Entschließung des Bundesrates "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg - Zusammenhalt in Europa stärken"
Text
Entschließung des Bundesrates "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg - Zusammenhalt in Europa stärken"
[Bundesrat Drucksache 164/25 (Beschluss)
11.04.25
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Beschluss
des Bundesrates
Entschließung des Bundesrates "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg
- Zusammenhalt in Europa stärken"
Der Bundesrat hat in seiner 1053. Sitzung am 11. April 2025 die aus der Anlage
ersichtliche Entschließung gefasst.
Drucksache 164/25 (Beschluss)
Anlage
Entschließung des Bundesrates "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg
- Zusammenhalt in Europa stärken"
1. Der Bundesrat erinnert an den Jahrestag der Befreiung und das Ende des
Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren. Deutschland und Europa wurden am 8.
Mai 1945 von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft befreit, welche
Krieg, unermessliche Leiden und Tod über Millionen von Menschen gebracht
hat. Das Schicksal der Opfer des Krieges und des deutschen
Nationalsozialismus bleibt für immer Teil deutscher Geschichte und unseres Erinnerns.
Der völlige Bruch mit den grundlegenden Prinzipien der Menschlichkeit und
jeglicher zivilen Staats- und Rechtsordnung durch die nationalsozialistischen
Verbrechen ruft unser Land im Besonderen auf, jeder Form von
Antisemitismus, extremistischen, rassistischen, fremdenfeindlichen und
menschenfeindlichen Bestrebungen sowie Angriffen auf das Existenzrecht des Staates
Israel entschieden entgegen zu treten.
2. Der Bundesrat erinnert daran, dass mit dem Prozess des Wiederaufbaus, der
nach dem 8. Mai 1945 begann, zugleich die Suche nach einem dauerhaften
Frieden in Europa verbunden war. Denn nur ein gemeinsamer Weg in Frieden,
gegenseitiger Anerkennung und Verbundenheit kann den europäischen
Kontinent vor erneuten kriegerischen Feindseligkeiten bewahren und das
Wohl aller Bürgerinnen und Bürger gewährleisten. Der Jahrestag des Endes
des Zweiten Weltkriegs mahnt die Europäerinnen und Europäer, diesen Weg
des Friedens, des Zusammenhalts und der Freiheit weiterzugehen und ihn - im
Verbund mit den transatlantischen Partnern - auch für die Zukunft zu festigen.
3. Der Bundesrat hebt hervor, dass auch Deutschland nach dem Ende des
Zweiten Weltkriegs Lehren aus den Verheerungen des Nationalsozialismus
gezogen und sich ein Grundgesetz gegeben hat, das als Gegenentwurf zu
jeglichem Totalitarismus und menschenverachtendem Autoritarismus zu sehen
ist. Das Grundgesetz ist der Rahmen für unser Zusammenleben in Frieden,
Freiheit, Demokratie und einem Rechtsstaat, der die Würde jedes und jeder
Einzelnen zum Ausgangspunkt allen staatlichen Handelns macht. Diese
Grundordnung zu schützen und ihren Gehalt zu bewahren ist zugleich
fortwährend Auftrag und Verpflichtung für uns alle.
4. Der Bundesrat ruft in Erinnerung, dass der Zweite Weltkrieg auch die
deutsche Teilung zur Folge hatte. Es entstanden zwei deutsche Staaten – im
Westen die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik
Deutschland, im Osten die DDR mit einer SED-Diktatur. Der Freiheitswille
der Menschen in der DDR hat zur friedlichen Überwindung der Teilung
geführt. Ermutigt durch die Protestbewegungen und Freiheitsbestrebungen in
Polen, der damaligen Tschechoslowakei, in Ungarn sowie in Estland, Lettland
und Litauen erkämpften sich die Menschen in allen Regionen und Städten der
DDR Freiheit und Demokratie. Die deutsche Wiedervereinigung hat das
Zusammenleben in einem geeinten, demokratischen und rechtsstaatlichen
Deutschland möglich gemacht, war ein wesentlicher Baustein im Prozess der
Beendigung des Kalten Krieges und zentral für das weitere
Zusammenwachsen Europas.
5. Der Bundesrat sieht vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, die durch
das Ende des Zweiten Weltkrieges die Chance einer grundlegenden Zäsur und
eines demokratischen Neubeginns bekam, eine besondere Verantwortung
Deutschlands, sich für Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
in Europa einzusetzen. Europa steht durch den wachsenden globalen
Standortwettbewerb, bewaffnete Konflikte sowie das Erfordernis einer
ökonomisch-ökologischen und digitalen Transformation vor enormen
Herausforderungen. Europa braucht das entschiedene Bekenntnis zum
gemeinsamen Handeln und den tatkräftigen Einsatz für europäische Lösungen
unseres Landes, um auf diese Herausforderungen starke und entschlossene
Antworten zu finden.
6. Der Bundesrat hebt hervor, dass es gerade auch die deutschen Länder und
Kommunen waren, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Freundschaft und die
Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn durch konkrete Projekte,
Partnerschaften und Begegnungen von Bürgerinnen und Bürgern in
vielfältiger Weise mit Leben erfüllt und mitaufgebaut haben. Die
grenzüberschreitende Zusammenarbeit, das Zusammenwirken von Regionen, Städten
und Metropolregionen sowie der stete Austausch mit den Nachbarländern in
Europa sind heute eine wesentliche Basis für das Entstehen europäischer
Lösungen, Synergien und Stärken. Der achtzigste Jahrestag des Endes des
Zweiten Weltkrieges ist eine eindringliche Mahnung, dieses Band fester denn
je zu knüpfen und auf allen Ebenen stark und wehrhaft zu machen für eine
freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche Zukunft unseres Kontinents.]
Relationen
- part_of_vorgang → Entschließung des Bundesrates "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg - Zusammenhalt in Europa stärken" (Beschlussdrucksache)