Zum aktuellen und künftigen Energiebedarf einer deutschen KI-Recheninfrastruktur
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Zum aktuellen und künftigen Energiebedarf einer deutschen KI-Recheninfrastruktur
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1106
21. Wahlperiode 04.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Leif-Erik
Holm, Raimond Scheirich, Dr. Malte Kaufmann und der Fraktion der AfD
Zum aktuellen und künftigen Energiebedarf einer deutschen
KI-Recheninfrastruktur
Die fortschreitende Digitalisierung des öffentlichen, wirtschaftlichen und
privaten Lebens hat praktisch alle Bereiche der modernen Gesellschaft erfasst.
Mittels Glasfasernetzen und 5G-Mobilfunknetzen lassen sich rasch wachsende
Datenpakete in kurzer Zeit übertragen und in Rechenzentren verarbeiten; diese
Kapazitäten werden durch Videoanwendungen, Streamingdienste, das Internet
der vernetzten Dinge, durch autonomes Fahren und durch Anwendungen der
Smart Cities nachgefragt. Größte Treibkraft der Digitalisierung ist die
Künstliche Intelligenz (KI), die seit der Veröffentlichung von ChatGPT im November
2022 das Labor verlassen hat und sich auf Milliarden privater Rechner und
Telefone wiederfindet, in die Steuerungszentralen der Unternehmen eingezogen
ist und auch die Verwaltung, die Schulen und Arbeitsplätze verändern wird.
Dabei ist keine Anwendung der Daten- und Digitalindustrie so energieintensiv
wie KI. Ein Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA) kommt zum
Ergebnis, dass Rechenzentren, die für die Verarbeitung von KI-Anwendungen
unerlässlich sind, bereits für 1,5 Prozent des weltweiten Stromverbrauches
verantwortlich sind (vgl. https://iea.blob.core.windows.net/assets/601eaec9-ba91-462
3-819b-4ded331ec9e8/EnergyandAI.pdf, hier S. 37). Ein KI-spezifisches
Rechenzentrum kommt dem Bericht zufolge auf eine Kapazität von 100 MW, was
dem Stromverbrauch 100 000 privater Haushalte entspricht (ebd., hier S. 38).
Große Hyperscaler wie Google, Microsoft und Amazon setzen zum Stillen des
Energiehungers ihrer Rechenzentren in den USA zunehmend auf Kernkraft
(vgl. www.heise.de/news/Microsofts-KI-Stromhunger-US-Atomkraftwerk-soll-
vorzeitig-reaktiviert-werden-10463412.html). Für die global operierenden
Konzerne ist diese Form der Energiegewinnung offenbar attraktiv, weil sie die
nachgefragten Mengen zu akzeptablen Preisen, in definierten Volumina und
ohne saisonale Schwankungen zu liefern imstande ist. Die derzeit in
Deutschland an das Stromnetz angeschlossenen Datenzentren werden ihren
Energiebedarf Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2037 knapp verdoppeln (vgl. www.heis
e.de/news/Regierung-Stromverbrauch-von-Rechenzentren-duerfte-sich-bis-203
7-verdoppeln-10194665.html). Derzeit liegt der Anteil der Rechenzentren am
Strombedarf der deutschen Industrie bei knapp 10 Prozent (vgl. https://de.statist
a.com/statistik/daten/studie/236757/umfrage/stromverbrauch-nach-sektoren-
indeutschland/) bei tendenziell steigender Tendenz.
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
das Ziel formuliert, „Deutschland als KI-Nation“ zu etablieren. Das bedeute
„massive Investitionen in die Cloud- und KI-Infrastruktur sowie in die
Verbindung von KI und Robotik“ (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitio
nsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, hier S. 4). Über Rechenzentren heißt es
im Text: „Durch eine Digitalisierungsoffensive bei Stromnetzbetreibern und
mehr Transparenz über Netzanschlusskapazitäten erleichtern wir die Planung
und Integration von Rechenzentren in das Stromnetz“ (ebd., hier S. 68).
Derzeit ist der Wirtschaftsstandort Deutschland unattraktiv für den Aufbau und
den Betrieb von KI-tauglichen Rechenzentren im Vergleich zu anderen
Standorten. Nicht nur sind laut Medien die Baukosten für Rechenzentren im
Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Deutschland mit die höchsten, auch
die deutschen Strompreise, die rund 60 Prozent der Betriebskosten eines
Rechenzentrums ausmachen, sind doppelt so hoch wie in den USA (vgl. www.han
delsblatt.com/politik/international/nvidia-nvidia-chef-kommt-nach-berlin-das-st
eckt-hinter-der-werbetour/100134592.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den jährlichen Investitionsbedarf in
eine KI-taugliche Recheninfrastruktur, damit Deutschland eine „KI-
Nation“ werden kann (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wie hoch wird nach Auffassung der Bundesregierung der Anteil
staatlicher Fördergelder inklusive Subventionen hieran sein, und auf
welche Einzelpläne des Haushaltsentwurfs 2025 verteilt sich dieser
(bitte ausführen)?
b) Wie hoch wird nach Auffassung der Bundesregierung der Anteil
privater beziehungsweise unternehmerischer Investitionen hieran sein?
2. Wie hoch wird nach Einschätzung der Bundesregierung der
Energieverbrauch deutscher KI-tauglicher Rechenzentren in zehn Jahren sein
(gemessen in Gigawatt), und aus welchen Energiequellen soll nach den
Vorstellungen der Bundesregierung deren Stromversorgung erfolgen (bitte
ausführen)?
3. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass eine stabile
Stromversorgung unerlässlich ist, um in Deutschland KI-taugliche Rechenzentren
wirtschaftlich zu betreiben?
a) Wenn ja, ist nach Auffassung der Bundesregierung das deutsche
Stromnetz grundsätzlich auf den absehbar wachsenden Energiebedarf
der Daten- und Digitalwirtschaft in Deutschland ausgelegt?
b) Wenn ja, was unternimmt die Bundesregierung, um die
Stromversorgung in Deutschland stabil und sicher zu halten?
c) Wenn ja, leistet für die Bundesregierung auch die Kernkraft, speziell
jene Small Modular Reactors (SMR) der jüngsten Generation,
perspektivisch einen Beitrag zur Schaffung und zum Erhalt einer stabilen
und sicheren Stromversorgung?
d) Wenn nein, warum nicht?
4. Verfügt die Bundesregierung über Erkenntnisse zu Auswirkungen von KI-
tauglichen Rechenzentren auf die Stabilität von Stromnetzen, und wenn
ja, welche, und wie bezieht sie diese Erkenntnisse in ihrer Energiepolitik
mit ein (bitte ausführen)?
5. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen
Baukosten für ein KI-taugliches Rechenzentrum in Deutschland, und wie
stellen sich diese Kosten im internationalen Vergleich dar?
6. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass ein international
wettbewerbsfähiger Strompreis unerlässlich ist, um in Deutschland KI-taugliche
Rechenzentren wirtschaftlich zu betreiben?
a) Wenn ja, welche – steuerlichen, technischen, administrativen –
Maßnahmen ergreift die Bundesregierung konkret, um den Strompreis in
Deutschland auf einem international wettbewerbsfähigen Niveau zu
halten?
b) Wenn nein, warum nicht?
7. Kann die Bundesregierung in den in Deutschland geltenden Strompreisen
für die Industrie ein Markteintrittshemmnis für deutsche und auswärtige
Planer, Entwickler und Betreiber KI-tauglicher Rechenzentren erkennen,
und wenn ja, bitte ausführen (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
8. Simuliert die Bundesregierung angesichts des stark wachsenden
Energiebedarfs der Daten- und Digitalindustrie in Deutschland einen möglichen –
auch partiellen wie befristeten – Ausfall der Stromversorgung für
Unternehmen, Gemeinden und Bürger?
a) Wenn ja, mit welchem Ergebnis, und mit welchen Konsequenzen?
b) Wenn nein, warum nicht?
9. Befindet sich die Bundesregierung hinsichtlich des wachsenden
Strombedarfs der Daten- und Digitalindustrie im Austausch mit Ländern, die bei
ihrer Energieversorgung primär auf Kernkraft setzen, etwa mit
Frankreich?
a) Wenn ja, mit welchem Ergebnis, und mit welchen Konsequenzen?
b) Wenn nein, warum nicht?
10. Hat die Bundesregierung bereits mit der im Koalitionsvertrag zwischen
CDU, CSU und SPD angekündigten „Digitalisierungsoffensive bei
Stromnetzbetreibern“ begonnen, um „die Planung und Integration von
Rechenzentren in das Stromnetz“ zu erleichtern (siehe Vorbemerkung der
Fragesteller)?
a) Wenn ja, mit welchen Zielen und gegebenenfalls ersten Ergebnissen?
b) Wenn nein, wann ist mit dem Beginn einer derartigen
„Digitalisierungsoffensive“ zu rechnen?
11. Hat die Bundesregierung, wie im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD angekündigt, bereits für „mehr Transparenz über
Netzanschlusskapazitäten“ gesorgt, um „die Planung und Integration von Rechenzentren
in das Stromnetz“ zu erleichtern (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, mit welchen Zielen und gegebenenfalls ersten Ergebnissen?
b) Wenn nein, wann ist mit der Schaffung von mehr „Transparenz über
Netzanschlusskapazitäten“ zu rechnen?
12. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, ob Unternehmen
ihre Planungen zur Errichtung KI-tauglicher Rechenzentren in
Deutschland zurückgestellt beziehungsweise gestrichen haben, weil ihnen die
beim Betrieb der Rechenzentren anfallenden Strompreise als zu hoch
erschienen sind (bitte ausführen)?
13. Wird die Bundesregierung die nationale KI-Strategie (www.ki-strategie-d
eutschland.de/) dahingehend aktualisieren, dass es ein separates Kapitel
zum wachsenden Verbrauch von Energie durch KI-Anwendungen sowie
zur Notwendigkeit ihrer verlässlichen und kostengünstigen Bereitstellung
geben wird?
a) Wenn ja, wann wird mit einer dergestalt skizzierten Aktualisierung der
nationalen KI-Strategie zu rechnen sein?
b) Wenn nein, warum nicht?
14. Wird die Bundesregierung die Digitalstrategie (Bundestagsdrucksache
20/3329) dahingehend aktualisieren, dass es ein separates Kapitel zum
wachsenden Verbrauch von Energie durch die Digitalisierung sowie zur
Notwendigkeit ihrer verlässlichen und kostengünstigen Bereitstellung
geben wird?
a) Wenn ja, wann wird mit einer dergestalt skizzierten Aktualisierung der
Digitalstrategie zu rechnen sein?
b) Wenn nein, warum nicht?
15. Wird die Bundesregierung die Datenstrategie (Bundestagsdrucksache
19/26450) dahingehend aktualisieren, dass es ein separates Kapitel zum
wachsenden Verbrauch von Energie durch die Verarbeitung digitaler
Daten sowie zur Notwendigkeit ihrer verlässlichen und kostengünstigen
Bereitstellung geben wird?
a) Wenn ja, wann wird mit einer dergestalt skizzierten Aktualisierung der
Datenstrategie zu rechnen sein?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 24. Juli 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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