Rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr 2025
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Rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr 2025
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5924
21. Wahlperiode 13.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Zada Salihović, Desiree Becker, Gökay Akbulut, Janina
Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Ferat Koçak,
Jan Köstering, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner, Ulrich
Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr 2025
Wie bereits im Jahr zuvor sind die Zahlen rechtsextremer Vorfälle bei der
Bundeswehr im Jahr 2025 gestiegen (Jahresbericht 2025 des Wehrbeauftragten,
Bundestagsdrucksache 21/4200). So gab es 333 Vorfälle mit
Extremismusbezug von Soldatinnen und Soldaten, wovon allein 275 (2023: 177; 2024: 252)
der Kategorie „Extremistische Verhaltensweisen, Volksverhetzung und Verstoß
gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung“ zugeordnet wurden.
Ebenfalls wie im Jahr zuvor erreichten die Vorfälle seit 2016 einen erneuten
Höchststand.
Zusätzlich zeigen die gravierenden Missstände bei dem
Fallschirmjägerregiment in Zweibrücken, wie neben Sexismus auch rechtsextremes Gedankengut
in der Bundeswehr vertreten ist und wie noch immer Meldestrukturen sowie
Vorgesetzte beim Umgang damit versagen („Ungereimtheiten“, Die Rheinpfalz
vom 27. Januar 2026, S. 2).
Die infolge der sogenannten Zeitenwende angekündigten Verbesserungen der
materiellen und besonders personellen Ausstattung der Bundeswehr müssen
mit einer erhöhten Sensibilität gegenüber rechtsextremen Vorfällen in der
Bundeswehr einhergehen, insbesondere, wenn in Zukunft Hunderte neue
Rekrutinnen und Rekruten Teil der Streitkräfte werden sollen. Die Bundeswehr muss
immer genau prüfen, wer im Umgang mit Waffen und militärischem Wissen
ausgestattet wird. Denn Soldatinnen und Soldaten, die nicht fest auf dem Grund
der freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehen, sind nicht nur ein
Imageproblem, sondern eine Bedrohung für alle Menschen in Deutschland.
Entsprechend soll die vorliegende Kleine Anfrage das Problemfeld
Rechtsextremismus in der Bundeswehr erneut beleuchten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Meldungen zu rechtsextremistischen Vorfällen und Vorfällen von
gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind den Dienststellen der
Bundeswehr im Jahr 2025 bekannt geworden (bitte alle dem Wehrbeauftragten
gemeldeten Fälle inklusive etwaiger Nachmeldungen für die Vorjahre
einzeln darstellen)?
a) Sind die Sachverhalte bestätigt (bitte nach ja, nein, offen aufgliedern)?
b) Welchen Status hatten die beschuldigten Soldatinnen und Soldaten
(Berufssoldat, Soldat auf Zeit, freiwillig Wehrdienstleistender), und
welche Dienstgrade bekleideten sie (bitte nach Mannschaften,
Unteroffizieren mit und ohne Portepee, Leutnanten und Hauptleuten,
Stabsoffizieren, Generälen unterscheiden)?
c) In welchen Fällen waren Zivilbeschäftigte der Bundeswehr oder
anderer Behörden in die Vorfälle involviert, und wie viele jeweils?
d) Wann und wo fanden die Vorfälle statt?
e) Wie wurden die Sachverhalte beschrieben (bitte den Inhalt der
Meldung bzw. des Vorfalls kurz wiedergeben)?
f) Welche disziplinarischen und strafrechtlichen Maßnahmen wurden
gegen die betroffenen Soldatinnen und Soldaten eingeleitet?
g) Haben die beschuldigten Soldatinnen und Soldaten weiterhin Zugang
zu Waffen?
h) Werden die beschuldigten Soldatinnen und Soldaten (ggf. weiterhin)
als Ausbilderinnen und Ausbilder eingesetzt?
i) Erteilen die beschuldigten Soldatinnen und Soldaten (ggf. weiterhin)
als Vorgesetzte Befehle?
j) Welche Maßnahmen wurden gegen die beteiligten Zivilangestellten
eingeleitet?
2. Bei wie vielen Soldatinnen bzw. Soldaten oder Zivilangestellten, die
Gegenstand von Meldungen aus dem Jahr 2025 sind, wurde eine vorzeitige
Entlassung vorgenommen bzw. in die Wege geleitet oder das
Beschäftigungsverhältnis beendet (bitte den Vorfällen in der Antwort zu Frage 1
zuordnen)?
3. In wie vielen und welchen der in der Antwort zu Frage 1 genannten Fälle
kamen die Hinweise von anderen Behörden, Einzelpersonen bzw. Dritten
(bitte den Vorfällen in der Antwort zu Frage 1 zuordnen)?
4. Welche weiteren Aktualisierungen, Korrekturen und Ergänzungen kann
die Bundesregierung zu den Angaben in der Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/1321 vornehmen
(bitte vollständig angeben)?
5. Wie viele und welche der im Jahr 2025 vom Bundesamt für den
Militärischen Abschirmdienst (BAMAD) neu eingeleiteten Verdachtsfälle sind
mit den von der damaligen Wehrbeauftragten genannten Verdachtsfällen
identisch?
