polradar

Wassernutzung von KI- und Rechenzentren - Kenntnisstand und Maßnahmen der Bundesregierung

dip / drucksache 23.09.2026 · WP 21 · 21/8112 · Kleine Anfrage · Original ↗

Im Graph öffnen

Text

Wassernutzung von KI- und Rechenzentren - Kenntnisstand und Maßnahmen der Bundesregierung Deutscher Bundestag Drucksache 21/8112 21. Wahlperiode 23.09.2026 Kleine Anfrage der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Dr. Michael Kaufmann, Micha Fehre, Beatrix von Storch, Ronald Gläser, Thomas Ladzinski und der Fraktion der AfD Wassernutzung von KI- und Rechenzentren – Kenntnisstand und Maßnahmen der Bundesregierung Der Ausbau von Rechenzentren und KI-Rechenkapazitäten ist nach Ansicht der Fragesteller für die digitale Souveränität, die Innovationsfähigkeit und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Deutschlands von erheblicher Bedeutung. Mit ihrer Nationalen Rechenzentrumsstrategie verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens zu verdoppeln und die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz sowie Hochleistungsrechnen zu vervierfachen (https://bmds.bund.de/aktuelles/pressemitteilung en/detail/bundesregierung-beschliesst-rechenzentrumsstrategie). Der damit verbundene Ausbau erhöht jedoch zugleich den Bedarf an Energie, Flächen, Netzanbindungen und Kühlkapazitäten. Insbesondere die Wassernutzung von Rechenzentren gewinnt vor dem Hintergrund regional begrenzter Wasserressourcen und der zunehmenden Zahl energie- sowie rechenintensiver KI-Anwendungen an Bedeutung. Wasser kann sowohl unmittelbar zur Kühlung von Rechenzentren als auch mittelbar im Zusammenhang mit der Stromerzeugung benötigt werden. Die tatsächliche Belastung hängt unter anderem von Standort, Kühlsystem, Auslastung, Energieversorgung und der Herkunft des eingesetzten Wassers ab. Nach aktuellem Kenntnisstand liegen der Bundesregierung keine belastbaren Angaben darüber vor, wie hoch die Wassernutzung der in Deutschland betriebenen Rechenzentren insgesamt ist und welche Auswirkungen der geplante Kapazitätsausbau auf den Wasserbedarf haben wird (https://netzpolitik.org/2026/k i-und-rechenzentren-bundesregierung-weiss-nicht-wieviel-wasser-ihre-ausbaup laene-schlucken-werden/). Dies betrifft Berichten zufolge auch die Wassernutzung der vom Bund selbst betriebenen oder genutzten Rechenzentren (https://n etzpolitik.org/2026/ki-und-rechenzentren-bundesregierung-weiss-nicht- wievielwasser-ihre-ausbauplaene-schlucken-werden/). Ohne eine hinreichende Datengrundlage bleibt offen, ob die Ziele der Rechenzentrumsstrategie mit regionalen Wasserverfügbarkeiten vereinbar sind und nach welchen Kriterien mögliche Nutzungskonflikte frühzeitig erkannt werden sollen. Eine nachhaltige und resiliente Digitalpolitik setzt nach Auffassung der Fragesteller voraus, dass der Ausbau digitaler Schlüssel-Infrastrukturen nicht losgelöst von den verfügbaren natürlichen Ressourcen geplant wird. Dies gilt insbesondere für den ländlichen Raum und Regionen, in denen die Ansiedlung von Rechenzentren wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven eröffnen kann, zugleich aber möglicherweise begrenzte Wasserressourcen, eine angespannte ört- Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. liche Versorgungslage oder konkurrierende Nutzungsansprüche bestehen. Erforderlich sind nach Ansicht der Fragesteller daher transparente Verbrauchsdaten, nachvollziehbare Kriterien für die Standortwahl und technische Vorgaben, die einen möglichst wassersparenden Betrieb gewährleisten. Vor diesem Hintergrund besteht ein erhebliches parlamentarisches Informationsbedürfnis darüber, welche Kenntnisse die Bundesregierung zur direkten und indirekten Wassernutzung von KI- und Rechenzentren besitzt, wie sie die Auswirkungen der eigenen Ausbauziele auf regionale Wasserressourcen bewertet und welche Maßnahmen sie zur Datenerhebung, Transparenz sowie zur Verringerung der Wassernutzung vorsieht. Wir fragen die Bundesregierung:  1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur direkten und indirekten Wassernutzung (bitte nach Trinkwasser, Kühlwasser oder sonstiges Wasser aufschlüsseln) von Rechenzentren in Deutschland vor (bitte auch etwaigen Schlupf, z. B. durch Verdampfung, Versickerung angeben)?  