Entschließung des Bundesrates "35 Jahre Wiedervereinigung - Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen neuen Aufbruch wagen"
Text
Entschließung des Bundesrates "35 Jahre Wiedervereinigung - Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen neuen Aufbruch wagen"
[Bundesrat Drucksache 515/25 (Beschluss)
26.09.25
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Beschluss
des Bundesrates
Entschließung des Bundesrates „35 Jahre Wiedervereinigung -
Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen
neuen Aufbruch wagen“
Der Bundesrat hat in seiner 1057. Sitzung am 26. September 2025 die aus der
Anlage ersichtliche Entschließung gefasst.
Drucksache 515/25 (Beschluss)
Anlage
Entschließung des Bundesrates „35 Jahre Wiedervereinigung -
Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen
neuen Aufbruch wagen“
1. Der Bundesrat erinnert daran, dass Deutschland seit 35 Jahren wiedervereinigt
ist. Der Prozess des Zusammenwachsens ist dabei weit fortgeschritten, dank
großer Anpassungs- und Aufbauleistungen in Ostdeutschland und der
westdeutschen Solidarität. Es gilt, den Einigungsprozess zügig voranzubringen.
Gleichzeitig wirken die Krisen der letzten Jahre als auch der Strukturwandel von
Wirtschaft und Gesellschaft auf viele Menschen in ganz Deutschland in belastender
Weise ein. In Anbetracht der Herausforderungen, vor denen Deutschland im
Inneren und nach Außen steht, wollen die Länder ihrer föderalen Verantwortung
als geeintes Deutschland in der Mitte Europas gerecht werden. Es geht um den
Schutz unserer Demokratie nach außen und innen.
2. Der Bundesrat hebt hervor, dass im Jahr 2029 die Bundesrepublik 80 Jahre
bestehen wird; danach ist Deutschland so lange wiedervereint, wie es geteilt war.
2029 wird die NATO ebenfalls 80 Jahre wie auch der Europarat. Das
Europäische Parlament wird 50 Jahre. So lange Zeitspannen setzen Institutionen, die
sich heute zum weiteren Male nach 1990 in einer Welt des tiefgreifenden
Umbruchs und des Wandels befinden, unter Anpassungs- und Reformdruck.
Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle und muss innerlich robust und stark
sein, um seiner europäischen und internationalen Verantwortung gerecht zu
werden.
3. Der Bundesrat sieht es als notwendig an, die bestehenden Strukturschwächen in
allen Teilen Deutschlands zügig zu beheben. Im vierten Jahrzehnt der deutschen
Einheit muss diese so vorangebracht werden, dass sie gleiche
Entwicklungschancen bei Akzeptanz von Unterschieden und Vielfalt in allen 16 Ländern
ermöglicht. Es braucht daher eine gemeinsame nationale Kraftanstrengung um
zügig deutliche Fortschritte in den Transformationsbereichen zu schaffen. Die
Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Regionen Deutschlands
ist auch ein Beleg erfolgreicher föderaler Politik zwischen den 16 Ländern und
gemeinsam mit dem Bund.
4. Der Bundesrat sieht angesichts verstärkter Diskussionen unter Überschriften
wie „Wiedervereinigt – aber nicht vereint“ oder „ungleich vereint“ den
anhaltenden Bedarf, sich mit dem Leben in der DDR, dem Prozess der
Wiedereinigung und den Transformationserfahrungen auseinanderzusetzen. Neben den
Entwicklungen vor und nach 1990 sollte dabei der Blick nach vorn auf die
Frage gerichtet werden, in welchem Land wir 40 Jahre nach der Deutschen Einheit
leben wollen, um den Aufbruch von 1989 zu vollenden. Diese Debatten werden
in unabhängigen Räumen von Wissenschaft, Kultur und Medien, Gedenkstätten
und anderen Erinnerungsorten, durch politische Bildung und gesellschaftliches
Engagement geführt. Der Bundesrat unterstützt die zügige Einrichtung des
„Zukunftszentrums für die Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ in
Halle (Saale). Die Demokratie als Grundlage der Einheit, die Bedeutung
europäischer und globaler Zusammenarbeit sowie ein kultureller und ideeller
Zusammenhalt durch unsere erfolgreiche Einheitsgeschichte könnten dabei
vermittelt werden.
5. Der Bundesrat erinnert daran, dass die Wiedervereinigung den Menschen zu
verdanken ist, die 1989/1990 mit hohem persönlichem Risiko auf der Straße für
den Erfolg der friedlichen Revolution eingetreten sind. Politik und Verwaltung
der Bundesrepublik Deutschland haben es nach dem Beitritt der DDR zum
Geltungsbereich des Grundgesetzes ermöglicht, dass die neuen Länder sich auf
Basis eines etablierten Rechtsstaates und der sozialen Marktwirtschaft gut
entwickeln konnten. 35 Jahre danach wird aber deutlich: Eine Staatsmodernisierung
ist nun geboten. Die Länder teilen den Willen, die staatliche Organisation und
öffentliche Verwaltung in Deutschland auf allen drei Ebenen von Bund,
Ländern und Kommunen zu modernisieren. Die Länder werden sich im Rahmen der
föderalen Ordnung für ein abgestimmtes und ganzheitliches Vorgehen
engagieren.
6. Der Bundesrat erinnert daran, dass Ostdeutschland durch die
Wiedervereinigung sofort Teil der damaligen Europäischen Gemeinschaft wurde. Er würdigt
die Revolutionen und Reformen, die ab 1989/1990 in den Staaten Ost- und
Mitteleuropas stattfanden, die später Mitglieder der Europäischen Union wurden.
Ihre Demokratiebewegungen brachten Impulse für politische Öffnung und
Wandel und waren damit Vorbild für die friedliche Revolution in der DDR. Das
europäische Miteinander wird an unseren Ländergrenzen und durch die
Zusammenarbeit von Städten und Gemeinden entlang dieser Grenzen gepflegt. In
Fortsetzung des innerdeutschen Einheitsprozesses gilt es, auch die Einheit
Europas und das europäische Miteinander, insbesondere auch zwischen Ost- und
Westeuropa für unsere Völker stärkend und schützend aktiv zu gestalten und
der europäischen Integration eine neue Dynamik zu geben.]
Relationen
- part_of_vorgang → Entschließung des Bundesrates "35 Jahre Wiedervereinigung - Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen neuen Aufbruch wagen" (Beschlussdrucksache)