Rechtsextremismus im Kommando Spezialkräfte und in Kasernen der Bundeswehr - Strukturen, Zugänge, Vorkommnisse, Netzwerke und Sicherheitslücken
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Rechtsextremismus im Kommando Spezialkräfte und in Kasernen der Bundeswehr - Strukturen, Zugänge, Vorkommnisse, Netzwerke und Sicherheitslücken
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3145
21. Wahlperiode 05.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Zada Salihović, Desiree Becker, Gökay Akbulut, Janina
Böttger, Maik Brückner, Clara Bünger, Agnes Conrad, Mirze Edis, Mandy
Eißing, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Ates Gürpinar, Ferat Koçak, Jan Köstering,
Stella Merendino, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner,
Ulrich Thoden, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und
der Fraktion Die Linke
Rechtsextremismus im Kommando Spezialkräfte und in Kasernen der
Bundeswehr – Strukturen, Zugänge, Vorkommnisse, Netzwerke und
Sicherheitslücken
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) und andere spezialisierte
Bundeswehreinheiten verfügen über besondere militärische Fähigkeiten, privilegierten Zugang
zu Waffen, Munition, Sprengmitteln und sensiblen Informationen sowie zu
strategischen Planungen. Rechtsextreme Netzwerke innerhalb dieser Strukturen
stellen eine erhebliche Gefahr dar, da sie im Ernstfall überlogistisch, taktisch
und operativ wirken könnten. Kasernen als Standorte dieser Einheiten sind
nicht nur physische Infrastruktur, sondern auch sensible Orte, an denen
Ausbildung, Einsatzvorbereitung und geheime Planungen stattfinden.
Mehrfach gab es bundesweite Ermittlungen, in deren Rahmen KSK-Soldaten
oder Angehörige anderer Spezialeinheiten im Zusammenhang mit
rechtsextremen Aktivitäten auffielen (www.spiegel.de/politik/deutschland/reichsbuer
ger-truppe-um-heinrich-xiii-prinz-reuss-operation-staatsstreich-a-909a7d84-aed
9-4243-89bb-fb9caa68c71d). Um die Risiken und die
Handlungsnotwendigkeiten vollständig zu erfassen, ist eine umfassende, detailgenaue und
standortbezogene Aufschlüsselung erforderlich. Die Fragestellenden bitten die
Bundesregierung, sämtliche Antworten tabellarisch mit folgenden Spalten bereitzustellen:
Jahr, Bundesland, Kaserne bzw. Standort, Einheit bzw. Truppenteil, Funktion
bzw. Dienstgrad, Sicherheitsüberprüfungsstufe, Art des Zugangs (Waffen bzw.
Munition bzw. Sprengmittel bzw. VS (Verschlusssache)-Informationen bzw.
IT), Art des Vorfalls, Fundkontext, eingeleitete Maßnahmen, Verfahrensstand,
Rechtsfolge.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Soldatinnen und Soldaten des KSK wurden seit 2014 als
a) Prüffall,
b) Verdachtsfall oder
c) erwiesene rechtsextreme Bestrebung
durch das Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD)
erfasst (bitte jährlich, nach Dienstgradgruppe und Status (aktiv, Reservistin
bzw. Reservist, ehemalig) angeben)?
2. Wie viele der in Frage 1 erfragten Personen waren in folgenden
Funktionen tätig
a) Kampfkräfte,
b) Unterstützungskräfte,
c) Stabspersonal,
d) Ausbilderinnen und Ausbilder,
e) Material- und Waffenkammerpersonal?
3. In wie vielen Fällen handelte es sich um Personen, die nach bereits
ergriffenen disziplinarischen Maßnahmen erneut auffällig geworden sind?
4. Wie viele der in Frage 1 erfragten Personen hatten bzw. haben Zugriff auf
folgende Waffengattungen
a) Sturmgewehre (G36, HK416),
b) Präzisionsgewehre (G22, G29, G82),
c) Maschinengewehre (MG3, MG5),
d) Maschinenpistolen,
e) Pistolen (P8, P30),
f) Granatwerfer und Sonderwaffen,
g) Sprengmittel/Handgranaten,
h) militärische IT-Netze (VS-NfD (Verschlusssache – Nur für den
Dienstgebrauch), GEHEIM, NATO SECRET)?
5. Wie oft kam es seit 2014 in KSK-Einheiten zu Bestandsabweichungen,
Verlusten oder Diebstählen von Waffen, Munition oder Sprengmitteln,
und welche Maßnahmen wurden jeweils ergriffen, um die
Bestandsabweichungen aufzuklären?
6. In wie vielen Fällen wurde der Zugang zu Waffen bzw. Munition bzw.
Sprengmitteln nach Bekanntwerden eines Verdachts gegen ein KSK-
Mitglied sofort entzogen?
7. In welchen Kasernen mit dort stationierten Soldatinnen und Soldaten des
KSK traten seit 2014 rechtsextreme Vorfälle auf (bitte nach Jahren,
Bundesland, Kaserne, betroffener Einheit und Art des Vorfalls aufschlüsseln)?
8. Welche Zutritts- und Kontrollregelungen gelten für diese Kasernen, und
wie oft wurden sie seit 2018 verschärft oder evaluiert?