6. Wie viele und welche nicht dem Wehrbeauftragten Henning Otte
gemeldeten Vorfälle mit rechtsextremistischem, rassistischem oder
antisemitischem Hintergrund oder politisch rechts konnotierte Fälle fehlender
Verfassungstreue sind dem BAMAD oder anderen Dienststellen der
Bundeswehr im Jahr 2025 bekannt geworden?
7. Wie viele der vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) im Jahr 2025
abgeschlossenen Prüfverfahren endeten mit einer Einstufung als „rot“,
„orange“ oder „grün“ (bitte jeweils die Bedeutung dieser Kategorien
erläutern), und welche Schritte wurden hinsichtlich der als „rot“ oder
„orange“ eingestuften Bundeswehrangehörigen unternommen (bitte analog zum
Schema in der Antwort zu Frage 1 darstellen)?
8. In wie vielen Fällen wurden in den Jahren 2024 und 2025 Bewerberinnen
oder Bewerber bereits im Assessmentverfahren wegen „Zweifeln an der
Verfassungstreue“ abgelehnt?
9. Wie viele nachrichtendienstliche Prüfoperationen hat das BAMAD im
Jahr 2025 durchgeführt?
a) In wie vielen Fällen lehnte das BAMAD trotz des Vorliegens
ausreichender Anhaltspunkte für extremistisches Verhalten die Bearbeitung
des Falls aufgrund mangelnder Zuständigkeit ab?
b) Wurden die in Frage 9a genannten Fälle an andere Behörden
weitergegeben, und wenn ja, an welche (bitte den Sachverhalt kurz beschreiben
und den Grund für die fehlende Zuständigkeit und die Behörde, an die
weitergeleitet wurde, auflisten)?
10. Welche sind die fünf Standorte der Bundeswehr, an denen die meisten
rechtsextremistischen Vorfälle gemeldet wurden?
11. Welche Fälle von Bestandsabweichungen von Waffen, Schusswaffen,
Munition und Sprengmitteln gab es im Jahr 2025 bei den Beständen der
Bundeswehr (bitte alle Fälle einzeln darstellen)?
a) An welchen Standorten kam es zu den Abweichungen (bitte
aufgliedern)?
b) Wie sahen die Abweichungen im Detail aus (bei Waffen und Munition
bitte die Gattung, Zustand und die Anzahl angeben, bei Sprengmitteln
bitte zusätzlich das Gewicht und die Sprengkraft angeben)?
c) In welche Richtung wichen die Bestände ab (über oder unter dem
Soll), und welche Erklärungen dafür gibt es?
d) Konnte der Verbleib bei Minusbeständen geklärt werden, und sind die
Waffen, Munition und Sprengmittel wieder in die Bestände der
Bundeswehr zurückgeflossen?
e) Konnten einzelne Personen festgestellt werden, die für die
Abweichung verantwortlich waren, und wenn ja, welche Konsequenzen hatte
dies für diese?
f) In welchen Fällen gab es Ermittlungen durch Disziplinarvorgesetzte
wegen des Verdachts auf ein Dienstvergehen, und zu welchem Schluss
kamen die Ermittlungen?
g) In welchen Fällen wurden Disziplinarmaßnahmen verhängt und
welche?
h) Wurden weitere Ermittlungsbehörden eingebunden, und in welchen
Fällen führte deren Ermittlungen zum Wiederauffinden fehlender
Waffen, Munition oder Sprengmitteln?
i) Konnte bei Überbestand die Herkunft geklärt werden, und wie wurde
mit den Überschüssen umgegangen?
j) Wurden aufgrund der Bestandsabweichungen Prüfungen aus
besonderem Anlass, außerplanmäßige Inventuren und bzw. oder Prüfungen auf
Fehlbuchung durchgeführt, und mit welchen Ergebnissen?
12. Bei wie vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BAMAD wurden im
Jahr 2025 „extremistische Tendenzen“ festgestellt?
13. Wie viele und welche Kontakte gibt es zwischen Soldatinnen und
Soldaten zu zivilen rechtsextremen Organisationen wie z. B. der Identitären
Bewegung und der Dritte Weg (bitte die Fälle einzeln darstellen)?
a) In welcher Form bestehen die Kontakte, und wie regelmäßig sind sie
(bitte jeweils nach selten, regelmäßig und sehr regelmäßig
unterteilen)?
b) Zu welchen zivilen rechtsextremen Organisationen besteht der
Kontakt (bitte zu jedem Fall benennen)?
c) Haben die jeweiligen Soldatinnen und Soldaten Zugang zu Waffen
sowie Sprengmitteln oder zu eingestuften Informationen?
14. Welche Fälle von demütigenden oder anderweitig nicht mit dem
Selbstbild der Bundeswehr kompatiblen Aufnahmeritualen sind den
Dienststellen der Bundeswehr im Jahr 2025 bekannt geworden (bitte die Fälle
einzeln darstellen und jeweils Standort, Truppengattung Anzahl der
beteiligten Soldatinnen und Soldaten sowie disziplinarischer oder strafrechtlicher
Konsequenz aufführen)?
Berlin, den 11. Mai 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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