum zu begegnen,
dem Sie auch verfallen sind und der vor allen
Dingen zwei inhaltlich entgegengesetze Haltungen in
den Diskussionen prägte, die wir über die Novelle
zum Hochschulrahmengesetz geführt haben,
nämlich einerseits die Erwartung, daß es möglich sei,
mit diesem Gesetz alle Probleme der Hochschule zu
lösen, also sozusagen eine heile Hochschulwelt zu
schaffen, und andererseits die ebenso extreme
Befürchtung, dieses Gesetz fixiere die Hochschulen
auf einen reaktionären Kurs.
(Zuruf von der SPD: So ist es!)
— Na, Sie wissen es ja ganz genau.
Worum ging es in Wirklichkeit? Es ging darum,
das Rahmenrecht des Bundes Erfahrungen
anzupassen, die mit dem geltenden Gesetz gemacht
worden sind. Es ging darum, Entwicklungen zu
berücksichtigen, die sich seitdem einfach in der Praxis
ergeben haben. Es ging darum, Optionen für neue
Entwicklungen und Erneuerungen zu öffnen. Mit
anderen Worten, dieses Gesetz muß in seinen
Möglichkeiten realistisch beurteilt werden als ein
Schritt, der allerdings, wie wir meinen, in die
Richtung wirklich von mehr Freiheit, Autonomie,
Differenzierung und Wettbewerb führt und der die
rechtlichen Voraussetzungen dafür schafft, daß mehr
Spielraum, mehr Flexibilität, mehr
Entbürokratisierung und mehr Eigenverantwortung möglich
werden.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Zuruf des Abg. Vogelsang [SPD] — Weitere
Zurufe von der SPD und von den
GRÜNEN)
— Ich glaube, Sie verwechseln das hier mit einer
lustigen Stunde. Ich weiß nicht, im Ausschuß ging
das ernster zu, Herr Vogelsang.
Daß es zahlreicher begleitender Schritte bedarf,
um diese Möglichkeiten auch zu verwirklichen, ist
selbstverständlich. Richtig ist in diesem
Zusammenhang auch die Feststellung der WRK, daß eine
Reihe wichtiger Forderungen zur Behebung der aus
Überlast und finanziellen Restriktionen
entstandenen Probleme für weitere Initiativen auf der
Tagesordnung bleiben müssen. Aber was ist erreicht?
Zum Beispiel — Sie haben es kritisiert, wir
begrüßen es — die Entbürokratisierung und
Erleichterung der Drittmittelforschung. Herr Kollege
Laermann wird dazu noch etwas sagen. Wenn dieser
wichtige Punkt allerdings zu einer Stärkung der
Leistungsfähigkeit der Hochschulen führen soll,
dann ist es notwendig, daß die Einnahmen, die die
Hochschulen aus Drittmitteln erzielen, nicht zu
Kürzungen bei den Landeshaushaltsmitteln
führen.
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten
Ströbele?
Neuhausen (FDP): Ja, wenn es nicht angerechnet
wird.
Vizepräsident Stücklen: Das ist bei diesen
Kurzdebatten immer schwierig. — Aber bitte schön, Herr
Ströbele.
Ströbele (GRÜNE): Herr Kollege, würden Sie mir
recht geben mit der Feststellung, daß dieses Gesetz
die Hochschulen den Interessen der Industrie
öffnet und daß damit genau das gemacht wird, was die
Studentenbewegung versucht hat zu verhindern?
Neuhausen (FDP): Herr Ströbele, ich gebe Ihnen
nicht recht. Ich komme aber darauf zurück.
Wichtig ist, daß die Voraussetzungen für eine
neue Personalstruktur geschaffen wurden, die trotz
aller Unkenrufe zu einer Verbesserung der
Chancen des wissenschaftlichen Nachwuchses in den
Hochschulen führen wird. Das war auf Grund der
Erfahrungen mit dem bisher geltenden Gesetz
dringend geboten. Und wichtig ist die Stärkung der
Autonomie der Hochschulen durch die künftige
Genehmigungsfreiheit der Studienordnung. Wichtig
ist auch, daß die Einrichtung von neuen
Studiengängen ermöglicht werden kann. Ich weiß nicht —
ich habe das in der ganzen Diskussion nicht
verstanden —, wie man an diese Möglichkeit eine
solche Begriffsverwirrung anknüpfen kann, wie das
auch heute morgen wieder geschehen ist. Ich gebe
zu, die von mir hier genannten Punkte sind wirklich
Zielscheiben von Kritik geworden, aber leider auch
die Zielscheibe von Polemik, die man nicht mehr als
sachlich-fachliche Kritik ernst nehmen kann. Es ist
völlig absurd — und jetzt komme ich zu dem, was
Herr Ströbele gefragt hat —, zu behaupten — aus
dem bunten Zitatenstrauß der von Ihnen
erwähnten VDS-Veranstaltungen — , daß nach dem Motto
„Wes Brot ich ess', des Lied ich sing"' die
Hochschulen „noch stärker als bisher an den Interessen
von Industrie und Kapital ausgerichtet" oder mit
dem Gesetz — ich nehme Ihnen das ja schon
vorweg — „den großen Konzernen der Zugriff und die
Einflußnahme auf die Inhalte von Bildung und
Wissenschaft verschafft" werden sollen — ich kann es
nicht auswendig lernen; deshalb habe ich das
aufgeschrieben — oder die Stichworte der Novellierung
„Militär, Industrie und konservative
Machtabsicherung" seien. Das ist so absurd, daß man sich scheut,
es zu zitieren. Ich zitiere noch die zahmsten Stellen.
Ich zitiere es nur deswegen, um
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Antrag auf Herbeirufung des Bundesministers des Innern, Dr. Zimmermann (G-SIG: 10003032) (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Entschließungsantrag zum Gesetz über eine Volks-, Berufs-, Gebäude-, Wohnungs- und Arbeitsstättenzählung (Volkszählungsgesetz 1986) (G-SIG: (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Entschließungsantrag zur Erklärung der Bundesregierung über die Jahresversammlung 1984 des Internationalen Währungsfonds in Washington (G-SI
- part_of_vorgang → Gesetz über eine Volks-, Berufs-, Gebäude-, Wohnungs- und Arbeitsstättenzählung (Volkszählungsgesetz 1986) (G-SIG: 10020311)
- part_of_vorgang → Gesetz zum Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (Proto
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches (G-SIG: 10020037)
- spoke_in ← Hans-Werner Senfft (Zur Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Werner Broll (Zur Geschäftsordnung BT)