Teilweise Sperrung der Schleuse Brunsbüttel sowie möglicher wirtschaftlicher Schaden und Betriebseinschränkungen am Nord-Ostsee-Kanal
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Teilweise Sperrung der Schleuse Brunsbüttel sowie möglicher wirtschaftlicher Schaden und Betriebseinschränkungen am Nord-Ostsee-Kanal
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4650
21. Wahlperiode 12.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Alexis L. Giersch, Wolfgang Wiehle, René Bochmann,
Lars Haise, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons, Stefan Henze, Leif-Erik
Holm, Dr. Rainer Kraft, Hans-Jürgen Goßner, Volker Scheurell, Otto Strauß,
Andreas Mayer, Carsten Becker Dr. Gottfried Curio, Steffen Janich und
der Fraktion der AfD
Teilweise Sperrung der Schleuse Brunsbüttel sowie möglicher wirtschaftlicher
Schaden und Betriebseinschränkungen am Nord-Ostsee-Kanal
In der Zeitschrift „Zukunft Meer“ (Heft 1/2025) wird unter der Überschrift
„Der Nord-Ostsee-Kanal – Katerstimmung im Jubiläumsjahr“ die
Bundesregierung als zuständige Stelle aufgefordert, kurzfristig Maßnahmen zu ergreifen,
um die durch Böschungsschäden bedingte Geschwindigkeitsreduzierung auf
der Weststrecke des Nord-Ostsee-Kanals, die laut Fachberichten seit 2023 zu
erheblichen Verzögerungen, längeren Befahrenszeiten, Einschränkungen für
kleinere Schiffe und damit zu volkswirtschaftlichen Belastungen führt,
schnellstmöglich zu beheben und damit die Funktionsfähigkeit der weltweit
meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße (mit einem jährlichen
volkswirtschaftlichen Nutzen von rund 570 Mio. Euro) wiederherzustellen (www.yump
u.com/de/document/read/70748697/me2be-zukunft-meer-2025-01).
Die vorübergehende Sperrung der zweiten großen Kammer der Schleuse
Brunsbüttel am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) am 6. Oktober 2025 wirft bei den
Fragestellern zahlreiche Fragen zu den Ursachen der technischen Probleme, der
Durchführung der Wartungsarbeiten sowie den Auswirkungen auf die
Schifffahrt und die Wirtschaft auf.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Defekte führten zur vorübergehenden Sperrung der
zweiten großen Schleusenkammer in Brunsbüttel?
2. Welche technischen Probleme an beiden großen Schleusenkammern,
welche das Risiko eines Schleusenausfalls bergen, sind bekannt, und seit
wann jeweils?
3. Welche Maßnahmen wurden seit Erkennen der technischen Probleme
jeweils ergriffen, um die dadurch bedingten Risiken zu beseitigen bzw. zu
minimieren?
4. Wurden die regelmäßigen Inspektionen an den Torunterwagen
durchgeführt, oder gab es verlängerte Inspektionsintervalle?
5. Wenn Frage 4 bejaht wird, wie lange wurden die Inspektionsintervalle
verlängert, und welche Gründe führten zu dieser Verlängerung?
6. Wie oft waren in den letzten 30 Jahren entweder in Brunsbüttel oder in
Holtenau zeitgleich beide großen Kammern außer Betrieb (bitte getrennt
angeben für Brunsbüttel und Holtenau), und wie lange dauerten die
Ausfallzeiten (bitte nach den fünf längsten Ausfallzeiten, den fünf kürzesten
Ausfallzeiten und der durchschnittlichen Ausfallzeit aufschlüsseln)?
7. Wie viele Schiffe waren von der in Frage 6 erfragten Sperrung der
Schleusenkammern betroffen?
8. Welche Verzögerungen ergaben sich für die Schifffahrt durch die in
Frage 6 erfragten Sperrung der Schleusen?