9. In wie vielen Fällen wurde seit 2018 in KSK-Kasernen rechtsextremes
Material (Flyer, Aufkleber, Graffiti bzw. Kritzeleien etc.)
a) in Unterkunftsräumen,
b) in Spinden,
c) in Waffenkammern,
d) in dienstlichen Fahrzeugen
gefunden?
10. Wie oft fanden unangekündigte Spind-, Raum- oder
Waffenkammerkontrollen in KSK-Kasernen statt, und wie oft führten diese zu
Ermittlungsverfahren?
11. Wie viele KSK-Angehörige, gegen die rechtsextreme Verdachtsmomente
vorlagen, verfügten über Sicherheitsüberprüfungen (SÜ) der Stufen SÜ1,
SÜ2 oder SÜ3?
12. In wie vielen Fällen wurde den in Frage 11 erfragten Personen die
Einstufung der Sicherheitsüberprüfung nach Bekanntwerden des Verdachts
a) entzogen,
b) herabgestuft,
c) ausgesetzt?
13. Welche Interimsmaßnahmen (Zugangs- oder Tätigkeitsbeschränkungen,
Versetzungen, Hausverbote) wurden in Verdachtsphasen ergriffen, und
wie lange dauerten diese im Durchschnitt?
14. In wie vielen Fällen wurden Kontakte zwischen KSK-Angehörigen und
Gruppierungen und Einzelpersonen aus dem Bereich der
verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates festgestellt (bitte so weit
möglich differenzieren)?
15. Welche Formen dieser Kontakte wurden dokumentiert
a) Mitgliedschaften,
b) Chatgruppen,
c) persönliche Treffen,
d) Spenden oder Sachleistungen,
e) Teilnahme an Versammlungen oder anderen Aktivitäten?
16. In wie vielen Fällen wurden bei Ermittlungen mit Bezug zu rechtsextrem
motivierter Kriminalität Kontaktlisten, Adressdateien oder
Telefonverzeichnisse gefunden, in denen KSK-Angehörige auftauchten?
17. Bei wie vielen Razzien seit 2018 wurden KSK-Angehörige durchsucht
oder festgenommen (bitte jeweils mit Angabe des Anlasses, der
beteiligten Behörden, der sichergestellten Gegenstände und des derzeitigen
Ermittlungsstands angeben)?
18. In wie vielen Fällen waren KSK-Kasernen selbst Ziel einer
Durchsuchung?
19. Gab es in den letzten 24 Monaten Fälle, bei denen ihm Rahmen von
bundesweiten Razzien rechtsextreme Kontakte zu Soldaten und Soldatinnen
des KSK festgestellt wurden (wenn ja, bitte die einzelnen Fälle jeweils mit
Datum der Razzia, Ermittlungsanlass, beteiligten Behörden, betroffenen
Einheiten, sichergestellten Materialien,
Sicherheitsüberprüfungsentscheidungen und dienstrechtlichen Konsequenzen angeben)?
20. Welche Verfahren zur Extremismusprävention gibt es bei der Auswahl für
das KSK (psychologische Tests, Social-Media-Screenings,
Hintergrundprüfungen)?
21. Wie viele Bewerberinnen und Bewerber wurden seit 2018 aufgrund von
Hinweisen auf rechtsextreme Gesinnung aus dem KSK-Auswahlverfahren
ausgeschlossen?
22. In wie vielen Fällen wurden Ausbilderinnen und Ausbilder des KSK
wegen rechtsextremer Auffälligkeiten versetzt oder aus der Funktion
entfernt?
23. Welche baulichen, technischen oder organisatorischen Maßnahmen zum
Schutz vor Sabotage (u. a. Waffendiebstahl) wurden in KSK-Kasernen seit
2018 eingeführt (z. B. Kameras, Schleusen, verstärkte Waffenkammern)?
24. Wie oft wurden Kasernen mit KSK-Bezug in den letzten zehn Jahren
aufgrund interner Vorfälle wie z. B. Waffendiebstählen als besonders
gefährdet eingestuft, und welche genauen Gründe lagen vor?
25. Welche Ergebnisse haben interne oder externe Sicherheitsaudits in diesen
Kasernen seit 2018 erbracht?
26. Wie viele wehrdisziplinarische Verfahren wurden seit 2014 gegen KSK-
Angehörige wegen rechtsextremer Vorfälle eingeleitet, und wie endeten
diese?
27. Wie viele strafrechtliche Verfahren (bitte nach Strafgesetzbuch (StGB)-
Paragrafen differenzieren) gab es im gleichen Zeitraum, und mit welchem
Ausgang?
28. Welche Meldeketten gelten bei rechtsextremen Verdachtsfällen im KSK,
und wie oft kam es seit 2018 zu Meldeverzögerungen oder
Meldeunterlassungen?
29. In wie vielen Fällen erfolgte eine Unterrichtung des
Verteidigungsausschusses zu verfassungsfeindlichen Vorfällen beim KSK nicht zeitnah,
und aus welchen Gründen?
30. Welche „Lessons Learned“ aus Rechtsextremismusfällen beim KSK
haben seit 2014 zu Änderungen in Vorschriften, Ausbildung,
Sicherheitsüberprüfung oder Kasernenzugang geführt (bitte jede Maßnahme mit
Datum und Fundstelle benennen)?
Berlin, den 21. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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