Unterfinanzierung der Bundeswasserstraßen, Investitionsstau bei Schleusenanlagen und Widerspruch zur Verkehrspolitik der Bundesregierung
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Unterfinanzierung der Bundeswasserstraßen, Investitionsstau bei Schleusenanlagen und Widerspruch zur Verkehrspolitik der Bundesregierung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5398
21. Wahlperiode 16.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten René Bochmann, Alexis L. Giersch, Wolfgang Wiehle, Lars
Haise, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons, Stefan Henze, Leif-Erik Holm,
Dr. Rainer Kraft, Hans-Jürgen Goßner, Volker Scheurell, Otto Strauß, Andreas
Mayer, Carsten Becker und der Fraktion der AfD
Unterfinanzierung der Bundeswasserstraßen, Investitionsstau bei
Schleusenanlagen und Widerspruch zur Verkehrspolitik der Bundesregierung
Die Bundeswasserstraßen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen
Verkehrs- und Logistikinfrastruktur. Sie verbinden die deutschen Seehäfen mit
den industriellen Zentren im Binnenland und ermöglichen große
Transportleistungen mit vergleichsweise geringem Energieverbrauch und niedrigen
Emissionen.
Trotz dieser zentralen Bedeutung weisen zahlreiche Infrastrukturberichte,
Fachverbände der Binnenschifffahrt sowie Vertreter der Hafenwirtschaft seit Jahren
auf einen erheblichen Investitionsstau bei Schleusen, Wehren, Kanälen und
sonstigen wasserbaulichen Anlagen hin. Ein erheblicher Teil der
Schleusenanlagen stammt noch aus den Ausbauphasen der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Viele Anlagen sind heute 70 bis über 100 Jahre alt und erreichen
zunehmend ihre technischen Belastungsgrenzen.
Wiederkehrende Störungen, lange Reparaturzeiten und ungeplante Sperrungen
führen bereits heute zu erheblichen Beeinträchtigungen der Binnenschifffahrt.
Besonders kritisch ist die Situation an zentralen Wasserstraßenkorridoren wie
dem Mittellandkanal, dem Elbe-Seitenkanal, der Elbe sowie wichtigen
Verbindungen zwischen den Seehäfen und den industriellen Kernregionen
Deutschlands.
Der Ausfall einzelner Schleusenanlagen kann ganze Transportketten
unterbrechen und erhebliche volkswirtschaftliche Schäden verursachen. Binnenhäfen,
Industrie- und Logistikunternehmen sind jedoch auf eine zuverlässige
Wasserstraßeninfrastruktur angewiesen.
Gleichzeitig verfolgt die Bundesregierung das politische Ziel, mehr
Güterverkehr von der Straße auf umweltfreundlichere Verkehrsträger wie Schiene und
Wasserstraße zu verlagern.
Vor diesem Hintergrund erscheint es widersprüchlich, dass die Wasserstraße als
einziger Bundesverkehrsweg bislang nicht im zum 1. Januar 2025 in Kraft
getretenen Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK)
berücksichtigt wurde. Das kritisieren auch die Regierungschefs der Bundesländer
(www.rlp.de/fileadmin/02/MPK_Vorsitz/Beschluesse_MPK_5._Maerz_Berlin/
TOP_14_Finanzierung_der_Bundeswasserstrassen.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuellen Investitionsstau bei
Schleusen, Wehren und sonstigen Anlagen der Bundeswasserstraßen?
2. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der gesamte
Investitionsstau bei den Bundeswasserstraßen (bitte nach Bauwerksarten
aufschlüsseln)?
3. Wie viele Schleusenanlagen an Bundeswasserstraßen sind derzeit älter als
50 Jahre, 75 Jahre und 100 Jahre?
4. Welche Schleusenanlagen gelten derzeit als besonders störanfällig oder
befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung in einem kritischen
technischen Zustand?
5. Wie viele ungeplante Sperrungen von Schleusen oder Wasserbauwerken
gab es in den vergangenen zehn Jahren (bitte nach Wasserstraße und
Dauer der Sperrung aufschlüsseln)?
6. Welche wirtschaftlichen Schäden für die Industrie, Binnenhäfen und
Logistikunternehmen entstehen nach Einschätzung der Bundesregierung
durch solche Sperrungen (vgl. Frage 5)?
7. Welche Wasserstraßenkorridore bewertet die Bundesregierung als
systemrelevant für die Versorgung der Industrie und die Hinterlandanbindung der
deutschen Seehäfen?
8. Welche konkreten Investitionsmaßnahmen an Schleusen, Kanälen und
Wehren sind bis 2030 ggf. geplant (bitte nach Wasserstraße und
Investitionsvolumen aufschlüsseln)?
9. Welche jährlichen Haushaltsmittel wären nach Einschätzung der
Bundesregierung erforderlich, um den bestehenden Investitionsstau innerhalb der
nächsten zehn bis 15 Jahre abzubauen?
10. Aus welchen Gründen wurden die Bundeswasserstraßen bislang nicht im
Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität berücksichtigt?
11. Plant die Bundesregierung, die Bundeswasserstraßen künftig in das
Sondervermögen aufzunehmen, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
12. Wie bewertet die Bundesregierung den Widerspruch zwischen dem
politischen Ziel der Verkehrsverlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger
und der aktuell unzureichenden finanziellen Ausstattung der
Wasserstraßeninfrastruktur?
13. Welche Auswirkungen hätte nach Einschätzung der Bundesregierung der
längerfristige Ausfall zentraler Schleusenanlagen auf wichtigen Ost-
Westoder Nord-Süd-Wasserstraßenkorridoren für die Industrie, Häfen und
Logistikketten?
14. Welche Rolle spielen nach Einschätzung der Bundesregierung die
Bundeswasserstraßen für die Nationale Hafenstrategie und für europäische
Logistikkorridore?
15. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die
Zuverlässigkeit, Betriebssicherheit und Leistungsfähigkeit der
Bundeswasserstraßen dauerhaft sicherzustellen?
Berlin, den 14. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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