9. Welche Investitionen sind in den letzten fünf Jahren in die Instandhaltung
und Modernisierung der Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal geflossen?
10. Mit welchen Kosten rechnet die Bundesregierung für die Instandsetzung
der Schleusenkammern in Brunsbüttel?
11. Welcher Zeitplan wurde bzw. wird jeweils für die vollständige
Wiederinbetriebnahme der gesperrten Schleusenkammer erwartet (vgl. Frage 10),
und wurde dieser (bisher) eingehalten?
12. Ist geplant, die Anzahl der für den Nord-Ostsee-Kanal in Reserve
gehaltenen Schleusentore zu erhöhen und wenn ja, auf wie viele Tore, bis wann,
und mit welchen Mitteln?
13. Bis wann ist nach derzeitigem Stand mit der Fertigstellung der dritten
großen Schleusenkammer der Schleuse Brunsbüttel zu rechnen?
14. Wie hoch war das veranschlagte Budget für den Bau der dritten
Schleusenkammer Brunsbüttel?
15. Wird dieses in Frage 14 erfragte Budget voraussichtlich eingehalten?
16. Wenn Frage 14 verneint wird, um wie viel werden die tatsächlichen
Baukosten die geplanten Baukosten übersteigen, und wie sind die Mehrkosten
zu begründen?
17. Wie viele Mitarbeiter haben bzw. hatten jeweils das Wasserstraßen- und
Schifffahrtsamt (WSA) Brunsbüttel und das WSA Holtenau in den Jahren
1980, 1990, 2000, 2010, 2020 und 2025?
18. Wie bewertet die Bundesregierung die Personalentwicklung, und welche
Personalpolitik verfolgt die Bundesregierung für die kommenden Jahre
(vgl. Frage 17)?
19. In welcher Höhe standen den beiden WSÄ am Nord-Ostsee-Kanal
Haushaltsmittel für Instandhaltung in den Jahren 1980, 1990, 2000, 2010, 2020
und 2025 zur Verfügung, und in welcher Höhe wurden diese Mittel
verbraucht?
20. Wie viele Böschungsschäden auf der Weststrecke des Nord-Ostsee-Kanals
sind der Bundesregierung aktuell bekannt, und wie hoch werden die
Sanierungskosten insgesamt geschätzt?
21. Welche Gründe sind ausschlaggebend, die Geschwindigkeitsreduzierung
auf 12 km/h auf der gesamten Strecke weiterhin aufrechtzuerhalten,
obwohl die Schäden nur die Weststrecke betreffen und laut Fachmeinung
eine Beschränkung auf der Oststrecke nicht erforderlich wäre (vgl. in der
Vorbemerkung der Fragesteller genannter Artikel)?
22. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf., um kleinere Schiffe,
die laut Experten kaum Böschungswirkung erzeugen, von den aktuellen
Einschränkungen auszunehmen (vgl. Frage 21)?
23. Welche Auswirkungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung die
derzeitigen Betriebseinschränkungen (Schleusen, Weststrecke, Fährbetrieb)
auf die Erreichbarkeit der Seehäfen Hamburg, Brunsbüttel, Rendsburg,
Kiel, Bremerhaven und Wilhelmshaven sowie auf die Industrie- und
Gewerbeunternehmen in Norddeutschland?
24. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko langfristiger
volkswirtschaftlicher Schäden, wenn die Engpasssituation im NOK angesichts
alternder Schleusenanlagen (u. a. Baujahr 1914 der sog. Neuen Schleusen in
Kiel-Holtenau und Brunsbüttel) sowie etwaiger laufender
Bauverzögerungen und eingeschränkter Begegnungsmöglichkeiten weiter anhält?
25. Wie ist der aktuelle Bautenstand der Ersatzbauten der sog. alten Schleusen
(Baujahr 1894) in Kiel-Holtenau, und wird nach Einschätzung der
Bundesregierung der Zeitplan für die Fertigstellung eingehalten?
Berlin, den 13. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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