Entschließung des Bundesrates "35 Jahre Wiedervereinigung - Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen neuen Aufbruch wagen"
Text
Entschließung des Bundesrates "35 Jahre Wiedervereinigung - Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen neuen Aufbruch wagen"
[Bundesrat Drucksache 515/25
24.09.25
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ISSN 0720-2946
Antrag
der Länder Sachsen, Baden-Württemberg,
Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen,
Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen,
Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein,
Thüringen
Entschließung des Bundesrates „35 Jahre Wiedervereinigung -
Einheit und Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen
neuen Aufbruch wagen“
Freistaat Sachsen Dresden, 24. September 2025
Ministerpräsident
An die
Präsidentin des Bundesrates
Frau Ministerpräsidentin
Anke Rehlinger
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
die Regierungen der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg,
Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben beschlossen, dem
Bundesrat den als Anlage beigefügten Antrag für eine
Entschließung des Bundesrates
„35 Jahre Wiedervereinigung – Einheit und Zusammenhalt in Deutschland
fördern und einen neuen Aufbruch wagen“
zuzuleiten.
Ich bitte Sie, die Vorlage gemäß § 36 Absatz 2 der Geschäftsordnung des
Bundesrates mit dem Ziel der sofortigen Sachentscheidung in die Tagesordnung der
Sitzung des Bundesrates am 26. September 2025 aufzunehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Kretschmer
Entschließung des Bundesrates „35 Jahre Wiedervereinigung – Einheit und
Zusammenhalt in Deutschland fördern und einen neuen Aufbruch wagen“
Der Bundesrat möge folgende Entschließung fassen:
1. Der Bundesrat erinnert daran, dass Deutschland seit 35 Jahren wiedervereinigt ist. Der
Prozess des Zusammenwachsens ist dabei weit fortgeschritten, dank großer
Anpassungs- und Aufbauleistungen in Ostdeutschland und der westdeutschen
Solidarität. Es gilt, den Einigungsprozess zügig voranzubringen. Gleichzeitig wirken die
Krisen der letzten Jahre als auch der Strukturwandel von Wirtschaft und Gesellschaft
auf viele Menschen in ganz Deutschland in belastender Weise ein. In Anbetracht der
Herausforderungen, vor denen Deutschland im Inneren und nach Außen steht, wollen
die Länder ihrer föderalen Verantwortung als geeintes Deutschland in der Mitte
Europas gerecht werden. Es geht um den Schutz unserer Demokratie nach außen und
innen.
2. Der Bundesrat hebt hervor, dass im Jahr 2029 die Bundesrepublik 80 Jahre bestehen
wird; danach ist Deutschland so lange wiedervereint, wie es geteilt war. 2029 wird die
NATO ebenfalls 80 Jahre wie auch der Europarat. Das Europäische Parlament wird 50
Jahre. So lange Zeitspannen setzen Institutionen, die sich heute zum weiteren Male
nach 1990 in einer Welt des tiefgreifenden Umbruchs und des Wandels befinden, unter
Anpassungs- und Reformdruck. Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle und muss
innerlich robust und stark sein, um seiner europäischen und internationalen
Verantwortung gerecht zu werden.
3. Der Bundesrat sieht es als notwendig an, die bestehenden Strukturschwächen in allen
Teilen Deutschlands zügig zu beheben. Im vierten Jahrzehnt der deutschen Einheit
muss diese so vorangebracht werden, dass sie gleiche Entwicklungschancen bei
Akzeptanz von Unterschieden und Vielfalt in allen 16 Ländern ermöglicht. Es braucht
daher eine gemeinsame nationale Kraftanstrengung um zügig deutliche Fortschritte in
den Transformationsbereichen zu schaffen. Die Schaffung gleichwertiger
Lebensverhältnisse in allen Regionen Deutschlands ist auch ein Beleg erfolgreicher
föderaler Politik zwischen den 16 Ländern und gemeinsam mit dem Bund.
4. Der Bundesrat sieht angesichts verstärkter Diskussionen unter Überschriften wie
„Wiedervereinigt – aber nicht vereint“ oder „ungleich vereint“ den anhaltenden Bedarf,
sich mit dem Leben in der DDR, dem Prozess der Wiedereinigung und den
Transformationserfahrungen auseinanderzusetzen. Neben den Entwicklungen vor und
nach 1990 sollte dabei der Blick nach vorn auf die Frage gerichtet werden, in welchem
Land wir 40 Jahre nach der Deutschen Einheit leben wollen, um den Aufbruch von
1989 zu vollenden. Diese Debatten werden in unabhängigen Räumen von
Wissenschaft, Kultur und Medien, Gedenkstätten und anderen Erinnerungsorten,
durch politische Bildung und gesellschaftliches Engagement geführt. Der Bundesrat
unterstützt die zügige Einrichtung des „Zukunftszentrums für die Deutsche Einheit und
Europäische Transformation“ in Halle (Saale). Die Demokratie als Grundlage der
Einheit, die Bedeutung europäischer und globaler Zusammenarbeit sowie ein
kultureller und ideeller Zusammenhalt durch unsere erfolgreiche Einheitsgeschichte
könnten dabei vermittelt werden.
5. Der Bundesrat erinnert daran, dass die Wiedervereinigung den Menschen zu
verdanken ist, die 1989/1990 mit hohem persönlichen Risiko auf der Straße für den
Erfolg der friedlichen Revolution eingetreten sind. Politik und Verwaltung der
Bundesrepublik haben es nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des
Grundgesetzes ermöglicht, dass die neuen Länder sich auf Basis eines etablierten
Rechtsstaates und der sozialen Marktwirtschaft gut entwickeln konnten. 35 Jahre
danach wird aber deutlich: Eine Staatsmodernisierung ist nun geboten. Die Länder
teilen den Willen, die staatliche Organisation und öffentliche Verwaltung in Deutschland
auf allen drei Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen zu modernisieren. Die
Länder werden sich im Rahmen der föderalen Ordnung für ein abgestimmtes und
ganzheitliches Vorgehen engagieren.
6. Der Bundesrat erinnert daran, dass Ostdeutschland durch die Wiedervereinigung
sofort Teil der damaligen Europäischen Gemeinschaft wurde. Er würdigt die
Revolutionen und Reformen, die ab 1989/1990 in den Staaten Ost- und Mitteleuropas
stattfanden, die später Mitglieder der Europäischen Union wurden. Ihre
Demokratiebewegungen brachten Impulse für politische Öffnung und Wandel und
waren damit Vorbild für die friedliche Revolution in der DDR. Das europäische
Miteinander wird an unseren Ländergrenzen und durch die Zusammenarbeit von
Städten und Gemeinden entlang dieser Grenzen gepflegt. In Fortsetzung des
innerdeutschen Einheitsprozesses gilt es, auch die Einheit Europas und das
europäische Miteinander, insbesondere auch zwischen Ost- und Westeuropa für
unsere Völker stärkend und schützend aktiv zu gestalten und der europäischen
Integration eine neue Dynamik zu geben.
Drucksache 515/25 - 2 -]
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