2. In welchem Umfang liegen der Bundesregierung Daten zur Wassernutzung von Rechenzentren vor, die durch Bundesbehörden betrieben oder für die Erbringung von IT-Dienstleistungen des Bundes genutzt werden?  3. Welche Bundesbehörden, bundeseigenen Unternehmen oder IT- Dienstleister des Bundes erfassen die Wassernutzung der von ihnen betriebenen oder genutzten Rechenzentren und welche Daten liegen hierzu jeweils vor?  4. Aus welchen Gründen kann die Bundesregierung nach Kenntnis der Fragesteller bislang keine belastbaren Angaben zur gesamten Wassernutzung von Rechenzentren in Deutschland sowie zu den Folgen des geplanten Ausbaus der Rechenzentrumskapazitäten machen, obwohl diese Daten laut Energieeffizienzgesetz (EnEfG) § 13 sowie Anlage 3 zu § 13 Absatz 1 bereits seit Juni 2025 vorliegen sollten?  5. Welche Datengrundlage nutzt die Bundesregierung, um die Auswirkungen ihrer Ausbauziele für KI- und Rechenzentrumskapazitäten auf den künftigen Wasserbedarf zu bewerten?  6. Wie unterscheidet die Bundesregierung bei der Erhebung und Bewertung zwischen Wasserentnahme, Wassernutzung, wiederverwendetem Wasser und dem indirekten Wasserbedarf im Zusammenhang mit der Stromversorgung von Rechenzentren?  7. Welche technischen Kennzahlen zur Bewertung der Wassereffizienz von Rechenzentren, insbesondere der Water Usage Effectiveness (WUE), werden nach Kenntnis der Bundesregierung bei Bundesrechenzentren bereits erhoben oder sollen künftig erhoben werden?  8. Welche Kühlverfahren werden in den vom Bund betriebenen oder genutzten Rechenzentren eingesetzt und welchen Einfluss haben diese Verfahren nach Kenntnis der Bundesregierung auf den jeweiligen Wasserbedarf?  9. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung vor, um bei Neubau, Erweiterung oder Beschaffung von Rechenzentrumskapazitäten besonders wassersparende Kühl- und Betriebskonzepte zu berücksichtigen? 10. Nach welchen Kriterien berücksichtigt die Bundesregierung die örtliche Verfügbarkeit von Wasser bei Rechenzentren auf Bundesliegenschaften, bei Vorhaben mit Bundesförderung und bei deutschen Standortvorschlägen im Rahmen des Gemeinsamen Unternehmens EuroHPC (bitte je Förderprogramm und Vorhaben darstellen)? Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. 11. Plant die Bundesregierung Änderungen des Baugesetzbuchs, des Raumordnungsgesetzes oder des Wasserhaushaltsgesetzes, die Rechenzentren als eigenen Vorhabentyp erfassen oder eine gesonderte Prüfung des Wasserbedarfs im Genehmigungsverfahren vorsehen, und wie bewertet sie den Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung gegenüber der gewerblichen Kühlwassernutzung? 12. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, ob es bei bestehenden oder geplanten Rechenzentren bereits zu Nutzungskonflikten mit kommunaler Wasserversorgung, Landwirtschaft, Gewerbe oder Industrie gekommen ist? 13. Hält die Bundesregierung die bestehenden Transparenzvorgaben für Rechenzentren nach § 13 Absatz 1 in Verbindung mit Anlage 3 des Energieeffizienzgesetzes für ausreichend, wie bewertet die Bundesregierung, dass für das Berichtsjahr 2025 bis zum 6. Juli 2026 lediglich etwa die Hälfte der meldepflichtigen Rechenzentren ihre Angaben nach Anlage 3 des Energieeffizienzgesetzes an das Energieeffizienzregister übermittelt haben, und welche Vollzugsmaßnahmen hat sie daraufhin ergriffen? 14. Inwieweit veröffentlicht die Bundesregierung Informationen zum Wasserverbrauch von Rechenzentren des Bundes oder seiner IT-Dienstleister, und unter welchen Umständen wird eine Veröffentlichung, etwa unter Verweis auf Sicherheitsinteressen, eingeschränkt oder verweigert? 15. Welche konkreten Sicherheitsrisiken sieht die Bundesregierung bei einer aggregierten und standortbezogen differenzierten Veröffentlichung von Wasserverbrauchsdaten staatlicher Rechenzentren? 16. Inwieweit beabsichtigt die Bundesregierung, Anforderungen an Wassereffizienz, Transparenz und die Erfassung der Wassernutzung in die Nationale Rechenzentrumsstrategie, Förderprogramme oder Beschaffungsstandards des Bundes aufzunehmen? 17. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass der geplante Ausbau von KI- und Rechenzentrumskapazitäten mit einer belastbaren, transparenten und regional differenzierten Ressourcenplanung verbunden wird? Berlin, den 21. September 2026 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333 Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt.

Relationen